64 - Landtag RLP · PDF file 2018. 12. 14. · einem Fotoalbum der SS, um 1940/41,...

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    64

    VeranStaLtungen zum tag deS gedenkenS an die OPfer deS natiOnaLSOziaLiSmuS 2015

    Plenarsitzung und Ausstellungen im Landtag Rheinland-Pfalz

  • Heft 64 der Schriftenreihe des Landtags Rheinland-Pfalz ISSN 1610-3432

    imPreSSum

    Herausgeber: Der Präsident des Landtags Rheinland-Pfalz Verantwortlich: Hans-Peter Hexemer Leiter Kommunikation und neue Medien Platz der Mainzer Republik 1, 55116 Mainz Redaktion: Elke Steinwand Gestaltung: Petra Louis, Mainz Titelbild: links: Häftlingsarbeit in der Rohrmattenflechterei

    unter Aufsicht einer Aufseherin, Aufnahme aus einem Fotoalbum der SS, um 1940/41, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück,

    Foto Nr. 1688 rechts: Torsten Silz Fotos: S. 5–37, Torsten Silz S. 39–66, Klaus Benz Copyright: Landtag Rheinland-Pfalz 2015 Druck: Johnen-Druck, Bernkastel-Kues

    Der Landtag im Internet: www.landtag.rlp.de

    VeranStaLtungen zum tag deS gedenkenS an die OPfer deS natiOnaLSOziaLiSmuS 2015

    Plenarsitzung und Ausstellungen im Landtag Rheinland-Pfalz

  • inhaltsVerzeichnis

    plenarsitzung des landtags rheinland-pfalz

    aus anlass des gedenktags für die Opfer

    des natiOnalsOzialismus am 27. Januar 2015 5

    gedenkWOrte für die Opfer der

    terrOranschlÄge VOn paris

    Landtagspräsident Joachim Mertes 7

    Begrüssungsansprache

    Landtagspräsident Joachim Mertes 9

    gedenkrede

    Ruta Wermuth-Burak Zeitzeugin und Überlebende des Holocaust 21

    ansprache

    Ministerpräsidentin Malu Dreyer 31

    ausstellung „Jüdische frauen

    im kOnzentratiOnslager raVensBrück“

    14. Januar Bis 6. feBruar 2015

    im landtag rheinland-pfalz 39

    Begrüssung

    Landtagspräsident Joachim Mertes 41

    einführung

    Dr. Sabine Arend Leiterin der Sammlungen der Mahn- und

    Gedenkstätte Ravensbrück 45

    3

  • plenarsitzung

    des landtags rheinland-pfalz aus anlass des gedenktags für die Opfer des natiOnalsOzialismus

    am 27. Januar 2015

    ausstellung „ich Bin klein; aBer Wichtig“

    die kinderrepuBlik des Janusz kOrczak

    21. Januar Bis 20. feBruar 2015

    im fOYer des aBgeOrdentenhauses

    des landtags 55

    Begrüssung

    Landtagspräsident Joachim Mertes 57

    einführung

    Carola Gäde Internationale Jugendbibliothek, München 61

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  • gedenkWOrte für die Opfer der terrOranschlÄge VOn paris

    landtagsprÄsident JOachim mertes

    Guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren!

    Es ist das erste Mal, dass der Landtag und die Landesregierung nach den terroristischen Anschlägen von Paris vom 7. Januar zu- sammenkommen. Viele Zeichen der Verbundenheit, der Trauer und des Gedenkens wurden bereits öffentlich gesetzt. Heute wollen wir gemeinsam der siebzehn Menschen, die bei diesen Anschlägen starben, und der Verletzten gedenken. Die ermor- deten Menschen gehörten verschiedenen Religionen an, es wa- ren Männer und Frauen muslimischen, jüdischen und christlichen Glaubens.

    Dieser verabscheuungswürdige Anschlag war ein Angriff auf un- sere Grundwerte, auf die Demokratie und die Freiheit, auf alles,

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  • wofür wir stehen und stehen wollen. Wir bekennen uns heute ausdrücklich zu diesen Grundwerten und bekunden unsere So- lidarität mit unseren französischen Freunden, den Familien der Ermordeten und Verletzten und teilen ihre Trauer.

    Der Terror wird keine Chance haben, wenn wir weiter konsequent für unsere Grundwerte einstehen und sie anwenden, mutig sind und gemeinsam bleiben, wenn wir die Freiheit und die Rechte verteidigen, die uns als Europäer verbinden. Freiheit ist ebenso wenig teilbar wie Gleichheit und ebenso wenig wie Brüderlich- keit. Das ist unser Erbe, und das ist auch unsere Zukunft. Diesen Weg weiterzugehen, sind wir den Opfern und uns selbst schuldig.

    Ich bitte Sie, sich jetzt kurz von den Plätzen zu erheben, um der Opfer von Paris in einem Moment der Stille zu gedenken.

    (Die Anwesenden erheben sich kurz von ihren Plätzen und neh- men danach wieder Platz.)

    Danke schön, vielen Dank.

    Meine sehr verehrten Damen und Herren!

    Ich muss ein paar formelle Sätze vorweg sagen. Ich eröffne hier- mit die Plenarsitzung des Landtags Rheinland-Pfalz im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Ich freue mich, dass Sie da sind, die Damen und Herren Abgeordnete, die Mitglieder der Regierung, allen voran Frau Ministerpräsidentin Dreyer.

    Ich freue mich über unsere Gäste auf der Tribüne, und ich freue mich natürlich auch über Sie, unsere Musiker. Wir haben eben einmal kurz innegehalten und gefragt: Können wir denn eine so gut gemachte Musik ganz ohne Beifall hier hören? – Nein, das kann man nicht. Kunst verdient Anerkennung. Diese Anerken- nung haben wir Ihnen ganz bewusst ausgedrückt.

    Begrüssungsansprache

    landtagsprÄsident JOachim mertes

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  • Meine Damen und Herren, bei einer solchen Sitzung des Land- tags haben wir zahlreiche Ehrengäste, zum einen den Vorsitzen- den des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Rheinland- Pfalz, Herrn Avadislav Avadiev, mit dem ich verabredet hatte, dass wir vorweg an die Opfer von Paris denken.

    Ich freue mich, dass Herr Adelbert Heilig und seine Frau Isolde, beide Überlebende des Holocaust und Mitglieder des Ältesten- rates des Vorstands des Verbands deutscher Sinti und Roma aus Rheinland-Pfalz, bei uns sind. Grüßen Sie Herrn Delfeld, den wir sonst immer hier begrüßen können, ganz herzlich.

    Ich freue mich, dass Herr Dieter Skala und Herr Dr. Thomas Po- sern, die Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche beim Land, sowie der Mainzer Domdekan, Herr Heinz Heckwolf, bei uns sind. Herzlichen Dank, dass Sie gekommen sind. Ebenso begrüße ich Herrn Wolfgang Faller als Vertreter der Landeszen- trale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.

    Ich freue mich, dass der Bürgerbeauftragte, Dieter Burgard, bei uns ist, der auch die verdienstvolle Arbeit als Vorsitzender des Sprecherrats der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten- und Erinnerungsinitiativen leistet.

    Ebenso freue ich mich, dass der Beauftragte der Landesregie- rung für Migration und Integration, Herr Miguel Vicente, sowie der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Herr Dr. Lars Brocker, bei uns sind.

    Zahlreiche ehemalige Abgeordnete sind bei uns. An ihrer Spitze darf ich stellvertretend Herrn Dr. Alfred Beth, den Präsidenten der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Landtags, begrüßen.

    Für die Landeshauptstadt Mainz ist Frau Beigeordnete Marianne Grosse gekommen. Seien Sie herzlich willkommen!

    Einen Gast begrüße ich jetzt ganz besonders. Monsignore Klaus Mayer ist Ehrenbürger dieser Stadt. Er hat das Schicksal, über das wir heute reden, persönlich erlebt. Er ist Zeitzeuge und Pfar- rer in Sankt Stephan gewesen und hat es geschafft, die Chagall- Fenster dort hinzubringen und diese Kirche zur Friedenskirche zu machen und uns zur Chagall-Stadt. Schön, dass Sie bei uns sind. Wir freuen uns wie immer sehr darüber.

    Eben hat das temperamentvolle Quartett „Colalaila classic“ ge- spielt, das wir ganz besonders begrüßen. Meine Damen und Her- ren, diese Musik sollten wir nicht mehr hören; das war von den Nazis vor 80 Jahren vorgesehen. Sie sehen, was uns verloren ge- gangen wäre. Es gibt gleich zwei besondere Stücke. Peter Przys- taniak hat zwei Motive der Chagall-Fenster von Sankt Stephan vertont, und wir freuen uns darauf, das zu hören.

    Schließlich begrüße ich den Pfälzer Fotografen Martin Blume, dessen Fotos wir nach meiner Rede sehen werden. Sie werden später auf die Wand projiziert, und sie sind ein bisschen verwa- schen, glaubt man im ersten Moment, aber man entdeckt in dem Moment, in dem man es durchschaut und anschaut, dass einem

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  • alle diese Assoziationen von Auschwitz auf einmal von Bild zu Bild näher kommen.

    Meine Damen und Herren, ich begrüße im Wappensaal eine in- ternationale Gruppe von Geschichtsstudentinnen und -studen- ten der Universität Mainz zu dieser Sitzung. Seien Sie herzlich willkommen! Wir freuen uns, dass Sie Interesse zeigen.

    Meine Damen und Herren, Auschwitz beginnt dort, wo geschwie- gen wird, dort, wo zugelassen wird, dass Menschen bedroht oder ausgegrenzt, stigmatisiert, gedemütigt, entrechtet oder verfolgt werden. Auschwitz beginnt im Kopf desjenigen, der den anderen nicht achtet. Heute ist es möglich, diese Entwicklung vom Ende und vom Anfang her zu betrachten. Heute wissen wir, warum der 27. Januar 1945 und der 30. Januar 1933, die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, der 9. November 1938, die Pogromnacht, und der 1. September 1939, der deutsche Einfall in Polen, und der 20. Januar 1942, die Wannsee-Konferenz, nicht voneinan- der getrennt werden können. Wir gedenken heute, weil Roman Herzog, unser ehemaliger Bundespräsident, diesen Tag zum Ge-

    denktag bestimmt hat. Heute gedenken wir der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor genau 70 Jahren.

    Im Mainzer Dom ist eine Ausstellung zu sehen, die sehr genau beschreibt, wie die russischen Soldaten auf die Menschen stie- ßen, die noch übrig geblieben waren: 7 000. – Es ist auch nicht so, dass die Tore offen