VON IDEEN - dua- fileWieso hat bei euch jeder Gegenstand eine eigene Geschichte? „Wenn man...

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    04-Sep-2019
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    „ Manchmal hat der Kopf eine Idee, doch die Hände formen ein anderes Bild. “

    ALEXANDER ESSLINGER

    VON IDEEN UND DUALITÄTEN

    Gestaltung vs. Ökonomie, Industrie vs. Handarbeit, Möbelfirma vs. Labor, Kunst vs. Industrie, Hand vs. Kopf

    Interviewt von: Monika Ride

    „Wenn Kreativität und Wirt- schaftlichkeit aufeinander treffen, steht man immer wieder im Zwiespalt zwi- schen den Dualitäten der einzelnen Disziplinen. Meine Aufgabe ist es, ge- meinsam mit dem dua Kollektiv, Pro- dukte zu entwickeln, die den Spagat zwi- schen den Gegenpolen schaffen. Sicher – manchmal gewinnt eine der beiden Seiten und manchmal rufen un- terschiedliche Produktionsprozesse auch neue Dualitäten hervor – doch oft entsteht im Dialog auch etwas Drittes. Eine Lösung, von der man vorher nichts weiß.“

    Bevor ich mit Alexander Esslinger spreche, setze ich mich selbstverständlich mit der

    Möbelmanufaktur dua auseinander – und stoße auf verrückte Produktnamen, au- ßergewöhnliche Formen und bestechend clevere Funktionen. Woran ich jedoch weitaus länger hängen bleibe, sind festge- haltene Geschichten und Handschriften – die, der Macher und Ideengeber, der kre- ativen Köpfe und Designer, die der Men- schen, die hinter den Produkten stehen und in doppeldeutigem Sinn in jedem Ge- genstand ihre Handschrift hinterlassen.

    „Für uns steht die kreative Entwurfsleis- tung im Vordergrund. Das heißt, dass alle Ideen aus dem persönlichen Freiraum eines Autorendesigners entstehen. Jedes Produkt ist eine neue Herausforderung und um Neues und Innovatives zu entwi- ckeln, müssen wir oft lange Wege gehen. Diese fangen mit der Grundlagenfor- schung an.“

    In einer Branche, die meist eine Entscheidung für die eine oder andere Seite verlangt, hat sich Alexander Esslinger, Mit- be-gründer und Geschäftsführer von dua, seiner ganz eigenen Interpretation von Gegensätzen und der Umsetzung außerge- wöhnlicher Produktideen verschrieben.

    Foto: © Tanja Evers

  • Wieso hat bei euch jeder Gegenstand eine eigene Geschichte?

    „Wenn man ein Produkt in den Händen hält, weiß man oft nicht, was es damit auf sich hat. Wir legen den Fokus deshalb nicht nur auf das äußere Produkt, sondern erzählen auch die Geschichte seines Entstehungspro- zesses. Dieser ist für jeden Entwurf ein an- derer – denn wir geben nichts in Auftrag, sondern wollen von ausgefallenen Ideen überzeugt werden. Letzten Endes löst sich der reine Gegenstand auf und man bekommt dann einen Bezug dazu.“

    Und wenn eine Idee gut ist, beginnt die Grundlagenforschung?

    „Richtig – der Designer hat natürlich eine Vorstellung davon, wie das Möbelstück, die Leuchte oder das Wohnaccessoire aussehen soll. Diese Idee und die wirtschaftliche Ge- staltung können am Anfang aber weit aus- einander klaffen. Wir widmen uns deshalb der Erforschung unterschiedlicher Konzepte, Produktarten und Produktionsverfahren, verändern Materialien und schauen, was damit möglich ist. Manches wird im Nach- hinein manufakturell, also von Hand und traditionell gefertigt, für Manches macht eine industrielle und CNC-gesteuerte Her- stellung mehr Sinn. Doch auch vermeintli- che Gegensätze können sich ergänzen: Die seismographische Vase wird zum Beispiel in einer Porzellanmanufaktur in Bayern produ- ziert, die Basis dafür stammt jedoch aus dem 3D-Drucker.“

    Bislang klingt die Arbeit mit den Autorendesig- nern nach einem langwierigen Prozess, der viele Testläufe und Entscheidungen erfordert. Und dann ist da immer wieder die Hin- und Herge- rissenheit zwischen den Dualitäten. Was ist der größte Reiz daran?

    „Das Autorendesign ist die einzige Chance oder, anders gesagt, der schönste Ansatz, etwas aus der Leidenschaft von jemandem entstehen zu lassen. Und selbst wenn man mit einer bestimmten Vorstellung und Meinung in den Dialog geht, kann man in dieser noch korrigiert werden. Das ist eine Vielseitigkeit, die wir uns bewahren wollen.

    Unser Team besteht aus unabhängigen Desi- gnern, die unter anderem freiberuflich tätig sind. Abgesehen davon haben wir ein part- nerschaftliches Netzwerk von verschiedenen Produktionsunternehmen aufgebaut. Auf diese Weise stehen einem zig Möglichkei- ten offen und man wird durch die Zusammen- arbeit trotzdem eng zusammengeschweißt“.

    Und bei dieser gemeinsamen Arbeit kommen dann Produkte wie die Leuchte „like paper“ oder die „Seismographische Vase“ heraus. Was hat es damit eigentlich auf sich?

    „Die Leuchte, die zwar anmutet, als bestünde sie aus Papier, wird in Wahrheit aus Beton und einem dafür einzigartigen Rotationsform- verfahren gefertigt. Dem Material wurde von den Designern Miriam Aust und Sebastian Amelung also ein neues, unverwechselbares Gesicht gegeben.

    Zur Seismographischen Vase wurde ihr Desi- gner Jonathan Radetz – wie ihr Name schon verrät – von den Aufzeichnungen eines Seis- mographen inspiriert. Dieser notiert Erdbe- wegungen als zweidimensionale Kurven. Bei einem Aufenthalt in Neuseeland hat Jonathan selbst ein Erdbeben miterlebt und aus dieser zerstörerischen Naturgewalt ein Konzept für etwas so filigranes wie eine Vase geschaffen. Das ist das Besondere: Genau solche Ideen sind es, aus denen eine so ausgefallene Samm- lung wie unsere Kollektion entstehen kann.“

    via http://www.dua-collection.com

    Fotos: © Minu Lee, Frank Lösing

  • 46 _ 47 INNOVATION _ Köpfe und Personen

    SEISMOGRAPHISCHE VASE

    Form folgt Bewegung. Aus zweidimensionalen Kurven entstehen außer- gewöhnliche asymetri- sche Vasen mit lokalem Bezug. Die Innenseite der Vasen wird lasiert. Die Aussenseite der Vasen bleibt unlasiert - Sie erhält eine sogenannte „Biquit-Oberfläche“. Eine klassische Gipsform dient als Grundlage für die Reproduktion.

    LIKE PAPER

    Ausgezeichnet mit dem „German Design Award 2015, spezial mention“ und dem „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, gold 2013.“

    Ein ultrahochfester Beton wird in eine Schalung aus Papier gegossen und durch eine Rotationsformmaschine geschwenkt. Durch die Bewegung verteilt sich die Masse gleichmäßig und es kommt zu einer absolut glatten Oberflä- che, frei von Luftblasen, die sonst für Beton charakteristisch sind. Die Struktur des Papiers überträgt auf die Ober- fläche der Betonform. Jede Leuchte ein Unikat.

    Fotos: © Tanja Evers, Minu Lee Alle Produkte sind erhältlich unter: www.dua-shop.de