Deutsch Im Spanischen Schulsystem

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Opciones de estudio del alemán dentro del sistema educativo español (Goethe Institut)

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Hans-Gnter Lffler | Karin Thelemann | Andreas Beensen

DEUTSCHUNTERRICHT IN SPANIENberblick 1. Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache 1.1. Deutsch im internationalen Vergleich 1.2. Sprachenlernen in der Europischen Union 1.3. Deutsch in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Spanien und Deutschland 2. Deutsch im spanischen Bildungswesen 2.1. Die gesetzliche Grundlage 2.2. Allgemeiner Aufbau des Bildungssystems im schulischen Bereich 2.2.1. Zahlen und Fakten 2.2.2. Vorschulische Erziehung (ISCED 0) 2.2.3. Primar- und Sekundarbereich I (ISCED 1 und 2) 2.2.4. Sekundarbereich Oberstufe und Berufsausbildung (ISCED 3A und 3B) 2.2.5. Escuela Oficial de Idiomas 2.2.6. Hochschulen 3. Die Frderung von Deutsch an spanischen Schulen durch die deutsche Bundesregierung 3.1. Frderung von Deutsch durch das Goethe-Institut 3.2. Deutsche Auslandsschulen 3.3. Die Initiative Schulen: Partner der Zukunft 4. Resmee und Ausblick

berblick Im ersten Abschnitt dieses Beitrags werden verschiedene belastbare Daten vorgestellt, die die Attraktivitt von Deutsch als Fremdsprache darlegen. Hierbei wird bercksichtigt, dass neben der Anzahl der Menschen, mit denen auf Deutsch kommuniziert werden kann, auch die wirtschaftliche Aktivitt dieser Personen sowie der Fremdsprachenbedarf von Unternehmen und Volkswirtschaften einbezogen werden muss. Gerade auch berufliche Perspektiven sind bei der Wahl einer Fremdsprache ausschlaggebend. Fr Spanien ist der Austausch mit den Mitgliedsstaaten der Europischen Union (EU) von zentraler wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Deshalb werden im Anschluss die Rahmenbedingungen und wichtigsten Kenngren des Sprachenlernens innerhalb der EU beschrieben. Den Abschluss des ersten Abschnitts bildet eine Charakterisierung der bilateralen Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland mit Fokus auf die Bereiche, in denen Fremdsprachenkompetenz von entscheidender Bedeutung ist: die wirtschaftlichen Beziehungen einschlielich Tourismus und der Austausch von Studenten. Der zweite Abschnitt erlutert den rechtlichen Rahmen und prsentiert Statistiken zum Deutschlernen an spanischen Schulen und Hochschulen. Im dritten Abschnitt wird die Frderung des Deutschunterrichts in Spanien durch deutsche Institutionen wie das Goethe-Institut und die von der Bundesregierung gefrderten deutschen Auslandsschulen vorgestellt, im vierten Abschnitt wird ein Resmee gezogen.

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1. 1.1.

Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache Deutsch im internationalen Vergleich

Deutsch ist als staatliche Amtssprache in Deutschland, sterreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Belgien und Italien (Provinz Bozen) verbreitet und hat insgesamt 118 Millionen Sprecher. In der Rangfolge der am meisten gesprochenen Sprachen liegt Deutsch damit weltweit sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitsprachlern auf Platz 10 (s. Tab. 1).

Sprache

Sprecher in Millionen (Erstsprache) 1213 845 329 328 242 221 181 178 144 122 90 68

Sprecher in Millionen (Zweitsprache)

Sprecher in: Zahl der Lnder (auch Migration)

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Chinesisch Davon Mandarin (Hochchinesisch)

178 60 keine Angabe 224 246 140 15 110 1 28 50

31 20 44 112 23 57 10 37 33 25 43 601

2 3 4

Spanisch Englisch Hindi / Urdu (Hindustani) Arabisch Bengalisch Portugiesisch Russisch Japanisch Deutsch Franzsisch

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Tab. 1: Die meistgesprochenen Sprachen der Welt Anfang des 21. Jahrhunderts (Stand 2009, gerundet)

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Quelle: Etnologue 2009 www.ethnologue.com/ethno_docs/distribution.asp?by=size#3 (11.4.2010)

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Abbildung 1 kann entnommen werden, dass Deutsch die am meisten gesprochene Muttersprache in der Europischen Union ist. Die am meisten gesprochene Sprache in der EU ist Englisch, das von 13 % der EU-Brger als Muttersprache und von 38 % als Fremdsprache gesprochen wird. Deutsch folgt an zweiter Stelle mit 18 % Muttersprachlern und einem Anteil von 14 % der EU-Brger, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen, gefolgt von Franzsisch, Italienisch und Spanisch.2

Abb. 1: Die meistgesprochenen Sprachen in der EU (in % der EU-Brger).

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Die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung Deutschlands und der weiteren Lnder mit deutschsprachiger Bevlkerung macht die deutsche Sprache auch ber Europa hinaus attraktiv. Nach der letzten Erhebung der 4 Lernerzahlen lernen weltweit ber 14 Millionen Menschen Deutsch . Im Jahr 2005 wurde Deutsch als Fremdsprache in 114 Staaten (auerhalb des deutschen Sprachgebietes) an ffentlichen Schulen gelernt gegenber 88 Staaten im Jahr 1983.5 Bei der Wahl einer Fremdsprache spielt eine Rolle, welchen Mehrwert bzw. welchen persnlichen Vorteil der Lernende fr sich sieht. Um die Anziehungskraft einer Sprache z.B. aus einer wirtschaftlichen Perspektive zu quantifizieren, bietet sich eine Kombination der Sprecherzahl mit dem Bruttonationaleinkommen als Mastab der konomischen Strke einer Sprache an, wie ihn der Soziolinguist Ulrich Ammon vorschlgt.6 Bei einem derartigen Vergleich rangieren die Muttersprachler des Deutschen nach der Hhe an dritter Stelle aller Sprachen. In Abb. 2 ist ein solcher Vergleich der konomischen Strke der weltweit am meisten gesprochenen Sprachen dargestellt. Anhand dieser Aufstellung ist die Diskrepanz zwischen Sprecherzahlen und Wirtschaftskraft der Sprachgemeinschaften ersichtlich.

Quelle: Eurobarometer, Die Europer und ihre Sprachen, Februar 2006, http://ec.europa.eu/education/languages/pdf/doc629_de.pdf. Dazu wurden 2005 ber 64 Mio. EU-Brger befragt sowie Brger aus Bulgarien, Rumnien, Kroatien und der Trkei. 3 Quelle: ebd, 4 Quelle: Netzwerk Deutsch, Berlin, Bonn, Kln, Mnchen 2010, www.diplo.de/diplo/de/Aussenpolitik/KulturDialog/DSDI/PublStatistik.pdf (August 2010) 5 Quelle: U. Ammon, Welche Rolle spielt Deutsch international?, in: magazin-deutschland 2/2010, www.magazine-deutschland.de/nc/de/heftarchiv/heftdetail/mdissue/102.html. 6 Quelle: ebd.

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Abb. 2: konomische Strke weltweit in Mrd. $ der am meisten gesprochenen Sprachen. Dazu wurde das jeweilige Bruttonationaleinkommen entsprechend der Anteile der Muttersprachler aufgeschlsselt und nach Sprachen zusammengefasst. So wurde z.B. fr Deutsch 63,7 % des Bruttonationaleinkommens der Schweiz eingerechnet, was dem 7 Anteil der Schweizer entspricht, die Deutsch als Muttersprache sprechen.

Die konomische Strke eines Landes ist fr Fremdsprachenlerner ein wichtiges Entscheidungskriterium, sie macht neben Faktoren, wie der der Anzahl der Sprecher, die Attraktivitt einer Fremdsprache aus. In Abb. 3 sind die Lnder mit den hchsten Einfuhren und Ausfuhren im Jahr 2008 dargestellt. Man erkennt, dass Deutschland zum damaligen Zeitpunkt nicht nur der grte Exporteur, sondern auch das Land mit der

Abb. 3: Lnder mit der hchsten Ein- und Ausfuhr 2008.7

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Quelle: U. Ammon, Die Stellung der deutschen Sprache in der heutigen Welt, 2009, unverffentlichtes Manuskript. 8 Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2009, S. 718

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zweitgrten Nachfrage nach Waren aus anderen Lndern ist. Um ein vollstndiges Bild zu zeichnen, sind Deutschland und die anderen Lnder mit deutschsprachiger Bevlkerung also nicht nur als starker Wirtschaftsstandort, sondern auch als attraktiver Absatzmarkt zu betrachten, auf dem Wettbewerber mit Deutschkenntnissen im Vorteil sind. Der Zusammenhang zwischen Wettbewerbsvorteilen und Fremdsprachenkenntnissen ist wissenschaftlich belegt. Die 2006 im Auftrag der EU-Kommission durch die Befragung von 30 multinationalen und fast 2.000 kleinen und mittleren Unternehmen aus 29 europischen Lndern durchgefhrten ELAN-Studie zeigt, dass Mehrsprachigkeit die Chancen von Bewerbern auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Das Beherrschen mehrerer Fremdsprachen gewinnt nicht nur in groen, sondern auch in mittelstndischen Unternehmen immer grere Bedeutung. Der Studie zufolge ist Englisch als weltweite Lingua Franca zwar inzwischen unverzichtbar, macht allerdings nur einen Teil der Fremdsprachenkenntnisse aus, die fr die Mitarbeit in den befragten Unternehmen bentigt werden. 29 % der groen und 26 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gaben an, dass Englisch die wichtigste Fremdsprache sei, in der es zur Deckung des derzeitigen bzw. knftigen Bedarfs einer Verbesserung der Kenntnisse 9 unter ihren Mitarbeitern bedrfe. Umgekehrt betrachtet sehen ber 70 % der Unternehmen die Prioritten bei anderen Sprachen. Deutsch liegt mit 18 % bei den KMU hinter Englisch klar an zweiter Stelle gefolgt von Franzsisch und Russisch mit 13 % bzw. 12 %. Aus der Studie ergibt sich auch, dass kleine und mittlere Unternehmen anders als die weltweit ausgerichteten groen Unternehmen vor allem auf Mrkte in ihrer Nachbarschaft achten und daher in Zukunft eine bessere Kenntnis der Sprachen europischer Lnder gegenber Chinesisch, Arabisch oder Japanisch als prioritr betrachten. Nach einer konservativen Rechnung knnten 945.000 kleinen und mittleren Unternehmen in Europa wirtschaftliche Nachteile durch den Verlust von Auftrgen entstehen, wenn sie keine Mitarbeiter finden, die ber die erforderlichen Fremdsprachenkenntnisse verfgen.10 Es kann festgehalten werden: Mehrsprachigkeit und damit die Fhigkeit zur zielmarktadquaten Kommunikation ist in einem globalen Markt keinesfalls hinfllig geworden, sondern hat im Gegenteil als Wettbewerbsvorteil u.a. bei 11 Bewerbungen an Bedeutung gewonnen. 1.2 Sprachenlernen in der Europischen Union

Die soeben skizzierte Bedeutung der Beherrschung mehrerer Sprachen ist von der europischen Politik aufgegriffen worden. Eingedenk der wichtigen Rolle, die Fremdsprachenkenntnisse bei der politischen und wirtschaftlichen Integration sowie beim kulturellen Austausch in Europa und darber hinaus spielen, haben die Staats- und Regierungschefs der Europischen Union 2002 auf der Tagung des Europischen Rates in Barcelona die Verbesserung der Aneignung von Grundkenntnissen, insbesondere durch Fremdsprachenunterricht in mindestens zwei Sprachen vom jngsten Kindesalter an gefordert.12 Erstmalig 2001 und wiederum 2005 wurden Eurobarometer-Umfragen zur Fremdsprachenkompetenz und zur Einstellung zu Fremdsprachen durchgefhrt. Im

Quelle: The National Centre for Languages (Hg.), ELAN: Auswirkungen mangelnder Fremdsprachenkenntnisse in den Unternehmen auf die europische Wirtschaft, 2006, http://ec.europa.eu/education/policies/lang/doc/elan_de.pdf (21.7.2010) 10 Quelle: ebd. 11 Quelle: J. Bolten, Mehrsprachigkeit und Wirtschaft, 2009, www.goethe.de/ges/spa/prj/sog/fst/de4094907.htm (11.4.2010) 12 Vgl. http://europa.eu/european-council/index_de.htm

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13 Jahr 2001 gaben 47 % der EU-Brger an, eine Fremdsprache zu sprechen, im Jahr 2005 waren es bereits 56 %. In Bezug auf das Ziel, dass jeder EU-Brger neben seiner Muttersprache zwei Fremdsprachen sprechen sollte, gaben 28 % an, dass sie mindestens zwei und 11 %, dass sie mindestens drei Fremdsprachen sprechen. Allerdings haben 44 % der Befragten erklrt, dass sie neben ihrer Muttersprache keine Fremdsprachen sprechen: in Irland (66 %), in Grobritannien (62 %), in Italien (59%), in Ungarn und Portugal (58 %) sowie in Spanien (56 %).

Die Schule ist der Ort, an dem die meisten Europer Fremdsprachenkenntnisse erwerben. In fast allen EU-Lndern wird mit dem Lernen der ersten Fremdsprache im Primarbereich (ISCED 1)14 begonnen, in Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft) und Spanien bereits im Elementarbereich (ISCED 0). Im Schuljahr 2006/2007 erlernen ber 50 % der Primarschler eine Fremdsprache, allerdings steht nur ein geringer Anteil des Stundenvolumens fr den Fremdsprachenunterricht zur Verfgung, in der Regel weniger als 10 % der Gesamtunterrichtszeit (Spanien: 6,5 %). Etwas besser sieht es im Sekundarbereich aus (ISCED 2), hier entfallen zwischen 9 und 20 % der Unterrichtszeit auf den Fremdsprachenunterricht (Spanien: 10,7 %). In den meisten EULndern haben die Schler die Pflicht, fr mindestens ein Jahr whrend der Vollzeitschulpflicht mindestens zwei 15 Fremdsprachen zu lernen. In Deutschland und sterreich gilt dies bereits fr fast alle Schulformen. In Spanien , Tschechien, Belgien, Norwegen und Slowenien haben die Schler nicht die Pflicht, aber das Recht, zwei Fremdsprachen zu lernen. Die erste Fremdsprache ist Pflichtfach, die zweite wird als Wahlpflichtfach angeboten, d.h. man hat die Option, eine Fremdsprache zu whlen oder sich fr ein anderes Fach zu entscheiden. In Irland und Grobritannien obliegt es den Schulen, die Mglichkeit des Erlernens einer zweiten Fremdsprache zu erffnen.16 Grundstzlich wird deutlich, dass sich seit der Empfehlung des Europischen Rates von Barcelona das Angebot an Fremdsprachenunterricht an Schulen in Europa verbessert hat. Die Bedeutung des frhen Fremdsprachenlernens ab ISCED 0 und 1 wurde von den Bildungspolitikern erkannt. Die Voraussetzungen sind gnstiger geworden, durch die Verlngerung der Lernzeit und der damit zusammenhngenden Erhhung der Stundenzahl ein hheres Sprachniveau zu erreichen. Von der groen Mehrheit der Schler im Sekundarbereich I und II wird Englisch als erste Fremdsprache gelernt. Eine zweite Fremdsprache sollte daher im Sinne der Umsetzung der Mehrsprachigkeitspolitik der EU - in allen Mitgliedslndern verpflichtend gelernt werden. Auch ber die Erhhung der fr den Fremdsprachenunterricht zur Verfgung stehenden Stundenzahl in den Lehrplnen sollte nachgedacht werden. Bislang erwerben lediglich 58 % der Schler im Sekundarbereich I Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen, wobei in den Statistiken keine Aussagen zur Qualitt des Fremdsprachenunterrichts gemacht werden. Die am meisten gelernten Fremdsprachen in der EU neben Englisch sind Franzsisch und Deutsch, gefolgt von Spanisch und Russisch. Wenn Schler mit der ersten Fremdsprache im Elementar- bzw. Primarbereich beginnen, kann davon ausgegangen werden, dass im Sekundarbereich I ein Sprachniveau erreicht wird, auf dem es sinnvoll und motivierend ist, Fachinhalte in der Fremdsprache zu vermitteln. Durch empirische Untersuchungen, zum Beispiel die DESI-Studie

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Quelle: Die Europer und ihre Sprachen, Februar 2006 http://ec.europa.eu/education/languages/pdf/doc629_de.pdf , 2005 wurden ber 64 Mio. EU-Brger befragt sowie Brger aus Bulgarien, Rumnien, Kroatien und der Trkei 14 ISCED = International Standard Classification of Education ist ein Klassifizierung von Schultypen, das von der UNESCO entwickelt wurde, vgl. http://www.uis.unesco.org/publications/ISCED97. 15 In den meisten autonomen Gemeinschaften ist der Unterricht in einer zweiten Fremdsprache ab dem Alter von 10 Jahren Teil des Bildungsangebots.(Stand 2006/2007), Vgl. http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/key_data_series/095DE.pdf(11.4.2010) 16 ebd.

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17 (=Deutsch-Englisch- Schlerleistungen-International) , ist belegt, dass integriertes Fremdsprachen- und Sachfachlernen (= Content and Language Integrated Learning, CLIL) die Schlerleistungen sowohl im Sachfach als auch in der Fremdsprache steigern kann. Allerdings mssen entscheidende Voraussetzungen erfllt sein. Es muss geeignetes Lehrmaterial zur Verfgung stehen, und natrlich mssen die Lehrkrfte die entsprechende doppelte Qualifikation fr diese Art des Unterrichts mitbringen. Sie mssen sowohl Fach- als auch Fremdsprachenlehrer sein oder zumindest ber Fremdsprachenkenntnisse auf C1-Niveau und ber Kenntnisse im Bereich Methodik/Didaktik des Fremdsprachenunterrichts verfgen. Die Tatsache, dass Lehrkrfte in den meisten europischen Lndern nur in einem Fach, also entweder als Fremdsprachenlehrer oder als Fachlehrer ausgebildet sind, erschwert die Einfhrung von CLIL oder hat zur Folge, dass Sachfachunterricht eben nicht auf dem Niveau angeboten wird, das den entsprechenden Lernerfolg der Schler sicherstellt.

Mit der Einfhrung von integriertem Fremdsprachen-und Sachfachunterricht entsteht im Stundenplan Raum fr weitere Fremdsprachen, weil z.B. statt Sprachunterricht auf Englisch oder Deutsch der Geografie-, Mathematikoder Musikunterricht in der Fremdsprache angeboten wird. In der Tat lernen Schler, an deren Schulen Unterricht nach der CLIL-Methode durchgefhrt wird, mehrere Fremdsprachen.18 Im Durchschnitt lernen in der EU ber 80 Prozent der Schler in der ISCED 2 und 3 Englisch als erste oder zweite Fremdsprache, ca. 23 Prozent lernen Franzsisch und ca. 15 Prozent Deutsch.19

1.3

Deutsch in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Spanien und Deutschland

Fremdsprachenkenntnisse sind fr Mobilitt und Zusammenarbeit innerhalb des europischen Binnenmarktes von entscheidender Bedeutung. Dort findet zwischen Deutschland und Spanien ein intensiver Austausch von Gtern, Dienstleistungen und Personen statt. Die bilateralen Handelsbeziehungen werden seit langem durch einen deutlichen Leistungsbilanzberschuss zugunsten Deutschlands charakterisiert. Im Jahr 2009 exportierte Spanien Waren im Wert von 17,5 Mrd. Euro nach Deutschland, und importierte von dort Waren im Wert von 29,9 Mrd. 20 Euro. In den Vorjahren war die Differenz noch grer, und sie ist ber einen lngeren Zeitraum hinweg angewachsen. Die Ausfuhren aus Deutschland nach Spanien sind zwischen 1995 und 2007 signifikant gestiegen, allerdings ist seit 2007 ein Rckgang zu verzeichnen. Die Exporte von Spanien nach Deutschland haben sich hingegen seit 1999 nur geringfgig erhht. Von 2008 auf 2009 ist auch hier ein Rckgang zu verzeichnen, wie insgesamt das spanische Bruttoinlandsprodukt in der zweiten Jahreshlfte 2008 einen drastischen Einbruch erlitt (s. Abb. 4). Sowohl der spanische Staat aus wirtschaftspolitischen Grnden als auch spanische Firmen haben ein Interesse daran, die Ausfuhren nach Deutschland zu erhhen. Immer mehr spanische Firmen prsentieren sich auf Messen in Deutschland. Spanien war 2010 Partnerland auf der CEBIT in Hannover Auf der Basis der ELAN-Studie (s.o.)21 lsst sich schlussfolgern, dass sich Deutschkenntnisse fr spanische Arbeitnehmer, insbesondere in exportorientierten kleinen und mittleren Unternehmen als attraktive Zusatzqualifikation auszahlen.17

Quelle: Brbel Beck und Eckhard Klieme (Hrsg.): Sprachliche Kompetenzen. Konzepte und Messung. DESIErgebnisse Band 1. Weinheim: Beltz Pdagogik. 2007 18 Vgl. www.goethe.de/CLIL 19 Quelle: Eurydice/Eurostat, Schlsselzahlen zum Fremdsprachenlernen in Europa, http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/key_data_series/095DE.pdf (21.7.2010). 20 Quelle: www.oficinascomerciales.es/icex/cda/controller/pageOfecomes/0,5310,5280449_5307910_5309111_0_DE,00.html (21.7.2010). 21 s.o., http://ec.europa.eu/education/policies/lang/doc/elan_de.pdf (21.7.2010).

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Abb. 4: Bilateraler Handel zwischen Spanien und Deutschland 1999-2009.

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Die alleinige Betrachtung der Handelsbeziehungen ergibt ein unvollstndiges Bild. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig, fr den Fremdsprachenkenntnisse von entscheidender Bedeutung sind, ist der Tourismus. Spanien ist mit 57,2 Mio. Touristen aus aller Welt im Jahr 2008 neben Frankreich und den Vereinigten Staaten eines der beliebtesten Reiselnder weltweit.23 Abb. 5 verdeutlicht, dass 2008 die Deutschen (10,1 Mio.) nach den 24 Briten (15,8 Mio.) und vor den Franzosen (8,2 Mio.) die zweitgrte Gruppe der Touristen in Spanien stellen. Deutschland wurde 2008 von 24,9 Mio. Touristen25 besucht, darunter ca. 800.000 Spaniern26. Nach einem jahrzehntelangen Aufwrtstrend hat die weltweite Wirtschaftskrise 2009 erstmals zu einem Rckgang der Touristenzahlen gefhrt. Der Beitrag, den der Tourismus in Spanien direkt und indirekt zum Bruttoinlandsprodukt leistet, wird fr 2010 auf 160,9 Mrd. Euro geschtzt, 2008 also vor der Wirtschaftskrise 27 waren es sogar 178,2 Mrd. Euro. Bei einem Anteil deutscher Touristen von 17,8 % (in den ersten Monaten 2010)28 bzw. 17,5 % (2008, s.o.) betrgt also deren Beitrag zum spanischen Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich 28,6 Mrd. Euro 2010 bzw. 31,2 Mrd. Euro 2008 und liegt damit in der Grenordnung von insgesamt 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Eine hnliche Berechnung kann fr die Arbeitspltze, die direkt und indirekt durch den Tourismus geschaffen werden, aufgestellt werden. Durch direkte und indirekte Effekte beschftigt die Reise- und Tourismuswirtschaft in Spanien 2010 ca. 3,2 Mio. Menschen, 2008 noch 3,5 Mio.29 Unter Bercksichtigung des Anteils deutscher Touristen entspricht dies 612.000 bzw. 570.000 Arbeitspltzen in der gesamten Volkswirtschaft, die ber die Tourismusbranche durch deutsche Besucher geschaffen werden. Die Anzahl der direkt im Tourismus Beschftigten betrgt 2010 1,28 Mio., bei denen von einem direkten Kontakt zu den Touristen ausgegangen werden kann, und fr die daher Fremdsprachenkenntnisse von groem Vorteil sind. Touristen schtzen den Service, sich in ihrer22

Quelle: www.oficinascomerciales.es/icex/cda/controller/pageOfecomes/0,5310,5280449_5307910_5309111_0_DE,00.html (21.7.2010) 23 Quelle: UNWTO, World Tourism Barometer, Vol. 8, No. 1, Januar 2010, http://www.unwto.org/facts/eng/pdf/barometer/UNWTO_Barom10_1_en.pdf (21.7.2010). 24 Quelle: IES Movimientos Tursticos en Fronteras (FRONTUR), Informe anual 2008 http://www.iet.tourspain.es/paginas/PubFrontur.aspx?option=front&idioma=es-ES 25 Quelle: UNWTO, World Tourism Barometer, Vol. 8, No. 1, Januar 2010, http://www.unwto.org/facts/eng/pdf/barometer/UNWTO_Barom10_1_en.pdf (21.7.2010). 26 Quelle: Deutsche Zentrale fr Tourismus, Kurz-Marktinformation Spanien 2010, http://www.deutschlandtourismus.de/pdf/MI_KURZ_Spanien10.pdf, (21.7.2010). 27 Quelle: World Travel and Tourism Council, Travel & Tourism Economic Impact Spain, 2010, http://www.wttc.org/bin/pdf/original_pdf_file/spain.pdf (21.7.2010). 28 Quelle: IES Movimientos Tursticos en Fronteras (FRONTUR), Nota de Conjuntura, Mayo 2010, http://www.iet.tourspain.es/paginas/PubFrontur.aspx?option=front&idioma=es-ES, (21.7.2010). 29 Quelle: World Travel and Tourism Council, Travel & Tourism Economic Impact Spain, 2010, http://www.wttc.org/bin/pdf/original_pdf_file/spain.pdf (21.7.2010).

8

Muttersprache mndlich, aber auch schriftlich anhand von Prospekten oder Beschreibungen ber Sehenswrdigkeiten, kulturelle und sportliche Angebote etc. informieren zu knnen. Die Ansprache deutscher Touristen auf Deutsch stellt demnach einen Wettbewerbsvorteil dar. Rechnerisch ergibt sich gem dem Anteil deutscher Urlauber ein Bedarf von ca. 228.000 Deutschsprechern im Tourismusbereich. Wie dem nchsten Abschnitt zu entnehmen ist, entspricht dies einem Vielfachen der Deutschlernerzahlen in Spanien.

Abb. 5: Tourismus 2007 und 2008

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In Tab. 2 ist die Verteilung deutscher Touristen innerhalb Spaniens auf die verschiedenen Autonomen Gemeinschaften aufgeschlsselt. Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Handel und Tourismus fr die Attraktivitt von Fremdsprachen ist es nicht verwunderlich, dass in den Autonomen Gemeinschaften mit der grten Wirtschaftsleistung und wirtschaftlichen Beziehungen nach Deutschland (Madrid, Katalonien) bzw. dem grten Anteil an deutschen Touristen in Spanien (Kanarische und Balearische Inseln) der Anteil der Deutschlerner an den Sekundarschlern in ffentlichen und privaten Schulen wie in Abschnitt 2 erlutert wird ber dem landesweiten Durchschnitt von 1,4 % liegt. Im Vergleich zu den wichtigsten Exporteuren nach Deutschland, z.B. den Niederlanden (11,76 %) und Frankreich (8,64 %), ist der Anteil der Deutschlerner im Schulbereich in Spanien aber weiterhin uerst gering.

Tab. 2: Verteilung deutscher Touristen innerhalb Spaniens (Vgl. 2003-2009).

31

30 31

Quelle: www.iet.tourspain.es/paginas/PubFrontur.aspx?option=front&idioma=es-ES (21.7.2010). Quelle: http://www.iet.tourspain.es/informes/documentacion/egatur/Frontur-Egatur2009.pdf (07.06.2010).

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Die Internationalisierung von Wirtschaftsbeziehungen und Arbeitsumfeld ermutigt junge Menschen, sich in ihrer Ausbildung ein internationales Profil zu geben. Dieses wird von der Europischen Union ber das EUBildungsprogramm fr lebenslanges Lernen gefrdert. Es besteht aus einer ganzen Reihe von Unterprogrammen. Im Folgenden wird beispielhaft die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien im Teilprogramm Erasmus fr den Hochschulbereich vorgestellt, das Auslandsaufenthalte von Studierenden und Dozenten frdert. Von den ca. 1.600 Partnerschaften, die zwischen deutschen und spanischen Hochschulen bestehen sind ber 32 1.300 Kooperationen im Rahmen des Erasmus-Programms. Tab.3 gibt Auskunft ber die Ziellnder von spanischen und deutschen Erasmus-Studenten. Insgesamt gingen im Studienjahr 2007/2008 fast 25.000 spanische Studenten ins europische Ausland. Zielland Nummer vier mit 2.700 Erasmus-Studenten ist Deutschland. Unter den ber 26.000 Erasmus-Studenten aus Deutschland ist Spanien seit Jahren das beliebteste Zielland berhaupt mit knapp 5.600 Erasmus-Aufenthalten. Allerdings ist zu beachten, dass die Mglichkeit eines Auslandsaufenthaltes ber das Erasmus-Programm vom Angebot an Pltzen abhngig ist, die zwischen den Fakultten der jeweiligen Universitten vereinbart wurden. Die Nachfrage seitens der Studierenden wird somit von der Auflistung der Aufenthalte nur bedingt widergespiegelt.

Tab. 3: Beliebteste Erasmus-Ziellnder spanischer und deutscher Studenten.

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Neben dem Erasmus-Programm besteht die Mglichkeit, sich dauerhaft an einer Hochschule in einem anderen Land einzuschreiben. In Deutschland machten 2009 ca. 4.700 Spanier davon Gebrauch, darunter ca. 1.000 sogenannte. Bildungsinlnder mit einem deutschen Schulabschluss.34 Umgekehrt waren 2007 ca. 1.650 Deutsche

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Quelle: Hochschulrektorenkonferemz, Hochschulkompass, http://www.hochschulkompass.de/internationalekooperationen/kooperation-suchen.html (21.7.2010). 33 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2010, www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010). 34 Quelle: Deutscher Akademischen Austauschdienst, Wissenschaft weltoffen 2010, http://www.wissenschaftweltoffen.de/daten/1/2/1 (21.7.2010).

10

an spanischen Hochschulen immatrikuliert. Summiert man die jeweiligen Gruppen nach Lndern, so studieren ca. 7.400 Spanier an Universitten in Deutschland und 7.200 Deutsche in Spanien. Zusagen fr Erasmus-Aufenthalte erfolgen hufig sehr kurzfristig. Aus diesem Grund bewerben sich viele Studenten auf mehrere Pltze, mitunter in verschiedenen Lndern. Daher wissen angehende Erasmus-Studierende meist erst wenige Wochen vor der Ausreise, in welcher Sprache sie whrend ihres Auslandsaufenthaltes studieren und Prfungen ablegen sollen. In dieser Zeit ist es ohne Vorkenntnisse quasi ausgeschlossen, ein ausreichendes Sprachniveau (B2 im Gemeinsamen Europischen Referenzrahmen) zu erreichen. Wenn Universitten die Mglichkeit eines Erasmus-Aufenthaltes, wie eigentlich vorgesehen, vom Erreichen des erforderlichen Sprachniveaus abhngig machen, bleiben gegebenenfalls vorhandene Erasmus-Pltze mangels ausreichend qualifizierter Bewerber unbesetzt. Mglichkeit und Erfolg eines Auslandsstudiums werden daher entscheidend von der whrend der Vollzeitschulpflicht erworbenen Sprachkompetenz vorgeprgt.

11

2. 2.1.

Deutsch im spanischen Bildungswesen Die gesetzliche Grundlage35

Das spanische Bildungswesen ist fderal organisiert. Die Bildungskompetenzen sind in der Verfassung und im s.g LOE (Ley Orgnica de Educacin) vom 3. Mai 200636 geregelt und zwischen der Zentralregierung, den Autonomen Gemeinschaften (Comunidades Autnomas), sowie lokalen Behrden und Schulen aufgeteilt. Die 37 Verantwortungsbereiche der verschiedenen Ebenen sind im Folgenden dargestellt : Bildungsverantwortung (aueruniversitre Bildung) Bildungsministerium Das Bildungsministerium ist fr die allgemeine Organisation des (Ministerio de Educacin) Bildungssystems, grundstzliche Anforderungen an Schulen, Rahmenlehrplne, internationale Bildungskooperationen und Richtlinien zur Frderung und Koordination im Bereich der Forschung zustndig. Das Ministerium organisiert auch die allgemeine Bildungsplanung und die Festlegung von akademischen und beruflichen Qualifikationen sowie Rahmencurricula, die das Recht und die Pflicht gewhrleisten, die spanische Sprache zu beherrschen, wobei die Autonomen Gemeinschaften eigene Kompetenzen besitzen fr die Festlegung von Richtlinien, die das Brgerrecht garantieren, die eigenen Sprachen zu benutzen und zu erlernen. Es ist verantwortlich fr die Aufsichtsbehrden, deren Aufgabe es ist, die Einhaltung der fr das gesamte Staatsgebiet geltenden grundlegenden Bildungsstandards zu berwachen, fr die gesamtstaatliche allgemeine Evaluation, fr die Budgetverteilung im Bildungsbereich in bereinstimmung mit den von den Autonomen Gemeinschaften zur Verfgung gestellten Mitteln, fr Stipendienrichtlinien und fr die staatlichen Bildungsstatistiken, etc. Das Ministerium ist auerdem Eigentmer der ffentlichen schulischen Einrichtungen im Ausland und somit verantwortlich fr deren Verwaltung. Es bestimmt den rechtlichen Rahmen fr auslndische schulische Einrichtungen in Spanien.

35

Quelle: Organisation of the education system in Spain, 2008/2009, S. 26 ff,

http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/eurybase/eurybase_full_reports/ES_EN.pdf(11.4.2010)36 37

s. BOE Nr. 106 vom 4.5.2006 National summary sheets on education system in Europe and ongoing reforms, 2009 Edition, S. 2 ff. http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/eurybase/national_summary_sheets/047_ES_EN.pdf

12

Autonome Gemeinschaften (Comunidades Autnomas)

Die Autonomen Gemeinschaften tragen die Verantwortung innerhalb ihres Territoriums. Sie verfgen ber die Ermchtigung fr die Einrichtung und den Betrieb von Schulen, fr die Entwicklung des Kerncurriculums (primer nivel de concrecin curricular) sowie fr Richtlinien fr Niveaustufen, Abschlsse und Spezialisierungen. Sie sind zustndig fr die Anleitung und Untersttzung der Schler; die Personalverwaltung; fr die Bildungsinspektion, die Kontrolle von Lehrmaterialien und anderen Unterrichtsmaterialien; fr die Forschung und Einfhrung neuer Lehrmethoden, fr die Beurteilung von Schulen innerhalb ihres Territoriums; die Frderung des Informationsaustausches und die Durchsetzung von bewhrten bildungstechnischenund verwaltungstechnischen Praktiken. Zu Ihren Zustndigkeiten gehrt die Herausgabe von notwendigen Daten, die die Transparenz erhhen und die dem Staat fr die Erstellung von nationalen und internationalen Bildungsstatistiken dienen. Sie bernehmen die Bildungsorganisation, die Verhandlung und Vergabe von Frdermitteln an Privatschulen; die Verwaltung von Stipendien und finanzieller Hilfe; sie regeln die Zusammensetzung der Arbeitsbereiche der Schulbehrden fr die eigene autonome Gemeinschaft etc.

Lokale Behrden (Administraciones Locales)

Die lokalen Behrden stellen das Baugelnde fr den Bau ffentlicher Schulen bereit, sind zustndig fr die Unterhaltung und Sanierung von Vorschulen, Grundschulen und Sonderschulen; die Planung von auerschulischen und zustzlichen Aktivitten, die berwachung der Einhaltung der Schulpflicht, die Bildung von Schulbehrden innerhalb der Gemeinden und die Vertretung in den jeweiligen Schulbehrden etc.

Tab. 4: Bildungsverantwortung innerhalb Spaniens (aueruniversitre Bildung)

2.2.

Allgemeiner Aufbau des Bildungssystems im schulischen Bereich

In Spanien ist der Schulbesuch bis zum 16. Lebensjahr verpflichtend und im ffentlichen System gebhrenfrei. Das Schulsystem gliedert sich im Bereich der aueruniversitren Bildung (Enseanza de Rgimen General no Universitaria) in den Elementarbereich (Educacin Infantil), den sechsjhrigen Primarbereich (Educacin Primaria), in die Sekundarbereiche 1 (Educacin Secundaria Obligatoria, E.S.O. vier Jahre) und 2 (Bachillerato zwei Jahre) sowie die Berufsausbildung (Formacin Profesional). 67,3 % der Schler lernen an staatlichen Schulen (Enseanza Pblica). Von den Privatschulen wiederum wird der berwiegende Teil (mit 26,1 % der Gesamtschlerzahl) aus ffentlichen Mitteln teilfinanziert (Enseanza Privada Concertada), whrend nur ein kleiner Teil (6.6 % der Gesamtschlerzahl) an vollstndig privaten Schulen 38 (Enseanza Privada No Concertada) unterrichtet wird.38

Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2010/C1, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010).

13

2.2.1. Zahlen und Fakten Abb. 6 zeigt, dass in den letzten Jahren die Schlerzahlen in Spanien um fast 400.000 Schler auf 7,6 Mio angestiegen sind, insbesondere im Elementar- und Primarbereich sowie bei der Berufsausbildung. Im Sekundarbereich II ist ein leichter Rckgang um ca. 20.000 Schler zu verzeichnen.

Abb. 6: Schlerzahlen in Spanien nach Schulbereichen aufgegliedert.

39

Nach der letzten Erhebung des spanischen Bildungsministeriums lernten im Schuljahr 2007/2008 an staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen vom Elementarbereich (Educacin Infantil) bis zum Abitur (Bachillerato) fast 5,8 Millionen Schler entweder obligatorisch oder fakultativ Englisch als Fremdsprache, ber 1,03 Million Schler lernten Franzsisch und 67.500 Schler Deutsch. An den staatlichen Sprachschulen (Escuela Oficiales de Idiomas, E.O.I.) erwarben 35.225 Lerner Deutschkenntnisse, das sind 9,5 % der Fremdsprachenlerner gegenber 232.800 (62,8%), die dort Englisch, und 56.000 (15,1 %), die Franzsisch lernen.40 In dieser Aufstellung sind die Fremdsprachenlerner an den Sprachlernzentren der Universitten und auch der privaten Sprachschulen nicht erfasst. Seit der Einfhrung des neuen Bildungsgesetzes (Ley Orgnica de Educacin, LOE) im Mai 2006 ist die Zahl der Englischlerner noch einmal angestiegen (um ca. 300.000 Lerner), whrend die Zahlen der Deutsch- und 41 Franzsischlerner stagnieren .

Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010) und: Ministerio de Educacin, Datos y Cifras. Curso escolar 2009/2010, http://www.educacion.es/mecd/estadisticas/educativas/dcce/Datos_Cifras_web.pdf (21.7.2010) 40 Quelle: ebd. 41 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010).

39

14

In Spanien lernten im Schuljahr 2007/2008 insgesamt lediglich 1,4 % der Schler Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache, davon 2,3 % an privaten und 0,4 % an ffentlichen Schulen. Der Anteil der Deutschlerner betrgt in allen Schulformen bei den privaten in etwa das Fnf- bis Sechsfache der ffentlichen Schulen (s. Abb. 7).

Abb. 7: Anteil der Deutschlerner nach Schulformen an privaten und ffentlichen Schulen.

42

Eine zweite Fremdsprache lernen insgesamt nur 41,7 % der Schler, davon die meisten Franzsisch (38,2 %), nur wenige Englisch (1%) oder eine andere Sprache (2,4 %). Andere Sprachen als Englisch oder Franzsisch sind als zweite Fremdsprachen an privaten Schulen (4,8 Prozent aller Schler) deutlich verbreiteter als an ffentlichen (1,2 %).43 Abb. 8 zeigt, dass bereits vor der Einfhrung des LOE der Anteil der Englisch- und Franzsischlerner in den Sekundarbereichen 1 und 2 (ISCED 2 und 3) in Spanien deutlich ber dem Durchschnitt aller 27 EU-Staaten lag, demgegenber ist der Anteil bei den Deutschlernern deutlich unter dem europischen Durchschnitt angesiedelt. Damit liegt Spanien im europischen Vergleich beim Anteil von Schlern, die Deutsch lernen, auf einem der hinteren Pltze. In Polen lernen im Jahr 2006 zum Vergleich 42,8 % der Sekundarschler Deutsch, in Schweden 25, 6 %, in Frankreich 17,1 %, in Italien immerhin 7,2 % und in Spanien lediglich 2,1 %. Im EU-Durchschnitt lernen 15,4 % der Schler in der EU Deutsch. Spanien weist somit gemeinsam mit Zypern (1,6 %) und Portugal (0,9 %) europaweit den geringsten Anteil an Deutschlernern auf (vgl. Abb. 9).44

Abb. 8: Vergleich zwischen dem Anteil der Englisch-, Franzsisch- und Deutschlerner in den Sekundarbereichen I 45 und II (ISCED 2 und 3) im EU-Durchschnitt (links) und in Spanien (rechts).

42 43

Quelle: ebd. Quelle: ebd. 44 Quelle: Eurydice/Eurostat, Schlsselzahlen zum Fremdsprachenlernen in Europa, http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/key_data_series/095DE.pdf (21.7.2010). 45 Quelle: ebd.

15

Die Ursachen fr einen derart niedrigen Anteil bei den Deutschlernern sind nicht eindeutig zu bestimmen. Das Risiko ist gro, dass sich ein Teufelskreis in Form fehlenden Angebots und Nachfrage einstellt. Aus verschiedenen Autonomen Gemeinschaften gibt es Berichte, dass Initiativen fr ein greres Deutschangebot eher von Elternschaft, Wirtschaft, Schulgremien ausgehen, diesem allerdings von bildungspolitischer Seite nur ungengend entsprochen wird, insbesondere durch Verzicht auf Schaffung oder Neuausschreibung von Lehrerstellen. Mangels Angebots fehlt es dann wiederum an Kontakt mit der deutschen Sprache, so dass sich eine Nachfrage gar nicht erst entwickeln kann.

Abb. 9: Deutschlernerzahl in ausgewhlten EU-Lndern in der ISCED 2 und 3 (Schuljahr 2005/06).

46

Dabei sind die Voraussetzungen zum Fremdsprachenlernen in Spanien durchaus gnstig. Spanien gehrt zu den Lndern, in denen schon im Elementarbereich mit der ersten Fremdsprache begonnen wird. So haben im Schuljahr 2007/2008 ca. 794.000 Vorschulkinder Kontakt mit einer Fremdsprache. Im Schuljahr 1999/2000 waren es noch 235.000.47 Eine zweite Fremdsprache kann in Spanien ab dem 3. Zyklus der Primarstufe erworben werden. Der Unterricht in der ersten und zweiten Fremdsprache wird dann in der Regel im Sekundarbereich fortgesetzt.

46

Quelle: Eurydice/Eurostat, Schlsselzahlen zum Fremdsprachenlernen in Europa, http://eacea.ec.europa.eu/education/eurydice/documents/key_data_series/095DE.pdf (21.7.2010). 47 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010).

16

2.2.2. Vorschulische Erziehung (ISCED 0) Die Teilnahme an der vorschulischen Erziehung ist in Spanien nicht obligatorisch. Systematisch wird sie in zwei Abschnitte oder Zyklen (Ciclos) unterteilt:

Niveau Educacin Infantil, E.I.(ISCED 0)

Zyklen Primer Ciclo Segundo Ciclo

Organisation dreijhriger Zyklus dreijhriger Zyklus

Alter 0 3 Jahre 3 6 Jahre

Tab. 5: Systematischer Aufbau der vorschulischen Erziehung.

Mit dem kniglichen Dekret 1630/2006 werden in Ergnzung zum LOE mit landesweiter Gltigkeit48 Minimalvoraussetzungen (enseanzas mnimas) fr den Elementarbereich festgelegt. So wird die Entwicklung einer positiven Haltung zur Mutter- bzw. Fremdsprache hervorgehoben. Mit der ersten Fremdsprache kann im zweiten Zyklus begonnen werden. Sie soll in dieser Altersstufe auf spielerische Weise prsentiert werden mit Konzentration auf die Fertigkeiten Hren und Sprechen. In Abb. 10 wird deutlich, dass Englisch beim Angebot der ersten Fremdsprache in der Elementarstufe am strksten vertreten ist. Die Zahl der Kinder, die ab 3 Jahren erste Kontakte mit Englisch haben, ist zwischen 1999/2000 und 2007/2008 um fast 30 % gestiegen, wobei berwiegend an den staatlichen Einrichtungen (Centros pblicos) Englisch angeboten wird. Auch Franzsisch hat an diesen Einrichtungen geringfgig zugenommen. Whrend nach offiziellen Angaben im Jahr 2000 keine staatliche Vorschule Deutsch im Elementarbereich anbietet, aber bereits 1.500 Kinder in diesem Alter an privaten Schulen Deutschunterricht erhalten, sind es 2007 469 Kinder an ffentlichen und 2.427 an privaten Schulen. Insofern gibt es auch fr Deutsch Zuwchse auf bescheidenem Niveau.49

Abb. 10: Fremdsprachenunterricht in der Vorschulerziehung (ISCED 0).48

50

Vgl. Real Decreto 1630/2006, de 29 de diciembre; Anexo, Objetivos, Abs. Nr. 3 und Contenidos, Bloque 1 RD 1630/2006 In: BOE Nr. 4, S. 481 49 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010). 50 Quelle: ebd.

17

2.2.3. Primar- und Sekundarbereich I (ISCED 1 und 2) Mit der Primarstufe (Educacin Primaria), in der Regel ab 6 Jahren, beginnt die allgemeine Schulpflicht. Die Primarstufe dauert sechs Jahre und ist in drei zweijhrige Zyklen unterteilt, danach erfolgt der Wechsel zur Sekundarstufe I, (Educacin Secundaria Obligatoria, E.S.O.), in der die Schler weitere vier Jahre lernen und nach deren Abschluss die allgemeine Schulpflicht endet.

Niveau Educacin Primaria E.P. (ISCED 1)

Educacin Secundaria Obligatoria, E.S.O (ISCED 2)

Zyklen Primer Ciclo Segundo Ciclo Tercer Ciclo Primer Ciclo Segundo Ciclo Tercer Ciclo Cuarto Ciclo

Organisation zweijhriger Zyklus zweijhriger Zyklus zweijhriger Zyklus einjhriger Zyklus einjhriger Zyklus einjhriger Zyklus einjhriger Zyklus

Alter 6 8 Jahre 8 10 Jahre 10 12 Jahre 12 13 Jahre 13 14 Jahre 14 15 Jahre 15 16 Jahre

Tab. 6: Systematischer Aufbau der Primar- und Sekundarschule.

Fr die E.P. und die E.S.O. erlie das nationale Bildungsministerium jeweils landesweit geltende Dekrete, in denen die Grundkenntnisse festgelegt sind, die in den einzelnen Bildungsbereichen erworben werden sollen.51 Fr die E.P. werden fr die erste Fremdsprache umfassendere, sich am Gemeinsamen Europischen Referenzrahmen fr Sprachen52 orientierende Ziele und Lerninhalte formuliert, die eingeschrnkt auch fr die zweite Fremdsprache gelten. Neben den Lerninhalten wird der Unterrichtsumfang festgelegt, dieser kann jedoch von den Autonomen Gemeinschaften modifiziert werden. Fr spanische Sprache und Literatur (lengua castellana y literatura) stehen z.B. 315 Stunden im ersten Zyklus (primer ciclo) zur Verfgung, fr die erste Fremdsprache sind weit weniger Stunden (105) vorgesehen.

Abb. 11: Fremdsprachenunterricht in der Primarstufe.51

53

Fr die E.P. ist dies das knigliche Dekret 1513/2006 vom 7. Dezember, fr die E.S.O. das knigliche Dekret 1631/2006 vom 29. Dezember. 52 Vgl. http://www.goethe.de/z/50/commeuro/deindex.htm, (21.7.2010). 53 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010).

18

In der Sekundarstufe I, in den Zyklen eins bis drei, zwischen ca. 12 und 15 Jahren, wird die obligatorische Fremdsprache immerhin mit 315 Stunden unterrichtet, mehr Stunden (350) stehen lediglich fr spanische Sprache und Literatur zur Verfgung. Pflichtfcher in der Sekundarstufe I sind Naturwissenschaften, spanische Sprache und Literatur, Geographie, Geschichte, Mathematik, Sport und eine Fremdsprache. Als Wahlpflichtfcher mssen sich die Schler fr zwei Fcher aus den folgenden Bereichen entscheiden: Brgerkunde54 (Educacin para la Ciudadana), Kunst, Musik, Technik sowie eine zweite Fremdsprache. Ab dem vierten Zyklus der E.S.O. muss der Lerner aus acht Fchern im Umfang von jeweils 70 Stunden drei auswhlen. Bei diesen Wahlpflichtfchern handelt es sich um so wichtige wie Biologie/Geologie, Informatik, Latein, Technologie, Kunst, Physik/Chemie, Musik sowie die zweite Fremdsprache. Im kniglichen Dekret 1631/2006 zum LOE sind Lernziele und inhalte fr die zweite Fremdsprache ausgefhrt. Sie orientieren sich an denen fr die erste Fremdsprache und sollen, abhngig vom Vorwissen der Schler, modifiziert werden. Der Unterricht soll auf Binnendifferenzierung ausgerichtet sein, so dass sowohl Lerner mit Vorkenntnissen als auch Anfnger in der gleichen Lernergruppe mit dem Ziel unterrichtet werden, die vorgegebenen Lernziele zu erreichen. Der Unterricht in der ersten Fremdsprache soll interdisziplinr ausgerichtet sein, wobei eine Verbindung zwischen der Fremdsprache und Unterrichtsinhalten in Informatik und Kommunikationstechniken geschaffen werden soll. Wie das in die Praxis umgesetzt werden kann, wird nicht ausgefhrt.

Deutsch verzeichnet in der E.S.O. im Schuljahr 2007/2008 gegenber 1999/2000 minimale Zuwchse von 39.319 auf 43.450 Lerner. Englisch und Franzsisch hingegen weisen z.T. deutlich rcklufige Lernerzahlen auf (von 1.970.061 auf 1.809.000 bzw. 885.831 auf 726.278).55

Abb. 12: Fremdsprachenunterrricht im Sekundarbereich I

56

54

Das neue Fach Brgerkunde wurde in Spanien im Jahr 2006 im Rahmen der Bildungsreform (LOE 2/2006) eingefhrt. 55 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010). 56 Quelle: ebd.

19

2.2.4. Sekundarbereich Oberstufe und Berufsausbildung (ISCED 3A und 3B) Nach dem erfolgreichen Abschluss der Sekundarstufe I besteht die Mglichkeit, sich fr den Sekundarbereich Oberstufe (Bachillerato) oder eine Berufsausbildung (Formacin Profesional) zu entscheiden. Die Berufs- bzw. Handelsschulen haben in der Regel verschiedene praktisch ausgelegte Schwerpunkte und sind mit Praktika kombiniert. Ihr Ziel ist es, die Absolventen auf den Einstieg in ein bestimmtes Berufsfeld vorzubereiten.

Bildungstyp Bachillerato (ISCED 3A) Formacin Profesional, FP (ISCED 3B) Enseanzas de rgimen especial Enseanzas profesionales de Artes Plsticas y Diseo de Grado Medio Enseanzas Depotivas de Grado Medio

Zyklen Primer Ciclo Segundo Ciclo keine Zyklen keine Zyklen

Organisation einjhriger Zyklus einjhriger Zyklus 1,5 2 Jahre 2 Jahre

Alter 16 17 Jahre 17 18 Jahre 16 18 Jahre 16 18 Jahre

Tab. 7: Angebote im Sekundarbereich Oberstufe und in der Berufsausbildung.

Die E.S.O umfasste im Schuljahr 2007/2008 etwas mehr als 1,83 Mio. Schler; im Bachillerato ging die 57 Schlerzahl auf 622.133 zurck. Im kniglichen Dekret 1467/2007 werden die Lernziele und Lerninhalte landesweit fr das Bachillerato fr die erste Fremdsprache festgelegt,58 nicht jedoch fr eine zweite. Sie ist je nach Autonomer Gemeinschaft entweder Wahlfach oder Wahlpflichtfach. In den letzten acht Jahren zeichnen sich bei den Lernerzahlen im Bachillerato fr alle Sprachen Zuwchse ab, jedoch sind diese fr Deutsch (ca. 1300 Lerner mehr) und andere Sprachen sehr gering. Die Deutschlernerzahlen im Sekundarbereich Oberstufe (Bachillerato: 6.913) und im berufsbildenden Bereich (Ciclos Formativos de Grado Medio: 112 und Ciclos Formativos de Grado Superior: 502) sind ebenfalls niedrig. Eine Ausnahme bilden die Tourismusfachschulen in den Autonomen Gemeinschaften Andalusien, Kanaren und Balearen.59

57 58

ebd. Real Decreto 1467/2007, Anexo 1 Lengua extranjera RD 1467/2007 59 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010).

20

Abb. 13: Fremdsprachenunterricht im Bachillerato.

60

2.2.5. Escuela Oficial de Idiomas Die Escuelas Oficiales de Idiomas (E.O.I.), die kostenpflichtigen Fremdsprachenunterricht anbieten, stellen eine spanische Besonderheit dar. An den 288 E.O.I. lernen im Schuljahr 2007/2008 insgesamt 340.852 Lerner 22 Fremdsprachen, inklusive Baskisch, Galicisch, Katalanisch und Spanisch als Fremdsprache. Im Schuljahr 2007/2008 waren 14 % der Lerner 17 Jahre und jnger.61 Im LOE 2/2006 ist der gesetzliche Rahmen auch fr die staatlichen Sprachschulen festgelegt. Der Unterricht erfolgt auf den drei Niveaustufen: bsico, (auf diesem Niveau sind rund 70% der Lerner eingeschrieben) intermedio und avanazado62, wobei es sich bei bsico 1 um das Niveau A1 des Gemeinsamen europischen Referenzrahmens handelt, bei bsico 2 um das Niveau A2, bei intermedio um die Stufe B1 und bei avanzado um die Stufe B2.63 Mittlerweile gibt es auch Schulen, die Sprachkurse und Prfungen auf C1 Niveau anbieten. Diese Entscheidung liegt bei den Autonomen Gemeinschaften. Die Lerner haben die Mglichkeit, an den E.O.I. staatlich anerkannte Sprachprfungen abzulegen. Nur diese Prfungen und nicht die der Prfungsanbieter, die in der Association of Language Testers in Europe (ALTE)64 organisiert sind, werden bisher von den staatlichen Behrden anerkannt, was den E.O.I. einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Lehrende an einer E.O.I. mssen eine staatliche Beamtenprfung ablegen. Das bedeutet auch, dass durch die Bildungsbehrden der Autonomen Gemeinschaften die Zahl neuer Lehrer festgelegt wird.

60 61 62 63 64

Quelle: ebd, Quelle: ebd. Vgl. Ley Orgnica 2/2006, de 3 de mayo, de Educacin, Cap. VII, Art. 59 62. Modell fast aller Comunidades Autnomas mit Ausnahme von Navara, Katalonien, Aragon Vgl. www.alte.org und www.alte.org/alteframework/table.php

21

Abb. 14: Fremdsprachenunterricht an E.O.I.

65

Wenn man die Anzahl der Deutschlerner an ffentlichen und privaten Schulen von der vorschulischen Bildung bis zum Abitur (ca. 67.500) ins Verhltnis setzt zu den Deutschlernern in den E.O.I., dann ist die Relation bei den Deutschlernern an den E.O.I. mit 52 % sehr hoch. Es ist ein Indiz dafr, dass das Schulangebot an Deutschunterricht nicht den Bedarf befriedigt. Die Relation betrgt bei den Franzsischlernern 5 % und bei den Englischlernern 3 %66 und bewegt sich damit im europischen Durchschnitt, der unter 10 % liegt. 2.2.6. Hochschulen An den Hochschulen gibt es verschiedene Mglichkeiten, Deutsch zu lernen. An insgesamt 46 Universitten wird Deutsch obligatorisch als erste oder zweite Fremdsprache bzw. als Wahlpflichtfach in den Studiengngen Filologa Alemana, Filosofa y Letra, Lingistica Aplicada, Turismo, Empresariales, Lenguas Modernas, Traduccin e interpretacin unterrichtet. Darber hinaus wurden in den letzten Jahren an ca. 60 Universitten in Spanien Sprachenzentren67 gegrndet, an denen Deutsch fr Hrer aller Fakultten angeboten wird. Dort lernen geschtzt zwischen 5.000 und 10.000 Studenten studienbegleitend Deutsch. Eine landesweite zentrale Erfassung fehlt bisher. Dieses Angebot wird auch von zurckgekehrten Erasmus-Studenten wahrgenommen, die ihre erworbenen Sprachkenntnisse festigen und erweitern mchten. Nach Sprachen aufgeschlsselte Daten fr die ca. 33.000 Philologie- und ca. 10.000 Studenten der bersetzungswissenschaften68 liegen nicht vor, doch es ist davon auszugehen, dass inzwischen die Zahl der Studierenden in den bersetzerstudiengngen die der Germanistikstudierenden bersteigt.65

Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2002/Cap. 20, Edicin 2010/E2, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010). 66 Quelle: ebd. 67 Die spanischen Bezeichnungen sind uneinheitlich, sie nennen sich Centros de lenguas modernas, Instituto de Idiomas, Servicio de Idomas, La casa de las lenguas o.. 68 Quelle: Ministerio de Educacin, Las cifras de la educacin en Espaa, Edicin 2010/D7, http://www.educacion.es/mecd/jsp/plantilla.jsp?id=3131&area=estadisticas (21.7.2010).

22

Die schrittweise erfolgte Umstellung der Studiengnge im Rahmen des Bologna-Prozesses hat Auswirkungen auf das Lehrangebot an Deutsch. An verschiedenen Universitten besteht in den neuen Studiengngen die Mglichkeit oder Pflicht, eine Zweitsprache zu whlen, die in geringerem Umfang und mit niedrigerem Anfangs- oder Endniveau als die Erstsprache erlernt wird. Deutsch wird hier als Zweitsprache wieder hufiger als noch vor wenigen Jahren belegt, so dass sich die Lernerzahlen in Zukunft stabilisieren bzw. ansteigen knnten. Es bleibt jedoch zu bedenken, dass in einer Zweitsprache am Ende eines vierjhrigen Bachelors nur begrenzte Kenntnisse erworben werden knnen, wenn diese in einem vergleichsweise geringen Stundenumfang erlernt und meist ohne Vorkenntnisse begonnen wird, zumal Auslandsaufenthalte in der Regel im Land der Erstsprache absolviert werden. Ohne ausreichendes Angebot an Deutsch in den Sekundarstufen I und II (ISCED 2 und 3) knnen die fr die Aufnahme eines Studiums erforderlichen Sprachkenntnisse auf mindestens B2-Niveau fr Germanistik, bersetzungswissenschaften und andere Studienfcher nicht erworben werden. Somit drften Nachwuchsprobleme fr Lehrberufe, Dolmetscher und bersetzer zu erwarten sein.

23

3. 3.1.

Die Frderung von Deutsch an spanischen Schulen durch die deutsche Bundesregierung Frderung von Deutsch durch das Goethe-Institut

Das Goethe-Institut ist das weltweit ttige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es frdert das Deutschlernen weltweit, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein umfassendes und aktuelles Deutschlandbild. Seit ber 50 Jahren ist das Goethe-Institut in Spanien mit Instituten in Madrid und Barcelona sowie Nebenstellen in Granada und San Sebastian ttig. Die Spracharbeit des GoetheInstituts hlt im Rahmen der Bildungskooperation Deutsch Angebote fr Ministerien, Fortbildungseinrichtungen, Schulen, Universitten, Sprachschulen, Germanistenverbnde und Deutschlehrende bereit. Es wurden Kooperationen mit Bildungsministerien auf allen Gebieten des Deutschunterrichts eingegangen und Aktivitten zur Einfhrung oder Ausweitung von Deutsch als Fremdsprache untersttzt. In den letzten Jahren wurden mit den Bildungsministerien in den Autonomen Gemeinschaften Andalusien, den Balearen, dem Baskenland, den Kanaren, Kastilien-Len, Katalonien, Madrid, Murca und Navarra Vereinbarungen ber die Zusammenarbeit mit dem Ziel der Frderung von Deutsch an Schulen und in der Erwachsenenbildung unterzeichnet. In den Kursen der GoetheInstitute in Spanien erwarben 2009 ber 6.000 Lernende deutsche Sprachkenntnisse, ca. 4.500 legten an den 69 Goethe-Instituten und bei kooperierenden Lizenznehmern eine Deutschprfung ab.

3.2.

Deutsche Auslandsschulen

Bei der Frderung des Erlernens der deutschen Sprache kommt den deutschen Auslandsschulen eine zentrale Rolle zu. Von weltweit 135 Schulen befinden sich 11 in Spanien, mehr als in jedem anderen Land. Viele von ihnen besitzen eine lange Tradition, wie z.B. die 1896 gegrndete Deutsche Schule Madrid. Fr die deutsch-spanischen Beziehungen sind sie von groer, langfristiger Bedeutung, da die Absolventen deutscher Auslandsschulen nicht nur eine zweisprachige Ausbildung erhalten haben, sondern durch die Begegnung in der Schule auch gut mit beiden Kulturen vertraut sind und spter hufig in Fhrungspositionen eine vermittelnde Funktion einnehmen knnen. Auslandsschulen werden durch einen Schulverein getragen, der sich durch das Schulgeld der Eltern oder Spenden finanziert. Die deutsche Regierung frdert die Schulen ber die Zentralstelle fr das Auslandsschulwesen im Bundesverwaltungsamt sowohl finanziell als auch personell durch die Entsendung von Lehrern, Vier Schulen befinden sich in bundeseigenen Liegenschaften. Im Schuljahr 2009/10 arbeiten 118 entsandte Lehrer aus Deutschland an den Deutschen Schulen in Spanien. Insgesamt besuchen im Jahr 2010 ber 6.300 Schler die Deutschen Schulen in Spanien, davon haben gut 4.700 die spanische Staatsbrgerschaft, Doppelstaatler eingerechnet. Die deutschen Auslandsschulen in Spanien werden also von deutlich mehr einheimischen als deutschen, sterreichischen oder schweizerischen Kindern besucht. Der Anteil von Schlern mit deutschem Pass variiert allerdings je nach Schule zwischen unter 10 % und ber 60 %. Diese Unterschiede gehen einher mit der Vielfalt der an den Deutschen Schulen angebotenen Abschlsse. Whrend sieben Auslandsschulen in Spanien zum deutschen Abitur fhren, sind die Deutschen Schulen in Sevilla und San Sebastin im spanischen Bildungssystem verwurzelt und bieten das spanische Bachillerato mit einem verstrkten Deutschunterricht an. Gleichzeitig nehmen die Schler dort an den Prfungen zum Deutschen Sprachdiplom teil, das mit dem Bestehen der zweiten Stufe die fr ein Studium in Deutschland erforderlichen Sprachkenntnisse bescheinigt.

69

siehe www.goethe.de/pruefungen

24

Eine besondere Stellung nehmen die beiden Berufsschulen in Madrid und Barcelona ein, die von der Asociacin Hispano-Alemana de Enseanzas Tecnicas (ASET) betrieben werden und nach dem deutschen dualen System ausbilden, welches theoretischen Unterricht an der Berufsschule bzw. ein kaufmnnisches Studium mit der praktischen Ausbildung in den ausbildenden Betrieben verbindet.

3.3.

Die Initiative Schulen: Partner der Zukunft70

Unter dem Motto Schulen: Partner der Zukunft (PASCH) wurde 2008 auf Initiative des damaligen deutschen Auenministers mit dem Aufbau eines weltumspannendes Netzes von 1.000 Schulen begonnen. Neben den Deutschen Auslandsschulen nehmen Schulen aus 130 Lndern daran teil. Mit dieser kulturpolitischen Initiative soll bei jungen Menschen ein nachhaltiges Interesse fr das moderne Deutschland und die deutsche Sprache geweckt und ihnen darber hinaus ein Zugang zur deutschen Sprache und Bildung ermglicht werden. Die Partnerschulinitiative wird vom Auswrtigen Amt koordiniert und gemeinsam mit der Zentralstelle fr das Auslandsschulwesen, dem Goethe-Institut, dem Pdagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst umgesetzt. In Spanien gehren neben den Deutschen Auslandsschulen zwlf weitere Schulen zum Partnerschulnetz, von denen wiederum acht durch das Goethe-Institut und vier ber die Zentralstelle fr das Auslandsschulwesen gefrdert werden. Das Goethe-Institut bietet u.a. Stipendien fr Lehrkrfte und Schler, untersttzt die Schulen bei der Entwicklung von modernen, multimedial verwendbaren Lehrmaterialen, mit Besucherreisen fr Schuldirektoren sowie kreativen Projekten fr Schler. Die Zentralstelle fr das Auslandsschulwesen leistet kompetente Beratung beim pdagogischen Qualittsmanagement, untersttzt bei der Vorbereitung und Abnahme von Sprachprfungen zum Deutschen Sprachdiplom und frdert die Verbesserung der materiellen Einrichtungen der Partnerschulen. Alle Schulen des Netzwerkes sind eingeladen, an weltweiten Wettbewerben teilzunehmen und durch das Erringen von Auszeichnungen ihre Schler weiter zum Deutschlernen zu motivieren. Um in den Genuss von Frderangeboten zu kommen, leisten die spanischen Partnerschulen immer auch einen eigenen Beitrag. Sie tragen dafr Sorge, dass an der Schule Deutsch als erste Fremdsprache gelernt werden kann und ausreichend Deutschlehrende zur Verfgung stehen. Besonders engagierte Schlerinnen und Schler werden vom Goethe-Institut zu dreiwchigen internationalen Jugendkursen in Deutschland eingeladen. Durch diese Stipendien erhalten sie die Chance, ihre interkulturelle Kompetenz und ihre Deutschkenntnisse zu erweitern, frhzeitig eine Bindung zur deutschen Kultur aufzubauen und die Grundlagen fr ein Studium in Deutschland zu legen. Neben den Jugendkursen in Deutschland werden auch Projekte mit Deutsch fr Schlerinnen und Schler in Spanien ermglicht, wie die Untersttzung der Grndung von Schlerbands oder von Theatergruppen. Es wird darber hinaus die sprachliche und methodisch-didaktische Fortbildung der Lehrkrfte mit Stipendien fr Seminare und Sprachkurse in Deutschland gefrdert. Die PASCH-Initiative wurde insbesondere von den staatlichen Schulen in Spanien mit Begeisterung aufgenommen. Im Jahr 2010 verlieh die Regierung von Aragn als Anerkennung der Leistung bei der Frderung des Deutschunterrichts der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland die Medalla de la Educacin Aragonesa.

70

Vgl. www.pasch-net.de

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4.

Resmee und Ausblick

Die Umsetzung des Bildungsgesetzes Ley Orgnica de Educacion (LOE) vom 3. Mai 2006 und die damit zusammenhngende Formulierung von Ausfhrungsbestimmungen ist mit dem Schuljahr 2009/2010 abgeschlossen. Ziel ist die Vorbereitung Spaniens auf die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts, wozu auch die Frderung und Verbesserung des Fremdsprachenunterrichts durch das Angebot einer zweiten Fremdsprache z.T. ab der Primarstufe und neue Mglichkeiten zum Einsatz qualifizierter Lehrkrfte fr den Fremdsprachenunterricht gehren. Fr die Escuela Oficial de Idiomas gilt darber hinaus, dass grundstzlich die Mglichkeit besteht, auf Lehrpersonal mit nicht-spanischer Nationalitt zurckzugreifen. Allerdings setzt dies in der Regel die Anerkennung eines auslndischen Hochschulabschlusses voraus, welche in Spanien sehr aufwendig ist und Jahre in Anspruch nehmen kann, so dass der Einsatz auslndischer Sprachlehrer nur eingeschrnkt mglich ist. Die Hoffnungen, die mit dem LOE verbunden waren, haben sich bisher nur zum Teil erfllt. Die im europischen Vergleich starke Konzentration auf das Erlernen der englischen Sprache in Verbindung mit der bescheidenen Anzahl der Franzsisch- und der besonders niedrigen Anzahl der Deutschlerner lassen befrchten, dass Spanien bei der Realisierung des bildungspolitischen Zieles der Mehrsprachigkeit hinter anderen EU-Staaten zurckbleibt. Im Frhjahr 2011 wird auf Initiative der Europischen Kommission erstmals eine quantitative Erhebung zur 71 Fremdsprachenkompetenz in der EU durchgefhrt werden, an der auch Spanien teilnimmt. In der Erhebung werden die Kenntnisse der am hufigsten gelehrten europischen Fremdsprachen (Englisch, Franzsisch, Deutsch, Italienisch oder Spanisch) in den Teilnehmerlndern bei einer reprsentativen Auswahl von Schlern im letzten Jahr der ISCED 2, bzw. im zweiten Jahr der ISCED 3 untersucht. Evaluiert wird der Lernstand in den Fertigkeiten Hren, Lesen und Schreiben. Das Ziel der europischen Erhebung ist, den Mitgliedsstaaten, politischen Entscheidungstrgern, Lehrern und Experten verlssliche Daten ber die Fremdsprachenkompetenz in den am hufigsten unterrichteten Fremdsprachen in der Europischen Union zur Verfgung zu stellen. Die Daten sollen als Grundlage fr die weitere Entwicklung sowohl der europischen als auch der landeseigenen Sprachenpolitik dienen. Es wre zu wnschen, dass die Ergebnisse der Umsetzung der Mehrsprachigkeit in Europa einen Schub geben und dazu fhren, dass so frh wie mglich, d.h. bereits im Kindergartenalter, mit dem Lernen der ersten Fremdsprache begonnen wird und dass in den Schulen mindestens zwei Fremdsprachen obligatorisch gelehrt werden. Dabei sollte nicht verbindlich festgelegt werden, um welche Fremdsprachen es sich handelt. Auf bildungspolitischer Ebene sollte man verstrkt dafr Sorge tragen, dass das Fremdsprachenangebot nicht nur vielfltig, sondern auch in hoher Qualitt und mit einer angemessenen Wochenstundenzahl gelehrt wird. Damit Deutschunterricht an spanischen Schulen in einem Umfang angeboten wird, der dem Bedarf aus den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Spanien und den deutschsprachigen Lndern entsprche, wre ein deutlicher Anstieg der Deutschlernerzahlen in Richtung auf den EU-Durchschnitt erforderlich und wnschenswert. Dieses Ziel wird auch zuknftig Engagement von deutscher Seite nach Vorbild der im dritten Abschnitt skizzierten Programme erfordern. Im Jahr 2010 hat das Auswrtige Amt gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen die weltweite Kampagne Deutsch Sprache der Ideen gestartet, um die vielfltigen Angebote deutscher Institutionen im Ausland noch bekannter und bewusster zu machen.

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vgl. www.surveylang.org/es/ (11.4.2010)

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Die Bemhungen werden allerdings wenig bewirken, wenn nicht auch von spanischer bildungspolitischer Seite der Wille und die Bereitschaft vorhanden sind, das Deutschlernen an spanischen Schulen und Universitten zu frdern. Nur dann htte der Deutschunterricht in Spanien eine deutlich gnstigere Perspektive.

Die Autoren: Frau Karin Thelemann ist stellvertretende Institutsleiterin und Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Madrid, Herr Hans-Gnter Lffler ist Leiter und Herr Andreas Beensen ist Referent im Referat fr Kultur und Bildung an der Deutschen Botschaft Madrid.

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