Thema der Stunde: verschiedene Fassungen einer Fabel ... 6 Fabel¢  James Thurber: Der...

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    19-Oct-2020
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  • Thema der Stunde: verschiedene Fassungen einer Fabel miteinander vergleichen

    Unterrichtszusammenhang:

    Es handelt sich um die 6. Stunde in einer für 8 Stunden angelegten Unterrichtseinheit zum Thema Fabeln. Die Schüler haben

    bereits die wichtigsten Merkmale dieser Gattung der Kurzepik kennen gelernt. Die Doppelstunde beschäftigt sich mit der Fabel

    im historischen und europäischen Kontext. Im ersten Teil der Doppelstunde wurde nach Gründen für das Schreiben von Fabeln

    gefragt. Es wird sich eine Fabelwerkstatt anschließen.

    Lernziele:

    Anhand eines Vergleichs verschiedener Texte der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ sollen die Schüler erkennen, dass Fabeln

    historisch gewachsen sind und im Laufe der Zeit immer wieder neu bearbeitet wurden. Die Schüler bekommen einen Einblick in

    die Intertextualität literarischer Texte. Durch die Arbeit am Text lernen die Schüler, ihr Wissen um die Merkmale der Fabel

    anzuwenden. Die Methode der Gruppenarbeit soll das Zusammenarbeiten in einem Team fördern und den Zusammenhalt der

    Klasse stärken.

    Geplanter Unterrichtsverlauf – überarbeitete Fassung

    Uhrzeit Unterrichtsphase Geplante Lehrertätigkeit Erwartete Schülertätigkeit Sozial- / Lehrform,

    Medien

    8.25 Einstieg (problematisierend)

    L teilt Texte aus Was fällt euch auf, wenn ihr euch die drei Texte

    SuS antworten:

    Plenum, Arbeitsblatt

  • anschaut, ohne sie gelesen zu haben? Wir haben drei verschiedene Autoren. Jeder Autor hat zu einer anderen Zeit gelebt. Ich habe hier von jedem Autor ein Bild. Habt ihr eine Idee, wo wie die Autoren / Bilder auf dem Zeitstrahl einordnen können? - - La Fontaine 17. Jh. (Frankreich) - - Lessing 18. Jh. (Deutschland) - - Thurber 20 Jh. (USA)

    - gleicher Titel (Rabe und Fuchs) - Fabel haben wir schon gelesen - verschiedene Autoren

    SuS äußern Ideen

    Bilder an Tafel, Zeitstrahl

    8.30 Erarbeitung I (Aktivieren von Vorwissen)

    Jetzt wollen wir etwas genauer mit den drei Texten arbeiten und sie mit der Fabel von Äsop, die ihr schon mit Herrn Matthes gelesen habt, vergleichen. Damit sich alle gut an den Text erinnern können, wollen wir ihn noch einmal gemeinsam lesen und zusammenfassen. L liest Text vor und stellt Fragen - Was haben wir für eine Ausgangssituation? - Welches Problem besteht? - Wie wird dieses Problem gelöst?

    SuS antworten

    Text auf Folie (OHP) bzw. Schüler hat Text in seinem Hefter aus vorheriger Stunde guG, Plenum

    Puffer (etwa 3 Minuten)

    Damit ihr nicht alle drei Texte auf eurem Arbeitsblatt lesen müsst, werde ich euch in Gruppen einteilen und jede Gruppe wird mit einem Text arbeiten. Was muss man alles beachten, wenn man in einer Gruppe arbeitet? L schreibt Regeln für Gruppenarbeit an die Tafel

    SuS antworten - als Team arbeiten / alle machen mit

    Plenum Linke Tafelseite: Arbeiten in der Gruppe

  • - den anderen ausreden lassen - leise sprechen

    8.37 Erarbeitung II Was sollt ihr in der Gruppe machen? L erklärt Aufbau des Arbeitsblattes und bittet S, Aufgabe und Arbeitsschritte laut vorzulesen L teilt in Gruppen ein und verteilt Arbeitsblätter L gibt einzelnen Gruppen Hilfestellungen Zeit: 15 Minuten

    S liest Aufgabe und Arbeitsschritte vor SuS arbeiten weitgehend selbstständig in ihren Gruppen

    Aufgabenblatt als Folie (OHP) Gruppenarbeit

    8.55 Ergebnissicherung (I) (Variante)

    Auswertung der Gruppenarbeit: L bittet eine Gruppe je Text ihre Ergebnisse der Klasse zu präsentieren Falls die Präsentationen zu lange dauern, werden nur die Gruppen von Thurber und Lessing gehört

    Die Gruppen lesen ihre Texte zunächst laut vor und fassen dann ihre Ergebnisse zusammen. Die Klasse fertigt Mitschriften an und fragt ggf. nach.

    Plenum ev. werden Arbeits- blätter für die Mit- schriften vorbereitet, ansonsten erstellen die Schüler eine Übersicht im Heft.

    Didaktische Reserve: Ergebnissicherung II (etwa 3 Minuten)

    Unser Ziel war es, die Texte zu vergleichen. Wenn wir alle Ergebnisse von euch zusammenfassen, was können wir dann feststellen? Fazit: Jeder Autor hat die Fabel unterschiedlich geschrieben.

    SuS antworten: - gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede Beispiel: gleiche Figuren, unterschiedliche Moral …

    Plenum gUg

    9.09 Stundenende Einsammeln der bearbeiteten Aufgabenblätter Klasse verabschieden

  • Arbeitsblätter:

    James Thurber: Der Fuchs und der Rabe

    Der Anblick eines Raben, der auf einem Baum saß, und der Geruch des Käses, den er im Schnabel hatte, erregten die Aufmerksamkeit eines Fuchses. Der Fuchs hatte irgendwo gelesen - und nicht nur einmal, sondern bei den verschiedensten Dichtern - dass ein Rabe mit Käse im Schnabel sofort den Käse fallen lässt und zu singen beginnt, wenn man seine Stimme lobt.

    „Wenn du ebenso schön singst, wie du aussiehst“, sagte er, „dann bist du der beste und schönste Singvogel, den ich je erspäht und gewittert habe.“

    Doch dieser besondere Rabe war anders. Auf das Loblied des Fuchses entgegnete er nur: „Man nennt dich schlau, und man nennt dich verrückt, aber mir scheint, du bist zu allem Überfluss auch noch kurzsichtig. Singvögel tragen bunte Hüte und farbenprächtige Jacken und helle Westen, und von ihnen gehen zwölf aufs Dutzend. Ich dagegen trage Schwarz und bin absolut einmalig.“

    „Ganz gewiss bist du einmalig“, erwiderte der Fuchs, der zwar schlau, aber weder verrückt noch kurzsichtig war. „Bei näherer Betrachtung erkenne ich in dir den berühmtesten und talentiertesten aller Vögel, und ich würde dich gar zu gern von dir erzählen hören. Leider bin ich hungrig und kann mich daher nicht länger hier aufhalten.“

    „Bleib doch noch ein Weilchen“, bat der Rabe. „Ich gebe dir auch etwas von meinem Essen ab.“ Damit warf er dem listigen Fuchs den Löwenanteil vom Käse zu und fing an, von sich zu erzählen. „Ich bin der Held vieler Märchen und Sagen“, prahlte er, „und ich gelte als Vogel der Weisheit. Ich bin der Pionier der Luftfahrt*, ich bin der größte Kartograph*.

    „Oh, zweifellos“, sagte der Fuchs höflich. „Und vielen Dank für das Opfer, das du gebracht, indem du mir den Löwenanteil vermacht.“ Gesättigt lief er davon, während der hungrige Rabe einsam und verlassen auf dem Baum zurückblieb.

    Moral: Was wir heut wissen, wussten schon Äsop und La Fontaine:

    Wenn du dich selbst lobst, klingt‘s erst richtig schön.

    (bearbeitete Fassung)

    * Ein Pionier ist ein Wegbereiter auf einem bestimmten Gebiet. Er hat sich als erster erfolgreich mit einem bestimmten Thema beschäftigt. In dieser Fabel gibt der Rabe vor, dass er als erster Vogel fliegen konnte.

    * Ein Kartograph entwirft Landkarten.

  • Gotthold Ephraim Lessing: Der Rabe und

    der Fuchs Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbarn hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort.

    Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: „Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiter*!“

    „Für wen siehst du mich an?“, fragte der Rabe.

    „Für wen ich dich ansehe?“, erwiderte der Fuchs. „Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechten des Zeus* auf diese Eiche herabkommt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich zu schicken noch fortfährt?“

    Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu werden. „Ich muss“,

    dachte er „den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen.“ - Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog stolz davon.

    Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes Gefühl: Das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.

    Möchtet ihr euch nie etwas anderes als Gift erloben, verdammte Schmeichler!

    Jean de La Fontaine: Der Rabe und der Fuchs

    Im Schnabel einen Käse haltend, hockt

    Auf einem Baumast Meister Rabe.

    Von dieses Käses Duft herbeigelockt,

    Spricht Meister Fuchs, der schlaue Knabe:

    „Ah, Herr von Rabe, guten Tag!

    Ihr seid so nett und von so feinem Schlag!

    Entspricht dem glänzenden Gefieder

    Auch noch der Wohlklang Eurer Lieder,

    Dann seid der Phönix* Ihr in diesem Waldrevier.“

    Dem Raben hüpft das Herz vor Lust. Der Stimme Zier*

    Möchte er nun lassen schallen;

    Er tut den Schnabel auf – und lässt den Käse fallen.

    Der Fuchs nimmt ihn und spricht:

    „Mein Freundchen, denkt an mich!

    Ein jeder Schmeichler mästet sich

    Vom Fette dessen, der ihn gerne hört.

    Die Lehre sei dir einen Käse wert!“

    Der Rabe, scham- und reuevoll,

    Schwört, etwas spät, dass ihm so was nie mehr passieren soll.

    * Vielleicht erinnert ihr euch an Harry Potter und der Orden des Phönix. Nach einer altägyptischen Sage ist der Phönix ein Vogel, der verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu entstehen. Er ist ein besonders schöner Vogel.

    * Das Wort Zier meint hier die Schönheit