AFRIKAS INFRASTRUKTUR - .Afrikas Infrastruktur - Grundlage des Wachstums D er Ausbau der...

AFRIKAS INFRASTRUKTUR - .Afrikas Infrastruktur - Grundlage des Wachstums D er Ausbau der Infrastruktur
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  • HINTERGRUNDPAPIER DES AFRIKA-VEREIN DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT E.V.

    AFRIKAS INFRASTRUKTUR - CHANCEN FÜR DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT NUTZEN

  • Afrikas Infrastruktur -

    Grundlage des Wachstums

    Der Ausbau der Infrastruktur Afrikas ist eine der zentra-len Herausforderungen des Kontinents. Nach Angaben der Weltbank verfügt Subsahara-Afrika derzeit über die schlechteste Infrastruktur weltweit. Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Infrastruktur ist nach Ansicht der Afrika- nischen Union mangelhaft. Mit Südafrika gehört lediglich ein afrikanisches Land zu den Top-50-Logistikstandorten der Welt. Die schlechte Infrastruktur führt zu hohen Transportkosten und verhindert stärkeres wirtschaftliches Wachstum. Zugleich befinden sich in Afrika derzeit einige der weltweit größten In- frastrukturprojekte in der Umsetzung oder Planung, die auch für deutsche Unternehmen konkrete Geschäftschancen bieten.

    Einige Jahrzehnte wurde die Infrastruktur Afrikas vernach-lässigt. Inzwischen haben jedoch viele afrikanische Re-gierungen, die Afrikanische Union, internationale Geber- organisationen und auch bilaterale Geber die Notwendigkeit verstärkter Investitionen in den Sektor erkannt. Die Afrikanische Union hat das Programme for Infrastructure Development in Af- rica (PIDA) initiiert, das in drei Phasen den Ausbau der Infrastruk- tur vorsieht und im Zeitraum von 2010-2030 ein Volumen von insgesamt 380 Mrd. US-Dollar umfasst. Die Europäische Union hat wiederum 2007 den EU-Africa Infrastructure Trust Fund ge- schaffen, um in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten der EU einen wirksamen Fonds für den Infrastrukturbereich zu schaf- fen. Deutschland bietet darüber hinaus eigene Finanzierungs- möglichkeiten für den afrikanischen Infrastruktursektor an oder kooperiert mit Institutionen wie der Africa Finance Corporation. Großes Engagement im afrikanischen Infrastrukturbereich zeigt derzeit China, das in diesem Jahr allein für das südafrikanische Transportunternehmen Transnet Zusagen in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar machte. Insgesamt kündigte China für den Zeitraum von 2012 bis 2015 einen Finanzierungsrahmen in Höhe von 20 Mrd. US-Dollar für die Zusammenarbeit mit Afrika an, wovon der Großteil in Infrastrukturprojekte fließen soll.

    Das verstärkte Interesse am Infrastruktursektor bietet auch deutschen Unternehmen zunehmend Geschäftsmög-lichkeiten. Dazu gehören neben den Bauunternehmen auch Ingenieurbüros, Architekten, Hersteller von Maschinen und allgemein Technik sowie Hafen- und Flughafenbetreiber. Einige Unternehmen – wie z.B. das Bauunternehmen Bilfinger oder Maschinenhersteller wie Liebherr sind bereits seit Jahr- zehnten erfolgreich in Afrika aktiv. Außerdem haben sich in den letzten Jahren auch verstärkt Architekten und Ingenieurbüros in Afrika engagiert – aber zahlreiche Unternehmen gehen nach wie vor nicht auf den Zukunftsmarkt Afrika.

    Hohe Transportkosten

    Die teils stark vernachlässigte Infrastruktur Afrikas führt besonders in den Ländern ohne Zugang zum Meer zu sehr hohen Transportkosten. Die Afrikanische Union beziffert den Anteil des Transports am Warenwert auf bis zu 77 Prozent. Der Transport eines Autos von Japan in die ivorische Hafenstadt Abidjan kostet rund 1.500 US-Dollar – während der Transport von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba nach Abidjan rund 5.000 US-Dollar kostet. Die hohen Transportkosten führen dazu, dass die Güterpreise in Afrika bis zu 75 Prozent über den europäischen Güterprei- sen liegen. Neben dem Ausbau von Häfen, Straßen, Eisen- bahnnetzen und Flughäfen ist daher auch die Entwicklung von Know-how im Transportsektor insgesamt gefragt. Das betrifft besonders die häufig in staatlichem Besitz befindli- chen Einrichtungen wie Hafenbehörden, den Zoll und auch Flughäfen. Teilweise sind die Abfertigungszeiten für Contai- ner länger als der gesamte Transport aus Europa oder Asien in das entsprechende Zielland. Allerdings betrifft es auch die Organisation von Logistik insgesamt - ein Bereich in dem deutsche Unternehmen wie DHL und Kühne + Nagel schon heute in Afrika führend sind.

    Ausbau und Aufbau

    Die afrikanische Infrastruktur ist bereits seit einigen Jah-ren ein wichtiges Investitionsfeld für internationale Un-ternehmen. Allein im Jahr 2012 gab es nach Angaben der UNCTAD Ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 2,3 Mrd. US-Dollar in Transportmittel und 2,9 Mrd. US-Dollar in Transport und Kommunikation. Bei den Neuinvestitionen in Ländern mit niedrigem Einkommen steht Afrika im Fokus – neun der zehn größten ausländischen Neuinvestitionen wur- den in diesen Ländern Afrikas getätigt. Darunter waren auch

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  • eine Reihe von Infrastrukturprojekten: Telekommunikation in Madagaskar, Hausbau in Mosambik und, neben einigen Projek- ten im Bergbau, auch eine Anzahl von Projekten im Energiesek- tor.

    Darüber hinaus investierten viele nationale Regierungen oder Unternehmen in den Ausbau der Infrastruktur. Die von der UNCTAD im Jahresbericht 2012 vorgestellten Projekte werden jedoch durch die ambitionierten Pläne der Af- rikanischen Union deutlich in den Schatten gestellt. Bis 2030 sollen mit dem PIDA 380 Mrd. US-Dollar in die afrikanische Inf- rastruktur investiert werden. Allein bis 2020 sollen 51 Projekte in einem Umfang von insgesamt 51 Mrd. US-Dollar umgesetzt werden. Dazu gehört vor allem der Ausbau der Transportkor- ridore – wie bereits erfolgreich in Namibia und Botsuana mit dem Walvis Bay Corridor geschehen - oder aber aktuell der sich in Mosambik in der Planung befindliche Nacala Eisenbahn- Korridor, der den großen Kohlevorkommen Mosambiks in Tete und dem ohne Zugang zur See ausgestattete Malawi einen schnellen Hafenzugang verschaffen soll. Neben Häfen, Flughä- fen, Schienen und Straßen umfasst das PIDA auch Investitionen in den Energiesektor. Das ambitionierteste Projekt ist dabei der Ausbau des INGA-Staudamms in der DR Kongo – der bereits seit Jahrzehnten diskutiert wird – und in der größten Ausbaustufe bis zu 40.000 MW Stromkapazität haben soll – was dem Strom- bedarf der Republik Südafrika entspricht. Weitere Großprojekte sind z.B. der Bau des Hafens im kenianischen Lamu, der rund 5,3 Mrd. US-Dollar kosten soll und z.B. der Eisenbahnbau in Ostafrika von Dar-es-Salam nach Kigali, für den 4,7 Mrd. Euro veranschlagt werden.

    Eine besondere Rolle im Bereich der Infrastruktur spielen die großen Städte. Derzeit leben rund 40 Prozent der 1,1 Mrd. Afrikaner in Städten. Dieser Anteil – heute rund 400 Mio. Menschen – wird sich nach Schätzungen bis 2035 auf 50 Prozent erhöhen – was dann ca. 800 Mio. Menschen bedeuten könnte. Das entspricht einem wöchentlichen Zuzug von rund 335.000 Menschen. Megastädte wie Lagos und Nairobi überle- gen schon heute, wie sie die Bevölkerung besser transportie- ren und besser wohnen lassen kann. So gehört der Bau einer U-Bahn für Lagos zu den aktuell zehn größten Infrastrukturpro- jekten in Afrika.

    Ebenso gehört der Ausbau der Tourismusinfrastruktur zu einer der Kernaufgaben afrikanischer Länder. Besonders starkes Interesse herrscht hier auch bei internationalen In- vestoren. Die UNCTAD zählt diesen Bereich zu den wichtigsten drei Investitionszielen der letzten Jahre.

    Deutsche Unternehmen

    Die deutsche Wirtschaft ist seit vielen Jahrzehnten er-folgreich im Infrastrukturbereich tätig. Bilfinger ist am größten Baukonzern Nigerias beteiligt, deutsche Maschinenhersteller liefern ihre Baumaschinen in praktisch alle Länder Afrikas, deutsche Architekten waren am Bau von WM-Stadien in Südafrika beteiligt, deutsche Zementunterneh- men beliefern Baustellen in Gesamtafrika, Ingenieurbüros wie

    Fichtner, Gauff, Inros Lackner und Lahmeyer International sind erfolgreich als Berater aktiv. Zuletzt hat Siemens in Mosambik einen Auftrag im Wert von 123 Mio. Euro für die Lieferung von Eisenbahntechnik und Energietechnik erhalten. Die Erfolge einzelner Unternehmen kompensierten jedoch das fehlende Engagement eines Großteil der deutschen Wirtschaft nicht, welche den afrikanischen Markt häufig noch immer ignoriert. Außerdem muss die deutsche Wirtschaft anderen Nationen praktisch komplett die Umsetzung von Großprojekten überlas- sen, da vor allem Anbieter aus den Schwellenländern Lösungen aus einer Hand – von der Planung über die Durchführung bis hin zur Finanzierung – anbieten, die deutsche Unternehmen bzw. Konsortien so nicht anbieten können.

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  • Mehr Engagement wagen

    In dieser Situation ist aber nicht nur die deutsche Wirtschaft gefordert. Auch die Politik muss sich stärker einbringen, um den deutschen Anteil im Zukunftsmarkt Afrika zu sichern. Konkret fordern wir von der neuen Bundesregierung:

    1. Das Afrikakonzept der Bundesregierung wird zu einer ge- meinsamen Afrikastrategie von Politik und Wirtschaft weiter- entwickelt, deren Ziel es ist, die politischen und wirtschaftli- chen Beziehungen zwischen Deutschland und den Staaten und Regionen Afrikas deutlich zu intensivieren.

    2. Deutsche und europäische Unternehmen müssen für ihr Af- rikageschäft Zugang zu international konkurrenzfähigen Finan- zierungs- und Absicherungsinstrumente haben, die sie auch im Wettbewerb mit Schwellenländern bestehen lassen. Die kom- mende Bundesregierung wird das bestehende Instrumentari- um in diesem Sinne stärken und ggf. reformieren.

    IMPRESSUM

    Herausgeber Rechtsanwalt Christoph Kannengießer,

    Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft e.V., Friedrichstraße 206, 10969 Berlin

    Redaktion & Konzept Michael Monnerjahn und Carla Nickel

    Gestaltung Michael Monnerjahn

    Fotos und Bildnachweise Getty Images, M