Sei dein bester Freund - SchirnerMein bester Freund – so soll er sein Stell dir vor, du könntest...

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Ulrike Dahm Erich Keller Sei dein bester Freund Wegweiser zur Selbstliebe

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Ulrike Dahm

Erich Keller

Sei deinbesterFreund

Wegweiser zur Selbstliebe

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© 2010 Schirner Verlag, Darmstadt

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-89767-696-1

1. Auflage

Umschlaggestaltung: Murat Karaçay, Schirner, unter Ver-wendung von Bild 5965086; www.fotolia.deSatz: Elke Truckses, SchirnerPrinted by: FINIDR, Czech Republic

www.schirner.com

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Inhalt

Einführung ................................................................................. 9

Teil 1 – Ein ehrlicher Blick auf unsere Selbstliebe..... 15

Kapitel 1

Selbsthass und Feindbilder ..........................................................17

Entstehung ....................................................................................21

Ziele ...............................................................................................25

Folgen ............................................................................................26

Vorteile ...........................................................................................28

Konsequenzen ..............................................................................30

Zusammenfassung .......................................................................32

Kapitel 2

Verhaltensweisen, die dich daran hindern,

dein bester Freund zu sein ..........................................................33

Hohe Ideale anstreben ................................................................34

Sich mit anderen vergleichen ......................................................40

Urteilen ..........................................................................................44

Recht haben ..................................................................................46

Es anderen recht machen ............................................................50

Schuldgefühle ...............................................................................53

Perfekt sein wollen .......................................................................57

Besonders sein müssen ...............................................................59

Sich ständig sorgen .......................................................................63

Entsorgungsvorschläge ................................................................66

Herausforderungen ausweichen .................................................67

Sich versichern – nichts riskieren .................................................71

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Hoffen und warten .......................................................................75

Versuchen ......................................................................................78

Zusammenfassung zu Teil 1 ........................................................79

Teil 2 – Wie du zu deinem besten Freund wirst ....... 81

Kapitel 3

Mein bester Freund – so soll er sein ...........................................82

Ent-täuschungen ...........................................................................86

Deine letzte Chance .....................................................................87

Kapitel 4

Spieglein, Spieglein an der Wand

oder wie ich mich selbst sehe .....................................................92

Die Spiegelübung .........................................................................95

Die Collage: Das bin ich ...............................................................96

Idealbild und Schatten ..................................................................97

Kapitel 5

Frau Königin, Ihr seid die Schönste im

ganzen Land... oder wie mich andere sehen ...........................101

Kapitel 6

Nobody is perfect... oder ich mag mich,wie ich bin ................105

Die »Ja«-Meditation .....................................................................107

Das Selbstgespräch .....................................................................108

Der Selbstliebetag ....................................................................... 110

Kapitel 7

Wunschlos glücklich? .................................................................. 113

Wünsche werden wahr .............................................................. 115

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Der Urwunsch... oder

der Wunsch hinter dem Wunsch ............................................... 117

Zusammenfassung zu Wünsche ...............................................120

Kapitel 8

Alles hat seine Zeit ......................................................................122

Teil 3 – Ein Selbstliebeprogramm ... oder Freundschaft schließen mit Körper,Geist und Seele ......................................................... 127

Kapitel 9

Liebe deinen Körper ...................................................................128

Aufmerksamkeit für deinen Körper:

ein Selbstverwöhntag ................................................................. 137

Atmen ist Leben. Nicht-Atmen ist Tod .......................................138

Dein Körper im Spiegel ..............................................................139

Gespräch mit deinem Körper ..................................................... 141

Kapitel 10

Du hast ein Recht auf deine Gefühle........................................145

Verursacher von Gefühlen ......................................................... 147

Gebrauchsanweisungen für Gefühle ........................................149

Bewertungen der Gefühle ......................................................... 151

Strategien zur Vermeidung von Gefühlen ................................154

Folgen der Unterdrückung .........................................................156

Gefühle sind Energie ..................................................................159

Angst ............................................................................................160

Wut... ............................................................................................168

Trauer ........................................................................................... 174

Freude ..........................................................................................179

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Die Lachmeditation ....................................................................185

Liebe ............................................................................................186

Akzeptieren .................................................................................193

Kapitel 11

Den Verstand zum Freund machen... .......................................196

Funktionsbeschreibung des Verstandes ...................................198

Die Mängel des Verstandes .......................................................202

Nur der stille Verstand kann lieben ...........................................206

Rückkehr zur »Ein-heit«: Meditation ........................................... 213

Teil 4 – Meditation, der Schlüssel zu Harmonieim Innen und Außen .................................................215

Kapitel 12

Das Wesen der Meditation ........................................................ 216

Kapitel 13

Die Praxis der Meditation ...........................................................220

Meditationstechniken .................................................................222

Kundalini- oder Schüttelmeditation ...........................................223

Vipassana-Meditation .................................................................224

Kerzenmeditation .......................................................................225

Musikmeditation .........................................................................226

Meditation im Alltag ...................................................................226

Ausklang ....................................................................229Anhang ........................................................................................231

Lese- und Musikempfehlungen .................................................231

Kontakt .........................................................................................233

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Teil 1

Ein ehrlicher Blick auf unsere Selbstliebe

Was man so sagt

Als sie lachte,sagte man ihr, sie sei kindisch.Also machte sie fortan ein ernstes Gesicht.Das Kind in ihr blieb,aber es durfte nicht mehr lachen.

Als sie liebte,sagte man ihr, sie sei zu romantisch.Also lernte sie, sich realistischer zu zeigen.Und verdrängteso manche Liebe.

Als sie reden wollte,sagte man ihr, darüber spreche man nicht.Also lernte sie zu schweigen.Die Fragen, die in ihr brannten,blieben ohne Antwort.

Als sie weinte,sagte man ihr, sie sei einfach zu weich.Also lernte sie, die Tränen zu unterdrücken.Sie weinte zwar nicht mehr,doch hart wurde sie nicht.

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Als sie schrie,sagte man ihr, sie sei hysterisch.Also lernte sie, nur noch zu schreien,wenn es niemand hören konnte,oder sie schrie lautlos in sich hinein.

Als sie zu trinken begann,sagte man ihr, das löse ihre Probleme nicht.Sie solle eine Entziehungskur machen.Es war ihr egal, weil ihrschon so viel entzogen worden war.

Als sie wieder draußen war,sagte man, sie könne jetzt von vorne anfangen.Also tat sie, als begänne ein neues Leben.Aber wirklich leben konnte sie nicht mehr,sie hatte es verlernt.

Kristiane Allert-Wybranietz

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Kapitel 1

Selbsthass und Feindbilder

Wenn du dir dein Leben, deine Gedanken und Hand-lungen einmal ohne zu beschönigen betrachtest, stellst du fest: Ich bin häufig mein ärgster Feind. Das mag dir auf den ersten Blick als hart und für dich unzutreffend erscheinen. Tatsache ist, dass du häufig (meist unbe-wusst) Dinge tust, die dir emotional und körperlich schaden. Selbsthass muss nicht heißen, dass du dich tatsächlich masochistisch quälst oder geißelst. Er ver-steckt sich in vielen kleinen alltäglichen Gewohnheiten, die wir liebgewonnen haben:

– der überkritische Blick in den Spiegel (mein Gott, wie sehe ich heute wieder aus, so kann ich nicht unter die Leute gehen ...)

– die Hetze und Hektik (schnell zur Arbeit, kurz ein-mal etwas essen oder einkaufen ...)

– die ständige Jagd nach einem Ideal (mein Busen ist nicht groß genug, ich muss meine Eifersucht loswer-den, ich bin nicht gut genug ...)

– das kleinlaute Schweigen oder das Beleidigtsein, wenn dich jemand verletzt oder erniedrigt hat (wa-rum lasse ich mir das immer wieder gefallen ...)

– die Unterwürfigkeit bei Behörden, Ämtern und Ge-setzeshütern (was soll ich machen, gegen die habe ich doch keine Chance ...)

– das Stöhnen über Dinge, die du ständig machst,

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aber eigentlich keine Lust dazu hast (immer bin ich für alles verantwortlich ...)

– die Höflichkeit, wenn dir nach Schreien ist (ich hasse es, wenn mir jemand den Einkaufswagen von hinten in die Kniekehle drückt, lächle verständnisvoll ...)

– das Ableugnen, wenn jemand eine Schwäche bei dir entdeckt (was, ich soll ängstlich sein, niemals ...)

– die Zigarette und andere sanfte Drogen zur »wohl-verdienten« Entspannung oder Beruhigung (endlich mal eine ruhige Minute, auf Kosten der Lunge ...)

– und vieles mehr ...

Du siehst: Viele Verhaltensweisen sind dir so selbstver-ständlich geworden, dass du nur mühsam und selten erkennst, dass sich dahinter Selbstablehnung und -hass verbergen. Aber du wirst wohl bereits jetzt nachvollzie-hen können, dass du dir damit Schmerzen auf körper-licher und emotionaler Ebene zufügst.

Wir scheinen ge-lernt zu haben: Liebe deinen Nächsten, nur nicht dich selbst! Lie-be Eltern, Kinder, Ge-schwister, Nachbarn, Verwandte, Vaterland,

Freunde, Feinde, Ausländer, Arme, Behinderte, Kranke, dein Haus, Auto, Bankkonto, Tiere, Umwelt, Natur – aber Himmels willen nicht dich selbst! Dann heißt es von dir: Du bist egoistisch, selbstsüchtig, bist nur auf dein Wohler-gehen bedacht, kümmerst dich nicht um die anderen.

Wir scheinen gelernt zu haben: Liebe deinen Nächsten, nur nicht dich selbst!

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Wie kommt es nur, dass wir den zweiten Teil der Auf-forderung Jesus’ »Liebe deinen Nächsten – WIE DICH SELBST« unterschlagen haben? Was ist denn so Gefähr-liches oder Negatives an dieser Selbstliebe, dass die christliche Kirche sie so elegant unterschlägt oder gar wie den Teufel in uns betrachtet? Hat sie etwa einen Nutzen davon, hast DU vielleicht auch etwas davon, was dir nicht bewusst ist? (Vorab dies: Beide profitie-ren, sonst würden sie es nicht tun – so selbstlos ist nie-mand.) Wenn dir eine Verhaltensweise ausschließlich schaden würde, hättest du doch schon längst eine an-dere, angemessenere entwickelt.

Vielleicht wendest du jetzt ein, dass du »eigentlich« ganz zufrieden mit dir bist und zu dem stehst, was du tust und wie du es tust. Das Wort »eigentlich« drückt deinen einschränkenden Zweifel aus. Wenn du von dir behaup-test, dass du dich ganz gerne magst, heißt das noch lange nicht, dass du dich liebst. Versuche doch einmal zu sagen: »Ich liebe mich!« Sprich es jetzt laut aus. Wie klingt das für dich? So zärtlich oder mit der gleichen Überzeugungskraft wie wenn du es zu einem geliebten Menschen sagst?

Dein schlauer Verstand mag 1000 Einwände finden, dass du nicht zu denen gehörst, die sich nicht lieben. Schließlich hast du dir ein recht konfliktfreies, angeneh-mes Leben geschaffen:

– Du bist immer auf deinen Vorteil bedacht.– Du schaust, dass dir nichts unplanmäßiges passiert.– Du wählst immer den bequemeren und risikoarmen

Weg.– Emotional bist du völlig ausgeglichen.

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– Du versicherst dich rundum, sodass dir keine Gefahr etwas anhaben kann.

– Du isst nur das Beste aus dem Feinkostladen.– Deine Urlaube führen dich nur zu den schönsten

Plätzen.– Du kleidest dich immer der Situation angemessen

und nach der neuesten Mode.– Dein Auto ist eines der schönsten und verfügt über

alle Extras.– Dein Hund ist edel und teuer.– Du hast alle Situationen im Griff.– Du bist immer höflich.– Du lässt dich niemals zu einer spontanen Handlung

oder Äußerung hinreißen.– Du lächelst immerzu.– Konflikte löst du mit Kompromissen.

Es ist dir wohl klar, dass vorgenannte Dinge mit Selbst-liebe aber auch gar nichts zu tun haben müssen. Die Selbstliebe, von der wir reden wollen, ist nicht laut, ex-trovertiert und braucht keine besonderen Statussymbo-le, Exklusivität oder Außergewöhnlichkeit. Kann es sein, dass du äußere Dinge brauchst, um deine mangelnde Selbstliebe und dein schwaches Selbstwertgefühl zu überdecken? Selbstliebe muss auch nicht heißen, dass du immer den bequemsten, sichersten Weg gehst, dich anpasst und den Erwartungen anderer entsprichst.

Kann es sein, dass du dich leer fühlst, weil keine Lie-be und Zufriedenheit in dir wohnt? Schauen wir uns jetzt an, wie es dazu kommen konnte, dass du verlernt hast, dir selbst die Liebe zu geben, die du brauchst.

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Kapitel 3

Mein bester Freund – so soll er sein

Stell dir vor, du könntest dir jetzt einen Freund (wenn du ein Mann bist) oder eine Freundin (wenn du eine Frau bist) aussuchen. Dein Ideal, den Menschen, den du dir schon immer gewünscht hast. Eine Person, von der du rückhalt-los sagen kannst, solch einen Freund möchte ich haben. Die Frauen unter Euch mögen uns nachsehen, dass wir für diese Person das männliche Attribut gewählt haben.

Schreibe dir jetzt alle äußeren Merkmale, Denk- und Verhaltensweisen dieser Person auf. Lass deiner Fanta-sie, deinen Wünschen freien Lauf! Mach dir eine aus-führliche Liste von allem, was du dir von deinem besten Freund/deiner Freundin wünschst.

Wir empfehlen dir, dies zu tun, bevor du weiterliest, sonst unterbrichst du den Prozess des Buches! Nimm dir Zeit dazu, wähle einen ruhigen Moment aus. Hier eini-ge Begriffe, die dir das Schreiben erleichtern sollen:

Mein bester Freund ...• akzeptiert mich, wie ich bin• mag mich, egal wie ich gekleidet bin• unterstützt mich in jeder Situation• ist jederzeit für mich da• spricht mir Mut zu• übt Kritik an mir, ohne mich zu verletzen

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• nimmt mich ernst• ist ehrlich zu mir• verzeiht mir meine Fehler• hört mir aufmerksam zu• nimmt Rücksicht auf mich• ist zuversichtlich• nimmt mich in seinen Arm, wenn ich mich schwach fühle• hat ein sympathisches, offenes Gemüt• zeigt mir auch seine Traurigkeit• lacht mit mir über meine Probleme usw.

Mein bester Freund – so soll er sein ...

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Nachdem du deine Liste fertig hast, beantworte dir die folgenden Fragen:

– Ist es dir leicht- oder schwergefallen, dir ein klares Bild von deinem Freund/deiner Freundin zu ma-chen?

– Sind deine Vorstellungen präzise oder verschwom-men? (Wenn sie verschwommen sind, mag das hei-ßen, dass du nicht zu deinen Wünschen stehst und dich leicht deinen Freunden anpasst.)

Forsche weiter, es gibt einige Dinge, die dir wirklich sehr wichtig sind! Solange du dir nicht klar bist, werden deine (unbewussten) Erwartungen auch nicht in Erfül-lung gehen. Wünsche erfüllen sich nur, wenn sie prä-zise formuliert sind. Und nun das Wichtigste: Schaue dir deine Liste noch einmal an und stelle fest, wie viel von dem, was du von deinem Freund/deiner Freundin erwartest, du dir selbst gibst. Trage dies in eine neue Lis-te ein, wobei du die Aussagen der vorigen Liste in der Ich-Form formulierst. Zum Beispiel: Ich akzeptiere mich wie ich bin, ich unterstütze mich in jeder Situation, ich spreche mir Mut zu ...

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Ich bin mein bester Freund!

Ich

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Kapitel 4

Spieglein, Spieglein an der Wand ...oder wie ich mich selbst sehe

Der erste und wichtigste Schritt, dein bester Freund zu werden, ist zu wissen, wer dieser Freund eigentlich ist. Hast du dich wirklich schon einmal ernsthaft gefragt, wer dieser Mensch ist, der dir im Spiegel entgegen-blickt? Hast du, statt nach Fältchen, Pickeln und durch-einandergeratener Frisur Ausschau zu halten, einmal wissen wollen, wer du wirklich bist? Nicht deine äußere Erscheinung, deine Rollen, die du in der Gesellschaft spielst, sondern dein inneres Wesen. Statt als Mario-nette durch die Welt zu gehen, deren Fäden von allen möglichen Menschen bewegt werden, kannst du dich selbst entdecken und dich nach innen wenden.

Wir möchten dir an dieser Stelle eine Geschichte erzählen:

Ein kleiner Tiger, dessen Mutter bei seiner Geburt starb, wurde von einer Schafherde, die gerade in der Nähe Futter suchte, aufgenommen. Er wuchs zu einem stattlichen Tiger heran, und doch ver­hielt er sich wie ein Schaf. Er fraß nur Gras, blökte wie ein Schaf und suchte den Schutz der Herde. Er glaubte ganz und gar ein Schaf zu sein, obwohl in ihm die Kraft eines Tigers schlummerte.Eines Tages pirschte sich ein alter Tiger an die Her­de heran, um ein Schaf zu reißen. Er glaubte sei­

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nen Augen nicht zu trauen, als er seinen Artgenos­sen friedlich unter den anderen Schafen weiden sah. Er packte ihn am Kragen und schleppte ihn zu einer nahen Wasserstelle. Der junge Tiger roch wie ein Schaf und wehrte sich ängstlich gegen die Behauptung des alten Tigers, er sei kein Schaf, son­dern ein Tiger.Da ließ ihn der Alte sein Spiegelbild im Wasser be­trachten. Verwirrt stellte das Schaf fest, dass es aus­sah wie der alte Tiger. In diesem Moment brach ein gewaltiges Brüllen tief aus seinem Inneren her­vor, und es erkannte seine wahre Natur.

Wir alle wachsen, symbolisch gesehen, als Schafe auf. Wir lernen, uns und die Welt zu sehen, wie andere es von uns verlangen, um unser Überleben zu sichern. Unsere wahre Natur, unser Potenzial bleibt uns weitge-hend verborgen.

In diesem Kapitel geht es darum, das Bild, das du von dir hast, zu überprüfen. Dein Selbstbild setzt sich zusam-men aus einer Ansammlung von Gedanken, also Worten, die du immer wieder zu dir sagst. Diese Worte kreieren Bilder, und diese Bilder erzeugen wiederum Emotionen in dir. Jeder emotionale Gedanke prägt sich in deinen Verstand ein. Dabei speicherst du nicht das, was wirk-lich passiert, sondern dein Empfinden, deine Interpreta-tion der Situation.

Du speicherst nicht das, was wirklich passiert, sondern deine Interpre­tation einer Situation.

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Unsere Persönlichkeit besteht aus vielen inneren Stimmen, die alle in uns leben. Da ist zunächst einmal das kleine, verletzbare Kind, das wir Erwachsenen alle so gerne verstecken. Um dieses Kind zu beschützen, haben wir schon früh in unserem Leben eine Reihe von anderen Teilpersönlichkeiten entwickelt: Den Kontrol-leur, der dafür sorgt, dass unser Leben sicher verläuft, den Antreiber, der uns ständig hetzt, den Kritiker, dem wir nie genügen können, den Perfektionisten, der sich immer mit anderen vergleicht, den Gefälligen, der es jedem recht machen will usw.

Da wir uns dieser inneren Stimmen meist nicht be-wusst sind und wir mit ihnen identifiziert sind, bestim-men sie unser Leben in einem Ausmaß, das ungesund für uns ist. Wir fühlen uns verwirrt und als Spielball von Kräften, die wir mit unserem rationalen Verstand nicht mehr steuern können.

Der einzige Weg aus diesem Dilemma ist ein ehrli-cher Blick auf das, was dich permanent unbewusst steu-ert. Warum kommst du immer und immer wieder in die gleichen, unerfreulichen Situationen? Wie ziehst du sie an? Welcher unterdrückte Teil in dir ruft hier nach Erlö-sung? Wer bist du wirklich?

Die folgenden Übungen sollen dir dabei helfen, dir auf einer tieferen Ebene zu begegnen und dein Selbst-bild zu überprüfen.

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Die Spiegelübung

Nimm dir für diese Übung eine halbe bis eine Stun-de Zeit. Gehe sicher, dass du dabei nicht gestört wirst. Setze dich möglichst nahe vor einen Spiegel, der groß genug ist, dass du dein Gesicht darin sehen kannst. Der Spiegel sollte in Gesichtshöhe stehen oder hängen. Stelle eine Kerze zwischen dich und den Spiegel, so-dass dein Gesicht gut beleuchtet ist.

Und nun schaue dich einfach an, sieh dir direkt in die Augen, ohne den Blick abschweifen zu lassen. Atme entspannt. Halte die Augen möglichst offen, ohne zu blinzeln, auch wenn dir die Tränen kommen. Wenn ein Gedanke auftaucht, lasse ihn einfach vorüberzie-hen. Weiche dir nicht aus, auch wenn es dir schwer fällt. Höre nicht auf deinen Verstand, der dir da einflüstern mag, du solltest die Übung abbrechen.

Du wirst erstaunt sein, was sich bei dieser Übung al-les in dir tut: Du magst völlig verschiedene Gesichter sehen, alte und junge, schöne und hässliche. Deine Gefühlsskala mag von Betroffenheit, Angst, Traurigkeit über Wut bis hin zu Staunen, Freude und Stille reichen. Halte die Gesichter und Gefühle nicht fest, beobachte sie lediglich. Sie kommen und sie gehen auch wieder. Und alles, was du siehst oder fühlst, kommt aus dir,

Halte die Gesichter und die Gefühle nicht fest, beobachte sie lediglich.

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auch wenn du diesen Dingen zum ersten Mal begeg-nest. Was du da vorfindest, ist nicht immer deine Scho-koladenseite. Wenn du hinter dein Make-up, deine Maske schaust, findest du auch dunkle Flecken auf der Leinwand deiner Persönlichkeit. Das sollte dich nicht ängstigen. Viel eher kannst du dir anerkennend auf die Schulter klopfen, weil du dich so intensiv mit dir selbst auseinandergesetzt hast. Beende die Spiegelübung, in-dem du für einige Minuten die Augen schließt und dei-nen Blick nach innen wendest.

Diese Übung ist eine intensive Begegnung mit dir selbst, und wir versprechen dir, dass du dich mit neuen Augen sehen wirst, falls du sie öfter machst.

Die Collage: Das bin ich

Eine weitere, sehr spielerische Möglichkeit, dich näher kennenzulernen, ist die Collage. Du bastelst dir aus Zei-tungsausschnitten verschiedenster Art das Bild, das du von dir hast. Damit ist nicht dein Idealbild gemeint, son-dern eine Collage, die dich mit all deinen Schwächen und Stärken darstellt. Gehe möglichst spontan und in-tuitiv vor. Versuche, deinen kritischen Verstand beiseite zu lassen.

Wenn dein Selbstbild fertig ist, betrachte es aus ei-nigem Abstand:– Wie wirkt es in seiner Gesamtheit auf dich?– Sind seine Farben hell und fröhlich oder eher düster?

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– Sind deine Schwächen oder deine Stärken überbe-tont?

– Sind deine männlichen oder deine weiblichen Qua-litäten im Vordergrund?

– Hast du auch das Kind in dir berücksichtigt?– Welche Texte, Schlagworte hast du eventuell einge-

fügt?– Welche Auswirkungen hat dein Selbstbild auf dein

aktuelles Leben?

Idealbild und Schatten

Für die folgende Übung machst du dir zunächst eine Liste mit allen Dingen, die du an dir magst: Körper, Ver-haltensweisen, Gefühlsleben und Intellekt. Sei so kon-kret wie möglich.

Das mag ich an mir. Meine Stärken sind:

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Erst wenn du mit der vorigen Liste fertig bist, machst du dir eine Liste von allen Dingen, die du nicht an dir magst. Dinge, die du deshalb auch gerne vor dir selbst und anderen versteckst. Sei ganz ehrlich und lasse dir Zeit. Lies erst weiter, wenn du die beiden Aufstellungen fertig hast.

Das mag ich nicht an mir. Meine Schwächen sind:

Fragen zu den beiden vorangegangenen Listen:– Wie ging es dir beim Schreiben?– Was fiel dir leichter zu schreiben, die positiven oder

die negativen Dinge?– Welche Liste ist länger, und was steckt wohl dahin-

ter?– Von wem hast du die Dinge, die du an dir ablehnst,

übernommen?– Wer hat früher in deinem Leben solche Dinge zu dir

gesagt?

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Das Leben bringt dir ständig Situationen, durch die du dein Selbstbild, deine Glaubenssätze überprüfen kannst. Da du ja fest davon überzeugt bist, dass das, was du über dich denkst, richtig ist, suchst du dir häufig Gelegenheiten, die vor allem deine negativen Einschät-zungen bestätigen. Sätze wie »Typisch ich ...!« »Na klar, das kann ja nur mir passieren ...« beweisen, wie recht du hast. Wenn du beispielsweise denkst, dass du dumm bist, so wird sich das im Außen immer wieder bestäti-gen. Und zwar so lange, bis du bereit bist, diesen nega-tiven Glaubenssatz neu zu überdenken und abzulegen. Wenn du beispielsweise glaubst, du seist beziehungs-unfähig, so wird dir das Leben großzügigerweise im-mer und immer wieder Gelegenheiten bieten, dir diese Überzeugung anzuschauen, so lange, bis sie aufgelöst ist.

Es wird dir wahrscheinlich schwer fallen, ein realisti-sches oder objektives Bild von dir zu zeichnen. Die we-nigsten von uns haben sich jemals selbst beschrieben, es sei denn in Bewerbungen, die lediglich eine Aufzäh-lung von schulischen Ausbildungen und beruflichen Tä-tigkeiten sind.

Allzu gerne belügen wir uns, wenn es darum geht, ein klares Bild von uns zu zeichnen. Entweder wir un-tertreiben unsere Qualitäten oder wir überzeichnen sie. Nehmen wir uns jede Variante einzeln vor:1. Du magst von dir ein überwiegend negatives Bild ha-

ben. Es ist schwierig für dich, an dir eine gute Eigen-schaft zu finden. Und wenn, dann ist sie doch gar nicht der Rede wert. Es fällt dir nicht leicht, lobend und anerkennend von dir zu sprechen. Das nimmt

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Page 25: Sei dein bester Freund - SchirnerMein bester Freund – so soll er sein Stell dir vor, du könntest dir jetzt einen Freund (wenn du ein Mann bist) oder eine Freundin (wenn du eine

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dir nicht nur deine Lebensfreude, sondern vergiftet jede deiner Handlungen. Falsche Bescheidenheit ist keine Zier und macht dich nicht liebenswerter. Kein Mensch hat nur negative Eigenschaften!

2. Du magst dich stark mit deinen positiven Eigenschaf-ten identifizieren. Du bist ausgesprochen selbstbe-wusst. Du hast nichts an dir auszusetzen. Vielleicht denkst Du, alles Negative durch positives Denken in den Griff kriegen zu können. Doch wir sind über-zeugt: Kein Mensch ist frei von Schwächen! Kann es sein, dass du die deinen gut versteckt hältst?

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