Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN

Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN
Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN
Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN
Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN
Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN
download Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN

of 5

  • date post

    24-Jan-2021
  • Category

    Documents

  • view

    0
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of Informationsblatt Landschaft 14934... Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1 Informationsblatt Landschaft ISSN

  • Inf.bl. Landsch. 86, 2012 1

    Informationsblatt Landschaft ISSN 1661-5824

    2012 86 Eidg. Forschungsanstalt WSL Institut fédéral de recherches WSL Istituto federale di ricerca WSL Swiss Federal Research Institute WSL CH-8903 Birmensdorf

    Was für Muster finden sich im Naherholungsverhalten der Schweizer? Grundlagen für ein Stiefkind der Planung

    Matthias Buchecker, Barbara Degenhardt und Felix Kienast

    Oktober

    Mit der bewegungsarmen und oft Stress-belasteten Büroarbeit wird der Wunsch grösser, sich abends oder am Wochenende im Grünen zu erholen. Trotzdem ist Naherholung im periurbanen Raum, wo die Entwicklungsdyna- mik das siedlungsnahe Grün besonders bedroht, in Planung und Politik kaum ein Thema. Auch die Forschung hat sich wenig mit dem Phänomen Naherho- lung befasst. Insbesondere fehlten bisher Grundlagen zur räumlichen Naher- holungsnutzung. Ein vom BAFU unterstütztes WSL-Projekt hat Licht in die- ses Dunkel gebracht.

    nuss.» Damit meinte er nicht nur Som- meraufenthalte auf dem Lande, sondern auch die regelmässigen Ausflüge vor die Tore der Stadt (Schumacher 2002). Ungestört in der Wohnumgebung spa- zieren zu können und dort Natur zu erleben, sind auch heute zentrale Krite- rien für die Wohn- und Lebensqualität im periurbanen Raum (Frick und Buch- ecker 2005). Im Standort-Marketing hat die Qualität der Wohn umgebung für Erholungsaktivitäten einen erstrangigen Stellenwert erreicht. Naherholung, also die Freizeitnutzung von Grünräumen

    Abb. 1. Naherholung wird oft als etwas Selbstverständliches erachtet, wofür es einfach etwas Grün braucht. Foto: Barbara Degenhardt. Fig. 1. Nearby outdoor recreation is often considered as something given that just requires some green elements. Photo: Barbara Degenhardt.

    um das eigentliche Siedlungsgebiet he- rum, gilt jedoch im gesellschaftlichen Diskurs als etwas Selbstverständliches, über das man sich kaum Gedanken oder Sorgen macht (Wild-eck 2002). Entsprechend wird die Qualität von Naherholungsgebieten – abgesehen von kleineren Debatten über den Lei- nenzwang für Hunde oder die Rück- sichtslosigkeit von Bikern – selten zu einem politischen Thema. Auch in der

    Urban inhabitants’ wish for recreation in green areas around cities is increas ing, in particular, in highly dynamic peri-urban regions. However, these nearby outdoor recreation areas are un- der high pressure. All the same, nearby outdoor recreation is not an issue in planning and policy of Swiss peri-urban regions, and there was also little empiri- cal research on this subject so far. A recently accomplished series of projects at WSL addressed this research gap. Based on a qualitative pre-study repre- sentative surveys were conducted in small cities of three language regions in Switzerland. The data encompassed planning-relevant characteristics of in- habitants’ patterns of nearby outdoor re- creation behaviour. A comparative ana- lysis of these survey data revealed com- mon patterns of nearby outdoor re- creation behaviour across the language regions, but also some systematic language culture-specific variation. A psychological model combining qualita- tive findings of the study with theor- etical approaches highlighted inhabi- tants’ work demands and personal re- sources as main drivers for nearby out- door recreation behaviour. Finally, GIS modelling revealed that area characteri- stics predicted the inhabitants’ spatial nearby outdoor recreation behaviour in a high degree. By combining empirical data and expert knowledge, a spatial model of nearby outdoor recreation for the Swiss peri-urban regions could be developed. This model can be a valuable tool for the visualization of nearby out- door recreation in planning and policy.

    Schlafen und Sonntagsruhe galten im 19. Jahrhundert als die eigentlichen «Kraftstationen», um sich von den An- strengungen des Alltagslebens zu erho- len. Bereits kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert konstatierte jedoch der Hygieniker Max Rubner in einem Vor- trag: «Mit einer elementaren Macht hat sich allmählich bei dem Grossstädter der Zug nach dem Lande entwickelt; je mehr er sich im Laufe des Jahres seinem Beruf hingibt und seine Kräfte opfert, mit um so grösserer Sehnsucht erwacht bei ihm die Begierde nach dem Landge-

  • Inf.bl. Landsch. 86, 2012 2

    räumlichen Planung fristet die Nah- erholung ein Schattendasein (Junker und Buchecker 2008). In den grössten Städten der Schweiz wird sie aller- dings als relevante Nutzungsform in der Grünraum-, Nutzungs- und Entwick- lungsplanung berücksichtigt. In Zürich wurden in «grünen» Teilgebieten wie Zürich-Affoltern gezielt Landschafts- entwicklungskonzepte durchgeführt, um die Naherholung zu verbessern. In kleineren und mittleren Städten des Mittellandes beschränkt sich die Aus- einandersetzung mit der Naherholung jedoch häufig auf die Bezeichnung von Gebieten mit hoher Erholungseignung in Richtplänen. Gerade hier wäre der Steuerungsbedarf für Naherholung je- doch besonders dringlich. Wegen der Entwicklungsdynamik besteht ein ho- her Druck auf die bestehenden Grünflä- chen um die Siedlungen. Gleichzeitig steigern Faktoren wie der zunehmende Anteil an Kopfarbeit und allgemein Stress am Arbeitsplatz, die Überal- terung, die zunehmende Freizeit und nicht zuletzt die Bevölkerungszunahme die Nachfrage nach Naherholung. Tat- sächlich gibt es erste Hinweise darauf, dass die Übernutzung des verknappten Naherholungsangebots zu einer rück- läufigen Häufigkeit von Naherholungs- aktivitäten führt (OBerhOlzer-Wyler 1991; SHP 1999/20101; hunziker et al. 2012). Gleichzeitig wird eine massive Zunahme der Freizeitmobilität beo- bachtet (BFS und ARE 2012). Ähnlich wie Politik und Planung hat auch die Forschung dem Thema Naher- holung allgemein wenig Aufmerksam- keit geschenkt. International konzen- trierte sich die Forschung zu Freiraumer- holung auf die Nutzung von städtischen Pärken und Naturpärken, Barrieren der Erholungsnutzung, Nutzerkonflikten und dem Nutzen der Naturerholung für das Wohlbefinden der Besucher. In der Schweiz widmete sich die Erholungs- forschung traditionell interessanterweise schwergewichtig der Walderholung. Das Naherholungsverhalten städtischer Be- wohner und insbesondere deren räum- liche Erholungsansprüche blieben hin- gegen weitgehend unbearbeitet. Im Rahmen des COST E33 Projektes «Walderholung und Natur-Tourismus» und einem vom BAFU mitfinanzierten Folgeprojektes hat sich die WSL in den letzten Jahren mit der Frage befasst, welche Faktoren das Naherholungs- verhalten insgesamt und insbesondere das räumliche Naherholungsverhalten in periurbanen Gebieten beeinflussen

    1 Swiss household panel: www.swisspanel.ch

    sowie welche Gebiete die Bewohner dabei bevorzugt nutzen. In einem ersten Schritt wurden dabei Interviews mit ei- ner gezielten Auswahl von Erholungs- suchenden geführt. Darauf aufbauend wurden die Bewohner verschiedener kleinerer und mittlerer Städte aus drei Sprachregionen der Schweiz in standar- disierter Form über ihr Naherholungs- verhalten befragt. Schliesslich wurde aus diesen Daten ein räumliches GIS- Model der Naherholung entwickelt.

    Naherholung als gemein­ sames Phänomen in der mehr­ sprachigen Schweiz

    In der Deutschschweiz ist Naherholung ein Begriff, den alle Leute problemlos verstehen und sich darunter wohl etwas Ähnliches vorstellen. In der französi- chen und italienischen Sprache fehlt ein entsprechender Ausdruck, so dass Naherholung mit einer ziemlich kom- plizierten Wortkombination umschrie- ben werden muss (z. B. loisir dans la nature proche de Delémont). Zudem unterscheidet sich die Konnotationen der verwendeten Ersatzbegriffe «loisir» (Freizeit) und «svago» (Vergnügen) deutlich von jener von Erholung. Es stellt sich also die Frage, ob das Phä- nomen Naherholung in der lateinischen Schweiz in ähnlicher Form wie in der deutschen Schweiz auftritt. Tatsächlich lässt sich in den Untersu- chungsgebieten der drei Sprachregi- onen (in der rätoromanischen Schweiz fehlen klassische periurbane Gebiete) ein gemeinsames Verhaltensmuster der

    Naherholung erkennen, wenn auch mit kulturspezifischen Abweichungen. Al- len ist gemein, dass die Bewohner einen deutlich grösseren Anteil ihrer Freizeit in Naherholungsgebieten verbringen als in Pärken und Anlagen innerhalb der Siedlungen sowie Erholungsgebieten ausserhalb der Region (Abb. 2). Über- all entfällt der zeitlich grösste Anteil der Freizeitaktivitäten im Grün auf jene direkt ums Wohnhaus (Balkon, Wiese). Gemeinsam sind allen kulturellen Gruppen die Motive für Naherholung: In systematischer Weise rangiert dabei Gesundheit vor Natur, Entspannung und Regeneration. Typisch ist zudem die Vielfalt der individuell angegebenen Motive für Naherholungsaktivitäten. Auffällig ähnlich ist auch die Präferenz für Gebietseigenschaften im Naherho- lungsgebiet unter den Sprachregionen. Stille, Fernsicht, natürliche Vielfalt und Wald werden in dieser Reihenfol- ge in allen Sprachregionen als beson- ders positiv, Gebäude und Verkehr als besonders negativ gewertet. Gleich- zeitig zeigt sich hier eine Deutsch- schweizer Eigenart, nämlich dass auch historische Gebäude, Nadelwald und Gärten als attraktive Bestandteile im Naherholungsgebiet wahrgenommen werden. Deutschschweizer scheinen das Naherholungsgebiet auch mit «Hei- mat» zu konnotieren, während in den lateinischen Sprachregionen die reine (im Französischen die wilde, im Italie- nischen die schöne) Natur gesucht wird (BrechBühl und rey 1998). Der Um- stand, dass der Einfluss der Kultur auf Gebietspräferenzen grösser ist als ande- re sozio-demographische Faktoren wie Alter oder Einkommen,