Symbole in der Bibel auslegen - Bibelstudiumonline - in+der+Bibel+ Symbolik und Semiotik 1. Bilder...

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    Mosaik: Christ ine Weber

    Foto: Siegfried F. Weber

    Symbolik und Semiotik in der Bibel

    Die Bibel verstehen, auslegen und anwenden

    Siegfried F. Weber

    by Siegfried F. Weber, (Selbstverlag), Groheide, 2013. Meine Manuskripte drfen fr den nichtgewerblichen Gebrauch kopiert und weiter ge-

    reicht werden.

    Symbole in der Bibel auslegen

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    Symbolik und Semiotik

    1. Bilder und Zeichencodes in der Bibel

    Das Wort Symbol geht auf das griechische Wort symbolon, das nicht im Neuen Tes-

    tament verwendet wird, zurck, abgeleitet von dem Verb symballo (zusammenwer-

    fen, nur einmal im Neuen Testament: Lk. 2,19: Maria sammelte die Worte in ihrem

    Herzen). Das Symbol war in der Antike ein Erkennungszeichen von Parteien und

    Vereinen. Ein Knochen oder ein Tongegenstand wurde zerbrochen und mit nach Hause

    genommen. Durch das Zusammenfgen beider Teile konnte man sich wiedererkennen.

    Das Symbol stellt ein wahrnehmbares, andeutendes Zeichen dar, ein Sinnbild, das stell-

    vertretend fr etwas nicht Wahrnehmbares (Gedachtes) steht. Symbole knnen auch ei-

    nen tieferen Sinn ausdrcken.

    Symbolerschlieung nach Paul Tillich (1886-1965, Symboltheologe): Symbole haben Verweischarakter, der auf einer Konvention basiert. Sie deuten also auf etwas hin: Die

    rote Ampel weist darauf hin anzuhalten.

    Religise Symbole haben Anteil an dem, worauf sie hinweisen.

    Religise Symbole erschlieen Dimensionen der Wirklichkeit, die anders nicht zu erreichen wren,

    zum Beispiel den Bereich der Transzendenz, der ber die empirisch erfahrbare Wirklichkeit hinaus-

    geht.

    Religise Symbole lassen sich nicht bewusst produzieren, sondern entstehen in einem kollektiven

    Bewusstsein. Symbole knnen ebenso als identittsstiftende Zeichen definiert werden.

    Religise Symbole haben ihre Zeit und lassen sich nicht durch wissenschaftliche Kritik verdrngen.

    Vor allem sah Paul Tillich aber die mgliche Ambivalenz der Symbole: Damit meinte er die Gefahr,

    dass Symbole auch missbraucht werden knnen.1

    Auch der reformierte Theologe Emil Brunner aus Zrich (1889-1966) machte sich in

    seiner Dissertation Das Symbol in der religisen Erkenntnis Gedanken ber die Sym-

    bolsprache. Wie knnen wir von dem unendlichen Gott sprechen? Das ist mglich und

    zugleich unmglich. Die Symbolsprache hilft uns weiter. Die Symbolsprache ist die

    Sprache des Unendlichen.

    Der Begriff ist die Sprache der Wissenschaft, das Symbol die Sprache des Le-

    bens.2

    Zahlensymbolik:

    Neben den Gegenstnden haben auch Zahlen ihre Symbolik : 1 = ungeteilt, Einheit

    (Gott); 2 = Paar (Adam und Eva, AT und NT); 3 = Trinitt; 4 = Himmelsrichtungen, die

    ganze Welt; 5 = Mikrokosmos (5 Sinne des Menschen, 5 Bcher Mose, 5 Brote, 5 kluge

    und 5 trichte Jungfrauen); 6 = das Werk, die Arbeit (6 Schpfungstage); 7 = Vollkom-

    menheit; 8 = Wiedergeburt, Erneuerung, Auferstehung (JESUS ist am achten Tag nach

    1 Anderssohn, S. (2007): Artikel: "Symbole: Grundlagen", erschienen bei www.reliforum.de. URL:

    http://www.anderssohn.info/reliforum//index.php?option=com_content&task=view&id=57 (Zugriffsdatum: 01.07.09). Un-terstreichungen von SFWeber. 2 E. Brunner: Das Symbol in der religisen Erkenntnis, Tbingen, 1914, 87

    http://www.anderssohn.info/reliforum/index.php?option=com_content&task=view&id=57

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    dem Sabbat auferstanden), Herrschaft; 9 (Seligpreisungen, Geistesfrchte); 10 = Vlker;

    12 = Patriarchen, Apostel). Zur Zahlensymbolik gehrt die numerische Verwendung ein-

    zelner Buchstaben aus dem hebrischen, bzw. griechischen Alphabet (Alpha = 1, Beta =

    2, Gamma = 3, Delta = 4 usf.). Die Apokalypse des Johannes verwendet diese Art von

    Zahlensymbolik (Offb. 13,17).

    Symbol und Zeichen:

    Manche unterscheiden zwischen Symbol und Zeichen. Das Zeichen stellt den Ge-

    genstand 1:1 dar (Achtung Wildgefahr, also Verkehrszeichen). Symbole dagegen ht-

    ten eine tiefergehende Bedeutung, also z. B. religise Symbole (Kreuz, Altar, Baum des

    Lebens; feurige Zungen; Palmenzweig).3

    Semiotik (Semiologie) ist die Lehre von sprachlichen Zeichen (Codes), abgeleitet von

    dem griechischen Wort semaia (Zeichen). Jede Sprache hat ihre Zeichen entwickelt,

    die zur Kommunikation dienen. Ein Zeichen besteht aus zwei Teilen: dem Ausdruck

    (Signifikant) und dem Inhalt (Signifikat).4 Der Ausdruck ist die uere Form, der

    Gegenstand, zum Beispiel das Haus. Der Ausdruck wird mit Inhalt gefllt: ein Haus

    ist ein Gebude, worin Menschen wohnen knnen. Ausdruck und Inhalt, die in

    Korrelation zueinander stehen, ergeben die Semantik (die Wortbedeutung). Dabei ist

    zu beachten, dass Zeichen mit unterschiedlichem Inhalt gefllt werden knnen: die

    Bank zum Sitzen und die Bank zur Rcklage des Geldes. Aber auch im Laufe der

    Geschichte und in den verschiedenen Sprachkulturen knnen Zeichen mit unterschiedli-

    chem Inhalt gefllt werden.

    3 Weiterfhrende Literatur: Adolf Heller: 200 biblische Symbole, Paulus-Verlag, Heilbronn,

    72001. Ders.:

    Biblische Zahlensymbolik, Paulus-Verlag, Heilbronn, 51997. Arend Remmers: Biblische Bilder und Sym-

    bole. Lexikon, CSV, Dillenburg, 2001. Eckhard Bieger: Taschenlexikon christliche Symbole, Benno-

    Verlag, Leipzig, 2007. 4 Vgl. Heinrich von Siebenthal: Sprachwissenschaftliche Aspekte, a.a.O., 76.

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    Es gibt natrliche Zeichen (in der Natur wie Licht und Finsternis; Krpersprache) und

    kulturelle (wie Begrungsaktionen).5

    Zur Welt der Zeichen gehrt alles, was Gestalt annehmen kann, alles, was wahrgenom-

    men werden kann, alles, was gehrt, gelesen, gesehen, gerochen, gefhlt, geschmeckt

    werden kurz, alles, was signifikant werden kann.6

    Zu den Sektionen der Semiotik gehren z. B. in Auswahl

    das menschliche Verhalten (Gebrauch der Hnde),

    das Bild (Verkehrszeichen), neuerdings auch die Icons in der Computerwelt,

    die Architektur (Trme, Sulen),

    das Design (ein Logo),

    der Krper (Achselzucken),

    die Mathematik (Formen),

    die Literatur (Texte),

    Theologie (biblische und kirchliche Zeichensymbolik: Taube, Fisch),

    Berufssymbolik (Pflege, Medizin, Handwerk)

    Medien und Marketing (Werbung: Verbindung des Produkts mit Zeichen),

    die Mode (Boots-Stiefel, Ostfriesennerz),

    sowie die Linguistik (Sprachzeichen: cool; Wermutstrophen, Hiobsbot-schaft).

    5 Weitere Hinweise: http://www.semiose.de/ vom 30.6.09 (Deutsche Gesellschaft fr Semiotik).

    6 Wilfried Engemann: Semiotik III: Praktisch-theologisch, in: TRE, Bd. 31, (2000), S. 134-142. Artikel als

    pdf-Datei auf der Homepage von www.semiose.de (Zugriffsdatum: 01.07.09).

    Zeichen

    Ausdruck

    Inhalt

    Bedeutung

    http://www.semiose.de/http://www.semiose.de/

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    Die rechte Interpretation (Deutung) der Zeichen ist nur mglich, wenn wir das Zeichen

    verstanden haben das rechte Vorverstndnis ist also ntig (das meinte Hans-Georg

    Gadamer mit dem Vorurteil, bzw. mit dem Vorverstndnis in der Hermeneutik, bzw. Paul

    Tillich mit der Konvention der Zeichen). Wer also interpretieren, wer verstehen will,

    muss ber Regeln (Codes) verfgen, nach denen bestimmten Signifikanten

    (Symbolen, Zeichen, Signalen) entsprechende Inhalte (Signifikate) zuzuordnen

    sind (W. Engemann).7 Ein Zeichen muss (von Kindesbeinen an) zunchst erlernt und

    dann wiedererkannt, bevor es dann richtig decodiert (gedeutet) werden kann.

    Auch in den biblischen Texten gibt es Symbole und Zeichen. Vor allem in Gleichnissen

    und in apokalyptischen Texten werden sie verwendet. Ihre rechte Deutung ist kein einfa-

    ches Unterfangen, sondern erfordert Akribie, Geduld, Zurckhaltung, die Bercksichti-

    gung des biblischen Kontextes, der altorientalischen Kultur und Geschichte. Beispiele

    gibt es genug: In Ri. 9 steht der Dornbusch, der fr Gefahr und Abscheu steht, bildlich

    fr den widerwrtigen selbstdesignierten Knig Abimelech. Es gibt viele weitere Sprach-

    symbole: Gott selbst hat dem Volk Israel Symbole gegeben, die in der Bundeslade auf-

    bewahrt wurden: die Thoratfelchen (Zeichen des Bundes), das Man (Zeichen der Fr-

    sorge Gottes) und den Stab Aarons (Zeichen der priesterlichen Autoritt).

    Weitere bekannte Symbole:

    Wasser (des Lebens),

    das Zepter (der kniglichen Gerechtigkeit),

    das Lamm (als Opfer),

    der Sauerteig (der alles durchzieht),

    das Schwert (das richtet),

    der Lorbeerkranz (des Sieges).

    7 W. Engemann: Semiotik III: Praktisch-theologisch, in: TRE, Bd. 31, (2000), S. 134-142

    Zeichen

    lernen

    wiedererkennen

    deuten

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    In der Bibel findet man eine Flle an Tiersymbolen:

    Der Lwe Juda (Gen. 49,9 bezogen auf den israelischen Stamm Juda),

    der Lwe aus Juda (Offb. 5,5 bezogen auf JESUS);

    Isaschar, ein knochiger Esel (Gen. 49,14),

    Dan, die Schlange (Gen. 49,16);

    Naphtali, ein schneller Hirsch (Gen. 49,21),

    Benjamin, ein reiender Wolf (Gen. 49,27).

    In Dan. 7 charakterisieren vier Tiere vier Weltreiche: Lwe (Babel), Br (Persi-

    en), Panther (Griechenland), das schreckliche Tier (Rom).

    Im Neuen Testament tituliert JESUS den Herodes Antipas einen Fuchs (Lk.13,

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