Transition Design Guide : Design f£¼r Nachhaltigkeit 2019. 10. 2.¢ ...

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  • Ein Guide für Gestaltung und Entwicklung in Unternehmen, Städten und Quartieren, Forschung und Lehre

    Gestalten für das Heute und Morgen

    In Kooperation mit:

    Wuppertal Spezial Nr. 55

  • Impressum Autoren/Autorinnen

    Christa Liedtke

    Markus Kühlert

    Kim Huber

    Carolin Baedeker

    Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH Döppersberg 19 42103 Wuppertal https://wupperinst.org

    Mitautoren/-autorinnen

    Hannah Fink, Christoph Tochtrop: Tool 11. Design for Social Change, Hintergrund Kapitel 11. Soziale Praktiken

    Johannes Buhl: Tool 12. Rebound- und Wirkungsanalyseraster, Hintergrund Kapitel 12. Effekte

    Gerrit Dirks: Tool 13. Geschäftsmodellentwicklung, Hintergrund Kapitel 4. Nachhaltiges Wirtschaften

    & 13. Geschäftsmodelle (Mitarbeit)

    Michael Schipperges: Tool 14. Zielgruppenbeschreibung, Hintergrund Kapitel 14. Zielgruppen (Autor)

    Aline Fink, Johanne Tönnies, Annika Greven: Hintergrundinformationen (Mitarbeit)

    Christoph Tochtrop: Exkurs S. 91 und S. 130/131 (Autor)

    Layout & Grafik

    Kim Huber

    Aline Fink

    Johanne Tönnies

    Tina Boes

    Konzept- & Anwendungsbeispiele

    German Campos/Christoph Labocha – Gesunde Ernährung und mehr Bewegung

    Sophie Gnest – Budenbücher

    Annika Greven/Sophia Kahl –Wuppertal isst fremd

    Selina Maleska – BugProtein

    Jonas Michels – Cycle Genossenschaft

    Markus Schiebel – 3D Copy Shop

    Christoph Tochtrop – Kleine Changemaker

    Hannah Fink – Soziale Praktiken (Methodenentwicklung)

    Herausgeber

    und Folkwang Universität der Künste Fachbereich Gestaltung Studiengang Industrial Design/ Nachhaltigkeit im Design Campus Welterbe Zollverein www.id.folkwang-uni.de

    in Kooperation mit: ecosign / Akademie für Gestaltung, Köln und Bergische Universität Wuppertal

    Bitte zitieren wie folgt:

    Liedtke, C.; Kühlert, M.; Huber, K.; Baedeker, C. (2019): Transition Design Guide – Design für Nachhaltigkeit. Gestalten für das Heute und Morgen. Ein Guide für Gestaltung und Entwicklung in Unternehmen, Städten und Quartieren, Forschung und Lehre.Wuppertal Spezial Nr. 55, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Wuppertal. Online verfügbar: https://wupperinst.org/design-guide ISBN 978-3-946356-13-4

    Die Texte dieser Publikation sind unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Keine Bearbeitung 4.0 International lizensiert. Die Lizenz ist abrufbar unter: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

    In Kooperation mit:

    © Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH Wuppertal 2019 Wuppertal Spezial Nr. 55 Hinweis: Die grafische und inhaltliche Ausarbeitung der

    Konzeptbeispiele/Arbeitsbältter in Teil II: Tools und Teil III: Arbeitsblätter basiert auf den schriftlichen und grafischen Dokumentationen und Präsentationen der Studierenden in der jeweiligen Lehrveranstaltung (siehe S. 38–43; nicht veröffentlicht).

  • Gestalten für das Heute und Morgen

    Ein Guide für Gestaltung und Entwicklung in Unternehmen, Städten und Quartieren, Forschung und Lehre

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    Vorwort

    Ernst Ulrich von Weizsäcker, Gründungsprä- sident der Wuppertal Instituts und zurzeit Präsident des Club of Rome, stellte bereits 1995 in einem ersten Buch zum ökologischen Produktdesign (Tischner und Schmidt-Bleek 1995) folgende Frage: „Sind Designer Teil der ökologischen Lösung oder Teil des ökologischen Problems?“ (Weizsäcker, zitiert in Tischner und Schmidt-Bleek 1995: 5). Er beantwortete seine eigene Frage wie folgt: „Typischerwei- se sind sie eher Teil des Problems“ (ebd.). Aber warum? Damals wie heute werden Designer/- innen von ihren Kunden/Kundinnen aufge- fordert, Produkte zu entwickeln, die entwe- der als Massenware verkauft werden sollen oder letztendlich zu wirtschaftlichem Wohl- stand führen sollen. Betrachtet man die Auf- gabe des/der Designers/Designerin aus einer umwelt- und ressourcenschonenden Perspek- tive, kann man neue Wege undMöglichkeiten für den/die Designer/-in erkunden, Teil der Lösung zu werden (vgl. ebd. 5.). Die Entwick- lung erschwinglicher Produkte undDienstleis- tungen, welche die Lebensqualität und Teil- habe verbessern sowie die Umwelt schonen,

    ist heute wichtiger denn je. Der gesellschaft- liche Wandel in Richtung Nachhaltigkeit wird nur funktionieren, wenn es gelingt, nachhalti- ge Produkt-Dienstleistungssysteme in die Nut- zung und damit auf den Markt zu bringen.

    Nun hat das Wuppertal Institut mit seinem neuen Buch „Die große Transformation – Eine Einführung indieKunst gesellschaftlichenWan- dels“ (Schneidewind 2018) einen Kompass für die Diskussion über Nachhaltige Entwicklung herausgebracht, der eine „Zukunftskunst“ ein- fordert, um den umfassenden Umbau von Technik, Ökonomie und Gesellschaft zu er- möglichen.

    Im Buch wird deutlich: Ohne lebendiges Gestalten und die letztliche Rekonstrukti- on des Vorhandenen im Sinne der Visionen und Leitbilder des Morgen bleiben Leitbilder nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens selt- sam leer, kaum lebensnah und nicht erfahr- bar. Sie werden nicht als erstrebenswert er- lebt. Eine Transformation zu mehr gewagter Nachhaltigkeit benötigt Erlebnisse, Erfahrun- gen und Erzählungen dessen, was gutes Le- ben bedeutet.

    Um die Bedürfnisse der Menschen ausreichend zu befriedigen, ohne die globalen Ökosyste- me zu überfordern, braucht es Produktions- und Konsumkulturen, die helfen, zwischen dem Wesentlichen und dem gegenwärtig Ver- brauchbaren zu unterscheiden. Dies gilt es in Verbindung mit einer an Nachhaltigkeit orien- tierten Wirtschaft zu bringen, die viel weni- ger unter Wachstumsdruck steht, als wir uns das heute vorzustellen vermögen. Nachhaltige Infrastrukturen, Institutionen, Produkte und Dienstleistungen können dies im Alltag erfahr- bar machen. In Reallaboren oder LivingLabs lässt sich das Gewollte und Gestaltete erpro- ben, re„formen“ oder rekonstruieren, bevor es zu einer breiter akzeptierten Umsetzung in Wirtschaft und Gesellschaft kommt. Diese Form des Entwickelns und Erprobens ist Ge- genstand des Partizipativen, Experience und Social Designs. Sie übersetzen Bedarfe und Notwendigkeiten, Werte und Haltungen in die Strukturen des Lebens. Designer/-innen wer- den damit zu Übersetzern/Übersetzerinnen gesellschaftlicher Deutungen und Meinun- gen, von Auseinandersetzungen und vielfälti- ger Lebenslust. Sie ermöglichen das scheinbar Unmögliche, Spaß an Veränderung, Spaß am Leben und Gestalten trotz oder auch gerade

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    bei vermeintlicher Grenzsetzung durch die Be- dingungen planetarer Grenzen. Dies ist eine Lebenskunst, die das Buch adressiert und be- schreibt (Schneidewind 2018).

    Der vorliegende Transition Design Guide nimmt die Strategielinien der im Buch be- nannten Kunst des gesellschaftlichen Wandels auf und übersetzt sie in Methoden für den De- signprozess. Es wird so möglich, die Welt zu rekonstruieren und bewusst gestaltete Trans- formation im Alltag erlebbar zu machen.

    Der im Transition Design Guide zitierte Desi- gntheoretiker von Borries nennt diese Art zu gestalten „Weltentwerfen“. Design unterwirft dann nicht, sondern entwirft (von Borries 2017). Designer/-innen werden somit eine neue und entscheidende Rolle als Agenten/ Agentinnen für eine nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert einnehmen. Dies ist drin- gend notwendig, denn es gilt die folgenden sieben Wenden in den Fokus zu nehmen:

    Den Transformationsrahmen bilden dabei ▶ die Wohlstands- und Konsumwende in Verbindung mit einer Energie- und Res- sourcenwende

    Diese materialisieren sich in: ▶ Produkten, Dienstleistungen und Infra-

    strukturen einer Mobilitäts- und Ernäh- rungswende,

    ▶ innerhalb zentraler Transformationsräu- me, insbesondere der urbanen und in- dustriellen Wende.

    Dabei wird in einem kunstvollen Zusammen- spiel von Kultur-, Institutionen-, Technolo- gie- und ökonomischem Wandel nach ge- stalterischen Ansätzen und Umsetzungen in Gesellschaft und Wirtschaft gesucht.

    Design erlaubt eine Integration der Ideen und Vorstellungen, der Bedürfnisse und emotiona- len Lagen, der Moral und Form, der Materiali- tät und der Ästhetik, der Haltung und Werte, der Kompetenz und Herausforderung. Wirkt Gestaltung nach diesem Prinzip,mit allen Sin- nen und Möglichkeiten, mit dem Reichtum an Ideen und der Vielfalt menschlichen Daseins und belastet dabei Ökosysteme so wenig wie möglich, so gelingt intelligente, transformati- ve Gestaltung (Schneidewind 2018).

    Der Transition Design Guide zum Design für Nachhaltigkeit ist eine umfassende Weiter-

    entwicklung des schon publizierten Design Guides von 2013. Er enthält grundlegende Werkzeuge und Ansatzpunkte – ein Rahmen- konzept für die Gestaltung der Transformati- on über vielfältige Veränderungsschritte, die genau die benannten Arenen einer Großen Transformation adressieren.

    Der Transition Design Guide – Design für Nachhaltigkeit wurde mit dem Ziel entwi- ckelt, die Ausbildung einer neuen Generation von Designern/Designerinnen zu fördern, die sich bewusst ist, dass das 21. Jahrhundert kei- ne reine Fortsetzung des 20. sein kann, son- dern Umbrüche anstehen, deren Gestaltung Freude bereitet. In seiner Herangehensweise ist er einzigartig. Es wird spannend, zu beob- achten, welche Konzepte und Ansätze sich in den nächsten Jahren daraus entwickeln.

    Großer Dank gilt den universitären Koope- rationspartnern des Wuppertal Institutes im Designbereich: insbesondere der Folkwang Universität der Künste, an der Christa Liedt- ke als Professorin wirkt und mi