Trauma und deren Folgen - krueger- ¢â‚¬â€œProbleme mit...

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    02-Jun-2020
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  • Trauma und deren Folgen

    Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung bei Pflegekindern

  • Biografisches Erleben

    • Pflegekinder entwickeln auf Grund des Filiationsbruches (Herausnahme aus der Herkunftsfamilie) entweder – massive Belastungsstörungen im Sinne von

    Verhaltensstörungen oder – eine Traumaentwicklungsstörung im Sinne einer PTBS

    (Posttraumatischen Belastungsstörung) oder – Kombinationen von beidem

    • Manche (allerdings wenige) Pflegekinder sind so resilient, dass sie dennoch keine Störungen entwickeln

    Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 2

  • Biografisches Erleben

    • Föten registrieren bereits in der 5. – 7. Schwangerschaftswoche intrauterines Erleben

    – In dieser Zeit Entwicklung des limbischen Systems (zuständig für Gefühle) mit Amygdala (Alarmsystem) und Hypocampus (Informationen über die Raum-Zeit-Struktur)

    • Traumatische Erfahrungen in dieser Zeit prägen das nachgeburtliche Leben mit

    – Nachgeburtliche Trigger (Auslöser) sind möglich

    Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 3

  • Biografisches Erleben

    • Transgenerationale Weitergabe von Traumen sind möglich – Telescoping – Identifikation mit dissoziierten

    Anteilen von Eltern

    – Unverarbeitete Traumen werden generational weitergegeben, um dort verarbeitet werden zu sollen • Dieses Phänomen wurde über drei Generationen

    hinweg beobachtet – Erster (1914-1918) und Zweiter Weltkrieg (1939-1945),

    Flüchtlingskinder aus diesen Kriegen, Holocaust-Überlebende (1941-1945)

    Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 4

  • DJI-Studie von 2008

    • 43% der Pflegekinder (PflK) haben Belas- tungssymptome in klinischen Bereich und bei der Verhaltensanpassung – 64% der PflK waren Gefährdungen ausgesetzt

    – 12,5% der Pflk leiden unter einer diagnosti-zierten PTBS • Der tatsächliche prozentuale Anteil muss als höher

    eingeschätzt werden – Bei körperlich misshandelten PflK mindestens 42%

    – Bei sexuell misshandelten PflK mindestens 64%

    Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 5

  • Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 6

  • Störungen sind beeinflussbar

    • Belastende Erfahrungen können positiv korrigiert werden – Abhängig von

    • Persönlichkeit des Pflegekindes

    • Bindungstyp des Pflegekindes

    • Gewährleistung eines „Sicheren äußeren Ortes“ in der Pflegefamilie

    • Möglichkeit der Kooperation mit der Herkunftsfamilie

    • Gewährleistung von der Verarbeitung durch pädagogische Hilfestellung in der Pflegefamilie

    • Unterstützung durch andere Hilfen – Beratung der Pflegefamilie

    – Therapeutische Unterstützung des Pflegekindes

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  • Effektivität in Pflegefamilien

    • Leistungen von Pflegefamilien in Bezug auf ihre Pflegekinder – Geborgenheit

    – Reziproke soziale Interaktionen

    – Gewährleistung und Sicherung der körperlichen Integrität

    – Angemessene Versorgung mit individuellen und entwicklungsgerechten Erfahrungen

    – Kontinuität von Bindung

    – Kompetenter Umgang mit den „Auffälligkeiten“ der Pflegekinder

    – Zulassen von Unterstützung durch helfende Personen und Institutionen

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  • VERARBEITUNG

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  • Genetisch angelegtes Bewältigungskonzept von Stresssituationen (schlimmes Ereignis)

    • Schock, Verleugnung • Aufbrechende Gefühle

    – Trauer – Wut

    • Integration des schlimmen Ereignisses – Schlimmes Ereignis ist verarbeitet

    • Schlimmes Ereignis wird „Vergangenheit“

    • Das Kind kann kompensieren und mit Hilfe anderer oder sich selbst die Krise bewältigen – Selbststeuerungsfähigkeit ist (noch) möglich

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  • Bewältigungsmöglichkeiten von Stress-situationen

    • Aufsuchen einer sicheren Bindungsperson

    • Kampf oder Flucht

    – Wenn das alles nicht möglich ist und der Stress durch sich selbst oder mit Hilfe anderer nicht runter reguliert werden, reagiert der Körper voll-automatisch

    • Programm der Überlebenssicherung wird aktiviert

    – Notfallreaktion (erfolgt in Millisekunden)

    • Selbststeuerung ist nicht mehr möglich

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  • Notfallreaktion

    • Freeze-Zustand – der Körper friert ein – Lähmung – Geschehen wird noch wahrgenommen, aber

    nicht mehr gefühlsmäßig erlebt (starr vor Schreck - Katatonie)

    • Totstellreflex – Kind wirkt wie abwesend - Ferneblick

    – Kind fällt in Ohnmacht – Apathie

    • Denken ist in diesem Zustand unmöglich – Denken wäre zu langsam – wird abgehängt, abgeschaltet

    – Wenn der Körper nicht gerettet werden kann, entfernt sich das Bewusstsein!

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  • Notfallreaktion

    • Rettung anderer, die als schwächer oder abhängig erlebt werden – Kann im Nachhinein nicht erinnert werden

    • Ausschüttung von Hormonen und Neuro- transmittern – Adrenalin und Noradrenalin (ermöglicht Fluchtreaktion –

    Blutdrucksteigerung)

    – Dopamin (Antriebssteigerung – Motivation - Suchtphänomene)

    – Cortisol (Aktiviert Stress)

    – Endorphine (wirken euphorisch, regulieren Schmerz und Hunger)

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  • Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 14

  • Notfallreaktion

    • Dissoziation – Trennung (Distanz) der normalen Integration und Assoziation von Erlebnissen – Primäre strukturelle Dissoziation

    • Ein Teil des Erlebten wurde nicht integriert, jedoch bewusst wahrgenommen und kann angetriggert werden

    • Der Anlass kann erinnert werden

    • Der sonstige Alltag ist überwiegend normal bewältigbar

    – Beispiel • Das Kind ist von einem anderen Kind geschlagen

    worden und wird dann sauer oder ängstlich, wenn diese Kind wieder auftaucht

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  • Notfallreaktion

    – Sekundäre strukturelle Dissoziation

    • Ein Teil des Erlebten wurde nicht integriert und die Reaktion wurde nicht bewusst wahrgenommen (Kind war eingefroren)

    • Der Anlass kann (teilweise) erinnert und getriggert werden – Ein Teil der Persönlichkeit wird z.B. schnell wütend

    – Ein Teil der Persönlichkeit wird z.B. starr, wenn er sich zurück gesetzt fühlt

    – Ein Teil der Persönlichkeit hat z.B. permanent Angst vor Gefahren

    • Der sonstige Alltag ist normal bewältigbar

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  • Notfallreaktion

    – Tertiäre strukturelle Dissoziation

    • Das Erlebte war so schlimm, dass verschiedene Persönlichkeiten (Unterpersonen) gebildet wurden – Multiple (dissoziative) Persönlichkeitsstörung (Identitäts-

    störung)

    » Es entstehen unterschiedliche Bewusstseinszentren

    • Innere traumatische Kinder

    • Sie haben unterschiedliche Gefühle, Alter und Verhaltens-weisen

    • Sie „kennen“ sich nicht

    • Sie werden durch unterschiedliche Kontexte aktiviert

    • Sie haben teilweise keine Traumaerinnerung

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  • VERHALTENSSTÖRUNGEN

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  • Bindungstypen

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    Sicher gebunden

    Unsicher gebunden

    A-Kinder unsicher-vermeidend

    B-Kinder sicher

    C-Kinder unsicher-ambivalent

    D-Kinder desorganisiert

  • Verhaltensstörungen

    • Nicht das Pflegekind ist gestört, sondern belastendende Beziehungserfahrungen waren für die Entwicklung störend

    • Heutige Störungen im Verhalten eines Kindes sind adäquate Reaktionen auf (damals) erlebte Störungen

    • Mit seinem Verhalten reagiert ein Pflegekind „normal“ in der Gegenwart auf pathologische Erfahrungen der Vergangenheit

    • Problemverhalten ist ein Lösungsverhalten in dem Kontext, in welchem eine Lösung wichtig war Dr. phil. Eberhard Krüger Traumatisierte Pflegekinder 21

  • Verhaltensstörungen

    • Allerdings:

    • Manchmal reagiert das Pflegekind auch mit einer Verhaltensstörung – Auf erlebte Störungen durch das Verhalten von

    Pflegeeltern oder anderen Personen oder

    – Auf erlebte Störungen in der Herkunftssituation

    • Das heraus zu finden kann schwierig sein – Aufgabe der BeraterInnen von Pflegefamilien

    – Aufgabe von anderen unterstützenden Personen oder Institutionen