Hörverstehen und Sprechen - daz-mv.de · PDF fileEmpirische Ergebnisse zum Sprechen...

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  • Hrverstehen und Sprechen

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Komponenten des Spracherwerbs

    Kenntnisse

    Wortschatz

    Grammatik

    Landeskunde

    Fertigkeiten

    mndlich

    Hrverstehen Sprechen

    rezeptiv produktiv

    Leseverstehen Schreiben

    schriftlichDr. Ellen Schulte-Bunert

    Europa-Universitt Flensburg

  • Experiment

    Hren Sie den Text.

    Welche Sprache wird gesprochen?

    Was verstehen Sie?

    Erkennen Sie Wortgrenzen?

    Welche Laute sind Ihnen fremd?

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Wie fhlten Sie sich?

    Was htte Ihnen beim Verstehen geholfen?

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Hrverstehen und Sprechen

    Lernbereich 5.1 in Curricularen Grundlagen

    Basisfertigkeiten

    in Deutsch-Lehrplnen Sprechen und Zuhren

    fr DaZ Hrverstehen und Sprechen denn:

    Ohne Hren kein Sprechen

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Hrverstehen als Basiskompetenz

    Voraussetzungen fr

    das Sprechen und die Aussprache

    das lautliche Durchgliedern/die akustische Analyse beim Schriftspracherwerb sowie

    das lautgetreue Schreiben > Orthographie

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Hrgewohnheiten

    Jedes Kind verinnerlicht beim Erwerb der L1 ein bestimmtes Lautinventar.

    Es werden Hrgewohnheiten entwickelt.

    Trifft ein Lerner in einer neuen Sprache auf Laute und Lautfolgen, die ihm bis dahin unbekannt sind, kann er diese gar nicht oder nur mit groer Anstrengung wahrnehmen.

    Laute knnen den Hrfilter nicht passieren, sie werden herausgefiltert oder der Lerner hrt einen hnlichen, ihm bekannten Laut.

    Hrgewohnheiten knnen verndert und erweitert werden, dies setzt aber ein intensives und lang andauerndes Hrtraining voraus.

    Man muss Laute kennen, um sie zu hren.

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Forschungslage Hrverstehen in der Zweitsprache Deutsch

    Empirische Studien zum Hrverstehen in der Zweitsprache liegen bisher kaum vor.

    Hrverstehen kann als vernachlssigte Dimension des Spracherwerbs betrachtet werden.

    Als rezeptive Fertigkeit ist das HV nicht direkt messbar, sondern kann nur ber Formen der produktiven Fertigkeiten erfasst werden.

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Empirische Ergebnisse zum Hren

    Aktuelle Schulleistungsuntersuchungen zeigen signifikante Leistungsunterschiede im HV zwischen Schlerinnen und Schlern mit deutscher Erstsprache und Kindern und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache.

    Gesprochene Sprache ist flchtig und irreversibel. Im Verstehensprozess muss sich der Hrer daher der Struktur und der Geschwindigkeit des Gehrten anpassen. Dies fhrt hufig zu einer berforderung.

    Erfolgreiches Hrverstehen erfordert sprachliche und strategische Kompetenzen, die sich auf teilweise explizites und teilweise implizites Weltwissen beziehen.

    Die Frderung des Hrverstehens kann zur Untersttzung der Entwicklung von Lesekompetenz beitragen.

    Diese wiederum ist zentrale Voraussetzung zum Abbau von Benachteiligung der DaZ-Schler im Schulsystem.

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Erfahrungen mit HV-bungen und -Aktivitten

    Lehrerin B., Eingangsstufe

    Am Anfang der ersten Klasse habe ich das Gefhl, dass mich auch die DaZ-Kinder gut verstehen, wenn ich Ihnen eine Anweisung gebe. Wenn ich aber differenzierte Auftrge erteile, merke ich, dass einige DaZ-Kinder gar nicht verstehen, sondern einfach tun, was die anderen tun oder sagen.(Nodari 2013)

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Strategien des verstehenden Hrens bei Kindern

    Kleine Kinder setzen fr den Erst- und Zweitspracherwerb unbewusst Strategien fr das Verstehen von mndlichen Aussagen ein:

    1. Verhalte dich in der Gruppe so, wie wenn du alles verstehen wrdest, was vorgeht oder gesagt wird.

    Das Kind mchte nicht auffallen, es mchte dabei sein.

    2. Nimm an, dass das, was die anderen sagen, direkt mit der Situation zu tun hat.

    Das Kind erlebt Sprache verbunden mit der unmittelbaren Umgebung. Die Schlussfolgerung ist somit logisch, trifft aber leider nicht immer zu.

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • 3. Mach genau das, was auch die anderen tun.

    Das Kind nimmt an, dass fr die anderen Kinder das Gleiche gilt. Sie ahmen die Handlungen der anderen nach.

    4. Rate, wenn du etwas nicht ganz verstehst.

    Raten ist die meistgebrauchte Strategie, sowohl beim Lernen als auch beim Verwenden von Sprache.

    (Nodari 2013)

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • HV-Verhalten bei Erwachsenen

    Was will ich erfahren? Wie hre ich?

    Erfahrene Hrer wenden ebenso wie erfahrene Leser bestimmte Strategien an, um das zu erfahren, was sie als wichtig erachten.

    Mit Auftrgen und Hilfestellungen kann die Entwicklung solcher Strategien untersttzt werden.

    Strategische Kompetenzen im Hrverstehen erhhen die Lernfhigkeit.

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Lautbestand der deutschen Sprache

    Quantitativer Umfang

    21 vokalische 24 konsonantische

    Laute Laute

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Besonderheiten des deutschen Lautsystems und der Intonation

    Vokalqualitt

    Komplizierter Silbenbau

    Konsonantenkombinationen am Silbenanfang und ende:

    Herbst, schwarz, schimpfst, Strumpf

    Neueinsatz (erarbeiten, Beamter)

    Keine einheitliche Regel zur Betonung

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Dr. Ellen Schulte-Bunert

  • Wortakzentregeln

    Betont wird:

    Stammsilbe (laufen)

    Wortanfang (weglaufen)

    Bestimmungswort (Wettlauf)

    Endsilbe (Lauferei)

    Vorletzte Silbe (Schokolade, Lokomotive)

    Wortakzent ist bedeutungsunterscheidend (umfahren umfahren)

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Hrstile

    diskriminierendes (lautdifferenzierendes) Hren

    extensives (globales, kursorisches) Hren

    intensives (totales, detailliertes) Hren

    zielgerichtetes (selektives, selegierendes) Hren

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Ordnen Sie die Beschreibungen den verschiedenen Hrstilen zu.

    1. Einzelne Laute sollen genau gehrt oder von anderen unterschieden werden.

    2. Wenige zentrale Aussagen eines Textes gengen, um die Hauptaussagen des Textes zu verstehen.

    3. Aus dem Hrtext sollen nur bestimmte, den Hrer gerade betreffende und fr ihn wichtige Informationen herausgehrt werden.

    4. Alle Informationen eines Textes sind wichtig; alle Details mssen verstanden werden, um die Gesamtaussage zu verstehen.

    a. intensives, totales, detailliertes Hren

    b. selektives, zielgerichtetes Hren

    c. diskriminierendes Hren

    d. extensives , globales Hren

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Vom Hren zum Sprechen

    Was man nicht hrt, kann man nicht sprechen

    entwickelte Hrgewohnheiten mssen verndert, erweitert werden

    Gewhnung an bisher unbekannte Laute:

    lang andauerndes Hrtraining

    rezeptive Sprachttigkeit, damit sich Laute und Klangbilder im Gehirn verankern

    erst danach Sprachproduktion

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Voraussetzungen fr verstehendes Hren (und Lesen)

    Kenntnisse des Sprachsystems

    Wortschatzkenntnisse

    Grammatische Kenntnisse - insbesondere syntaktisches Wissen (Satzbau, Satzstrukturen)

    Weltwissen

    Kontextwissen (im welchem Zusammenhang stehen die neuen Informationen?)

    Textwissen (Textsorte, Textaufbau)

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Universitt Flensburg

  • Empirische Ergebnisse zum Sprechen

    Fertigkeit Sprechen ist ebenfalls kaum untersucht

    Alphabetisierung in L1 erschwert Aussprache

    Sprachproduktion leidet unter eklatantem Mangel an Lexik

    mangelhafte Aussprache und ungebruchliche Sprachmelodie knnen mndliche Verstndigung nachhaltiger stren als grammatische Fehler

    normgerechte Aussprache hat soziale Dimension

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Beobachtungen im Unterricht

    Fachlehrer beklagen sich ber sprachlose DaZ-Schler in der RK (Teilintegration)

    die gleichen Schler sprechen im DaZ-Unterricht

    schriftliche Leistungen in der RK (Teilintegration) hufig besser als mndliche

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Silent period

    Lerner produziert kaum oder gar keine sprachlichen uerungen

    stattdessen wird durch Zuhren und Verarbeiten des sprachlichen Inputs gelernt

    Phase kann einige Monate dauern

    Lerner sollten nicht zum Sprechen gezwungen

    werden negative Auswirkungen auf Sprachlernen(Van Patten 2010)

    Dr. Ellen Schulte-Bunert Europa-Universitt Flensburg

  • Didaktische Konsequenzen fr die Entwicklung der Fertigkeiten Hrverstehen und Sprechen

    Generell:

    differenziertes Angebot an Sprachvorbildern geben

    Lehrersprache als Sprachvorbild

    Hrziele vorgeben

    mehr Zeit fr Antworten geben

    Redemittel vorgeben

    fehlende Wrter erfragen

    sprachliche Joker benutzen

    Schulung der Aussprache ist nie Selbstzweck, sondern immer in andere Themen eingebettet (Wortschatz, Rec