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    07-Oct-2020
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Faust I. – Aufgaben für die Klassen 10.1-10.4

Liebe Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10,

zuletzt hattet ihr Aufgaben zur Gefühlswelt des Fausts. An diesen kann man wunderbar nachvollziehen, dass Faust alles andere als ein abgedroschenes Stück aus dem 19. Jahrhundert ist. Faust ist ja tatsächlich nichts anderes als ein Junkie, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, seinen Geist zu erweitern. Der Unterschied zu dem Junkie unseres modernen Verständnisses besteht darin, dass Faust eben nicht auf Drogen aus ist, sondern darauf, sein Wissen ins Unermessliche zu erweitern. Man kann durchaus so weit gehen und behaupten, Faust ist auf der Suche nach dem „Monsterkick“.

Diesen strebt er zwar an, doch alles, was er bisher erreicht oder gefunden hat, reicht nicht aus. Dies erfüllt ihn schlicht nicht mehr. Faust verfällt somit – modern ausgedrückt – in eine tiefe Depression oder auch Krise, wie es unten dargestellt ist.

Fausts Existenzkrise

Ausgangslage Fausts:

· hat als Gelehrter alle Wissensmöglichkeiten ausgeschöpft *1

· zweifelt an der Erkenntnisfähigkeit des Menschen *2

· lebt ohne Glauben an traditionelle Werte *3, ohne Lebensfreue *4 und ohne soziale sowie materielle Anerkennung *5

unbefriedigtes Erkenntnisstreben: Faust will an Schöpfungsidee verstehend teilhaben *6

möglicher Weg zur Erkenntnis jenseits der Buchgelehrtheit: die Magie *7

Oben wird euch die Ausganglage bzw. Fausts Existenzkrise in groben Zügen dargeboten. Allerdings seht ihr bislang nur Behauptungen, die noch auf ihren jeweiligen Beweis durch den Text „warten“. Um euch hierbei etwas zu führen, befindet sich an jeder Stelle, die man mittels des Textes (direkt oder indirekt) belegen muss, ein Sternchen sowie eine Nummer.

Ergänzt die fehlenden Nachweise. Bezieht euch dabei auf die Verse 350-390.

Faust erkennt letztlich, dass er als Mensch schlicht auf die Begrenztheit seines „Studierzimmers“ bzw. des „Menschenmöglichen“ beschränkt ist. Für ihn ein Zustand, mit dem er sich nicht abgeben möchte. Wer von uns würde sich mit etwas „Zweitklassigem“ zufriedengeben, wenn er „Größeres vor Augen“ hat. Auch Faust ist derart unzufrieden, dass er versucht, seiner Begrenztheit auf anderen Wegen zu entkommen. Einmal mit dem Zeichen des Makrokosmos von Nostradamus[footnoteRef:1], beim zweiten Mal, indem er einen Erdgeist beschwört und zuletzt, indem er sich vergiften möchte. Glücklicherweise wird er bei der Durchführung seines letzten „Entgrenzungsversuches“ abgehalten, denn sonst wäre einerseits die Geschichte hier schon aus und andererseits gäbe es für Mephisto gar keine Chance, seine Wette zu gewinnen. Comment by Benedikt: In der Szene Prolog im Himmel, die dem Drama vorangestellt ist, wettet Mephisto mit Gott, dass er Faust auf sündige Abwege führen kann und Faust somit nicht in den Himmel kommt. [1: Michel de Nostredame, genannt Nostradamus, war ein französischer Arzt, Apotheker und Astrologe, der für seine Prophetien berühmt war. ]

Unten findet ihr die einzelen Versuche Fausts, seinen menschlichen Grenzen zu entfliehen, noch einmal zusammengefasst.

In der Folgeszene verlässt Faust mit seinem Famulus Wagner[footnoteRef:2] das Studierzimmer, anlässlich des Osterfestes. Man mischt sich unter das bürgerliche Volk. Die erwachende Natur lässt Faust kurzzeitig seine Sorgen vergessen. Man könnte durchaus annehmen, dass Faust die Bürger um ihr Nichtwissen bzw. um die friedliche Akzeptanz desselben beneidet. Sie können, ganz anders als er, ausgelassen feiern. Nicht umsonst legt er ihnen die Worte in den Mund: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein.“ (V. 940). Faust gehört aber nicht zu diesen Menschen, er hebt sich von ihnen ab. Denn diese verehren Faust als Helfer, Hochgelehrten und Arzt. Fausts Sonderstellung wird dadurch deutlich – er hebt sich von der Masse ab, gehört nicht wirklich dazu. Wieder wird er damit konfrontiert, dass er einerseits als Mensch begrenzt ist, andererseits den Wunsch nach Entgrenzung in sich spürt, was er im Vers 1112f. mit „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen;“ zum Ausdruck bringt. Comment by Benedikt: Erwachende Natur steht hier natürlich nicht nur für die Natur – es ist Frühling –, sondern auch für Jesus Christus – es ist Ostern. ;) [2: Schüler des Fausts, der an dieser Stelle nur insofern wichtig ist, dass er einen immerwährenden Kontrast zu Faust bildet. Ist Faust beispielsweise bitterlich enttäuscht von dem reinen Bücherwissen, gibt es für Wagner nichts Erbaulicheres. ]

Beschreibe mit eigenen Worten, was genau Faust mit den „zwei Seelen“, meint! „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen;“ (V. 1112f.)

Man sieht die Lage von Faust ist ausweglos. Wenn er seiner Begrenztheit entfliehen möchte, könnte er dies nur mittels Selbstmord bewerkstelligen (vgl. oben), doch davon halten ihn die Engel ab. Goethe tut das nicht nur, um die Wette zwischen Gott und Mephisto „am Laufen zu halten“, sondern auch um Faust von der Todsünde des Selbstmordes abzuhalten. Comment by Benedikt: Ein solcher Fall wäre der „lucky punch“ für Mephisto, der nun gegen Gott gewonnen hätte.

Glücklicherweise betritt nun – zurück im Studierzimmer – Mephisto „die Bühne“ und stellt sich vor: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (1336f.). Comment by Benedikt: Durchaus ironisch ist es, dass sich Mephisto just in dem Moment, in dem Faust seine Bibel aufschlägt, um in ihr lesen zu können, zu erkennen gibt.

Erkläre Mephistos Selbstbeschreibung als „Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (V. 1336f.), aus seinen Aussagen in den V. 1336-1378 heraus. Fasse seine Aussage anschließend in einer comictypischen Sprache unten zusammen.

Schon beim letzten Mal solltet ihr euch mit dem Pakt zwischen Mephisto und Faust beschäftigen; d. h., euch ist bekannt, was passieren muss, dass Mephisto Faust in Ketten schlagen kann/darf. Um in unserem Beispiel vom Anfang zu verbleiben, Mephisto muss Faust den „Mega-Tripp“ verschaffen. Faust muss einen derartigen Genuss empfinden, dass er ausruft: „Verweile doch! du bist so schön!“ (V. 1700) Doch ist diese Aufgabe so einfach zu erfüllen? An dieser Stelle muss man sich erst einmal damit auseinandersetzen, was beide unter „Genuss“ verstehen.

Erkläre anhand der ausgewählten Textaussagen von Faust und Mephisto mit eigenen Worten, was die beiden jeweils unter „Genuss“ verstehen.

Lies die Szene Auerbachs Keller (V. 2073-2337) und weise das konträre Genussverständnis von Faust und Mephisto anhand ausgewählter Stellen nach.

Schaut euch ergänzend „Auerbachs Keller“ in der Inszenierung von

Gustav Gründgens (https://www.youtube.com/watch?v=1d3ZvmIIwRc) und

Peter Stein (https://www.youtube.com/watch?v=w6Ya-_-fJEE) an.

Ihr könnt auch einfach als Suchbegriffe Faust Auerbachs Keller Gründgens eingeben.

Lest die Szenen „Hexenküche“, „Straße“ und „Abend“ (bis Vers 2804) und fertigt zu jeder Szene eine kleine Inhaltsnotiz an.

Auch zu diesen drei Szenen schaut ihr euch zum besseren Verständnis die Inszenierung von Peter Stein an.

Suchbegriffe Faust Hexenküche Stein und dann bei Opus Ultimum Kapitel 10-12

Viel Erfolg, gutes Gelingen sowie weiterhin beste Gesundheit

eure Deutschlehrer

PS: Bei Rückfragen weiterhin erreichbar unter [email protected], [email protected], [email protected]