Yamanobe, Galerie Friedrich M¼ller, 2009

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Yamanobe 2009 Galerie Friedrich Müller De / En68 S.35 Farbabbildungen26 x 21 cmText: Susanne Wedewer-Pampus, Kunstverein Leverkusen

Transcript of Yamanobe, Galerie Friedrich M¼ller, 2009

  • YAMANOBE

  • HIDEAKI YAMANOBE

    Galerie Friedrich Mller

  • Zwischenrume ZwischentneZu den Arbeiten von Hideaki Yamanobe

    William Turner nutzte sein ganzes malerisches Knnen, um den englischen Nebel auf die Leinwand zu bannen; chinesische und japanische Tuschmaler lieen Nebel aus dem unberhrten Grund ihrer Papiere aufsteigen. Hideaki Yamanobe als in Deutsch-land lebender Japaner bewegt sich mit seinen Arbeiten der Serie Stratus genau zwischen diesen beiden Positionen, ihm gelingt eine Art Brckenschlag zwischen diesen so verschiedenen Welten, der Welt des Ausfllens, des Besetzens von Bild-Raum und der des yohaku. Yohaku ist, wie Eberhard Deltz in seinem aufschluss-reichen Text ber zwei Arbeiten des Komponisten Helmut Lachenmann und Hideaki Yamanobe darlegt, die leere Flche, die nicht bemalte, die aber keine bloe Leere ist. Es ist gerade der unendliche Raum als der unfassbare Urgrund aller rumlichen Beziehungen, das Symbol des absoluten Nichts als des schpferischen Ursprung allen Seins. Doch anders als bei den alten Meistern ist diese Flche bei Yamanobe nicht leer im Sinne von nicht bemaltem Papier. Vielmehr lsst er die weie Flche erst whrend eines sehr raschen Malprozesses schrittweise, schichtweise Gestalt annehmen als Material. Hideaki Yamanobe malt zuerst Schwarz, dann berzieht er die gesamte Flche mit einer beinahe transparenten Schicht aus Acrylfarben und Bindemittel bzw. Texturpaste. So baut er den Nebel, die Luft, die Wolken auf, als gesttigte Materie, die, verhllend, einhllend, nicht bereit ist, Erscheinungen, Gegebenheiten ohne weiteres dem Blick preiszugeben. Erst langsam findet das Auge in manchen Arbeiten der Reihe Stratus kleine Spuren des zugrunde liegenden Schwarz, das hier und da durchscheint, die Leere und Offenheit der weien Flche unterbricht und unterstreicht. Assoziationen werden geweckt an Nadelbume, Lichtungen, Bergkuppen an vorgestellte, an erin-nerte Welten, die aus dem Nebel, dem Dunst, diesem silent curtain, hervortreten. Weit erstrecken sie sich in die Tiefe des Bildraumes hinein, ohne Grenzen, ohne ein klares Davor oder Dahinter, ein Darin. Die unglaubliche Stille, die uns als Weggefhrtin des Nebels und seiner Forma-tionen umgibt, scheint wie dieser die Sinne zu schrfen und lsst bei der ersten tastenden Erkundung auer dem Gefhl von Temperaturen auch Klnge aus unserer Erinnerung emporsteigen, die eng mit gesehener und erlebter Natur verbunden sind wie das Zirpen von Zikaden zum Beispiel, das leise Fallen des Regens. Rumlichkeit entsteht innerhalb dieser von Yamanobe umrissenen Leere, eine atmo-sphrische Rumlichkeit, die den Betrachter umschliet, ihn einschliet. In seinem Beitrag Die erfllte Leere und der moderne Minimalismus verweist Markus Brderlin auf Gernot Bhme, fr den Atmosphre eine bestimmte sthetische Erfahrung (ist), die das Unsichtbare sprbar macht und eng mit elementarer Naturerfahrung

  • verbunden ist. Mit dem Begriff der Atmosphre habe Bhme eine ideengeschicht-liche Brcke zwischen dem naturverbundenen Osten und dem naturberwindenden Westen entdeckt. Die Atmosphre ist der Leerraum, der erfllte Leerraum, zwischen den Dingen und den Krpern. Dieser Begriff des Leerraums erweist sich, wie der der Atmosphre, als zentral im Werk von Hideaki Yamanobe, bei der Reihe Stratus wie auch bei den mit Faade benannten Arbeiten. Faade, das sind umrisshaft in der Leere des Bild-Raums skizzierte Flchen, linear gesetzt auf grundierte Holztafeln, mit Japanpapier berzogen oder erneut mit Farbe, manchmal in einem Rot, dessen Ton stark der berhmten Ochsenblutglasur klas-sischer chinesischer Keramik hnelt. Yamanobe spricht von als Zwischenrume wahrgenommenen architektonischen Elementen, von Wnden als Raum definierende Trennungen und Verbindungen von Innen und Auen, die sich erst in jngerer Zeit als unverrckbar, als manifest erwiesen haben. Ihre ursprngliche Durchlssigkeit ist weitgehend verloren gegangen. Durch die Verwendung des Japanpapiers, das die einzelne Arbeit wie eine Haut umspannt, ihr eine fast milchige Erscheinungsweise verleiht, wird die Faade wie durch einen Filter gesehen mehr vage Idee als Bild gewordene Vorstellung, Hlle, ohne Ort, ohne verbindliches Ma. Fr Adolf Muschg ist das Ma aller Dinge, wenn schon, die richtige Nhe, die gebotene Ferne zu dem, was mit uns ist nicht der gesicherte Raum, sondern der flexible Zwischenraum. Und da sich die Dinge ndern, wie unser Blick auf sie, ist dieses Ma nie dasselbe. Es bewegt sich mit jedem Tag, der vergeht, und bewegt uns, die langsamer Vergehenden, auch. Die Magre, die meinen Blick und mein Verhal-ten bestimmt, hat Folgen fr meine Deutung der Welt, etwa fr die Interpretation von Drinnen und Drauen. In der Bild-Welt von Hideaki Yamanobe verlieren diese Kategorien augenscheinlich ihre Bedeutung. So ist es an uns, die richtige Nhe erneut zu bestimmen!

    Susanne Wedewer-Pampus, Mrz 009

    Markus Brderlin, Die erfllte Leere und der moderne Minimalismus, Japan und der Westen, in: Ausst.-Kat. Japan und der Westen, Die erfllte Leere, Kunstmuseum Wolfsburg, .9.07 bis 13.1.08, S. 5 ff. Adolf Muschg, Die Insel, die Kolumbus nicht gefunden hat, Sieben Gesichter Japans, . Aufl., Mnchen 199, S.

  • Intermediate Spaces Intermediate TonesThe Works of Hideaki Yamanobe William Turner made use of his full abilities as a painter in order to capture Englands fog on the canvas; Chinese and Japanese ink brush painters let fog rise up from the untouched ground of the paper on which they paint. As a Japanese artist living in Germany, Hideaki Yamanobe oscillates precisely between these two positions in the works of his Stratus series. He succeeds in somehow bridging the gap between these two so different worlds, the world of filling out and occupying pictorial space and the world of yohaku. As Eberhard Deltz explains in his informative text about two works by the composer Helmut Lachenmann and Hideaki Yamanobe, yohaku is the empty surface, left unpainted, but not just void. It is precisely this infinite space as the incomprehensible basis of all spatial relationships, the symbol of absolute nothing-ness as the creative origin of all existence. But unlike the old masters, Yamanobe does not leave this surface empty in the sense of unpainted paper. Instead he allows the white areas to take form in steps and layers while he rapidly executes the painting process. Hideaki Yamanobe begins by painting in black, then he covers the entire surface with an almost transparent layer of acrylic paint and binder or texture paste. Thus he builds up the fog, the air, and the clouds as saturated matter, veiling and enshrouding, not ready to expose appearances and conditions to the viewers gaze straight away. In some works in the Stratus series it is only possible to recognize subtle traces of the underlying black appearing here and there, interrupting and accentuating the emptiness and openness of the white surface. They evoke associations with conifers, clearings, and mountaintops with imagined or remembered worlds which emerge from the silent curtain of fog or haze. They extend far into the depth of the pictorial space, without limits, without a clearly defined sense of what is in front or behind, but are simply within. The unbelievable silence that surrounds us, as a companion of fog and its forma-tions, seems, like the fog, to sharpen our senses, thereby allowing not only a feeling for temperatures to rise up from our memories in the wake of our first attempts to grapple with its exploration, but also for sounds to emerge, and these are closely connected with what we have seen and experienced in nature, such as the chirping of cicadas or softly falling rain. A sense of space is created within the emptiness that Yamonobe outlines, an atmospheric sense of space, which encompasses the observer and surrounds him. In his article Die erfllte Leere und der moderne Minimalismus (The Filled Void and Modern Minimalism), Markus Brderlin refers to Gernot Bhme, who consid-ers atmosphere as a certain aesthetic experience which allows one to sense the

  • 8invisible and which is closely connected to the elementary experience of nature. With the notion of atmosphere, Bhme is seen to have discovered a bridge in the history of ideas between the nature-loving East and the nature-vanquishing West. Atmosphere is the empty space, the fulfilled blanks between the objects and the bodies. This notion of empty space proves, like the concept of atmosphere, to be central in the work of Hideaki Yamanobe, both in the Stratus series as well as in the paintings referred to as faades. Faades are areas that are sketched as outlines into the emptiness of the pictorial space, they are inscribed lineally into grounded wooden panels, which are then covered with Japanese paper or painted over once again, sometimes in a red reminiscent of the famous ox blood glaze used for classical Chinese ceramics. Yamanobe speaks of architectural elements viewed as intermediate spaces, of walls serving to definine separations and connections between rooms and between inside and outside, which have only recently proved to be immobile and manifest. Their original permeability has been, for the most part, lost. By using Japanese paper, which envelopes the individual work like a skin, giving it an almost milky appearance, the faade is then seen as if through a filter more of a vague idea than a full-fledged image born of the imagination, a shroud without location, without obligatory measure. For Adolf Muschg the measure of all things is, if one is to take measure at all, the correct proximity, the prudent distance to what is with us not the fixed space but rather the flexible intermediate space. And since things change, just as our view of them does, this measure is never the same. It shifts with every day that passes, and also moves us, as we progress in a slower state of transition. The dimensions that define my view and my behaviour h