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  • INFORMATIONEN FÜR MITGLIEDSFIRMEN DES VCI

    chemie report

    Potenzielle Auswirkungen des Brexit auf die chemisch-pharmazeutische Industrie

    Unterschiedliche Regulierung verhindern Die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien über den „Brexit“ sind ins Stocken geraten. Im ersten Schritt sollen nach dem Projektplan der EU die Details des Austritts geklärt werden. Die für die Chemieindustrie entscheidenden Themen werden dann erst in der zweiten Phase verhandelt, wenn es um die zukünftigen Beziehungen der EU zum Vereinigten Königreich gehen wird.

    Wie stark die deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen vom Brexit betroffen sein werden, hängt letztlich von den Ergebnissen der Verhandlungen über die künftigen Handels- beziehungen ab. Abgesehen von möglichen jährlichen Zoll- kosten in Höhe von 200 Millionen Euro wären die größten Belastungen zu erwarten, wenn sich die branchenspezifische Regulierung in der EU und in Großbritannien unterschiedlich entwickeln würde. Gravierende Beispiele sind die europäische Chemikalienverordnung REACH und die Zulassung von

    11/2017 A 3 Editorial Die EU muss nach vorne schauen A 4 EEG-Reform VCI bildet Allianz mit 10 Verbänden und Orga- nisationen A 8 Pharmaindustrie Stand- ort Deutschland im Fokus A 9 Drittes Quartal 2017 Chemie steigert Produktion kräftig A 10 Chemie-Mittelstand Anpas- sungsdruck bei Digitalisierung und zirku- lärer Wirtschaft A 14 Recht Rückenwind für Musterfeststellungsklagen nimmt zu

    A 17 Chemie3 Neue strategische Ziele für die Nachhaltigkeitsinitiative ab 2018

    A 19 Aus Rastatt lernen VCI fordert nach Streckensperrung Konsequenzen

    B

    DiDiDieie BrBrexiexixit-Vt-Vt erherhandandaandandlunlunlunl gengengeggengen zzzzwisiswiswiswii chchchcheh nnnn n n LonLonLondondononnnn unununund Bd Bd Bd Brüsrüsrüsrüüsüsselselselselseeele verlarlaufeufeeen nnn nnnnn ichichchc t nnnnnnacaccchchchhch FahFahahaFahFahFaFahahahrprprplrplrplrplrprprprprrp an.anan.a DDDDeDeD r Ar AAAAAAAAAAusgusgusgusussggaanganganannangangaa isiisist ut ut ut ut ngegegegeegewiswiswiswiss.ss. . FüFüüüürürüüFüü diediediedied ddedededeutsutsutsutstschechehechechecheche ChChChCCCC emememiemiemiemiem eeeeee wäwäwäwäwäwärenrenrenrenr zwzwzwzwzwzweiee rlerleeeelerleii RegRegRegReegeggguliuliuliuliululierueruerueruerurungengengengengngegegen in in in in in Gn Gn GGGn Gn GGGGrroßroßrroßroßbribribribritanantantannienininienin n uun un un un un un undndd d nnnnn dddderderererderdder EU EU UU koskkoso tsptspielieleeeee ig.ig.

  • 2

    chemie reportAuswirkungen des Brexit 11.2017

    Bio ziden oder Pflanzenschutzmitteln sowie der Themenkomplex Kreislaufwirtschaft.

    Umfassendes Handelsabkommen anstreben Scheitern die Verhandlungen über ein Handels­

    abkommen, wäre Großbritannien nach WTO­Recht ein reiner Drittstaat ohne jegliche Handelsvorteile für die Beziehungen zur EU. Neben Zollzahlungen würde dadurch auch ein erheblicher administrativer Mehrauf­ wand etwa bei der Abwicklung der Zollverfahren ent­ stehen. Auch zeitaufwändige Zollkontrollen würden wohl in vielen Fällen zu längeren Lieferzeiten führen. Daher betont VCI­Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann: „Ziel sollte eine sehr enge Anbindung des Vereinigten Königreichs an die EU sein. Die Aushandlung eines umfassenden Abkommens braucht aber vermutlich mehr als die anvisierten zwei Jahre Zeit. Darum sind tragfähige Übergangsregeln inklusive angemessener Vorlaufzeit unerlässlich.“

    cHemikaliensicHerHeit Und UmweltrecHt weiterHin Harmonisieren

    In den vergangenen fünfzehn Jahren haben sich die Gesetzgebung für chemische Stoffe und Produkte sowie die Vorschriften zur Arbeitssicherheit und zum Umweltschutz enorm entwickelt. Die EU und ihre Mit­ gliedstaaten verfügen in diesem Bereich über die welt­ weit anspruchsvollste Gesetzgebung. Unterschiedliche rechtliche Anforderungen würden hier erhebliche büro­ kratische Hürden und Kosten für den Handel bedeuten. Davon wären auch andere Branchen betroffen, die chemische Produkte weiterverarbeiten. Tillmann betont daher: „Wir brauchen eine möglichst weit­ gehende gegenseitige Anerkennung und gleiche Standards bei der Produkt­ und Chemikaliensicherheit sowie bei der Arbeitssicherheit und im Umweltschutz. Damit diese zentralen Anforderungen auch in Zukunft harmonisiert bleiben, sollte Großbritannien in diesen Bereichen mit allen Rechten und Pflichten in den Binnenmarkt integriert bleiben.“

    weitere tHemen In der Energie­ und Klimaschutzpolitik stellt sich

    vor allem die Frage, ob die britische Industrie weiter am Emissionshandel teilnimmt. Von Relevanz für die Branche sind auch die Themenkomplexe gewerbliche Schutzrechte, Wettbewerbsrecht und gesellschafts­ und kapitalmarktrechtliche Veränderungen. udj

    B Lkw-Stau an der Grenze könnte in Zukunft wieder zum Alltag beim Handel mit Großbritannien gehören.

    Service: Das Positionspapier des VCI zum Brexit finden Sie hier: http://bit.ly/Chemie-und-Brexit

    74

    deutsche chemieexporte nach grossbritannien nach sparten, 2016. angaben in Prozent.

    pharmazeutika und spezialchemikalien haben den größten Anteil an den deutschen Chemieausfuhren nach Großbritannien. Quellen: Destatis, VCI

    52,3

    16,5

    8,8

    11,1

    6,8 4,5

    anorganika

    Petrochemikalien

    Polymere

    wasch- und körperpflegemittel

    Pharmazeutika

    fein- und spezialchemie

    die wichtigsten handelspartner deutschlands für chemie- und pharmaprodukte in milliarden euro, 2016

    wichtiger handelspartner: Die deutsche Chemie verkaufte 2016 Produkte im Wert von 12 Milliarden Euro an Kunden in Großbritannien (6 Prozent der Chemieexporte). Umgekehrt importierten sie von dort Produkte für über 6 Milliarden Euro. Quellen: VCI, Destatis

    nl Us cH fr be Gb it cn

    15,8

    17,2

    9,7 12,8 8,9 12,0 10,0 7,4

    12,6

    15,2

    9,6

    11,8

    6,4 6,7

    4,3

    19,3

    Import Export

  • 3

    chemie report Standpunkt / News11.2017

    Wussten Sie schon?

    Ein Drittel ... ... aller Biozidprodukte in der EU wird im Vereinigten Königreich bewertet und zugelassen. In anderen Mit- gliedstaaten werden die Produkte dann vielfach ohne weitere Bewertung über eine gegenseitige Anerkennung auf dem Markt bereitgestellt.

    Großbritannien ist darüber hinaus auch überdurchschnittlich am Prüfprogramm für alte Wirkstoffe in Bioziden beteiligt. Es übernimmt derzeit rund zehn Prozent der Bewertungen im sogenannten „Review­Programm“ der EU. In diesem werden alle Wirkstoffe einer Risikobewertung unterzogen. Diese wich­ tige Rolle des Vereinigten Königreichs ist nur möglich, da die zuständige britische Behörde über die nötigen Kapazitäten und die entsprechende Erfahrung verfügt. Würde die Bewer­ tung von Wirkstoffen und Biozidprodukten auf der Insel nach dem Brexit wegfallen, müssten die Behörden in den übrigen EU­Staaten in Zukunft diese Aufgabe übernehmen. c

    Standpunkt

    Die EU muss nach vorne schauen

    der brexit ist ein historischer rückschlag für die euro- päische Union. weder die eU noch Großbritannien können die politischen und wirtschaftlichen folgen nach mehr als einem Jahr in ihrer ganzen tragweite absehen. die chemisch-pharmazeutische industrie in deutschland hat diese entscheidung einer knappen mehrheit der britischen bürger sehr bedauert. denn unsere Haltung zu europa ist eindeutig: die Unterneh- men stehen zur politischen einheit europas mit einer stabilen und starken Gemeinschaft und dem euro als gemeinsamer währung. Umso schwe- rer fällt es uns zu akzeptieren, dass in den kommenden Jahren zum ersten mal die errungenschaften der europä- ischen integration in einem mitglied- staat rückgängig gemacht werden.

    die chemische industrie hat in ihrer langen Geschichte die erfahrung gemacht: Jeder bruch mit dem bewähr- ten birgt auch die chance für fort- schritt. so wie sich unsere branche immer wieder verändert, so wird auch die eU lehren aus dem brexit ziehen. ein „weiter so“ darf es nicht geben. deshalb finde ich es richtig, dass eU- kommissionspräsident Juncker und der französische Präsident macron eine reformdebatte angestoßen haben. sobald sich die neue bundesregierung

    formiert hat, sollte sie den diskussionsprozess in brüs- sel über die Zukunft der Union mit vorantreiben.

    auch die chemie wird sich hier einbringen. Unsere kundenbranchen und wir, und damit der ganze indus- triestandort europa, profitieren vom binnenmarkt mit einheitlichen regeln, Zulassungsverfahren und stan- dards. Unterschiedliche regulierungen – besonders

    im chemikalien- und Umweltrecht – bedeuten dagegen höhere kosten und mehr bürokratie. nationale allein- gänge und kleinstaaterei können nicht die antwort auf die Herausforderun- gen der Zukunft sein. diese botschaft müssen wir auch in die bevölkerung tragen. eine möglichkeit bieten die bürgerdialoge der europa-Union deutschland, die der Vci unterstützt.

    auch bei anderen themen erlebt gerade die chemie, dass in der eU einiges verbessert werden muss: zum beispiel mehr rückenwind für innova- tionen und eindeutige Vorfahrt für wissenschaftsbasierte entscheidun- gen bei der regulierung von stoffen. die europäische industrie braucht eine effizientere eU, die Ziele vorgibt, bei der Umsetzung jedoch offen für inno- vative lösungen bleibt.

    Dr. Kurt Bock Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

    Sprays gegen Insekten, wie die Tigermücke, gehören z