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  • Prof. Dr. Jrgen Hahn

    Abschiedsvorlesung

    Last Lecture

    Berlin, 31.03.2009

  • Seite

    Abschiedsvorlesung Prof. Dr. J. Hahn 1

    Vortrge der Korreferenten 24

    Prof. Dr.-Ing. Jrgen Zaske 24

    Prof. Dr. Dr. habil. Hermann Auernhammer 33

    Prof. E.h. Dr. Ludger Frerichs 41

    Urkunde Albrecht-Daniel-Thaermedaille 52

    Kurzportrts der Referenten 53

    Ein herzliches Dankeschn 57

    Bildanhang I - VI

  • Prof. Dr. J. Hahn Abschiedsvorlesung 31.03.2009

    1

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gste,

    Sie sehen mich tief beeindruckt angesichts der unerwartet groen Anzahl an Hrern, die zu

    meiner heutigen Abschiedsvorlesung gekommen sind. Mir fallen gar nicht so viele Grnde

    ein, weswegen das hier fr Sie lohnend sein knnte.

    Sie mussten sich ber ein Baugelnde bemhen, und denen unter Ihnen, die Berlin nicht so

    gut kennen, kann ich sagen: Berlin hat keine Baustellen Berlin ist eine Baustelle! Und viele

    sagen: Das ist auch gut so! Was unseren Campus anbelangt, knnen wir damit solange gut

    leben, wie nicht nur abgerissen, sondern auch hin und wieder mal neu aufgebaut wird. Das

    gilt nicht nur fr Gebude!

    Ich schaue mich im Hrsaal um und sehe unzhlige unter Ihnen, die Anspruch darauf haben,

    jetzt namentlich begrt zu werden. Bitte haben Sie Verstndnis dafr, dass ich auf persnli-

    che Begrungen vllig verzichte. Lassen Sie uns das im Anschluss mit einem Glas Sekt

    nachholen.

    Eine Ausnahme allerdings gestatte ich mir: Unter uns ist die Tochter meines Vor-, Vor-,

    Vorgngers im Amt, des Geheimen Regierungsrates Professor Dr. Gustav Fischer, der im

    Jahre 1903 hier in Berlin auf den ersten Lehrstuhl fr Landmaschinentechnik in Deutschland

    berufen wurde. Auf Gustav Fischer werde ich spter noch zurckkommen. Seine jngste

    Tochter allerdings ist hier im Auditorium. Frau Waltraut Fischer wird in diesem Jahre 92 und

    hlt der Berliner Agrartechnik die Treue. Herzlich willkommen, liebe Frau Fischer!

  • Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Jrgen Hahn 31.03.2009

    2

    Sie alle hier im Hrsaal mchte ich gleichermaen herzlich begren und Ihnen sagen, dass

    ich mich durch Ihr Kommen zutiefst geehrt fhle!

    Danke und herzlich willkommen!

    Als ich mich entschloss, mit einer Abschiedsvorlesung aus dem Dienst zu gehen, suchte ich

    nach einem Schlssel, einer Botschaft, einem Aufhnger gewissermaen, mit dem ich Zugang

    zu Ihrer Aufmerksamkeit finden knnte.

    Da war zunchst die Abschiedsvorlesung des vorhin bereits erwhnten Gustav Fischer aus

    dem Jahre 1947. Ein guter Freund, der hier im Saal ist, hat diese kostbare Quelle fr den

    heutigen Anlass wiederentdeckt und wir halten den Text als Reprint in limitierter Auflage fr

    Interessenten bereit. Titel: Ein Blick in die Geschichte der Landmaschinentechnik.

    Es ist der Rckblick des genialen, pflichtbewussten Gelehrten, den man mit Fug und Recht

    den Nestor der universitren Landmaschinentechnik in Deutschland nennen darf.

    Und fr die aufmerksamen Rechner unter Ihnen eine Antwort auf die Frage: War Gustav

    Fischer tatschlich 44 Jahre im aktiven Professorenamt? Nein, das war er nicht. Da sind noch

    13 Jahre Carl Heinrich Dencker. Aber 1945, zum schweren Neuanfang nach dem Kriege,

    begab sich der inzwischen 75-jhrige Fischer erneut fr zwei Jahre in die Verantwortung.

    Nachzulesen in einer Schriftenreihe 100 Jahre agrartechnische Lehre und Forschung in den

    Berliner Agrarwissenschaften, die wir (sofern nicht bereits vergriffen) fr Interessenten

    bereithalten.

    31. Mrz 2009 2Reminiszenzen ber die Agrartechnik (hinaus)

    Abschiedsvorlesung Prof. Dr. G. Fischer

    am 25. April 1947

  • Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Jrgen Hahn 31.03.2009

    3

    Beim Stichwort Last Lecture fllt einem auch die inzwischen weltweit bekannte Vorlesung

    von Randy Pausch aus dem Jahre 2007 ein. Pausch war Informatikprofessor in Pittsburgh/

    Pennsylvania. Er hat der amerikanischen Tradition der Last Lecture eine besonders tragische

    Komponente hinzugefgt hat, indem er im September 2007 im Bewusstsein des nahen Todes

    letztmalig vor seine Hrer trat.

    31. Mrz 2009 Reminiszenzen ber die Agrartechnik (hinaus) 3

    Der krebskranke amerikanische Computerwissenschaftler Prof. Randy Pausch,

    dessen Buch Last Lecture Die Lehren meines Lebens zum Bestseller wurde,

    verstarb am 25.7.2008 im Alter von 47 Jahren.

    Zwei Auftritte, wie sie unterschiedlicher nicht sein knnten. Zwischen ihnen liegen sechs

    Jahrzehnte. Und es zeigen sich grundverschiedene Lebenssituationen und Denkweisen; hier

    der groe Analytiker mit Schlussfolgerungen weit ber seine Zeit hinaus; dort der Protago-

    nist des american dream, todkrank und doch, wie er sagte, glcklich, weil er seine

    Trume verwirklicht habe .

    Ich fhle mich beiden geistig verbunden und will versuchen, zwischen diesen beiden Antipo-

    den ein wenig zu balancieren.

    Es wird also kein Blick auf die Agrartechnik der zurckliegenden 50 Jahre! Ich halte das fr

    hchst spannend und bei gegebenem Anlass auch durchaus fr abendfllend aber nicht jeder

    von Ihnen hier im Saal wird diese Ansicht teilen.

    Andererseits will ich auch nicht der Versuchung unterliegen, mit der Weisheit des Alters zu

    kokettieren und Ihnen meine Einsichten als philosophisch verpackte Lebensregeln zu verkau-

    fen.

  • Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Jrgen Hahn 31.03.2009

    4

    Da halte ich mich eher an das Zitat von H. L. Mencken: Je lter ich werde, desto mehr miss-

    traue ich der landlufigen Ansicht, dass mit dem Alter die Weisheit kme.

    Mit der Weisheit ist das bekanntlich ein weites Feld. Ich kann ja geduldig weiter warten

    aber Geduld sagt man wiederum, sei die Tugend der Esel

    Meine Abschiedsvorlesung wird sich also irgendwo zwischen Fischer und Pausch abspielen

    und ich will das Ganze Reminiszenzen ber die Agrartechnik (hinaus) nennen. ber die

    Doppeldeutigkeit des Wortes hinaus kann sich jeder selbst einen Reim machen - wer mag,

    kann es auch mit einem Ausrufezeichen versehen!

    Meine eigene berufliche Vita knnte auf den ersten Blick nicht langweiliger sein: Ein Stu-

    dienort in 43 Dienstjahren nur zwei Arbeitsorte Ruhestand.

    Jeder dreiigjhrige Praktikant hat heute schon mehr aufzuweisen!

    Als Freund berschaubarer Systematiken habe ich aus meinen fnf Jahrzehnten mit der Ag-

    rartechnik hier einmal fnf Dekadenscheiben gemacht; erlauben Sie mir zu jedem Jahrzehnt

    ein paar Worte der Erluterung:

    31. Mrz 2009 6Reminiszenzen ber die Agrartechnik (hinaus)

    Studium und Etablieren im Beruf1960er:

    Landmaschinenprfung in Bornim1970er:

    Fufassen in der agrartechnischen

    Forschung und Lehre

    1980er:

    Ankommen im Westen Zugang zur

    groen agrartechnischen Community

    1990er:

    Gestalten und Einfluss nehmen

    Wenn die Mhen endlich Frchte tragen.

    2000bis 2009:

  • Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Jrgen Hahn 31.03.2009

    5

    Die Sechziger:

    Der Bauernsohn aus Mecklenburg will in Dresden Fahrzeugtechnik studieren, schreibt sich

    aber dann 1960 an der Schiffbautechnischen Fakultt in Rostock ein. Ihn lockte wohl weniger

    der Ruhm der Leuchte des Nordens, wie man die ehrwrdige Rostocker Universitt nennt

    es war einfach nher an Zuhause. Schiffsmaschinen und Landmaschinen, damals schienen

    noch Welten dazwischen zu liegen. Heute haben die groen Traktoren und Feldhcksler aber

    durchaus die Motorleistung eines ordentlichen Schiffsdiesels! Und der in Rostock traditions-

    reiche Schiffsmaschinenbau sicherte eine ausgezeichnete ingenieurwissenschaftliche Grund-

    ausbildung, bevor es im 7. Semester den bergang zur Landmaschinentechnik gab.

    Nach 11 Semestern Regelstudienzeit: Diplomingenieur. Die meisten meiner Mitabsolventen

    sind heute hier. Seid begrt, liebe Freunde!

    Dozent Dr. Gtke, heute ein rstiger Achtziger und hier im Saal, hat mich von der Diplom-

    arbeit weg nach Bornim engagiert. So begann meine eigentliche Liaison mit der Welt der

    Agrartechnik im Mrz 1966 als Fachgebietsleiter fr Transport- und Frdertechnik in der

    Zentralen Prfstelle fr Landtechnik Potsdam-Bornim.

    Die Siebziger:

    Die Prfung erwies sich als ein faszinierendes, vielseitiges Arbeitsgebiet und als ausgezeich-

    nete Grundlage fr eine sptere Hochschullaufbahn. Wer hat schon die Chance, mit 22 ein

    eigenstndiges Arbeitsgebiet aufzubauen: Transport- und Frdertechnik! Heute ist das ein

    Teil der Logistik und unter den eigenen Forschungsgebieten ist diese noch immer die Favo-

    ritin.

    Bornim war auch wegen der Vielfalt der dort ansssigen Forschungs- und Prfinstitute ein

    guter Platz und ein ausgezeichneter Nhrboden fr Kreativitt. Ende der Siebziger begannen

    dann die Arbeiten zur Promotion an der Humboldt-Universitt, zunchst als Externer. Aber

    Manfred Mller, ein groartiger Frderer und Mentor, sorgte bald fr den bergang mit Haut

    und Haar nach Berlin. Das war vor dreiig Jahren.

    Die Achtziger:

    Nach den beiden obligaten Bchern zur Promotion A und B (nach heutigen Mastben

    waren das ja regelrechte Sptgraduierungen!) und dem Erwerb der facultas docendi folgte im

    Jahre 1985 die Berufung als Hochschuldozent und 1988 die ao. Professur.

  • Abschiedsvorlesung Prof. Dr. Jrgen Hahn 31.03.2009

    6

    Graduierungen

    31. Mrz 2009 Reminiszenzen ber die Agrartechnik (hinaus) 10

    Promotion A /1981

    Systematik und Be