Studie Scripted Reality

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Branded Entertainment Online - kurz: BEO - ist die News- und Austauschplattform zu den Themen Product Placement und Branded Entertainment in Deutschland. Ziel von BEO ist es, den Informationsaustausch zwischen den Marktteilnehmern zu fördern.

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  • 1. VORVERFFENTLICHUNG2 25/2012/1Maya Gtzunter Mitarbeit von Christine Bulla, Andrea Holler, Simone Gruber, Judith Schwarz Wie Kinder und JugendlicheFamilien im Brennpunkt verstehen(Junge, 11 Jahre)S 1. Auf der Suche nach der ie haben reierische Folgentitelzumindest ein Spiel mit Realitt, das wie Megaattraktiver AufreierFamilien im Brennpunkt kennzeichnet.Faszination stiehlt seinem kleinen Bruder Die 45-mintige Sendung ist seitdie groe Liebe, Casanova gert an 31. August 2009 wochentags und Methoden zur Annherung an dieskrupellose Onlinebetrgerin oder samstags am Nachmittag auf dem Rezeption von Familien im BrennpunktNaive Teenie-Mutter verliebt sich inprivat-kommerziellen Sender RTLdurch Kinder und JugendlichePharao und erzhlen dramatischste,zu sehen. Bei jngeren Kindern sindsich bis ins Absurde steigerndees nur einzelne, die sich die SendungDie Studie nherte sich auf zweiGeschichten rund um das Themaansehen, bei den Pre-Teens (10- bisWegen der Frage, warum einigeFamilien im Brennpunkt. Dargestellt13-Jhrige) sieht zum Teil jede/rKinder und Jugendliche das Formatwerden die erdachten HandlungsablufeFnfte, der am Nachmittag fernsieht, nutzen und wie sie den Realittsgehaltvon LaiendarstellerInnen, die oftdie Sendung. Bei den Mdchen dieseseinschtzen. Zum einen wurden ausjenseits der sonst im Fernsehen blicheneiner reprsentativen Stichprobe vonBesetzung liegen, was Erscheinungweniger gut ausgestatteten (Sinus-)n= 728 6- bis 12-Jhrige diejenigenund Schauspielkunst angehen. Sie Milieus ist die Sendung besondersagieren in Privatwohnungen und auf beliebt. Was interessiert Kinder und sehen.3 Bei den 6- bis 7-Jhrigen waroffener Strae im deutschen (meist Jugendliche an den berdramatisiertendies knapp jedes zehnte Kind, einKlner) Raum, nicht selten schreiend Familiendramen?Anteil, der dann mit jedem Jahrgangund vulgre Sprache nicht meidend. In einer Kooperationsstudie gingen wchst, und schlielich bei den 10- bisGefilmt wird in einem spontan- die Gesellschaft zur Frderung 12-jhrigen Jungen auf jeden Dritten,dokumentarischen Stil, meist mit des internationalen Jugend- undbei den Mdchen auf ber 40 %Handkameras, einige Gesichter sind Bildungsfernsehens e.V. 1 und dieanwchst. Diese Kinder wurden dannverpixelt und zu starke SchimpfwrterLandesanstalt fr Medien Nordrhein-standardisiert interviewt. Bei den Pre-mit Piep-Tnen berdeckt. Sptestens Westfalen (LfM) der Frage nach, wasTeens und Jugendlichen befragten wirdurch Einwrfe wie Zwei TageKinder und Jugendliche an diesen 10- bis 18-Jhrige in Bayern, wobeispter bittet der SchulpsychologeFormaten fasziniert und inwieweitzu den standardisierten Items offenealle Beteiligten zu einem Gesprch.sie den gescripteten Charakter der Fragen, z. B. zur Beschreibung desWir drfen mit der Kamera dabeiSendungen verstehen. Im FolgendenFormates, einzelner Folgen, Vorliebensein wird deutlich: Diese Formate wird im Sinne der Handlungsorientiertensowie Kritikpunkte, hinzukamen. 4versuchen, einen dokumentarischenRezeptionsforschung 2 zunchst Insgesamt wurden so n= 861 KinderCharakter vorzuspielen, und gebennachvollzogen, was Kinder undund Jugendliche zwischen 6 und 18vor, eine Realitt abzubilden, die auchJugendliche an Familien im BrennpunktJahren allgemein, und die Familien-jenseits der Fernsehproduktion genau reizt (1). Vor diesem Hintergrund und im im-Brennpunkt-SeherInnen aus dieserso stattgefunden htte. Gleichzeitig Hinblick auf die Ergebnisse, inwieweit Grundgesamtheit (n= 294) im Detailwird zu Beginn und am Ende einer sie den gescripteten Charakter der befragt.5 Die Rezeptionsstudien sindFolge der Hinweis eingeblendet:Sendung verstehen (2), wird anschlieend eingebettet in gezielte Medienanalysen,Alle handelnden Personen sind freieine pdagogische Einschtzung des um das von den Kindern underfunden. Es ist in diesem SinneFormates formuliert (3). Jugendlichen Herausgestellte im Format

2. VORVERFFENTLICHUNG25/2012/1 3verorten zu knnen. Zur Erhebung bei In Familien im Brennpunkt geht es Faszination Familien im Brennpunkt:den SchlerInnen wurde zudem einedarum, wie Familien in Deutschland Kinder bekommen eine Stimme90-mintige medienpdagogische sich verhalten. Es geht seiner Ansicht() Und wie sich dann die KinderEinheit durchgefhrt, um den nach um regional verankerte Realitten.Mglichkeiten und Grenzen derDer inhaltliche Schwerpunkt derFrderung von Medienkompetenz im Sendung wird dabei eindeutig in derVon besonderem Interesse sind aus SichtBereich der Scripted-Reality-Formate Problemorientierung gesehen. Eineder Kinder und Pre-Teens neben dennachzugehen.615-Jhrige formuliert: Es zeigt, wasSpielszenen die Statements, in denen Familien durchmachen, wenn etwasdie ProtagonistInnen ihre SichtweiseZusammenfassung derpassiert: Kinder, die nicht mehr zurzu den eben dargestellten EreignissenErgebnisse Schule gehen, Schwangerschaften, dieformulieren. Im Alltag haben sie selbst Eltern trennen sich usw. Aus ihrerim Normalfall nicht diese Mglichkeit.Das Format wird beim Durchschalten Perspektive verdeutlicht die SendungInsofern geben die Betroffenen auchentdeckt die Konsequenzen eines Fehlverhaltenseigenen Erfahrungswelten Resonanz, einzelner Personen fr das sozialeund die Statements symbolisierenWie kommen Kinder und JugendlicheUmfeld. Dabei wird die Dramatisierungquasi ein Gehrtwerden der eigenenzu Familien im Brennpunkt? Sie durchaus wahrgenommen: Essubjektiven Erfahrung. Es ermglichtentdecken die Sendung durch Zufall,geht um fast zerstrte Familien,aber auch ein besseres Verstndnis derindem sie am Nachmittag beim Zappenformuliert ein 12-Jhriger (trkischerjeweiligen Problematik: Wenn sichdarauf stoen. Hintergrund sind hier Migrationshintergrund). Bei denFamilien z. B. trennen, und wie sichvermutlich die kurzen, spektakulren Sendungen, die besonders gutHandlungsstrnge, die fast immer gefallen, werden zum Teil typischeweil da kann man sich auch besserKinder und Jugendliche als Teil vonProblemkonstellationen beschrieben:reinversetzen. (Mdchen, 13 Jahre)Familien thematisieren. In kurzenIm Allgemeinen finde ich FolgenDie jungen ProtagonistInnen derHandlungsentwicklungen zum Teil Elterntrennungen sehr interessant,mit denen die Kinder und Pre-Teensund Streiteskalationen erzhlt. Eine formuliert eine 16-Jhrige. Vermutlichvor dem Fernseher die GeschichtenDramaturgie, an der Kinder und sind dies Themen, die sie zurzeit sehrdurchleben.Jugendliche scheinbar leicht hngen beschftigen. Kinder und Jugendlichebleiben. Bei den Jngsten sind es zudem haben das Gefhl, hier etwas zu sehen,Gut und Bse Richtig und Falsch:oft die Eltern, bei denen die Sendungdas sie aus ihrem Alltag kennen:die Vereinfachung der Komplexittmitgesehen wurde, oder Freunde haben Familien in Konfliktsituationen.realer Problemlagenvon Familien im Brennpunkt berichtet.62 % der 6- bis 12-Jhrigen stimmen zu,Die Sendung wird also seltener gezielt dass sie Familien im Brennpunkt sehen, () Und dann zeigen die, wie siegesucht, sondern auf der Suche nachweil man da sehen kann, dass andereeinem ansprechenden Programm (Weilauch in der Familie oder mit ihren Jahre)am Nachmittag nichts Interessantes Freunden streiten; und hnlich bei derluft) gefunden. Die Grundstruktur mitAussage weil es Spa macht zu sehen,Was Kindern und Pre-Teens an den wie es wirklich in anderen FamilienSendungen gefllt, ist die Eindeutigkeit,Recaps (Zusammenfassung des bishermit der komplexe SituationenGeschehenen) sowie dramatischenhier vermutlich etwas, das wenig offenHandlungsentwicklungen scheint sichthematisiert wird: In Familien gibt es Themen aufgegriffen, die sie aus ihremstrukturell in den Nachmittag vonKrisen und Auseinandersetzungen. Alltagsvokabular kennen, wie denKindern und Jugendlichen einzupassen.Dies in bersteigerter Form beiBegriff Mobbing, der aber als soziale anderen anzusehen, gibt ein gutesProblemkonstellation alles andere alsFaszination Familien im Brennpunkt:Gefhl. Durch die Extreme dereinfach zu begreifen und zu klrenProblemsituationen in der FamilieGeschichten ist die Wahrscheinlichkeit ist (vgl. z.B. Schfer et al. 2006). In gro, dass die eigenen Problemediesen komplexen ZusammenhngenFamilien im Brennpunkt ist, wo eine eigene ethische Position zu vergleichsweise harmlos und der eigene Alltag vergleichsweise gelingend12 Jahre) zu orientieren, ist anspruchsvoll. und glcklich erscheint. Dies schafft Entlastung, aber auch durchaus Entsprechend dankbar nehmen KinderWie der Titel schon angibt: Bei Familienund Pre-Teens die fast didaktisch Sensibilitt. Nur 17 % der Befragtenim Brennpunkt geht es um Familien. Fraufbereiteten Erzhlungen auf. lehnen fr sich folgende Aussage ab: Seitdiejenigen, die die Sendung regelmigMedienanalytisch sind es zum grten ich Familien im Brennpunkt sehe, weisehen, ist dies der attraktivste Punkt. Teil vereinfachte, klischeehafte ich, dass es viele Familien echt schwerEin 14-Jhriger beschreibt die Sendung: Erzhlstrukturen einer Heldenreise haben, z. B. haben sie wenig Geld. 3. VORVERFFENTLICHUNG425/2012/1(vgl. Campbell 1999) eines nichtAuf die Frage, was ihnen an FamilienGefhl, aus Familien im Brennpunktperfekten Protagonisten. Es gibtim Brennpunkt besonders gut Problemlsungsstrategienzueinen, der die Rolle des Guten innehat, gefllt, antworten die regelmigen gewinnen. 80 % der 6- bis 7-Jhrigender sich vielleicht nicht immer amund 72 % der befragten 13- bisangemessensten verhlt, aber dennochHappy End gab, wie bei jeder Folge 14-jhrigen HauptschlerInnen, dieunschuldig abgewertet oder angegriffen(Junge, 15 Jahre). Sie genieen die die Sendung regelmig sehen, tunwird. Hinzu kommen Figuren in der Erzhlungen, bei denen sich am Ende dies, weil dort gezeigt wird, wasRolle verschiedener BegleiterInnen undalle Probleme, trotz immer wieder bei der Lsung eines Problems hilftgrer werdender Streitereien und und was nicht. Medienanalytischin Form einer Antagonistin). Diediverser Verwicklungen, verlsslich werden in der Sendung diverseMotive der Guten werden im Statementzum Guten wenden und das innerhalbProblemsituationen aufgeworfen, dieartikuliert ode