Theaterzeitung Mai 2014

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    06-Mar-2016
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Transcript of Theaterzeitung Mai 2014

  • Sie haben die Wahl: Fester Wochen-tag oder flexibel bleiben, fester Platz oder die Perspektive ndern auf Seite 6 finden Sie alle Informationen zu unseren Abonnements 2014/15 auf einen Blick. Darunter auch zwei neue Abo-Reihen: Vier auerge-whnliche Theaterabende verspricht das Klassiker-Abo den Liebhabern des klassischen Repertoires. Mit demAbo Urauffhrungen sehen Sie hinge-gen vier Inszenierungen, die erstmaligauf eine Bhne gebracht werden. Un-ter allen Coupon-Einsendungen ver-losen wir ein 4er-Wahlabo.

    SEITE 06

    MEIN ABO IM SCHAUSPIEL KLN

    Auch fr die nchste Spielzeit ist es unserer Tanzkuratorin Hanna Koller gelungen, zeitgenssischen Tanz in seiner Vielfalt an die Klner Bhnen zu holen. Freuen Sie sich auf fnf Tanz-gastpiele im Schauspiel Kln.

    SEITE 04

    TANZGASTSPIELE

    Ausfhrlichere Informationen zu dem Programm und den Abos knnen Sie im neuen Spielzeitheft nachlesen, das ab sofort zum Mitnehmen an den Spielsttten des Schauspiel Kln und an der Vorverkaufskasse in den Opernpassagen ausliegt. Selbstver-stndlich finden Sie die Informationen auch auf unserer Webseite:www.schauspielkoeln.de

    FOTO SANDRA THEN

    SEITE 03 bis 04

    Angela Richter, Rafael Sanchez, Moritz Sostmann und Stefan Bachmann im Gesprch ber ihre erste gemeinsame Spielzeit, das Ge-fhl zu Kln, ihre Zusammenarbeit im Team und die Plne fr die kommen-de Saison 2014/15.

    DIE VIER HAUSREGISSEURE

    Neben den vier Hausregisseuren werden natrlich weitere spannen-de Regisseure teils zum ersten Mal in Kln inszenieren: Bastian Kraft, Roger Vontobel und Sebastian Baumgarten sind hier zu nennen. Zusammen mit Chilly Gonzales er-arbeitet Adam Traynor ein musika-lisches Schattenspiel. Auch Karin Neuhuser, die weiterhin in Werner Schwabs DIE PRSIDENTINNEN zu sehen sein wird, inszeniert erst-mals in Kln. Christina Paulhofer, Simon Solberg, Jan Neumann und Robert Borgmann fhren erneut Regie. Das Schauspiel Kln prsentiert damit wieder eine groe Bandbreite an Stoffen und Erzhl-weisen. Eine Titelbersicht ber die zwlf Premieren und fnf Urauffh-rungen finden Sie in dieser Beilage.

    SEITE 02 und 05

    VORSCHAU 2014/15

    Prsentiert von

    THEATERZEITUNG AUSGABE III 2013/2014

  • 0102

    SPIELZEIT 2014 /15

    Prsentiert von

    AUSGABE III 2013/2014

  • 01

    Unser Star t in Kln liegt nun fast ein Jahr zurck. Wie sieht euer Fazit aus?

    Rafael Sanchez (RS): Worauf man sich gefreut hat, hat sich mehr als erfllt. Wir haben ein super Ensemble. Von den knstlerischen Ergebnissen her, ist da noch Luft nach oben. Also bei mir, bei Moritz nicht mehr so viel.

    Moritz Sostmann (MS): Gestern Abend bin ich aus Magdeburg zurck nach Kln gekommen. Ich sa auf meinem Balkon und hatte zum ersten Mal das Gefhl, hier zu Hause zu sein und auch eine Vergangenheit hier zu haben. Ja, ich kenne das Gefhl noch, wie es vor einem Jahr war, und jetzt ist es ein anderes. Ich fhle mich wohl hier.

    Angela Richter (AR): Ich fhle mich ebenfalls sehr wohl hier. Die Arbeits-bedingungen sind gut. Neulich hat mich ein Journalist gefragt, ob ich mich eingeschrnkter fhlen wrde, weil ich nicht mehr in der freien Szene bin. Da habe ich ihn ausgelacht.

    Was war die Grundidee dahinter, vier Hausregisseure ans Schau-spiel Kln zu binden?

    Stefan Bachmann (SB): Stichwort: Ver-bindlichkeit. Das Stadttheater in sei-nem Kerngedanken ernst nehmen als einen Ort, an dem Menschen kontinu-ierlich zusammenarbeiten. Ich glaube daran, dass man der allgemeinen Schnelllebigkeit und Unverbindlichkeit wieder Verbindlichkeit, Kontinuitt und Beharrlichkeit entgegensetzen muss, dass man versuchen muss, eine wie-dererkennbare Identitt zu schaffen, an der sich die Stadt messen oder reiben kann. Diesen Gedanken haben wir ber das feste Ensemble hinaus auch auf die Regisseure ausgedehnt. Dadurch ist es uns schon nach kurzer Zeit gelungen, eine Unverwechselbar-keit und so etwas wie einen Teamgeist herzustellen: Vier feste Hausregisseure das gibt es so nur in Kln.

    Ihr verfolgt ja auch gegenseitig die Produktionen der anderen. Gibt es da die Mglichkeit, voneinander zu lernen? Oder etwas aufzugrei-fen, was man gesehen hat?

    MS: ber die Arbeitsweisen und die tatschlich sehr unterschiedlichen sthetiken knnten wir noch mehr im Gesprch sein. Ich glaube, das bringt viel Energie und die Mglichkeit, zu wachsen. Wenn man an einem Thea-ter nur eine Arbeit macht und danach abreist, fngt man bei der nchsten, die dann vielleicht zwei Jahre spter ist, wieder von vorne an. Durch die Kontinuitt hier ist eine andere Aus-einandersetzung mglich und auch eine Art produktive Konkurrenz.

    Lsst sich fr euch trotz der Unterschiedlichkeit ein sthe-tisches Kraftfeld feststellen? Auch Antipoden knnen ja eine Kraft erzeugen.

    AR: Schwierig zu sagen. So bewusst

    habe ich darber noch nicht nach-gedacht. Ich bin sicher, dass man automatisch die Arbeiten der ande-ren aufnimmt. Ich gucke eure Sachen anders an als die der Gastregisseure mit einer anderen Haltung. Wir sind ein Team.

    WIR SIND EIN TEAM

    SB: Man kennt ja noch von frher diese Theater mit den festen Regisseuren, die sich sehr gegnerisch gegenber-standen. Diese groen Feindschaften beispielsweise zwischen Zadek und Fassbinder in Bremen. Oder Pey-mann, der aus der Schaubhne raus-gefl ogen ist. Da wurden Cliquen um Regisseure gebildet und verschiedene Lager aufgebaut. Das kam mir immer ein bisschen lcherlich vor. Ich bin kreativer in einer Konstellation, in der ich mich aufgehoben fhle. Wenn die Atmosphre freundschaftlich grundiert ist, neugierig, nicht feindselig.

    AR: Das fhrt auch nur zu Ergebnissen, die man zu Recht gestrig fi ndet.

    SB: Die Mythologie des genialen Ein-zelregisseurs, der brutal und autoritr alles aus den Schauspielern heraus-holt und das Stck genialisch gegen den Strich brstet, hat ausgedient. Mit Sicherheit kann man auch mit einer anderen Sanftheit arbeiten. Die Fantasie ist am Ende dann das Ergebnis vieler unterschiedlicher Fan-tasien. Und mir zumindest geht es ja darum, nicht meine eigene subjektive Weltsicht immer wieder neu zu for-mulieren, sondern mich mit meinen Mitarbeitern darauf zu einigen, was wir als Gruppe fr relevant halten und vertreten knnen.

    RS: Man selber entwickelt sich ja auch als Regisseur alleine kaum wei-ter. Wir Regisseure bleiben eigentlich ewig mit dem gleichen schwarzen Kaffee auf der gleichen Probebhne stecken, im selben Weltbild. Wenn man aber wie hier inspirierende Kol-legen um sich hat, wird man eher herausgefordert, sich zu bewegen, etwas Neues auszuprobieren.

    Eine der groen Aufgabenstel-lungen der letzten Monate war, den Ort, unsere Interimsspielsttte, fr Theater zu erschlieen. Also: Raus aus der Komfortzone Stadttheater. Wie habt ihr das erlebt?

    RS: Wir haben das unterschtzt. Inhaltlich wurde sehr viel berlegt, was fr ein Programm wir fr die Stadt machen. Aber wie schwierig die Hallen vor allem das DEPOT 1 zu bespielen sind, das war uns nicht ganz klar. Fr die zweite Spielzeit ist man nun besser gewappnet und kann damit umgehen.

    Im Spielplan fr die nchste Spielzeit stt man auf ein verbin-dendes Thema: Aufbruch, neue Welten entdecken, raus aus dem Bekannten, im Provisorischen

    leben ... Es ist auffllig, dass sich das durch die meisten der Stoffe und Stcke zieht.

    SB: Im Interim haben wir es jeden Tag mit einem Provisorium zu tun, was uns tglich auf eine Weise fordert, stresst, unsere Geduld auf die Probe stellt und uns auch sthetisch provoziert. Das fi nde ich schon eine besondere Situation. Man refl ektiert das Theater anders. brigens auch, weil es nicht im Stadtkern, sondern ausgelagert ist. Das schweit auf eine andere Art und Weise zusammen. Ich mache mir auch viel mehr Gedanken um die Zuschauer: Ist das zu weit fr sie? Wie fhlen sie sich hier? Wenn der Winter kalt und nass ist und die Gste bers Gelnde stolpern ... Haben wir ausreichend Licht? Ist es in den Slen warm genug? Man ist viel mehr gefordert als Gastge-ber. Man denkt mehr ber den Teller-rand hinaus. Man ist demtiger. Nichts ist hier selbstverstndlich.

    NICHTS IST HIER SELBSTVER-

    STNDLICHRS: Das gilt auch fr die Schauspie-ler: Es gibt keine Einzelgarderoben. Die Frauen sind in einer Garderobe, die Mnner in der anderen. Das sind auch Sachen, die frs Kennenlernen im Ensemble gut sind.

    SB: Aber auch eine harte Probe darstellen.

    RS: Aber man lernt sich anders kennen.

    AR: Das Provisorische hat auch etwas von Abenteuerspielplatz. Dass sich keine Routinen einstellen, ist auch etwas sehr Positives. Abrieb, Routine ... Das ist der spirituelle Tod, um es mal ein bisschen dramatisch auszudrcken. Routine ist geistiger Tod. Sich nicht so bequem in seiner Komfortzone einzu-richten, ist fr Knstler wichtig.

    Der Produktionssttte und ihrer Realitt stehen in der nchsten Spielzeit viele Stoffe gegenber, in denen es um Trume, Utopien, Mrchen geht. Wovon wird da getrumt? Welche Sehnschte habt ihr in Bezug auf die kontinu-ierliche Arbeit hier?

    RS: Man mchte natrlich Erfolg haben, die Zuschauer anlocken, die Htte voll sehen. Natrlich macht es auch einen Unterschied, dass man nach der Premiere nicht abreist, son-dern hier in der Stadt bleibt. Die Reak-tionen mitbekommt und auch, wie die Vorstellungen laufen.

    MS: Was mir auffllt dass die meisten Inszenierungen hier etwas Lebensbejahendes, eine Art Aufbau-arbeit hatten. In vielen Stadttheatern passiert ja eher eine Dekonstruktion, aber in diesen Fabrikhallen hier will man eher Welt schaffen, als Welt zerschlagen. Oder andersrum: In so

    ROUTINE IST GEISTIGER TODEin aufregender Start am Schauspiel Kln liegt hinter den vier Hausregisseuren Stefan Bachmann, Angela Richter, Moritz Sostmann und Rafael Sanchez. Im Gesprch mit den Dramaturgen Sibylle Dudek und Jens Gro reden sie ber ihre ersten Eindrcke in Kln, ihre Zusammenarbeit als Team und geben darber hinaus einen Ausblick auf ihre Produktionen