Aall, Herman - Weltherrschaft und die Rechtlosigkeit der Meere (1940)

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Transcript of Aall, Herman - Weltherrschaft und die Rechtlosigkeit der Meere (1940)

  • Aall

    Weltherrschaft

  • Titel der norwegischen Originalausgabe

    Verdensdespoliet og hauets frihet

    Einband und Schutzumschlag: Fritz Dubbert, Essen. Alle Rechte vorbehalten. Copyright 1940 by Essener Verlagsanstalt G.m.b.H., Essen. Satz und Druck: National-Zeitung, Verlag und

    Druckerei G.m.b.H., Essen. Printed in Germany. Verlagsnummer 136

  • Eine Antwort auf die Frage: Was ist Wahrheit? erhlt nur derjenige, den es mehr danach drngt, die Wahrheit zu erkennen, als 'dem Schrei: "Kreuziget ihn!" zu folgen.

  • Vorwort

    "In der Erwgung, da es zur Frderung der Zusammenarbeit unter den l-1 alionen und zur Gewiihrleistung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit wesentlich ist,

    bestimmte Verpflichtungen zu bernehmen, nicht zum I(riege zu schreiten; in aller Offentliehkeil auf Gerechtigkeit und Ehre gegrndete internationale Beziehungen zu unterhalten; die Vorschriften des internationalen Rechtes, die frderhin als Richtschnur fr das talschliche Verhalten der Regierungen anerkannt sind, genau zu beobachten; die Gerechtigkeit herrschen zu lassen ... ,

    nehmen die Hohen vertragschlieenden Teile die gegenwrtige Satzung die den Vlkerbund errichtet, an."

    (Einleitung zum Vlkerbundspakt.)

    "Recht ohneMacht ist lahm. Macht ohne Recht ist Despotie. Recht ohne Macht ist eine Illusion, weil es immer schlechte Afenschen geben wird. Macht ohne Recht ist selbstherrlich.-Darum mssen wir Recht undMacht verbinden und dieDinge so ordnen, da das, was Recht ist, Macht erhlt und das, was Macht hat, nach Recht geleitet wird."

    (Pascal)

    Das Rechtsbewutsein ist allgemein so weit entwickelt, da jeder wei: Friede kann nur auf Recht aufgebaut werden. Das bedeutet, da Kriege entstehen mssen, solange ein Gewaltzustand, also ein Unrecht, zwischen den Staaten obwaltet.

    Macht kann im Dienste der Gerechtigkeit angewandt und somit von Rechtsgedanken geleitet werden. Zu Lande besteht auch whrend eines Krieges eine gewisse Rechtsordnung. Plnderung ist ein Verbrechen. Waffenlose drfen nicht angegriffen werden. Die Kriegfhrenden drfen nur die Wehrmacht ihrer Gegner bekmpfen1 nicht dagegen deren nichtkmpfende Bevlkerung. Die Angegriffenen sind menschlich zu behandeln.

    Zu Wasser herrscht whrend eines Krieges kein entsprechendes Vlkerrecht. Der Kriegfhrende kann den Brgerp. des bekmpften Staat'es

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    alles Privateigentum rauben. Er kann auch versuchen, eine ganze Nation auszuhungern, auch deren wehrlose Frauen und Kinder, kann sie "blokkieren", um die I{ampftruppen des Gegners durch die Leiden der '\X/ehr= losen zu treffen. Dies ist ein Angriffsmittel, das kein zivilisierter Staat gegen seine schlimmsten Verbrecher anwendet. In seinen Folgen bedeutet es Selbstmord der Menschheit. Ebenso kann die kriegfhrende Macht Auenstehende, die Neutralen, angreifen; sie kann willkrliche Bestimmungen darber treffen, welche Waren sie als "Konterbande" bezeichnet, was also diese dem Gegner nicht zufhren drfen. Selbst die gewhnlichen Nahrungsmittel werden als "Konterbande" bezeichnet. Dadurch kann die kriegfhrende Macht sich auch des Eigentums und der Schiffe der Neutralen bemchtigen. Sie erhebt sich zum Richter in eigener Sache -sie setzt Brger des eigenen Landes unter der Bezeichnung "Prisengericht" als Richter zwischen sich und den Neutralen ein.

    Die Form des Angriffs bestimmt die Form der Verteidigung. Solche Gewaltmethoden zwingen den Angegriffenen dazu, mit gleicher Mnze zu zahlen. Auf diese Weise werden die augewandten Mittel immer schrfer und schrfer: Die brutalsten sind die wirksamsten.

    Dieser Gewaltzustand auf dem Meere zieht die Kampfform zu Lande auf dieselbe Stufe herab. Er beeinflut die Gesinnung und damit die Form des Kampfes. Durch diese mangelnde Rechtsordnung sinken die Vlker zur Barbarei hinab. Der britische Vertreter, Sir Cecil Hurst, erklrte darum auch bei der Sitzung des Vlkerbundes in Genf am 12. September 1924:

    "Es gibt kein Vlkerrecht- besonders nicht zur See." Durch Jahrhunderte hindurch haben nach und nach alle zivili

    sierten Staaten diesen Gewaltzustand zu Wasser verworfen und auch hier eine Ordnung gleicher Rechtsgrundstze, wie sie zu Lande besteht, gefordert. Diese Rechtsordnung ist und wird einzig und allein von einem einzigen Staate verhindert: vo_n England, a1lerdings jetzt auch von seinen Verbndeten.

    Englands Politik ist stets darauf gerichtet gewesen, sich die Herrschaft ber die Meere zu sichern. Zu diesem Zweck hat es sich die strkste Flotte geschaffen und jeden Staat, der sich zum Schutze gegen Raub eine Flotte baute, bekriegt, ehe dieser mit dem Bau fertig war. Darauf bemchtigte sich England der Kriegs- und Handelsschiffe, der Waren, der Absatzmrkte und der Kolonien des Gegners.

    Auerdem eignete es sich neutrale Schiffe und deren Waren als Konterbande an.

    Es herrscht kein Zweifel darber, da dieser Gewaltzustand auf dem Meere demjenigen, der dort am strksten ist, groe materielle Vorteile verschafft. Der britische Reichtum hat hierin seine Hauptquelle ;' das britische Weltreich ist auf der Rechtlosigkeit der Meere aufgebaut.

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    Es ist zu verstehen, da diese Vorteile die britische Politik verlockt haben und noch in Versuchung fhren, nicht zuletzt, wenn eine Konkurrenz um die nchstgrte Eii;J.nahmequeile -den Welthandel -entsteht. Es besteht aber kein Zweifel darber, da sich ein Staat Vorteile aus einem solchen Gewaltzustand nur durch Krieg schaffen kann.

    Die Rechtlosigkeit auf den Meeren ist darum seit Jahrhunderten die Hauptursache zu Kriegen gewesen. Darber ist sich die britische Politik auch im klaren. Die "Times" zhlt z. B. am 1. August 1914 die ver

    .schiedenen Staaten auf, mit denen England Krieg gefhrt hat, um seine Machtstellung zu behaupten: Spanien, die Niederlande, Frankreich -und jetzt war die Reihe an Deutschland gekommen.

    Whrend andere Staaten versuchten, eine rechtliche Ordnung ber die Meere zu schaffen, wies England jede Schranke gegen seine Willkr zurck, ganz gleich, ob sie sich aus Rechtsregeln oder aus den Machtmitteln anderer Staaten ergab.

    Whrend des Weltkrieges stellte Englands eigener Verbndeter, die USA., die Forderung nach der Freiheit der Meere als den zweiten der 14 Punkte auf, auf deren Grundlage der Friede geschlossen werden sollte. Als die Zentralmchte unter Bezugnahme darauf einen Waffenstillstand schlossen, strich England (am 5. November 1918) diesen Punkt.

    Solange der Gewaltzustand auf dem Meere besteht, wird es nicht mglich sein, Frieden zwischen den Vlkern herzustellen.

    Es ist die besondere Aufgabe der Neutralen, den Rechtsgedanken gegenber den Kriegfhrenden zu behaupten und eine Grundlage fr die Rechtsordnung, die den Fortschritt bedeutet, zu schaffen.

    Das Wohlergehen der Menschheit fordert von den Neutralen, nicht nur egoistisch die eigenen Interessen wahrzunehmen. Neutralitt bedeutet nicht nur, die Rolle des Priesters und Leviten gegenber dem unter die Ruber Gefallenen zu spielen. In demselben Mae, wie sie als Neutrale auf die Anwendung von Macht verzichten, haben sie die Verpflichtung, gemeinsam die Prinzipien des Rechtes klar zu vertreten und somit dem Verletzten moralische Untersttzung zu gewhren.

    Eben diese Interessen, die den Gewaltzustand auf dem Meere aufrechterhalten, haben jetzt \vieder den Krieg entfesselt. \"{erden sie nicht aufgedeckt und entwaffnet, so werden sie auch in Zukunft, wie in der Vergangenheit, immer neue Kriege hervorrufen.

    Darum gibt es in den internationalen Beziehungen keine wichtigere Aufgabe, als da die Neutralen sich um die Forderung sammeln, dem Gewaltzustand auf dem Meere ein Ende zu machen und eine sofortige Rechtsordnung zur See gleich der auf dem Lande zu schaffen.

    Damit wre der wichtigste Schritt zum Frieden auf Erden in der Geschichte Europas getan.

  • l. "Wenn ein Staat in der W e!t dominieren will "

    Am 16. und 23. Mrz 1939 erklrte Englands Premierminister Chamberlain, da es wohl niemanden gbe, der an seinem Friedenswillen zweifelte, aber wenn irgendeine Macht versuchen sollte, in der Welt zu dominieren, so wrde England alles daransetzen, um seine Freiheit zu behaupten. Dominieren heit so viel, als da jemand einen anderen mit Gewalt zwingt, den Interessen des Machthabers zu dienen, statt seinen eigenen ebenbrtigen Interessen zu folgen.

    Chamberlains Worte fanden im britischen Parlament Zustimmung, und dieser Gedanke wurde spter das offizielle Programm fr Englands Politik und schlielich auch fr seinen - und auch Frankreichs - Krieg gegen Deutschland vom 3. September 1939.

    Man hat somit volles Recht, davon auszugehen, da England dies als ein allgemeingltiges Prinzip fr die Politik der Staaten anerkennt: Kein einzelner Staat darf das Recht besitzen, in der Welt durch seine Macht zu dominieren.

    Das bedeutet, da zwischen den Staaten dieselben gegenseitigen Kulturprinzipien herrschen sollen, wie sie in jedem einzelnen von ihnen anerkannt werden, nmlich Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit auf der Grundlage der Gleichberechtigung.

    2. Krieg und Frieden ist eine Angelegenheit aller Staaten, auch der neutralen

    Die Frage, ob Krieg oder Fr:ieden zwischen den Staaten herrschen soll, betrifft alle Nationen der Welt. Jeder Krieg greift in das Leben jeder einzelnen Nation ein und stellt die Frage: Wer von den streitenden Parteien trgt die Verantwortung fr den Krieg? Denn wenn das Unrecht siegen sollte; entsteht fr jeden anderen Staat die Drohung nach dem Grundsatz: heute dir, morgen mir.

    Auer den kmpfenden Parteien werden auch andere Staaten direkt oder indirekt vom Kriege betroffen. In der Hitze des Kampfes gehen die Kriegfhrenden ohne Rcksicht auf andere vor, soweit sie glauben, es ohne Risiko fr sich selbst tun zu knnen. Whrend des Weltkrieges wnschten die nordischen Staaten und die Niederlande sich neutra