Westfalium - Sonderausgabe Attendorn

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Sauerland Sauerland Westfalium extra 9 · 2011 · 6 Euro · H 58458 Kunstsommer und Museums-Tour Kultur zwischen Berg und Tal Natur und Bewegung Wandern, Laufen, Radfahren Entspannung und Genuss Ausflugsziele, Wellness, Golf Idylle und Dynamik Die zwei Gesichter einer Region Idylle und Dynamik · Wandern, Laufen, Radfahren · Ausflugsziele, Wellness, Golf Idylle und Dynamik · Wandern, Laufen, Radfahren · Ausflugsziele, Wellness, Golf Westfalium extra Sauerland Westfalium extra Sabrinity, Brilon Sonderausgabe

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Westfalium Sonderausgabe - Sauerland "Idylle und Dynamik"

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SauerlandSauerland Westfalium extra 9 · 2011 · 6 Euro · H 58458

Kunstsommer und Museums-TourKultur zwischen Berg und Tal

Natur und BewegungWandern, Laufen, Radfahren

Entspannung und GenussAusfl ugsziele, Wellness, Golf

Idylle und DynamikDie zwei Gesichter einer Region I

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Sonderausgabe

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Das Wunder von Attendorn

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Das Wunder von Attendorn

Denken Sie bei „Attendorn“ an Tropfsteine, Ausflüge zum Biggesee und Waldspaziergänge? Alles

richtig. Doch ganz nebenbei verteidigt Attendorn den Titel als reichste Kommune Nordrhein-

Westfalens. Selbst in Düsseldorfer Millionärsvororten verfügen die Menschen im Durchschnitt über

weniger Geld als in dem beschaulichen Städtchen am Biggesee. Westfalium auf Spurensuche.

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Vor dem Treffen mit dem Eigentümer der Atta-Höhle bleibt noch

ein halbes Stündchen. Reicht das, um einen ersten Eindruck von

der Altstadt zu gewinnen? Ja, denn Attendorn ist übersichtlich. Ein

begrünter Ring markiert die ehemaligen Wallanlagen. Von dort sind es

nur wenige Schritte bis zum Marktplatz mit dem „Sauerländer Dom“.

Nichts Besonderes auf den ersten Blick. Ein paar niedrige Häuserzei-

len, wobei schmuckes Fachwerk sich mit mehr oder weniger beschei-

denen Steinhäuschen abwechselt. Ein paar Läden, ein paar Gaststätten.

Alles recht bieder und bescheiden. So wie man das erwarten kann von

einem sauerländischen Industriestädtchen mit 25.000 Einwohnern, in

dem vor allem die Traditionen von Schützenfest und Karneval hoch-

gehalten werden.

Auf den zweiten Blick macht Attendorn Staunen. Da ist zunächst

einmal diese überraschende Statistik. Das verfügbare Einkommen pro

Kopf betrug in Attendorn im Jahr 2008 satte 48.418 Euro – das ist

in Nordrhein-Westfalen ein Spitzenwert, der Landesdurchschnitt lag

bei unter 20.000 Euro. Als Grund nennt das Landesamt für Statistik

einen „gesunden Mittelstand“. Tatsächlich kann Attendorn auf eine

erkleckliche Reihe gut situierter Familienunternehmen blicken, vor

allem Automobil-Zulieferer und Metall verarbeitende Betriebe. Kirch-

hoff, Viega, Mubea, Gedia, Aquatherm und Aba Beul sind Namen, die

weltweiten Ruf genießen.

Nun hinkt die Statistik der Wirklichkeit hinterher – das liegt an

den Fristen zur Abgabe der Einkommensteuererklärungen. Die Krise

hat das Sauerland hart getroffen, auch die Attendorner Unternehmen.

Die exportorientierten Industriebetriebe mussten bluten. Doch fast

alle hielten durch, und heute hat Christof Schneider, Leiter des Amts

für Wirtschaftsförderung, wieder guten Grund zum Optimismus. Die

meisten Firmen sind Familienunternehmen, seit Generationen ansäs-

sig. Da wirft man nicht so leicht das Handtuch. „Es geht wieder nach

oben“, fasst der Wirtschaftsförderer die Situation zusammen. „Und

nun kommt den Firmen zugute, dass sie in der Krise ihre Leute gehal-

ten haben. Während andere noch händeringend Fachkräfte suchten,

konnten unsere Betriebe sofort wieder die Kapazitäten hochfahren.“

Ein „Kompetenzzentrum Automotive“, das im Rahmen der Regionale

2013 in Attendorn errichtet werden soll, soll Forschung und Entwick-

lung weiter beflügeln und den Standort auf Dauer sichern.

Selbstbewusste Kaufleute

Wie kommt es, dass sich ausgerechnet in Attendorn so leistungs-

starke Unternehmen der Eisen- und Metallverarbeitung ansiedelten?

Monika Löcken, Leiterin des Südsauerlandmuseums am Alten Markt,

verweist auf die Zeit der frühen Industrialisierung. In der Wendener

Hütte, 20 Kilometer südlich von Attendorn, kann man heute noch

sehen, wie die Erzvorkommen verhüttet und zu Stahl verarbeitet wur-

den. In Attendorn spezialisierte man sich früh auf die Herstellung von

Blechwaren, woraus Automobilzulieferer und Armaturenhersteller

hervorgingen.

Doch das ist nicht alles. Sucht man nach den Ursprüngen eines

selbstbewussten Unternehmertums, landet man im Mittelalter. Atten-

dorn ist eine Hansestadt. Attendorner Kaufleute machten Geschäfte

in Nowgorod, Stockholm und London. Der erste Stadtrat im 13. Jahr-

hundert bestand aus Fernhändlern, die anderen Gilden wurden erst

später zugelassen. Attendorn war nie sonderlich groß, genoss aber

das Recht, eigene Münzen zu prägen. Das Rathaus am Marktplatz,

das heute das Südsauerlandmuseum beherbergt, zeugt vom Stolz der

Die Altstadt von Attendorn wird von der Kirche St. Johannes Baptist überragt, auch „Sauerländer Dom“ genanntFo

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Sauerland

Am Samstag, 23. Juni heißt es an der Luisenhütte in Bal-ve- Wocklum von 16-23 Uhr„Luise heizt ein!“ Ein Kultur-event für die ganze Familieinszeniert von Forum Inter-Art, mit Walking-Acts, Akrobatik, Musik, museum-spädagogischen Aktionen

und einer Lichtinszenierung zum großen Finale mit Einbruch der Dämmerung.

Entdecken Sie das internationale Denkmal und selbsterklärende Museum zur Hüttentechnologievon einer neuen Seite! Rund um die Luisenhütte führt ein schöner Wanderweg mit Anbindung andie Sauerland Waldroute. Thematisch angebunden ist der Bergbau-Wanderweg in Balve-Langenholthausen.

Am ersten August-Wochenende, vom5. bis 7. August,laden die Stadt Altena und die Museen des

Märkischen Kreises auf der Burg Altena wieder zu Südwest-falens größtem Mittelalterspektakel ein. Die Besucher erwarten Ritterturniere, alte Handwerkskunst, rustikale Speisen, Musik, Gaukelei und Narretei. Erstmals dabei: Wikinger und ein Orientmarkt mit orientalischenTänzerinnen.

Die Burg Altena präsentiert sich von ihrer märchenhaften Seite. Am Freitagabend ab 20 Uhr tritt die Gruppe Schelmisch auf dem oberen Burghof auf. Am Samstag locken die Museen mit einer langen Museumsnacht bis 24 Uhr. Wie haben Ritter und Adelige im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gewohnt, gegessen, gebetet, gejagt und gekämpft? Wie lebten die Bauern und was stellten die Schmiede her? Auf diese und viele andere Fragen gibt das erlebnisorientierte

Sommerhits für Jung und AltMit der Familie noch nichts vor?

Der Märkische Kreis ist immer einen Ausflug wert!

Regionalmuseum der Graf-schaft Mark Antworten. Übri-gens: die Burg Altena ist auch Sitz der Weltjugendherberge und Einstiegsportal für den Sauerländer Höhenflug, einem der schönsten Höhenwander-wege Deutschlands!

Auch das Deutsche Drahtmuseum beteiligt sich mitAktionen und Vorführungen an dem Mittelalterevent inAltena. Im Mittelalter war Altena das Zentrum der Draht-industrie. Wie wurde und wird Draht hergestellt, unterwelchen Bedingungen arbeiten Drahtzieher, zu welchen Produkten wird Draht weiterverarbeitet, was machenKünstler mit Draht? Diese und viele andere Fragenwerden im Deutschen Drahtmuseum beantwortet.Eine Reihe von Experimentierstationen animierenzum Mitmachen. So wird der Museumsbesuch fürdie ganze Familie zu einem unvergesslichen Erlebnis.Wandernswert ist auch der historische Draht-handelsweg zwischen Altena und Iserlohn.

www.maerkischer-kreis.de

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geschäftigen Bürgerschaft. Auch der Adel profitierte. Die Herren von

Fürstenberg erlangten im 17. Jahrhundert unter anderem aufgrund

von Kreditgeschäften einen derart unerhörten Reichtum, dass sie ihre

Burg Schnellenberg – heute Luxushotel – zur größten Renaissance-

Anlage der Region ausbauen konnten. Dass sie gleichzeitig treu zu

den kölnischen Erzbischöfen standen und dort wichtige Ämter ergat-

terten, förderte Ruhm und Reichtum zusätzlich.

Bevor der Attendorner aufgibt, lässt er sich etwas einfallen. So auch

Wolfgang Böhmer, geschäftsführender Gesellschafter der Atta-Höhle.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Höhlen blieb die Atta-Höhle

seit ihrer Entdeckung 1907 immer in Privatbesitz. Die Familien Epe

und Böhmer investierten. Sehr schnell wurde die Höhle Besuchern zu-

gänglich gemacht, ein neuer Zugangstunnel in den Berg getrieben. Die

Atta-Höhle ist Attendorns unterirdische Wunderwelt. Neben unzähli-

gen Stalagmiten und Stalaktiten wuchsen hier aufgrund der besonde-

ren Gesteinszusammensetzung sogenannte Sinterfahnen: nur wenige

Millimeter dünne, von Eisenoxiden gefärbte und bis zu 2,5 Millionen

Jahre alte Vorhänge aus durchscheinendem Kalk. Mehr als 40 Millio-

nen Besucher ließen sich bereits von der Tropfsteinhöhle verzaubern,

eine der größten und schönsten Deutschlands.

Doch Böhmer verlässt sich nicht allein auf die Faszination des Na-

turdenkmals. „Die Ansprüche der Touristen haben sich in den letzten

zehn Jahren gewaltig verändert“, beobachtet er. „Es gibt deutlich weni-

ger Schulklassen und Busse, dafür mehr individuell reisende Familien

und Paare und mehr ältere Besucher. Wer sich darauf nicht einstellt,

wer nicht selbst etwas tut, geht unter.“ An der Atta-Höhle selbst bau-

te er einen großen, überdachten Eingangsbereich. Die Gastronomie

wurde durch einen schmucken Festsaal ergänzt, in dem auch Feiern

und Tagungen stattfinden können. Demnächst will er auch einen

Aufzug zum Eingangsbereich bauen, damit gehbehinderte Reisende

zumindest das Restaurant mühelos erreichen können. In einer Höhle

hat er eine Gesundheitsgrotte eingerichtet, wo vor allem Allergiker gut

eingemummelt die absolut staub- und allergenfreie feuchte Höhlen-

luft genießen.

In einem anderen Teil des Höhlensystems reift der Atta-Käse zu

einer gefragten Spezialität heran. Rainer Schmitz, Landwirt und Käser

aus dem Bergischen Land, hatte auch bei anderen Höhlen angefragt.

„Aber die anderen haben sofort abgewunken. Wolfgang Böhmer hin-

gegen hat die Chance gesehen, hier etwas Neues aufzubauen.“ Der

Atta-Käse ist der einzige Käse, der in Deutschland in einer Natur-

höhle reift – auch wenn er sich nicht „Höhlenkäse“ nennen darf, weil

Selbst was tun oder untergehn: Wolfgang Böhmer, Eigentümer der Atta-Höhle

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Die Viega GmbH & Co KG ist ein Musterbeispiel für die

mittelständischen Unternehmen, denen Attendorn und

das ganze Sauerland ihre wirtschaftliche Stärke verdanken. Aus

kleinsten Anfängen heraus hat sich das 1899 gegründete Unter-

nehmen zu einem weltweit anerkannten Systemanbieter von

Produkten für die Installations technik entwickelt. Heute be-

schäftigt Viega weltweit rund 3.000 Mitarbeiter, und zumindest

in Deutschland lässt sich wohl kein Gebäude mehr finden, in dem

Produkte mit dem Viega-Logo nicht verbaut sind. Stammsitz ist

seit Gründung des Unternehmens Attendorn – heute Sitz von

Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie des weltweiten

Vertriebs und Marketings. Auch die Eigentümer und Geschäfts-

führer des Unternehmens, Walter und Heinz-Bernd Viegener

wohnen in Attendorn – das sorgt für Verbundenheit mit dem

Standort. In Attendorn-Ennest konzentriert sich heute die Pro-

duktion von Rohrverbindungstechnik sowie das weltweite Lo-

gistik- und Seminarcenter. Nur wenige Kilometer entfernt fertigt

Viega in Lennestadt-Elspe Produkte für die Entwässerung von

Badewannen und Duschen sowie Spülkästen. Neben den sauer-

ländischen Standorten produziert das Unternehmen in Thürin-

gen, Bayern und den USA. Ohne hochqualifizierte Mitarbeiter,

zum Beispiel Entwicklungsingenieure oder Facharbeiter, wäre

diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Wie wichtig Viega die

Qualifikation der Mitarbeiter ist, lässt sich unter anderem an der

Zahl der Auszubildenden ablesen. Aktuell bildet das Unterneh-

men 160 Jugendliche in 16 Berufen aus. wg

Wohlstand durch Mittelstand

Attendorn, rechts oben im Bild, liegt am nördlichen

Zipfel des Biggesees

ein Käse-Konzern den Begriff hat schützen lassen. „Dann nennen wir

ihn eben Atta-Käse“, meint Schmitz. „Was letztlich zählt, ist der Ge-

schmack.“ Eine Kostprobe überzeugt: Die spezielle, für die niedrigen

Temperaturen in der Atta-Höhle entwickelte Bakterienkultur und das

besondere Höhlenklima verleihen dem Rohmilchkäse schon nach

relativ kurzer Reifezeit ein sehr würziges Aroma, ähnlich dem eines

Schimmelkäses. Nach wenigen Jahren konnte die Produktion deutlich

ausgeweitet werden, der Käse wird in ganz Deutschland verkauft.

Leuchtturm und Biggolino

Böhmers Engagement endet nicht am Höhleneingang. Zusammen

mit zwei weiteren Unternehmern hat er vor zwei Jahren die Biggetal

Touristik und Gastronomie GmbH (BGT) gegründet. Der Zweite im

Bunde ist Wolfgang Keseberg, Inhaber der Weißen Flotte vom Bigge-

see, der dritte Christof Platte vom Romantik Hotel Platte in Atten-

dorn-Niederhelden. Zusammen machten sie sich daran, die touri-

stische Infrastruktur von Attendorn aufzumöbeln. Dazu bauten sie

mitten auf dem Biggedamm ein Ausflugslokal, den „Leuchtturm am

Biggesee“. Innerhalb kürzester Zeit erhielten sie die Baugenehmigung.

In Erinnerung an die Bauzeit gerät der toughe Unternehmer ins Träu-

men: „Frühmorgens saß ich hier oben mit Wolfgang Keseberger auf

einer Planke“, erzählt er. „Die Berge rundum waren in Nebel gehüllt.

Und dann tauchte im Sonnenaufgang wie aus dem Nichts ein Schiff

auf dem See auf. Das war so schön, dass mir die Tränen kamen.“ Ge-

schäftssinn, Heimatliebe und Zusammenhalt sind die Zutaten für das

Erfolgsrezept der Attendorner. Die Bank hinterm Leuchtturm wurde

zum Andenken an den Moment aufgestellt.

Damit die Gäste das etwa drei Kilometer von der Altstadt entfernte

Ziel auch bequem erreichen, wurde – ebenfalls in Privatinitiative –

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eine Bimmelbahn angeschafft, der „Biggolino“. Er verbindet im Stun-

dentakt Altstadt, Atta-Höhle, Biggedamm und Schiffsanlegestelle und

kann auch von Gruppen für Rundfahrten bis ins Repetal nach Nie-

derhelden gemietet werden. Die Stadt sorgte im Gegenzug für eine

Beleuchtung entlang der Promenade am Seeufer und schnitt den Blick

auf die Ruine Waldenburg gegenüber dem Damm frei.

Das Engagement trägt Früchte. An einem sonnigen Wochenende

tummeln sich heute ganze Scharen von Familien mit Kindern, Radler

und Spaziergänger auf dem Damm – Touristen, vor allem aber auch

Attendorner. „Alte Leute haben mir erzählt, dass sie dank Biggolino

– der mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer ausgestattet ist – endlich

mal wieder hier heraus kommen konnten“, erzählt Böhmer. „Zum Teil

waren sie seit 20 Jahren nicht mehr hier, denn selbst die zehn Minuten

Fußweg vom Parkplatz aus waren für sie zu weit.“

Attendorn hat bislang gut von seiner Industrie leben können. Die

Industrie war es, die die Arbeitsplätze schaffte und Gewerbesteuern

ins Stadtsäckel spülte. Tourismus war zweitrangig. Doch die Attrakti-

vität einer Stadt wird im Wettbewerb der Kommunen um den besten

Standort immer wichtiger. Das weiß auch Wolfgang Hilleke, der vor

zwei Jahren zum parteilosen Bürgermeister von Attendorn gewählt

wurde: „Der Erfolg von Attendorn war und ist hausgemacht im besten

Sinne. Die vielen erfolgreichen Familienunternehmen fühlen sich in

besonderer Weise mit unserer Stadt verbunden und gehen mit ihr so-

zusagen durch dick und dünn. Dieser Mut und dieses Engagement sind

ein großes Pfand. Heute kommt es mehr denn je darauf an, Fachkräfte

– auch junge Akademiker – für Attendorn zu gewinnen. Freizeit- und

Bildungsangebote sowie die Stadtbildpflege gewinnen angesichts der

demografischen Herausforderungen ein ganz neues Gewicht.“

„Ich baue gern“

Auch Gerhard Rosenberg, Seniorchef der Firma Aquatherm, redet

gern vom Stadtbild. Gerhard Rosenberg ist 71 Jahre alt und könnte

sich zurücklehnen. In den 1970er Jahren war er einer der ersten, die

in Deutschland Fußbodenheizungen auf den Markt brachten. Daraus

wurde ein florierendes Unternehmen mit mehr als 400 Mitarbeitern,

das er mittlerweile seinen drei Söhnen übergeben hat. Doch nun baut

er ein Hotel. Direkt gegenüber der Atta-Höhle. Es soll ein besonders

schickes Bauwerk werden, ein Business-Hotel mit 90 Zimmern. Die

Grube wird zurzeit ausgehoben, im April 2013 könnte das Hotel eröff-

net werden. „In der Stadt fehlt ein Hotel dieser Kategorie“, begründet

er sein Vorhaben. Tatsächlich gibt es in der Altstadt selbst nur kleine-

re 3-Sterne-Hotels. Das luxuriöse Burg-Hotel Schnellenberg und die

4-Sterne-Hotels in Niederhelden liegen etwas außerhalb. „Zu weit“,

findet Rosenberg, und sowieso: „Ich will das einfach. Ich baue gern.“

Und schon schwärmt er von Kühldecken und Wandheizungen, nur

das Beste aus dem Hause Aquatherm. Außerdem soll ein Park in der

Nähe des Hotels entstehen, das habe die Stadt zugesagt. „Es gibt in die-

ser Stadt bislang keinen Park“, führt er aus. „Schließlich will ich, wenn

ich alt bin, mit meinem Rollator hier irgendwo spazieren gehen.“

Nicht jeder begrüßt Rosenbergs Baupläne. Schließlich müssen die

alteingesessenen Hotels sich in Zukunft noch mehr einfallen lassen,

um ihre Stammgäste ans Haus zu binden und neue zu gewinnen. Und

im Gegensatz zu Rosenberg, der erklärtermaßen mit dem Hotel kein

Geld mehr verdienen muss, geht es um deren Existenz. Doch wahr-

scheinlich wird den findigen Sauerländern wieder etwas einfallen –

und irgendwie wird man sich zusammenraufen und gemeinsam neue

Pläne schmieden. Ursula Pfennig

Bizzare Steinformationen in der Atta-Höhle

Markttag in Attendorn

Überraschend gewann vor zwei Jahren der Parteilose

Wolfgang Hilleke die Wahl zum Bürgermeister

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GuckenAtta-Höhle. Eine Führung durch die Wunderwelt der Stalagmiten, Stalagtiten und Sinter-vorhänge in der größten Tropfsteinhöhle Deutschlands dauert etwa 40-60 Minuten und kostet 7,50 Euro (Kinder 4,50 Euro). Finnentroper Str. 39, 57439 Attendorn, tägl. 10:00-16:30 Uhr (1. Mai bis 4. Sept., danach abweichend), Tel. 02722/93 750, www.atta-hoehle.de

Südsauerlandmuseum. Das ehemalige gotische Rathaus beherbergt die kunst- und kul-turhistorische Sammlung des Kreises Olpe. Sonderausstellungen zu Ötzi (bis 10. Okt.) und Afrika (mit Gemälden und Skulpturen, 26. Juni – 28. Aug.), Alter Markt 1, Di-Fr 11:00-18:00 Uhr, Sa 11:00-15:00 Uhr, So 13:00-18:00 Uhr, Eintritt 3 Euro (Kinder und Jugendliche 1 Euro), Tel. 02722/3711, www.suedsauerlandmuseum.de

Bieketurm. Zeughaus und Schützenmuseum im mittelalterlichen Wehrturm, Bieketurmstr., Sa 10:00-12:00 Uhr, Tel. 02722/52546, www.1222ev.de

MachenPersonenschifffahrt Biggesee. Auf den Schiffen der Weißen Flotte kann man feiern, heiraten und Pirat spielen. Normale Rundfahrten starten in Attendorn am Biggedamm im Sommer (bis 11. Sept.) von 11:00-17:00 Uhr immer zur vollen Stunde, dauern etwa 2 Std. und kosten 9,50 Euro (Kinder 4,50 Euro), Tel. 02761/96590, www.biggesee.de

Biggolino. Die Bimmelbahn verbindet Attendorns Altstadt (Haltestelle am Marktplatz vor der Kirche) mit der Atta-Höhle, dem Strandbad Waldenburg, dem Biggedamm und der Schiffsanlegestelle. Abfahrt stündlich, Sonderfahrten möglich (z. B. nach Niederhelden). Beheizt, verglast und flotter als man denkt. Tel. 02722/93750, www.biggolino.de

SGV-Hütte. Der Aufstieg zur Hütte ist ausgeschildert, toller Ausblick auf den See. Etwa 15 Minuten ab Biggedamm.

Golfclub Repetal. Eine wunderschön in die sanften Hügel bei Niederhelden eingebettete 18-Loch-Anlage mit sechs zusätzlichen Kurzbahnen für Nichtmitglieder. Golf-Club Repetal Südsauerland e.V., Repetalstr. 220, 57439 Attendorn-Niederhelden, Sekretariat Di-So 9:00-18:00 Uhr , Nichtmitglieder zahlen 10 Euro +2 Euro für Leihschläger, Tel. 02721/718032, www.gc-repetal.de

KaufenAtta-Käse. In den Tiefen der Atta-Höhle reift der Käse zu einer würzigen Spezialität. Erhält-lich in der Atta-Höhle, deutschlandweit in manchen Fachgeschäften und manchmal auch in Rewe-Märkten, www.dream-and-do-farm.de

Attendorner Iserköppe. Handgemachten Schokoladen-Pralinés aus dem Hause Harnisch-macher, geziert von einem „Iserkopp“ – dem traditionellen Ritterhelm der Attendorner Schützen. Konditorei & Café, Niederste Str. 5, 57439 Attendorn, www.harnischmacher.com (Wiedereröffnung des Cafés nach Neugestaltung am 23. Juni)

Wer wo was in AttendornEssenHanse-Kogge. Ein Fischfachgeschäft mit eigener Räucherei betreiben Dieter und Christiane Jakob bereits in der zweiten Generation. Nebenan bereiten Sohn Sven und Schwiegertochter Bettina Labskaus, Salm und Felsenaustern in der offenen Küche vor den Augen der Gäste zu. Am Kirchplatz 2, 57439 Attendorn, Di-Mi 11:00-17:00 Uhr, Do-Fr 11:00-17:00 und 18:00-21:00 Uhr, Sa 11:00-13:30 und 18:00-21:00 Uhr, Tel. 02722/2396, www.jakob-feinkost.de

Schultenhaus. Im Fachwerkhaus überraschen stilvoll hergerichtete Räume und eine frische Mittelmeer-Küche mit griechischen Akzenten. Ennester Str. 3, 57439 Attendorn, Mo-Fr 11:30-14:30 Uhr und 19:30-24:00 Uhr, Sa-So 17:30-24:00 Uhr, Tel. 02722/657030, www.schultenhaus.de

Leuchtturm am Biggesee. Das gastronomische Ziel mitten auf dem Biggedamm. 2009 wurde der stylische Pavillon mit großer Sonnenterrasse errichtet und hat sich seitdem zum beliebten Ausflugsziel entwickelt. Fußweg vom Parkplatz etwa 10 Minuten. Der „Biggoli-no“ hält direkt vorm Lokal. Am Biggedamm 9, 57439 Attendorn, tägl. 10:30-22:00 Uhr, Tel. 02722/8089020, www.leuchtturm-am-biggesee.de

SchlafenBurg Schnellenberg****. Luxuriöses Hotel in einer Renaissance-Burg über den Dächern von Attendorn. Mit Gourmet-Küche. Schnellenberg 1, 57439 Attendorn, Tel. 02722/6940, www.burg-schnellenberg.de

Romantik Hotel Platte****. Schickes Hotel mit Wellness-Angebot und ausgezeichneter Küche in Niederhelden. Gestüt und Golfplatz liegen gleich nebenan. Repetalstr. 219,57439 Attendorn-Niederhelden, Tel. 02721/1310, www.platte.de

Landhotel Struck ****. Traditionsreiches Hotel mit Wellness in Niederhelden, Nähe Golfplatz, Repetalstr. 245, 57439 Attendorn-Niederhelden, Tel. 02721/13940, www.landhotel-struck.de

Hotel garni Rauch***. Traditionsreiches Haus mitten in der Altstadt. Die Zimmer sind geschmackvoll und mit Liebe zum Detail eingerichtet. Wasserstr. 6, EZ ab 71, DZ ab 92 Euro inkl. Frühstück, Tel. 02722/92420, www.hotel-rauch.de

Pension Göbel***. Wanderer und Motorradfahrer lieben dieses Haus im idyllischen Nieder-helden (2010 ausgezeichnet als „Bundesgolddorf“) besonders, denn Hermann Josef Göbel kennt die besten Touren. Kapellenweg 3, 57439 Attendorn-Niederhelden, Tel. 02721/ 3661, www.pensiongoebel.de

Familiencamping Biggesee-Waldenburg****. Die Anlage liegt in einer bewaldeten Bucht direkt am See etwa 3 Kilometer vom Stadtzentrum Attendorn entfernt. Waldenburger Bucht 11, 57439 Attendorn, Tel. 02722/95500, www.camping-biggesee.de

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