Die US-Steuerreform und ihre Folgen für Unternehmen · PDF fileDie US-Steuerreform . und...

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    17-Sep-2018
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  • Die US-Steuerreform und ihre Folgen fr Unternehmen in DeutschlandEin Positionspapier des Wissenschaftlichen Beirats Steuern von EYJanuar 2018

  • Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    die Whler haben entschieden und die Abgeordneten sind gewhlt, die im Deutschen Bundestag die Geschicke unseres Landes in den kommenden vier Jahren bestimmen. Besonders wichtig sind die ersten Wochen, in denen die Verhand lungsfhrer und Fachleute einen

    Koalitions vertrag ausarbeiten, der quasi ein Drehbuch fr das Regie-rungshandeln in der 19. Legislaturperiode ist.

    Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit in solider Verfassung. Doch seit der letzten groen Unternehmensteuerreform 2008 fllt Deutsch-land im steuerlichen Standortwettbewerb allmhlich zurck. Es ist eine groe Aufgabe fr die neue Koalition, diesen Negativtrend umzukehren. Eine kluge Steuerpolitik kann entscheidend dazu beitragen, den Standort Deutschland zu strken, ein wachstumsfrderndes Investitionsklima zu schaffen sowie Arbeitspltze und Steueraufkommen zu sichern.

    Als Anregung hat der Wissenschaftliche Beirat Steuern von EY zehn Empfehlungen fr eine nachhaltige Steuerpolitik erarbeitet. Der Beirat ist seit langem ein enger Begleiter der deutschen und internationalen Steuerpolitik. Er bndelt das Wissen von konomen und Juristen aus Wissenschaft, Finanzverwaltung und Rechtsprechung mit dem Erfah-rungsschatz von EY, Deutschlands grter Steuerberatungsgesellschaft.

    Wir wnschen den Abgeordneten des 19. Deutschen Bundestags und der neuen Bundesregierung eine segensreiche Hand in den kommenden vier Jahren.

    Martina Ortmann-BabelVorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats Steuern von EY

    Editorial

    Die Autoren Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats Steuern von EY

    Ewald Dtsch OFD Koblenz a. D.Prof. Dr. Clemens Fuest ifo InstitutProf. Dr. Johanna Hey Universitt zu KlnProf. Dr. Hans-Joachim Kanzler BFH a. D.Dr. Michael Kempermann BFH a. D.Prof. Dr. Christoph Spengel Universitt Mannheim

    Weitere Verfasser von EY

    Ute Benzel, Hermann Ottmar Gau, Dr. Cornelia Kindler,Prof. Dr. Stefan Khler, Roland Nonnenmacher,Martina Ortmann-Babel, Prof. Dr. Michael Schaden

    Der Prsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald J. Trump unterzeichnet das Reformpapier im Weien Haus am 22. Dezember 2017

  • Special

    3EY TAX & LAW Special | US-Steuerreform

    W hrend Deutschland bis auf Weiteres nur ber eine geschftsfhrende Regierung verfgt, beweisen die USA politische Tatkraft. Mit dem Tax Cuts And Jobs Act ist dort Anfang 2018 die grte Steuerreform seit ber 30 Jahren in Kraft getreten, die private Haushalte und Unternehmen in der Spitze um jhrlich ca. 280 Milliarden US-Dollar entlastet. Das sind 1,3 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Auf deutsche Verhltnisse umgerechnet wrde dies einer Steuersenkung von 46 Milliarden Euro pro Jahr ent-sprechen. (Zahlen fr 2019, vgl. Joint Committee on Taxa tion, Estimated Budget Effects Of The Conference Agreement For H.R.1, JCX-67-17.)

    Die US-Steuerreform betrifft drei Bereiche: die per-snliche Einkommensteuer, die Erbschaftsteuer und die Unternehmensbesteuerung. Letztere hat die gr-ten Auswirkungen auf Deutschland und Europa und ist Gegenstand dieses Tax & Law Specials. Die Kernelemen-te dieses Reformbereichs sind: Reduzierung des Kr-perschaftsteuersatzes von 35 auf 21 Prozent (auf Bun-desebene), Entlastungen fr Personenunternehmen, Sofortabschreibungen fr Investitionen sowie die Abkehr vom Welteinkommensprinzip hin zu einer Freistellung von Auslandsgewinnen in Bezug auf Dividenden (aus Beteiligungen ab zehn Prozent).

    Dem stehen einige steuerverschrfende Manahmen gegenber. Darunter eine Beschrnkung des Zinsab-zugs und verschlechterte Abschreibungsbedingungen fr bestimmte Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

    Fr die US- Regierung ist die Reform ein game chan-ger, die das Land im internationalen Steuer- und Stand-ortwettbewerb in eine Top-Position befrdern und fr mehr Investitionen und Arbeitspltze sorgen soll. Fr multinationale Unternehmen soll es weniger attraktiv sein, Gewinne im Ausland auszuweisen und hierdurch der US-Besteuerung zu entziehen. Es spricht viel dafr, dass die Reform diese Ziele erreichen wird.

    Die deutsche Wirtschaft drfte kurzfristig zwar von der Stimulierung der US-Konjunktur durch die Reform pro-fitieren, doch drohen insgesamt nachteilige Effekte fr

    den Investitionsstandort Deutschland und das heimi-sche Steueraufkommen. Steigende Investitionen und eine wachsende Konsumnachfrage der privaten Haus-halte in Verbindung mit einer zu erwartenden Staatsver-schuldung werden das US-Leistungsbilanzdefizit und vor allem die in der politischen Diskussion hufig in den Vor-dergrund gestellten bilateralen Handelsbilanzdefizite gegenber Deutschland und China steigern. (Die Anreize zur Gewinnverlagerung ins Ausland sind zwar durch die Reform abgeschwcht, jedoch drfte dies die bilateralen Handelsbilanzdefizite kaum berhren.)

    Das knnte in der US-Administration den Druck erhhen, weitergehende protektionistische Manahmen zu er- greifen. Der Tax Cuts And Jobs Act schafft zudem spezi-fische Anreize fr auslndische Unternehmen, Teile ihrer Wertschpfungsketten in die USA zu verlagern. Am strksten jedoch wiegt die schlagartig verbesser-te allgemeine Wettbewerbsfhigkeit des Standorts USA. Deutschland droht ein Verlust von Arbeitspltzen und Steueraufkommen.

    Die US-Reform verstrkt die Entwicklung von Steuersys-temen in Richtung sinkender Steuer stze, verbunden mit unilateralen und unkoordinierten Manahmen zur Aus-dehnung der Bemessungsgrundlage. Je mehr einzelne Lnder die eigenen Besteuerungsrechte ohne Rcksicht auf andere Staaten ausweiten, desto mehr drohen inter-national ttigen Unternehmen Doppelbesteuerung und erhhter Aufwand fr die Steuerplanung.

    Der Beitrag erlutert die wichtigsten Elemente der Reform der US-Unternehmensbesteuerung und disku-tiert die Frage, ob und wie Deutschland steuerpolitisch reagieren sollte.

    Der Tax Cuts And Jobs Act im berblickI.

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  • 4 EY TAX & LAW Special | US-Steuerreform

    Special

    D ie wichtigste Manahme im Unternehmensbe-reich ist der von 35 auf 21 Prozent reduzierte Krper schaftsteuersatz auf Bundesebene bereits im Jahr 2018. Unter Bercksichtigung der rtlichen Unternehmensteuern der einzelnen Bundesstaaten und Gemeinden liegt die nominale Gesamtbelastung fr die Unternehmen nun bei durchschnittlich 26,5 Prozent. (Einige Bundesstaaten [South Dakota und Wyoming] haben allerdings keine eigene Krperschaftsteuer, so dass dort die Belastung tatschlich auf 21 Prozent sinkt.)

    Hinzu kommen weitere Entlastungen wie eine zeitlich befristete Sofortabschreibung von Investitionen, Steuer-senkungen fr Personengesellschaften und erhhte Frei-betrge bei der Erbschaftsteuer. Fr natrliche Personen wird der Tarifverlauf bei der Einkommensteuer deut-lich gesenkt, dafr werden im Gegenzug Abzugsmg-lichkeiten gestrichen. Die Steuerentlastungen fr natr-liche Personen sind vorerst auf acht Jahre befristet. Die Umstellung des Besteuerungssystems fr Unternehmen ist hingegen grtenteils auf Dauer angelegt. Eine teil-

    weise Gegenfinanzierung erfolgt ber eine Verbreite-rung der Bemessungsgrundlage.

    Steuerfreistellung von Dividenden

    Steuersystematisch relevant ist der bergang zum welt-weit blichen Territorialittsprinzip in Bezug auf Divi-denden aus Beteiligungen von mindestens zehn Prozent: Ausschttungen auslndischer Tochtergesellschaften in die USA sind dort zuknftig steuerfrei. Damit knnen US-Konzerne ab 2018 ihre im Ausland erzielten und besteuerten Gewinne ohne zustzliche US-Steuer im Inland ausschtten, wie dies bspw. auch fr deutsche Kapitalgesellschaften mglich ist ( 8b KStG; hier jedoch nur 95-prozentige Steuerfreiheit).

    Bisher haben US-Unternehmen einen Groteil der Gewin-ne ihrer Auslandsgesellschaften in Niedrigsteuerlndern gehortet. Damit diese Gewinne, deren Umfang auf min-destens 2,6 Billionen US-Dollar geschtzt wird, nun nicht vollkommen unbesteuert in die USA flieen, werden sie im

    Wesentliche steuerentlastende ManahmenII.

    Mitglieder des Finanzaus-schusses des US-Senats disku tieren am 15. November 2017 in Washington, D.C. den Reformvorschlag der Republikaner Fo

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  • 5EY TAX & LAW Special | US-Steuerreform

    Special

    Rahmen des Tax Cuts And Jobs Act mit Stzen von acht Prozent (illiquide Anlagegter) und 15,5 Prozent (Finanz-mittel) zwingend und unabhngig von einer tatschlichen Ausschttung besteuert (die Steuerzahlung kann ber einen Zeitraum von acht Jahren gestreckt werden). Der amerikanische Fiskus greift dabei auf Gewinne bis zurck ins Jahr 1986 zu und gewhrt nur eine eingeschrnk-te Anrechnung der zuvor im Ausland gezahlten Steuern. Damit wird ein klarer Schlussstrich unter das bisherige Regime der Welteinkommensbesteuerung gezogen und der Weg fr die Repatriierung der Gelder freigemacht.

    100-prozentige Sofortabschreibung

    Ein weiteres Reformelement ist die in dieser Breite unb-liche 100-prozentige Sofortabschreibung auf die meis-ten Investitionsgter (mit Ausnahme von Gebuden). Die Manahme ersetzt eine bereits erhhte Abschreibung in Hhe von 50 Prozent und luft bis Ende 2026. Davon versprechen sich die Reformgeber in Verbindung mit der nunmehr steuerlich attraktiven Repatriierung von Aus-landsgewinnen einen deutlichen Investitionsschub mit positiven Anstoeffekten fr die Wirtschaft.

    Prferenzregime FDII

    Noch mehr Attraktivitt gewinnen die USA durch die Ein- fhrung eines neuartigen und sehr weitreichenden Pr-ferenzregimes. Dabei handelt es sich um eine Niedrigbe-steuerung von Einknften aus der auslndischen Ver- wertung immaterieller Wirtschaftsgter durch US-Unter- neh