Transition Design Guide : Design für Nachhaltigkeit · 2019. 10. 2. · Verbindung mit einer...

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    18-Sep-2020
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  • Ein Guide für Gestaltung und Entwicklung in Unternehmen,Städten und Quartieren, Forschung und Lehre

    Gestalten für das Heute und Morgen

    In Kooperation mit:

    Wuppertal Spezial Nr. 55

  • ImpressumAutoren/Autorinnen

    Christa Liedtke

    Markus Kühlert

    Kim Huber

    Carolin Baedeker

    Wuppertal Institutfür Klima, Umwelt, Energie gGmbHDöppersberg 1942103 Wuppertalhttps://wupperinst.org

    Mitautoren/-autorinnen

    Hannah Fink, Christoph Tochtrop:Tool 11. Design for Social Change, HintergrundKapitel 11. Soziale Praktiken

    Johannes Buhl:Tool 12. Rebound- und Wirkungsanalyseraster,Hintergrund Kapitel 12. Effekte

    Gerrit Dirks:Tool 13. Geschäftsmodellentwicklung, HintergrundKapitel 4. Nachhaltiges Wirtschaften

    & 13. Geschäftsmodelle (Mitarbeit)

    Michael Schipperges:Tool 14. Zielgruppenbeschreibung, HintergrundKapitel 14. Zielgruppen (Autor)

    Aline Fink, Johanne Tönnies, Annika Greven:Hintergrundinformationen (Mitarbeit)

    Christoph Tochtrop:Exkurs S. 91 und S. 130/131 (Autor)

    Layout & Grafik

    Kim Huber

    Aline Fink

    Johanne Tönnies

    Tina Boes

    Konzept- & Anwendungsbeispiele

    German Campos/Christoph Labocha – GesundeErnährung und mehr Bewegung

    Sophie Gnest – Budenbücher

    Annika Greven/Sophia Kahl –Wuppertal isst fremd

    Selina Maleska – BugProtein

    Jonas Michels – Cycle Genossenschaft

    Markus Schiebel – 3D Copy Shop

    Christoph Tochtrop – Kleine Changemaker

    Hannah Fink – Soziale Praktiken (Methodenentwicklung)

    Herausgeber

    und Folkwang Universität der KünsteFachbereich GestaltungStudiengang Industrial Design/Nachhaltigkeit im DesignCampus Welterbe Zollvereinwww.id.folkwang-uni.de

    in Kooperation mit:ecosign / Akademie für Gestaltung, Köln undBergische Universität Wuppertal

    Bitte zitieren wie folgt:

    Liedtke, C.; Kühlert, M.; Huber, K.; Baedeker, C. (2019): Transition Design Guide – Design für Nachhaltigkeit. Gestalten für das Heute und Morgen. Ein Guide für Gestaltung undEntwicklung in Unternehmen, Städten und Quartieren, Forschung und Lehre.Wuppertal Spezial Nr. 55, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Wuppertal.Online verfügbar: https://wupperinst.org/design-guide ISBN 978-3-946356-13-4

    Die Texte dieser Publikation sind unter der Lizenz CreativeCommons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 4.0 International lizensiert. Die Lizenz istabrufbar unter: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

    In Kooperation mit:

    © Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbHWuppertal 2019Wuppertal Spezial Nr. 55 Hinweis: Die grafische und inhaltliche Ausarbeitung der

    Konzeptbeispiele/Arbeitsbältter in Teil II: Tools und Teil III:Arbeitsblätter basiert auf den schriftlichen und grafischenDokumentationen und Präsentationen der Studierendenin der jeweiligen Lehrveranstaltung (siehe S. 38–43; nichtveröffentlicht).

  • Gestalten für das Heute und Morgen

    Ein Guide für Gestaltung und Entwicklung in Unternehmen,Städten und Quartieren, Forschung und Lehre

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    Vorwort

    Ernst Ulrich von Weizsäcker, Gründungsprä-sident der Wuppertal Instituts und zurzeitPräsident des Club of Rome, stellte bereits1995 in einem ersten Buch zum ökologischenProduktdesign (Tischner und Schmidt-Bleek1995) folgende Frage: „Sind Designer Teil derökologischen Lösung oder Teil des ökologischenProblems?“ (Weizsäcker, zitiert in Tischnerund Schmidt-Bleek 1995: 5). Er beantworteteseine eigene Frage wie folgt: „Typischerwei-se sind sie eher Teil des Problems“ (ebd.). Aberwarum? Damals wie heute werden Designer/-innen von ihren Kunden/Kundinnen aufge-fordert, Produkte zu entwickeln, die entwe-der als Massenware verkauft werden sollenoder letztendlich zu wirtschaftlichem Wohl-stand führen sollen. Betrachtet man die Auf-gabe des/der Designers/Designerin aus einerumwelt- und ressourcenschonenden Perspek-tive, kann man neue Wege undMöglichkeitenfür den/die Designer/-in erkunden, Teil derLösung zu werden (vgl. ebd. 5.). Die Entwick-lung erschwinglicher Produkte undDienstleis-tungen, welche die Lebensqualität und Teil-habe verbessern sowie die Umwelt schonen,

    ist heute wichtiger denn je. Der gesellschaft-liche Wandel in Richtung Nachhaltigkeit wirdnur funktionieren, wenn es gelingt, nachhalti-ge Produkt-Dienstleistungssysteme in die Nut-zung und damit auf den Markt zu bringen.

    Nun hat das Wuppertal Institut mit seinemneuen Buch „Die große Transformation – EineEinführung indieKunst gesellschaftlichenWan-dels“ (Schneidewind 2018) einen Kompass fürdie Diskussion über Nachhaltige Entwicklungherausgebracht, der eine „Zukunftskunst“ ein-fordert, um den umfassenden Umbau vonTechnik, Ökonomie und Gesellschaft zu er-möglichen.

    Im Buch wird deutlich: Ohne lebendigesGestalten und die letztliche Rekonstrukti-on des Vorhandenen im Sinne der Visionenund Leitbilder des Morgen bleiben Leitbildernachhaltigen Lebens und Wirtschaftens selt-sam leer, kaum lebensnah und nicht erfahr-bar. Sie werden nicht als erstrebenswert er-lebt. Eine Transformation zu mehr gewagterNachhaltigkeit benötigt Erlebnisse, Erfahrun-gen und Erzählungen dessen, was gutes Le-ben bedeutet.

    Um die Bedürfnisse der Menschen ausreichendzu befriedigen, ohne die globalen Ökosyste-me zu überfordern, braucht es Produktions-und Konsumkulturen, die helfen, zwischendem Wesentlichen und dem gegenwärtig Ver-brauchbaren zu unterscheiden. Dies gilt es inVerbindung mit einer an Nachhaltigkeit orien-tierten Wirtschaft zu bringen, die viel weni-ger unter Wachstumsdruck steht, als wir unsdas heute vorzustellen vermögen. NachhaltigeInfrastrukturen, Institutionen, Produkte undDienstleistungen können dies im Alltag erfahr-bar machen. In Reallaboren oder LivingLabslässt sich das Gewollte und Gestaltete erpro-ben, re„formen“ oder rekonstruieren, bevores zu einer breiter akzeptierten Umsetzungin Wirtschaft und Gesellschaft kommt. DieseForm des Entwickelns und Erprobens ist Ge-genstand des Partizipativen, Experience undSocial Designs. Sie übersetzen Bedarfe undNotwendigkeiten, Werte und Haltungen in dieStrukturen des Lebens. Designer/-innen wer-den damit zu Übersetzern/Übersetzerinnengesellschaftlicher Deutungen und Meinun-gen, von Auseinandersetzungen und vielfälti-ger Lebenslust. Sie ermöglichen das scheinbarUnmögliche, Spaß an Veränderung, Spaß amLeben und Gestalten trotz oder auch gerade

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    bei vermeintlicher Grenzsetzung durch die Be-dingungen planetarer Grenzen. Dies ist eineLebenskunst, die das Buch adressiert und be-schreibt (Schneidewind 2018).

    Der vorliegende Transition Design Guidenimmt die Strategielinien der im Buch be-nannten Kunst des gesellschaftlichen Wandelsauf und übersetzt sie in Methoden für den De-signprozess. Es wird so möglich, die Welt zurekonstruieren und bewusst gestaltete Trans-formation im Alltag erlebbar zu machen.

    Der im Transition Design Guide zitierte Desi-gntheoretiker von Borries nennt diese Art zugestalten „Weltentwerfen“. Design unterwirftdann nicht, sondern entwirft (von Borries2017). Designer/-innen werden somit eineneue und entscheidende Rolle als Agenten/Agentinnen für eine nachhaltige Entwicklungim 21. Jahrhundert einnehmen. Dies ist drin-gend notwendig, denn es gilt die folgendensieben Wenden in den Fokus zu nehmen:

    Den Transformationsrahmen bilden dabei▶ die Wohlstands- und Konsumwende inVerbindung mit einer Energie- und Res-sourcenwende

    Diese materialisieren sich in:▶ Produkten, Dienstleistungen und Infra-

    strukturen einer Mobilitäts- und Ernäh-rungswende,

    ▶ innerhalb zentraler Transformationsräu-me, insbesondere der urbanen und in-dustriellen Wende.

    Dabei wird in einem kunstvollen Zusammen-spiel von Kultur-, Institutionen-, Technolo-gie- und ökonomischem Wandel nach ge-stalterischen Ansätzen und Umsetzungen inGesellschaft und Wirtschaft gesucht.

    Design erlaubt eine Integration der Ideen undVorstellungen, der Bedürfnisse und emotiona-len Lagen, der Moral und Form, der Materiali-tät und der Ästhetik, der Haltung und Werte,der Kompetenz und Herausforderung. WirktGestaltung nach diesem Prinzip,mit allen Sin-nen und Möglichkeiten, mit dem Reichtum anIdeen und der Vielfalt menschlichen Daseinsund belastet dabei Ökosysteme so wenig wiemöglich, so gelingt intelligente, transformati-ve Gestaltung (Schneidewind 2018).

    Der Transition Design Guide zum Design fürNachhaltigkeit ist eine umfassende Weiter-

    entwicklung des schon publizierten DesignGuides von 2013. Er enthält grundlegendeWerkzeuge und Ansatzpunkte – ein Rahmen-konzept für die Gestaltung der Transformati-on über vielfältige Veränderungsschritte, diegenau die benannten Arenen einer GroßenTransformation adressieren.

    Der Transition Design Guide – Design fürNachhaltigkeit wurde mit dem Ziel entwi-ckelt, die Ausbildung einer neuen Generationvon Designern/Designerinnen zu fördern, diesich bewusst ist, dass das 21. Jahrhundert kei-ne reine Fortsetzung des 20. sein kann, son-dern Umbrüche anstehen, deren GestaltungFreude bereitet. In seiner Herangehensweiseist er einzigartig. Es wird spannend, zu beob-achten, welche Konzepte und Ansätze sich inden nächsten Jahren daraus entwickeln.

    Großer Dank gilt den universitären Koope-rationspartnern des Wuppertal Institutes imDesignbereich: insbesondere der FolkwangUniversität der Künste, an der Christa Liedt-ke als Professorin wirkt und mit der das Wup-pertal Institut eine enge Kooperation pflegt,der Bergischen Universität Wuppertal, derecosign/Akademie für Gestaltung in Köln und

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    der Kunsthochschule Halle sowie all den Uni-versitäten, die sich an der International Susta-inable Summer School beteiligten. Durch dieChance des wissenschaftlichen Dialoges mitihnen – den Dozierenden und Studierendenin diversen Studienkursen – hat das Team desWuppertal Institutes viel über die notwendigeInteraktion von Gestaltung und Nachhaltig-keitsforschung gelernt. Ein solcher Transiti-on Design Guide wäre ohne diese Kooperationnicht entstanden.

    QUELLEN– von Borries, F. (2017):Weltentwerfen – eine politischeDesigntheorie. SuhrkampVerlag, Berlin, 2. Auflage.

    – Flusser, V. (1997): Vom Stand der Dinge. Eine kleine Philoso-phie der Dinge. Steidl Verlag, Göttingen.

    – Schmidt-Bleek, F.; Tischner, U. (1995): Produktentwicklung:Nutzen gestalten – Natur schonen. In: Schriftenreihe desWirtschaftsförderungsinstituts, 270,WIFI Österreich ,Wien.

    – Schneidewind, U. (2018):Die GroßeTransformation – eineEinführung in die Kunst gesellschaftlichenWandels. Forum fürVerantwortung, Fischer Verlag, Frankfurt/M.

    Ein Entwurf gleicht einem Netz, dasder Verstand über die Umständeauswirft, um sie zu verändern. Indiesem Bild stellen die Fäden desNetzes die Regeln dar, nach denen dieUmstände verändert werden sollen:In den Knoten kristallisiert sich der zuverwirklichende Entwurf. Der Entwurfgibt vor, was sein soll; er ist imperativ.Die Umstände sind das, was ist; siesind indikativ. In der Verwirklichungeines Projekts verschmelzen Imperativund Indikativ, Sein-Sollendes undSein, Wert und Wirklichkeit. Durchdie Umsetzung von Entwürfen werdenWerte Wirklichkeit und erfährt dieWirklichkeit ihre Bewertung. Durchden Entwurf injiziert der Verstandgleichsam Wertvorstellungen in dieumgebende Wirklichkeit. «

    – Flusser 1997: 90

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    Der Designguide von 2013 und der hier vor-liegende Transition Design Guide wurden invielen Kursen an der Folkwang Universität derKünste, der Bergischen Universität Wuppertalund der ecosign/Akademie für Gestaltung, zu-letzt auch der Kunsthochschule Halle, in For-schungsprojekten und der International Sum-mer School (www.sustainable-summer-school.org) getestet und mit den dort gesammeltenErfahrungen weiterentwickelt. Den Lehren-den, insbesondere Anke Bernotat, Bernd Dra-ser, MareikeGast, Michael Lettenmeier, HolgerRohn, Brigitte Wolf, und den vielen kreati-ven, engagierten Studierenden sei hiermit fürihre Diskussions- und Kritikbereitschaft herz-lichst gedankt – es war und ist eine fruchtba-re Allianz, die uns die Möglichkeit gibt, For-schungsergebnisse direkt in eine relevante,transformativ ausgerichtete Anwendung um-zusetzen. Sie bietet großes Potenzial für eineTransformation in Richtung Nachhaltigkeit.Den Studierenden, die uns für den vorliegen-den Transition Design Guide ihre Konzeptide-en bereitgestellt haben, sei ebenfalls herzlichstgedankt: German Campos und Christoph La-bocha, Sophie Gnest, Annika Greven und So-

    phia Kahl, SelinaMaleska, Jonas Michels, Mar-kus Schiebel, Christoph Tochtrop, HannahFink. Die Exploration und Evaluation der hierentwickelten Tools schon im Entwurf und inder Entwicklung mit all den Studierenden vo-rantreiben und umsetzen zu können, hat unsinspiriert und unterstützt. Wir danken zudemallen Beteiligten und Autoren/Autorinnen desersten Design Guides sowie den zwischenzeit-lichen Anwendern/Anwenderinnen für diekreative Lernkurve der letzten sechs Jahre. Eswurde dadurch sehr deutlich, dass wir Grund-legendes für einen Gestaltungsprozess beitra-gen können, insbesondere in Richtung Trans-formation und Nachhaltigkeit. Wir bedankenuns für den Austausch mit dem BMBF-Projekt„Energiesuffizienz – Strategien und Instrumen-te für eine technische, systemische und kul-turelle Transformation zur nachhaltigen Be-grenzung des Energiebedarfs im KonsumfeldBauen/Wohnen (2013–2016)“, insbesonderedem Projektleiter Lars Brischke für die Diskus-sion zur Energiesuffizienz. Außerdem dankenwir vor allem auch dem Wuppertal Institut fürdie Möglichkeit, einen solchen Design Guidezu entwickeln, unserem Team der AbteilungNachhaltiges Produzieren und Konsumieren desWuppertal Instituts sowie Johannes Buhl und

    Danksagung Michael Schipperges für fruchtbare und ge-winnbringende, manchmal auch nervenaufrei-bende Diskussionen um den besten Weg, diebeste Struktur, die besten Inhalte. JolaWelfensmöchten wir danken, dass sie uns begleitet hatund uns am Ende nochmal die Energie gab,den Text publikationsreif zu überarbeiten. Ihreimmer wieder neuen Ideen und positive Hal-tung haben uns in Phasen der Ermüdung undmanchmal auch Resignation geholfen, durch-zuhalten. Gerrit Dirks, Sarah Neumann undAnne Karrenbrock sei gedankt für ihre uner-müdliche Unterstützung bei der Endredaktion,Recherche und dem kritischen Gegenlesen derTexte auf Verständlichkeit und Einheitlichkeit.Ohne sie hätten wir sicherlich noch einmal einJahr länger zur Fertigstellung gebraucht. Wirsehen auch diesen Transition Design Guide alsein Werkzeug für Exploration und Lernen invielfältigen Gestaltungsräumen, die das Lebenund Arbeiten attraktiv, kreativ und lebenswertmachen – im Hier und Jetzt für das Morgen.Uns hat die gegenseitige Unterstützung undExploration des Möglichen in der Entwicklungdes Konkreten, sehr viel Freude bereitet. Dan-ke Ihnen und Euch allen dafür!Wir hoffen, dasErgebnis wird auch von Ihnen/Euch in Praxisund Lehre aktiv genutzt.

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    TEIL I ÜBERBLICK

    TEIL II TOOLS

    Inhalt

    Konzept-/Praxisbeispiele ........................................................................................................................38Tools zu Leistungsanforderungen ........................................................................................................441. Checkliste/Leistungsanforderungen ......................................................................................................452. Status quo-Analyse und Zielbeschreibung ..............................................................................................48Tools zur Nachhaltigkeitsbewertung .....................................................................................................543. Nachhaltigkeitsradar ...............................................................................................................................564. Sustainable Development Goals (SDGs) ................................................................................................625. Nationale Nachhaltigkeitsstrategie ..........................................................................................................686. Megatrendanalyse – Analyseraster und Grafiken ...................................................................................737. Mind Map „Our Mind – Our Society“ ......................................................................................................808. Leistungskriterien für Nachhaltigkeit – Übersetzungstabelle ...................................................................86Tools zur Bewertung der Wertschöpfungsketten: vom Rohstoffabbau bis zum Recycling .............929. Hot Spot-Analyseraster – Stärken-/Schwächenprofile ............................................................................9310. Ressourcenintensitätsanalyse – MIPS-Bewertung ..............................................................................103Tools zu markt- und gesellschaftsrelevanter Umsetzung ................................................................ 11611. Design for Social Change .................................................................................................................. 11712. Rebound- und Wirkungsanalyseraster – Matrix und Grafiken .............................................................134

    1. Wie ist der Transition DesignGuide aufgebaut? ........................................................................................182. Warum einen Transition Design Guide? .................................................................................................223. Welche Tools sind enthalten? ...................................................................................................................244. Welches Vorgehen ist sinnvoll? ................................................................................................................30

    Vorwort & Danksagung ............................................................................................................................4Design für Nachhaltigkeit – Transition Design ....................................................................................10Vorbemerkung .......................................................................................................................................14

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    TEIL III HINTERGRUNDINFORMATIONEN

    TEIL IV ARBEITSBLÄTTER

    Die Arbeitsblätter... und wo sie zu finden sind ......................................................................................258

    Die Welt, die wir gestalten .....................................................................................................................176Das Wuppertaler Transformationsmodell und der Transition Design Guide ...............................................1761. In welcher Welt leben wir? Die Megatrends unserer Zeit ......................................................................1782. Welchen Umweltraum können wir für Gestaltung nutzen? ....................................................................1813. Welche Vorsorgeprinzipien sind zu beachten? .....................................................................................1864. Was bedeutet nachhaltiges Wirtschaften? ............................................................................................1895. Wie kann man die dafür notwendige Transformation gestalten? ..........................................................1956. Welche Nachhaltigkeitsziele geben der Gestaltung Orientierung? ........................................................202Nachhaltig Gestalten .............................................................................................................................2067. Was sind ökologische oder nachhaltige Produkte und Dienstleistungen? .............................................2098. Wie verbindet man Nachhaltigkeit, Öko-Design und Transition Design? ...............................................2159. Wie können Wertschöpfungsketten optimiert werden? .........................................................................22110. Was ist ein ökologischer Rucksack oder Material Footprint? .............................................................22611. Warum sind soziale Praktiken so wichtig für Nachhaltigkeit? .............................................................23312. Was sind nicht intendierte Effekte oder Reboundeffekte? ...................................................................23713. Was haben nachhaltige Geschäftsmodelle mit Design zu tun? ..........................................................24314. Warum sind Nutzer/-innen und Zielgruppen so wichtig für die Gestaltung? .........................................248Der Beginn der Gestaltung für heute und morgen .............................................................................251

    13. Geschäftsmodellentwicklung – Sustainable Business Canvas (SBC) ................................................15014. Zielgruppenbeschreibung ..................................................................................................................15615. Lösungsansätze und Designszenarien ..............................................................................................16416. Evaluierung .......................................................................................................................................168

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    Design für Nachhaltigkeit –Transition Design

    Die Welt von morgen

    Der globale Wandel ist allgegenwärtig. Er be-zieht sich auf eine Vielzahl von Veränderun-gen, die unseren Planeten mit zunehmenderGeschwindigkeit erfassen. Die dynamischfortschreitende Digitalisierung ist in vollemGange. Sie sorgt für tiefgreifenden Wandelin jedem Lebensbereich. Heute sind etwa 20Milliarden Geräte und Maschinen über das In-ternet vernetzt, bis 2030 werden es rund einehalbe Billion sein (vgl. IBM Marketing Cloud2017). Darüber hinaus wächst die Weltbevöl-kerung: 2030 werden 8,55 Mrd. und bis 20509,77 Mrd. Menschen auf der Erde leben (vgl.Statista 2018). Schon heute leben mehr als

    50 % der Menschen in Städten, diese Zahlwird weiter ansteigen. Verbunden damit ist –gerade auch in den aufstrebenden Ländern –ein noch nie gesehenes Anwachsen einer glo-balen Konsumenten-/Konsumentinnenklasse,der bis 2050 nach Schätzungen etwa 3 Mrd.Menschen angehören werden. Dies zeigt zumeinen auf, dass die emerging countries aufho-len, sich ihre Gesellschaften entwickeln undwesentlich mehr Menschen an Wohlstandteilhaben können als bisher – eine sehr posi-tive Entwicklung! Das bedeutet aber gleich-zeitig erhöhten Konsum von Autos, digitalenDienstleistungen, Elektronikprodukten, Woh-nungen, Küchen, Möbel etc. Dazu kommt dieÜbernahme ressourcenschwerer Lebensstileder reicheren Massenwirtschaften. Diese Ent-wicklungen werden mit einer zunehmendenUmweltbelastung und einem dynamisch stei-gendem Ressourcenverbrauch einhergehen.

    Das UN International Resource Panel ging2017 in seinem Fact Sheet „Assessing globalresource use“ davon aus, dass im selbenJahr 88,6 Mrd. Tonnen Ressourcen konsu-miert wurden – dreimal soviel wie 1970!High income countries verbrauchen dabeipro Person zehnmal mehr als low income

    countries, so das Panel. Ein Ende diesesWachstums ist nicht abzusehen. Die Erdbe-wohner/-innen von morgen werden im Lau-fe der nächsten Jahrzehnte zunehmend mitdem technologischen Wandel und den dar-aus resultierenden sozialen und ökologischenProblemen konfrontiert werden. Diese Trans-formation findet schon heute statt und sie iststeuerbar. Das Design kann seinen Teil dazubeitragen, indem es Wege für einen umfas-senden Wandel zu einer nachhaltigen Gesell-schaft aufzeigt.

    Nachhaltige Entwicklung ist eine grundle-gend gestalterische Aufgabe

    Die Gestaltung der materiellen Basis unsererexistenziellen wie auch emotionalen Grund-bedarfe ist Ziel und Aufgabe von Design.Gleichzeitig nutzt und beeinflusst es dabeiauch die ökosystemaren Dienstleistungen.Ganze 80 % der Umweltauswirkungen einesProduktes – insbesondere sein Ressourcen-und Energieverbrauch entlang seiner gesam-ten Wertschöpfungskette – werden schon inder Entwurfsphase festgelegt (vgl. Tischner etal. 2000). Dies beeinflusst den weltweit dy-namisch steigenden Ressourcenkonsum, was

    Der durch Design zu überwindendeGegenstand von Design sind dieBedingungen des Lebens selbst,die jeder Designer durch die planvolleGestaltung der Welt zu ändern versucht.– von Borries 2017: 15

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    die wichtigste Ursache der heute relevantenUmwelt- und Klimaprobleme ist. Eine gesun-de Umwelt bei gleichzeitigem Wohlstands-wachstum ist nur möglich, wenn Produkteund Dienstleistungen so gestaltet und entwi-ckelt werden, dass sie entlang ihrer gesamtenWertschöpfungskette so wenig Ressourcen(Rohstoffe, Fläche, Energie) wie möglich be-nötigen, gefährliche Stoffe minimieren undkaum Abfall produzieren. Sie sollten außer-dem die menschlichen Bedürfnisse bei hoherLebensqualität und selbstbestimmter Entfal-tungsmöglichkeit befriedigen, also einen ho-hen individuellen und sozialen Nutzen stiften(vgl. Schmidt-Bleek 1994). Die von den UN2015 ausgerufenen Sustainable DevelopmentGoals (SDG's) geben hierfür einen internatio-nal anerkannten Orientierungs- und Zielrah-men vor.

    Zukunftsfähige Produktions- und Konsum-systeme mit Transition Design entwickeln

    Veränderung ist unser täglich Brot, schautman allein auf die Innovationen der letzten10–20 Jahre und deren Dynamik – egal inwelcher Region dieser Welt. Eine Transforma-tion von Wirtschaft und Gesellschaft ist also

    ständig präsent und ein grundlegend kultu-relles Projekt (vgl. Schneidewind 2018). Wirmüssen unsere Haltungen und unsere kultu-rellen und strukturellen Rahmenbedingungenjedoch zunächst kennen, um sie mit Gestal-tungslust und Handlungswillen nachhaltig än-dern und ausrichten zu können.

    Weil sich im Design Haltung und Werte ma-nifestieren, können diese dadurch auch ak-tiv vermittelt werden. Ebenso lassen sich dieSDG durch Design in die Sprache und Codesvon Produkten, Dienstleistungen, Geschäfts-modellen und Infrastrukturen übersetzen. De-sign kann so einen bedeutenden Beitrag zurnachhaltigen Entwicklung leisten, gewünschteVeränderungen anstoßen und nicht nachhal-tige Haltungen und Form von Nachhaltigkeitausgestalten.

    Ökologisches Design (Tischner/Schmidt-Bleek1995, Charter/Tischner 2001) wurde jüngstmit Ansätzen um Transition- und Transfor-mationsdesign verbunden (Irwin et al. 2015;Sommer/Welzer 2016; Keyson et al. 2016;von Borries 2017). Design for Sustainability(Spangenberg et al. 2010) betrachtet zudemdie Integration der SDG als Zielorientierung

    und integriert ökonomische, kulturelle, tech-nologische und institutionelle Perspektivenfür eine Transformation zur Nachhaltigkeit(Spangenberg 1995, Schneidewind 2018).

    Transition wird beschrieben als „nichtlineare[r], systemische[r] Wandel inner-halb einer Gesellschaft (Loorbach 2007;Schneidewind/Singer-Brodowski 2013).Transitionen sind stufenweise Übergängevon einem gesellschaftlichen Zustand in ei-nen anderen z. B. die Stufen, die notwendigwaren von einer „Raucher“-Gesellschaft imöffentlichen Raum mehr und mehr zu einer„Nichtraucher“-Gesellschaft zu werden.“(Welfens et al. 2016: 36)

    Der Begriff der Transformation bezeichnetim Vergleich dazu einen tiefgreifenden Ver-änderungsprozess, beispielsweise eine er-folgte Ressourcen- und Klimawende oderden fundamentalen Wandel politscher Sys-teme, wie wir ihn in den 1990er Jahren inOsteuropa und Deutschland erlebt haben.

    Design ist immer transformativ – denn esgreift direkt in unsere Alltagsroutinen ein undgestaltet diese mit. Egal, ob wir unser Han-

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    dy benutzen, ein Buch lesen, Werbung sehenoder einen Fahrkartenautomaten benutzen –die Nutzung von Produkten, Services und In-frastrukturen beeinflusst unsere Handlungenebenso wie Kommunikation und Erzählungen.Unser Denken, unsere kulturellen Muster –wie auch unsere Wünsche und Vorstellungenmaterialisieren sich in Produkten, Infrastruk-turen und Dienstleistungen und umgekehrt.Damit rückt das Design ins Zentrum gesell-schaftlicher Entwicklungsprozesse, Möglich-keiten, Zukünfte und Dynamiken.

    Ein transformatives und nachhaltiges Designunterstützt nachhaltiges Handeln bzw. machtZielkonflikte sichtbar. Es enthebt den/dieNutzer/-in nicht seiner/ihrer Verantwortung,sondern hilft ihm/ihr, diese zu priorisieren. Estrainiert komplexe, resiliente, selbstbestimm-te Entscheidungsfindungen in komplexenUmwelten und Umgebungen. Es befriedigtdurch die Erfahrung von Selbstwirksamkeitund Gestaltbarkeit.

    Von Design for Service bis Transition Design

    Die Veränderungsdynamik geht von der eta-blierten Disziplin des Service Designs aus und

    Abb.1: übersetzt und basierend auf: Irwin, T., Tonkinwise, C., Kossoff, G. Transition Design (2015): An Educational Frame-work for Advancing the Study and Design of Sustainable Transitions. School of Design, Carnegie Mellon University: 26

    Die gestalteteWelt

    Produkte,Kommunika-tion & Infra-strukturen

    Unterdisziplinendes Design

    Kontext allenDesigns

    Fokusbereiche des Designs

    Design for Interactions

    NatürlicheWelt

    Design forService

    ModeraterWandelExistierendeParadigmen& Systeme

    Design for SocialInnovation

    SignifikanterWandelEntstehendeParadigmen& Systeme

    TransitionDesign

    RadikalerWandelZukünftigeParadigmen& Systeme

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    verändert sich dann in Zeit und Kontext überein Design für soziale Innovationen bis hinzum Transition Design. Service Design bewegtsich meist noch in existierenden sozioökono-mischen und politischen Strukturen, währendes dem Design für soziale Innovationen schonum das Verändern dieser Strukturen geht. Essetzt an neuen ökonomischen Modellen an. Da-bei werden soziale Bedürfnisse besser als durchbisherige Lösungsansätze adressiert, was in so-zialer Hinsicht zu einem positiv empfundenenWandel beiträgt. Transition Design geht nocheinen Schritt weiter und will dabei helfen, neuesozioökonomische und soziale Werte zu entwi-ckeln, um so ein komplett neues Verständnisvon Lebens-, Gesellschafts- und Wirtschafts-stilen zu schaffen. Gegenstand von TransitionDesign ist die Erforschung und Gestaltung vonkomplexen Systemen (siehe Abb. S. 12).

    Dem Ansatz des vorliegenden Transition De-sign Guides liegt das Ziel eines Wertewandelsin Richtung nachhaltiger Entwicklung zugrun-de. Er kann in Forschung und Lehre dazu die-nen, Designwissenschaft und Nachhaltigkeits-forschung zu verbinden und wissenschaftlichbasierte Kompetenzentwicklung in Lehre undAnwendung voranzutreiben.

    QUELLEN

    – von Borries, F. (2017):Weltentwerfen – eine politische Design-theorie. SuhrkampVerlag, Berlin, 2. Auflage.

    – Charter, M.; Tischner, U. (2001): Sustainable solutions: deve-loping products and services for the future. Greenleaf Pub,Sheffield, U.K.

    – Grin, J.; Rotmans, J.; Schot, J.; Geels, F. (collab.); Loorbach, D.(collab.) (2010): Transitions to Sustainable Development.Routledge Verlag – Taylor & Francis Group, NewYork/London. On-line verfügbar: https://www.researchgate.net/publication/273697987_The_Dynamics_of_Transitions_A_Socio-Technical_Perspective(Abruf 06/2019).

    – IBMMarketing Cloud (2017): 10 Key MarketingTrends for 2017and Ideas for Exceeding Customer Expectations.Online verfügbar: https://public.dhe.ibm.com/common/ssi/ecm/wr/en/wrl12345usen/watson-customer-engagement-watson-marketing-wr-other-papers-and-reports-wrl12345usen-20170719.pdf (Abruf 06/2019).

    – Irwin, T.; Kossoff, G.; Tonkinwise, C; Scupelli, P. (2015): TransitionDesign 2015. A new area of design research, practice andstudy that proposes design-led societal transition towardmore sustainable futures. Carnegie Mellon Design – School ofDesign, Pittsburgh. Online verfügbar: https://design.cmu.edu/sites/default/files/Transition_Design_Monograph_final.pdf(Abruf 06/2019).

    – Keyson, D. V.; Guerra-Santin, O.; Lockton, D. (eds.) (2016): LivingLabs: Design and Assessment of Sustainable Living, SpringerInternational Publishing, Schweiz.

    – Loorbach, D. (2007): Transition Management – Newmode ofgovernance for sustainable development. International Books,Grifthoek. Online verfügbar:

    https://repub.eur.nl/pub/10200 (Abruf 06/2019).

    – Schmidt-Bleek, F. (1994):Wieviel Umwelt braucht der Mensch?MIPS, das Maß für ökologischesWirtschaften. BirkhäuserVerlag, Berlin/Basel/Boston.

    – Schneidewind, U. (2018):Die GroßeTransformation – eineEinführung in die Kunst gesellschaftlichenWandels. Forum fürVerantwortung, Fischer Verlag, Frankfurt/M.

    – Sommer, B.;Welzer, H. (2016): Transformationsdesign –Wegein eine zukunftsfähige Moderne. OekomVerlag, München.

    – Spangenberg, J. H.; Fuad-Luke, A.; Blincoe, K. (2010): Design forSustainability (DfS): the interface of sustainable productionand consumption. In: Journal of Cleaner Production 18 (15).

    – Spangenberg, J. H. (Hg.) (1995): Towards Sustainable Europe:The Study. Friends of the Earth Publications, Brüssel.

    – Statista aus: UN DESA – Population Division (2017): Prognose zurEntwicklung derWeltbevölkerung von 2010 bis 2100. Onlineverfügbar: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1717/umfrage/prognose-zur-entwicklung-der-weltbevoelkerung (Abruf06/2019).

    – Tischner, U.; Schmincke, E.; Rubik, F.; Prösler, M. (2000): How to doEcoDesign? Art Books Intl Ltd.

    –WBGU (2011):Welt imWandel: Gesellschaftsvertrag für einegroßeTransformation. Online verfügbar: https://www.wbgu.de/hauptgutachten/hg-2011-transformation (Abruf 06/2019).

    –Welfens, J.M.; Liedtke, C.; Fink, A. (2016): Crashkurs Nachhaltig-keit und Design: Einemultimediale Übersicht. Projekt CLUB OFROM für den Alltag,Wuppertal Institut. Online verfügbar: https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/CoR_Crash-kurs_Nachhaltigkeit.pdf (Abruf 06/2019).

  • 14

    Vorbemerkung

    Das Wuppertal Institut veröffentlichte 2013den ersten Design Guide in englischer Spra-che. Durch die Erfahrungen und Ergebnis-se seiner Anwendung in Praxis und Wissen-schaft sowie neuer Forschungserkenntnisse inden letzten Jahren wurde uns immer deutli-cher, dass diese für den Gestaltungsprozessschneller nutzbar gemacht werden müssten.Dies motivierte uns zu einer sehr grundlegen-den Überarbeitung. So wurde dieser Leitfa-den, der auf Nachhaltigkeitstransition sowohlim als auch durch Design abzielt, zu großenTeilen neu entwickelt. Er enthält weiterentwi-ckelte und neue Tools, Arbeitsblätter undHin-tergrundinformationen.

    Der neue Transition Design Guide wird auchonline unter https://wupperinst.org/design-guide bereitgestellt. Die Tools, Arbeitsblätterund Texte können hier auch einzeln herun-tergeladen und somit frei kombiniert werden.Zur Nutzung gibt es keine Vorgaben, sondernvielmehr orientierungsgebende Empfehlun-gen, die aus der Anwendung stammen. UnserZiel ist, dass im kreativen Gestaltungsprozess

    TOOLSBACKGROUNDINFORMATION &

    WuppertalInstituteforClimate,EnvironmentandEnergy

    AuthorsChrista LiedtkeNajine AmeliJohannes BuhlPhilip OettershagenTristam PearsPablo AbbisW

    UP

    PE

    RT

    AL

    SP

    EZ

    IA

    L4

    6 Wuppertal InstituteDesignguide

    ▶ Einige der Tools wurdenbereits von

    Liedtke et al. 2013 im Wuppertal Institute

    Designguide eingeführt. Diese wurden

    nun weiterentwickelt und mit neuen Tools

    kombiniert. Online verfügbar unter:

    https://epub.wupperinst.org/frontdoor/

    deliver/index/docId/4893/file/WS46.pdf

    (Abruf 06/2019)

    die Herausforderungen einer nachhaltigenEntwicklung mitbedacht und konkretisiertwerden können, als sei dies ein ganz norma-ler Vorgang – eine Selbstverständlichkeit. Nurdann können Produkte und Dienstleistungenmit ihren immanenten Codes unsere Haltungin Alltag, Beruf und Freizeit hin zur nachhal-tigen Entwicklung prägen. Wenn sich Nach-haltigkeit nicht im Alltag und damit am Marktmaterialisiert und digitalisiert, wird sie nichterleb- und gestaltbar. Sie würde auf einer ArtMetaebene über uns schweben und ein er-dachtes Konstrukt ohne Relevanz in unseremLeben bleiben. Mithilfe unserer Forschungwollen wir das aktiv verändern helfen. FürReflektionen, konstruktive Kritik, Anwen-dungsbeispiele und Ideen sind wir dankbar– wir lernen gerne für die Weiter- und Neu-entwicklung dazu! Ziel ist es, einen interak-tiven analog-digitalen Guide zur Verfügungzu stellen, der den Gestaltungs- und Entwick-lungsprozess im Geschehen und in Realzeitunterstützt. Diese Entwicklung steht an undwird sicherlich noch einige Jahre dauern. –Begleiten Sie uns dabei! Bis dahin bauen wirdie Tools so auf, dass neue Forschungs- undAnwendungserkenntnisse kurzfristig aufge-nommen oder auch neue Tools hinzugefügt

    werden können. Gestalter/innen erhalten so-mit ein Kompendium an Möglichkeiten, dassie an ihren Bedarfen und Aufgabenstellun-gen ausrichten und frei mit anderen bereitspublizierten bzw. angebotenen Methodenund Tools aus den jeweiligen Fachdisziplinenkombinieren können.

    Für die verkürzte Anwendung in englischerSprache:

  • 15

    Eine multimediale Übersicht

    Oktober 2016

    ▶ Der Crashkurs Nachhaltigkeit wur-

    de von Liedtke et al. 2016 entwi-

    ckelt und dient einer schnellen und

    kreativen Exploration relevanter

    Themenbereiche mit kurzen Texten,

    Material- und Filmtipps. Er wurde

    im Rahmen des Projektes „Club of

    Rome für den Alltag“ entwickelt

    (Deutsche Gesellschaft des Club of

    Rome).

    Zum Thema Transformation:

    ▶ Der Präsident des Wupper-

    tal Instituts, Prof. Dr. Uwe

    Schneidewind, und das Team des

    Wuppertal Instituts machen im

    Buch „Die Große Transforma-

    tion“ deutlich, wie die Energie-

    und Ressourcenwende genauso

    gelingen können wie eine funda-

    mentale Transformation unserer

    Städte, unserer Mobilität und

    unser Nahrungsversorgung.

    Das Buch soll die Diskussion

    über die Transformation zu

    einer nachhaltigen Entwicklung

    in einer Zeit beleben, in der das

    Thema durch andere Heraus-

    forderungen in der politischen

    Debatte überlagert scheint.

    Weitere Informationen unter:

    https://wupperinst.org/a/wi/

    a/s/ad/4414 (Abruf 06/2019)

    Online verfügbar unter:

    https://wupperinst.org/fa/redaktio

    n/downloads/projects/CoR_Crashk

    urs_Nachhaltigkeit.pdf

    (Abruf 01/2019)

  • 16

    Die Geschichte des nachhaltigen DesignsFuhs, K.-S.; Brocchi, D.; Maxein, M.; Draser, B. (Hg.) (2013)VAS, Homburg

    Designguide – Background Informations& ToolsLiedtke, C.; Ameli, N.; Buhl, J.; Oettershagen, P.; Pears, T.;Abbis, P. (2013)Wuppertal Spezial Nr. 46. Online verfügar: https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/2222 (Abruf 06/2019)

    Crashkurs Nachhaltigkeit und Design: Einemultimediale ÜbersichtLiedtke, C.;Welfens, J.M.; Fink, H. (2016)Projekt CLUB OF ROM für den Alltag, Wuppertal Institut.Online verfügbar: https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/CoR_Crashkurs_Nachhaltigkeit.pdf(Abruf 06/2019).

    Wir sind dran – was wir ändern müssen,wenn wir bleiben wollenVonWeizsäcker; E. U.;Wijkman, A. mit 32 weiterenMitgliedern (2017)Gütersloher Verlags Haus, Gütersloh

    GRUNDLAGENLITERATUR DESIGN

    DieWelt als EntwurfAicher, Otl (1994)Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin

    Eine Muster-Sprache. Städte. Gebäude.KonstruktionAlexander, Christopher (1977)Löcker,Wien

    Das System der Dinge. Über unser Verhält-nis zu den alltäglichen GegenständenBaudrillard, Jean (1991)Campus, Frankfurt a. M. /New York

    DesignerlyWays of KnowingCross, Nigel (2001)Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin

    Vom Stand der Dinge. Eine kleine Philoso-phie des DesignFlusser, Vilém (1993)Steidl, Göttingen

    Die Herrschaft der MechanisierungGiedion, Sigfried (1982)Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a.M.

    Die semantischeWende : Eine neueGrundlage für DesignKrippendorff, Klaus (2012)Birkhäuser, Basel

    Hochschule für Gestaltung. Ulm. DieMoral der Gegenstände

    Lindinger, Herbert (Hrsg.) (1987)Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin

    Simplicity – Die zehn Gesetze der Ein-fachheitMaeda, John (2007)Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg

    Design as ArtMunari, Bruno (1971)Harmondsworth, Middlesex

    The Design of Everyday ThingsNorman, Don (2013, 1. Auflage 1988)MIT University Press Group Ltd, Cambridge, 2. Auflage

    Design for the RealWorld. Human Ecologyand Social ChangePapanek, Victor (1984)Van Nostrand Reinhold, London

    Das Jahrhundert des DesignsSchepers,Wolfgang (Hrsg.) (2000)Anabas, Frankfurt a. M.

    Lob des Schattens – Entwurf einer japani-schen ÄsthetikTanizaki, Jun’ichiro (1987)Manesse, Zürich

  • 17TEXT TITEL

    TEIL I ÜBERBLICK

  • 18 TEIL I: ÜBERBLICK

    TEIL I Überblick

    12345

    12

    3

    4

    Tools 1 & 2Leistungsanforderungen/Lastenheft

    Tools 3–8Nachhaltigkeitsbewertung

    Die Tools sind das Herzstückdes Transition Design Guides.Sie bieten Orientierung imDesignprozess und zeigenauf, wie Konzepte im Sinneder nachhaltigen Entwicklung(um-)gestaltet werden können.

    1. Wie ist der Transition Design Guideaufgebaut?

    Dieser Guide dient der methodischen Ent-wicklung nachhaltiger Designkonzepte, diedie verschiedensten, für eine gesellschaftlicheTransformation notwendigen Veränderungs-prozesse in Produktion und Konsum anstoßenkönnen. Hierfür stellt er Tools und Arbeits-blätter zur Verfügung, mit denen sich syste-matisch neue Designideen sowie Produkt-/Dienstleistungsinnovationen erarbeiten lassen.

    Er ist in vier Teile gegliedert:Teil I – Überblick

    Teil II – Tools

    Teil III – Hintergrundinformationen

    Teil IV – Arbeitsblätter

    TEIL II TOOLS

    TEIL I ÜBERBLICK

    Der Überblicksteil gibtAuskunft darüber, wie mandurch den Transition DesignGuide navigiert, warum esihn gibt und wie man ihn füreigene Gestaltungskonzepteam besten nutzen kann.

  • 19WIE IST DER TRANSITION DESIGN GUIDE AUFGEBAUT?

    ▶▶

    Tools 9 & 10Bewertung der Wertschöpfungsketten:vom Rohstoffabbau bis zum Recycling

    Tools 11–16Markt- und gesellschaftsrelevante Umsetzung

    Konzeptbeispiele

    Die Konzeptbeispiele sind dasBindeglied zwischen den Tools undden Arbeitsblättern und dienen derVeranschaulichung der Tools.

    Da in den Tools der Fokus auf der praktischen Anwendungliegt, wird dort an einigen Stellen auf den Hintergrundteilverwiesen. Hier werden zusätzliches Wissen und Erklärun-gen zu den unterschiedlichen Themengebieten bereitgestellt.

    Die Arbeitsblätter sollen eine direkte An-wendung der Tools ermöglichen und ste-hen online zum Download zur Verfügung:https://wupperinst.org/design-guideSie sollen als Werkzeug für die eigeneKonzeptentwicklung dienen. Gerne dür-fen und sollen sie dabei individuell wei-terentwickelt und an die eigenen Bedürf-nisse angepasst werden.

    TEIL IV ARBEITSBLÄTTER

    TEIL III HINTERGRUNDINFORMATIONEN

  • 20 TEIL I: ÜBERBLICK

    Verweise zu weiterführendenTools

    TOOLS

    x

    Verweise zu anderen Tools,in denen das angewendeteKonzeptbeispiel weiterge-führt wird

    KONZEPTBEISPIELE

    x

    Verweise zu tiefergehendenHintergrundinformationenzum Thema

    HINTERGRUNDINFORMATION

    x

    Orientierung und NavigationAnhand eines Leitsystems aus Icons und Farb-codierungen lassen sich wiederkehrende The-menstränge, Verknüpfungen und auch Quer-verweise nachvollziehen. Die nebenstehendeLegende bietet eine Übersicht für die Anwen-dung des Guides.

    Zum leichteren Verständnis und zur Orien-tierung finden sich im Design Guide folgendeElemente:

    VerweiseDie Verweiszeichen x , x und x stehen fürweiterführende Tools, Konzeptbeispiele undHintergrundinformationen, die direkt an dasvorliegende Thema oder Tool anknüpfen. DieVerweiskästen gelten jeweils für eine gesamteDoppelseite.

    ArbeitsschritteDie Tools sind in einzelne Arbeitsschritte ge-gliedert, die mit nummerierten Waben ge-kennzeichnet sind. Sie lassen sich auch aufden jeweils aufgeführten Arbeitsblättern wie-derfinden.

    x

    x ARBEITSSCHRITTE

    ▶ Arbeitsblatt X.Y

    Mit zwei verschränkten Wabengekennzeichnete Arbeitsschrit-te, sindmit einemanderen Toolbzw. Arbeitsblatt gekoppelt.

  • 21WIE IST DER TRANSITION DESIGN GUIDE AUFGEBAUT?

    Weiterführende HinweiseDie in den Texten zitierten Quellen sowie wei-tere interessante Literatur, Links und Videoszum jeweiligen Tool oder Thema werden je-weils am Ende des Tools bzw. Kapitels ange-geben.

    Tipps und ExkurseIn einigen Texten sind außerdem Tipp-Kästenund kleinere Themen-Exkurse integriert, diezusätzliche Anwendungsmöglichkeiten auf-zeigen oder anhand von Projekten und Kon-zeptideen Beispiele für transformatives De-sign geben.

    www

    Verweise auf themenrelevante Literatur

    Verweise auf weiterführende Links

    Verweise auf Videomaterial zum Thema

    TIPP

    EXKURS

    Hier stehen weiterführende Tipps, passend

    zum Thema des jeweiligen Tools oder

    Kapitels.

    In Exkursen werden interessante Projekte

    oder Kozeptideen zum Thema des jeweili-

    gen Tools oder Kapitels vorgstellt.

  • 22 TEIL I: ÜBERBLICK

    Der neue Leitfaden des Wuppertal Instituts fürGestaltung und Entwicklung heißt TransitionDesign Guide und verbindet die Nachhaltig-keitsperspektive mit einer Gestaltungs- undProzessperspektive: Ziel ist die Initiierung undImplementierung von Transitionen (=Ver-änderungsprozessen) für eine zukunftsfähi-ge und ressourcenleichte Gesellschaft undWirtschaft über die „inhärente Sprache“ bzw.Codes der Produkte undDienstleistungen. Da-bei wird als Perspektive die Haltung der Ein-zelnen und der Gesellschaft im Miteinanderund die damit verbundene Haltung zur Naturfokussiert. Über die Gestaltung der materiel-len Welt und entsprechender Geschäftsmo-delle wird die Beziehung zwischen dem Ich,dem Wir und der Natur als real erlebbarerInteraktionsprozess adressiert. 1 Im Ergeb-nis – so das Ziel – entstehen individual- undsozialverträgliche, ressourcenleichte Produkt-Dienstleistungskonzepte oder -systeme, diewirtschaftlich tragfähig sind. 2 Wirtschaftli-che Nachhaltigkeit folgt dann einer solchenGestaltung und fördert eine öko-sozial ausge-richtete marktwirtschaftliche Umsetzung undEntwicklung. Daher haben der Design- und

    2. Warum einen Transition Design Guide?

    Entwicklungsprozess an sich und sein Verlaufeine hohe Relevanz für die Entwicklung eige-ner und gesellschaftlicher Lebens- und Kul-turmodelle sowie für die daraus resultieren-den Wirtschaftsformen. Sie bilden die (de-)materialisierte Struktur und Form dafür, inwelcher Gesellschaft und Marktwirtschaft wirmorgen leben. 3

    Erweitert man den Gestaltungs- und Entwick-lungsprozess nicht nur auf die Umgestaltungdes Vorhandenen, sondern auch auf die Hal-tung zu den Dingen und deren Wandlung,so werden Entwickler/-innen und Designer/-innen mit den Menschen zu „Gestaltenden“von naher und ferner Zukunft. Das machtseine/ihre Tätigkeit so interessant für eineTransformation der Gesellschaft und Wirt-schaft in eine gesellschaftlich und/oder indi-viduell gewollte Richtung.

    Zielgruppen dieses Transition Design Guidessind daher insbesondere:

    ▶ Designer/-innen jeglicherAusrichtungundSchwerpunkte,

    Die Welt, die wir gestalten,

    S. 176

    4. Nachhaltiges Wirtschaften

    Nachhaltig gestalten, S. 206

    und folgende Kapitel

    HINTERGRUNDINFORMATION

    1

    2

    3

  • 23WARUM EINEN TRANSITION DESIGN GUIDE?

    ▶ Produkt- und Dienstleistungsent-wickler/-innen in Unternehmen,

    ▶ Agent/-innen des Wandels inOrganisationen, Institutionen undKommunen sowie Quartieren,

    ▶ Forscher/-innen allerDisziplinen.

    Die Tools können je nach Fragestellung invielfältigen strategischen Entwicklungspro-zessen genutzt werden, die die (Weiter-) Ent-wicklung von Technologie-, Produkt- und Un-ternehmensportfolios betreffen oder einfachzur Aus- und Weiterbildung in den verschie-densten Fachdisziplinen. Designer/-innen er-fahren während ihrer Ausbildung eine Vielfaltan möglichen disziplinären Differenzierungen– grob Industrie- und Kommunikationsdesign,ferner Experience Design, Social Design, par-tizipatives Design, Transition Design u. v. m.Die verwendeten Methoden können alle miteinigen der vorliegenden Tools kombiniertwerden und ergeben durch ihre jeweilige Di-versität einen bunten und spannenden Straußan verschiedenen Gestaltungsräumen und-möglichkeiten. Das Design kann so die Pers-

    pektiven vieler verbinden, Bilder oder Narra-tionen des Möglichen erzeugen und ihre Ex-plorationen und Umsetzungen unterstützen.

    Für sozial-ökologische, ökologisch-ökonomi-sche und sozio-ökonomische Transformati-onsprozesse in Produktion und Konsum inKommunen, Städten, Quartieren und Haus-halten ist der Transition Design Guide für alldiejenigen interessant und anwendbar, die ihrUmfeld mitgestalten und -erforschen wollen.

    Nachhaltigkeit wird meist aus der Perspek-tive der ökologischen Anforderungen argu-mentiert – eine integrierte Perspektive vonindividuellen, sozialen, ökologischen undwirtschaftlichen Bedarfen wird selten ent-wickelt. Hier liegt aber der Kern einer nach-haltigkeitsorientierten gesellschaftlichen„Wende oder Transformation“ – sei es eineKlima-, Energie-, Ernährungs- oder Mobili-tätswende (vgl. Schmidt-Bleek 1994, Schnei-dewind 2018). Wichtig ist es, zwischen die-sen Ebenen eine Verbindung zu schaffen, diedie Menschen persönlich betrifft. Gestalter/-innen können dies als Chance nutzen, Gesell-schaft und Wirtschaft lebenswert für jetzigeund kommende Generationen zu entwickeln.

    Gestaltungsprozesse können Kreativität er-leb- und erfahrbar machen sowie Sorgen undÄngste adressieren, wahrnehmen und im De-sign berücksichtigen. Technik, Technologi-en, Produkte oder Dienstleistungen könnendiese Veränderungsprozesse in ihrer Ästhe-tik, ihrer Form, ihrer Funktionalität und ih-rer Nutzungsart aktiv mitteilen. Sie werdensozusagen zum wertvollen materialisiertenoder digitalisierten Gedächtnis sowie der Er-zählung einer Veränderung und Transforma-tion. Dann stiften sie Identität, Sicherheit,Selbstwirksamkeit, Status u. v. m. und sorgenfür Verbreitung und Akzeptanz. Für diese Artder Vorgehensweise – Nachhaltigkeit gestal-terisch zu nutzen – gibt es keine uns bekann-ten „einfachen“ und zugleich wissenschaftlichfundierten Toolkits und Instrumente, die diesselbstverständlich in den praktischen Gestal-tungsprozess einfließen lassen, ohne den Kre-ativitäts- und Entwicklungsprozess zu unter-brechen. Wir möchten also die Perspektivedrehen und nehmen Nachhaltigkeit als Gan-zes ins Visier, als Inspiration für mehr Kreati-vität und einer Vielfalt möglicher Szenarien,deren Entwicklung und Umsetzung aufregendund herausfordernd sind.

  • 24 TEIL I: ÜBERBLICK

    Wir haben bereits die einzelnen Tools mitangehenden Designstudierenden vorgetestetund konnten feststellen, dass die Anwender/-innen für sich zu völlig unterschiedlichen Lö-sungen und Wegen kamen. Sie fühlten sichinspiriert von dem sich neu öffnenden Ent-wicklungs- und Gestaltungsraum und erfuh-ren eine Faszination des Möglichen, bishernicht Gedachten. Einige haben die Konzept-phase vertieft, um den Gestaltungsraum zuerweitern, andere steuerten sofort auf die Re-alisierung zu, wieder andere kombiniertendiese Tools mit anderen Kreativitätstools desDesigns.

    Wir haben eine bunte Vielfalt der Anwen-dungsmöglichkeiten kennengelernt und wür-den gerne mit Ihnenweiterlernen und -entwi-ckeln. Tipps und konstruktive Kritik nehmenwir daher gerne auf!

    QUELLEN– Schmidt-Bleek, F. (1994):Wieviel Umwelt braucht der Mensch?MIPS, das Maß für ökologischesWirtschaften. BirkhäuserVerlag, Berlin/Basel/Boston

    – Schneidewind, U. (2018):Die GroßeTransformation – eineEinführung in die Kunst gesellschaftlichenWandels. Forum fürVerantwortung, Fischer Verlag, Frankfurt/M.

    3. Welche Tools sind enthalten?

    Die insgesamt 16 Tools sind vier Anwen-dungsfeldern zugeordnet und orientierensich an Leitfragen, die helfen, den jeweili-gen Zielfokus zu verdeutlichen. Die dazuge-hörigen Arbeitsblätter geben die Möglichkeit,das Tool und dessen Thematik auf eigeneGestaltungsfragen/-konzepte anzuwenden.

    1. LeistunganforderungHier wird eine möglichst konkretisierte Leis-tungsanforderung (Tool 1) und Zielbeschrei-bung (Tool 2)desProdukts bzw.derDienstleis-tung erarbeitet, um die Zielperspektiven allerbeteiligtenAkteure/Akteurinnentransparentzumachen.

    2. NachhaltigkeitsbewertungEin Nachhaltigkeitsradar (Tool 3) macht dieBewertung für die aus den Nachhaltigkeitszie-len der Vereinten Nationen - SDGs (Tool 4),Deutschlands (Tool 5) und/oder Megatrend-analysen (Tool 6) abgeleiteten und angewen-deten Nachhaltigkeitskriterien transparent. Dieeigenen Zielkriterien können mit Hilfe einerMind Map (Tool 7) dargestellt und (weiter-)entwickelt werden. Die abgeleiteten Leistungs-

    kriterien werden zusammengefasst, struk-turiert und für die Gestaltungsaufgabe nochmalso konkretisiert (Tool 8), dass eine Bewertungeiner gewünschten Zielerreichung für die Ge-staltungsaufgabe möglich wird.

    3. Bewertung der WertschöpfungskettenDie mit den Produkten oder Dienstleistungenverbundenen Nachhaltigkeitseffekte (Tool 9)und ihr Ressourcenkonsum (Tool 10) werdencharakterisiert und bewertet.

    4. Markt- und gesellschaftsrelevanteUmsetzung

    Transition Design bedeutet Gestalten für eineUmsetzung und erlebte Veränderung. Die hierverorteten sechs Tools adressieren die Verän-derung des Alltagshandelns (Tool 11), dieVermeidung nicht beabsichtigter Wirkungen(z. B. Reboundeffekte, Tool 12), die Entwick-lung und Gestaltung nachhaltiger Geschäfts-modelle (Tool 13), die Adressierung undCharakterisierung der fokussierten Zielgrup-pe (Tool 14), die Entwicklung von Designsze-narien (Tool 15) sowie deren Evaluierung imÜberblick (Tool 16).

  • 25WELCHE TOOLS SIND ENTHALTEN?

    Dass ich die Tools einerseits alsAnregung so verwenden kann,wie sie sind, sie andererseits auchmeinen Bedürfnissen und Ideenindividuell anpassen kann, hat dieArbeit mit ihnen sehr fruchtbar underkenntnisreich gemacht.

    – Sophie Gnest, Studentin derFolkwang Universität der Künste, 2016

    »

    »

    In zahlreichen Universitäten und Agenturen wurden im Rahmen von Kreativitäts- undGestaltungsprozessen bereits verschiedenste Design Toolkits entwickelt. Hier lohnt sichsicherlich eine zusätzliche Sichtung, um für die eigene Fragestellung das optimale Toolkitzu erschließen – einige Beispiele (alle Abruf 08/2019):

    TIPPDie Tools und Arbeitsblätter sind so konzi-piert, dass sie auch unabhängig voneinanderbzw. einzeln und in frei gewählter Reihen-folge genutzt werden können.

    Sustainability GuideGerman Federal Environment Agency (seit 2017)▶ Anleitung und Inspiration für Unternehmen,Bildungsinstitutionen und Designer/innenOnline verfügbar: https://sustainabilityguide.euund https://www.ecodesigncircle.eu/resources-for-you/sustainability-guide

    Circular Design GuideEllen MacArthur Foundation; IDEO (2016)▶Methoden, Worksheets, Inspiration zumThema Circular DesignOnline verfügbar: https://www.circulardesign-guide.com

    Eco Design KitBMUB, UBA, Ökopol, IDZ (2015)▶Grundlagen, Methoden und Praxisbeispielezur Integration von Umweltaspekten in Design-und Innovationsvorhaben.Online verfügbar: https://www.ecodesignkit.de/home-willkommen

    The Field Guide to Human-Centered-DesignIDEO (2015)▶ gedacht für Produkt-, Service-, Erlebnisde-

    sign und SozialunternehmenOnline verfügbar: https://www.ideo.com/post/design-kit

    Delft Design Guide: Design Strategies andMethodsAnnemiek van Boeijen, Jaap Daalhuizen, Roosvan der Schoor, Jelle Zijlstra (Hg.) (2014)

    BIS Publishers▶ Produktdesign, kostenpflichtigOnline verfügbar: https://ocw.tudelft.nl/courses/delft-design-guide

    Delft Design GuideTU Delft (2010)▶ Produktdesign, beinhaltet Trends Analysis,EcoDesign Checklist, EcoDesign Strategy WheelOnline verfügbar: https://issuu.com/acunar/docs/delft_design_guide

    Service Design Tools▶Webseite und Übersicht über diverse Tools.Online verfügbar: http://servicedesigntools.org

  • 26 TEIL I: ÜBERBLICK

    1. Checkliste Leistungsanforderungen

    2. Status quo-Analyse und Zielbeschreibung

    3. Nachhaltigkeitsradar

    4. Sustainable Development Goals

    5. Nationale Nachhaltigkeitsstrategie

    6. Megatrendanalyse

    7. Mind Map

    8. Leistungskriterien für Nachhaltigkeit

    Leistungs-anforderung/Lastenheft

    LeitfrageKlassifizíerung Tool

    ▶ Wer erwartet was?

    ▶ Welche Ziele werden verfolgt?

    ▶ Wo liegen die Nachhaltigkeitspotenziale?

    ▶ Wie können die globalen Nachhaltigkeitszieleadressiert werden?

    ▶ Welche nationalen Ziele und Strategien sindrelevant?

    ▶ Welche Megatrends sind bedeutsam?

    ▶ Was will ich, was wollen wir erreichen?

    ▶ Wie lassen sich Nachhaltigkeitskriterien und -zielein die Konzeptentwicklung übersetzen?

    1

    Übersicht und Klassifizierung der Tools

    Nachhaltigkeits-bewertung 1

    2345

    12

    3

    4

  • 27TOOL-KLASSIFIZIERUNG

    Arbeitsblätter

    ▶ 1.1 Leistungskriterien ▶ 1.2 Clusterung & Priorisierung

    ▶ 2.1 Voraussetzungen ▶2.2 Ergebnisübersicht

    ▶ 3.1 Netzgrafik ▶ 3.2 Balkendiagramm

    ▶ 4.1 Relevanz & Auswahl ▶ 4.2 Unterziele ▶ 4.3 Ergebnisgrafik

    ▶ 5.1 Indikatoren & Ziele ▶ 5.2 Ergebnisgrafik

    ▶ 6.1 Recherche & Bewertung ▶ 6.2 Clusterung ▶ 6.3 Ergebnisgrafik

    ▶ 7.1 Brainstorming ▶ 7.2 Priorisierung & Übersicht

    ▶ 8.1 Übertragung, Clusterung, Priorisierung ▶ 8.2 Themenfelder, Ziele, Indikatoren ▶ 8.3 Ergebnisgrafik

  • 28 TEIL I: ÜBERBLICK

    Bewertung der Wert-schöpfungsketten:Vom Rohstoffabbaubis zum Recycling

    LeitfrageKlassifizierung Tool

    ▶ Welche Effekte hat das Design auf dieWertschöpfungsketten und -netze?

    ▶ Wie viele Ressourcen werden benötigt?Wie viel Natur wird pro Dienstleistunggebraucht?

    ▶ Welche sozialen Praktiken sollen verändertwerden?

    ▶ Welche (Neben-)Effekte sind mit derEntwicklung verbunden?

    ▶ Wie können nachhaltige Geschäftsmodelle fürGestaltungskonzepte entwickelt werden

    ▶ An wen richtet sich das Gestaltungskonzept?An wen nicht?

    ▶ Wie viele Wege führen zum Ziel?Wie fokussiert man sich?

    ▶ Wie lassen sich Designlösungen in Bezug aufÖkologie, Soziales und Ökonomie bewerten?

    Übersicht und Klassifizierung der Tools

    Markt- und gesell-schaftsrelevanteUmsetzung

    9. Hot Spot-Analyseraster

    10. Ressourcenintensitätsanalyse – MIPS

    11. Design for Social Change

    12. Rebound- und Wirkungsanalyseraster

    13. Geschäftsmodellentwicklung

    14. Zielgruppenbeschreibung

    15. Lösungsansätze und Designszenarien

    16. Evaluierung

    ▶▶

  • 29TOOL-KLASSIFIZIERUNG

    Arbeitsblätter

    ▶ 9.1 Lebenszyklusphasen & Bewertungskriterien ▶ 9.2 Hot Spots ▶ 9.3 Priorisierung ▶ 9.4 Ergebnisgrafik A▶ 9.5 Ergebnisgrafik B

    ▶ 10.1 Dienstleistungsbeschreibung ▶ 10.2 Prozessschaubild ▶ 10.3 Material Footprints▶ 10.4 MIPS Berechnung & Bewertung ▶ 10.5 Konzeptvergleich ▶10.6 Ergebnisgrafik

    ▶ 11.1 Beschreibung ▶ 11.2 Prozessketten des Alltags ▶ 11.3 Beziehungen & grafische Bewertung▶ 11.4 Priorisierung & Fokussierung ▶ 11.5 Ableitung von Designideen

    ▶ 12.1 Definition der Wirkungsebenen ▶ 12.2 Mind Map ▶ 12.3 Beschreibung & Bewertung▶ 12.4 Schlussfolgerung ▶ 12.5 Ergebnisgrafik

    ▶ 13.1 Integrierte GeschäftsmodellentwicklungA ▶ 13.2 Integrierte Geschäftsmodellentwicklung B▶ 13.3 Ergebnissammlung

    ▶ 14.1 Recherche & Typologiensammlung ▶ 14.2 Clusterung & Narration ▶ 14.3 Persona/e & Profil/e▶ 14.4 Nachhaltigkeitskriterien & Werthaltungen ▶ 14.5 Footprints ▶ 14.6 Ergebnisgrafik

    ▶ 15 Lösungsansätze & Designszenarien

    ▶ 16.1 Ökologische Kriterien ▶ 16.2 Sozio-ökonomische Kriterien ▶ 16.3 Auswertung & Schlussfolgerung

  • 30 TEIL I: ÜBERBLICK

    4. Welches Vorgehen ist sinnvoll?

    In nebenstehender Abbildung sind möglicheAnwendungen der Tools in den jeweiligenPhasen eines klassischen Designzyklus darge-stellt. Die Reihenfolge und die Kombinationder Tools ist von der jeweiligen Aufgaben-stellung abhängig. Das heißt, die Tools sindnicht zwingend nach vorgegebener Zahlen-reihenfolge zu verwenden, sondern ihre op-timale Nutzenstiftung steht im Vordergrund.Sie können auch jeweils flexibel vereinfacht,ergänzt, mit anderen Tools kombiniert oderaber detaillierter genutzt werden. Die Anwen-dung der Tools kann zudem an den individu-ellen Rahmen – Bedarf, Zeit und Anforderun-gen – angepasst werden.

    WirempfehlenzweiunterschiedlichePfadederAnwendung:

    ▶ Quick & Dirty ist der Pfad, der schnell um-zusetzen ist, dafür aber nicht so in die Tiefegeht. Die Entwicklung oder das Konzept wirddabei anhand einzelner weniger Tools aufPotenziale und Ansatzpunkte für eine nach-haltige Realisierung hin überprüft. Als ersteAnnäherung und Abschätzung, ob das Vor-

    gehen so sinnvoll ist, reicht dieser Pfad völligaus. Meist ergeben sich dann aus dieser ver-einfachten Anwendung die gewünschten Ver-tiefungen. Auf dieser Basis kann ein Konzeptin Hinblick auf eine Realisierung weiterentwi-ckelt und anschließend evaluiert werden.

    ▶ Gründlich & Fein, der zweite Pfad startetgenauso, vertieft dann schrittweise die Fra-gestellungen je nach Bedarf und inhaltlicherund strategischer Anforderung/Zielsetzung.Es werden für erste Schritte einer vertieftenNachhaltigkeitsbewertung Tools wie z.B. eineHot Spot-Analyse – Bewertung von sozialenund ökologischen Effekten entlang der Wert-schöpfungskette – oder aber eine Ressourcen-intensitätsanalyse zur Bewertung des öko-logischen Rucksacks genutzt. Das Vorgehen istkomplexer und lohnt meist, wenn dieEntscheidung zu fällen ist, ob eine Idee oderein Szenario vertieft ausgearbeitet werdensoll. Die Tools 14. Zielgruppenbeschreibung,13. Geschäftsmodellentwicklung und/oder 16.Evaluierung können für beide Pfadvariantensinnvolle Ergänzungen für die Vorbereitungdes Markteintrittes sein (siehe Abb. Nutzungs-pfade, S. 32/33).

  • 31WELCHES VORGEHEN IST SINNVOLL?

    Abb.2: Kombinationsmöglichkeiten eines Designzyklus mit den Tools des Transition Design Guides, vgl. Liedtke et al 2013: 37

    3. Nachhaltigkeitsradar

    weitere Tools bzw.Wiederholung je nachVertiefungsbedarf

    9. Hot Spot-Analyse 9. Hot Spot-Analyse

    10. Ressourcen / MIPS-Bewertung

    12. Rebound- und Wirkungsanalyse

    16. Evaluierung

    2. Zielbeschreibung

    3. Nachhaltigkeitsradar

    3. Nachhaltigkeitsradar

    3. Nachhaltigkeitsradar

    6. Megatrendanalyse

    7. Mind Map

    8. Leistungskriterien

    13. Geschäftsmodellentwicklung

    13. Geschäftsmodelle

    15. Lösungsansätze und Designszenarien

    11. Design for Social Change

    4. Sustainable Development Goals

    5. Nationale Nachhaltigkeitsstrategie

    1. Checkliste

    16. Evaluierung

    Briefing

    Brainstorming

    Bewertungs-kriterien

    Design-szenarien

    Design& Prototyp

    Design-konzept

    KOMBINATION: DESIGNZYKLUS & TRANSITION DESIGN

    Zielbeschrei-bung

    Feldtest &nutzerbezogeneEvaluation

    14. Zielgruppenbeschreibung

    TRANSITION DESIGN GUIDE TOOLS

    KLASSISCHER DESIGNPROZESS

  • 32 TEIL I: ÜBERBLICK

    Mögliche Nutzungspfade der Anwendung

    14. Zielgruppen

    15. Designszenarien

    16. Evaluierung

    3.Nachhaltigkeits-Radar

    ▶▶

    t

    11. Design for Social Change

    12. Rebound- undWirkungsanalyse

    13. Geschäftsmodell-entwicklung

    Auswahl vertiefender OptionenGründlich & Fein

    Quick & Dirty bei Bedarf:

    9. Wertschöpfungsketten

    10. Ressourcen/MIPS

    1. Checkliste

    2. Zielbeschreibung

    3. Nachhaltigkeitsradar

    7. Mind Map

    14. Zielgruppen

    WeiterentwicklungErweiterung

    8. Leistungskriterien

    4. Sustainable DevelopmentGoals

    5. Nationale Nachhaltig-keitsstrategie

    6. Megatrends12345

    12

    3

    4

  • 33MÖGLICHE NUTZUNGSPFADE DER ANWENDUNG

    Für den Vergleich zweier Konzepte:

    Für die Evaluierung eines Konzeptes:

    Die linksstehende Grafik zeigt beide Pfa-de sowie die möglichen Vertiefungen auf.Sowohl für den Pfad Quick & Dirty alsauch Gründlich & Fein ist ein Optimierungs-zyklus möglich, der auch die Geschäftsmo-dellentwicklung einschließen kann. In diesenOptimierungszyklus können jeweils vertiefen-de Elemente der Tools einbezogen werden.Um den Transition Design Guide effektivfür das eigene Konzept zu nutzen, müssenalso nichtalle Tools bearbeitet werden. Fürunterschiedliche Aufgabenstellungen eignensich oft verschiedene Toolkombinationenbzw. eine individuelle Auswahl verschiedenerTools:

    4. Sustainable DevelopmentGoals

    7. Mind Map

    3. Nachhaltigkeitsradar

    16. Evaluierung

    16. Evaluierung

    345 8. Leistungskriterien

    8. Leistungskriterien

    4. Sustainable Development Goals

    3. Nachhaltigkeitsradar

    6. Megatrends12345

    5. Nationale Nachhaltigkeitsstrategie1

    2

    3

    4

    Für den Vergleich oder die Evaluierung einesKonzeptes für verschiedene Anwendungen:

    9. Wertschöpfungsketten

    16. Evaluierung

    12. Rebound- und Wirkungs-analyse

    4. Sustainable DevelopmentGoals

    3. Nachhaltigkeitsradar

    1. Checkliste

    2. Zielbeschreibung

    11. Design for Social Change

  • 34 TEIL I: ÜBERBLICK

    Veranschaulichung eines ToolpfadesBeispielhafte Darstellung

    7. Mind Map

    ▶ Herausarbeiten derKernpunkte

    ▶ Abbildung wichtigerPunkte und Beziehun-gen

    1In folgender Darstellung lässtsich exemplarisch ein mögli-cher Toolpfad nachvollziehen.

    Aufgeführt ist das jeweiligeTool mit einer kurzen Auflis-tung der darin abgearbeitetenArbeitsschritte.

    1. Checkliste

    2

    ▶ Definition der vorläufi-gen Haupt-Zielgruppe

    ▶ Herausstellung Anfor-derung der Auftrag-geber

    4. SustainableDevelopment Goals

    3

    ▶ Konzept mit den 17gesellschaftlich undwirtschaftlich definier-ten Nachhaltigkeitszie-len abgleichen

    ▶ Konzeptbewertungbzgl. einzelner Ziele

    ▶ Auswahl der wichtigs-ten Ziele für die Nach-haltigkeitsbewertung

  • 35VERANSCHAULICHUNG EINES TOOLPFADS

    6. Megatrends

    ▶ Recherche einzelnerMegatrends

    ▶ Bewertung und Über-setzung in Bezug aufdas Konzept/Projektund Nachhaltigkeit

    ▶ Auswahl der wichtigs-ten Ziele für die Nach-haltigkeitsbewertung

    5

    8. Übersetzungstabelle

    ▶ Sortieren nach sinnvol-len Oberbegriffen

    ▶ Bewertung nachRelevanz

    6

    3. Nachhaltigkeitsradar

    ▶ Bewertung und Ver-gleich von Konzepten inBezug auf Nachhaltig-keitsindikatoren

    7

    5. NationaleNachhaltigkeitsstrategie

    ▶ Abgleich mit den Zielender Nationalen Nach-haltigkeitsstrategie

    4

    ▶ Auswahl der wichtigs-ten Ziele für die Nach-haltigkeitsbewertung

    12345

    12

    3

    4

    ▶ Auswahl der wichtigs-ten Indikatoren fürNachhaltigkeit

    ▶ Ergebnisgrafik mitIndikatoren als Fazit ausallen bearbeiteten Tools

  • TEIL II TOOLS

  • 38 TEIL II: TOOLS38

    Im folgenden Teil des Transition Design Guidesfinden sich die Toolbeschreibungen. Für jedesTool erfolgt zunächst jeweils eine kurze Ein-führung zur adressierten Thematik, gefolgtvon der Beschreibung der Arbeitsschritte undeiniger Beispiele zur Anwendung der Arbeits-blätter in Form von ausgewählten Konzeptbei-spielen.

    Konzept-/Praxisbeispiele

    Für die Entwicklung der Konzept-/Praxisbei-spiele haben verschiedene Studierende eineAuswahl der Tools und Arbeitsblätter genutztund auf eigene Projektideen angewendet. Diekurze Darstellung ihrer Ergebnisse hilft dabei,die Anwendung des Tools mit Hilfe der Ar-beitsblätter besser nachvollziehen zu können.Zur besseren Navigation sind diese Anwen-dungsbeispiele in den Toolbeschreibungenmit einer roten Umrandung versehen.

    Alle enthaltenen Konzeptbeispiele werdennun folgend kurz vorgestellt – fünf Konzept-beispiele etwas ausführlicher, drei weiteremit einer kurzen Information. Anhand dieser

    TEIL II TOOLS

    Beispiele soll eine möglichst differenzierteund grundlegende Anwendung der Tools desTransition Design Guides gezeigt werden. Zu-dem sollen sie unterschiedliche Bereiche undEbenen von Gestaltung aufgreifen und Mög-lichkeiten zur Realisierung aufzeigen. Auchder Beitrag der Tools zur Entwicklung nach-haltiger Designszenarien sollte damit veran-schaulicht werden. Es sind sowohl technischorientierte, räumlich-quartiersbezogene, reinkonzeptionelle als auch konkret umsetzbareKonzepte vertreten.

    Hintergrund zur Entwicklung derKonzeptbeispieleDie Konzepte 3D Copy Shop, Fitnessriegel Bug-Protein und Cycle Genossenschaft basieren aufder Anwendung des Designguide von 2013und entstanden in einem Masterkurs an derBergischen Universität Wuppertal. Zwei Bei-spiele wurden im Rahmen der Forschungs-arbeit des Wuppertal Institutes entwickeltund gingen als solche in die Entwicklung desTools 11. Design for Social Change ein. Alleanderen Konzepte waren in die Entwicklungund Erprobung des hier vorliegenden Transi-tion Design Guides einbezogen, sozusagen ineine „just in time“-Entwicklung und -Evaluie-rung (Kurs Sommersemester 2016, FolkwangUniversität der Künste Essen, Bergische Uni-versität Wuppertal).

  • 39ÜBERSICHT DER KONZEPT-/PRAXISBEISPIELE

    Cycle Genossenschaftvon Jonas MichelsMichels 2013, Bergische Universität Wuppertal

    bemöglichkeiten zu entwickeln. Cycle Genos-senschaft stellt damit nicht das Design vonProdukten, sondern das Design eines sozialenArrangements in den Mittelpunkt. Die Genos-senschaft bindet die Mitglieder in die Gemein-schaft ein, soziale Kontakte werden geknüpftund intensiviert. Leihen, Kaufen, Service wirdüber qualitativ hochwertige Produkte flexi-bel und bedarfsgerecht angeboten. Über dieNachfragebündelung steht den Anbietern/An-bieterinnen ein/e organisierte/r Abnehmer/in gegenüber, der/die Produkte nach Qua-litätskriterien, Dienstleistungsangebot undPreis bestellen kann. Das Gestaltungskonzeptorientiert sich an ausgewählten Nachhaltig-keitskriterien wie der Abfallvermeidung, derVerlängerung der Nutzungsdauer u. a. undintegriert Transparenz, Bildung, Integration,sozialen Zusammenhalt sowie Finanzierung/Vermeidung von Verschuldung. Über dieseKriterien führt es nicht zu einem 1:1 Verhält-nis von Kunde/Kundin zum Unternehmenmit einer 1:1 Vertragsbindung, sondern zumVerhältnis einer Genossenschaft zu mehre-ren Unternehmen mit Wahlmöglichkeit undrechtlich basierter Professionalisierung.

    BeschreibungCycle Genossenschaft ist ein Gestaltungskon-zept für die gemeinschaftliche Anschaffungund Nutzung von Produkten im Stadtquar-tier, mit Fokus auf Elektronikprodukte für denHaushalt. Jonas Michels entwickelte einengenossenschaftlich organisierten Ansatz mitNachfragebündelung. Die Genossenschaft or-ganisiert das Management von Elektronikpro-dukten im Quartier, sorgt für Produktqualitätund Kreislauforientierung. Gleichzeitig hat sieauch die Aufgabe, möglichst viele Menschenim Quartier zu beteiligen und sozial adäquateFinanzierungsmodelle und vor allem Teilha-

    12. Rebound- & Wirkungs-analyseraster

    ▶ Anwendung in

    9. Hot Spot-Analyseraster

    Abb.3: Jonas Michels

  • 40 TEIL II: TOOLS40

    Layout und Grafik: Annika Greven & Sophia Kahl/Foto: Katharina Wergen

    Foto: mediaphotos, E+, Getty Images

    Wuppertal isst fremd!von Annika Greven und Sophia KahlGreven/Kahl 2016, Bergische Universität Wuppertal

    BeschreibungIn unserem stressigen Alltag verbringen wir im-mer wenigerZeit zuhause, gehen oft altbekann-te Wege und haben keine Zeit, uns mit demeigenen Viertel sowie mit den dort lebendenMenschen vertraut zu machen. Zudem essenwir immer öfter außer Haus. Und doch: Es gibtHinweise darauf, dass gemeinsames Essen oderauch der soziale Austausch beim Essen vielenMenschen sehr wichtig ist. Denn die Deutschenverbringen nicht mehr Zeit beim Kochen, alsbeim gemeinsamen Abendessen. Das KonzeptWuppertal isst fremd! versucht nach dem Vor-bild von RudiRockt beides zu verbinden. Esbietet den Wuppertaler Studierenden die Mög-

    3D Copy Shopvon Markus SchiebelSchiebel 2013, Bergische Universität Wuppertal

    BeschreibungUm die Nutzung von 3D-Druckern nachhalti-ger zu gestalten, analysierte Markus Schiebeldie beiden Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Druckers für zuhause und das Bestellen von3D-Drucken bei einer Online-3D-Druckerei.Aus den daraus abgeleiteten Vor- undNachtei-len entwickelte er das Konzept 3D Copy Shop.Hierbei handelt es sich um eine lokale Dienst-leistungststelle, die professionelle 3D-Druck-Dienstleistungen für die Anwohner/-innen desQuartiers anbietet. Dadurch können Fehldru-cke und qualitativ minderwertige Drucke so-wie eine damit einhergehende Ressourcenver-schwendung vermieden werden. Gleichzeitig

    kann eine persönliche, professionelle Bera-tung angeboten, Reparaturen gefördert undaußerdem quartiers-gestalterische bis hin zukünstlerisch-ästhetische 3D Druck-Objekte imstädtischen Raum als identitätsstiftender Fak-tor des Quartiers entwickelt werden. Auch dieAustauschmöglichkeit unter den Quartiersbe-wohnern/Quartiersbewohnerinnen in Formeines Treffpunktes ist ein wichtiger Fokus desKonzepts.

    12. Rebound- und Wirkungs-analyseraster

    ▶ Anwendung in

    3. Nachhaltigkeitsradar

  • 41ÜBERSICHT DER KONZEPT-/PRAXISBEISPIELE

    Foto: Dash_med, iStock / Getty Images Plus

    Gesunde Ernährung,mehr Bewegungvon German Campos und Christoph LabochaCampos/Labocha 2016, Bergische Universität Wuppertal

    3. Nachhaltigkeitsradar

    2. Status quo-Analyseund Zielbeschreibung

    1. Checkliste / Leistungs-anforderungen

    5. Nationale Nachhaltigkeits-strategie

    4. Sustainable DevelopmentGoals

    lichkeit, ihr Viertel und ihre Nachbarschaft bes-ser kennenzulernen und bringt verschiedene(Ess)-Kulturen während eines gemeinsamenAbendessens zusammen. Die einzelnen Gängewerden von verschiedenen Teilnehmenden zu-hause für die anderen gekocht und so bewegtman sich für jeden Gang quer durch das eige-ne Viertel. Eine erste erfolgreiche Realisierungfand bereits im Sommer 2016 statt. Mehrereweitere folgten bereits.

    BeschreibungErnährungsstile werden mehr und mehr zumStatussymbol und Lifestyleprodukt. Gleichzeitigtreten vermehrt Fehlernährungsmuster auf – inunseren Graden eher Mangelernährung undÜbergewicht. Damit sind weitreichende Krank-heitsbilder verbunden. Wie lässt sich der Hypeum gesunde Ernährung und gesundheitlich be-denkliche Entwicklungen ganzer Gesellschaf-ten erklären? Inwieweit ist dies auch vom Bil-dungs- und Kompetenzniveau und damit demEinkommen abhängig? Wie verteilt sich diesüber die Quartiere und Städte? Welche Mus-ter lassen sich feststellen und wie kann man

    ▶ Anwendung in

    8. Leistungskriterien fürNachhaltigkeit

    6. Megatrendanalyse12345

    12

    3

    4

    Weitere Infos zum Projekt-Vorbild „RudiRockt“ unter: https://www.rudirockt.de

  • 42 TEIL II: TOOLS42

    7. Mind Map

    11. Design for Social Change

    15. Designszenarien

    7. Mind Map

    16. Evaluierung

    BugProtein– Insekten als alternativeEiweißquelle für Europavon Selina MaleskaMaleska 2013, Bergische Universität Wuppertal

    BeschreibungIn vielen Teilen der Welt ist eine Ernährungmit Insekteneiweißen völlig alltäglich. Umdiese ressourcenschonenden und nährstoff-reiche Ernährung auch in Europa einzufüh-ren, wurde zunächst ein Fitness-Eiweißriegelkonzipiert, der mit einer entsprechendenKommunikationsstrategie speziell Sportlerund „Experimentierfreudige“ ansprechen soll.Diese Zielgruppen legen sehr großen Wert aufeine eiweißreiche und fettarme, aber natürlichauch schmackhafte Ernährung. Als Grundlagefür den Fitnessriegel „BugProtein Bar“ solltenHeuschrecken fungieren. Diese haben pro 100

    ▶ Anwendung in

    Gramm hohe Nährwerte, kaum Kalorien undFett. Mittels eines überzeugenden Geschma-ckes und hoher Qualität sollten die BugPro-tein-Produkte „von sich reden machen“ undso eine zunehmende Zahl von Verbraucher/-innen von der Sinnhaftigkeit eines entomo-phagischen (auf Insekteneiweiß basierenden)Ernährungsansatzes – zumindest als partielleOption – überzeugen. Ein weiteres Argumentfür die BugProtein Riegel war die – im Ver-gleich zu konventionellen Fitnessriegeln – we-sentlich verbesserte Ressourceneffizienz.

    3. Nachhaltigkeitsradar

    ▶ Anwendung in

    6. Megatrendanalyse

    ihnen gestalterisch begegnen? Im Herantastenan eine Konzeptentwicklung wird die Dynamikvon Komplexität und Vereinfachung zu einereigenen ästhetischen Form des Gestaltens, fastwie ein Tanz zwischen verschiedenen Lebens-welten. Vorhandene Konzepte wurden bewertetund in Verbindung gesetzt, um zu einem erstenSzenario zu gelangen. Mit Hilfe des TransitionDesign Guides wurden mehrere Ansatzpunkteals Basis für eine mögliche gestalterische Um-setzung erarbeitet.

    12345

    Foto: Selina Maleska

    ▶▶

  • 43ÜBERSICHT DER KONZEPT-/PRAXISBEISPIELE

    11. Design for Social Change4. Sustainable DevelopmentGoals

    Weitere Praxis-Beispiele

    Soziale Praktikenvon Hannah FinkFink 2015, Wuppertal Institut und

    Ecosign/Akademie für Gestaltung Köln

    Budenbüchervon Sophie GnestGnest 2016, Zeit zum Lesen und Austausch, Folkwang

    Universität der Künste, Essen

    BeschreibungSoziale Praktiken sind unbewusste Routinenund helfen uns, das tägliche Leben einfacherzu gestalten. Sie bilden den Kern unsererLebensstile und damit unserer Ressourcen-verbräuche. Diese Methodenentwicklung sollhelfen, diese Abläufe sichtbar und ihre Rele-vanz für Designkonzepte deutlich zu machen.

    BeschreibungDie Kleinen Changemaker sind verschiedenecharmant gestaltete Hinweise, die zuhausean bestimmten Geräten angebracht werdenkönnen. Sie wollen mit einem Augenzwin-kern auf nicht nachhaltige Alltagsroutinenaufmerksam machen und zum Umdenkenbzw. -handeln anregen.

    BeschreibungBücher als Objekte und das Lesen als Aktivi-tät sind recht ressourcenleicht und bereitendabei vielen Menschen Spaß. Das Konzeptmöchte das Sich-Zeit-Nehmen zum Lesen so-wie zum Austausch über das Gelesene wiederin den Alltag der Menschen zurückbringen.(Ausführlichere Erläuterung des Konzeptssiehe Tool 4. Sustainable Development Goals)

    ▶ Anwendung in▶ Anwendung in

    11. Design for Social Change

    Kleine Changemakervon Christoph TochtropTochtrop 2016, erste Beispiele, Wuppertal Institut und

    Folkwang Universität der Künste

    ▶ Anwendung in Tools

    Abb.4: Kim Huber

    Abb.6: Christoph TochtropAbb.5: Sophie Gnest

  • 44 TEIL II: TOOLS

    7. Mind Map

    14. Zielgruppenbeschreibung

    TOOLS

    Tools zu Leistungsanforderungen

    Toolbeschreibungen

    Die Tools 1. Checkliste/Leistungsanforderungund 2. Zielbeschreibung dienen dazu, die kon-zeptionellen Voraussetzungen für die Entwick-lung nachhaltiger Gestaltungskonzepte zuschaffen. Dazu gehört, dass die Perspektiven,Interessen und Zielsetzungen aller beteilig-ten Akteure/Akteurinnen (Auftraggeber/-in-nen, Zielgruppen, Gestaltende, Entwickeln-de, Agenten/Agentinnen des Wandels) formalund transparent abgestimmt werden. So wirdpotenziellen Missverständnissen und Fehler-wartungen vorgebeugt. Die Durchführung ei-ner Status Quo-analyse und die gemeinsameEntwicklung von Zielen undMeilensteinen er-möglicht eine erfolgreiche Umsetzung des Ge-staltungskonzeptes.

    Die folgenden 16 Toolbeschreibungen sind in4 Themenkomplexe gegliedert:– Leistungsanforderungen– Nachhaltigkeitsbewertung– Bewertung der Wertschöpfungsketten– Markt- und gesellschaftsrelevante Umset-zung

    Leistungsanforderungen/Lastenheft1. Checkliste2. Zielbeschreibung

    Nachhaltigkeitsbewertung3. Nachhaltigkeitsradar4. Sustainable Development Goals5. Nationale Nachhaltigkeitsstrategie6. Megatrendanalyse7. Mind Map8. Leistungskriterien für Nachhaltig-keitBewertung der Wertschöpfungsketten9. Hot Spot-Analyseraster10. Ressourcenintensitätsanalyse –MIPSMarkt- und gesellschaftsrelevanteUmsetzung11. Design for Social Change12. Rebound- und Wirkungsanalyse13. Geschäftsmodellentwicklung14. Zielgruppen15. Designszenarien16. Evaluierung

    TOOLÜBERSICHT

    2

    1

  • 451. CHECKLISTE / LEISTUNGSANFORDERUNGEN

    ist daher von hoher Bedeutung. Auch derenVeränderung im Entwicklungsprozess solltedokumentiert werden. Sie begleitet also dengesamten Gestaltungsprozess von Anfang bisEnde.

    Mit der Leistungsbeschreibung bzw. dem Las-tenheft erhält man konkrete Entwicklungs-ziele, die entweder mit der Zielgruppe unddem/der Auftraggeber/-in zusammen ent-wickelt und vertieft oder direkt einer vor-liegenden Leistungsbeschreibung entnom-men werden können. Liegt diese nicht vor,kann eine Mind Map 1 zu den jeweili-gen Zielvorstellungen erstellt und die ein-zelnen Leistungsanforderungen priorisiertwerden. Um Missverständnissen und Feh-lerwartungen vorzubeugen, sollten die An-forderungen schriftlich festgehalten werden.Viele Projekte scheitern gerade an diesemPunkt. Es empfiehlt sich außerdem immerüber den Auftrag hinausgehende Optionenund Perspektiven einzubringen und anzubie-ten. Dies gilt insbesondere für Herausforde-rungen mit demZiel, nachhaltige Entwicklungund die dazu notwendige Transformation zugestalten. Hierzu finden sich viele Ansätzeund Hinweise in den Tools, den Arbeitsblät-

    1. Checkliste/Leistungsanfor-derungenWer erwartet was?

    In Entwicklungsprozessen haben alle Betei-ligte eigene Vorstellungen, Entwicklungskri-terien und Bilder im Kopf – seien es Unter-nehmen, Auftraggeber/-innen, Dozierende,Nutzende oder auch man selbst. Werdendiese Vorstellungen und Ideen nicht sichtbargemacht, läuft man Gefahr, Anforderungennicht zu erfüllen, aber auch unerfüllbare oderwidersprüchliche Anforderungen nicht frühgenug zu erkennen, zu kommunizieren undzu klären. Daher ist die Transparenz dieserLeistungsanforderungen der jeweiligen Pro-zessbeteiligten von sehr hoher Bedeutung.Aus eigener Erfahrung haben wir dazu eineinfaches Tool entwickelt. Das Tool bildetdas Fundament der Kooperation bzw. dergemeinsamen Aufgabe. Wird diese nichtsinnvoll angelegt, kann das entwickelte De-signkonzept nicht tragen. Die schriftlicheDokumentation der Leistungsanforderungen

    ▶ Arbeitsblätter1.1 Leistungskriterien1.2 Clusterung & Priorisierung

    tern, den Ergebnisgrafiken sowie den Hinter-grundinformationen. Eine Zielgruppenanalysekann helfen, sich deren Rahmenbedingungen,Bedarfe, Handlungsmuster und Denkweisenzu verdeutlichen. 2 Für die Konzeptentwick-lung ist dies eine wichtige Voraussetzung.

    Toolbeschreibung1 LEISTUNGSKRITERIEN DEFINIEREN

    UND REFLEKTIEREN

    ▶ Arbeitsblatt 1.1ImerstenSchrittwerdendie eigenenLeistungs-kriterien indieTabelleeingetragenund ihreRe-levanz seitens der jeweiligen Zielgruppen unddurch den/die Entwickler/-in bewertet. Diesgeschieht abgleichend und im Austausch mitdem/der Auftraggebenden und Zielgruppen.

    2 LEISTUNGSKRITERIEN

    ZUSAMMENFASSEN

    ▶ Arbeitsblatt 1.1Anschließend können ähnliche oder in diegleiche Richtung wirkende Kriterien mit der-selben Farbe markiert und unter einem Ober-begriff zusammengefasst werden. Widersprü-che oder offene Fragen sollten rot markiertund mit den relevanten Stakeholdern (z. B.dem/der Auftraggebenden oder der Projekt-

  • 46 TEIL II: TOOLS

    gruppe) geklärt werden. Im Feld Anmerkun-gen lassen sich die jeweiligen Erläuterungenerfassen.

    3 ERGEBNISSE ZUSAMMENFASSEN

    ▶ Arbeitsblatt 1.2In einem letzten Schritt werden die mar-kierten Kriterien in einer Übersichtstabellegeclustert. Auch werden die herausgestell-ten Probleme/Widersprüche den Erwartun-gen gegenübergestellt.

    www

    Der DesignvertragSchubert, K; Schubert, J. (2010)Online verfügbar: http://www.karsten-chudoba.de/wp-content/uploads/2013/10/Designvertrag.pdf (Abruf06/2019)

    Mustervertrag für Designer: Übertragungvon Nutzungsrechten an einem EntwurfPage online/Artikel vom 13.06.2017https://page-online.de/branche-karriere/mustervertrag-fuer-designer-uebertragung-von-nutzungsrechten-an-einem-entwurf (Abruf 07/2019)

    Der Designvertrag – Zum Inhalt undVertragsschlussAllianz deutscher Designer (AGD) (2016)Online verfügbar: https://agd.de/handbuch/design-auftraege/designvertrag (Abruf 06/2019)

    Vertragsmuster für DesignerHackenberg, L.(2016)Online verfügbar: http://www.lutzhackenberg.de/pdf/vertragsmuster.pdf (Abruf 06/2019)

    Wuppertal isst fremd in Tools1-6 und 8

    KONZEPTBEISPIELE

    1

  • 471. CHECKLISTE / LEISTUNGSANFORDERUNGEN

    Annika Greven und Sophia Kahl haben das Konzept Wuppertal isst fremd 1 entwickelt. Das Konzept bringt einander fremde Personen imQuartier jeweils für einen Abend zum Essen und Feiern zusammen.

    1. CHECKLISTE KONZEPTBEISPIEL WUPPERTAL ISST FREMD

    Anwendung:DasToolwurdehiergenutzt,umsowohldieeigenenLeistungskriterienalsauchdiederZielgruppeunddes/derAuftraggeber/-inzu analysieren und sich ähnelnde Kriterien, wie etwa die soziale Interaktion mit dem Erlebnis oder Event, farbig zu clustern (rot/grün).

    Leistungs-kriterien

    Anmerkungen(Vorgehen nachvollziehbar dokumentieren)

    Relevanz ( 0 / + / ++ / +++ ) Clus-terung /Synergien

    Klärungs-bedarfe

    Auftrag-geber

    Ziel-gruppe

    eigene Ein-schätzung

    1.Auftraggeber

    Zielgruppe Studierende

    +++ + X

    + X

    X

    X

    X

    0

    +++

    +++

    ++

    ++

    + ++

    ++

    +++

    1 LEISTUNGSKRITERIEN DEFINIEREN UND REFLEKTIEREN

  • 48 TEIL II: TOOLS

    Sind die Erwartungen und Leistungsanforde-rungen der beteiligten Akteure/Akteurinnen– z. B. die eigene Idee, Auftraggeber/-innenund/oder Zielgruppe 1 – geklärt, ist eine ers-te genauere Zielbeschreibung wichtig, um dennotwendigen Gestaltungsraumzu eröffnen. Füreine erfolgreiche Entwicklung und Umsetzungeines nachhaltigen Gestaltungskonzeptes ist eswichtig zu definieren, welche Gestaltungsebe-ne adressiert werden soll. Dies ermöglicht, zubeschreiben welche Rahmenbedingungen rele-vant sein können und welche Ansätze im Gan-zen oder schon zu Teilen im Aufgabengebietexistieren. Dieses Tool dient einer ersten Re-cherche und Exploration der Aufgabenstellungmit dem Fokus auf das zu erreichende Ziel derGestaltungs- und Entwicklungsaufgabe.

    Ein wichtiger Aspekt dabei ist die genaue Be-schreibung des gewünschten Nutzens (oder

    Service, siehe Definition), die die Aufgaben-stellung erbringen soll. Dies kann z. T. direktaus den Leistungsanforderungen 2 abgeleitetwerden. In weiteren Schritten z. B. der Defin-tion von Nachhaltigkeitskriterien, der Anwen-dung weiterer Tools wie z. B. 9. Hot Spot-Ana-lyseraster oder 13. Geschäftsmodellentwicklungwird es notwendig sein, die erarbeitete Ziel-beschreibung noch einmal zu reflektieren undweiterzuentwickeln.

    Der Serviceumfasst diematerielle und im-materielle Wertschöpfung, die ein Produktoder eine Dienstleistung erbringt, bezeich-net also den gesamten Nutzen (Schmidt-Bleek 1994). Es geht nicht nur um dasAutoselbst, sondern auch denKomfort, denSta-tus, die Emotion, die Identität, die sozialeZugehörigkeit etc., die es neben der funkti-onalen Dienstleistung des Transportes vonA nach B stiftet. All das fließt in die Wahleines Produktes oder einer Dienstleistungein und ist daher bei einer Gestaltung zuberücksichtigen.