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    A 15/1Adelige Umgangsformen heute

    www.stil.de Ausgabe 4/2012 • 21

    Keine Angst vorm „blauen Blut“: Diese Umgangsformen gelten in Adelskreisen

    DARUM GEHT ES: Welche Bedeutung hat der Adel heute? Ist er ein Relikt vergan- gener Epochen? Benötigen Sie spezielle Umgangsformen oder

    besonderes Wissen, um sich in aristokratischen Kreisen zu bewegen? Lesen Sie, wie Sie im 21. Jahrhundert angemessen mit adeligen Titelträgern umgehen: weder ignorant noch unterwürfig.

    Die Themen: Adel und Adelstitel sind längst abgeschafft: Stimmt das? . . . . . . 2

    So bewegen Sie sich auch in Adelskreisen parkettsicher . . . . . . . 4

    1. Gut Informiert ist halb gewonnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

    2. Gehen Sie sorgsam mit Titeln und Formen um . . . . . . . . . . . . 9

    3. Bleiben Sie Sie selbst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

    4. Respektieren Sie die adeligen Werte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

    Ihr Experten-Team: Agnes Anna Jarosch und Horst Arnold

    Agnes Anna Jarosch ist Chefredakteurin von „Der gro- ße Knigge“, Buchautorin und zertifizierter Coach. Sie leitet den „Deutschen Knigge-Rat“, schult deutsch- landweit Führungs- und Nachwuchskräfte und wird überregional in den deutschen Medien zitiert (Print, Rundfunk, Fernsehen). Dieser Beitrag entstand in Zu- sammenarbeit mit Horst Arnold, Protokollchef der Bundespräsidenten von 1974 bis 2001.

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  • A 15/2 Adelige Umgangsformen heute

    • Ausgabe 4/2012 www.stil.de22

    Adel und Adelstitel sind längst abgeschafft: Stimmt das? Wüssten Sie auf Anhieb, wie Sie sich zu verhalten haben, wenn Sie es bei einem Small Talk mit einer Gräfin, einem Freiherrn oder einer Frau von Exempel zu Musterberg zu tun hätten? Falls nicht, befinden Sie sich in guter Gesell- schaft. Die meisten Menschen sind unsicher, wie sie Ade- lige korrekt ansprechen und sich parkettsicher in Adels- kreisen bewegen.

    Häufig bekomme ich zu hören, dass Adel und Adelstitel längst abgeschafft seien. Diese Aussage ist so nicht richtig. Korrekt ist: Artikel 109 Absatz 3 der Weimarer Reichsver- fassung vom 11. August 1919 hebt öffentliche Vorrechte der Geburt auf und bestimmt, dass Adelsbezeichnungen nur noch als Teil des Namens gelten und nicht mehr ver- liehen werden dürfen.

    „Hoheit“ und „Durchlaucht“

    Nach diesen Bestimmungen sind Anreden wie „König- liche Hoheit“ oder „Durchlaucht“, die den Angehörigen adeliger Familien vor 1919 zustanden, fortgefallen.

    Die den Namen vorangestellten Abkürzungen, zum Bei- spiel S. K. H./I. K. H. (Seiner Königlichen Hoheit/Ihrer Kö- niglichen Hoheit) sind ebenfalls entfallen.

    Diese Anreden sind nur dann zu berücksichtigen, wenn Verwandtschaften zu regierenden Adelshäusern im Aus- land bestehen. Außerdem werden diese Kürzel im privaten Schriftverkehr sowie beim gesellschaftlichen Umgang in Adelskreisen immer noch gepflegt und verwendet.

    hinweis: Welchem Mitglied eines Adelshauses welcher Titel zukommt, ist auch für Kundige nur aus dem jeweili- gen Abschnitt des Genealogischen Handbuchs des Adels zu ersehen.

    Keine Vorrechte mehr

  • A 15/3Adelige Umgangsformen heute

    www.stil.de Ausgabe 4/2012 • 23

    Adelige Abkürzungen und ihre Bedeutung

    I. H. Ihrer Hochwohlgeboren

    S. H. u. I. H. Seiner Hochwohlgeboren und Ihrer Hoch- wohlgeboren oder

    S. I. H. H. Seiner und Ihrer Hochwohlgeboren/-en

    S. E. Seiner Erlaucht

    I. E. Ihrer Erlaucht

    S. D. Seiner Durchlaucht

    I. D. Ihrer Durchlaucht

    S. K. H. Seiner Königlichen Hoheit

    I. K. H. Ihrer Königlichen Hoheit

    S. K. K. H. Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit

    Faszination für Herrscherhäuser und blaues Blut

    Trotz Weimarer Verfassung: Heute, ein knappes Jahr- hundert später, ist die Begegnung mit einer blaublütigen Persönlichkeit für viele Normalbürger immer noch ein be- sonderes Ereignis.

    Es bleibt dabei, dass viele Menschen auch heute noch fas- ziniert sind von den Stammbäumen und Wappen, der Tra- dition und den Umgangsformen.

    Dem Adel ist es also weitgehend gelungen – Gesetze hin oder her –, die „Aura des Blaublütigen“ als markantes Merkmal zu bewahren – Ausnahmen und Negativbeispie- le aus der Presse bestätigen diese Regel. Die besondere Aura wird gepflegt durch die Formen des Umgangs, die Einstellung und den adeligen Ehrenkodex. Seite A 15/15

  • A 15/4 Adelige Umgangsformen heute

    • Ausgabe 4/2012 www.stil.de24

    So bewegen Sie sich auch in Adels- kreisen parkettsicher Viele Menschen sind schlecht informiert und unsicher: Sie verhalten sich gegenüber Titelträgern entweder ignorant oder unterwürfig. Doch das sollte heute passé sein: Treten Sie in aristokratischen Kreisen respektvoll und angemes- sen, aber auch partnerschaftlich und selbstbewusst auf. Lesen Sie, wie Ihnen das gelingt.

    1. Gut informiert ist halb gewonnen Adelige fühlen sich der eigenen Historie, Tradition und Kul- tur überdurchschnittlich verpflichtet. Aus diesem Grund machen auch Sie eine gute Figur, wenn Sie über einige wesentliche kulturelle und historische Besonderheiten des Adels informiert sind.

    Königliches Blut und besondere Verdienste

    Adelig war/wurde, wer königliches Blut an sich besaß oder den Adelstitel vom König oder von einem anderen Adeligen verliehen bekam – meistens für besondere Ver- dienste, militärische Siege oder aus Gunst. Später wurden in Deutschland auch Beamte und Juristen in den Adels- stand erhoben.

    Alle Gruppen dienten dem Oberhaupt, das seinen Thron von Gottes Gnaden erhielt. Den Adelsstand bot der Kö- nig/Kaiser an, um Gefolgsleute enger an seine Macht zu binden, sie zu belohnen und durch Landgabe abzu- sichern, denn mit dem Landbesitz waren Einnahmen verbunden. Die Adeligen schworen dem König Treue bei Gott. Das nannte man die Ständegesellschaft: Jeder hatte seinen festen Platz, den die Nachkommen automatisch übernahmen. Den Stand aus eigener Kraft zu wechseln, war nahezu unmöglich.

    Stand durch Geburt

  • A 15/5Adelige Umgangsformen heute

    www.stil.de Ausgabe 4/2012 • 25

    Welche Bedeutung hat welcher Adelstitel? Kaiser und Könige gibt es in Deutschland nicht mehr, aber die folgenden Adelsbezeichnungen:

    Herzogin/Herzog

    Der Herzog (altdeutsch „herizogo“ – der, der vor dem Heer zieht) stand unter dem Kaiser/König und gehörte wie er zur Fürstengruppe. Ursprünglich war der Herzog ein er- wählter germanischer Heerführer, in Frankreich wurde er später zum Mittler zwischen dem König und den Grafen. Auf deutschem Boden gab es bis zur Weimarer Verfas- sung etliche Herzog- und Großherzogtümer, die auch das Recht hatten zu adeln.

    Fürstin/Fürst

    Der einfache Fürst gehört auch zur Gruppe der Fürsten und steht rangmäßig über dem Grafen und dem Prinzen, aber unter dem Herzog. Der Begriff ist abgeleitet von „furisto“, der althochdeutschen Bezeichnung für den Führer eines politischen Verbandes. Es gab geistliche (Erzbischöfe, Bischöfe) und weltliche Fürsten (Mark- und Pfalzgrafen, Kurfürsten), die den Kaiser wählten. Fürstenhäuser gibt es in Deutschland noch – aber keine regierenden mehr.

    Prinzessin/Prinz

    Als Prinzessin oder Prinz wurden in Deutschland die standesgemäßen Nachkommen eines Fürsten, Königs oder Herzogs bezeichnet. Nahm der Prinz als Nachfolger seinen Platz ein, ging der Fürstentitel des Vaters auf ihn über.

    Gräfin/Graf

    Der Graf war ursprünglich mit dem Fürsten gleichgestellt, wurde diesem aber später untergeordnet. Er war Amts- träger eines Königs oder Fürsten, besaß Land und hatte besondere Vorrechte. Sein Verwaltungsbezirk hieß Graf-

  • A 15/6 Adelige Umgangsformen heute

    • Ausgabe 4/2012 www.stil.de26

    schaft, der Adelstitel wurde später jedoch auch ohne ein Amt verliehen. Grafen gehörten zum niederen Hochadel.

    Freifrau/Freiherr und Baronin/Baron

    Freiherren gehörten im Mittelalter genau wie Ritter und Edle zum niederen Adel. Der Freiherr war ursprünglich – etwa im Gegensatz zum abhängigen Bauern – ein freier Mann. Der Titel „Baron“ entspricht dem des „Freiherrn“. Dieser Titel wurde außerhalb von Deutschland verliehen, zum Beispiel im Baltikum.

    „Baron“ und „Freiherr“ sind nicht beliebig austauschbar Ein Freiherr wird häufig als Baron bezeichnet. Das ist allerdings nicht korrekt. Seit der Weimarer Verfas- sung gelten adelige Anreden wie Freiherr oder Baron als Namensbestandteile. Das bedeutet: Ein Anrecht auf die Anrede „Baron“ besteht heutzutage, sofern der Na- mensbestandteil „Baron“ im Pass vermerkt ist. Das ist bei Freiherren in der Regel nicht der Fall. Baron und Freiherr können heutzutage, wenn man es genau nimmt und sich an die Regeln hält, nicht wie Synonyme aus- getauscht werden.

    Ritter und Edle

    Ritter und Edle standen zwischen dem titulierten und dem untitulierten Adel. Ritter waren die ade