Tourismusdestinationen am Bsp Schleswig Holstein

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Begleitseminar Humangeographie Datum: 23. Februar 2009 Christian-Albrechts-Universität Kiel Tourismusdestination Schleswig-Holstein Dozent: Dipl.-Geogr. Samuel Mössner WS 08/09 Referent: Clemens von Heimann (926566) Inhaltsverzeichnis 1. Die touristische Ausgangslage in der BRD und Schleswig-Holstein 2. Die Begriffe Tourismus und Destination 2.1 Tourismus 2.2 Destination 3. Schleswig-Holstein in Daten und Zahlen 3.1 Die geographischen und infrastrukturellen Voraussetzungen 3.2 Die Geschichte des Schleswig-Holstein Tourismus 3.3 Ballungsorte und Trends in der schleswig-holsteinischen Tourismusdestination 4. Regionalökonomische Effekte des Tourismus‘ 5. Vorgehensweise bei der Vermarktung einer Destination 6. Das Tourismuskonzept der Region/Destination Schleswig-Holstein
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Seminararbeit zur Tourismusdestiontion Schleswig-Holstein

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  • 1. Begleitseminar Humangeographie Datum: 23. Februar 2009 Christian-Albrechts-Universitt Kiel Tourismusdestination Schleswig-Holstein Dozent: Dipl.-Geogr. Samuel Mssner WS 08/09 Referent: Clemens von Heimann (926566)Inhaltsverzeichnis1. Die touristische Ausgangslage in der BRD und Schleswig-Holstein2. Die Begriffe Tourismus und Destination 2.1 Tourismus 2.2 Destination3. Schleswig-Holstein in Daten und Zahlen 3.1 Die geographischen und infrastrukturellen Voraussetzungen 3.2 Die Geschichte des Schleswig-Holstein Tourismus 3.3 Ballungsorte und Trends in der schleswig-holsteinischen Tourismusdestination4. Regionalkonomische Effekte des Tourismus5. Vorgehensweise bei der Vermarktung einer Destination6. Das Tourismuskonzept der Region/Destination Schleswig-Holstein 6.1 Die Leitprojekte Schleswig-Holsteins: Ziele und Beispiele7. Fazit und Ausblick8. Literaturverzeichnis
  • 2. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.20091. Die touristische Ausgangslage in der BRD und Schleswig-HolsteinUm die Brisanz des Themas Tourismusdestination Schleswig-Holstein zu verstehen, ist es wichtig,dass die derzeitige Lage und die vermutete Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und spe-ziell auch die Ausgangslage Schleswig-Holsteins aufgezeigt werden. Der Tourismus in Deutschland istmit einem Gesamtbeitrag zum deutschen Haushalt von ca. 26 Mrd. Euro im Jahre 2006 (DZT 2007)ein nicht wegzudenkender Wirtschaftszweig. Die Bundesrepublik gehrt laut der WTO (2007) zu denTop 10 Reisedestinationen der Welt (Adjouri Bttner 2008). So ist es zu verstehen, dass man explizitim Bereich des Tourismus groe Chance fr die konomischen Auswirkungen fr eine Destinationsieht.Schleswig-Holstein, ein Bundesland mit idealen Tourismusvoraussetzungen, profitierte im letztenJahrzehnt, vielleicht aufgrund von Konkurrenzdestinationen wie Mecklenburg-Vorpommern oder im-mer gnstiger werdenden Auslandsreisen, nicht ausreichend von der zunehmenden Tourismusent-wicklung der BRD (Adjouri Bttner 2008). Es gibt viel zu tun. Packen wirs an! Dies waren die Wortedes ehemaligen Wirtschaftsministers Dietrich Austermann auf einer Tourismuskonferenz im Jahre2006.Man erkannte, dass Schleswig-Holstein sich auf seiner geographischen Lage (Binnenland zwischender Nord- und Ostsee) ausgeruht hatte und es an einem gemeinsamen Tourismuskonzept auf kom-munaler und Landesebene fehlte. Es wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe aus tourismusrele-vanten Resorts gegrndet, die zur Entwicklung neuer Konzepte der schleswig-holsteinischen Touris-musdestination instruiert wurde. Schleswig-Holstein wollte wieder mehr von den Einnahmen des Tou-rismuszweiges profitieren.2. Die Begriffe Tourismus und DestinationDie, mit der Region Schleswig-Holstein eingefhrten Begriffe Tourismus und Destination, bilden denHauptfaktor zum Verstndnis der Thematik. Whrend der Begriff Tourismus (bzw. Fremdenverkehr)auch aus politscher, konomischer, psychologischer, historischer, sozio-konomischer oder sozio-kul-tureller Sicht interpretiert werden kann, ist der Begriff Destination stark geographisch geprgt. Folgen-de Definitionen klren auf, warum diese beiden Begriffe von besonderer Bedeutung dieser Thematiksind:2.1 Der Begriff TourismusDie WTO beschrieb den Begriff Tourismus im Jahre 1993 mit den Worten: Tourismus umfasst die Ak-tivitten von Personen, die an Orte auerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zuFreizeit-, Geschfts-, oder bestimmten anderen Zwecken nicht lnger als ein Jahr ohne Unterbre-chung aufhalten. Das bedeutet, dass der Tourismus als Fundament die Reise beinhaltet. Der BegriffReise setzt sich zusammen aus einem Ortswechsel mit verschiedenen Transportmitteln, einem vor-bergehenden Aufenthalt in einem fremden Ort und einer bestimmten Motivation, diese, vom Touris-ten gewhlte Region aufzusuchen (Freyer 2006, 2).2.2 Der Begriff DestinationEine Nachfrage im Bereich Tourismus richtet sich stets nach Zielgebieten und Regionen. Hierbei gibtes vielschichtige Betrachtungsweisen auf Mikro- bzw. Makroebene. Zum einen knnen Destinationenauf Mikroebene als Hotelkomplexe, knstliche Erlebniswelten oder andere Resorts beschrieben wer-den oder auf Makroebene als ganze Region, ganzes Land oder als ganzer Kontinent. (Bieger 2006,141) Vor allem die nachfrageorientierte Sicht definiert eine Destination sehr przise: () Geographi-scher Raum (), den der jeweilige Gast () als Reiseziel auswhlt. Sie enthlt smtliche () Einrich-tungen fr Beherbergung, Verpflegung, Unterhaltung, Beschftigung. Sie ist damit eine Wettbewerbs-einheit (). (Bieger 2002, 56). Somit liegt der Destination, wie schon die nachfrageorientierte Definiti-on besagt, immer einen geographischen Raum variabler Gre zu Grunde. 2
  • 3. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.2009 3. Schleswig-Holstein in Daten und Zahlen Um Schleswig-Holstein zu charakterisieren und um zu verstehen, welche touristisch interessanten Voraussetzung gegeben sind, werden entscheidende Faktoren herauskristallisiert. Die Faktoren ge- ben einen Gesamtberblick, warum Schleswig-Holstein als Tourismusdestination berhaupt als The- ma von Bedeutung ist. Hierbei sind besonders die geographische Lage und infrastrukturelle Gegeben- heiten zu betrachten, da diese dem Touristen implizieren, weshalb er in dieser Region Urlaub machen mchte. Auerdem sind geschichtliche Daten der Tourismusentwicklung mit einzubeziehen, wenn man die heutige Lage Schleswig-Holsteins erfassen mchte. 3.1 Die geographischen und infrastrukturellen Voraussetzungen Schleswig-Holstein ist das nrdlichste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Mit insgesamt nur 15.731 km Flche, ist es hinter den drei Stadtstaaten Bremen, Berlin, Hamburg und dem Saar- land, dass fnft-kleinste Bundesland. Schleswig-Holsteins geographischer Vorteil ist der besondere Lagepunkt: Als Land zwischen den Meeren (Auswrtiges Amt 2007) hat Schleswig-Holstein eine be- sonders lange Kstenregion. 402 Ostsee-Kstenkilometer und 468 Nordsee-Kstenkilometer (Statisti- sches Bundesamt 1999) bieten der Region eine ideale Grundlage, um sich als Tourismusdestination etablieren zu knnen. Mit ca. 2.837.000 Einwohnern (Statistisches Bundesamt 2008) belegt Schles- wig-Holstein den neunten Rang im Lnder-Ranking. Die Landeshauptstadt Kiel ist auch gleichzeitig die bevlkerungsreichste Agglomeration mit 235.700 Einwohnern (Statistik-Nord 2007). Die Bevlke- rungsdichte liegt mit 175 Einwohnern/km recht deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (230 Ew/km), wobei sich die Agglomerationsschwerpunkte auf die Ostseekste, vor allem auf Kiel, Flensburg und Lbeck beschrnken. Weitere Ansiedlungspunkte befinden sich im Umland von Hamburg und rund um die Kernstdte Neumnster, Heide, Itzehoe und Rendsburg (Rathje 2004, 53). Schleswig-Holstein hat ein gut ausgebautes Verkehrsnetz (9.880 km) und macht somit berregionales Reisen mglich. Auch die Schifffahrt ist ein stark ausgeprgter Infrastruktursektor. Lbeck, Kiel, Brunsbttel, Flensburg, Hu- sum und Puttgarden werden stark frequentiert und der berseehafen Hamburg ist maximal zwei Auto- stunden von allen schleswig-holsteinischen Regionen entfernt. Da Schleswig-Holstein keine bedeuten- den Flughfen aufweist, nimmt Hamburg einen wichtigen Stellenwert ein, weil es einen internationalen Flughafen bietet, der eine direkte Anbindung an das nrdlichste Bundesland ermglicht. Ein ausge- prgtes Schienennetz verbindet alle bedeutenden Regionen mit den Kernstdten. Neben der Deut- schen Bahn AG gibt es auch private Anbieter, die auch weniger stark bevlkerte Regionen miteinbe- ziehen (WTSH 2008). Aus touristischer Hinsicht sind auch die Heil- und Kurorte bzw. Bder von Be- deutung, die schon seit Jahrzehnten Besucher nach Schleswig-Holstein ziehen. Diese findet man in Schleswig-Holstein sehr hufig. 3.2 Die Geschichte des Schleswig-Holstein Tourismus Die Geschichte des Schleswig-Holstein Tourismus begann zur Zeit der Industrialisierung (Mitte 19. Jahrhundert). Durch die hohe Smogbelastung in den Stdten, proklamierten vor allem rzte, die Wert- schtzung der Natur. Personen ohne hohes Einkommen frequentierten die nhergelegenen Naturru- me und wer es sich leisten konnte, der fuhr an die See. Schleswig-Holstein profitierte von seiner geo- graphischen Lage, direkt zwischen den Meeren und seiner hohen Luftreinheit. Es bildeten sich zum Beispiel Luftkurorte wie Preetz oder See-, Heil- und Kurbder. Durch das reiche Publikum bildeten sich prunk- volle Promenaden und Luxusanla- gen, die fr die reicheren Gste er- baut wurden. Die Krisen stellten sich doch recht bald mit den beiden Welt- kriegen und der Weltwirtschaftskrise ein und zerstrten einen Groteil der Anlagen. In Zeiten des Wirtschafts- wunders setzte sich ein neuer TrendAbb. 1: Trends der Unterknfte von 1972-2015 Quelle: RA-Trendstudie2005 durch: Ferienwohnungen, Pensionen 3
  • 4. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.2009 und Apartments. Privatvermietung setzte sich im Laufe der fnfziger bis sechziger Jahre durch und nahm einen hohen Stellenwert ein (Newig 1985). Allerdings nderte sich dieser Trend recht schnell und lediglich die Belegung der Ferienwohnungen entwickelte sich weiterhin positiv (vgl. Abb. 1). Mit dem Zerfall der DDR begann eine Destinationenkonkurrenz: Mecklenburg-Vorpommern drang in den Tourismusmarkt der BRD ein und lste Schleswig-Holstein von der Fhrungsposition im Bade- und Er- holungstourismus ab. Grnde knnen das weitaus interessantere Binnenland und der schnere Ost- seeabschnitt sein (Statistik-SH 2009). Diese Ereignisse lieen die Regierung Schleswig-Holsteins er- kennen, dass die meist privaten und unorganisierten Tourismuskonzepte von Privatleuten, zu keinem positiven Effekt fhrten (MWV 2007). Im Jahr 2006 wurde eine neue Tourismuspolitik beschlossen, um ein einheitliches Konzept zu entwerfen und umzusetzen. 3.3 Ballungsorte und Trends in der schleswig-holsteinischen Tourismusdestination Die Verteilung der touristisch relevanten Gebiete ist relativ einfach strukturiert: kstennah. Betrachtet man die 15 grten Tourismusorte in Schleswig-Holstein, so lassen sich nur Nord- bzw. Ostseestdte finden (vgl. Abb. 2). Die Tourismusintensitten im Jahre 2007 verteilen sich ziemlich gleich auf die beiden Kstenregionen (StaBuA 2008). Die Ostseekste bietet vor allem Badestrnde und die Nordsee interessante Naturrume und Na- turbegebenheiten (Wattenmeer, Gezeiten, etc.) Schleswig-Holsteins Tourismus ist saisonal ge- prgt: Die Bettenauslastung der Betriebe mit mehr als neun Betten zeigt, dass der Sommer- tourismus die wichtigste Tourismusart ist (Sta- BuA 2008). Hierbei unterteilt man wiederum in verschiedene Tourismusunterarten, die soge- nannten Motivationen (Freyer 2006). Die Haupt- motivationen, um in Schleswig-Holstein Urlaub zu machen sind beschrnkt. Neben dem Ausru- hen von der krperlichen Anstrengung, dem Er- holungsurlaub, der jedoch etwas abgenommen hat, entwickelt sich ein Trend zur Anregung und Abwechslung im Urlaub. Dies soll als Ausgleich zur physischen Anstrengung im Arbeitsalltag stehen. Durch die steigende Mobilitt der Tou- risten weitet sicher der Aktionsraum aus, in demAbb. 2: Die 15 grten Tourismusort Schleswig-Holsteins man seine Vorstellungen eines guten Urlaubs umsetzen und befriedigen mchte (Rathje 2004). Die geographische Lage bietet Touristen aber auch die Mglichkeit, Sportarten wie Segeln, Windsurfen, usw. in Schleswig-Holstein zu betreiben. Diese Angebote werden Jahr fr Jahr stark fre- quentiert (z.B. Multivan Surf Cup auf Fehmarn oder die Kieler Woche, auf die es jhrlich Hunderttau- sende zieht). Auch ein neuer Trend, der sich in den letzen Jahren durchgesetzt hat, sind qualittsge- prfte Wellnesskurzurlaube, in denen man sich seinen Bedrfnissen hingeben kann (www.nordseetou- rismus.de 2009). Trends, die den Schleswig-Holstein Tourismus nachhaltig negativ beeinflussen kn- nen, sind vor allem die gnstigen Angebote von sogenannten Low-Cost-Carriern (Unternehmen, die aufgrund ausgelassener Serviceangebote den Preis fr Reisen und Flge sehr gering halten knnen (Bsp. Ryanair, German Wings, usw.). Diese bieten ihre Reisen bzw. Flge fast ausschlielich in Inter- netportalen an sie haben das Segment des Online-Bookings auch mit als erstes entdeckt (Adjouri Bttner 2008, 42). Somit ist es nun auch mglich, fr wenig Geld weiter entfernte Destinationen der Erde anzusteuern. 4
  • 5. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.20094. Regionalkonomische Effekte des TourismusUm zu klren, was der Tourismus einer Destination an wirtschaftlichen Perspektiven und Effekten aus-lsen kann, betrachtet man diesen Vorgang auf rumlicher Ebene. Die Regionalkonomie beschftigtsich mit der Verteilung menschlicher, vor allem aber wirtschaftlicher Aktivitten im Raum (Stiller 2005).Die Effekte, die dabei entstehen, lassen sich in positive und negative Effekte kategorisieren. Direktepositive Effekte des Tourismus sind die Bereitstellung neuer Arbeitspltze in der Region. Es handeltsich also um Effekte, die sich auf Dritte bzw. nicht direkte Beteiligte auswirken (Bieger 2006). SiedeltAbb. 3: Vereinfachte Darstellung des Multiplikatoreffektes von Tourismuseinnahmen ()sich z.B. ein Hotel neu in einer Region an, so werden sofort Arbeitspltze geschaffen. Vom Manage-ment bis hin zum Hausmeister entstehen neue Arbeitsmglichkeiten und Perspektiven fr das regionalansssige Humankapital. Durch den Bau neuer oder die Renovierung alter Tourismusinfrastrukturen,lassen sich auch indirekte Effekte ableiten. Zum Beispiel erhalten nun auch Zulieferer, Energiebetrie-be, Immobilienbros, Reinigungsfirmen, usw. neue Perspektiven. Die Gewinne, die nun eingenommenwerden, sind die Voraussetzungen fr Lhne und Steuern. Somit setzen sich die indirekten und indu-zierten Effekte zu einem Multiplikatoreffekt zusammen (Feyer 2006, 439ff). Ein Multiplikatoreffekt stehtalso fr die Wirkung, die eine abhngige Gre durch das Einwirken einer unabhngigen Gre er-fhrt (Feilmayr 1992). Der direkte Effekt wirkt sich, zusammen mit dem indirekten Effekt als induzierterEffekt aus. Die Effekte beeinflussen also bzgl. des Raumes nicht nur das gebaute Hotel bzw. Ressort,sondern weiten sich rumlich aus und schlieen Dritte mit ein. Vom Bau touristischer Komplexe profi-tieren also nicht nur die Angestellten, sondern auch die Betriebe der Region. (vgl. Abb. 3)Allerdings treten auch negative Effekte auf, welche sich auf die Verkehrsbelastungen am Ort auswir-ken. Sowohl erhhtes Verkehrsaufkommen als auch eine erhhte Umweltbelastung sind Folge der h-heren Frequentierung der Destination (Bieger 2006).Die Emissionen knnen der Natur und dem Menschen nachhaltig schaden. Emissionen entstehen al-lerdings auch durch den Verbrauch von Energietrgern wie Erdl, Erdgas, Diesel, etc. und auch derVerbrauch von Ressourcen wie Wasser und Flchen, ist nicht zu unterschtzen. Es zeigt sich, dassauch fr Schleswig-Holstein der Aufwand recht hoch ist und oft als konomisches Wundermittel be-trachtet wird (Weimann 1992).5. Vorgehensweise bei der Vermarktung einer Destination 5
  • 6. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.2009Hierbei geht es in erster Linie darum, die Destination von Konkurrenzdestinationen abzugrenzen. Alserster Schritt beginnt der eingeteilte Arbeitskreis mit einer Analyse (Adjouri Bttner 2008). Die Soll-und Ist-Analyse sollte in der Frhphase der Analyse durchgefhrt werden. Diese Analyseform soll dieSituation der Destination aufzeigen: Die Ist-Situation beschreibt den Zustand, von dem ausgegangenwird und der Soll-Wert ist die Situation, die man, durch die Einfhrung bestimmter Manahmen, Kon-zepte, Leitprojekte, usw. erreichen mchte. Danach gilt es eine destinationsbezogene Analyse durch-zufhren. Die sog. SWOT-Analyse (Akronym: Strengths (Strken), Weaknesses (Schwchen), Oppor-tunities (Mglichkeiten) und Threats (Gefahren), ist eine Strken-Schwchen- und Mglichkeiten-Risi-ken-Analyse. Die Strken-Schwche-Analyse zeigt die Vorzge bzw. Nachteile der Region. Diese sindselbst beeinflussbar und knnen bzgl. der Strken fundamentiert bzw. bzgl. der Schwchen gemindertwerden. Die Mglichkeiten-Risiken-Analyse ist nicht beeinflussbar. Es ist jedoch mglich, durch dieanalysierten Werte schneller und effizienter auf diese Effekte zu reagieren (FH Brandenburg 2001).Aus den Analysewerten lassen sich Strategien entwickeln, die zu einer mglichst effizienten, d.h. ko-nomisch rentablen Nutzung und Vermarktung der Destination beitragen sollen. Die Strategieentwick-lung ist somit die Grundsteinlegung einer erfolgreichen Destinationsvermarktung (Adjouri Bttner2008). Diese Strategien setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen - wirken diese zusam-men soll ein effektives (d.h. das vorgegebene Ziel soll erreicht werden) Ergebnis erzielt werden (Ad-jouri Bttner 2008). Mgliche Strategieanstze sind die Festlegungen von Zielen, die man erreichenmchte, die Positionierung der Destination, also die Abgrenzung von Konkurrenzen und die Kernpunk-te, fr die die Region steht. Auch der Zeitrahmen, in welchem die Umsetzung erfolgen soll und dasBudget der Umsetzung sind von Belangen, um ein effizientes Ergebnis zu erreichen. Die Definition derManahmen greift schon in den dritten Teil der Vermarktung ein: die Umsetzung. Dieser Teil ist nahe-zu unbegrenzt (Adjouri Bttner 2008). Durch die Analyseergebnisse werden die Manahmen nun um-gesetzt. Diese Umsetzungsmanahmen sollen dem Kunden implizieren, dass er die Destination auf-suchen soll. Hierbei geht es um Prozesse der Namensgebung, des Namings, der Entwicklung vonSlogans und der Kreation von Werbung und neuerdings auch des Internetmarketings. All diese Punktelassen sich als Tourismuskonzept zusammenfassen.6. Das Tourismuskonzept der Region/Destination Schleswig-HolsteinDie Landesregierung Schleswig-Holstein grndete auf Grund der stagnierenden Tourismussituationund der positiven Entwicklung der Konkurrenzdestination Mecklenburg-Vorpommern eine interministe-rielle Arbeitsgruppe (IMAG Tourismus) zur Erstellung eines Tourismuskonzeptes. Diese besteht aus ministeriellen Mitarbeitern und Leitern touris- tisch relevanter Ressorts. Man wollte die Fehler der letzten Jahrzehnte durch eine kooperative und gemeinsame Frderpolitik untersttzen und Schleswig-Holstein wieder am wachsenden Tourismusmarkt teilhabenlassen (MWV 2007). Das Land Schleswig-Holstein stellte die Frder- mittel und beschloss, dass es ein einheitliches Tourismuskonzept geben sollte. Somit sind sie hierarchisch gesehen die erste Gre. Die Be- auftragung der IMAG Tourismus und die dortige Entwicklung der Konzepte fhrte zur Aktivie- rung einer zweiten Gre im neuen Tourismus- konzept. Die Tourismus-Agentur Schleswig- Holstein (TASH) wurde beauftragt Analysen (s. Aufgabe 5) und Trends zu untersuchen undAbb. 4 Tourismusdachverbnde Schleswig-Holstein diese an die Tourismusressorts weiterzugeben(MWV 2007). Diese Ressorts sind zum Beispiel die Dachverbnde der schleswig-holsteinischen Tou-rismusgebiete (siehe Abb. 4). Die Dachverbnde haben wiederum kleinere, nun genauer definierteVerbnde. Beispiele hierfr sind z.B. der Heilbderverband Schleswig-Holstein oder der Segler-Ver-band Schleswig-Holstein. Damit diese Dachverbnde Gelder erhalten, gilt es die Konzeptentwicklung 6
  • 7. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.2009der IMAG Tourismus und der TASH umzusetzen und in ihrem Raum ein einheitliches Konzept zu kre-ieren. Halten sich die Verbnde bzw. deren Dachverbnde nicht an das einheitliche Konzept und dieTASH stellt dies bei einer berprfung fest, so erhalten diese Regionen bzw. Verbnde keine Frder-gelder (MWV 2007). Somit ist es wichtig zu sehen, welche Konzepte bzw. Leitprojekte nun auf Lan-desebene entwickelt wurden, um sie regional umzusetzen.6.1 Die Leitprojekte Schleswig-Holsteins: Ziele und BeispieleDie IMAG Tourismus entwickelte neun Leitprojekte zur positiven Entwicklung des schleswig-holsteini-schen Tourismusmarktes. ber all diesen Leitprojekten steht die Zielgruppenorientierung. Sie ist im-plizit das erste Leitprojekt. Drei Gruppen wurden herausgefiltert und sollen speziell von den Leitprojek-ten angesprochen werden. Bei den drei Gruppen handelt es sich um die Best Ager (Personen im Al-ter von 56-75 Jahren), die Anspruchsvollen Genieer (Singles und Paare bis 55 Jahre mit einem Mo-natsnettoeinkommen von mehr als 2500) und Familien mit Kindern unter 14 Jahren (mittleres bis ho-hes Einkommen) (MWV 2006). Die Leitprojekte sind auf die Zielgruppen ausgerichtet und verfolgenvor allem den Hintergrund der Qualittsmaximierung.Es handelt sich hierbei um: das angesprochene Qualittskonzept mit der Prmisse dem Kunden einadquates Preis-Leistung-Verhltnis zu bieten. Auerdem um das ebenfalls angesprochene Landes-weite Marketing, bei dem es darum geht, eine homogene Destination zu erschaffen, den Design-Kontor, der die Gestaltung der Gaststtten regelt. Diese sollen mglichst landestypisch-traditionellaussehen, jedoch auch moderne Elemente enthalten. Ein weiteres Projekt ist das Gastronomiekon-zept, das zielgruppenadquat ausgerichtet werden soll und vor allem qualittsbewusst gestaltet wird.Hierzu werden externe Lehrgnge angeboten, auf denen das Personal geschult wird. Die Betriebe sol-len untereinander vernetzt werden, um Restaurantfhrer anbieten zu knnen und Qualittssiegel zei-gen, dass die Betriebe einen hohen Komfort gewhrleisten. Wichtige Leitprojekte sind die Infrastruk-turoptimierung und das Ansiedlungsmanagement fr touristische Betriebe. Bei diesen zwei Leit-projekten geht es um die Verbesserung, Neugestaltung und Entwicklung alter und neuer Betriebe oderden Ausbau von touristischen Hhepunkten (z.B. Leuchttrmen oder Freizeitparks bis hin zu Strand-promenaden, usw.). Auch die Optimierung der lokalen Strukturen soll zur Verbesserung der Res-sourcennutzung beitragen: Es wird interkommunal zusammengearbeitet, um Mittel und Krfte freizu-setzen, die fr das Marketing und den Vertrieb genutzt werden knnen. Auch muss ein Informations-netzwerk gebildet werden, dass den Kunden multimedial auf die Vorzge der Destination informiert(Internetprsenzen und jhrlich erscheinende Informationsbroschuren als PDF-Datei) (MWV 2006).Beispiele dieser Umsetzung sind z.B. die Gestaltung einer Fahrradstreckenlandschaft. Eine, von demDachverband schleswig-holsteinisches Binnenland entwickelte Attraktion. Hierbei handelt es sich umeinen Plan, der kulturell, landschaftlich und kulinarische Hhepunkte historisch interessanter Radfahr-wege aufgreift und diese als Kurz- bzw. Langstrecken aufzeigt (www.schleswig-holstein-binnenland.de2009).Auch das Projekt der Ostsee-Card vom Dachverband Ostseebder ist ein Projekt, das ein Netzwerkverschiedener Regionen bildet. So erhlt man mit der Ostsee-Card eine Kurtaxenbefreiung an allenOstseestrnden und kostenfreie Toilettennutzung bis hin zu vergnstigten Eintrittspreisen in Museenoder anderen Freizeiteinrichtungen (www.ostsee-schleswig-holstein.de 2009).Die Ziele lassen sich recht einfach charakterisieren: Betrachtet man die Leitprojekte und deren ge-nauere Auslegung, so spiegeln sich immer wieder die Zielgruppenorientierung, die Qualittsmaximie-rung und der Netzwerkverbund wieder. Man mchte ber eine Qualittsmaximierung bestimmte Ziel-gruppen ansprechen. Um Gelder und notwendige Ressourcen voll ausschpfen zu knnen, mchteman interkommunal zusammenarbeiten und somit ein Netzwerk der Zusammenarbeit aber auch derInformationen schaffen.7. Fazit und Ausblick 7
  • 8. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.2009In meinem Fazit mchte ich vordergrndig auf die Auswirkungen der Leitprojekte eingehen. Diese sindz.B. durch eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein in den Jahren 2007und 2008 festgehalten worden. Eine Umfrage unter 500 Betrieben ist sicherlich nicht der reprsentati-ve Gesamtzustand der heutigen touristischen Lage in Schleswig-Holstein und doch gibt sie einen gu-ten berblick ber die Situation. Allgemein ist zu sagen, dass die Zufriedenheit der Betriebe sinkt unddie Geschftslage zunehmend als kritisch betrachtet wird. Dies hat vor allem damit zu tun, dass auchdie Ausgaben der Gste als rckgngig eingestuft werden. Es wird weniger am, sondern viel mehr imUrlaub gespart. Auch die Investitionsbereitschaft der Manager stagniert und nimmt eher ab (IHK2008). Allerdings beschreibt die IHK, dass die Stimmung schlechter ist als die Lage an sich. Obwohldie leicht rckgngigen Werte, die Stimmung der Gastgewerbe unterstreicht, so befindet man sichnoch lngst in keinem kritischen Bereich (IHK 2008). Auch die Daten des StaBuA von 2008 zeigeneinen leichten Anstieg der Bettenauslastung in Schleswig-Holstein (vgl. Abb. 5). Betrachtet man je-doch den Anstieg der Auslastungen in der Konkurrenzdestination Mecklenburg-Vorpommern, so zei-gen sich hierAbb. 5: Vernderung der bernachtungen () zwischen 2006 und 2007 in Prozent Disparitten, die schein-bar noch immer nicht behoben wurden. Es scheint als wren die Leitprojekte nur ein Anfang und manmsse sich strker individualisieren. Liest man Tourismuskonzepte anderer Destinationen, so sind dieProjekte der Qualittsmaximierung und der Optimierung der lokalen Strukturen, hufig zu finden. Esist wichtig, dass Schleswig-Holstein auf seine regionalen Strken baut und auch die Lage als idealeSegel- und Wassersportdestination weiter ausbaut. Die optimale geographische Lage wird allerdingsschon gut herauskristallisiert: die Ostsee-Card ist zum Beispiel ein sehr guter Anfang der Bildung ei-ner berregionalen Zusammenarbeit.Es ist zu beachten, das die Leitprojekte, die erst vor 1-2 Jahren umgesetzt worden sind, bzw. sichnoch in der Anfangsphase befinden, nicht direkt wirken knnen. In einigen Regionen kann dies ge-schehen, doch es ist wohl ein lngerer Zeitraum notwendig, um die Gesamtsituation der DestinationSchleswig-Holstein zu bewerten. 8
  • 9. HumGeo BS Tourismusdestination Schleswig-Holstein 23.02.20098. LiteraturverzeichnisAdjouri, N. u. Bttner, T. (2005): Marken auf Reisen Erfolgsstrategien fr Marken im Tourismus, Gabler Verlag, Wies-baden.Bieger, T. (2006): Tourismuslehre Ein Grundriss, 2. Auflage, Haupt Verlag, Stuttgart.Deutsche Zentrale fr Tourismus e.V. (DZT) (2007): Incoming Tourismus Deutschland (unverffentlicht)Feilmayr, W. (1992): Theorie des regionalen Fremdenverkehrs in: Bkemann, D. (Hrsg.): Wiener Beitrge zur Regional-wissenschaft, Wien.Freyer, W. (2006): Tourismus Einfhrung in die Fremdenverkehrskonomie, 8. Auflage, Oldenbourg Verlag, Mnchen.Hft, U. (2001): SWOT-Analyse (http://www.fh-brandenburg.de/~hoeft/toolbox/swot.htm), Brandenburg an der Havel.Industrie u. Handelskammer Schleswig-Holstein (2008): IHK Tourismusumfrage: Stimmung schlechter als die Lage (un-verffentlicht)Landesregierung Schleswig-Holstein (2006):Ministerium fr Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein (MWV) (2006): Reiseziel Schles-wig-Holstein: Gemeinsam zum Erfolg Die touristische Neuausrichtung ist angelaufen (unverffentlicht)MWV (2007): Das Tourismuskonzept fr unser Land Gemeinsames Handeln. Gemeinsamer Erfolg! (unverffentlicht)Newig, J. (1985): Groe Seebder an Nord- und Ostsee und ihre Strnde, in: W. Hassenpflug, G. Kortum, J. Newig u. a.(Hrsg.), An Nord- und Ostsee, Husum.Nordsee-Tourismus-Service GmbH (2009): Wellness (URL: http://www.nordseetourismus.de/wunschurlaub/gesundheit-und-wellness/wellnesseinrichtungen/), Husum.Ostsee-Tourismus-Service GmbH (2009): Ostseecard (URL: http://www.ostseecard.de/), Timmendorfer Strand.Rathje, F. (2004): Umweltnutzungsvorgnge in der Gutslandschaft von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpom-mern Eine Bilanz unter der Bercksichtigung des Tourismus in: Kieler Geographische Schriften, Band 109, Kiel .Schleswig-Holstein Binnenland Tourismus e.V. (2009): Radtrn (URL: http://www.schleswig-holstein-binnenland.de/Rad/rad_navigation.htm), Glckstadt.Statistik-Nord (2007): Die Bevlkerung in Schleswig-Holstein (URL: http://www.statistik-nord.de/fileadmin/download/sta-tistische_berichte/bevoelkerung/A_I_1_vj/2007/A_I_1_vj073.pdf), Hamburg u. Kiel.Statistik Schleswig-Holstein (2009): Norddeutschland im eberblick, (URL: http://www.statistik-sh.de/M6/M6_0.htm)Statistisches Bundesamt (StaBuA) (2008): Auszug aus Wirtschaft und Statistik 6, Wiesbaden.Statistisches Bundesamt (1999): Statistisches Jahrbuch 1999, Wiesbaden.Stiller, S. (2005): konomische Raumentwicklung, Handwrterbuch der Raumordnung, Akademie fr Raumforschungund Landesplanung, Hannover.Weimann, J. (1992): Umweltkonomik - Eine theorieorientierte Einfhrung, 2. Auflage, Heidelberg.Wirtschaftsfrderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) (2009): Infrastruktur (URL: http://ww-w.wtsh.de/wtsh/de/standort/infrastruktur/index.php), Kiel. 9