Frage nach der Dominanz des Klanges bei Georg Trakl am ... Dass Georg Trakl einen besonderen Zugang

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  • Universität Augsburg

    Philologisch-Historische Fakultät

    Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft

    Prof. Dr. Mathias Mayer

    Sommersemester 2014

    Dozent: Prof. Dr. Mathias Mayer

    Hauptseminar: Georg Trakl. Blockseminar mit Exkursion

    Frage nach der Dominanz des Klanges bei Georg Trakl am

    Beispiel der Gedichte Kleines Konzert und Nachtergebung

    Verfasserin:

    Stefanie Ries

    Am Anger 7

    86706 Weichering

  • 2

    Frage nach der Dominanz des Klanges bei

    Georg Trakl am Beispiel der Gedichte

    Kleines Konzert und Nachtergebung

    Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung ............................................................................................................................ 3

    2. Stellenwert der Musik im Leben Georg Trakls .......................................................................... 5

    3. Unterordnung oder Dominanz des Klangs? .............................................................................. 7

    3.1. Kleines Konzert .............................................................................................................. 7

    3.1.1 Musikalische Elemente in der formalen Gedichtstruktur der Druckfassung ....................... 8

    3.1.2 Wortmaterial als musikalischer Akzent ........................................................................ 9

    3.1.3 Das Spiel mit den Lauten .......................................................................................... 10

    3.2. Nachtergebung ............................................................................................................. 11

    3.2.1 Musikalische Elemente in der formalen Struktur ......................................................... 12

    3.2.2 Musikalische Elemente im Wortmaterial .................................................................... 12

    3.2.3 Vokalität und Konsonanz ......................................................................................... 13

    4. Musikalität in Trakls Lyrik ................................................................................................... 15

    4.1. Zuordnung Klang – Wort – Motiv ................................................................................... 15

    4.2 Klänge als strukturierende Elemente ................................................................................ 16

    4.3 Klangliches Überschreiten der Sprache ............................................................................ 17

    5. Die Dominanz des Klangs bei Georg Trakl ............................................................................ 19

    6. Anhang .............................................................................................................................. 20

    6.1 Nachtergebung .............................................................................................................. 20

    6.2 Kleines Konzert............................................................................................................. 21

    7. Literaturverzeichnis ............................................................................................................ 22

    8. Eidstattliche Erklärung ........................................................................................................ 22

  • 3

    1. Einleitung

    Vorbei! Heute ist diese Vision der Wirklichkeit wieder im Nichts versunken,

    ferner sind mir die Dinge, ferner noch ihre Stimme und ich lausche, ganz

    beseeltes Ohr, wieder auf die Melodien, die in mir sind, und mein beschwingtes

    Auge träumt wieder seine Bilder, die schöner sind als alle Wirklichkeit! Ich bin

    bei mir, bin meine Welt! Meine ganze, schöne Welt, voll unendlichen Wohllauts. 1

    Auf die Weise, wie Georg Trakl den Bildern und Melodien in seinem Innersten verbunden ist,

    so empfindet er auch die Nähe zu seiner Schwester, Hermine (Minna) von Rauterberg, wie er

    selbst in einem Brief an Minna im Jahr 1908 schreibt. Diese Worte sind wesentlich tiefer, wie

    es ein erstes Lesen vielleicht erahnen lässt, denn sie lassen sich als Zusammenfassung

    wesentlicher Züge des Dichters selbst lesen.

    Georg Trakl wird am 3. Februar 1887 in Salzburg als viertes Kind der Eheleute Tobias und

    Maria Catharina Trakl geboren. Die Familie ist durch die Eisenwarenhandlung des Vaters frei

    von finanzieller Not, sodass die Kinder eine „sorgenfreie“ Kindheit mit guter Ausbildung

    erhalten können. Wie in bürgerlichen Familien üblich, so erzog im Wesentlichen die aus dem

    Elsass stammende Gouvernante Marie Boring die Trakl-Kinder. So harmonisch die

    Familienverhältnisse nach außen wirken, die Beziehungsverhältnisse innerhalb ihrer sind

    dennoch problematisch. Der Vater und Geschäftsmann nimmt an der Kindererziehung nicht

    teil, wird aber zumindest als die ausgeglichene Person der Familie beschrieben. Das

    vordergründige Interesse der Mutter gilt mehr ihrer Antiquitätensammlung als ihren

    Mutterpflichten. Sie ist offensichtlich mit der Alltagssituation überfordert und flüchtet aus

    diesen Gründen – so scheint es – in den Drogenkonsum.

    Innere Zerrissenheit, Existenzbewältigungsprobleme, Introvertiertheit und die Tendenz zur

    Isolation begleiten das Leben Georg Trakls von Kinderbeinen an, wie sich seine Wegbegleiter

    erinnern. Sein eigenwilliges Verhältnis zur Realität ist eine weiterer Charakterzug des

    Dichters, welcher im einleitenden Zitat hervortritt: ein in sich Versunken-Sein,

    Weltabgewandtheit, Bilder und Melodien in einer eigenen mentalen Welt 2 .

    Die Hin- und Her-Gerissenheit zwischen den Welten wird an seinem Lebenslauf deutlich: So

    verlässt Georg Trakl nach der Obersekunda vorzeitig die Schule und beginnt ein Praktikum

    als Apotheker mit anschließendem Pharmaziestudium, welches er als Magister der Pharmazie

    abschließt. Nach anschließender einjähriger Tätigkeit beim Militär versucht sich Georg Trakl

    1 Trakl, Georg: Brief an Hermine von Rauterberg. In: Kemper, Hans-Georg/Max, Frank Rainer: Georg Trakl.

    Werke. Entwürfe. Briefe. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1984, S. 214. 2 Vgl.: Weichselbaum, Hans: Georg Trakl. Eine Biographie mit Bildern, Texten und Dokumenten. Salzburg:

    Otto Müller 1994, S. 32-34.

  • 4

    in verschiedenen beruflichen Anstellungen, die er jedoch entweder abbricht oder gar nicht erst

    antritt. Obwohl währenddessen das Werk des Dichters stetig wächst und er mehr oder weniger

    regelmäßig, unter anderem im „Brenner“, publiziert, so ist er doch auf die Unterstützung

    seiner Freunde und Gönner, vor allem Erhard Buschbeck oder Ludwig Ficker, angewiesen.

    Nach Kriegsausbruch 1914 meldet sich Georg Trakl freiwillig als Militärapotheker zum

    Dienst. Nach dem Einsatz bei der Schlacht von Grodek in Galizien nimmt der „geistige“

    Gesundheitszustand des Dichters stetig ab, ein erster Selbstmordversuch nach der Schlacht bei

    Grodek scheitert, sodass er zur Beobachtung ins Krakauer Garnisonsspital eingewiesen wird.

    Auch ein Besuch Ludwig Fickers kann nicht verhindern, dass sich Georg Trakl am 3.

    November 1914 mit einer Überdosis Kokain das Leben nimmt.

    Das Genie des Dichters lebt in seinem literarischen Nachlass weiter und fordert seine Leser

    beständig heraus. Besonders durch die Gratwanderung zwischen Sinn-und Sinnlosigkeit,

    bilderreicher Sprache und Sprachmusik, die sich dem Rezipienten wie ein dichtes Flechtwerk

    in den Gedichten präsentiert, macht sich Georg Trakl zu einem Faszinosum, das greifbar

    scheint und doch nicht greifbar wird.

    In dieser Arbeit soll das Netz aus Sprache und musikalischen Elementen exemplarisch an den

    Gedichten Kleines Konzert und Nachtergebung näher untersucht werden. Dabei steht die

    Frage im Zentrum, inwieweit das Musikalische in der Lyrik Georg Trakls über die Sprache

    dominiert.

    In einem ersten Schritt wird die Beziehung Georg Trakls zu Musik aufgezeigt, um im

    Anschluss herauszuarbeiten, welche Rolle musikalische Elemente in der Lyrik Trakls

    übernehmen.

  • 5

    2. Stellenwert der Musik im Leben Georg Trakls

    Wie in den meisten bürgerlichen Familien um die Jahrhundertwende, so wird auch bei

    Familie Trakl dem Interesse für Kunst und Kultur ein hoher Stellenwert beigemessen. Es

    werden gemeinsam Konzerte im Mozarteum und im Stadttheater besucht und die Trakl-

    Kinder, mit Ausnahme von Wilhelm, gehen u.a. bei August Brunetti-Pisano, einem

    Salzburger Komponisten, in den Klavierunterricht. Die Erinnerungen der Geschwister

    bescheinigen nicht nur Margarete, die Konzertpianisten wird, besonderes musikalisches

    Talent, sondern berichten auch, dass es Georg zu hoher Kunstfertigkeit im Klavierspiel

    brachte. 3

    Die Gegebenheiten lassen deshalb annehmen, dass Georg Trakl mit der Musikszene gut

    vertraut war und Musik oft ein Gesprächsthema im Kreis der Familie und Freunden gewesen

    sein wird. Vor allem die Vertrautheit zu seiner Schwester Margarete und der Aspekt, dass

    sowohl Grete als auch Georg sich offensichtlich im Komponieren versuchten, legen nahe,

    dass hier ein reger (musikalisch