Versunkene Antike

download Versunkene Antike

of 6

  • date post

    02-Mar-2016
  • Category

    Documents

  • view

    223
  • download

    3

Embed Size (px)

description

Die Unterwasserarchäologie, eine der jüngsten und eindrucksvollsten Wissenschaften dieser Zeit, führte im Meer um Sizilien zu unglaublichen Entdeckungen. Aufwändig und bildstark dokumentiert dieser Band anhand von sensationellen Funden wie dem »Satyr von Mazara« die herausragende Bedeutung Siziliens als Schnittstelle des gesamten Mittelmeerraums in der Antike. Ein Buch für jeden, der die versunkenen Schätze der Antike anhand von faszinierenden Bildern und einer beeindruckenden Wissenschaft neu erleben möchte!

Transcript of Versunkene Antike

  • DIE GESCHICHTE DER UNTERWASSERARCHOLOGIE

  • d i e g e s c h i c h t e d e r u n t e r w a s s e r a r c h o l o g i e . 2 7

    Vor einer Einfhrung in die lange Geschichte der Unterwasserarchologie sollte man sich

    ber das eigentliche Wesen dieses Forschungsgebiets klar werden, dem Generationen

    von begeisterten Tauchern und Forschern mit zum Teil wagemutigen Unternehmungen

    zu akademischen Wrden und zur Anerkennung als wissenschaftliche Disziplin verholfen haben.

    Und man muss die wissenschaftliche Bezeichnung Unterwasserarchologie deutlich von der

    Schatzsuche unter Wasser abgrenzen. Denn das einfache Suchen und Bergen von historisch

    und kunstgeschichtlich interessanten Artefakten ist beinahe so alt wie der Wunsch des Menschen,

    tatschlich oder vermeintlich am Grunde eines Flusses, Sees oder des Meeres verborgene und

    versunkene Schtze ausfindig zu machen.

    Schon bald nach der Entdeckung des Meeres durch die Jagd- und Sammlerkulturen der

    mittleren Steinzeit, die etwa 8000 v. Chr. damit begannen, die marine Biomasse zu nutzen,

    begann man, mitunter mehr zufllig, Objekte aus dem Wasser zu bergen. Den Assyrern gelang es,

    versehentlich in den Tigris gestrzte Kunstwerke mit Hilfe von Tauchern aus dem reienden

    Strom zu retten. Wie Wandreliefs in Ninive zeigen, verfgten sie ber eine recht fortschrittliche

    Tauchtechnik mit Atemhilfen, vor allem fr militrische Zwecke.

    Doch war die Herausforderung noch zu gro und die natrliche Angst vor dem, was sich unter

    dem Meeresspiegel verbergen knnte, noch zu stark, um die Tiefen zu bezwingen. So blieb

    die archologische Erforschung von Meeren, Flssen oder Seen bis vor wenige Jahrzehnte vor

    allem durch den Reiz des Unbekannten und Auergewhnlichen motiviert. Erlebnissen und

    Erzhlungen der Taucher haftete daher stets etwas Geheimnisvolles an.

    Das war schon in der Antike so. Herodot berichtet, wie im Jahre 420 v. Chr. ein geschickter

    Taucher namens Skyllias fr den persischen Knig Xerxes versunkenes Schiffsgut aus dem Meer

    barg. Doch selbst der griechische Historiker uerte sich kritisch ber dessen bertriebenen, da

    unmglichen Rekord von beinahe achtzig Stadien, also rund fnfzehn Kilometern, unter Wasser!

    Solch eine Leistung schien auch damals nur im Kontext des Legendenhaften vorstellbar.

    Der Fortschritt der Tauchtechniken besa groen Einfluss auf die Bergungsmethoden. Auch hier

    lassen sich die Bemhungen, immer wirkungsvollere Verfahren fr den Aufenthalt unter Wasser

    zu erforschen, bis in die Antike zurckverfolgen. Die ersten wirklichen Tauchsysteme wurden in

    Griechenland erdacht. In den Problemata physica, einer pseudo-aristotelischen Schrift aus dem

    4. Jahrhundert v. Chr., finden sich Versuche Aristoteles beschrieben, bei denen er Gefe derart

    umdrehte und auf das Wasser setzte, dass sie nicht vollliefen und eine Luftblase enthielten. Spter

    entwickelte er daraus die erste Tauchglocke.

    Die Geschichte um diese Tauchglocke ist mit dem berhmten Tauchgang Alexanders des Groen

    verknpft, der sich darin lngere Zeit unter Wasser aufgehalten haben soll, um das zu bestaunen,

    was wir heute als marine Biodiversitt bezeichnen.

    Die ersten Berufstaucher sind aus rmischer Zeit bekannt. Die so genannten urinatores retteten

    gegen gute Bezahlung versunkene oder ber Bord gegangene Ladung selbst aus greren Tiefen.

    Vorhergehende Seiten:Wandrelief im neuassyrischen Palast in Ninive. Das Relief, eine der ersten Darstellungen von menschlichen Aktivitten unter Wasser, zeigt Taucher, die mithilfe von Luftscken atmen. Zu sehen ist der Angriff auf eine durch Grben und Trme bewehrte Stadt.

    Seite links:Der Tauchgang Alexanders des Groen in einem glsernen Gef, dessen Entwurf Aristoteles zugeschrieben wird. Kleidung und Gesichtszge dieser indischen Miniaturmalerei des 16. Jahrhunderts folgen orientalischen Vorbildern.

  • 2 8 .

    Masken waren damals noch unbekannt und so fllten sie sich den Mund mit Sardinen- oder

    Thunfischl, das sie beim Tauchen ausspuckten, um so das trbe Wasser fr einige Augenblicke

    zu klren.

    Die Erforschung des Meeres ging stets mit der Entwicklung neuer Tauchgerte und -methoden

    wie der Tauchglocke einher. Im rmischen Militr unternahm man gar Versuche mit einfachen

    Tauchkappen und ledernen Luftschluchen zur Wasseroberflche, wenn auch ohne verwertbaren

    Erfolg. Selbstverstndlich widmete sich auch ein Universalgenie wie Leonardo da Vinci der

    Entwicklung von Tauchverfahren. Er entwarf Taucheranzge aus Leder und luftgefllte Scke,

    zur Wasseroberflche mittels Schlauch verbunden, die man als Atmungshilfen auf dem Rcken

    trug, sowie erste Formen von Flossen, die den Abstieg in die Tiefe beschleunigen sollten.

    Neben der Erfindung immer neuerer Techniken und Gerte wuchs auch das Wissen um die

    Reaktionen des menschlichen Krpers auf die Druckbelastung in unterschiedlichen Wassertiefen.

    Die Anfnge der heutigen Tauch- und berdruckmedizin gehen auf den bekannten englischen

    Naturforscher Robert Boyle zurck. Bei Versuchen im Jahr 1667 beobachtete er, wie im Auge des

    Versuchstieres, einer Schlange, nach pltzlicher Druckentlastung eine Luftblase verblieb. Spter

    erkannte man, dass in der Dekompressionskrankheit eine der grten und am weitesten

    verbreiteten Gefahren des Tauchens bestand.

    In der Gertetechnik war es vor allem die von Aristoteles beschriebene Tauchglocke, die sich einer

    Weiterentwicklung erfreute, und die im 18. Jahrhundert von dem englischen Astronomen und

    Physiker Edmund Halley perfektioniert wurde. Sie fand regen Einsatz bei ebenso aufwendigen wie

    lukrativen Bergungsaktionen, mit denen man wertvolle Waren, Bewaffnung und sonstige

    versunkene Gter wieder an die Meeresoberflche brachte. In Verbindung mit Pressluftpumpen

    wurde sie ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Italien bei Hafen- und Bergungsarbeiten

    verwendet.

    Doch boten Tauchglocken den Arbeitern unter Wasser nur begrenzte Bewegungsfreiheit. Dieser

    Nachteil war es auch, der zu immer neuen Versuchen fhrte, sich von sperrigen Tauchgerten zu

    lsen, die den direkten Kontakt mit der Umgebung unmglich machten. Es waren die Anfnge

    einer fortschreitenden Befreiung, hin zu dem, was wir heute im Allgemeinen als Taucher

    bezeichnen. Der Beginn der modernen Tauchtechnik lsst sich wohl im Jahr 1772 verorten, in

    dem der Franzose Frminet seine machine hydrostatergatique erfand. Sie bestand aus einem Anzug

    aus starkem Leder sowie einem Helm aus Kupfer. Die Luftzufuhr erfolgte ber einen Schlauch aus

    Die von dem englischen Physiker und Astronomen Edmund Halley im 18. Jahrhundert entworfene Tauchglocke eignete sich fr die Rettung von Waren, Waffen und sonstigen versunkenen Gtern aus dem Wasser. Im 19. Jahrhundert wurde dieses Tauchgert um eine Pressluftpumpe erweitert und bei zahlreichen Bergungen eingesetzt.

    Die Erfindung der hydrostatischen Maschine des Franzosen Frminet im Jahr 1772 stand am Anfang der Entwicklung moderner Tauchgerte. Sie bestand aus einem Anzug aus starkem Leder sowie einem Helm aus Kupfer. Die Luftzufuhr erfolgte ber einen Schlauch aus dem ebenfalls unter Wasser schwebenden Luftbehlter. Die ausgeatmete Luft wurde ber einen zweiten Schlauch abgeleitet.

    d i e g e s c h i c h t e d e r u n t e r w a s s e r a r c h o l o g i e . 2 9

    einem ebenfalls unter Wasser schwebenden Luftbehlter; ber einen zweiten Schlauch wurde

    die ausgeatmete Luft abgeleitet.

    Die ersten echten Taucher verdankten ihre Gerte jedoch den Verbesserungen von Frminets

    Apparatur durch den Deutschen Karl Heinz Klingert, der eine Tauchermaschine mit direkter

    Luftzufuhr von der Wasseroberflche entwarf. Seine Erfindung wurde ein groer Erfolg und

    war der Auftakt zu einer sowohl wirtschaftlichen als auch militrischen Nutzung und Weiter-

    entwicklung von Tauchgerten.

    Mit solchen Gerten ausgestattete Taucher waren es auch, die die ersten archologischen

    Grabungen unter Wasser durchfhrten, wenn auch mit nicht gerade wissenschaftlichen

    Methoden. Sie bargen die Reste der Wracks vor Antikythera (Griechenland, 190001) und Mahdia

    (Tunesien, 190813) und waren an den sensationellen Entdeckungen des Epheben von Marathon

    im Jahr 1925 sowie des Poseidon und des Jockeys vom Kap Artemision drei Jahre spter beteiligt.

    Die Taucher drangen in immer grere Tiefen vor, waren jedoch immer noch weit davon entfernt,

    Bronzekopf aus dem Wrack von Antikythera, einer kleinen Insel im Sden der Peloponnes, Anfang des 20. Jahrhunderts von Tauchern der griechischen Marine geborgen. Bei dem Unternehmen handelte es sich um eine der ersten wissenschaftlich motivierten Bergungen von kunsthistorisch-archologisch interessanten Objekten. Der Kopf wird im Allgemeinen als Bildnis eines Philosophen angesehen.

  • Der Jngling von Marathon. Bronzestatue aus der Schule des Praxiteles, etwa 340 v. Chr., 1925 im Golf von Marathon geborgen.

    d i e g e s c h i c h t e d e r u n t e r w a s s e r a r c h o l o g i e . 3 1

    die theoretisch mgliche Grenze von 200 m zu erreichen. Die Helmtaucheranzge wurden mit der

    Zeit flexibler und an die Arbeit unter Wasser angepasst. In den Jahren zwischen den beiden

    Weltkriegen fanden sie bei Bergungen immer hufiger Verwendung.

    Noch heute erinnert man sich an die Taucher der genuesischen Bergungsgesellschaft SORIMA,

    die von Bord ihres Schiffes Artiglio aus nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in den kalten

    Gewssern des Atlantiks erfolgreiche Bergungsaktionen durchfhrten. Trotz eines tragischen

    Unglcks vor der bretonische