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  • Yuval Noah Harari

    Eine kurze Geschichteder Menschheit

    Aus dem Englischen

    von Jrgen Neubauer

    Pantheon

  • Die hebrische Originalausgabe ist 2011 unter dem Titel

    A Brief History of Mankind Kizur Toldot Ha-Enoshut

    bei Kinneret Zmora-Bitan Dvir in Or Yehuda erschienen.

    Der Verlag weist ausdrcklich darauf hin, dass im Text

    enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt

    der Buchverffentlichung eingesehen werden konnten.

    Auf sptere Vernderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss.

    Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

    Verlagsgruppe Random House FSC N001967

    Zweiundzwanzigste Auflage

    Pantheon-Ausgabe Mrz 2015

    Copyright der deutschsprachigen Ausgabe

    2013 by Deutsche Verlags-Anstalt, Mnchen,

    in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

    Neumarkter Str. 28, 81673 Mnchen

    Umschlaggestaltung: Jorge Schmidt, Mnchen

    Karten und Grafiken: Peter Palm, Berlin

    Typografie und Satz: Brigitte Mller

    Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck

    Printed in Germany

    ISBN 978-3-570-55269-8

    www.pantheon-verlag.de

    www.fsc.org

    MIX

    Papier aus verantwor-tungsvollen Quellen

    FSC C083411

  • Im Andenken an meinen VaterShlomo Harari

  • 7

    Inhalt

    Teil 1: Die kognitive Revolution

    1 Ein ziemlich unaulliges Tier 112 Der Baum der Erkenntnis 323 Ein Tag im Leben von Adam und Eva 574 Die Sintut 85

    Teil 2: Die landwirtschaftliche Revolution

    5 Der grte Betrug der Geschichte 1016 Pyramiden bauen 1267 Speicher voll 1528 Die Geschichte ist nicht gerecht 168

    Teil 3: Die Vereinigung der Menschheit

    9 Der Pfeil der Geschichte 20110 Der Geruch des Geldes 21311 Der Traum vom Weltreich 23112 Das Gesetz der Religion 25313 Das Erfolgsgeheimnis 289

    Teil 4: Die wissenschaftliche Revolution

    14 Die Entdeckung der Unwissenheit 30115 Wissenscha und Weltreich 33616 Die Religion des Kapitalismus 37417 Das Rderwerk der Industrie 40818 Eine permanente Revolution 427

  • 19 Und sie lebten glcklich bis ans Endeihrer Tage 458

    20 Das Ende des Homo sapiens 484

    Nachwort 507

    Karten 509Abbildungen 510Anmerkungen 512

  • TEIL 1

    DIE KOGNITIVE

    RE VOLUTION

  • 10

    1. Abdruck einer menschlichen Hand in der Chauvet-Hhle in Sdfrankreich.

    Diese Kunstwerke sind etwa 30 000 Jahre alt und wurden von Menschen hin-

    terlassen, die aussahen, dachten und fhlten wie wir. Vielleicht wollte er oder

    sie sagen: Ich war hier!

  • 11

    Kapitel 1

    Ein ziemlich unaulliges Tier

    Vor rund 13,5 Milliarden Jahren entstanden Materie, Energie, Raumund Zeit in einem Ereignis namens Urknall. Die Geschichte diesergrundlegenden Eigenschaen unseres Universums nennen wir Physik.

    Etwa 300 000 Jahre spter verbanden sich Materie und Energiezu komplexeren Strukturen namens Atome, die sich wiederum zuMoleklen zusammenschlossen. Die Geschichte der Atome, Mole-kle und ihrer Reaktionen nennen wir Chemie.

    Vor 3,8 Milliarden Jahren begannen auf einem Planeten namensErde bestimmte Molekle, sich zu besonders groen und komplexenStrukturen zu verbinden, die wir als Organismen bezeichnen. DieGeschichte dieser Organismen nennen wir Biologie.

    Und vor gut 70 000 Jahren begannen Organismen der Art Homosapiens mit dem Auau von noch komplexeren Strukturen namensKulturen. Die Entwicklung dieser Kulturen nennen wir Geschichte.

    Die Geschichte der menschlichen Kulturen wurde von drei gro-en Revolutionen geprgt. Die kognitive Revolution vor etwa 70 000Jahren brachte die Geschichte berhaupt erst in Gang. Die land-wirtschaliche Revolution vor rund 12 000 Jahren beschleunigtesie. Und die wissenschaliche Revolution, die vor knapp 500 Jah-ren ihren Anfang nahm, knnte das Ende der Geschichte und derBeginn von etwas vllig Neuem sein. Dieses Buch erzhlt, welcheKonsequenzen diese drei Revolutionen fr den Menschen und seineMitlebewesen hatten und haben.

  • Die kognitive Revolution

    12

    Menschen gab es schon lange vor dem Beginn der Geschichte. Die ers-ten menschenhnlichen Tiere betraten vor etwa 2,5 Millionen Jahrendie Bhne. Aber ber zahllose Generationen hinweg stachen sie nichtaus der Vielzahl der Tiere heraus, mit denen sie ihren Lebensraumteilten. Wenn wir 2 Millionen Jahre in die Vergangenheit reisen undeinen Spaziergang durch Ostafrika unternehmen knnten, wrdenwir dort vermutlich Gruppen von Menschen begegnen, die uerlichgewisse hnlichkeit mit uns haben. Besorgte Mtter tragen ihre Babysauf dem Arm, Kinder spielen im Matsch. Von irgendwoher dringtdas Gerusch von Steinen, die aufeinandergeschlagen werden, undwir sehen einen ernst dreinblickenden jungen Mann, der sich in derKunst der Werkzeugherstellung bt. Die Technik hat er sich bei zweiMnnern abgeschaut, die sich gerade um einen besonders fein gear-beiteten Feuerstein streiten; knurrend und mit geetschten Zhnentragen sie eine weitere Runde im Kampf um die Vormachtstellung inder Gruppe aus. Whrenddessen zieht sich ein lterer Herr mit weienHaaren aus dem Trubel zurck und strei allein durch ein nahe gelege-nes Waldstck, wo er von einer Horde Schimpansen berrascht wird.

    Diese Menschen liebten, stritten, zogen ihren Nachwuchs auf underfanden Werkzeuge genau wie die Schimpansen. Niemand, schongar nicht die Menschen selbst, konnte ahnen, dass ihre Nachfahreneines Tages ber den Mond spazieren, Atome spalten, das Genomentschlsseln oder Geschichtsbcher schreiben wrden. Die pr-historischen Menschen waren unaullige Tiere, die genauso vieloder so wenig Einuss auf ihre Umwelt hatten wie Gorillas, Libellenoder Quallen.

    Biologen teilen Lebewesen in verschiedene Arten ein. Tiere geh-ren derselben Art an, wenn sie sich miteinander paaren und fort-panzungsfhige Nachkommen zeugen. Pferde und Esel haben einengemeinsamen Vorfahren und viele gemeinsame Eigenschaen, dochwas die Fortpanzung angeht, haben sie kein Interesse aneinander.Man kann sie zwar dazu bringen, sich zu paaren, doch die Maul-tiere, die aus dieser Verbindung hervorgehen, sind unfruchtbar. Das

  • 13

    Ein ziemlich unaulliges Tier

    ist ein Zeichen dafr, dass sie unterschiedlichen Arten angehren.Anders Bulldoggen und Cockerspaniel: Sie unterscheiden sich zwaruerlich ganz erheblich, doch sie paaren sich sehr bereitwillig, undihr Nachwuchs kann mit anderen Hunden neue Welpen zeugen.Bulldoggen und Cockerspaniel sind also Angehrige derselben Art,nmlich der Hunde.

    Arten mit einem gemeinsamen Vorfahren werden o zu Gattun-gen zusammengefasst. Lwen, Tiger, Leoparden und Jaguare sindbeispielsweise unterschiedliche Arten der Gattung Panthera. Biolo-gen geben Lebewesen zweiteilige lateinische Namen: der erste Teilbezeichnet die Gattung, der zweite die Art. Der Lwe heit zumBeispiel Panthera leo: die Art Leo aus der Gattung der Panthera. AlsLeser dieses Buchs gehren Sie vermutlich den Homo sapiens an der Art Sapiens (weise) aus der Gattung Homo (Mensch).

    Gattungen werden wiederum zu Familien zusammengefasst,zum Beispiel den Katzen (Lwen, Geparden, Hauskatzen), Hun-den (Wlfe, Fchse, Schakale) oder Elefanten (Elefanten, Mammuts,Mastodonten). Alle Angehrigen einer Familie lassen sich auf einengemeinsamen Urahn zurckfhren. Alle Katzen, vom zahmstenHausktzchen zum wildesten Lwen, gehen auf einen gemeinsamenKatzenvorfahren zurck, der vor rund 25 Millionen Jahren lebte.

    Natrlich gehrt auch der Homo sapiens einer Familie an. Diesescheinbar so banale Tatsache war eines der bestgehteten Geheim-nisse der Geschichte. Der Homo sapiens tat nmlich lange so, alshabe er nichts mit dem Rest der Tierwelt zu tun und sei ein Waisen-kind ohne Geschwister und Vettern und vor allem ohne Eltern. Dasist natrlich nicht der Fall. Ob es uns gefllt oder nicht, wir gehrender groen und krawalligen Familie der Menschenaen an. Unserenchsten lebenden Verwandten sind Gorillas und Orang-Utans. Amallernchsten stehen uns jedoch die Schimpansen. Vor gerade ein-mal sechs Millionen Jahren brachte eine n zwei Tchter zur Welt:Eine der beiden wurde die Urahnin aller Schimpansen, die andereist unsere eigene Ur-Ur-Ur-Gromutter.

  • 14

    Leichen im Keller

    Der Homo sapiens hat aber ein noch viel dunkleres Geheimnis geh-tet. Wir haben nmlich nicht nur eine Horde von unzivilisiertenVettern. Es gab eine Zeit, in der wir auch eine Menge Brder undSchwestern hatten. Wir nehmen zwar den Namen Mensch fruns allein in Anspruch, doch frher gab es auch eine ganze Reiheanderer Menschenarten. Menschen waren sie deshalb, weil sie derGattung Homo angehrten, die vor rund 2,5 Millionen Jahren auseiner lteren Aengattung namens Australopithecus, dem sdlichenAen, hervorging. Vor rund 2 Millionen Jahren verlieen dieseUrmenschen ihre ursprngliche Heimat in Ostafrika und machtensich auf den langen Marsch nach Nordafrika, Europa und Asien.Und da das berleben in den verschneiten Wldern Nordeuropasandere Fhigkeiten erfordert als im schwlen Dschungel Indonesi-ens, entwickelten sich die Auswanderergruppen in unterschiedlicheRichtungen. Das Ergebnis waren verschiedene Arten, die von Wis-senschalern mit jeweils eigenen, hochtrabend klingenden lateini-schen Namen getau wurden.

    In Europa und Westasien entwickelte sich der Mensch zum Homoneanderthalensis, dem Mensch aus dem Neandertal oder kurzNeandertaler. Dieser Neandertaler war kriger gebaut und mus-kulser als der moderne Mensch und bestens auf das Eiszeitklima inEurasien eingestellt. Auf der indonesischen Insel Java lebte dagegender Homo soloensis, der Solo-Mensch, der besser an das Lebenin den Tropen angepasst war. Ebenfalls im indonesischen Archipel,auf der kleinen Insel Flores, lebten Menschen, die in der Presse gernsalopp als Hobbits bezeichnet werden, die in der Wissenschajedoch als Homo oresiensis bekannt sind. Diese speerschwingendenZwerge wurden nur einen Meter gro und wogen gerade