Die Pan-Trilogie: Die magische Pforte der SANDRA ... ... Emma war mal als Galadriel auf einer...

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    05-Aug-2020
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  • SANDRA REGNIER Die Pan-Trilogie: Die magische Pforte der

    Anderwelt (Pan-Spin-off ) 1 5 7

  • i Die Elfen sind zurück!

    Die unterirdischen Gassen Edinburghs sind für die

    16-jährige Allison nichts weiter als eine Touristen-

    attraktion. Bis sie bei einer Führung mit ihrer Schul-

    klasse aus Versehen eine mysteriöse Pforte öffnet

    und unsägliches Chaos anrichtet. Denn von nun an

    heftet Finn sich an ihre Fersen, der zwar verdammt

    gut aussieht, aber leider ziemlich arrogant ist und

    obendrein behauptet, ein Elfenwächter zu sein. Er

    verlangt von Allison, das Tor zur magischen Welt

    wieder zu schließen. Doch wie soll sie das anstellen,

    wenn sie noch nicht mal an die Existenz von Elfen

    glaubt?

    • Das Spin-off zur erfolgreichen Pan-Trilogie

    • 300.000 verkaufte Exemplare der Serie

    • All-Age-Fantasy im unnachahmlichen Regnier-Stil

    TASCHENBUCH1 5 8

  • Ich blinzelte und da geschah es. Der winzige Millisekun-

    denbruchteil reichte aus, um meine Erinnerung zurückzu-

    rufen. Es war alles wieder da! Wie er mich über die Schul-

    ter geworfen und durch die engen Gassen getragen hatte.

    Dass es streckenweise stockfinster gewesen war. Wir hat-

    ten einen anderen jungen Mann getroffen und dann war

    da dieser Durchgang im Mary Kings Close ... Der Durch-

    gang zu dem sonnendurchfluteten Innenhof, der aussah,

    als gehöre er nach Pompeji oder ins antike Rom oder so

    ähnlich.

    Meine beiden Begleiter waren niedergeschlagen wor-

    den von ... Zwergen? Zumindest kleineren Männern, und

    ich hatte Finns Ohren gesehen.

    »Du hast Spitzohren!«, entfuhr es mir.

    Er reagierte nicht.

    »Du hast Ohren wie Peter Pan! Ist das ein Genfehler?

    Hatte dein Vater so was? Oder sind die angeklebt wie in

    Herr der Ringe? Darf ich mal sehen?«

    Ich machte einen Schritt auf ihn zu, doch mein Bein

    ließ mich erneut im Stich. Ich strauchelte und er fing mich

    auf. In einer Geschwindigkeit, die mich überraschte.

    Und mit einer Kraft, an die ich mich ebenfalls wieder

    erinnerte.

    »Du bist kein Mensch, oder?«

    Ich sah zu ihm auf. Er wich meinem Blick nicht aus,

    sondern erwiderte ihn.

    SANDRA REGNIER Die Pan-Trilogie: Die magische Pforte der

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  • »Nein. Ich bin kein Mensch.«

    Ich löste mich aus seinem Griff und trat zurück. Mir

    schwante etwas.

    »Moment mal. Du kannst unglaublich schnell rennen.

    Und du bist übermenschlich stark.« Ich zog meine Uni-

    formjacke vor der Brust zusammen. »Hast du auch einen

    Röntgenblick?«

    Blöderweise trug ich den dämlichen BH mit den klei-

    nen Hufeisen, den Camilla mir letztes Jahr zu Weihnach-

    ten geschenkt hatte. Wieso wartete ich auch immer mit

    dem Waschen, bis der hier übrig blieb?

    »Nein, ich habe keinen Röntgenblick«, sagte Finn. Ein

    winziges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Ich atmete

    erleichtert auf und ließ den Blazer wieder los. 

    Jetzt grinste Finn breit. »Aber ich kann Gedanken lesen.

    Hufeisen hab ich noch nie zuvor auf einem BH gesehen.«

    Entsetzt stieß ich einen Schrei aus. »Du bist ein Alien?

    O Gott! Bitte sag nicht, dass du die Erde für dein Volk er-

    kundet hast, damit sie uns den Sauerstoff abzapfen.«

    »Red nicht so einen Unsinn. Wir leben schon viel län-

    ger hier in England als ihr Menschen.«

    Ich erstarrte. Er hatte Wir gesagt! Was meinte er mit

    Wir?

    »Wir Elfen«, beantwortete er meine unausgesprochene

    Frage.

    Ich wartete. 

    Ich wartete auf das: Ätschbätsch, verarscht! 

    Doch das kam nicht. Stattdessen runzelte er die Stirn.

    »Wer zum Teufel sagt heute noch Ätschbätsch?«, fragte

    er.

    TASCHENBUCH1 6 0

  • Wenn er mir in den Magen geboxt hätte, hätte mir

    nicht schlimmer die Luft ausgehen können.

    »Allison? Bist du okay?« Er kam näher und weil ich so

    klein war, musste er sich zu mir herabbeugen.

    »Allison? Du bist so bleich! Warte, das kann ich än-

    dern.«

    Er hauchte mir ins Gesicht und ein Duft von Frühlings-

    blumen und Leder umwehte mich. 

    »Normalerweise hilft das bei einem Menschen«, mur-

    melte er verdutzt, als ich weiterhin nach Luft schnappte

    und schwankte. Er wollte mich stützen, doch ich hielt ab-

    wehrend eine Hand hoch.

    »Nicht! Anfassen!«, stöhnte ich.

    Er blieb auf Abstand und musterte mich kritisch.

    Ich kniff die Augen zusammen und umfasste meine

    Nase. Das war ein Traum. Das musste ein Traum sein. Ich

    lag in meinem Bett und träumte einfach nur, dass ich in

    einem unterirdischen Gang von Edinburgh stand, mit ei-

    nem äußerst attraktiven Kerl, der meine Gedanken lesen

    konnte. So was gab es im echten Leben nicht. George hatte

    mich mit seinem Gequatsche beeinflusst.

    »Kannst du die Augen wieder öffnen? Wir sind noch

    nicht fertig hier unten.«

    Der Duft von Blumen und Leder wurde stärker. 

    »Ach, verflixt«, murmelte ich. Er hatte Ätschbätsch ge-

    sagt. Er konnte Gedanken lesen!

    »Was ist? Ist dir schlecht?«, erkundigte er sich. Er klang

    weniger besorgt als vielmehr genervt.

    Ich öffnete die Augen. Nein, das war kein Traum. Das

    war Realität pur. Oder ...?

    SANDRA REGNIER Die Pan-Trilogie: Die magische Pforte der

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  • »Kannst du mal deine Mähne von den Ohren nehmen?«

    »Was soll das werden?«

    Ich will mich davon überzeugen, dass ich nicht geträumt habe,

    dachte ich und: Wenn du wirklich Gedanken lesen kannst, soll-

    test du das wissen.

    Ein wenig widerstrebend bewegte er die Hände zu sei-

    nem blonden Schopf. Da waren sie: die Spitzohren.

    »Okay«, sagte ich und atmete ein paarmal hektisch ein

    und aus. »Okay, lass mich nur mal kurz zusammenfassen.« 

    Doch statt irgendetwas zusammenzufassen, trat ich

    näher an ihn heran. Er hatte die Haare wieder über die

    Ohren fallen lassen, aber ich war doch zu neugierig. 

    Emma war mal als Galadriel auf einer Kostümparty

    aufgetreten. Die angeklebten Ohrspitzen aus dem Inter-

    net hatten sich angefühlt wie ein Wasserball, der an Luft

    verloren hatte. Eklig, um ehrlich zu sein.

    Finn hielt ganz still, als ich seine Haare zur Seite schob

    und seine Ohren begutachtete. Er beugte sich sogar ein

    wenig nach unten, damit ich einen besseren Blick drauf

    werfen konnte. 

    »Nur um es klarzustellen«, knurrte er. »Ich halte nur

    still, damit wir endlich vorankommen. Ich weiß schon,

    dass du nur kooperierst, wenn deine Neugierde befriedigt

    ist.«

    Ich achtete nicht auf ihn und berührte seine Ohren.

    Sie fühlten sich wirklich an wie Ohren! Weiche Haut,

    Knorpel, nur waren sie oben halt – spitz!

    Wahnsinn!

    »Wahnsinn«, hauchte ich begeistert und konnte es

    nicht lassen, noch einmal drüberzustreicheln. 

    TASCHENBUCH1 6 2

  • Ich hörte, wie sich Finns Atmung veränderte, und er

    packte meine Hand.

    »Okay, genug gefummelt. Bist du jetzt beruhigt?«

    Beruhigt? 

    »So würde ich es nicht nennen«, gestand ich und schiel-

    te noch immer zu seinen Ohren. »Mir fallen auf Anhieb

    tausend Fragen ein.«

    »Die müssen warten.«

    »Das sehe ich anders«, erwiderte ich und ging erneut

    auf Abstand. »Wenn du wirklich ein Elf bist – das da könn-

    te ja auch immerhin einfach nur ein Gendefekt sein und

    dein Opa hatte schon Spitzohren oder deine Großtante –«

    »Es waren meine Eltern«, warf er ein. »Beide.«

    Ich blinzelte und versuchte mich wieder auf das zu

    konzentrieren, was ich hatte sagen wollen. »Okay, deine

    Eltern. Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass du zur

    Spezies der tauträufelnden Blumenkinder gehörst.«

    »So ein Unsinn«, stöhnte er. »Wir haben noch nie ...«

    Er stockte, weil ich meine Hand hob. »Egal. Du bist ein

    Elf, das lassen wir mal so stehen.« Auch wenn ich es nicht

    glaubte. »Was waren dann die kleinen Männchen, die uns

    überfallen haben? Zwerge? Hobbits? Ich meine, wie viel

    von Herr der Ringe ist echt?«

    Finn starrte mich an.

    »Bitte sag mir nicht, dass es auch Drachen gibt«, fügte

    ich hinzu, weil er noch immer keinen Ton herausbrachte.

    »Was für kleine Männchen?«, fragte er endlich.

    »Na, die, die euch – und mich – niedergeschlagen ha-

    ben. Ich hätte das zwar auch gern getan, immerhin war ich

    die Entführte, aber ...«

    SANDRA REGNIER Die Pan-Trilogie: Die magische Pforte der

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  • »Wie sahen sie aus?«, unterbrach er mich. 

    »Sie waren ungefähr so groß wie ich, was ja eher klein

    ist, und hatten einen olivfarbenen Teint. So nennt man das

    doch? Auf alle Fälle waren sie braun gebrannt und ...«

    »Bei Pans Schwert. Ich muss dem Oberon Bericht er-

    statten.«

    Finn fuhr sich durch seine Haare und stapfte davon,

    ohne sich noch mal nach mi