Wissenschaftliche Hintergründe 2012

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  • Wissenschaftliche Hintergrnde ENP (European Nursing care Pathways), Version 2.7

    Autoren:

    MScN, BScN Simon Berger

    Dr. Anke Helmbold,

    Dr. Holger Mosebach,

    MPH Isabella Schmidpeter

    Dr. Pia Wieteck

    Stand: August 2012

  • 2

    Wissenschaftliche Hintergrnde

    Einleitung

    Die Pflegeklassifikation ENP (European Nursing care Pathways) wurde entwickelt, um im Rahmen einer Pflegedokumentation die Abbildung des Pflegeprozesses in einer einheitlichen, standardisier-ten Sprache zu ermglichen. Damit untersttzt ENP als Instrument die zentralen Zielsetzungen ei-ner standardisierten Pflegefachsprache: Verbesserung der Kommunikation der Professionellen im Gesundheitswesen untereinander, die Untersttzung von Prozessablufen (z. B. die berleitung von einer Einrichtung in eine andere), die Leistungstransparenz der Pflege. Durch die Struktur von ENP sollen Pflegende bei der Entscheidungsfindung im Rahmen des Pflegeprozesses durch die Prsentation des aktuellen Fachwissens untersttzt werden. Darber hinaus sollen durch den Ein-satz standardisierter Formulierungen bei der Pflegeprozessdokumentation Daten generiert werden, die zur Hypothesenbildung/-prfung im Rahmen der Pflegeforschung und Steuerungsprozesse im Pflegemanagement sowie Risikomanagement genutzt werden knnen. ENP ist sowohl in einer Druckfassung, als Datenbank oder eingebunden in Softwareprodukte verfgbar. ENP kann gegliedert in drei Teilbereichen dargestellt werden, diese sind: ein Pflegeklassifikati-onssystem, Prkombinationen von den Elementen des Pflegeklassifikationssystems und daraus entwickelte Praxisleitlinien, die den Pflegenden in der Praxis fachliche Untersttzung bieten, den Pflegeprozess mit Hilfe von standardisierten Formulierungen, wie z. B. Pflegediagnosen, Kennzei-chen, Ursachen, Ressourcen, Pflegezielen und Pflegeinterventionen, abzubilden. Bitte folgende Zitierweise fr diesen Text angeben: Berger, Helmbold, Mosebach, Wieteck: Wissenschaftliche Hinter-grnde ENP. Baar-Ebenhausen: 2012.

    1. Struktur/Aufbau von ENP

    Die drei unterschiedlichen Teilbereiche von ENP werden im Folgenden beschrieben und ihr Auf-bau in Grafiken verdeutlicht. Teil A der Grafik zeigt das Pflegeklassifikationssystem ENP. In Teil B wird dargestellt, wie es zu Prkombinationen aus den Elementen des Pflegeklassifikationssys-tems kommt, die z. B. zu Pflegediagnosen und Interventionskonzepten fhren. Teil C der Grafik verdeutlicht, wie eine Pflegediagnose durch Verknpfungen mit Kennzeichen, Ursachen, Ressour-cen, Pflegezielen und Pflegeinterventionskonzepten in eine pflegerische Praxisleitlinie berfhrt wird. Derzeit sind 548 (Version 2.7) pflegediagnosenbezogene Praxisleitlinien definiert. Im nach-folgenden Text wird die Einordnung von ENP als Pflegeklassifikation und pflegediagnosenbezoge-ne Praxisleitlinie erklrt. In der Gesamtgrafik wird der Zusammenhang der drei Teilbereiche darge-stellt.

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    Abbildung 1: Hierarchische Struktur des Klassifikationssystems ENP mit seinen Teilbereichen A, B und C

    1.1 Die Pflegeklassifikation ENP Teil A

    An dieser Stelle erfolgt zum besseren Verstndnis zunchst ein kurzer Ausflug in die Prinzipien der Ordnungslehre. Ganz allgemein ist eine Klassifikation ein Ordnungssystem, das auf dem Prinzip der Klassenbildung beruht. Eine Klassifikation ist eine Auflistung von Begriffen, die in der Regel ei-ne hierarchische Struktur aufweist. Der allen anderen Begriffen in der Klassifikation bergeordnete Begriff wird blicherweise Allbegriff genannt und stellt den alles umfassenden Begriff dar. In ENP lautet der Allbegriff Pflegekonzepte/Begriffe zur Abbildung des Pflegeprozesses. Die Be-griffskette, dargestellt durch Verbindungslinien, stellt Relationen zwischen den ber- und unterge-ordneten Begriffen her. Innerhalb der einzelnen Klassen ist das Klassifikationssystem ebenfalls hierarchisch aufgebaut. Es umfasst die Elemente: Gruppe -> Domne -> Klasse -> Kategorie -> Subkategorie. Die Gruppe der Pflegeprobleme untergliedert sich zum Beispiel in vier Domnen (Pflegeproble-me im funktionalen/physiologischen Bereich, Pflegeprobleme im emotionalen/psychosozialen Be-reich, Pflegeprobleme mit mehrdimensionalen Risiken und umfeldbezogene Pflegeprobleme). Die Domne der Pflegeprobleme im funktionalen/physiologischen Bereich z. B. ist wiederum in 11 Klassen gegliedert, denen 67 Kategorien zugeordnet sind. In der nachfolgenden Tabelle sind die Domnen, Klassen und Kategorien der ENP-Pflegeprobleme aufgelistet. Die inhaltliche Aufteilung

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    der Domnen und Klassen ist in den drei Gruppen Pflegediagnosen, -ziele und -interventionen identisch.

    Domne Klasse Kategorie

    Funktionaler/ physiologi-scher Bereich

    Krperpflege/Kleiden

    Selbstfrsorgedefizit Krperwaschung

    Selbstfrsorgedefizit Mundpflege

    Selbstfrsorgedefizit Nagel-, Ohren-, Augen- und Nasenpflege

    Selbstfrsorgedefizit Kleiden

    Selbstfrsorgedefizit Haarpflege Atmen

    Beeintrchtigte Selbstreinigung der Atemwege

    Risiko der respiratorischen Insuffizienz

    Risiko der Erstickung

    Risiko der Aspiration

    Risiko der Atelektasenbildung/Pneumonie Ernhrung

    Beeintrchtigte Nahrungsaufnahme

    Beeintrchtigtes Schlucken

    Mangelernhrung

    Risiko der Mangelernhrung

    Risiko des Flssigkeitsdefizits

    Risiko des Flssigkeits-/Elektrolytdefizites

    Risiko des erhhten Flssigkeitsvolumens

    Risiko des beeintrchtigten Stillens

    Beeintrchtigtes Stillen

    Risiko der Adipositas

    Risiko von ernhrungsbedingten Komplikationen

    Beeintrchtigtes Ernhrungsverhalten Ausscheiden

    Selbstfrsorgedefizit Miktion/Defkation

    Beeintrchtigte Stuhlausscheidung

    Beeintrchtigte Urinausscheidung

    Harninkontinenz

    Risiko der Infektion der Ausscheidungsorgane

    Risiko des Harnverhalts/Nierenversagens

    Risiko des paralytischen Ileus

    Beeintrchtigte Stomaversorgung

    Selbstfrsorgedefizit Stomapflege Kreislauf

    Beeintrchtigte Herz-/Kreislauffunktion

    Risiko des beeintrchtigten Herz-/Kreislaufs

    Risiko der Thrombose

    Risiko der Lungenembolie

    Risiko der Blutung

    Risiko der allergischen Reaktion Bewegung/Mobilitt

    Beeintrchtigte Bewegung

    Beeintrchtigte Mobilitt

    Beeintrchtigtes Gehen

    Risiko der Kontraktur

    Risiko der Spastik

    Risiko der Lhmung

    Risiko des Sturzes Entspannen/Schlafen/ Ruhen

    Risiko des pltzlichen Kindstods

    Beeintrchtigte Entspannung

    Beeintrchtigter Schlaf

    Risiko des Schlafdefizits

  • 5

    Stoffwechsel

    Risiko der Hypo-/Hyperglykmie

    Risiko der Stoffwechselentgleisung Gewebeintegritt

    Hautreaktion

    Risiko der Hautschdigung

    Risiko der Gewebeschdigung

    Risiko von Druckstellen

    Risiko der Schleimhaut-/Hautschdigung

    Vernderte Mundschleimhaut

    Risiko der Hornhautschdigung

    Beeintrchtigte Wundheilung

    Risiko der beeintrchtigten Wundheilung

    Risiko der Dislokation/Luxation

    Risiko des Anschwellens/der dembildung

    Risiko einer Verletzung

    Risiko der Infektion/Keimverschleppung Fortpflanzung

    Risiko der Gesundheitsbeeintrchtigung fr Mutter und Kind

    Risiko der ungewollten Schwangerschaft

    Beeintrchtigtes Sexualleben Krpertemperatur Risiko der Hyper-/Hypothermie

    emotionaler/psychosozialer Bereich

    Empfindungen

    Angst

    Schmerzen

    Beeintrchtigtes Empfinden

    Beeintrchtigtes Wohlbefinden

    Gefhl der Langeweile

    Persnliches Leiden

    Erschpfung

    Risiko der Erschpfung

    Schamgefhl Wahrnehmungen

    Beeintrchtigte Orientierung

    Beeintrchtigtes Krperschema/-bild

    Beeintrchtigtes Selbstkonzept/-bild

    Risiko der Bewusstseinsstrung

    Beeintrchtigtes Bewusstsein

    Beeintrchtigte Wahrnehmung Interaktion

    Beeintrchtigte Beziehung

    Beeintrchtigte Interaktion

    Risiko der beeintrchtigten Interaktion

    Beeintrchtigte Kommunikation

    Risiko der inadquaten/ineffektiven Kommunikation

    Risiko unerfllter Bedrfnisse Handlung/Verhalten

    Beeintrchtigte Anpassung

    Beeintrchtigtes Verhalten

    Beeintrchtigte Problem-/Bewltigungsstrategie

    Gesundheitsgefhrdendes Verhalten

    Risiko der Selbst-/Fremdgefhrdung

    Selbst-/fremdgefhrdendes Verhalten

    Selbstverletzendes Verhalten

    Risiko der unwirksamen Therapie

    Risiko der Nichterreichung gesundheitsbezogener Ziele

    Risiko des Suizids

    Risiko der Flucht Aktivitt/ Alltagsge-staltung

    Beeintrchtigte Selbstfrsorge

    Risiko des Selbstfrsorgedefizits

    Selbstfrsorgedefizit Hauswirtschaft

  • 6

    Beeintrchtigte Freizeitgestaltung

    Beeintrchtigte Durchfhrung von Aktivitten

    Beeintrchtigte Tages-/Lebensgestaltung

    Dependenzpflegedefizit

    Risiko des Dependenzpflegedefizits Persnliche Entwick-lungen

    Beeintrchtigte Entscheidungsfhigkeit

    Beeintrchtigte Entwicklung

    Risiko der beeintrchtigten Entwicklung

    Beeintrchtigte Zukunftsperspektive

    Beeintrchtigte Gewohnheiten

    Beeintrchtigte Lebensqualitt

    Beeintrchtigte kognitive Leistungsfhigkeit

    Beeintrchtigte Selbstachtung

    Beeintrchtigte Sterbephase Wissen

    Fehlende Informationen/Fhigkeiten

    Beeintrchtigte Informationsverarbeitung Gesellschaft

    Risiko der beruflichen Ausgliederung

    Risiko der sozialen Ausgrenzung

    Risiko der sozialen Isolation

    Risiko des finanziellen/sozialen Ruins

    Beeintrchtigte(r) Religionsausbung/Glaube

    Rollenkonfl