Vorstellung des Nationalparks - Burgenland · PDF file cana), das seltene Schneideried...

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Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel
Man schreibt den 12. November 1992. Im Sitzungssaal des Burgenländischen Landtages in Eisenstadt haben die Abgeordneten soeben ihre Reden beendet. Exakt um 13:15 Uhr erheben sie sich von ihren Sitzen, um dadurch einem neuen Gesetz ihre Zustimmung zu geben: dem "Nationalparkgesetz Neusiedler See - Seewinkel NPG 1992". Es wird am 11. Februar 1993 in Kraft treten und den burgenländischen Anteil eines grenzüberschreitenden Nationalparks auf Dauer garantieren. Und die Republik Österreich sichert vertraglich zu, sich an den Kosten zu beteiligen, sofern man nicht Etikettenschwindel betreibe: Der Nationalpark muss international anerkannt sein!
Grenzüberschreitendes Schutzgebiet Die Vorbereitungen begannen bereits 1988, damals trennte noch der Eiserne Vorhang das Burgenland von Un­ garn. Doch über den Stacheldraht hinweg verhandelten Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte im Auftrag weit­ sichtiger Politiker über das planerische Zusammenführen einer naturschutzfachlich äußerst wertvollen Region. Deren "Hauptdarsteller", die Tier- und Pflanzenarten, haben sich ohnedies nicht auseinanderdividieren lassen durch Zäune und Wachtürme. Im Gegenteil: Vierzig Jahre war der "Todesstreifen" - vom Baltikum im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden - für Flora und Fauna ein einmaliges lineares Refugium, frei von Bewirt­ schaftung und Fremdenverkehr. Seit 2000 versucht man daher in allen Anrainer-Staaten, dieses "Grüne Band" in seinen interessantesten Abschnitten zu erhalten.
Ein Nationalpark kann - per Landesgesetz - relativ leicht beschlossen werden. Nicht ganz so einfach ist es, die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Reso urces) zu überzeugen, dass dieses Gebiet auch wert ist, eine internationale Anerkennung zu erhalten. Fachleute aus aller Welt schauen deshalb den Nationalpark-Betreibern auf die Finger.
Und im Falle des burgenländischen Anteils wurde schon bald grünes Licht gegeben: Am 24. April 1994 wurde der Nationalpark feierlich eröffnet, zwei Tage vorher kam die ersehnte internationale Anerkennung.
Die Kriterien hierfür sind streng. Zum Beispiel muss die Naturzone (in diesem Gebiet überlässt man die Na­ tur sich selbst - es darf nicht Landwirtschaft betrieben, gejagt, gefischt etc. werden) größer sein als die Summe aller Bewahrungszonen (diese Flächen müssen durch ein kontrolliertes "Management" als solche erhalten werden - Beweidung, Mahd, Schilfschnitt). Des Weiteren sind bei allen Maßnahmen wissenschaftliche Begleituntersu­ chungen angeordnet. Die Biologische Station in Illmitz, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten, Wissenschaftler der Landesregierung sowie Vereine wie Naturschutzbund und WWF forschen fleißig und liefern Datenmaterial als Entscheidungshilfen für Politiker.
Und schließlich hat ein Nationalpark, will er international anerkannt sein, höchst professionell- und sanft! - das "Konsumieren" der Landschaften und ihrer Lebewesen durch hoffentlich viele Besucher zu organisieren.
Nationalparkwürdige Landschaftselemente
Der See 315 km2 groß, davon 180 km2 mit Schilf (Phragmites australis) bewachsen, 36 km lang, zwischen 5 und 15 km breit, durchschnittlich nur etwas mehr als 1 m tief, die Wulka als einziger nennenswerter Zufluss auf österreichi­ scher Seite, der Einser-Kanal als künstliche Abflussrinne bei Überflutungsgefahr, der Wasservorrat hauptsächlich dominiert von Niederschlag und Verdunstung - so könnte man knapp und schlagwortartig den Neusiedler See charakterisieren. Entstanden vor rund 13.000 Jahren im Zuge einer geologischen Absenkung, gilt er als der west­ lichste "Steppensee" einer Reihe von salzigen Gewässern, die sonst eher in trockenen Gegenden Asiens, Afrikas oder Australiens zu finden sind.
Getrübt wird das Seewasser durch Schlamm- und Tonpartikel, die durch Wind und Wellen stets in Bewegung gehalten werden. Verschmutzt im umwelttechnischen Sinn ist das Wasser dadurch nicht, im Gegenteil, die Qua­ lität ist gut. Außerdem können durch die Trübe die Sonnenstrahlen kaum ins Wasser dringen, eine Veralgung passiert daher nicht. "Steppensee" deutet schon im Namen an, dass Trockenheit in diesem Gebiet nichts Außerge-
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wöhnliches darstellt. Wasserstandsschwankungen sind die Regel, selbst gänzliches Austrocknen kam immer wieder vor (das letzte Mal zwischen 1865 und 1872). Heutzutage wäre ein jahrelanges Verschwinden des Sees natürlich eine ungleich größere wirtschaftliche "Katastrophe" als vor 150 Jahren. Das ist der Grund, warum immer öfter Pläne gewälzt werden in Richtung Einleiten von Wasser aus der Raab oder der Donau - was natürlich ökologische Folgen mit sich brächte. Daher hoffen wir lieber auf stets genügend Regen, damit das Paradies für Fische, Wasser­ vögel, aber auch für Badegäste, Segler und Surfer auch ohne künstliche Dotation mit Flusswasser erhalten bleibt.
Der Schilfgürtel Man muss schon weit nach Osten gehen, um ähnlich ausgedehnte Schilfrohrbestände (Phragmites australis) zu finden wie jene, die den Neusiedler See umstehen, etwa an die Donau- oder Wolga-Mündung. In Mitteleuropa
sind sie einmalig. Vor allem der Südteil des Sees, auf ungarischem Staatsgebiet, ist stark verschilft. Am Westufer, im Bereich der
Wulkamündung, ist der grüne Dschungel rund 6 km breit. Lediglich bei Podersorf, am Ostufer, hat der See einen freien Strand: Die Kraft des Wellenschlages, vom Wind meistens hierher gelenkt, und der winterliche Eisschub sorgen dafür, dass dies so bleibt. Sonst überall müssen die Gemeinden am See Straßen durch den Schilfgürtel bauen, um sich Zugang zum freien Wasser zu schaffen, oder Kanäle baggern, auf denen man per Boot auf den
See gelangt. Auf alten Karten, die den See (und auch die Lacken) vor etwa 250 Jahren zeigen, sind Schilfflächen weit we­
niger ausgedehnt als heute. Nährstoffeinträge und das Stabilisieren des Wasserstands per Einser-Kanal haben zur Ausbreitung des meterhoch wachsenden Grases beigetragen. Jahr für Jahr werden daher in der kalten Jahreszeit große Flächen Schilf gemäht, in charakteristischen Kegeln ("Schilfmanderln") zum Trocknen aufgestellt und in Bund-Form abtransportiert (meist exportiert) und weiterverarbeitet.
Unlängst (201112012) durchgeführte Untersuchungen belegen übrigens, dass der Schilfgürtel sich in den letz­ ten drei Jahrzehnten praktisch nicht mehr vergrößert hat. Die Qualität des Schilfes (jung, alt, geknickt, hoch­ wüchsig, niedrig etc.) variiert von Standort zu Standort allerdings oft beträchtlich.
Ökologisch betrachtet leistet das "Rohr", wie die Einheimischen es nennen, einen wesentlichen Anteil an der Reinigung des Seewassers, nimmt es doch beim Wachsen Nährstoffe auf, die im Zuge der Ernte dem System entzogen werden. Zwischen den Halmen, unter Wasser, liegen zudem die Kinderstuben vieler Fische, und Reiher (Ardeidae), Gänse (Anserinae), Enten (Anatidae), Weihen (Circus spp.), Rohrsänger (Acrocephalus spp.), Bartmei­ sen (Panurus biarmicus) und viele andere Vogelarten schätzen den Schilfwald als Brutplatz oder Jagdrevier. Auch Rothirsche (Cervus elaphus) oder Wildschweine (Sus scrofo) ziehen sich gern hierher zurück, um ungestört zu
selll.
Die Lacken Nur im Seewinkel findet man die seichten Gewässer, die ihre Einmaligkeit zum einen den gelösten Salzen (Soda-, Glauber- und Bittersalz), zum anderen ihrer Periodizität verdanken: Regelmäßig trocknen sie in heißen Sommern aus, was Fischen ein Überleben sehr erschwert, nicht aber verschiedenen kleinen "Urzeitkrebsen", die sich mittels Dauereiern hervorragend an das Wechselspiel von Nässe und Trockenheit angepasst haben. Und ihretwegen tum­ meln sich unzählige Warvögel im seichten Wasser und säbeln und schnattern und löffeln und stochern nach diesen kleinen Krustentierchen. "Bird-Watcher" haben das ganze Jahr über Saison, am interessantesten ist es zur Zugzeit und generell im Frühling/Frühsommer. An die 300 verschiedene Vogelarten lassen sich beobachten, rund die Hälfte von ihnen brütet auch hier. Schon sehr zeitig führen an die 1000 Grauganspaare (Anser anser) ihre Jungen, im Herbst kommen Tausende Blässgänse (Anser albifrons) zum "Gänsestrich" an die Lacken. Reiher-Arten und der seltene Löffler (Platalea leucorodia) durchwaten die Mini-Seen ebenso wie durchziehende Kampfläufer (Philoma­ chus pugnax), Grünschenkel (Tringa nebularia) oder Steinwälzer (Arenaria interpres). In den feuchten Randzonen bohren Uferschnepfen (Limosa limosa) ihre langen Schnäbel in den Schlick, Seeschwalben (Sterna spp.) stürzen sich aus der Luft kopfüber ins Wasser und der anmutige Seeadler (Haliaeetus albicilla) kommt im Suchflug nach
Wasservögeln vorbei. Wenn Lacken austrocknen, ist das von Mutter Natur durchaus gewollt. Der Wind weht dann Nährstoffe aus,
auch auskristallisiertes Soda, manche Salzpflanzen besiedeln dann kurz den vegetationsfreien Boden, ehe Win­ terfeuchte und Frühjahrsregen den Lacken wieder Wasser spenden. Was den einzigartigen Tümpeln heute am meisten schadet, ist ein abgesenkter Grundwasserspiegel, der den Salztransport aus dem Untergrund unterbindet
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und so Spezialisten wie Salz-Kresse (Lepidium cartilagineum) oder Glasschmalz, auch Queller genannt (Salicornia prostrata), ihres lebensnotwendigen salzigen Substrates beraubt. Nicht nur Salz-Lacken sind naturschutzfachlich höchst wertvoll, auch Salz-Böden und die stellenweise auch vor­ handenen Stellen, an denen der Sand an die Oberfläche tritt, gelten als Standorte mit Seltenheitswert. Sie bieten Spezialisten aus dem Pflanzenreich einmalige Überlebensräume.
Das Weideland / Die Puszta Das ungarische Wort "Puszta" kommt aus dem Slawischen und heißt wörtlich übersetzt "öd, verlassen". Gemeint ist damit eine sekundäre Steppe, also nicht eine, die aufgrund von mangelndem Niederschlag, kargem Boden oder tiefen Temperaturen baumfrei bleibt, sondern deshalb, weil der Mensch seit Jahrtausenden seine Rinder-, Pferde-, Schaf-, Ziegen-, Schweine- und Gänse-Herden weiden ließ und lässt. "Hutweiden" heißen solche Gebiete im Seewinkel, und obwohl sie durch menschliches Bewirtschaften entstanden sind, gelten sie als höchst national­ parkwürdig. In diesem Zustand "bewahren" kann man Weideland nur in Form einer "Bewahrungszone" durch Fortsetzung von Beweidung, zwingend vorgeschrieben durch die Experten der IueN. Daher grasen um die Lange Lacke, bei Illmitz, am Seevorgelände bei Podersdorf, in der Bewahrungszone Sandeck - Neudegg und lokal auf diversen Privatflächen bodenständiges Fleckvieh, Ungarische Graurinder, britische Aberdeen-Angus, Zackelscha­ fe, Pferde, Ziegen, Weiße Esel und unzählige wild lebende Graugänse auf den weiten Weideflächen des Seewinkels und erhalten dadurch den "Lebensraum Puszta". .
Im Frühjahr und im Herbst legen die Weiden ihr floristisches Prachtkleid an, und so manche botanische Rari­ tät wartet darauf, von interessierten Besuchern entdeckt zu werden: Purpur-Königskerze (Verbascum phoeniceum), Feld-Mannstreu (Eryngium campestre), Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana), Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), Schopf-Milchstern (Ornithogalum pannonicum), Zwiebel-Steinbrech (Saxifraga bulbifera), Nickende Ringdistel (Carduus nutans), Steppen-Salbei (Salvia nemorosa), Wermut-Arten (Artemisiaspp.), Goldschopf-Aster (Galatella linosyris ), Gelb-Skabiose (Scabiosa ochroleuca) und viele andere. (S. 110 ff.)
Aus der Tietwelt sind neben dem possierlichen Ziesel (Spermophilus citellus) zahlreiche Vogelarten zu nennen, die regelmäßig das Weideland aufsuchen: Graugänse{.4nser anser), Brandgänse (Tadorna tadorna), Weißstörche (Ciconia ciconia), Reiher (Ardeidae), Kiebitze (Vanellus vanellus), Uferschnepfen (Limosa limosa), Schwalben (Hi­ rundinidae), Schwarzkehlchen (Saxicola torquata), Grauammern (Emberizza calandra) usw. "Öd" jedenfalls ist die Puszta nie.
Die Wiesen Weidetiere brauchen auch in der kalten Jahreszeit, die sie normalerweise im Stall verbringen, etwas zu fressen. Tra­ ditionsgemäß ist dies hauptsächlich Heu. Und um eben jenes zu gewinnen, muss man Wiesen mähen, das Gras in der Sonne trocknen lassen und zu Heuballen pressen. Auch diese Art der Bewirtschaftung schaffte Kulturland, und auch dieses ist naturschutzfachlich äußerst werrvoll. Viele Flächen im Nationalpark werden heute gemäht, nach exakt auf Blühzeitpunkt von Wiesenpflanzen und Legebeginn von Bodenbrütern abgestimmten Plänen.
Während die Zitzmannsdorfer Wiesen zwischen Podersdorf und Weiden auch noch zu Nationalpark-Gründer­ zeiten großteils tatsächlich Wiesen waren, hatte man im Waasen das einstige Grasland vieltach schon in Äcker umge­ wandelt. Der Nationalpark hat hier gegengesteuert, und heute werden die Flächen auch dort immer "wiesiger" - die schwersten flugfähigen Vögel der Erde, die Großtrappen (Otis ta/·da), danken es mit ihrem Vorkommen. Auch der Große Brachvogel (Numenius arquata) lässt dann und wann sein Trillern und Flöten hören.
Die Zitzmanndorfer Wiesen (sie gehören zu Neusiedl am See und sind benannt nach einer ehemals dort existie­ renden Ortschaft, die 1529 von den Türken zerstört wurde) gelten Botanikern als das "Mekka" im Seewinkel. Auf dem trockenen Seedamm wachsen Sand-Schachtelhalm (Equisetum ramosissimum) und Pfriemengras (Stipa capilla­ ta), an feuchteren Stellen die Salzwiesen- (oder Bastard-) Schwertlilie (Iris spuria), die Grau-Steppenaster (Galatella cana), das seltene Schneideried (Cladium mariscus), die Rosmarin-Kriech-Weide (Salix repens subsp. rosmarinifolia) und der Weiß-Germer (Veratrum album), an trockeneren Standorten der Schlitzblatt-Wermut (.4rtemisia laciniata), die Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila) und der Stengellose Tragant (flstragalus exscapus), an salzig-nassen Plätzen das Strand-Tausendguldenkraut (Centaurium littorale) und die Salzbunge (Samulus valerandi). (Siehe S 102 ff.)
Während man den Waasen auch mit dem Auto "umrunden" kann, ist der Weg durch die Zitzmannsdorfer Wiesen maximal fürs Fahrrad zulässig.
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Im Kurzporträt: Naturzonen
Alle Naturzonen zusammen sind aufburgenländischer Seite 4.330 ha groß, in Ungarn rund 6.000 ha. Der "Fle­ ckerlteppich" der Bewahrungszonen nimmt im Burgenland eine Gesamtfläche von 4.735 ha, in Ungarn von 7.000 ha ein. Übrigens: Im Burgenland ist jeder Quadratmeter des Nationalparks nur gepachtet - Naturschutz kostet Geld.
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A Sandeck - Neudegg (Betreten verboten!) 3.710 ha Der südliche Seeteil inklusive großer Schilfflächen bildet gemeinsam mit der angrenzenden Naturzone in Ungarn das Herz des Nationalparks, insgesamt fast 10.000 ha groß. Auf der Großen Schilfinsel brüten rund 500 Silberrei­ her-Paare (Egretta alba), dazu noch Löffler (Platalea leucorodia), Purpurreiher (Ardea purpurea), Graureiher (Ardea cinerea) und Zwergscharben (Phalacrocorax pygmaeus). Am Rand der gleichnamigen angrenzenden Bewahrungs­ zone Sandeck - Neudegg gewährt ein ehemaliger Grenzwachturm aus der Zeit des Eisernen Vorhanges einen wunderschönen Einblick in diese Schilf-Wasser-Landschaft.
B IIImitz - Hölle (Betreten verboten!) 575 ha Nach IUeN-Kriterien müssen die Naturzonen in Summe größer (oder zumindest nicht wesentlich kleiner) sein als die Bewahrungszonen. Daher wurde 2004 die Naturzone vergrößert, um weitere Wiesen- und Weideflächen als Bewahrungszonen in den Nationalpark integrieren zu können. Man hat daher die Schilfgebiete nördlich des Sandecks, zwischen offener Seefläche und landseitigern Seevorgelände, als Naturzone ausgewiesen und aus jegli­ cher Nutzung genommen. Sehr zur Freude der Schilfbewohner, z. B. Rohrweihe (Circus aeruginosus) etc.
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C Podersdorf - Karmazik (Betreten verboten!) 45 ha Noch weiter nach Norden, anschließend an die Naturzone Illmitz - Hölle, dehnt sich der Schilfbereich noch in Stück bis südlich von Podersdorf. Vom Radweg aus, in Weiden beginnend und bis zum Sandeck den See am Ostufer begleitend, erschließt man die Naturzonen per Fernglas und fallweise aufgestellten Aussichtstürmen. Schön sind von hier aus die Übergänge von Seevorgelände (teilweise beweidet) über die Schilf areale bis zur offenen Wasserfläche (nicht mehr Nationalpark-Gebiet) zu studieren.
Im Kurzporträt: Bewahrungszonen
D Sandeck - Neudegg 457 ha Dieser breite Streifen schließt landseitig an die gleichnamige Naturzone im südlichen Seeteil an. Von einem Rin­ derstall südöstlich von Illmitz und Apetlon aus werden eine Herde aus Ungarischen Graurindern sowie eine aus Weißen Eseln auf diese Verlandungszone (teilweise überschwemmt, teilweise verschilft, stellenweise mit Gehölzen durchsetzt) "geschickt", um durch Tritt und Fraß das Areal wieder in den Lebensraumtyp "Weide" umzuwandeln. An mehreren Stellen wird durch zusätzliche Mahd unterstützt.
E IIImitz - Hölle 1.550 ha Verschiedene Lacken (zB Illmitzer Zicklacke, Oberer und Unterer Stinkersee) mit interessanten Ufer bereichen prägen diese Bewahrungszone. Vogelbeobachter kommen hier ebenso auf ihre Rechnung wie Floristen, die sich etwa für "Halophyten" (Pflanzen, die es salzig mögen) interessieren. Viele erfolgversprechende Plätze kann man zwar mit dem Auto erreichen, generell ist aber das Erwandern bzw. Erradeln zu empfehlen. Wer es wirklich be­ quem haben will, erkundet die Gegend eben per Pferdekutsche.
F Podersdorf - Karmazik 162 ha Landseitig anschließend an die gleichnamige Naturzone (Schilfgebiete nördlich der Naturzone Sandeck - Neu­ degg am Ostufer des Sees) umfasst diese Bewahrungszone so genanntes Seevorgelände zwischen Schilfgürtel und Seedamm entlang des Radweges von Illmitz nach Podersdorf und die östlich des Radweges gelegenen Weideflä­ chen. Beweidung durch Pferde hält das Gelände mehr oder weniger frei von Schilf.
G Apetlon - Lange Lacke 1.777 ha Um die namengebende Lange Lacke erschließt ein rund 11 km langer Rundweg (für Autos verboten!) den Besu­ chern das Werden, Vergehen und Wiederkommen eines typischen Seewinkelgewässers. Für den Floristen bieten die ausgedehnten Hutweiden sowie die eingestreuten Salzfluren jede Menge botanischer Leckerbissen. Die rund 300 Rinder (Fleckvieh aus den Bauernhöfen der Umgebung) werden - unter Berücksichtigung der Brutzeit der Wiesenbrüter - vom 1. Mai bis zum 31. Oktober ausgetrieben.
H Zitzmannsdorfer Wiesen 652 ha Zwischen Podersdorf und Weiden erstreckt sich das größte zusammenhängende Wiesengebiet des Nationalparks. Mittendurch führt ein 5 km langer Wanderweg, seeseitig verläuft am so genannten "Seedamm" ein Radweg, so lässt sich dieses Wiesengebiet gut "einsehen", ohne hineinstapfen zu müssen. Mehr oder weniger bis gar nicht salzbeeinflusste Feuchtwiesen sind durchsetzt von kleinen Schilfröhricht-Beständen. Das mosaikartige Neben­ einander der unterschiedlichsten Vegetationstypen (Nasswiesen bis Halbtrockenrasen) bedingt denn auch einen großen Artenreichtum an Pflanzen.
I Waasen - Hansag 137 ha Eine Straße (ausgehend von Tadten bzw. Andau) um rundet dieses große Wiesengebiet im äußersten Südosten, ein hart an der Staatsgrenze gelegenes ehemaliges Flachmoor, das man in den letzten hundert Jahren großflächig entwässert hat (im 16. Jahrhundert war es noch Teil des Neusiedler Sees). In dem ornithologisch bedeutsamen Gebiet (Groß trappe!) gibt es heute nur noch wenige Pflanzenarten der Niederrnoore. Der Waasen setzt sich in Ungarn als "Hansag" fort und ist somit wie die Naturzone grenzüberschreitend.
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