Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die...

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UNIVERSITÄT LEIPZIG EVANGELISCH-THEOLOGISCHE FAKULTÄT Institut für Neues Testament Hauptseminar WS 2008/09 „Gleichnisse im Mt-Evangelium“ Dozent: PD. Dr. Rainer Metzner Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet Eine exegetisch-auslegende Hausarbeit zu der Parabel von der königlichen Hochzeitsfeier in Mt 22,1-14 in besonderer Beachtung von Motivgeschichte und Deutungshorizonten Jonas Großmann Cranachstraße 6 04177 Leipzig 8. Fachsemester Ev. Theologie KE [email protected]

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Page 1: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

UNIVERSITAumlT LEIPZIG

EVANGELISCH-THEOLOGISCHE FAKULTAumlTInstitut fuumlr Neues Testament

Hauptseminar WS 200809

bdquoGleichnisse im Mt-Evangeliumldquo

Dozent PD Dr Rainer Metzner

Gott ruft alle ndash

diese Be-Rufung verpflichtet

Eine exegetisch-auslegende Hausarbeit zu der Parabel von der

koumlniglichen Hochzeitsfeier in Mt 221-14 in besonderer Beachtung

von Motivgeschichte und Deutungshorizonten

Jonas GroszligmannCranachstraszlige 6

04177 Leipzig

8 Fachsemester Ev Theologie KE

grossmannjonaswebde

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1-2

2 Analytische Entfaltung 2-11

21 Uumlbersetzung 2-3

22 Textanalyse 3-7

221 Kontext 3-4

222 Gliederung 4-5

223 Personen und Wortanalyse 5-7

224 Form 7

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft 7-11

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14 11-26

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222 11-12

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7 12-16

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10 16-20

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13 20-26

35 Die Warnung ndash Mt 2214 26

4 Zusammenfassung 27-28

5 Abkuumlrzungs- und Literaturverzeichnis

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

1 Einleitung

bdquoDies Evangelium ist nicht schwer und ist ein schrecklich Evangeliumldquo1

bdquoSo ist nun dies die Summe der heutigen Predigt daszlig uns der Herr gern reizen und

schrecken wollte daszlig wir das Wort mit Ernst houmlren glauben und fassen lernten und so auf

seine froumlhliche Ankunft hofften wenn er am Juumlngsten Tage wiederkommen wird uns von

aller Not zu erloumlsen und an Leib und Seele zu helfenldquo2

Ob sich Mt 221-14 tatsaumlchlich in dieser paraumlnetischen Dimension der Warnung an die

Gemeinde und in diesem eschatologischen Horizont auslegen laumlsst soll in dieser

exegetischen Eroumlrterung verifiziert werden Dabei ist ndash wie im vorangestellten Zitat Luthers

deutlich wird ndash dieser Text in seiner Auslegung nach Soumlding bdquosehr umstrittenldquo3 und hat

nach Jeremias bdquoseit jeher hellip der Exegese Kopfzerbrechen verursachtldquo4 Einige seltsame

Begebenheiten ndash zB die absurde Episode in 11-13 ndash und auffallende Bruumlche auf der

Erzaumlhlebene5 erzeugen auf der einen Seite Interesse auf der anderen

Meinungsverschiedenheiten Dies zeigt sich zB an den von den Exegeten gegebenen

verschiedenen Titeln des Gleichnisses welche stark differieren und je eigene Schwerpunkte

setzen6

In dieser Hausarbeit soll der ntl Text des Matthaumlusevangeliums Mt 221-14 unter

besonderer Beruumlcksichtigung von Motivgeschichte und Deutungshorizonten exegetisch

ausgelegt und interpretiert werden Dabei wird nach der Uumlbersetzung (21) zunaumlchst

1 Zitat Luthers bei Diszlige Mt 2 Mit dieser Paradoxie leitet Luther eine Predigt (1531) zu Mt 221-14 ein2 Luthers Schluss seiner Predigt zu Mt 221-14 am 20 Sonntag nach Trinitatis 1533 (WA 37 180-183) hier

zitiert aus Luther deutsch 3963 Soumlding Festmahl 594 Jeremias Gleichnisse 62 Vgl auch Schnackenburg Mt 208 Er stellt auch fest dass Mt 221-14 viel

diskutiert und sehr unterschiedlich erklaumlrt wurde5 226f stellt zB eine komische unpassende und dann auch uumlberzogenen Reaktion dar Der Uumlbergang von 5

zu 6 ist sperrig Vgl Muumlnch Gleichnisse 178 In der Untersuchung von Fiktionalitaumlt und Kohaumlrenz der Erzaumlhlung wird fuumlr ihn hier die Grenze der Plausibilitaumlt uumlberschritten Die Wirkungen die die Anstoumlszligigkeiten dieses Textes hervorrufen resuumlmiert Luz 232 bdquoDer Mt-Text verunsichert so wie er vorliegt seine Leserinnen Sie merken daszlig die Geschichte als Geschichte nicht traumlgt und werden durch die Bruumlche dazu angeregt sie zu dekodieren und zu hinterfragenldquo

6 Vgl insgesamt Soumlding Festmahl 59f Dabei bleibt unklar ob der Akzent auf der Einladung oder dem Fest liegt ob der erste oder zweite Teil betont wird und ob der Gastgeber oder die Gaumlste im Mittelpunkt stehen Die Spannbreite reicht von bdquo(Groszliges) Gastmahlldquo (die meisten zB Jeremias Gleichnisse 61) bdquoHochzeitsmahl des Koumlnigssohnesldquo (Luz Mt 229) bdquoWiderwillige Gaumlsteldquo (Juumllicher Gleichnisreden 407)bdquoDas Doppel-Gleichnis uumlber den Ausschluss vom messianischen Mahlldquo (Fiedler Mt 333 ) und bis zu bdquoEinladung zum Festmahlldquo (Voumlgtle Einladung 171) bzw bdquoVergebliche Einladungldquo (Reiser Gerichtspredigt 227) Bei dem Letzten liegt der Akzent auf dem ersten Teil und damit im Horizont der Gerichtsbotschaft Jesu So auch Linnemann Gleichnisse 101 Sie meint das Urteil uumlber und die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen ist betont Vgl dagegen Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er uumlbertitelt mit bdquoDas dennoch gegluumlckte Festldquo Er legt also den Akzent auf den zweiten Teil und hebt das souveraumlne Handeln des Hausherrn hervor Vgl auch Luz Mt 236f Er stellt dar dass der volle Saal am Ende der Geschichte schwer deutbar sei Entweder das Gewicht liegt auf der zweiten Aussendung wo trotz der ersten Absage es zu einem guten Ende kommt freudigen Grundton) oder auf der ersten Aussendung mit der Absage dunklen Grundton) Das volle Haus hieszlige dann dass die zuerst Eingeladenen ihre Chance bzw den Kairos definitiv verpasst haben

- 1 -

analytisch vorgegangen (2) indem der Kontext (21) die Gliederung bzw Aufbau (22) die

Personen und Wortanalyse (23) die Form (24) und allgemein die sprachliche Gestalt in

den Blick geraten Abgeschlossen wird dieser Abschnitt der Untersuchung mit dem

Heranziehen von Paralleluumlberlieferungen (Synoptischer Vergleich) und Ermitteln von

Quellen bzw Herkunft (Literar- und Redaktionskritik) Im zweiten Teil der Entfaltung steht

die konkrete Exegese und Deutung von Mt 222-14 ndash Vers 221 wird schon in 21 behandelt

ndash im Vordergrund Entsprechend der Gliederung (22) wird dabei folgendermaszligen

vorgegangen7 Mt 222 (das Bild vom Hochzeitsmahl Mt 223-7 (die Knechte und die

Strafexpedition Zerstoumlrung Jerusalems) Mt 228-10 (die Gaumlste und heilsgeschichtliche

Deutung) Mt 2211-13 (das hochzeitliche Gewand) und Mt 2214 (die Warnung) Die

Arbeit muumlndet schlieszliglich in einem zusammenfassenden Schlussfazit (4)8

2 Analytische Entfaltung

21 Uumlbersetzung

1 Und Jesus antwortete und und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte

2 Das Himmelreich gleicht9 einem Koumlnig10 der die Hochzeitsfeier11 fuumlr seinen Sohn

bereitete12

3 Und er schickte seine Knechte aus um die zur Hochzeitsfeier Geladenen zu rufen

und sie wollten nicht kommen

4 Wieder schickte er andere Knechte aus und sagte

bdquoSagt den Geladenen Siehe mein Mahl13 habe ich bereitet meine Ochsen und die

Mastkaumllber sind geschlachtet und alles ist bereit Kommt zur Hochzeitsfeierldquo

5 Sie aber kuumlmmerten sich nicht darum und gingen fort der eine auf seinen Acker der

andere aber zu seinem Geschaumlft

6 Die Uumlbrigen aber ergriffen seine Knechte misshandelten und toumlteten sie

7 Der Koumlnig aber wurde zornig und schickte sein Heere und richtete jene Moumlrder zu

Grunde und zuumlndete ihre Stadt an

7 In Klammern jeweils thematische Schwerpunkte des Abschnittes Dabei werden auch die Bereiche bildspendender Bereich Metaphernpotential Traditions- bzw Motivgeschichte Deutungshorizonte und Fragen nach der pragmatische Funktion behandelt Die auch interessante Wirkungsgeschichte kann leider aus Platzgruumlnden kaum dargestellt werden Vgl Diszlige Mt 7f und Luz Mt 246f

8 Als eine persoumlnliche Vorbemerkung ndash va in Bezug zum hochzeitlichen Gewand in 11f ndash kann gelten dass der Verfasser im Sommer auf zwei Hochzeiten ndash auch als Trauzeuge und Prediger ndash gehen wird und mit seiner Frau schon geplant hat welche Kleidung dafuumlr besonders schoumln sauber und passend waumlre Gut ist dass fruumlhe Einladungen viel Zeit fuumlr noumltige Vorbereitungen ermoumlglichten Wenn die Zeit knapper gewesen waumlre haumltte evt nichts Passendes mehr besorgt bzw bereitet werden koumlnnen

9 Oder auch Verglichen wurde die Koumlnigsherrschaft der Himmel Vgl Muumlnch 135-140 Die passivische Form hat folgende Bedeutungen gleich oder aumlhnlich sein bzw werden dh gleichen Zudem resuumlmiert er dass die Aoristform hier praumlsentisch uumlbersetzt werden kann

10 Woumlrtlich Einem Menschen einem Koumlnig dh einem koumlniglichen Menschen11 Oder Hochzeitsmahl bzw allgemein die Hochzeit Su 23 und 3112 Woumlrtlich machte13 Woumlrtlich Fruumlhmahl bzw Mittagsmahl

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8 Dann sagt er zu seinen Knechten bdquoDie Hochzeitsfeier ist zwar bereit aber die Geladenen

waren nicht wuumlrdig

9 Geht nun an die Ausgaumlnge14 der Straszligen und wen ihr findet ruft zur Hochzeitsfeierldquo

10 Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straszligen und versammelten15 alle die sie fanden

Boumlse und Gute Und die Hochzeitsfeier16 fuumlllte sich mit Gaumlsten17

11 Als der Koumlnig aber hineinging sich die Gaumlste anzusehen sah er dort einen Menschen

der kein Hochzeitsgewand anhatte18

12 Und er sagt zu ihm bdquoFreund wie kamst du hier herein ohne ein Hochzeitsgewandldquo

Er aber schwieg

13 Da sagte der Koumlnig den Dienern bdquoBindet seine Fuumlszlige und Haumlnde und werft ihn hinaus in

die aumluszligerste Finsternis Dort wird Heulen und Zaumlhneknirschen seinldquo

14 Viele naumlmlich sind berufen wenige aber auserwaumlhlt

22 Textanalyse

221 Kontext

Die zu eroumlrternde Parabel ist eingebettet in den Kontext der Auseinandersetzung Jesu mit

seinen Gegnern in Jerusalem (Mt 211 ndash 2339) dh in den Kontext der Jerusalemer

Streitgespraumlche19 und stellt das dritte und letzte Stuumlck innerhalb einer Gleichnisfolge bzw

Gleichnistrias dar20 Das Gleichnis von den ungleichen Soumlhnen (2128-32) das Gleichnis

14 Verschiedene Moumlglichkeiten sind noch Ausfallstraszligen der Stadtstraszligen Enden der Straszligen Straszligenausmuumlndungen an der Stadtgrenze oder Quergassen der Hauptstraszligen

15 Auch moumlglich ist zusammenfuumlhren oder zusammenbringen Vgl Gnilka Mt 240 Er assoziiert mit diesem Verbum die Synagoge was fuumlr ihn die Versammlung der Gemeinde andeutet

16 Vgl Sand Mt 437 Er meint dass sonst bdquoder Text der Parabel relativ gut uumlberliefertldquo ist Auszliger hier wo der Hochzeitssaal als alexandrinische Korrektur bzw Erleichterung angesehen werden kann weil ὁ γάμος - was als lectio diffcilior zu bevorzugen ist ndash schlecht zu ἐπλήσθη passt dh die Hochzeitsfeier kann nicht voll werden Daher kann hier auch mit bdquoHochzeitssaalldquo uumlbersetzt werden Vgl auch Luz Mt 231 und Gnilka Mt 240

17 Woumlrtlich ist das damals uumlbliche zu Tische Liegende18 Bzw Nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleid19 Vgl Wiefel Mt 374 Dabei wird die Akoluthie von Mk unterbrochen Vgl auch Gnilka Mt 233 und

Fiedler Mt 333 Er differenziert dass Jesus in Mk 1212 die Angegriffenen gehen laumlsst bei Mt bekommen sie ein drittes Gleichnis zu houmlren Vgl Limbeck Mt 245 Mt unterbricht den Zusammenhang der Mk-Vorlage (Mk 121-12 ndash Mt 2133-46 Mk 1213-17 ndash Mt 2215-22) In der erzaumlhlerischen Chronologie des Mt wird die Parabel am zweiten Tag von Jesu Aufenthalt in Jerusalem als ersten Teil der groszligen Abrechnung Jesu mit Gegnern gesprochen Im groumlszligeren Rahmen stehen die Ereignisse die zur Passion fuumlhren werden (vgl in 2146 den Plan Jesus zu verhaften) Als Szenerie fuumlr die Jesus-Rede hat Mt den Tempel in Jerusalem gewaumlhlt Vgl auch Diszlige Mt 1

20 Vgl Muumlnch Gleichnisse 7079 Er sieht diese Trias als indirekte Antwort auf die Vollmachtsfrage (2123ff) Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Die drei Parabeln sind durch gemeinsame Themen eng verknuumlpft Va den an die Fuumlhrer Israels gerichteten Gerichtsgedanken dh die Abloumlsung Israels durch die neue Heilsgemeinde aber auch die Geschichte der Profeten bzw Zeugen in Israel (AT Johannes der Taumlufer Jesus christliche Missionare) und die Bindung des Heils an Bedingungen (Glauben 2132 Fruchtbringen 214143 bzw hochzeitliches Gewand 2211f) Vgl auch Luz Mt 196f 249 Er stellt neben thematischer auch formale Aumlhnlichkeit zwischen den ersten beiden und gleiche Quellenherkunft des ersten und dritten Gleichnisses fest Das dritte und letzte Gleichnis fuumlhrt dabei die groszlige Abrechnung mit Israel zum Houmlhepunkt bzw Ende ist dabei schaumlrfer und direkter als die beiden anderen ndash zB beim Gericht uumlber Israel ist 227 konkreter als 214143 ndash und weitet den Blick noch weiter aus Uumlber Jesu Todhinaus auf die Heidenmission und das Juumlngstes Gericht

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von den boumlsen Winzern (2133-46 vgl Mk 121-12) und das vorliegende Gleichnis vom

koumlniglichen Hochzeitsmahl (221-14) Neben der klaren Abgrenzung des Gleichnisses ndash

durch den Redeeinleitungssatz (221) das Schlusslogion (2214) und den fortsetzenden

Neueinsatz mit Subjektwechsel von Jesus21 zu den Pharisaumlern in 2215ff ndash ist aber dennoch

eine enge Bezogenheit des Textes auf das vorhergehende Gleichnis festzustellen22 Die

Einleitungen sind miteinander verknuumlpft (2133a ἄλλην παραβολήν 221 πάλιν ἐν

παραβολαῖς)23 Neben πάλιν welches einen Neuansatz markiert24 weist auch das auf die

Hohenpriester und Pharisaumler bezogene Personalpronomen αὐτοῖς25 das reagierende

Einleitungsverbum ἀποκριθεὶς (221) und zwei Reminiszenzen ndash die doppelte vergebliche

Sendung der Knechte in 213436 findet Entsprechung in 223f und die Misshandlung bzw

Toumltung derer von 2135 in 226 ndash zu der Parabel von den boumlsen Paumlchtern hin26 Zur

Verknuumlpfung dieser beiden Gleichnisse traumlgt auch das zunaumlchst schwer verstaumlndliche

Partizip ἀποκριθεὶς (221) ndash bdquoinwiefern ist Reden Jesu ein Antwortenldquo27 ndash bei welches als

Bindeglied in dem Sinne verstanden werden kann dass Jesus die feindlichen Absichten der

Hohenpriester und Pharisaumler (2145f) mit einem Gleichnis beantwortet28

222 Gliederung

Die Parabel beginnt ndash nach dem eben angefuumlhrten Einleitungsvers (221) ndash indem Jesus die

Hauptperson ὁ βασιλεὺς einfuumlhrt und als Houmlrhinweis fuumlr die folgende Gleichniserzaumlhlung

gibt diesen Koumlnig der die Hochzeit fuumlr seinen Sohn bereitet mit der ἡ βασιλεία τῶν

οὐρανῶν zu vergleichen Die eigentliche Erzaumlhlung 222-13 wird vom einfuumlhrenden Vers

21 Vgl Sand Mt 437 Jesus wird in 221 namentlich genannt22 In der exegetischen Forschung wird besonders auf die enge Zusammengehoumlrigkeit dieser beiden

Gleichnisse hingewiesen Vgl ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 51ff Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Fiedler Mt 333 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Luz Mt 232 Diszlige Mt 1 Schottroff Gleichnisse 67 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Soumlding Festmahl 62 Wiefel Mt 375

23 Dieser Plural in 221 ist merkwuumlrdig da nur ein Gleichnis folgt Vgl auch Sand Mt 437 Wiefel Mt 376 und Luz Mt 239 Er meint ndash mit Hinweis auf 131013 (Sinn der Gleichnisse) ndash dass dies Jesus nicht stoumlre Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht in Erwaumlgung dass durch diesen Plural angedeutet werden soll dass zwei urspruumlnglich selbstaumlndige Gleichnisse (2-10 und 11-13) vorliegen Vgl Gnilka Mt 237 Er vermutet dass Jesus in Bildern redete Vgl ausfuumlhrlicher Muumlnch Gleichnisse 73-75

24 Vgl Wiefel Mt 376 Sand Mt 437 und Voumlgtle Seine Gaumlste 4825 Vgl 2123 (die Hohenpriester und Aumlltesten) und 2145 (die Hohenpriester und Pharisaumler) Jesus wendet

sich an diese religioumlsen Instanzen Israels mit denen er in Konflikt geraten ist und wird Vgl Jeremias Gleichnisse 63f Er stimmt zu dass das Gleichnis urspruumlnglich an die religioumlsen Fuumlhrer gerichtet wurde und ergaumlnzt dass es spaumlter auch auf die Fuumlhrer in der Gemeinde gedeutet wurde Besonders beachtenswert ist jedoch dass diese Personengruppe nicht nur direkt vorher in 2145f als Subjekte auftreten ndash sie trachten Jesus zu ergreifen ndash sondern auch in dem Vers (2215) der sich direkt an die Hochzeitsparabel anschlieszligt Die Pharisaumler gingen hin und berieten wie sie Jesus eine Fangfrage stellen koumlnnten Es schlieszligt sich bekanntlich in 2215-22 die Frage nach der Steuer bzw der Zinsgroschen an

26 Vgl Luz Mt 232 Vgl auch Wiefel Mt 375 Er ergaumlnzt zudem noch das Umbringen der Uumlbeltaumlter als Strafe (2141 und 227) und den Gerichtsgedanken (2144 und 2213)

27 Wiefel Mt 376 Vgl auch Sand Mt 437 Er stellt heraus dass Mt 45 Mal dieses Partizip und 55 Mal das Verb gebraucht

28 Vgl Gnilka Mt 233 Voumlgtle Seine Gaumlste 48 und Schnackenburg Mt 209 Mt verwendet ἀποκριθεὶς in 1125 aumlhnlich dh ohne direkte vorherige Frage

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221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

- 5 -

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

- 6 -

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

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Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

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anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

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neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

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4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

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begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 2: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1-2

2 Analytische Entfaltung 2-11

21 Uumlbersetzung 2-3

22 Textanalyse 3-7

221 Kontext 3-4

222 Gliederung 4-5

223 Personen und Wortanalyse 5-7

224 Form 7

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft 7-11

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14 11-26

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222 11-12

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7 12-16

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10 16-20

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13 20-26

35 Die Warnung ndash Mt 2214 26

4 Zusammenfassung 27-28

5 Abkuumlrzungs- und Literaturverzeichnis

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

1 Einleitung

bdquoDies Evangelium ist nicht schwer und ist ein schrecklich Evangeliumldquo1

bdquoSo ist nun dies die Summe der heutigen Predigt daszlig uns der Herr gern reizen und

schrecken wollte daszlig wir das Wort mit Ernst houmlren glauben und fassen lernten und so auf

seine froumlhliche Ankunft hofften wenn er am Juumlngsten Tage wiederkommen wird uns von

aller Not zu erloumlsen und an Leib und Seele zu helfenldquo2

Ob sich Mt 221-14 tatsaumlchlich in dieser paraumlnetischen Dimension der Warnung an die

Gemeinde und in diesem eschatologischen Horizont auslegen laumlsst soll in dieser

exegetischen Eroumlrterung verifiziert werden Dabei ist ndash wie im vorangestellten Zitat Luthers

deutlich wird ndash dieser Text in seiner Auslegung nach Soumlding bdquosehr umstrittenldquo3 und hat

nach Jeremias bdquoseit jeher hellip der Exegese Kopfzerbrechen verursachtldquo4 Einige seltsame

Begebenheiten ndash zB die absurde Episode in 11-13 ndash und auffallende Bruumlche auf der

Erzaumlhlebene5 erzeugen auf der einen Seite Interesse auf der anderen

Meinungsverschiedenheiten Dies zeigt sich zB an den von den Exegeten gegebenen

verschiedenen Titeln des Gleichnisses welche stark differieren und je eigene Schwerpunkte

setzen6

In dieser Hausarbeit soll der ntl Text des Matthaumlusevangeliums Mt 221-14 unter

besonderer Beruumlcksichtigung von Motivgeschichte und Deutungshorizonten exegetisch

ausgelegt und interpretiert werden Dabei wird nach der Uumlbersetzung (21) zunaumlchst

1 Zitat Luthers bei Diszlige Mt 2 Mit dieser Paradoxie leitet Luther eine Predigt (1531) zu Mt 221-14 ein2 Luthers Schluss seiner Predigt zu Mt 221-14 am 20 Sonntag nach Trinitatis 1533 (WA 37 180-183) hier

zitiert aus Luther deutsch 3963 Soumlding Festmahl 594 Jeremias Gleichnisse 62 Vgl auch Schnackenburg Mt 208 Er stellt auch fest dass Mt 221-14 viel

diskutiert und sehr unterschiedlich erklaumlrt wurde5 226f stellt zB eine komische unpassende und dann auch uumlberzogenen Reaktion dar Der Uumlbergang von 5

zu 6 ist sperrig Vgl Muumlnch Gleichnisse 178 In der Untersuchung von Fiktionalitaumlt und Kohaumlrenz der Erzaumlhlung wird fuumlr ihn hier die Grenze der Plausibilitaumlt uumlberschritten Die Wirkungen die die Anstoumlszligigkeiten dieses Textes hervorrufen resuumlmiert Luz 232 bdquoDer Mt-Text verunsichert so wie er vorliegt seine Leserinnen Sie merken daszlig die Geschichte als Geschichte nicht traumlgt und werden durch die Bruumlche dazu angeregt sie zu dekodieren und zu hinterfragenldquo

6 Vgl insgesamt Soumlding Festmahl 59f Dabei bleibt unklar ob der Akzent auf der Einladung oder dem Fest liegt ob der erste oder zweite Teil betont wird und ob der Gastgeber oder die Gaumlste im Mittelpunkt stehen Die Spannbreite reicht von bdquo(Groszliges) Gastmahlldquo (die meisten zB Jeremias Gleichnisse 61) bdquoHochzeitsmahl des Koumlnigssohnesldquo (Luz Mt 229) bdquoWiderwillige Gaumlsteldquo (Juumllicher Gleichnisreden 407)bdquoDas Doppel-Gleichnis uumlber den Ausschluss vom messianischen Mahlldquo (Fiedler Mt 333 ) und bis zu bdquoEinladung zum Festmahlldquo (Voumlgtle Einladung 171) bzw bdquoVergebliche Einladungldquo (Reiser Gerichtspredigt 227) Bei dem Letzten liegt der Akzent auf dem ersten Teil und damit im Horizont der Gerichtsbotschaft Jesu So auch Linnemann Gleichnisse 101 Sie meint das Urteil uumlber und die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen ist betont Vgl dagegen Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er uumlbertitelt mit bdquoDas dennoch gegluumlckte Festldquo Er legt also den Akzent auf den zweiten Teil und hebt das souveraumlne Handeln des Hausherrn hervor Vgl auch Luz Mt 236f Er stellt dar dass der volle Saal am Ende der Geschichte schwer deutbar sei Entweder das Gewicht liegt auf der zweiten Aussendung wo trotz der ersten Absage es zu einem guten Ende kommt freudigen Grundton) oder auf der ersten Aussendung mit der Absage dunklen Grundton) Das volle Haus hieszlige dann dass die zuerst Eingeladenen ihre Chance bzw den Kairos definitiv verpasst haben

- 1 -

analytisch vorgegangen (2) indem der Kontext (21) die Gliederung bzw Aufbau (22) die

Personen und Wortanalyse (23) die Form (24) und allgemein die sprachliche Gestalt in

den Blick geraten Abgeschlossen wird dieser Abschnitt der Untersuchung mit dem

Heranziehen von Paralleluumlberlieferungen (Synoptischer Vergleich) und Ermitteln von

Quellen bzw Herkunft (Literar- und Redaktionskritik) Im zweiten Teil der Entfaltung steht

die konkrete Exegese und Deutung von Mt 222-14 ndash Vers 221 wird schon in 21 behandelt

ndash im Vordergrund Entsprechend der Gliederung (22) wird dabei folgendermaszligen

vorgegangen7 Mt 222 (das Bild vom Hochzeitsmahl Mt 223-7 (die Knechte und die

Strafexpedition Zerstoumlrung Jerusalems) Mt 228-10 (die Gaumlste und heilsgeschichtliche

Deutung) Mt 2211-13 (das hochzeitliche Gewand) und Mt 2214 (die Warnung) Die

Arbeit muumlndet schlieszliglich in einem zusammenfassenden Schlussfazit (4)8

2 Analytische Entfaltung

21 Uumlbersetzung

1 Und Jesus antwortete und und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte

2 Das Himmelreich gleicht9 einem Koumlnig10 der die Hochzeitsfeier11 fuumlr seinen Sohn

bereitete12

3 Und er schickte seine Knechte aus um die zur Hochzeitsfeier Geladenen zu rufen

und sie wollten nicht kommen

4 Wieder schickte er andere Knechte aus und sagte

bdquoSagt den Geladenen Siehe mein Mahl13 habe ich bereitet meine Ochsen und die

Mastkaumllber sind geschlachtet und alles ist bereit Kommt zur Hochzeitsfeierldquo

5 Sie aber kuumlmmerten sich nicht darum und gingen fort der eine auf seinen Acker der

andere aber zu seinem Geschaumlft

6 Die Uumlbrigen aber ergriffen seine Knechte misshandelten und toumlteten sie

7 Der Koumlnig aber wurde zornig und schickte sein Heere und richtete jene Moumlrder zu

Grunde und zuumlndete ihre Stadt an

7 In Klammern jeweils thematische Schwerpunkte des Abschnittes Dabei werden auch die Bereiche bildspendender Bereich Metaphernpotential Traditions- bzw Motivgeschichte Deutungshorizonte und Fragen nach der pragmatische Funktion behandelt Die auch interessante Wirkungsgeschichte kann leider aus Platzgruumlnden kaum dargestellt werden Vgl Diszlige Mt 7f und Luz Mt 246f

8 Als eine persoumlnliche Vorbemerkung ndash va in Bezug zum hochzeitlichen Gewand in 11f ndash kann gelten dass der Verfasser im Sommer auf zwei Hochzeiten ndash auch als Trauzeuge und Prediger ndash gehen wird und mit seiner Frau schon geplant hat welche Kleidung dafuumlr besonders schoumln sauber und passend waumlre Gut ist dass fruumlhe Einladungen viel Zeit fuumlr noumltige Vorbereitungen ermoumlglichten Wenn die Zeit knapper gewesen waumlre haumltte evt nichts Passendes mehr besorgt bzw bereitet werden koumlnnen

9 Oder auch Verglichen wurde die Koumlnigsherrschaft der Himmel Vgl Muumlnch 135-140 Die passivische Form hat folgende Bedeutungen gleich oder aumlhnlich sein bzw werden dh gleichen Zudem resuumlmiert er dass die Aoristform hier praumlsentisch uumlbersetzt werden kann

10 Woumlrtlich Einem Menschen einem Koumlnig dh einem koumlniglichen Menschen11 Oder Hochzeitsmahl bzw allgemein die Hochzeit Su 23 und 3112 Woumlrtlich machte13 Woumlrtlich Fruumlhmahl bzw Mittagsmahl

- 2 -

8 Dann sagt er zu seinen Knechten bdquoDie Hochzeitsfeier ist zwar bereit aber die Geladenen

waren nicht wuumlrdig

9 Geht nun an die Ausgaumlnge14 der Straszligen und wen ihr findet ruft zur Hochzeitsfeierldquo

10 Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straszligen und versammelten15 alle die sie fanden

Boumlse und Gute Und die Hochzeitsfeier16 fuumlllte sich mit Gaumlsten17

11 Als der Koumlnig aber hineinging sich die Gaumlste anzusehen sah er dort einen Menschen

der kein Hochzeitsgewand anhatte18

12 Und er sagt zu ihm bdquoFreund wie kamst du hier herein ohne ein Hochzeitsgewandldquo

Er aber schwieg

13 Da sagte der Koumlnig den Dienern bdquoBindet seine Fuumlszlige und Haumlnde und werft ihn hinaus in

die aumluszligerste Finsternis Dort wird Heulen und Zaumlhneknirschen seinldquo

14 Viele naumlmlich sind berufen wenige aber auserwaumlhlt

22 Textanalyse

221 Kontext

Die zu eroumlrternde Parabel ist eingebettet in den Kontext der Auseinandersetzung Jesu mit

seinen Gegnern in Jerusalem (Mt 211 ndash 2339) dh in den Kontext der Jerusalemer

Streitgespraumlche19 und stellt das dritte und letzte Stuumlck innerhalb einer Gleichnisfolge bzw

Gleichnistrias dar20 Das Gleichnis von den ungleichen Soumlhnen (2128-32) das Gleichnis

14 Verschiedene Moumlglichkeiten sind noch Ausfallstraszligen der Stadtstraszligen Enden der Straszligen Straszligenausmuumlndungen an der Stadtgrenze oder Quergassen der Hauptstraszligen

15 Auch moumlglich ist zusammenfuumlhren oder zusammenbringen Vgl Gnilka Mt 240 Er assoziiert mit diesem Verbum die Synagoge was fuumlr ihn die Versammlung der Gemeinde andeutet

16 Vgl Sand Mt 437 Er meint dass sonst bdquoder Text der Parabel relativ gut uumlberliefertldquo ist Auszliger hier wo der Hochzeitssaal als alexandrinische Korrektur bzw Erleichterung angesehen werden kann weil ὁ γάμος - was als lectio diffcilior zu bevorzugen ist ndash schlecht zu ἐπλήσθη passt dh die Hochzeitsfeier kann nicht voll werden Daher kann hier auch mit bdquoHochzeitssaalldquo uumlbersetzt werden Vgl auch Luz Mt 231 und Gnilka Mt 240

17 Woumlrtlich ist das damals uumlbliche zu Tische Liegende18 Bzw Nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleid19 Vgl Wiefel Mt 374 Dabei wird die Akoluthie von Mk unterbrochen Vgl auch Gnilka Mt 233 und

Fiedler Mt 333 Er differenziert dass Jesus in Mk 1212 die Angegriffenen gehen laumlsst bei Mt bekommen sie ein drittes Gleichnis zu houmlren Vgl Limbeck Mt 245 Mt unterbricht den Zusammenhang der Mk-Vorlage (Mk 121-12 ndash Mt 2133-46 Mk 1213-17 ndash Mt 2215-22) In der erzaumlhlerischen Chronologie des Mt wird die Parabel am zweiten Tag von Jesu Aufenthalt in Jerusalem als ersten Teil der groszligen Abrechnung Jesu mit Gegnern gesprochen Im groumlszligeren Rahmen stehen die Ereignisse die zur Passion fuumlhren werden (vgl in 2146 den Plan Jesus zu verhaften) Als Szenerie fuumlr die Jesus-Rede hat Mt den Tempel in Jerusalem gewaumlhlt Vgl auch Diszlige Mt 1

20 Vgl Muumlnch Gleichnisse 7079 Er sieht diese Trias als indirekte Antwort auf die Vollmachtsfrage (2123ff) Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Die drei Parabeln sind durch gemeinsame Themen eng verknuumlpft Va den an die Fuumlhrer Israels gerichteten Gerichtsgedanken dh die Abloumlsung Israels durch die neue Heilsgemeinde aber auch die Geschichte der Profeten bzw Zeugen in Israel (AT Johannes der Taumlufer Jesus christliche Missionare) und die Bindung des Heils an Bedingungen (Glauben 2132 Fruchtbringen 214143 bzw hochzeitliches Gewand 2211f) Vgl auch Luz Mt 196f 249 Er stellt neben thematischer auch formale Aumlhnlichkeit zwischen den ersten beiden und gleiche Quellenherkunft des ersten und dritten Gleichnisses fest Das dritte und letzte Gleichnis fuumlhrt dabei die groszlige Abrechnung mit Israel zum Houmlhepunkt bzw Ende ist dabei schaumlrfer und direkter als die beiden anderen ndash zB beim Gericht uumlber Israel ist 227 konkreter als 214143 ndash und weitet den Blick noch weiter aus Uumlber Jesu Todhinaus auf die Heidenmission und das Juumlngstes Gericht

- 3 -

von den boumlsen Winzern (2133-46 vgl Mk 121-12) und das vorliegende Gleichnis vom

koumlniglichen Hochzeitsmahl (221-14) Neben der klaren Abgrenzung des Gleichnisses ndash

durch den Redeeinleitungssatz (221) das Schlusslogion (2214) und den fortsetzenden

Neueinsatz mit Subjektwechsel von Jesus21 zu den Pharisaumlern in 2215ff ndash ist aber dennoch

eine enge Bezogenheit des Textes auf das vorhergehende Gleichnis festzustellen22 Die

Einleitungen sind miteinander verknuumlpft (2133a ἄλλην παραβολήν 221 πάλιν ἐν

παραβολαῖς)23 Neben πάλιν welches einen Neuansatz markiert24 weist auch das auf die

Hohenpriester und Pharisaumler bezogene Personalpronomen αὐτοῖς25 das reagierende

Einleitungsverbum ἀποκριθεὶς (221) und zwei Reminiszenzen ndash die doppelte vergebliche

Sendung der Knechte in 213436 findet Entsprechung in 223f und die Misshandlung bzw

Toumltung derer von 2135 in 226 ndash zu der Parabel von den boumlsen Paumlchtern hin26 Zur

Verknuumlpfung dieser beiden Gleichnisse traumlgt auch das zunaumlchst schwer verstaumlndliche

Partizip ἀποκριθεὶς (221) ndash bdquoinwiefern ist Reden Jesu ein Antwortenldquo27 ndash bei welches als

Bindeglied in dem Sinne verstanden werden kann dass Jesus die feindlichen Absichten der

Hohenpriester und Pharisaumler (2145f) mit einem Gleichnis beantwortet28

222 Gliederung

Die Parabel beginnt ndash nach dem eben angefuumlhrten Einleitungsvers (221) ndash indem Jesus die

Hauptperson ὁ βασιλεὺς einfuumlhrt und als Houmlrhinweis fuumlr die folgende Gleichniserzaumlhlung

gibt diesen Koumlnig der die Hochzeit fuumlr seinen Sohn bereitet mit der ἡ βασιλεία τῶν

οὐρανῶν zu vergleichen Die eigentliche Erzaumlhlung 222-13 wird vom einfuumlhrenden Vers

21 Vgl Sand Mt 437 Jesus wird in 221 namentlich genannt22 In der exegetischen Forschung wird besonders auf die enge Zusammengehoumlrigkeit dieser beiden

Gleichnisse hingewiesen Vgl ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 51ff Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Fiedler Mt 333 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Luz Mt 232 Diszlige Mt 1 Schottroff Gleichnisse 67 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Soumlding Festmahl 62 Wiefel Mt 375

23 Dieser Plural in 221 ist merkwuumlrdig da nur ein Gleichnis folgt Vgl auch Sand Mt 437 Wiefel Mt 376 und Luz Mt 239 Er meint ndash mit Hinweis auf 131013 (Sinn der Gleichnisse) ndash dass dies Jesus nicht stoumlre Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht in Erwaumlgung dass durch diesen Plural angedeutet werden soll dass zwei urspruumlnglich selbstaumlndige Gleichnisse (2-10 und 11-13) vorliegen Vgl Gnilka Mt 237 Er vermutet dass Jesus in Bildern redete Vgl ausfuumlhrlicher Muumlnch Gleichnisse 73-75

24 Vgl Wiefel Mt 376 Sand Mt 437 und Voumlgtle Seine Gaumlste 4825 Vgl 2123 (die Hohenpriester und Aumlltesten) und 2145 (die Hohenpriester und Pharisaumler) Jesus wendet

sich an diese religioumlsen Instanzen Israels mit denen er in Konflikt geraten ist und wird Vgl Jeremias Gleichnisse 63f Er stimmt zu dass das Gleichnis urspruumlnglich an die religioumlsen Fuumlhrer gerichtet wurde und ergaumlnzt dass es spaumlter auch auf die Fuumlhrer in der Gemeinde gedeutet wurde Besonders beachtenswert ist jedoch dass diese Personengruppe nicht nur direkt vorher in 2145f als Subjekte auftreten ndash sie trachten Jesus zu ergreifen ndash sondern auch in dem Vers (2215) der sich direkt an die Hochzeitsparabel anschlieszligt Die Pharisaumler gingen hin und berieten wie sie Jesus eine Fangfrage stellen koumlnnten Es schlieszligt sich bekanntlich in 2215-22 die Frage nach der Steuer bzw der Zinsgroschen an

26 Vgl Luz Mt 232 Vgl auch Wiefel Mt 375 Er ergaumlnzt zudem noch das Umbringen der Uumlbeltaumlter als Strafe (2141 und 227) und den Gerichtsgedanken (2144 und 2213)

27 Wiefel Mt 376 Vgl auch Sand Mt 437 Er stellt heraus dass Mt 45 Mal dieses Partizip und 55 Mal das Verb gebraucht

28 Vgl Gnilka Mt 233 Voumlgtle Seine Gaumlste 48 und Schnackenburg Mt 209 Mt verwendet ἀποκριθεὶς in 1125 aumlhnlich dh ohne direkte vorherige Frage

- 4 -

221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

- 5 -

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

- 6 -

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

- 7 -

Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

- 8 -

anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

- 11 -

neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

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4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

- 27 -

begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 3: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

1 Einleitung

bdquoDies Evangelium ist nicht schwer und ist ein schrecklich Evangeliumldquo1

bdquoSo ist nun dies die Summe der heutigen Predigt daszlig uns der Herr gern reizen und

schrecken wollte daszlig wir das Wort mit Ernst houmlren glauben und fassen lernten und so auf

seine froumlhliche Ankunft hofften wenn er am Juumlngsten Tage wiederkommen wird uns von

aller Not zu erloumlsen und an Leib und Seele zu helfenldquo2

Ob sich Mt 221-14 tatsaumlchlich in dieser paraumlnetischen Dimension der Warnung an die

Gemeinde und in diesem eschatologischen Horizont auslegen laumlsst soll in dieser

exegetischen Eroumlrterung verifiziert werden Dabei ist ndash wie im vorangestellten Zitat Luthers

deutlich wird ndash dieser Text in seiner Auslegung nach Soumlding bdquosehr umstrittenldquo3 und hat

nach Jeremias bdquoseit jeher hellip der Exegese Kopfzerbrechen verursachtldquo4 Einige seltsame

Begebenheiten ndash zB die absurde Episode in 11-13 ndash und auffallende Bruumlche auf der

Erzaumlhlebene5 erzeugen auf der einen Seite Interesse auf der anderen

Meinungsverschiedenheiten Dies zeigt sich zB an den von den Exegeten gegebenen

verschiedenen Titeln des Gleichnisses welche stark differieren und je eigene Schwerpunkte

setzen6

In dieser Hausarbeit soll der ntl Text des Matthaumlusevangeliums Mt 221-14 unter

besonderer Beruumlcksichtigung von Motivgeschichte und Deutungshorizonten exegetisch

ausgelegt und interpretiert werden Dabei wird nach der Uumlbersetzung (21) zunaumlchst

1 Zitat Luthers bei Diszlige Mt 2 Mit dieser Paradoxie leitet Luther eine Predigt (1531) zu Mt 221-14 ein2 Luthers Schluss seiner Predigt zu Mt 221-14 am 20 Sonntag nach Trinitatis 1533 (WA 37 180-183) hier

zitiert aus Luther deutsch 3963 Soumlding Festmahl 594 Jeremias Gleichnisse 62 Vgl auch Schnackenburg Mt 208 Er stellt auch fest dass Mt 221-14 viel

diskutiert und sehr unterschiedlich erklaumlrt wurde5 226f stellt zB eine komische unpassende und dann auch uumlberzogenen Reaktion dar Der Uumlbergang von 5

zu 6 ist sperrig Vgl Muumlnch Gleichnisse 178 In der Untersuchung von Fiktionalitaumlt und Kohaumlrenz der Erzaumlhlung wird fuumlr ihn hier die Grenze der Plausibilitaumlt uumlberschritten Die Wirkungen die die Anstoumlszligigkeiten dieses Textes hervorrufen resuumlmiert Luz 232 bdquoDer Mt-Text verunsichert so wie er vorliegt seine Leserinnen Sie merken daszlig die Geschichte als Geschichte nicht traumlgt und werden durch die Bruumlche dazu angeregt sie zu dekodieren und zu hinterfragenldquo

6 Vgl insgesamt Soumlding Festmahl 59f Dabei bleibt unklar ob der Akzent auf der Einladung oder dem Fest liegt ob der erste oder zweite Teil betont wird und ob der Gastgeber oder die Gaumlste im Mittelpunkt stehen Die Spannbreite reicht von bdquo(Groszliges) Gastmahlldquo (die meisten zB Jeremias Gleichnisse 61) bdquoHochzeitsmahl des Koumlnigssohnesldquo (Luz Mt 229) bdquoWiderwillige Gaumlsteldquo (Juumllicher Gleichnisreden 407)bdquoDas Doppel-Gleichnis uumlber den Ausschluss vom messianischen Mahlldquo (Fiedler Mt 333 ) und bis zu bdquoEinladung zum Festmahlldquo (Voumlgtle Einladung 171) bzw bdquoVergebliche Einladungldquo (Reiser Gerichtspredigt 227) Bei dem Letzten liegt der Akzent auf dem ersten Teil und damit im Horizont der Gerichtsbotschaft Jesu So auch Linnemann Gleichnisse 101 Sie meint das Urteil uumlber und die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen ist betont Vgl dagegen Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er uumlbertitelt mit bdquoDas dennoch gegluumlckte Festldquo Er legt also den Akzent auf den zweiten Teil und hebt das souveraumlne Handeln des Hausherrn hervor Vgl auch Luz Mt 236f Er stellt dar dass der volle Saal am Ende der Geschichte schwer deutbar sei Entweder das Gewicht liegt auf der zweiten Aussendung wo trotz der ersten Absage es zu einem guten Ende kommt freudigen Grundton) oder auf der ersten Aussendung mit der Absage dunklen Grundton) Das volle Haus hieszlige dann dass die zuerst Eingeladenen ihre Chance bzw den Kairos definitiv verpasst haben

- 1 -

analytisch vorgegangen (2) indem der Kontext (21) die Gliederung bzw Aufbau (22) die

Personen und Wortanalyse (23) die Form (24) und allgemein die sprachliche Gestalt in

den Blick geraten Abgeschlossen wird dieser Abschnitt der Untersuchung mit dem

Heranziehen von Paralleluumlberlieferungen (Synoptischer Vergleich) und Ermitteln von

Quellen bzw Herkunft (Literar- und Redaktionskritik) Im zweiten Teil der Entfaltung steht

die konkrete Exegese und Deutung von Mt 222-14 ndash Vers 221 wird schon in 21 behandelt

ndash im Vordergrund Entsprechend der Gliederung (22) wird dabei folgendermaszligen

vorgegangen7 Mt 222 (das Bild vom Hochzeitsmahl Mt 223-7 (die Knechte und die

Strafexpedition Zerstoumlrung Jerusalems) Mt 228-10 (die Gaumlste und heilsgeschichtliche

Deutung) Mt 2211-13 (das hochzeitliche Gewand) und Mt 2214 (die Warnung) Die

Arbeit muumlndet schlieszliglich in einem zusammenfassenden Schlussfazit (4)8

2 Analytische Entfaltung

21 Uumlbersetzung

1 Und Jesus antwortete und und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte

2 Das Himmelreich gleicht9 einem Koumlnig10 der die Hochzeitsfeier11 fuumlr seinen Sohn

bereitete12

3 Und er schickte seine Knechte aus um die zur Hochzeitsfeier Geladenen zu rufen

und sie wollten nicht kommen

4 Wieder schickte er andere Knechte aus und sagte

bdquoSagt den Geladenen Siehe mein Mahl13 habe ich bereitet meine Ochsen und die

Mastkaumllber sind geschlachtet und alles ist bereit Kommt zur Hochzeitsfeierldquo

5 Sie aber kuumlmmerten sich nicht darum und gingen fort der eine auf seinen Acker der

andere aber zu seinem Geschaumlft

6 Die Uumlbrigen aber ergriffen seine Knechte misshandelten und toumlteten sie

7 Der Koumlnig aber wurde zornig und schickte sein Heere und richtete jene Moumlrder zu

Grunde und zuumlndete ihre Stadt an

7 In Klammern jeweils thematische Schwerpunkte des Abschnittes Dabei werden auch die Bereiche bildspendender Bereich Metaphernpotential Traditions- bzw Motivgeschichte Deutungshorizonte und Fragen nach der pragmatische Funktion behandelt Die auch interessante Wirkungsgeschichte kann leider aus Platzgruumlnden kaum dargestellt werden Vgl Diszlige Mt 7f und Luz Mt 246f

8 Als eine persoumlnliche Vorbemerkung ndash va in Bezug zum hochzeitlichen Gewand in 11f ndash kann gelten dass der Verfasser im Sommer auf zwei Hochzeiten ndash auch als Trauzeuge und Prediger ndash gehen wird und mit seiner Frau schon geplant hat welche Kleidung dafuumlr besonders schoumln sauber und passend waumlre Gut ist dass fruumlhe Einladungen viel Zeit fuumlr noumltige Vorbereitungen ermoumlglichten Wenn die Zeit knapper gewesen waumlre haumltte evt nichts Passendes mehr besorgt bzw bereitet werden koumlnnen

9 Oder auch Verglichen wurde die Koumlnigsherrschaft der Himmel Vgl Muumlnch 135-140 Die passivische Form hat folgende Bedeutungen gleich oder aumlhnlich sein bzw werden dh gleichen Zudem resuumlmiert er dass die Aoristform hier praumlsentisch uumlbersetzt werden kann

10 Woumlrtlich Einem Menschen einem Koumlnig dh einem koumlniglichen Menschen11 Oder Hochzeitsmahl bzw allgemein die Hochzeit Su 23 und 3112 Woumlrtlich machte13 Woumlrtlich Fruumlhmahl bzw Mittagsmahl

- 2 -

8 Dann sagt er zu seinen Knechten bdquoDie Hochzeitsfeier ist zwar bereit aber die Geladenen

waren nicht wuumlrdig

9 Geht nun an die Ausgaumlnge14 der Straszligen und wen ihr findet ruft zur Hochzeitsfeierldquo

10 Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straszligen und versammelten15 alle die sie fanden

Boumlse und Gute Und die Hochzeitsfeier16 fuumlllte sich mit Gaumlsten17

11 Als der Koumlnig aber hineinging sich die Gaumlste anzusehen sah er dort einen Menschen

der kein Hochzeitsgewand anhatte18

12 Und er sagt zu ihm bdquoFreund wie kamst du hier herein ohne ein Hochzeitsgewandldquo

Er aber schwieg

13 Da sagte der Koumlnig den Dienern bdquoBindet seine Fuumlszlige und Haumlnde und werft ihn hinaus in

die aumluszligerste Finsternis Dort wird Heulen und Zaumlhneknirschen seinldquo

14 Viele naumlmlich sind berufen wenige aber auserwaumlhlt

22 Textanalyse

221 Kontext

Die zu eroumlrternde Parabel ist eingebettet in den Kontext der Auseinandersetzung Jesu mit

seinen Gegnern in Jerusalem (Mt 211 ndash 2339) dh in den Kontext der Jerusalemer

Streitgespraumlche19 und stellt das dritte und letzte Stuumlck innerhalb einer Gleichnisfolge bzw

Gleichnistrias dar20 Das Gleichnis von den ungleichen Soumlhnen (2128-32) das Gleichnis

14 Verschiedene Moumlglichkeiten sind noch Ausfallstraszligen der Stadtstraszligen Enden der Straszligen Straszligenausmuumlndungen an der Stadtgrenze oder Quergassen der Hauptstraszligen

15 Auch moumlglich ist zusammenfuumlhren oder zusammenbringen Vgl Gnilka Mt 240 Er assoziiert mit diesem Verbum die Synagoge was fuumlr ihn die Versammlung der Gemeinde andeutet

16 Vgl Sand Mt 437 Er meint dass sonst bdquoder Text der Parabel relativ gut uumlberliefertldquo ist Auszliger hier wo der Hochzeitssaal als alexandrinische Korrektur bzw Erleichterung angesehen werden kann weil ὁ γάμος - was als lectio diffcilior zu bevorzugen ist ndash schlecht zu ἐπλήσθη passt dh die Hochzeitsfeier kann nicht voll werden Daher kann hier auch mit bdquoHochzeitssaalldquo uumlbersetzt werden Vgl auch Luz Mt 231 und Gnilka Mt 240

17 Woumlrtlich ist das damals uumlbliche zu Tische Liegende18 Bzw Nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleid19 Vgl Wiefel Mt 374 Dabei wird die Akoluthie von Mk unterbrochen Vgl auch Gnilka Mt 233 und

Fiedler Mt 333 Er differenziert dass Jesus in Mk 1212 die Angegriffenen gehen laumlsst bei Mt bekommen sie ein drittes Gleichnis zu houmlren Vgl Limbeck Mt 245 Mt unterbricht den Zusammenhang der Mk-Vorlage (Mk 121-12 ndash Mt 2133-46 Mk 1213-17 ndash Mt 2215-22) In der erzaumlhlerischen Chronologie des Mt wird die Parabel am zweiten Tag von Jesu Aufenthalt in Jerusalem als ersten Teil der groszligen Abrechnung Jesu mit Gegnern gesprochen Im groumlszligeren Rahmen stehen die Ereignisse die zur Passion fuumlhren werden (vgl in 2146 den Plan Jesus zu verhaften) Als Szenerie fuumlr die Jesus-Rede hat Mt den Tempel in Jerusalem gewaumlhlt Vgl auch Diszlige Mt 1

20 Vgl Muumlnch Gleichnisse 7079 Er sieht diese Trias als indirekte Antwort auf die Vollmachtsfrage (2123ff) Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Die drei Parabeln sind durch gemeinsame Themen eng verknuumlpft Va den an die Fuumlhrer Israels gerichteten Gerichtsgedanken dh die Abloumlsung Israels durch die neue Heilsgemeinde aber auch die Geschichte der Profeten bzw Zeugen in Israel (AT Johannes der Taumlufer Jesus christliche Missionare) und die Bindung des Heils an Bedingungen (Glauben 2132 Fruchtbringen 214143 bzw hochzeitliches Gewand 2211f) Vgl auch Luz Mt 196f 249 Er stellt neben thematischer auch formale Aumlhnlichkeit zwischen den ersten beiden und gleiche Quellenherkunft des ersten und dritten Gleichnisses fest Das dritte und letzte Gleichnis fuumlhrt dabei die groszlige Abrechnung mit Israel zum Houmlhepunkt bzw Ende ist dabei schaumlrfer und direkter als die beiden anderen ndash zB beim Gericht uumlber Israel ist 227 konkreter als 214143 ndash und weitet den Blick noch weiter aus Uumlber Jesu Todhinaus auf die Heidenmission und das Juumlngstes Gericht

- 3 -

von den boumlsen Winzern (2133-46 vgl Mk 121-12) und das vorliegende Gleichnis vom

koumlniglichen Hochzeitsmahl (221-14) Neben der klaren Abgrenzung des Gleichnisses ndash

durch den Redeeinleitungssatz (221) das Schlusslogion (2214) und den fortsetzenden

Neueinsatz mit Subjektwechsel von Jesus21 zu den Pharisaumlern in 2215ff ndash ist aber dennoch

eine enge Bezogenheit des Textes auf das vorhergehende Gleichnis festzustellen22 Die

Einleitungen sind miteinander verknuumlpft (2133a ἄλλην παραβολήν 221 πάλιν ἐν

παραβολαῖς)23 Neben πάλιν welches einen Neuansatz markiert24 weist auch das auf die

Hohenpriester und Pharisaumler bezogene Personalpronomen αὐτοῖς25 das reagierende

Einleitungsverbum ἀποκριθεὶς (221) und zwei Reminiszenzen ndash die doppelte vergebliche

Sendung der Knechte in 213436 findet Entsprechung in 223f und die Misshandlung bzw

Toumltung derer von 2135 in 226 ndash zu der Parabel von den boumlsen Paumlchtern hin26 Zur

Verknuumlpfung dieser beiden Gleichnisse traumlgt auch das zunaumlchst schwer verstaumlndliche

Partizip ἀποκριθεὶς (221) ndash bdquoinwiefern ist Reden Jesu ein Antwortenldquo27 ndash bei welches als

Bindeglied in dem Sinne verstanden werden kann dass Jesus die feindlichen Absichten der

Hohenpriester und Pharisaumler (2145f) mit einem Gleichnis beantwortet28

222 Gliederung

Die Parabel beginnt ndash nach dem eben angefuumlhrten Einleitungsvers (221) ndash indem Jesus die

Hauptperson ὁ βασιλεὺς einfuumlhrt und als Houmlrhinweis fuumlr die folgende Gleichniserzaumlhlung

gibt diesen Koumlnig der die Hochzeit fuumlr seinen Sohn bereitet mit der ἡ βασιλεία τῶν

οὐρανῶν zu vergleichen Die eigentliche Erzaumlhlung 222-13 wird vom einfuumlhrenden Vers

21 Vgl Sand Mt 437 Jesus wird in 221 namentlich genannt22 In der exegetischen Forschung wird besonders auf die enge Zusammengehoumlrigkeit dieser beiden

Gleichnisse hingewiesen Vgl ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 51ff Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Fiedler Mt 333 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Luz Mt 232 Diszlige Mt 1 Schottroff Gleichnisse 67 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Soumlding Festmahl 62 Wiefel Mt 375

23 Dieser Plural in 221 ist merkwuumlrdig da nur ein Gleichnis folgt Vgl auch Sand Mt 437 Wiefel Mt 376 und Luz Mt 239 Er meint ndash mit Hinweis auf 131013 (Sinn der Gleichnisse) ndash dass dies Jesus nicht stoumlre Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht in Erwaumlgung dass durch diesen Plural angedeutet werden soll dass zwei urspruumlnglich selbstaumlndige Gleichnisse (2-10 und 11-13) vorliegen Vgl Gnilka Mt 237 Er vermutet dass Jesus in Bildern redete Vgl ausfuumlhrlicher Muumlnch Gleichnisse 73-75

24 Vgl Wiefel Mt 376 Sand Mt 437 und Voumlgtle Seine Gaumlste 4825 Vgl 2123 (die Hohenpriester und Aumlltesten) und 2145 (die Hohenpriester und Pharisaumler) Jesus wendet

sich an diese religioumlsen Instanzen Israels mit denen er in Konflikt geraten ist und wird Vgl Jeremias Gleichnisse 63f Er stimmt zu dass das Gleichnis urspruumlnglich an die religioumlsen Fuumlhrer gerichtet wurde und ergaumlnzt dass es spaumlter auch auf die Fuumlhrer in der Gemeinde gedeutet wurde Besonders beachtenswert ist jedoch dass diese Personengruppe nicht nur direkt vorher in 2145f als Subjekte auftreten ndash sie trachten Jesus zu ergreifen ndash sondern auch in dem Vers (2215) der sich direkt an die Hochzeitsparabel anschlieszligt Die Pharisaumler gingen hin und berieten wie sie Jesus eine Fangfrage stellen koumlnnten Es schlieszligt sich bekanntlich in 2215-22 die Frage nach der Steuer bzw der Zinsgroschen an

26 Vgl Luz Mt 232 Vgl auch Wiefel Mt 375 Er ergaumlnzt zudem noch das Umbringen der Uumlbeltaumlter als Strafe (2141 und 227) und den Gerichtsgedanken (2144 und 2213)

27 Wiefel Mt 376 Vgl auch Sand Mt 437 Er stellt heraus dass Mt 45 Mal dieses Partizip und 55 Mal das Verb gebraucht

28 Vgl Gnilka Mt 233 Voumlgtle Seine Gaumlste 48 und Schnackenburg Mt 209 Mt verwendet ἀποκριθεὶς in 1125 aumlhnlich dh ohne direkte vorherige Frage

- 4 -

221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

- 5 -

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

- 6 -

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

- 7 -

Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

- 8 -

anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

- 10 -

schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

- 11 -

neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

- 26 -

4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

- 27 -

begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 4: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

analytisch vorgegangen (2) indem der Kontext (21) die Gliederung bzw Aufbau (22) die

Personen und Wortanalyse (23) die Form (24) und allgemein die sprachliche Gestalt in

den Blick geraten Abgeschlossen wird dieser Abschnitt der Untersuchung mit dem

Heranziehen von Paralleluumlberlieferungen (Synoptischer Vergleich) und Ermitteln von

Quellen bzw Herkunft (Literar- und Redaktionskritik) Im zweiten Teil der Entfaltung steht

die konkrete Exegese und Deutung von Mt 222-14 ndash Vers 221 wird schon in 21 behandelt

ndash im Vordergrund Entsprechend der Gliederung (22) wird dabei folgendermaszligen

vorgegangen7 Mt 222 (das Bild vom Hochzeitsmahl Mt 223-7 (die Knechte und die

Strafexpedition Zerstoumlrung Jerusalems) Mt 228-10 (die Gaumlste und heilsgeschichtliche

Deutung) Mt 2211-13 (das hochzeitliche Gewand) und Mt 2214 (die Warnung) Die

Arbeit muumlndet schlieszliglich in einem zusammenfassenden Schlussfazit (4)8

2 Analytische Entfaltung

21 Uumlbersetzung

1 Und Jesus antwortete und und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte

2 Das Himmelreich gleicht9 einem Koumlnig10 der die Hochzeitsfeier11 fuumlr seinen Sohn

bereitete12

3 Und er schickte seine Knechte aus um die zur Hochzeitsfeier Geladenen zu rufen

und sie wollten nicht kommen

4 Wieder schickte er andere Knechte aus und sagte

bdquoSagt den Geladenen Siehe mein Mahl13 habe ich bereitet meine Ochsen und die

Mastkaumllber sind geschlachtet und alles ist bereit Kommt zur Hochzeitsfeierldquo

5 Sie aber kuumlmmerten sich nicht darum und gingen fort der eine auf seinen Acker der

andere aber zu seinem Geschaumlft

6 Die Uumlbrigen aber ergriffen seine Knechte misshandelten und toumlteten sie

7 Der Koumlnig aber wurde zornig und schickte sein Heere und richtete jene Moumlrder zu

Grunde und zuumlndete ihre Stadt an

7 In Klammern jeweils thematische Schwerpunkte des Abschnittes Dabei werden auch die Bereiche bildspendender Bereich Metaphernpotential Traditions- bzw Motivgeschichte Deutungshorizonte und Fragen nach der pragmatische Funktion behandelt Die auch interessante Wirkungsgeschichte kann leider aus Platzgruumlnden kaum dargestellt werden Vgl Diszlige Mt 7f und Luz Mt 246f

8 Als eine persoumlnliche Vorbemerkung ndash va in Bezug zum hochzeitlichen Gewand in 11f ndash kann gelten dass der Verfasser im Sommer auf zwei Hochzeiten ndash auch als Trauzeuge und Prediger ndash gehen wird und mit seiner Frau schon geplant hat welche Kleidung dafuumlr besonders schoumln sauber und passend waumlre Gut ist dass fruumlhe Einladungen viel Zeit fuumlr noumltige Vorbereitungen ermoumlglichten Wenn die Zeit knapper gewesen waumlre haumltte evt nichts Passendes mehr besorgt bzw bereitet werden koumlnnen

9 Oder auch Verglichen wurde die Koumlnigsherrschaft der Himmel Vgl Muumlnch 135-140 Die passivische Form hat folgende Bedeutungen gleich oder aumlhnlich sein bzw werden dh gleichen Zudem resuumlmiert er dass die Aoristform hier praumlsentisch uumlbersetzt werden kann

10 Woumlrtlich Einem Menschen einem Koumlnig dh einem koumlniglichen Menschen11 Oder Hochzeitsmahl bzw allgemein die Hochzeit Su 23 und 3112 Woumlrtlich machte13 Woumlrtlich Fruumlhmahl bzw Mittagsmahl

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8 Dann sagt er zu seinen Knechten bdquoDie Hochzeitsfeier ist zwar bereit aber die Geladenen

waren nicht wuumlrdig

9 Geht nun an die Ausgaumlnge14 der Straszligen und wen ihr findet ruft zur Hochzeitsfeierldquo

10 Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straszligen und versammelten15 alle die sie fanden

Boumlse und Gute Und die Hochzeitsfeier16 fuumlllte sich mit Gaumlsten17

11 Als der Koumlnig aber hineinging sich die Gaumlste anzusehen sah er dort einen Menschen

der kein Hochzeitsgewand anhatte18

12 Und er sagt zu ihm bdquoFreund wie kamst du hier herein ohne ein Hochzeitsgewandldquo

Er aber schwieg

13 Da sagte der Koumlnig den Dienern bdquoBindet seine Fuumlszlige und Haumlnde und werft ihn hinaus in

die aumluszligerste Finsternis Dort wird Heulen und Zaumlhneknirschen seinldquo

14 Viele naumlmlich sind berufen wenige aber auserwaumlhlt

22 Textanalyse

221 Kontext

Die zu eroumlrternde Parabel ist eingebettet in den Kontext der Auseinandersetzung Jesu mit

seinen Gegnern in Jerusalem (Mt 211 ndash 2339) dh in den Kontext der Jerusalemer

Streitgespraumlche19 und stellt das dritte und letzte Stuumlck innerhalb einer Gleichnisfolge bzw

Gleichnistrias dar20 Das Gleichnis von den ungleichen Soumlhnen (2128-32) das Gleichnis

14 Verschiedene Moumlglichkeiten sind noch Ausfallstraszligen der Stadtstraszligen Enden der Straszligen Straszligenausmuumlndungen an der Stadtgrenze oder Quergassen der Hauptstraszligen

15 Auch moumlglich ist zusammenfuumlhren oder zusammenbringen Vgl Gnilka Mt 240 Er assoziiert mit diesem Verbum die Synagoge was fuumlr ihn die Versammlung der Gemeinde andeutet

16 Vgl Sand Mt 437 Er meint dass sonst bdquoder Text der Parabel relativ gut uumlberliefertldquo ist Auszliger hier wo der Hochzeitssaal als alexandrinische Korrektur bzw Erleichterung angesehen werden kann weil ὁ γάμος - was als lectio diffcilior zu bevorzugen ist ndash schlecht zu ἐπλήσθη passt dh die Hochzeitsfeier kann nicht voll werden Daher kann hier auch mit bdquoHochzeitssaalldquo uumlbersetzt werden Vgl auch Luz Mt 231 und Gnilka Mt 240

17 Woumlrtlich ist das damals uumlbliche zu Tische Liegende18 Bzw Nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleid19 Vgl Wiefel Mt 374 Dabei wird die Akoluthie von Mk unterbrochen Vgl auch Gnilka Mt 233 und

Fiedler Mt 333 Er differenziert dass Jesus in Mk 1212 die Angegriffenen gehen laumlsst bei Mt bekommen sie ein drittes Gleichnis zu houmlren Vgl Limbeck Mt 245 Mt unterbricht den Zusammenhang der Mk-Vorlage (Mk 121-12 ndash Mt 2133-46 Mk 1213-17 ndash Mt 2215-22) In der erzaumlhlerischen Chronologie des Mt wird die Parabel am zweiten Tag von Jesu Aufenthalt in Jerusalem als ersten Teil der groszligen Abrechnung Jesu mit Gegnern gesprochen Im groumlszligeren Rahmen stehen die Ereignisse die zur Passion fuumlhren werden (vgl in 2146 den Plan Jesus zu verhaften) Als Szenerie fuumlr die Jesus-Rede hat Mt den Tempel in Jerusalem gewaumlhlt Vgl auch Diszlige Mt 1

20 Vgl Muumlnch Gleichnisse 7079 Er sieht diese Trias als indirekte Antwort auf die Vollmachtsfrage (2123ff) Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Die drei Parabeln sind durch gemeinsame Themen eng verknuumlpft Va den an die Fuumlhrer Israels gerichteten Gerichtsgedanken dh die Abloumlsung Israels durch die neue Heilsgemeinde aber auch die Geschichte der Profeten bzw Zeugen in Israel (AT Johannes der Taumlufer Jesus christliche Missionare) und die Bindung des Heils an Bedingungen (Glauben 2132 Fruchtbringen 214143 bzw hochzeitliches Gewand 2211f) Vgl auch Luz Mt 196f 249 Er stellt neben thematischer auch formale Aumlhnlichkeit zwischen den ersten beiden und gleiche Quellenherkunft des ersten und dritten Gleichnisses fest Das dritte und letzte Gleichnis fuumlhrt dabei die groszlige Abrechnung mit Israel zum Houmlhepunkt bzw Ende ist dabei schaumlrfer und direkter als die beiden anderen ndash zB beim Gericht uumlber Israel ist 227 konkreter als 214143 ndash und weitet den Blick noch weiter aus Uumlber Jesu Todhinaus auf die Heidenmission und das Juumlngstes Gericht

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von den boumlsen Winzern (2133-46 vgl Mk 121-12) und das vorliegende Gleichnis vom

koumlniglichen Hochzeitsmahl (221-14) Neben der klaren Abgrenzung des Gleichnisses ndash

durch den Redeeinleitungssatz (221) das Schlusslogion (2214) und den fortsetzenden

Neueinsatz mit Subjektwechsel von Jesus21 zu den Pharisaumlern in 2215ff ndash ist aber dennoch

eine enge Bezogenheit des Textes auf das vorhergehende Gleichnis festzustellen22 Die

Einleitungen sind miteinander verknuumlpft (2133a ἄλλην παραβολήν 221 πάλιν ἐν

παραβολαῖς)23 Neben πάλιν welches einen Neuansatz markiert24 weist auch das auf die

Hohenpriester und Pharisaumler bezogene Personalpronomen αὐτοῖς25 das reagierende

Einleitungsverbum ἀποκριθεὶς (221) und zwei Reminiszenzen ndash die doppelte vergebliche

Sendung der Knechte in 213436 findet Entsprechung in 223f und die Misshandlung bzw

Toumltung derer von 2135 in 226 ndash zu der Parabel von den boumlsen Paumlchtern hin26 Zur

Verknuumlpfung dieser beiden Gleichnisse traumlgt auch das zunaumlchst schwer verstaumlndliche

Partizip ἀποκριθεὶς (221) ndash bdquoinwiefern ist Reden Jesu ein Antwortenldquo27 ndash bei welches als

Bindeglied in dem Sinne verstanden werden kann dass Jesus die feindlichen Absichten der

Hohenpriester und Pharisaumler (2145f) mit einem Gleichnis beantwortet28

222 Gliederung

Die Parabel beginnt ndash nach dem eben angefuumlhrten Einleitungsvers (221) ndash indem Jesus die

Hauptperson ὁ βασιλεὺς einfuumlhrt und als Houmlrhinweis fuumlr die folgende Gleichniserzaumlhlung

gibt diesen Koumlnig der die Hochzeit fuumlr seinen Sohn bereitet mit der ἡ βασιλεία τῶν

οὐρανῶν zu vergleichen Die eigentliche Erzaumlhlung 222-13 wird vom einfuumlhrenden Vers

21 Vgl Sand Mt 437 Jesus wird in 221 namentlich genannt22 In der exegetischen Forschung wird besonders auf die enge Zusammengehoumlrigkeit dieser beiden

Gleichnisse hingewiesen Vgl ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 51ff Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Fiedler Mt 333 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Luz Mt 232 Diszlige Mt 1 Schottroff Gleichnisse 67 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Soumlding Festmahl 62 Wiefel Mt 375

23 Dieser Plural in 221 ist merkwuumlrdig da nur ein Gleichnis folgt Vgl auch Sand Mt 437 Wiefel Mt 376 und Luz Mt 239 Er meint ndash mit Hinweis auf 131013 (Sinn der Gleichnisse) ndash dass dies Jesus nicht stoumlre Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht in Erwaumlgung dass durch diesen Plural angedeutet werden soll dass zwei urspruumlnglich selbstaumlndige Gleichnisse (2-10 und 11-13) vorliegen Vgl Gnilka Mt 237 Er vermutet dass Jesus in Bildern redete Vgl ausfuumlhrlicher Muumlnch Gleichnisse 73-75

24 Vgl Wiefel Mt 376 Sand Mt 437 und Voumlgtle Seine Gaumlste 4825 Vgl 2123 (die Hohenpriester und Aumlltesten) und 2145 (die Hohenpriester und Pharisaumler) Jesus wendet

sich an diese religioumlsen Instanzen Israels mit denen er in Konflikt geraten ist und wird Vgl Jeremias Gleichnisse 63f Er stimmt zu dass das Gleichnis urspruumlnglich an die religioumlsen Fuumlhrer gerichtet wurde und ergaumlnzt dass es spaumlter auch auf die Fuumlhrer in der Gemeinde gedeutet wurde Besonders beachtenswert ist jedoch dass diese Personengruppe nicht nur direkt vorher in 2145f als Subjekte auftreten ndash sie trachten Jesus zu ergreifen ndash sondern auch in dem Vers (2215) der sich direkt an die Hochzeitsparabel anschlieszligt Die Pharisaumler gingen hin und berieten wie sie Jesus eine Fangfrage stellen koumlnnten Es schlieszligt sich bekanntlich in 2215-22 die Frage nach der Steuer bzw der Zinsgroschen an

26 Vgl Luz Mt 232 Vgl auch Wiefel Mt 375 Er ergaumlnzt zudem noch das Umbringen der Uumlbeltaumlter als Strafe (2141 und 227) und den Gerichtsgedanken (2144 und 2213)

27 Wiefel Mt 376 Vgl auch Sand Mt 437 Er stellt heraus dass Mt 45 Mal dieses Partizip und 55 Mal das Verb gebraucht

28 Vgl Gnilka Mt 233 Voumlgtle Seine Gaumlste 48 und Schnackenburg Mt 209 Mt verwendet ἀποκριθεὶς in 1125 aumlhnlich dh ohne direkte vorherige Frage

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221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

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Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

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Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

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Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

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anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

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neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

- 26 -

4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

- 27 -

begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 5: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

8 Dann sagt er zu seinen Knechten bdquoDie Hochzeitsfeier ist zwar bereit aber die Geladenen

waren nicht wuumlrdig

9 Geht nun an die Ausgaumlnge14 der Straszligen und wen ihr findet ruft zur Hochzeitsfeierldquo

10 Und jene Knechte gingen hinaus auf die Straszligen und versammelten15 alle die sie fanden

Boumlse und Gute Und die Hochzeitsfeier16 fuumlllte sich mit Gaumlsten17

11 Als der Koumlnig aber hineinging sich die Gaumlste anzusehen sah er dort einen Menschen

der kein Hochzeitsgewand anhatte18

12 Und er sagt zu ihm bdquoFreund wie kamst du hier herein ohne ein Hochzeitsgewandldquo

Er aber schwieg

13 Da sagte der Koumlnig den Dienern bdquoBindet seine Fuumlszlige und Haumlnde und werft ihn hinaus in

die aumluszligerste Finsternis Dort wird Heulen und Zaumlhneknirschen seinldquo

14 Viele naumlmlich sind berufen wenige aber auserwaumlhlt

22 Textanalyse

221 Kontext

Die zu eroumlrternde Parabel ist eingebettet in den Kontext der Auseinandersetzung Jesu mit

seinen Gegnern in Jerusalem (Mt 211 ndash 2339) dh in den Kontext der Jerusalemer

Streitgespraumlche19 und stellt das dritte und letzte Stuumlck innerhalb einer Gleichnisfolge bzw

Gleichnistrias dar20 Das Gleichnis von den ungleichen Soumlhnen (2128-32) das Gleichnis

14 Verschiedene Moumlglichkeiten sind noch Ausfallstraszligen der Stadtstraszligen Enden der Straszligen Straszligenausmuumlndungen an der Stadtgrenze oder Quergassen der Hauptstraszligen

15 Auch moumlglich ist zusammenfuumlhren oder zusammenbringen Vgl Gnilka Mt 240 Er assoziiert mit diesem Verbum die Synagoge was fuumlr ihn die Versammlung der Gemeinde andeutet

16 Vgl Sand Mt 437 Er meint dass sonst bdquoder Text der Parabel relativ gut uumlberliefertldquo ist Auszliger hier wo der Hochzeitssaal als alexandrinische Korrektur bzw Erleichterung angesehen werden kann weil ὁ γάμος - was als lectio diffcilior zu bevorzugen ist ndash schlecht zu ἐπλήσθη passt dh die Hochzeitsfeier kann nicht voll werden Daher kann hier auch mit bdquoHochzeitssaalldquo uumlbersetzt werden Vgl auch Luz Mt 231 und Gnilka Mt 240

17 Woumlrtlich ist das damals uumlbliche zu Tische Liegende18 Bzw Nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleid19 Vgl Wiefel Mt 374 Dabei wird die Akoluthie von Mk unterbrochen Vgl auch Gnilka Mt 233 und

Fiedler Mt 333 Er differenziert dass Jesus in Mk 1212 die Angegriffenen gehen laumlsst bei Mt bekommen sie ein drittes Gleichnis zu houmlren Vgl Limbeck Mt 245 Mt unterbricht den Zusammenhang der Mk-Vorlage (Mk 121-12 ndash Mt 2133-46 Mk 1213-17 ndash Mt 2215-22) In der erzaumlhlerischen Chronologie des Mt wird die Parabel am zweiten Tag von Jesu Aufenthalt in Jerusalem als ersten Teil der groszligen Abrechnung Jesu mit Gegnern gesprochen Im groumlszligeren Rahmen stehen die Ereignisse die zur Passion fuumlhren werden (vgl in 2146 den Plan Jesus zu verhaften) Als Szenerie fuumlr die Jesus-Rede hat Mt den Tempel in Jerusalem gewaumlhlt Vgl auch Diszlige Mt 1

20 Vgl Muumlnch Gleichnisse 7079 Er sieht diese Trias als indirekte Antwort auf die Vollmachtsfrage (2123ff) Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Die drei Parabeln sind durch gemeinsame Themen eng verknuumlpft Va den an die Fuumlhrer Israels gerichteten Gerichtsgedanken dh die Abloumlsung Israels durch die neue Heilsgemeinde aber auch die Geschichte der Profeten bzw Zeugen in Israel (AT Johannes der Taumlufer Jesus christliche Missionare) und die Bindung des Heils an Bedingungen (Glauben 2132 Fruchtbringen 214143 bzw hochzeitliches Gewand 2211f) Vgl auch Luz Mt 196f 249 Er stellt neben thematischer auch formale Aumlhnlichkeit zwischen den ersten beiden und gleiche Quellenherkunft des ersten und dritten Gleichnisses fest Das dritte und letzte Gleichnis fuumlhrt dabei die groszlige Abrechnung mit Israel zum Houmlhepunkt bzw Ende ist dabei schaumlrfer und direkter als die beiden anderen ndash zB beim Gericht uumlber Israel ist 227 konkreter als 214143 ndash und weitet den Blick noch weiter aus Uumlber Jesu Todhinaus auf die Heidenmission und das Juumlngstes Gericht

- 3 -

von den boumlsen Winzern (2133-46 vgl Mk 121-12) und das vorliegende Gleichnis vom

koumlniglichen Hochzeitsmahl (221-14) Neben der klaren Abgrenzung des Gleichnisses ndash

durch den Redeeinleitungssatz (221) das Schlusslogion (2214) und den fortsetzenden

Neueinsatz mit Subjektwechsel von Jesus21 zu den Pharisaumlern in 2215ff ndash ist aber dennoch

eine enge Bezogenheit des Textes auf das vorhergehende Gleichnis festzustellen22 Die

Einleitungen sind miteinander verknuumlpft (2133a ἄλλην παραβολήν 221 πάλιν ἐν

παραβολαῖς)23 Neben πάλιν welches einen Neuansatz markiert24 weist auch das auf die

Hohenpriester und Pharisaumler bezogene Personalpronomen αὐτοῖς25 das reagierende

Einleitungsverbum ἀποκριθεὶς (221) und zwei Reminiszenzen ndash die doppelte vergebliche

Sendung der Knechte in 213436 findet Entsprechung in 223f und die Misshandlung bzw

Toumltung derer von 2135 in 226 ndash zu der Parabel von den boumlsen Paumlchtern hin26 Zur

Verknuumlpfung dieser beiden Gleichnisse traumlgt auch das zunaumlchst schwer verstaumlndliche

Partizip ἀποκριθεὶς (221) ndash bdquoinwiefern ist Reden Jesu ein Antwortenldquo27 ndash bei welches als

Bindeglied in dem Sinne verstanden werden kann dass Jesus die feindlichen Absichten der

Hohenpriester und Pharisaumler (2145f) mit einem Gleichnis beantwortet28

222 Gliederung

Die Parabel beginnt ndash nach dem eben angefuumlhrten Einleitungsvers (221) ndash indem Jesus die

Hauptperson ὁ βασιλεὺς einfuumlhrt und als Houmlrhinweis fuumlr die folgende Gleichniserzaumlhlung

gibt diesen Koumlnig der die Hochzeit fuumlr seinen Sohn bereitet mit der ἡ βασιλεία τῶν

οὐρανῶν zu vergleichen Die eigentliche Erzaumlhlung 222-13 wird vom einfuumlhrenden Vers

21 Vgl Sand Mt 437 Jesus wird in 221 namentlich genannt22 In der exegetischen Forschung wird besonders auf die enge Zusammengehoumlrigkeit dieser beiden

Gleichnisse hingewiesen Vgl ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 51ff Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Fiedler Mt 333 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Luz Mt 232 Diszlige Mt 1 Schottroff Gleichnisse 67 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Soumlding Festmahl 62 Wiefel Mt 375

23 Dieser Plural in 221 ist merkwuumlrdig da nur ein Gleichnis folgt Vgl auch Sand Mt 437 Wiefel Mt 376 und Luz Mt 239 Er meint ndash mit Hinweis auf 131013 (Sinn der Gleichnisse) ndash dass dies Jesus nicht stoumlre Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht in Erwaumlgung dass durch diesen Plural angedeutet werden soll dass zwei urspruumlnglich selbstaumlndige Gleichnisse (2-10 und 11-13) vorliegen Vgl Gnilka Mt 237 Er vermutet dass Jesus in Bildern redete Vgl ausfuumlhrlicher Muumlnch Gleichnisse 73-75

24 Vgl Wiefel Mt 376 Sand Mt 437 und Voumlgtle Seine Gaumlste 4825 Vgl 2123 (die Hohenpriester und Aumlltesten) und 2145 (die Hohenpriester und Pharisaumler) Jesus wendet

sich an diese religioumlsen Instanzen Israels mit denen er in Konflikt geraten ist und wird Vgl Jeremias Gleichnisse 63f Er stimmt zu dass das Gleichnis urspruumlnglich an die religioumlsen Fuumlhrer gerichtet wurde und ergaumlnzt dass es spaumlter auch auf die Fuumlhrer in der Gemeinde gedeutet wurde Besonders beachtenswert ist jedoch dass diese Personengruppe nicht nur direkt vorher in 2145f als Subjekte auftreten ndash sie trachten Jesus zu ergreifen ndash sondern auch in dem Vers (2215) der sich direkt an die Hochzeitsparabel anschlieszligt Die Pharisaumler gingen hin und berieten wie sie Jesus eine Fangfrage stellen koumlnnten Es schlieszligt sich bekanntlich in 2215-22 die Frage nach der Steuer bzw der Zinsgroschen an

26 Vgl Luz Mt 232 Vgl auch Wiefel Mt 375 Er ergaumlnzt zudem noch das Umbringen der Uumlbeltaumlter als Strafe (2141 und 227) und den Gerichtsgedanken (2144 und 2213)

27 Wiefel Mt 376 Vgl auch Sand Mt 437 Er stellt heraus dass Mt 45 Mal dieses Partizip und 55 Mal das Verb gebraucht

28 Vgl Gnilka Mt 233 Voumlgtle Seine Gaumlste 48 und Schnackenburg Mt 209 Mt verwendet ἀποκριθεὶς in 1125 aumlhnlich dh ohne direkte vorherige Frage

- 4 -

221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

- 5 -

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

- 6 -

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

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Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

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anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

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neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

- 26 -

4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

- 27 -

begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 6: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

von den boumlsen Winzern (2133-46 vgl Mk 121-12) und das vorliegende Gleichnis vom

koumlniglichen Hochzeitsmahl (221-14) Neben der klaren Abgrenzung des Gleichnisses ndash

durch den Redeeinleitungssatz (221) das Schlusslogion (2214) und den fortsetzenden

Neueinsatz mit Subjektwechsel von Jesus21 zu den Pharisaumlern in 2215ff ndash ist aber dennoch

eine enge Bezogenheit des Textes auf das vorhergehende Gleichnis festzustellen22 Die

Einleitungen sind miteinander verknuumlpft (2133a ἄλλην παραβολήν 221 πάλιν ἐν

παραβολαῖς)23 Neben πάλιν welches einen Neuansatz markiert24 weist auch das auf die

Hohenpriester und Pharisaumler bezogene Personalpronomen αὐτοῖς25 das reagierende

Einleitungsverbum ἀποκριθεὶς (221) und zwei Reminiszenzen ndash die doppelte vergebliche

Sendung der Knechte in 213436 findet Entsprechung in 223f und die Misshandlung bzw

Toumltung derer von 2135 in 226 ndash zu der Parabel von den boumlsen Paumlchtern hin26 Zur

Verknuumlpfung dieser beiden Gleichnisse traumlgt auch das zunaumlchst schwer verstaumlndliche

Partizip ἀποκριθεὶς (221) ndash bdquoinwiefern ist Reden Jesu ein Antwortenldquo27 ndash bei welches als

Bindeglied in dem Sinne verstanden werden kann dass Jesus die feindlichen Absichten der

Hohenpriester und Pharisaumler (2145f) mit einem Gleichnis beantwortet28

222 Gliederung

Die Parabel beginnt ndash nach dem eben angefuumlhrten Einleitungsvers (221) ndash indem Jesus die

Hauptperson ὁ βασιλεὺς einfuumlhrt und als Houmlrhinweis fuumlr die folgende Gleichniserzaumlhlung

gibt diesen Koumlnig der die Hochzeit fuumlr seinen Sohn bereitet mit der ἡ βασιλεία τῶν

οὐρανῶν zu vergleichen Die eigentliche Erzaumlhlung 222-13 wird vom einfuumlhrenden Vers

21 Vgl Sand Mt 437 Jesus wird in 221 namentlich genannt22 In der exegetischen Forschung wird besonders auf die enge Zusammengehoumlrigkeit dieser beiden

Gleichnisse hingewiesen Vgl ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 51ff Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Fiedler Mt 333 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Luz Mt 232 Diszlige Mt 1 Schottroff Gleichnisse 67 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Soumlding Festmahl 62 Wiefel Mt 375

23 Dieser Plural in 221 ist merkwuumlrdig da nur ein Gleichnis folgt Vgl auch Sand Mt 437 Wiefel Mt 376 und Luz Mt 239 Er meint ndash mit Hinweis auf 131013 (Sinn der Gleichnisse) ndash dass dies Jesus nicht stoumlre Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht in Erwaumlgung dass durch diesen Plural angedeutet werden soll dass zwei urspruumlnglich selbstaumlndige Gleichnisse (2-10 und 11-13) vorliegen Vgl Gnilka Mt 237 Er vermutet dass Jesus in Bildern redete Vgl ausfuumlhrlicher Muumlnch Gleichnisse 73-75

24 Vgl Wiefel Mt 376 Sand Mt 437 und Voumlgtle Seine Gaumlste 4825 Vgl 2123 (die Hohenpriester und Aumlltesten) und 2145 (die Hohenpriester und Pharisaumler) Jesus wendet

sich an diese religioumlsen Instanzen Israels mit denen er in Konflikt geraten ist und wird Vgl Jeremias Gleichnisse 63f Er stimmt zu dass das Gleichnis urspruumlnglich an die religioumlsen Fuumlhrer gerichtet wurde und ergaumlnzt dass es spaumlter auch auf die Fuumlhrer in der Gemeinde gedeutet wurde Besonders beachtenswert ist jedoch dass diese Personengruppe nicht nur direkt vorher in 2145f als Subjekte auftreten ndash sie trachten Jesus zu ergreifen ndash sondern auch in dem Vers (2215) der sich direkt an die Hochzeitsparabel anschlieszligt Die Pharisaumler gingen hin und berieten wie sie Jesus eine Fangfrage stellen koumlnnten Es schlieszligt sich bekanntlich in 2215-22 die Frage nach der Steuer bzw der Zinsgroschen an

26 Vgl Luz Mt 232 Vgl auch Wiefel Mt 375 Er ergaumlnzt zudem noch das Umbringen der Uumlbeltaumlter als Strafe (2141 und 227) und den Gerichtsgedanken (2144 und 2213)

27 Wiefel Mt 376 Vgl auch Sand Mt 437 Er stellt heraus dass Mt 45 Mal dieses Partizip und 55 Mal das Verb gebraucht

28 Vgl Gnilka Mt 233 Voumlgtle Seine Gaumlste 48 und Schnackenburg Mt 209 Mt verwendet ἀποκριθεὶς in 1125 aumlhnlich dh ohne direkte vorherige Frage

- 4 -

221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

- 5 -

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

- 6 -

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

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Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

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anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

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neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

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4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

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begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 7: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

221 und dem abschlieszligenden Logion 2214 gerahmt 222-13 wird manchmal nach

literarkritischen Aspekten in zwei (2-10 und 11-13) viel haumlufiger aber in drei Teile (2-7 8-

10 und 11-13) eingeteilt Da 222 eine weitere naumlhere Einleitung bietet kann dieser Vers als

formelhafte Uumlberschrift verstanden und von der Erzaumlhlung geringfuumlgig ausgeruumlckt werden

3-7 und 8-13 beginnen beide mit der koumlniglichen Aussendung der Knechte um die

Geladenen zu rufen Dabei endet die erste erfolglos und die zweite erfolgreich aber beide

mit einer Katastrophe die zuerst alle dann nur einen trifft 8-13 besteht aus zwei locker

zusammengefuumlgten Teilen (8-1011-13) wobei nach 10 bereits Schluss sein koumlnnte Aber

die zunaumlchst merkwuumlrdige Formulierung πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς bedarf einer erklaumlrenden

Fortsetzung29

Es ist daher in drei groumlszligere Teile zu gliedern ndash (2)3-7 8-10 und 11-13 ndash welche von 1 und

14 gerahmt werden30 Dabei sind die beiden ersten Teile natuumlrlich in einer besonderen

Weise stark miteinander verbunden31

223 Personen und Wortanalyse

Der βασιλεὺς ist die einzige bestimmende und sehr dominante Person32 dh nur er spricht

es gibt keine Dialoge und auszliger 5f10 handelt nur er33 Die δοῦλοι welche in 346810

vorkommen stehen immer als Objekt formal im Akkusativ (346) oder im Dativ (8 auch

die Diener in 13) auszliger in 10 bei der Ausfuumlhrung des koumlniglichen Befehls dort auch naumlher

mit ἐκεῖνοι bestimmt (sonst immer mit αὐτοῦ) Zudem werden sie immer pluralisch

angesprochen dh der Einzelne tritt hinter die gesamte Gruppe zuruumlck Damit wird

zusaumltzlich das strenge Autoritaumltsgefaumllle zwischen herrschenden Koumlnig und seinen Knechten

verdeutlicht Das eher unuumlbliche Einsetzen neuer Nebenfiguren (ἄνθρωπον34 in 11 und

διακόνοις in 13) und die Tatsache dass keine andere Person die ganze Erzaumlhlung

durchzieht verstaumlrkt dass die Einheit der Parabel nur durch den Handlungssouveraumln den

29 Vgl Luz Mt 24330 Vgl aumlhnlich Gnilka Mt 233f Auch er gliedert in drei Handlungsablaumlufe 2-6 (dazu 7 als Uumlberleitung) 8-

10 und 11-1331 Vgl zB auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 131 Er setzt zwei Schwerpunkte 1-10 israelkritisch und 11-14

kirchenkritisch32 222 ἀνθρώπῳ βασιλεῖ und τῷ υἱῷ αὐτοῦ 223 τοὺς δούλους αὐτοῦ 226 τοὺς δούλους αὐτοῦ 227 ὁ

δὲ βασιλεὺς und τὰ στρατεύματα αὐτοῦ 228 δούλοις αὐτοῦ 2211 ὁ βασιλεὺς 2213 ὁ βασιλεὺς Vgl auch Schottroff Verheiszligung 480 Soumlding Festmahl 65 und Gnilka Mt 234 Er sieht den Koumlnig als beherrschende Figur in der Geschichte Dies wird auch ndash aufgrund der direkten Rede ndash in quantitativer Hinsicht deutlich

33 Aktive Verba 222 ἐποίησεν 223 ἀπέστειλεν 224 ἀπέστειλεν 227 ὠργίσθη und πέμψας 2211 εἰσελθὼν θεάσασθαι und εἶδεν Auch sehr haumlufig sind Befehle an seine Knechte Diener und Geladenen und daraus folgende Imperative 224 λέγων Εἴπατε Ἰδοὺ und δεῦτε 228 λέγει und πορεύεσθε 2212 λέγει 2213 εἶπεν Δήσαντες und ἐκβάλετε

34 2211 Vgl auch noch 2212 αὐτῷ ὁ δὲ und 13 αὐτοῦ πόδας καὶ χεῖρας αὐτὸν Er gehoumlrt zu den Zweitgeladenen (228ff) bzw zu Tische Liegenden (2210f) und traumlgt kein Hochzeitsgewand (ἔνδυμα γάμου) Auf die Frage wie er hineingekommen sei reagiert er mit einem Schweigen

- 5 -

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

- 6 -

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

- 7 -

Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

- 8 -

anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

- 9 -

dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

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neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

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4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

- 27 -

begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

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5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 8: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

Koumlnig gegeben ist Er schickt und befiehlt seinen Knechten bzw Sklaven (3f8) seine

Heere (7) und seinen Dienern (13)35 In allen drei groszligen Abschnitten erfolgt eine direkte

Rede des Koumlnigs ndash 4 8b9 und 12f ndash welcher besonders das explizite Schweigen des

Gastes in 12 gegenuumlbersteht36

Neben dem Koumlnig ist γάμος das zentrale Wort (su 31) welches insgesamt acht Mal

vorkommt Vier Mal im Akkusativ (εἰς τοὺς γάμους)in 349 und nur γάμους in 2) im

Singular Nominativ in 5 und in 11f zwei Mal als naumlher Bestimmung im Genitiv (ἔνδυμα

γάμου) Wiederholende Stichwoumlrter sind πάλιν welches in 1 und auch in 4 wo es die

erneute geduldige koumlnigliche Einladung einleitet auftritt Weiterhin ist das Bereitsein ndash

ἡτοίμακα und ἕτοιμα in 4 sowie ἕτοιμός in 8 dh das Mahl ist vor und nach der Strafaktion

in 6f bereit ndash und die Vollstaumlndigkeit (πάντα in 4 das Mahl ist komplett fertig) bzw

Universalitaumlt ( πάντας in 10 alle sind eingeladen) betont Die Wiederaufnahme von

ἀνακειμένων (10) in 11 (ἀνακειμένους) verbindet die beiden Teile 2-10 bzw 8-10 und 11-

13 Ebenso τότε in 8 und 13 welches jeweils einen entscheidenden Neueinsatz darstellt

Die Verwerfung der Erstgerufenen und Einladung der Zweitgaumlste in 8 sowie die Verwerfung

bzw Verurteilung des unwuumlrdigen Gastes in 13 Interessant ist auch die Wortgruppe

kommen bzw gehen ἐλθεῖν in 3 (Erstgeladene kommen nicht) ἀπῆλθον in 5

(Erstgeladenen gehen weg Steigerung) ἐξελθόντες in 10 (Knechte gehen heraus um

Zweitgaumlste einzuladen) dazu direkt antithetisch parallel εἰσελθὼν in 11 (Koumlnig geht herein

zum Hochzeitsmahl) genauso εἰσῆλθες in 12 (Gast wird gefragt wie er hereingekommen

sei) und daran anknuumlpfend ἐκβάλετε in 13 (Gast wird verurteilt und rausgeworfen) Die

Bewegungen deuten jeweils Ablehnung bzw Hinwendung an genauer die ablehnende

Haltung der Erstgeladenen die Hinwendung der koumlniglichen Knechte und des Koumlnigs

selbst und ndash nach der Frage in 12 ndash die gesteigerte konsequente und endguumlltige

Verurteilung in 13 Das letzte auffaumlllige Wortfeld ist καλέσαι in 3 und καλέσατε in 9 Die

Erstgeladenen und die Zweitgaumlste werden jeweils gerufen in 9 erst nachdem die

Unwuumlrdigkeit der eigentlich Gerufenen (κεκλημένοι in 8 vorher auch schon bei beiden

Einladungen κεκλημένους in 3 und κεκλημένοις in 4) festgestellt wurde Bei der Bedeutung

dieses Wortfeldes ist es wichtig und interessant dass dabei jeweils das Gerufen-sein und

das Berufensein auch erlesen eingeladen oder willkommen inkludiert sind37

auszligerdem dass mit κλητοὶ in 14 erneut dieser Wortstamm aufgenommen wird38

35 Vgl Wiefel Mt 37736 Vgl Schottroff Verheiszligung 480 Sie ergaumlnzt dass allgemein das gleichmaumlszligige Erzaumlhltempus in der

Vergangenheit nur zweimal durch Praumlsens durchbrochen wird (812)37 Vgl Gnilka Mt 238 Er ergaumlnzt dass jeweils ein eschatologischer Klang (421 913) und bei Paulus auch

der Ruf in die Basileia Gottes (1Thess 212) mitgemeint ist38 Vgl Albright Mt 269 Er meint bdquothe Greek is derived from the same verb as invited in vs 3ldquo Vgl auch

Allen Mt 236 Er sieht ebenso diese bdquoverbal connectionldquo

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Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

- 7 -

Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

- 8 -

anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

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dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

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schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

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neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuumlndigt

wurde In 223 und 224 wurde schlieszliglich erfolglos fuumlr das Hochzeitsmahl eingeladen

114Thema in 24f ist ua Mahnung zur Wachsamkeit Vgl Fiedler Mt 334 Er meint dass Jerusalem primaumlr als Ort der Hinrichtung Jesu gemeint sei was die Zerstoumlrung Jerusalems als goumlttliche Strafe zur Folge habe Dafuumlr sei aber die Oberschicht verantwortlich Vgl dazu 2338 Als aumlhnliches Bsp Nennt er 5876 wo Gott sich feindlicher Armeen bedient Eine andere Beurteilung der Ereignisse von (66-)70 biete dagegen 249-1315-24 Dabei sei hier angefragt ob diese Stellen nicht eschatologisch zu verstehen sind Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 56f Er ergaumlnzt 2725 wo das ganze Volk von Jerusalem die Schuld an Jesu Tod uumlbernimmt Ua daraus folgert er dass bei der Deutung der Knechte auch an Jesus selbst zu denken ist Dies fuumlhre ndash wie er selbst zugibt ndash auf der Bildebene zu Widerspruumlchlichkeiten

115Vgl Wiefel Mt 378 Er stellt die auf der Bildebene durchaus seltsame Tatsache fest dass das fertige Festmahl schon vor dem Feldzug fertig war und erst jetzt seine Gaumlste finden soll

116Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er fragt skeptisch an wie die bereits ermordeten Knechte hier wieder zur Verfuumlgung stehen koumlnnen Vgl dagegen Luz Mt 243 Er entkraumlftet diese zunaumlchst auf der Textebene richtig erkannte Schwierigkeit mit der einfachen Aussage dass es sich hier um andere Knechte als in 226 handelt was nicht extra erwaumlhnt werden muss

117Vgl Wiefel Mt 378 oder Sand Mt 438118Vgl wuumlrdig auch bei 38 1010f und 1137f Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Kaumlhler Jesu

Gleichnisse 132 Er verweist bei dem Motiv der Wuumlrdigkeit auf die Juumlngerrede in Mt 10 in der der ekklesiologische Horizont der folgenden Einladung anklingt Tatsaumlchlich ist der Zusammenhang zu Mt 1013 interessant da erstens die Wuumlrdigkeit als Kriterium des Annehmens bzw Ablehnens aufgenommen wird und zweitens das Motiv der kollektiven bzw generalisierenden Bewertungen der Haumluser als Ganzes (1012f) parallel zu der kollektiven Strafaktion ndash Verbrennen der Stadt als Ganze ndash in 227 gesehen werden kann

119Vgl Soumlding Festmahl 78 Vgl dagegen Reiser Gerichtspredigt 227 Er meint bdquoAus Zorn uumlber die unerhoumlrte Bruumlskierung laumlszligt er darauf von der Straszlige weg wahllos andere nicht vorgesehene Gaumlste an seinen Tisch holenldquo

120Vgl Sand Mt 438 und Luz Mt 240 Vgl auch Gnilka Mt 240 Er merkt an dass Juden aber von nun an nicht grundsaumltzlich ausgeschlossen sind

121Die etwas sperrige Zuordnung von Subjekt und Verb ndash wie kann eine Feier bzw ein Mahl voll werden - wurde schon bei der Textuumlbersetzung angesprochen Fuumlr die damalige Zeit ist ἀνακειμένων uumlblich

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obwohl es jeweils bereit war (2248) Erst nun in 2210 erfuumlllt sich das Ziel in dem sich ὁ

γάμος ἐπλήσθη und die Hochzeitsfeier beginnen kann122 Im Folgenden soll neben der

Bedeutung der τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (229) va eroumlrtert werden wie die beiden

verschiedenen eingeladenen Gaumlstegruppen verstanden werden koumlnnen und inwieweit in

dieser Parabel ein bdquoAbriszlig der Heilsgeschichteldquo123 zu erkennen ist

Der koumlnigliche Gastgeber befiehlt nun zu den διεξόδους hinauszugehen124 Damit sind

zunaumlchst End- bzw Ausgangspunkte dh aumluszligerste Punkte eines Territoriums und auch

Durchgaumlnge gemeint an denen Straszligen aufhoumlren bzw anfangen konkreter die Ausgaumlnge

der Stadt als Grenzen oder dort wo die Straszligen der Stadt enden und in Landstraszligen

uumlbergehen125 Entscheidend ist mE dass diese nun Geladenen nicht zu den

Stadtbewohnern gehoumlren ndash zu beachten ist zudem dass die gesamte Stadt ja auch verbrannt

ist ndash sondern es sich um Menschen aus den Bereich vor den Toren der Stadt also um

Fremde bzw Unbekannte handelt126 Zudem ist zunaumlchst kein Kriterium bzw keine

Wuumlrdigkeit noumltig das Motiv der universalen und grenzuumlberschreitenden Wahllosigkeit

dominiert127 Mit diesen Fremden und Heimatlosen sind oft die Heiden identifiziert

wurden128 so dass nun dieser wichtigen Frage nach der Deutung der Erst- und

Zweitgeladenen nachgegangen wird

Fuumlr diese Identifizierung der beiden kontrastierenden Gruppen sind drei Moumlglichkeiten zu

diskutieren129 Es wird zB bei den Erstgeladenen an die Frommen bzw das religioumlse

122Ua wird daher angenommen dass das eigentliche Gleichnis bei 2210 endet Vgl zB Schnackenburg Mt 208

123Jeremias Gleichnisse 66 124Das imperativische Verbum πορεύεσθε knuumlpft dabei erneut an die Juumlngerrede an (106) und praumlludiert

zudem dem Missionsbefehl in 2819 wobei dort auch das universale πάντας (2210) zu finden ist Vgl Wiefel Mt 378 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 und Bindemann Mahl 22

125Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch ausfuumlhrlicher Luz Mt 243 Luz denkt weiter an die Grenzen des koumlniglichen Gebietes dh an die Straszligen die aus der Stadt und bis an die Grenzen der Stadt hinausgehen Vgl auch Diszlige Mt 3 Er uumlbersetzt mit bdquoEnden der Straszligenldquo mit welchen die Ortsausgaumlnge wo die Straszligen in die offene Landschaft muumlnden gemeint sind Vgl Schottroff Gleichnisse 57 Ihrer Meinung nach handelt es sich um Stellen an denen Wege bzw Straszligen durch eine beengte Passage nach drauszligen fuumlhren dh also um Stadtausgaumlnge verschiedener Straszligen Vgl auch Gnilka Mt 240 Er denkt an bdquodie Tore der Stadt von denen aus die Straszligen in das Land ihren Ausgang nehmenldquo und fuumlhrt an dass LXX das Wort 25 Mal gebraucht fuumlr Ausgaumlnge einer Quelle oder Endpunkte einer Grenzlinie Vgl zB Num 244589 oder Jos 1547111638

126Vgl Sand Mt 438127Vgl dafuumlr Luther deutsch 393 bdquoDie lagen drauszligen auf der Straszlige hatten kein Gesetz noch Gottes Wort

wie die Juden waren also nicht durch Mauern geschuumltzt so daszlig der Teufel hindurch und wieder herdurch rennen konnte hellip er [der Koumlnig] beruft alle ohne allen Unterschiedldquo

128Vgl zB Wiefel Mt 378 oder Schlatter Mt 637 bdquoDer Gegensatz ist nicht der statt der Reichen werden Arme berufen sondern statt der Buumlrger werden die Fremden zu Gaumlsten des Koumlnigsldquo

129Vgl dafuumlr und im Folgenden va Diszlige Mt 5 und Luz Mt 237f Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 246-252 und Gnilka Mt 243 Eine weitere Deutung nehmen Weder und Harnisch vor Sie gehen nicht von zwei verschiedenen Gruppen sondern von zwei Weisen der Reaktion bzw zwei Seiten in einem Menschen aus Bei der ersten wird die Notwendigkeit des Alltags wichtiger als die Freude des Festes so dass der Mensch sich selbst verliert Bei der anderen laumlsst er sich einladen und erlebt das Gluumlck erfuumlllter Zeit Vgl auch ausfuumlhrlich Voumlgtle Seine Gaumlste 71-75 und Soumlding Festmahl 72f Er analysiert und kritisiert dass das Gleichnis damit zur Analyse menschlicher Existenz im Horizont der Reich-Gottes-Erwartung wird

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Establishment (Pharisaumler und Hohenpriester) gedacht130 Danach wuumlrde die spaumltere

Einladung die Zuwendung zum Volk zu den Suumlndern und Zoumlllnern beinhalten Dies wuumlrde

durchaus gut zum eigenen Verhalten Jesu passen der mit Suumlndern und Zoumlllnern gegessen

hat131 Schwierig ist jedoch dass die Entschuldigungsgruumlnde in 225 keinen religioumlsen

Charakter haben so dass an dieser Stelle nicht zwingend an zB Pharisaumler gedacht werden

muss132 Eine zweite Variante unterscheidet die beiden Gruppen in Reiche und Arme Die

Entschuldigungsgruumlnde ndash zB der eigene Acker ndash scheinen besser zu passen doch diese

sozialgeschichtliche Deutung ist bei Mt kaum wahrzunehmen da die Zweitgeladenen nicht

als Arme sondern nur als Fremde bezeichnet werden133 Dem zeitlichen Nacheinander der

Einladungen steht auszligerdem entgegen dass Jesus sich von vornherein den Armen

zugewandt hat (zB Mt 53) Auch stoumlrt die von den Ersatzgaumlsten eingenommene

Luumlckenbuumlszligerrolle134

Bei der dritten und mE einleuchtendsten Deutungsvariante werden zunaumlchst Juden135 und

spaumlter Heiden eingeladen136 worauf die eben eroumlrterte Herkunft der Zweitgeladenen von

drauszligen bzw von auszligerhalb der Stadtgrenzen schon hindeutete Dagegen spricht sicher

dass die Entschuldigungsgruumlnde keinen genuin israelitischen Charakter haben und dass es

dem Selbstverstaumlndnis Jesu fernzuliegen scheint137 Doch Jesus spricht in dieser Parabel

nicht von seiner eigenen Sendung sondern von dem im Einleitungsvers eingebetteten Bild

vom Hochzeitsmahl als Metapher fuumlr das kommende Gottesreich Daran schlieszligt auch die

Parallele in 811f an die in einem Drohwort Juden und Heiden provokant gegenuumlberstellt

bdquoViele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham Isaak und Jakob im

Himmelreich zu Tische sitzen die aber fuumlr die das Reich bestimmt war werden

130Vgl zB Jeremias Gleichnisse 179 Vgl auch Mt 2146 dh die Anlehnung an den unmittelbaren Kontext So auch Fiedler Mt 334 Er meint dass die Gruppen von 2145 im Visier seien und darum als Gegenuumlber nur andere Landsleute in Betracht (von 2131 eben Suumlnder) kommen bdquoSie richten sich auf die Einladung von Jes 256-8 aus und kuumlmmern sich dabei nicht darum dass Gott eben dieses endzeitliche Mahl jetzt als Festmahl fuumlr seinen Sohn Jesus Christus ausrichtet Mt hat dieses Ignorieren in 225 angesprochen verquickt es jedoch mit dem Vorwurf der Todfeindschaft gegen Jesus und nachoumlsterliche Christusboten (V6)ldquo

131zB Mk 216 Vgl auch Mk 217 Jesus ruft nicht die Gerechten sondern die Suumlnder Damit wuumlrde Jesus sein eigenes Verhalten mit Gottes analogem Handeln verteidigen

132Auch das zeitliche Nacheinander der Einladungen bereitet Unstimmigkeiten Vgl Juumllicher Gleichnisreden 418 Er wendet ein bdquoob denn Gott Zoumlllner und Heiden erst nachdem der Pharisaumlismus sich das Heil verscherzt hatte [] berufen hatldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 228

133Diese Deutung ist evt in der lk Fassung der Parabel herauszuarbeiten Zu bedenken ist dabei aber dass das Heiraten (Lk 1420) nicht extra spezifisch fuumlr Reiche ist Vgl Diszlige Mt 5 Er zitiert Schottroff die diese Deutung va hervorgehoben hat bdquoNur die Armen sind beim Festmahl Gottes anwesend hellip sich nicht so zu verhalten wie die Erstgeladenen also besitzorientiertldquo

134Vgl Reiser Gerichtspredigt 228f135Vgl Sand Mt 439136Vgl Voumlgtle Einladung 194 Ihm ist es verwunderlich dass dieser alte Vorschlag von Schlatter kaum

Beachtung gefunden hat Vgl auch Voumlgtle Seine Gaumlste 58 und Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 234f137Vgl zB Mt 1524 bdquoIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandtldquo Vgl Wiefel Mt

376 Er lehnt die Interpretation auf Juden und Heiden ab und laumlsst offen ob konkrete Gruppen (Zoumlllner Suumlnder) im Blick sind oder ob es universal zu verstehen ist

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hinausgeworfen in die aumluszligerste Finsternis hellipldquo138 Wenn man dementsprechend Mt 221-14

als bdquoAndrohung einer fuumlr ihr Empfinden unerhoumlrten Moumlglichkeitldquo139 versteht dann wuumlrde

diese Deutung auch zur jesuanischen Reich-Gottes-Botschaft passen die die Gesamtheit

der Houmlrer in Israel im Blick hat140 Weiterhin kann als Grund fuumlr diese Moumlglichkeit

angefuumlhrt werden dass schon 2143 ein anderes Volk im Blick hat welches auf die hier

explizierte Heidenmission vorbereitet141 Die mit dem Verstaumlndnis der beiden Gruppen von

Gaumlsten verbundene Frage nach den Adressaten wird meistens in Richtung der Pharisaumler und

Frommen des Volkes geloumlst Dies ist richtig muss aber fuumlr die Deutung der beiden Gruppen

mE um die Oumlffnung zum Ganzen des Volkes Israel erweitert werden Die geladenen Gaumlste

sind die Hohenpriester und Pharisaumler weil sie die Adressaten der Parabel sind aber nicht

exklusiv weil die Boten Jesu zu ganz Israel gesandt sind (105f23)142 So ergibt sich eine

Kombination aus der dritten und ersten Variante143 Es ist eine Warnung an die Houmlrer und

eine Drohung mit klarem Gerichtsaspekt fuumlr die Ablehnenden dass die groszlige Gelegenheit

verpasst wird dass das Fest ohne sie stattfindet144

Das Problem des oben oft angesprochenen Nacheinander der Einladungen fuumlhrt zur

Bedeutung der heilsgeschichtlichen Perspektive Schon angesprochen wurden folgende

Motive Der Koumlnig als Gott der Sohn als Messias das Hochzeitsmahl als eschatologisches

Heil die zweimalige Sendung der Knechte als Profeten und Apostel Daran schlieszligt sich die

negative Bilanz der Judenmission an dh die Juden haben als zuerst geladene Gaumlste bzw

als auserwaumlhltes Gottesvolk die Einladung nicht angenommen haben die atl und ntl Boten

umgebracht (Maumlrtyrer) und wurden so von der eschatologischen Hochzeit

ausgeschlossen145 Die juumldische Hauptstadt Jerusalem wird daraufhin ndash als Gericht Gottes ndash

138Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 229-231139Voumlgtle Einladung 195140Vgl Schlatter Mt 633 Diszlige Mt 5 und Voumlgtle Einladung 195 Er weist hier auf aumlhnliche Stellen hin die

Israel als Ganzes im Blick hat und als Drohworte Israel mit den Heiden konfrontiert Er nennt Mt 1120-24 und Mt 1241f Vgl auch Jones Mt 405 Er zitiert in diesem Zusammenhang Voumlgtle Vgl Reiser Gerichtspredigt 229 Auch seiner Meinung nach wendet sich Jesus an das Volk als Ganzes Dieser kollektive Gedanke der die Pharisaumler natuumlrlich auch und im Besonderen im Blick hat kommt in der Hochzeitsmahlparabel auch schon in der Strafaktion 227 vor was die These an dieser Stelle unterstuumltzt

141Vgl Luz Mt 243 Limbeck Mt 248f oder Schlatter Mt 636 bdquoSo wenig der Weinberg veroumldet so wenig bleibt die Hochzeit ungefeiertldquo Vgl auch Jeremias Gleichnisse 6266 Er stimmt zu und meint dass daher die Kirche damals das Gleichnis als Missionsbefehl gedeutet hat

142Vgl Luz Mt 241143Sie hebt sich von der ersten Moumlglichkeit in der Weise ab dass keine konkrete Gegenuumlberstellung

zwischen Frommen und Suumlndern inkludiert ist und von der dritten dass aufgrund der Adressierung an Pharisaumler und Hohenpriester (2145f 2215) diese Gruppe der religioumlsen Oberschicht neben dem ganzen Volk besonders im Blick ist

144Vgl Luz Mt 238f145Vgl Reiser Gerichtspredigt 230f bdquoDas Unerhoumlrte ja Irreale einer solchen allgemeinen Abfuhr kann nicht

genug betont werden bdquoDenn so unwahrscheinlich ja ausgeschlossen es istldquo dass die Geladenen alle absagen bdquoso unwahrscheinlich ja ausgeschlossen schien es Jesus daszlig Israel das ausersehene Volk jetzt da alles bereit war die Einladung ausschlagen und das angebotene Heil abweisen koumlnnte Die Parabel ist offenbar zu einem Zeitpunkt entstanden und gesprochen als dieses Unwahrscheinliche Wirklichkeit zu werden drohte Mit ihr stellte Jesus dem Volk anschaulich vor Augen was auf dem Spiel stand und welche Folge ein Nein auf seine Einladung nach sich ziehen muszligteldquo

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70 nChr von den Roumlmern in Schutt und Asche gelegt (Mt 2337-242) Mit dem Kommen

Jesu der erweckten Juumlngerschaft und der geistgewirkten apostolischen Kirche oumlffnete sich

der Heilswillen Gottes zu den Heiden bzw zu allen Menschen ndash zu denken ist va auch an

die paulinischen Gemeindegruumlndungen Briefe und Missionsreisen Durch die

allegorisierende Ausdeutung ist die Parabel aumlhnlich wie das Winzergleichnis zu einer breit

angelegten heilsgeschichtlichen Schau entworfen146 bzw bietet ein bdquogroszliges allegorisches

Panorama der Heilsgeschichte aus der Sicht der mt Gemeindeldquo147 Das Juumlngste Gericht wird

va gedeutet aus 2211-13 (su 34) wo auch die Kirche ndash bis dahin als corpus permixtum

(πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς)148 ndash letztlich geschieden und gerichtet wird149

Dieser uumlberraschende Terminus in 2210 der nun noch thematisiert werden soll steht im

Kontext der Erfuumlllung des koumlniglichen Auftrags alle zur Hochzeitsfeier einzuladen Da

diese Redewendung ungewoumlhnlich ist zugleich unklar bleibt und damit eine Fortsetzung150

verlangt wird haumlufig vertreten dass sie als spaumlterer Einschub die Textteile 2-10 und 11-13

verbinden und die Schlussepisode vorbereiten soll151

34 Das hochzeitliche Gewand ndash Mt 2211-13

Diese uumlberraschende und entscheidende Fortsetzung ist neu sehr charakteristisch fuumlr Mt

und so liegt auf dieser Episode das Gewicht welcher dem ganzen Gleichnis sein spezielles

Profil verleiht Anders als Lk 1423 kommt die Parabel mit der Ladung beliebiger Gaumlste

146Vgl Schnackenburg Mt 208147Kaumlhler Jesu Gleichnisse 131 Vgl auch Diszlige Mt 5 Nach ihm habe Mt die Parabel zu einem bdquoAbriszlig der

Heilsgeschichte vom Auftreten der Propheten des Alten Bundes uumlber die Zerstoumlrung Jerusalems bis zum Juumlngsten Gerichtldquo ausgestaltet (Er zitiert dabei Jeremias Gleichnisse 66) Diszlige ergaumlnzt dabei dass Allegorien-Reihen in sich nicht voumlllig konsistent zu sein brauchen darum koumlnnen zB die Knechte des Koumlnigs auch unterschiedlich interpretiert werden

148Vgl Schlatter Mt 637 Er legt den Zweck der Reihenfolge dar und meint dass τε den staumlrkeren Ton auf das erste Glied legt Dadurch wird die Berufung der Boumlsen hervorgehoben auch Jesus gebrauchte τε oft wenn beide Glieder nicht einander gleichstehen Zudem weist er auf Spr 153 hin wo diese Formel ebenso vorkommt Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er ergaumlnzt dass πονηρούς vorangestellt sind weil sie die fehlende Auswahl bei der Einladung markieren

149Vgl Schnackenburg Mt 210 Fuumlr die Scheidung die erst am Ende erfolgt zieht er ein aumlhnliches Gleichnis heran 1324-3036-43 Vgl auch Wiefel Mt 378 Auch er zieht diese Parallele zu mt Sondergutgleichnissen die auch als Himmelreichgleichnisse gelten Er ergaumlnzt zu Vom Unkraut unter dem Weizen auch noch Vom Fischnetz (1347-52) welches zudem mit πάντας in 1347 mit 2210 (πάντος) zu vergleichen ist Vgl Schlatter Mt 637 Er bestaumlrkt dass mit dieser universalen Wahllosigkeit ndash Boumlse und Gute dh ohne Ruumlcksicht auf das fruumlhere Verhalten ndash bdquodas mit dem Fischergleichnis Gesagte wiederholtldquo wird Vgl auch Jones Mt 405

150Vgl auch Luz Mt 243 Er resuumlmiert dass alle eingeladen werden die gefunden werden nicht Arme oder Bettler wie bei Lk aber Boumlse und Gute Diese Spannung bleibt fuumlr Luz offen und erfordert eine Fortsetzung

151Vgl Fiedler Mt 333 Wiefel Mt 378 Luz Mt 245 Sand Mt 438 oder Schnackenburg Mt 208 Fuumlr ihn leitet dieser Zusatz zum zweiten Teil uumlber bdquoder offensichtlich auf die sich bildende neue Gemeinde die Kirche gemuumlnzt istldquo Die vorfindliche Kirche besteht aus verschiedenartigen Christen Vgl auch Limbeck Mt 247 Er schlieszligt ebenfalls aus dieser Formel dass Mt seine Gemeinde die gesellschaftlicheWirklichkeit schildert Wie andere sieht auch er hierin den dogmatisch-ekklesiologischen Begriff corpus permixtum begruumlndet Vgl auch 1324-3036-43 was oft angefuumlhrt wird Aber unsicher ist in Mt 13 ob dabei an die Gemeinde als corpus permixtum oder ob doch an die ganze Welt gedacht wird die im Gericht ndash wie die Gemeinde auch ndash geschieden wird

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noch nicht an sein letztes Ziel152 Der Koumlnig mit richterlichen Zuumlgen betritt die

Hochzeitsfeier und haumllt eine Musterung bei der hier nun die eschatologische Ausscheidung

der boumlsen Glieder der Kirche veranschaulicht wird153 an einem exemplarisch dargestellten

Mann154 der als unwuumlrdiger Gast kein hochzeitliches Gewand traumlgt vom Gastgeber darauf

angesprochen keine Antwort zu geben weiszlig und daraufhin rausgeworfen wird (2211-13)

bdquoDie Visitation wird zur Allegorie auf das endzeitliche Gerichtldquo155

Auf der Erzaumlhl- bzw Bildebene wirkt diese Begebenheit absurd willkuumlrlich eklatant

ungerecht und irritierend da man den Gaumlsten die man direkt und spontan von den Straszligen

eingeladen hat nicht den Vorwurf machen kann dass sie nicht mit einem hochzeitlichen

Festgewand bekleidet sind widerspricht es nicht auch der eben befohlenen und

ausgefuumlhrten (229f) universalen bedingungslosen und gnaumldigen Einladung156 Auf die

direkte und kompromisslose Anrede des Koumlnigs ndash Ἑταῖρε was bei Mt an allen Stellen

neutral gebraucht wird157 ndash bzw Nachfrage wie er denn ohne Hochzeitsgewand

hineingekommen sei schweigt der ἄνθρωπος Er verstummt aufgrund uumlberraschter

Hilflosigkeit oder weil es einfach keine Entschuldigung dafuumlr gibt158

Bevor nun das Gerichtsmotiv in 2213 und die ekklesiologisch-paraumlnetische Bedeutung des

Gleichnisses diskutiert werden soll va nun die Deutung des Hochzeitskleides ndash auch im

Rahmen seiner Wirkungsgeschichte ndash im Vordergrund der Eroumlrterung stehen Das Fehlen

dieses stellt ja schlieszliglich den Grund des negativen Ausganges der Episode dar Es handelt

sich dabei nicht um ein besonders festliches bzw schoumlnes sondern va um ein sauberes

bzw reines Gewand159 Oft wurde daran gedacht dass jeder Gast solch ein Festkleid beim

Eintritt angeboten bzw geschenkt bekommen habe160 Dieser eine Gast ohne Gewand haumltte

dieses aber abgelehnt Im 18 Jahrhundert ndash als bekannt wurde dass im Orient den Gaumlsten

bei Feiern Kleider geschenkt wurde ndash tauchte diese eigentuumlmliche und einflussreiche

Deutung auf welche ja einleuchtet und gut zum reformatorischen Grundaxiom vom

152Vgl Luz Mt 244 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Vgl auch Wiefel Mt 376 Er erwaumlhnt das Achtergewicht welches ebenfalls dieser Schlussepisode ein besonderes Gewicht zuspricht Vgl dazu Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 40

153Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 und Schnackenburg Mt 439 Der Koumlnig der bisher nur befohlen hat wird nun erstmals selbst aktiv

154Vgl Luz Mt 245 Da es zur Freiheit erzaumlhlerischer Fiktion gehoumlrt beruhigt es nicht dass es nur einem Gast passiert

155Gnilka Mt 240156Diese Merkwuumlrdigkeit ist von fast allen Exegeten hervorgehoben worden Vgl zB Schnackenburg Mt

210 Wiefel Mt 378 Luz Mt 232244 Diszlige Mt 3 oder Limbeck Mt 247157Vgl 2013 die Anrede des Hausvaters im Weinberggleichnis bzw 2650 die Anrede Jesu im Garten

Gethsemane mit der er den Verraumlter Judas begruumlszligt Vgl Sand Mt 439 und Wiefel Mt 378158Vgl Sand Mt 439 Luz Mt 244 Fiedler Mt 334 oder Wiefel Mt 378 Er stellt dar dass das

Verstummen an die Sprachlosigkeit des Schuldigen in der Gerichtssituation erinnere Ob der Mann durch eine moumlgliche Antwort etwas haumltte aumlndern koumlnnen ndash dann waumlre das Verstummen Teil der Ursache des Gerichtsurteils ndash muss offen bleiben

159Vgl Schnackenburg Mt 208 oder Luz Mt 244 Er fuumlhrt fuumlr das Genuumlgen eines normalen sauberen Gewandes folgende Verweise an Billerbeck I 878882 und Jeremias Gleichnisse 186

160Vgl Wiefel Mt 378 Er nennt als Belegstellen Gen 4525 Ri 1412 und 2Kg 522

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geschenkten Glauben bzw der paulinisch gepraumlgten iustitia aliena zu passen scheint

Allerdings ist festzuhalten dass diese Sitte im alten Judentum nicht belegt oder nach-

gewiesen wurde und dass der Text diese Moumlglichkeit auch nicht bietet161

Eine andere Interpretationsmoumlglichkeit die oft in Erwaumlgung gezogen wird und tatsaumlchlich

eine interessante und gute Deutung ermoumlglicht bietet der Blick auf die rabbinische

Tradition in welcher aumlhnliche Gleichnisse zu finden sind162 Dabei handelt es sich zum

einen um Midr Qoh 98 (42a)163 in welchem die weiszligen Kleider und Oumll von Pred 98 ndash

bdquoLass deine Kleider immer weiszlig sein und lass deinem Haupt nicht an Oumll mangelnldquo ndash

gedeutet werden bdquoGleich einem Koumlnigldquo164 der zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu einem

Gastmahl einlud ndash Einige kluge Gaumlste putzen sich und waschen ihre Kleider da sie wissen

dass das Mahl jederzeit beginnen kann Andere toumlrichte Gaumlste gehen zunaumlchst ihren

Geschaumlften nach Als ploumltzlich das Mahl beginnt sind die Klugen vorbereitet die Toumlrichten

nicht und koumlnnen daher auch nicht am Mahl teilnehmen Zum anderen wird Schab 153a

(Rabbi Elieser)165 angefuumlhrt Auf die Aussage bdquoTue Buszlige einen Tag vor dem Todldquo wird der

Rabbi gefragt woher dieser Zeitpunkt denn gewusst werden kann Die Antwort ist dass

aufgrund des Nichtwissens heute und jeden Tag dh lebenslang Buszlige getan werden soll

Zum Abschluss wird wieder Pred 98 zitiert166 Zusammenfassend ist hier die Mahnung zur

staumlndigen Wachsamkeit und zum taumlglichen Bereitsein167 dh Buszlige und Umkehr

verdeutlicht168

161Vgl Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 210 oder Luz Mt 248 Er fuumlhrt die geschichtliche Genese dieser Deutung auf und nennt Francke als kirchengeschichtliches Beispiel Aber auch in der aktuellen Auslegung findet er diese exegetisch nicht haltbare Deutung noch wieder zB bei Lohmeyer Barth oder Haacker Vgl dazu auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141 Er fuumlhrt Bengel an bdquoHaec vestis est iustitia Christildquo (Dies ist die Gerechtigkeit Christi) und zitiert dagegen Schlatter Vgl Schlatter Mt 639f bdquoWird die Erzaumlhlung des Mat dadurch erweitert daszlig der Koumlnig allen auch ein Festgewand angeboten habe so schafft man ein neues Gleichnis das aber in einer anderen Ethik wurzelt als der des Matldquo Dem ist mit Eichholz zuzustimmen Statt einer falschen Harmonisierung von Paulus und Matthaumlus sind die Differenzierungen wichtig und herauszustellen

162Vgl Schnackenburg Mt 208 Sand Mt 439 Luz Mt 245 Limbeck Mt 247f Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 141f Er meint Das bdquoMatthaumlus-Gleichnis wird hier in einer Analogie zum rabbinischen Mahlgleichnis zu interpretieren seinldquo

163Vgl Billerbeck I 878f Dieses juumldische Gleichnis wird dem Rabbi Jochanan (um 80 nChr gestorben) zugeschrieben

164Billerbeck I 878 Die Aumlhnlichkeit zu Mt 222 ist schon am Anfang nicht zu uumlbersehen165Vgl Billerbeck I 878f166Vgl Limbeck Mt 248 Das Gleichnis bezieht sich also auf die Buszlige vor dem ungewissen Zeitpunkt des

Todes Fuumlr ihn war Mt 221ff in der damaligen Zeit also verstaumlndlich bdquoDurchsichtig auf jene letzte alles entscheidende Begegnung des Menschen mit dem richtenden Gottldquo Vgl auch die Parallel Ps 9012 bdquoLehre uns bedenken dass wir sterben muumlssen auf dass wir klug werdenldquo

167Vgl Muumlnch Gleichnisse 214 Er stellt dar dass dieses Stichwort auszligerdem im Gleichnis von den zehn Jungfrauen (2510) auftaucht und zudem ein eschatologisches Geschehen thematisiert (253441) Zu sagen ist an dieser Stelle sicherlich auch dass in der Erzaumlhlung va das Mahl bereit ist nicht nur die Gaumlste die sich vorbereiten bzw bereit halten sollen

168Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Er zieht neben Midr Spr 1611 auch noch Seph 17-9 (LXX) heran wo in 8 das ἐνδεδυμένον ἔνδυμα von 2211 vorweggenommen ist Dabei finden sich weitere aumlhnliche Elemente Tag des Herrn als Gerichtstag Koumlnig Opfervieh Berufene Verdammung der Fuumlhrenden und aller die fremde Kleider tragen Vgl dagegen Diszlige Mt 4 Er wendet sich gegen die Parallelitaumlt dieser rabbinischen Texte denn diese (Schab 153a oder Midr Qoh 98) unterscheiden sich fuumlr ihn deutlich in der Zielrichtung im Vergleich zu Mt 221-14 Das Bereitsein fuumlr das Kommen des Koumlnigs passe bei

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bdquoUmkehr im Sinne Jesu hellip ist Hochzeitskleid hellip ist Freudeldquo169

Auch andere biblische Motive werden in der Episode 11-13 aufgenommen bzw koumlnnen fuumlr

die Deutung des Hochzeitskleides hilfreich sein welches aufgrund seiner Metaphorik dazu

anregt Apokalyptische Texte sprechen von reinen Gewaumlndern als Zeichen der

Schuldlosigkeit und Schuldvergebung (Sach 33-5 Offb 34f18) bzw als Symbol gerechter

Taten der Heiligen (Offb 198f su)170 Apokalyptische Texte sprechen zudem auch vom

unvergaumlnglichen Gewand des Lebens bzw der Herrlichkeit (aumlth Hen 6214-16)171 Va aber

Jes 6110 ist als deutliche und gepraumlgte Traditionsparallele heranzuziehen bdquoIch freue mich

im Herrn und meine Seele ist froumlhlich in meinem Gott denn er hat mir die Kleider des

Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet wie ein Braumlutigam

mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut die in ihrem Geschmeide

prangtldquo Dabei klingt also neben dem Motiv der Hochzeit besonders die bdquoTeilhabe am

endzeitlichen Heil als dem Menschen zugemessenes Gewandldquo172 an

Sinnvoll ist es zusaumltzlich den Sinn aus den beiden mt Parallelgleichnissen zu konstruieren

Dabei wuumlrde das Gewand dem Gehorsam gegenuumlber dem Willen des Vaters (2131) und

den Fruumlchten bzw guten Werken (214143) entsprechen173 Im gesamten mt Kontext

gesehen gilt auch was Allen meint bdquoThe wedding garment obviously symbolises a

condition of readiness and equipment with the necessary qualification What this is need

not be further defined than by saying that it is the righteousness obtained by obdience to

Christs teaching 520 or by doing the will of God 721 or the moral qualifications which

Christ recommends 183 or confession of Him before men 1032ldquo174 Das Kleid muss also

etwas bezeichnen bdquofuumlr das der Mensch die Verantwortung traumlgt hellip das Tun der

13 Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 333 und Linnemann Gleichnisse Jesu 170 Sie sieht bdquoerhebliche Unterschiedeldquo zu den rabbinischen Texten Vgl Allen Mt 236 Er sieht richtigerweise die Verbindung zu The parable of the Tares (1324-3036-43) und va auch zu bdquothat of the Virgins 251-13ldquo Dennoch koumlnnen ndash trotz des teilweise berechtigen Einwandes von Diszlige ndash mE die rabbinischen Parallelen zum Verstaumlndnis etwas Erhellendes beitragen

169Jeremias Gleichnisse 189 Er zitiert dabei Schniewind ndash Die Freude der Buszlige ndash und ergaumlnzt bdquoAber echt ist die Heimkehr nur wenn sie das Leben erneuertldquo Vgl auch Linnemann Gleichnisse Jesu 102 Sie zitiert ebenso Schniewind bdquoWenn du zu Gottes Mahl geladen wirst sieh wohl zu daszlig du bereitet bistldquo

170Vgl Luz Mt 245 Er ergaumlnzt dass bdquobekleidenldquo haumlufig mit Tugenden bzw Lastern in Verbindung gebracht wird Vgl auch Gal 327 oder Kol 312ff

171Vgl Luz Mt 245 und Sand Mt 440 Vgl 2Kor 53 5Esr 244 und sl Hen 228 fuumlr Verbindung mit himmlischer Mahlzeit aumlth Hen 711 fuumlr weiszlige Kleider der Engel und aumlth Hen 6216 als paraumlnetische Spitze dafuumlr dass das Kleid nicht alt bzw unansehnlich werden und nicht gegen ein irdisches eingetauscht werden darf Vgl sl Hen 9

172Vgl Wiefel Mt 378 Vgl auch Sand Mt 440 Er meint dass Gottes Heil wie ein Kleid fuumlr die eschatologische Hochzeit ruumlstet Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Seiner Meinung nach ist bei Mt 22 nicht an dieses jesajanische Heilsgewand ndash so zB auch Jeremias ndash zu denken

173Vgl Luz Mt 245248f Fuumlr ihn ist bei Mt klar an Werke zu denken bdquoVon Mt her gesehen ist beim Hochzeitskleid klar an die Werke und nicht an den Glauben zu denkenldquo Vgl auch Kaumlhler Jesu Gleichnisse 133 Fuumlr ihn stellt das Gewand das der Basileia gemaumlszlige Tun dar

174Vgl Allen Mt 236 Vgl auch aumlhnlich Gnilka Mt 241 und Hasler Koumlnigliche Hochzeit 30 Er summiert die bessere Gerechtigkeit (520) und das Tun der Gottesforderung (zB 716ff 2540) Vgl Juumllicher Gleichnisreden 428 Er verweist ebenso auf die Werke der Gerechtigkeit die Mt 2535ff auflistet

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Gerechtigkeit (vgl 315)ldquo175

Eine groszlige Spannweite ergibt sich auch bei einem Blick auf die Wirkungsgeschichte der

Deutung des ἔνδυμα γάμου Die Vaumlter der Alten Kirche deuteten das Kleid allegorisch auf

die Heiligkeit des Fleisches (Tertullian) die guten Werke (Irenaumlus Origenes

Chrysostomus Hieronymus) die Liebe (Augustinus) aber auch die Taufe (Ps Clem Hom

822) den Heiligen Geist (Hilarius) oder Christus der bei der Taufe angezogen wird

(Thomas von Aquin mit Bezug auf Roumlm 1314 Gal 327 auch Augustinus)176 In der

Reformation wird im Kleid va der Glaube gesehen bei Zwingli zB die fides interna dh

der aktive Glaube der durch die Liebe und gute Werke taumltig ist so auch Luther177 Luther

kann aber auch die thomistische Deutung auf Christus annehmen bdquoDer Glaube an Christus

ziehet Christus an das hochzeytt kleydt ist Christusldquo178 So ist es mE einleuchtend die

verschiedenen Akzente der Deutung des Hochzeitskleides nicht gegeneinander

auszuspielen sondern komplementaumlr miteinander zu sehen Das Bereitsein das Heil bzw

die Gerechtigkeit die guten Werke aber auch die Deutungen der Kirchenvaumlter und

Reformatoren sind durchaus bedenkenswert179

In 2213 tauchen schlieszliglich ndash innerhalb der eschatologisch zu deutenden Gerichtsszene ndash

die διακόνοις als koumlnigliche Helfer auf Dieser Wechsel ndash Diener statt Knechte (222-10)

der fuumlr einige Exegeten die Eigenstaumlndigkeit der Episode 11-13 untermauert (so 22) laumlsst

aber wahrscheinlich auf eine andere Personengruppe schlieszligen Die Diener nehmen als

Tischdiener eine ungewoumlhnliche Funktion wahr Als Schergen des Koumlnigs werfen sie den

Verurteilten in die aumluszligerste Finsternis180 sie werden auch als bdquoangelsldquo181 dh naumlher als

Gerichtsengel angesehen182 Der Vollzug derselben ist sehr drastisch dargestellt Fesselung

von Haumlnden und Fuumlszligen (mehr als 2530) Hinauswerfen in die aumluszligerste Finsternis und das

175Gnilka Mt 241176Vgl Diszlige Mt 7 Luz Mt 248 oder Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142177Vgl Diszlige Mt 7178Zitat Luthers (WA 10 III 413) bei Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142179Vgl aumlhnlich auch Luz Mt 250f Er versteht die protestantische Umakzentuierung des Hochzeitskleides

auf den Glauben - von Paulus her ndash als Erweiterung des mt Textes welcher das Sinnpotential der Voraussetzungslosigkeit des Rufs zum Mahl erschlieszligt bdquoVielleicht kann man den mt Textsinn und die protestantische Auslegungstradition als komplementaumlre Akzentuierungen des Evangeliums verstehen die im ganzen beide durch die Jesustradition gedeckt sindldquo Dadurch kann auch auf der einen Seite die Gefahr des notwendigen Leistungsnachweises im Gericht und auf der anderen Seite die der Abwertung der Werke zu etwas was die menschliche Identitaumlt nicht mehr betrifft abgewendet werden

180Vgl Luz Mt 232 Er fuumlhrt auch die Deutungen von Hasler und Bindemann an die ndash auf die Gemeindesituation gerichtet ndash an Diakone denken Vgl Bindemann Mahl 23-25 Fuumlr ihn der die Parabel durchgaumlngig ekklesiologisch deutet schimmert in 11-14 eine fruumlhchristliche Gemeindeordnung durch So interpretiert er das Gewand auch nicht allegorisch sondern wortwoumlrtlich als einen Terminus einer konkreten Situation in der Gemeinde Er verortet es daher in streng judenchristliche Kreise fuumlr die das Zeremonialgesetz noch Guumlltigkeit besaszlig

181Albright Mt 269182Vgl Juumllicher Gleichnisreden 425 Er verweist auch auf Joh 259 und Est 110 22 6135 Vgl auch

Luz Mt 244 Er nennt erneut das Unkraut- bzw Weizengleichnis als Parallele (1341f49) Er merkt an dass dem Leser spaumltestens hier klar wird dass die Parabel von der Sache her die sie erzaumlhlen will konstruiert ist und in Wirklichkeit vom Juumlngsten Gericht und der Houmllle spricht

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dortige Heulen und Zaumlhneknirschen183 Dabei werden gepraumlgte refrainartige Motive

verwendet Der Ort des Verderbens ist durch Heulen bzw Zaumlhneklappern gekennzeichnet

(813 1342 und 2451)184 und die aumluszligerste Finsternis ist ein verwendetes Bild fuumlr die Strafe

und den Ausschluss vom Gottesreich185 Die Verbindung von Mahl- und

Gerichtsmetaphorik entstammt atl bzw juumldischer Eschatologie186

Resuumlmierend moumlchte Mt in 11-13 vor einer falschen Sicherheit der Glieder der Gemeinde

warnen187 zudem vor der Missachtung der ethischen Verpflichtungen188 Das Gericht uumlber

Israel darf fuumlr die Gemeinde keine Selbstsicherheit bedeuten sondern soll sie warnen189

Nachdem in 228 die Unwuumlrdigkeit der Erstgeladenen festgestellt und neue Gaumlste zunaumlchst

unabhaumlngig ihrer Wuumlrdigkeit eingeladen wurden wird nun in 11-13 ndash staumlrker paraumlnetisch

akzentuiert ndash die Vorstellung einer persoumlnlichen Wuumlrdigkeit in aller Schaumlrfe

herausgestellt190

Es geht daher also um eine Entsprechung zur Einladung191 die bdquokein Garantiescheinldquo192 ist

bdquoLa grace a un prixldquo193 So koumlnnte ndash innerhalb der reformatorischen Rechtfertigungslehre ndash

von einer forensischen Rechtfertigung gesprochen werden Durch die angenommene

183Vgl Diszlige Mt 2 Die Kombination der letzten beiden Elemente wird auch in Mt 812 und 2530 erwaumlhnt184Vgl Wiefel Mt 378 und Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Er erkennt dass unsicher ist ob dieser

Versteil (13c) dem Koumlnig in den Mund zu legen ist oder ob er bereits einen Kommentar darstellt185Vgl 812 134250 2451 und 2530 Vgl auch Schnackenburg Mt 210186Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 61187Vgl Limbeck Mt 248 und Schnackenburg Mt 210 Er sagt dass Mt mit der Hinausweisung seiner

Gemeinde einen warnenden Spiegel vor Augen halten will Vgl Wiefel Mt 376 Er bekraumlftigt dass die Geschichte Israels zum warnenden Beispiel innerkirchlicher Paraumlnese wird bdquoDem zeitlichen Strafgericht uumlber die Stadt der Erstgeladenen tritt die ewige Strafe fuumlr die unwuumlrdigen Nachberufenen an die Seiteldquo Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er akzentuiert das Gericht uumlber Israel als ein Exempel fuumlr moumlgliches Gericht uumlber Christen Vgl auch Luz Mt 249 bdquoZur Gemeinde gerufen zu sein bedeutet noch laumlngst nicht gerettet zu sein Auch die Gemeinde wird die Basileia nur empfangen soweit sie ihre Fruumlchte bringt (2143)ldquo muss auch Juumlngstes Gericht bestehen bdquoDas Ende der besonderen Heilsgeschichte Israels bedeutet keineswegs daszlig nun die Gemeinde das Heil nicht mehr verlieren kann Auch ihr steht das Schicksal Israels als eigene Moumlglichkeit bevorldquo Vgl auch 23 und 2442-2530 aumlhnliches Nebeneinander von Gerichtsansage an Israel und Warnung an die Gemeinde Vgl dagegen Bindemann Mahl 21f Er spricht sich gegen eine zu stark paraumlnetische Tendenz der Erzaumlhlung aus

188Vgl Diszlige Mt 7 Er meint mit 11-14 solle dem Missverstaumlndnis gewehrt werden dass es ndash nach der wahllosen Einladung ndash auf das Verhalten der Menschen uumlberhaupt nicht mehr ankomme Vgl auch Jeremias Gleichnisse 62 Er sagt aumlhnlich dass 11-13 bdquodas Prinzip der Wuumlrdigkeit nachtraumlgt und die Umkehr als die Voraussetzung fuumlr das Bestehen im Gericht einschaumlrftldquo

189Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144190Vgl Wiefel Mt 376 bdquoDie Bedingungslosigkeit der Einladung hebt fuumlr Matthaumlus die Frage nach

subjektiver Eignung und Wuumlrdigung nicht aufldquo191Vgl Sand Mt 440 und Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142 Er betont dass im Leben des

geladenen Gastes des Christen nun nicht alles beim alten bleiben koumlnne192Luz Mt 249 Er aumluszligert dass man das Heil nicht besitze es sei verlierbar und durch Werke zu bewaumlhren

bdquoEs genuumlgt nicht berufen ndash dh getauft ndash zu sein es genuumlgt nicht die Einladung zum Hochzeitsmahl angenommen zu haben Es kommt vielmehr darauf an wie wir am Ende vor Gott aussehenldquo

193Marguerat bei Kaumlhler Jesu Gleichnisse 134 Er argumentiert dass dabei die drohende Paraumlnese (der Gemeindeleitung die das Schlimmste befuumlrchtet) den Ton traumlgt (721ff 2410ff) Die mt Gemeinde wird aufgefordert die Aufgabe wahrzunehmen die sich aus der unbeschraumlnkten Gabe bzw Einladung ergibt (Vgl 2820) Zu ergaumlnzen ist hier auch die unterscheidenden Termini der billigen und teuren Gnade von Bonhoeffer Vgl auch Schlatter Mt 638 Er artikuliert dass die empfangene Gnade nicht missachtet werden darf sondern dass auf die Berufung die Bewaumlhrung folgt So resuumlmiert er bdquoDer Schluss der Erzaumlhlung waumlchst in strenger Folgerichtigkeit aus dem Vorangehenden herausldquo

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universale Einladung bzw das Hineintreten dh der Taufe oder durch das Anziehen des

Mantels des Heils bzw das Anziehen Christi ndash welche aber die effektive Rechtfertigung

keineswegs ausschlieszligt sondern komplementaumlr mit einschlieszligt Dh dass der gnaumldigen

Einladung die guten Werke die Fruumlchte des Glaubens (2143) der Gehorsam des

Vaterwillens (2128-32) bzw das Tun des Gerechten folgen muss Beide Seiten sind

verbunden im Glauben welcher Gabe und Aufgabe ist und im Bereitsein welches aktiv

und passiv sowie vorbereitet und empfangend wartet auf die koumlnigliche Hochzeitsfeier

35 Die Warnung ndash Mt 2214

Das abschlieszligende Logion als abschlieszligendes Deutewort welches im NT nur bei Mt und

nur hier vorkommt ist parallel aufgebaut und schlieszligt die Parabel scheinbar unpassend

ab194 Dabei stehen Viele und Wenig sowie Gerufene und Erwaumlhlte antithetisch bzw

kontrastierend gegenuumlber195 was dieses sprichwortartige Schlusswort als

zusammenfassende Sentenz mit absolutem Charakter bzw als allgemeinen Satz verstaumlrkt196

Es stammt evt aus dem Umkreis der apokalyptischen Tradition 4Esr 83

bdquoViele sind geschaffen wenige aber gerettetldquo197 Diese Abschlusssentenz ist besonders als

Warnung ndash va fuumlr die christliche Gemeinde ndash zu deuten198 Dabei wird der Gedanke der

endzeitlichen Scheidung zugespitzt und die paraumlnetische Absicht verdeutlicht199

194Vgl Limbeck Mt 249 und Wiefel Mt 378 Er meint dass 2214 nicht zum Vorhergehenden passe da vorher die Nichterwaumlhlten als Ausnahme galten was in 2214 nun bdquoandersrumldquo sei Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Auch fuumlr ihn erscheint es unlogisch in Bezug zu 11-13 da der Saal doch eigentlich voll sei und nun von nur Wenigen gesprochen wird Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 bdquoObwohl nur ein Einziger am Festmahl nicht teilnehmen darf spricht V 14 dennoch nur von wenigen Erwaumlhltenldquo Hasler deutet diese quantitativen Angaben heilsgeschichtlich als die Vielen des alten und die Wenigen des neuen Bundes Zu beachten ist dagegen dass der eine Gast ein Beispiel fuumlr viele andere war

195Vgl auch ὃς μὲν ndash ὃς δὲ Vgl Gnilka Mt 241 und Limbeck Mt 249 Formel bdquoGerufene und Erwaumlhlteldquo findet sich auch in Offb 1714 wobei Mt den zweiten Ausdruck von Mk uumlbernimmt (13202227)

196Vgl Muumlnch Gleichnisse 259 Sand Mt 439 Vgl auch Luz Mt 231 Seiner Meinung nach kann 2214 am ehesten als bdquoKommentar des Erzaumlhlers Jesusldquo verstanden werden

197Vgl Wiefel Mt 378 Luz Mt 246 und Fiedler Mt 334 Er ergaumlnzt aber dass 2214 nichts mit dem Pessimismus von 4Esr 81-3 zu tun hat

198Vgl 1930 und 2016 Vgl auch Schnackenburg Mt 208210 Linnemann Gleichnisse Jesu 103 und Luz Mt 246 bdquoSowohl fuumlr Israel als auch fuumlr die Heidenkirche gilt daszlig alle eingeladen nur wenige abergerettet werdenldquo Vgl dagegen Gnilka Mt 241f Er bezieht den Vers 2214 ndash welcher die Antwort auf die Frage wer gerettet sei (die Erwaumlhlten) gibt ndash nur auf 8ff und nicht auf die Kirche

199Vgl 713f Vgl auch Wiefel Mt 378 und Albright Mt 269 bdquoMany are called into the Messianic Kingdom but few will be finally chosen for the Fathers Kingdom at the judgementldquo Vgl auch Schnackenburg Mt 210 Er stellt zudem dar dass dabei die goumlttliche Erwaumlhlung und die menschliche Bewaumlhrung sich nicht gegenseitig ausschlieszligen und dass diese nicht als Gnadentat und menschliches Muumlhen gegeneinander ausgespielt werden duumlrfen Vgl aumlhnlich Fiedler Mt 334 und Luz Mt 246 Es geht fuumlr ihn nicht um einen theoretischen Lehrgrundsatz uumlber die goumlttliche Erwaumlhlung Fuumlr Mt sei ein freier Wille klar und dadurch die Moumlglichkeit durch Werke die goumlttliche Berufung zu bewaumlhren

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4 Zusammenfassung

bdquoAlles ist bereit Kommt zum Mahl hellip bdquoGeht hin und wen immer du findest lade einldquoldquo200

Gott laumldt alle bedingungslos ein dh Gott ruft alle ndash doch dieser Be-Rufung201 zum ewigen

und himmlischen (eschatologischen) Hochzeitsmahl Gottes muss jeder auch gerecht

werden Die Parabel spricht also der damaligen und heutigen Gemeinde Jesu Gesetz und

Evangelium ndash in umgekehrter Reihenfolge ndash gleichermaszligen zu

Heilsgeschichtlich werden zunaumlchst die Juden eingeladen (2234f) Nach ihrer Ablehnung

(2235f) werden die Menschen von den διεξόδους τῶν ὁδῶν dh die Fremden bzw Heiden

bedingungslos und allgemein eingeladen (228-10 vgl Roumlm 9-11) Aber bdquodie Einladung

verpflichtet auchldquo202 bdquoHat einer Gottes Einladung angenommen dann muszlig er sich dieser

Einladung wuumlrdig erweisenldquo203 Und so ergeht der dringende Appell dem Ruf im Leben

ganz zu entsprechen (2211-13) Dazu passt auch abschlieszligend 2214 Denn viele sind

berufen dh gerufen und eingeladen aber wenige sind auserwaumlhlt dh nicht alle

Eingeladenen sind richtig bekleidet und haben sich nicht als wuumlrdig erwiesen

Die Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier ist dabei eingebettet in den naumlheren und

weiteren Kontext Der enge Bezug zum Winzergleichnis (2133-46) ist ebenso deutlich

geworden wie die Verbindung zum gesamten mt Kontext Hervorzuheben sind zB Mt 37-

10 ndash Umkehrruf und entsprechende Frucht ndash das Gerichtswort in Mt 811f die

Aussendungsrede in Mt 10 das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom

Fischnetz in Mt 13 bezogen auf die Zerstoumlrung Jerusalems Mt 23f und das Gleichnis von

den toumlrichten und klugen Jungfrauen in Mt 25204 Im synoptischen Vergleich (Lk 1416-24)

wurden die Parallelitaumlt aber auch einige Differenzen herausgearbeitet Dabei fiel auf dass

bei Lk alle koumlniglichen hochzeitlichen und gerichtlichen Motive fehlen Zudem werden bei

Mt einige stehende Metaphern und gepraumlgte Motive va aus der juumldischen dh atl und

rabbinischen Tradition und auch der ntl aufgenommen was die Differenz zu Lk ua

2002248 Vgl Reiser Gerichtspredigt 230 Er sieht diese Einladung zum eschatologischen Mahl des Reiches Gottes als die sachgerechte Zusammenfassung der Botschaft bzw Sendung Jesu (Vgl Mk 115) und als Hauptthema dieser ganzen Parabel Vgl auch Soumlding Festmahl 67f 2248 bdquoist eine signifikante Variation der ureigenen Botschaft Jesuldquo Das Hauptthema ist fuumlr ihn die von Jesus verkuumlndete Gottesherrschaft bdquoDie Basileia ereignet sich als Einladung an ihr teilzunehmen und sie spricht die Einladung so aus daszlig schlieszliglich das Festmahl doch mit einer Fuumllle von Gaumlsten gefeiert werden kann hellip Gott konstituiert sich sein Volkldquo Die Warnung dagegen lenke das Augenmerk auf die Reaktion der Menschen nicht auf Gottes Aktion Die Bildung des eschatologischen Gottesvolkes durch die Verkuumlndigung der Basileia Dies ist ein richtiger und noumltiger Akzent

201So Titel dieser Arbeit Vgl die in der Wortanalyse (223) eroumlrterte vielfaumlltige und zentrale Verwendung dieses Wortstammes in 221-14 Daran anknuumlpfend ist zu sagen dass die eben dort erarbeitete Analyse von gehen in seiner Relevanz bisher kaum bzw nicht von den Exegeten genannt ist Das jeweilige ab- bzw hinwendende Gehen ist als direkte Reaktion auf das Rufen zu verstehen

202Eichholz Gleichnisse der Evangelien 142144203Sand Mt 440 Vgl auch Gnilka Mt 242-244 Das Thema der Parabel ist fuumlr ihn die Geschichte Gottes

mit seinem Volk als Geschichte der Himmelsherrschaft Zwischen Berufung und Erwaumlhlung liege die Bewaumlhrung Bei diesen Werken als Kriterium spricht er die Gefahr der Werkgerechtigkeit an Der Erwaumlhlungsgedanke schlieszlige zudem die menschliche Freiheit nicht aus

204Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er nennt auch die Naumlhe zur gesamt-mt Linie

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begruumlndet Als damals gelaumlufige Metaphern werden verwendet als dominante Hauptfigur

der Koumlnig als Gott der Sohn als Jesus die Hochzeitsfeier im Besonderen als

eschatologische Vollendung und Freudenzeit des Himmelreiches die Knechte als Profeten

(evt atl und ntl) die Erstgeladenen als das ganze juumldische Volk im Allgemeinen ndash dabei ist

nicht nur aber auch besonders an die Hohenpriester und Pharisaumler zu denken ndash und die

Zweitgeladenen als Fremden dh Heiden Zu dieser heilsgeschichtlichen Perspektive

kommt die Zerstoumlrung Jerusalems und das Juumlngste Gericht hinzu205 Das Gericht ndash bzw die

Warnung davor ndash an Israel wird in 11-13 gerichtsparaumlnetisch auch als Moumlglichkeit fuumlr die

Kirche betrachtet Dabei sind Bild- und Sachebene jeweils deutlich zu unterscheiden ndash nicht

zu trennen ndash das Allegorische der mt Parabel ist dabei insgesamt sehr deutlich geworden

Als pragmatischer Zweck kann demnach also die typisch mt katechetische bzw kirchlich-

unterweisende Orientierung ndash das Betonen des Houmlren und Tuns des handlungsorientierten

und praktischen Christentums ndash herausgestellt werden Dabei ist sicherlich ekklesiologisch

an die Gemeindesituation gedacht in der konfliktbewaumlltigend Verfehlungen aufgegriffen

und zu Loumlsungen (Vgl Mt 13 und 18) ermuntert wird Es erfolgt eine Abgrenzung nach

Innen und Auszligen bei welcher das eschatologische Gerichtsmotiv innerhalb einer

heilsgeschichtlichen Gesamtschau nicht abschreckend sondern paraumlnetisch und

verhaltensprofilierend aufgenommen und gebraucht wird (Vgl auch Mt 7) Durch dieses

warnende Mahnen soll zum Bekleiden des Hochzeitsgewandes ndash zB also zu guten

Fruumlchten ndash aktiviert und aufgefordert werden wobei das Gericht an Israel welches der

Trennung zwischen Judentum und Kirche den Impuls gibt nicht Selbstsicherheit geben

sondern die warnende Funktion verstaumlrken soll Heilsgeschichtliche und eschatologische

Metaphern der Parabel von der koumlniglichen Hochzeitsfeier werden also verbunden und

ekklesiologisch dh katechetisch und va paraumlnetisch gedeutet und angewendet206

Luther ist mit seiner Deutung in seinem Predigtschluss (so 1) also Recht zu geben wobei

bei ihm an dieser Stelle aber nicht alle wichtigen Aspekte genannt werden was aber auch

nicht Aufgabe einer Predigt sondern eher einer Exegese sein sollte

bdquoHalleluja Denn der Herr unser Gott der Allmaumlchtige hat das Reich eingenommen Lasst uns freuen und froumlhlich sein und ihm die Ehre geben

denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet Und es wurde ihr gegeben sich anzutun mit schoumlnem reinem Leinen Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen

Und er sprach zu mir Schreibe Selig sind die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind Und er sprach zu mir Dies sind wahrhaftige Worte Gottesldquo (Offb 196b-9)

205Vgl Schnackenburg Mt 209 Er aumluszligert dass die Geschichte Israels bis zur Zerstoumlrung Jerusalems einbezogen wird doch die endzeitliche Hochzeit der eigentliche Blickpunkt ist Alle Motive verbinden sich in einer zeitbezogenen und doch auf das Ende gerichteten Darstellung

206Sichtbar wird also eine fuumlr Mt typische Verklammerung von Paraumlnese (va 2211-13) und Heilsgeschichte (va 2-10) bzw Eschatologie (va 713) und Ekklesiologie Vgl auch Luz Mt 234 Vgl auch Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 Er hebt richtig hervor dass 221-14 in bdquoeine paraumlnetische Grundlinie des ganzen Matthaumlus-Evangeliums hineingehoumlrtldquo und dabei das mt Kirchenverstaumlndnis zum Ausdruck kommt Diese Paraumlnese ist zugleich in den Missionsbefehl mit hineingenommen

- 28 -

5 Literatur- und Abkuumlrzungsverzeichnis

Abkuumlrzungen

Die Abkuumlrzungen dieser Arbeit richten sich nach Schwertner Siegfried IATG Berlin und

New York 21992 Im Besonderen seien hier Folgende aufgefuumlhrt

AT - Altes Testament

aumlth Hen - Aumlthiopisches Henochbuch

atl - alttestamentlich

bzw - beziehungsweise

dh - das heiszligt

ebd - ebenda

evt - eventuell

Lk - Lukas (aumlhnlich andere biblische Buumlcher)

lk - lukanisch

LXX - Septuaginta

mE - meines Erachtens

Midr - Midrasch

Mt - Matthaumlus

mt - matthaumlisch

nChr - nach Christus

NT - Neues Testament

ntl - neutestamentlich

Ps Clem Hom - Pseudo-Clement Homiliae

Q - Spruch- bzw Redequelle

sl Hen - Slawisches Henochbuch

so - siehe oben

su - siehe unten

ua - unter anderem

va - vor allem

vgl - vergleiche

zB - zum Beispiel

zT - zum Teil

Kapitel- und Versangabe

22xx =Mt 22xx

nur xx = Mt 22xx

Literaturverzeichnis

ndash Albright William Foxwell Matthew Introduction translation and notes The

Anchor Bible New York 1971

ndash Allen Willoughby C A critical an exegitcal commentary on the gospel according to

St Matthew Wiltshire 31993

ndash Billerbeck Paul (ua) Das Evangelium nach Matthaumlus Erlaumlutert aus Talmud und

Midrasch Erster Band Muumlnchen 61974

ndash Bindemann Walther Das Mahl des Koumlnigs Gruumlnde und Hintergruumlnde der

Redaktion von Mt 221-14 in Rogge Joachim (ua) Theologische Versuche XV

Berlin 1985 21-29

ndash Diszlige Andreas 28 Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 221-14 1-8 [abgerufen unter

wwwPerikopende am 21072010]

ndash Eichholz Georg Gleichnisse der Evangelien Form Uumlberlieferung Auslegung

Neukirchen-Vluyn 31979

ndash Fiedler Peter Das Matthaumlusevangelium Stuttgart 2006

ndash Gnilka Joachim Das Matthaumlusevangelium II Teil Kommentar zu Kap 141 ndash

2820 und Einleitungsfragen Freiburg (ua) 1988

ndash Harnisch Wolfgang Die Gleichniserzaumlhlungen Jesu Eine hermeneutische

Einfuumlhrung Goumlttingen 31995

ndash Hasler Victor Die Koumlnigliche Hochzeit Matth 221-14 in Staumlhlin Ernst (ua)

ThZ 18 Basel 1962 25-35

ndash Jeremias Joachim Die Gleichnisse Jesu Berlin 71972

ndash Jones Ivor The Matthean parables A Literary and Historical Commentary Leiden

1995

ndash Juumllicher Die Gleichnisreden Jesu 2 Teil Auslegung der Gleichnisreden der drei

ersten Evangelien Freiburg iB 1899

ndash Kaumlhler Christoph Jesu Gleichnisse als Poesie und Therapie Versuch eines

integrativen Zugangs zum kommunikativen Aspekt von Gleichnissen Jesu

Tuumlbingen 1995

ndash Limbeck Meinrad Matthaumlus-Evangelium SKK 1 Stuttgart 1991

ndash Linnemann Eta Gleichnisse Jesu Einfuumlhrung undAuslegung Goumlttingen 71961

ndash Linnemann Eta Uumlberlegungen zur Parabel vom groszligen Abendmahl in Eltester

Walther ZNW 51 Berlin 1960 246-255

ndash Luther Martin Die Predigten Band 8 in Luther deutsch Die Werke Martin

Luthers in neuerer Auswahl fuumlr die Gegenwart Hrsg Von Kurt Aland Goumlttingen 31991 (Hier va 390ff vgl WA 37 180-183)

ndash Luz Ulrich Das Evangelium nach Matthaumlus EKK I3 Mt 18-25 Zuumlrich (ua)

1997

ndash Muumlnch Christian Die Gleichnisse Jesu im Matthaumlusevangelium Eine Studie zu

ihrer Form und Funktion Neukirchen-Vluyn 2004

ndash Reiser Marius Die Gerichtspredigt Jesu Eine Untersuchung zur eschatologischen

Verkuumlndigung Jesu und ihrem fruumlhchristlichem Hintergrund Muumlnster 1990

ndash Sand Alexander Das Evangelium nach Matthaumlus Regensburg 1986

ndash Schnackenburg Rudolf Matthaumlusevangelium 1621-2820 NEB 1 Wuumlrzburg 21994

ndash Schlatter Adolf Der Evangelist Matthaumlus Seine Sprache sein Ziel seine

Selbststaumlndigkeit Stuttgart 1929

ndash Schottroff Luise Die Gleichnisse Jesu Guumltersloh 2005

ndash Schottroff Luise Verheiszligung fuumlr alle Voumllker (Von der koumlniglichen Hochzeit) ndash Mt

221-14 in Zimmermann Ruben Kompendium der Gleichnisse Jesu Guumltersloh

2007 479-487

ndash Soumlding Thomas Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 1416-24 par Mt 221-10) Zur

ekklesiologischen Dimension der Reich-Gottes-Verkuumlndigung Jesu in Ders (ua)

Ekklesiologie des Neuen Testaments FS Kurt Kertelge Freiburg (ua) 1996 56-84

ndash Stauffer Ethelbert Art γάμος in Kittel Gerhard Theologisches Woumlrterbuch zum

Neuen Testament I Stuttgart 1933 646-655

ndash Voumlgtle Anton Die Einladung zum groszligen Gastmahl und zum koumlniglichen

Hochzeitsmahl Ein Paradigma fuumlr den Wandel des geschichtlichen

Verstaumlndnishorizonts in Ders Das Evangelium und die Evangelien Beitraumlge zur

Evangelienforschung Duumlsseldorf 1971 171-218

ndash Voumlgtle Anton Gott und seine Gaumlste Das Schicksal des Gleichnisses vom groszligen

Gastmahl (Lukas 1416b-24 Matthaumlus 222-14) Neukirchen-Vluyn 1996

ndash Wiefel Wolfgang Das Evangelium nach Matthaumlus Leipzig 1998

Selbststaumlndigkeitserklaumlrung

Hiermit erklaumlre ich Jonas Groszligmann ausdruumlcklich dass es sich bei dieser von

mir eingereichten schriftlichen Hausarbeit um eine von mir selbststaumlndig und

ohne fremde Hilfe verfasste Arbeit handelt Dabei wurden keine anderen als

die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet sowie Zitate kenntlich

gemacht

_______________ __________________

Ort Datum Unterschrift

Page 9: Gott ruft alle – diese Be-Rufung verpflichtet · Im größeren Rahmen stehen die Ereignisse, die zur Passion führen werden (vgl. in 21,46 den Plan, Jesus zu verhaften). Als Szenerie

Aufgrund dessen wird die erste Einladung und deren Absage in 3 mit der zweiten

Einladung und deren parallele Absage in 4-7 verbunden Es liegt dabei eine Steigerung vor

dh in 4-7 fuumlhrt die ausfuumlhrlichere geduldige und gesteigerte Einladung zu einer

entsprechend gesteigerten Ablehnung die sich in Misshandlung und Toumltung der Knechte

ausdruumlckt Es folgt ndash erst dann ndash eine koumlnigliche Reaktion in 6f bevor in 8ff die dritte

Einladung an nun andere bisher Ungeladene ergeht und erfolgreich ist39

224 Form

Formal liegt eine Parabel vor Eine Parabel thematisiert im Gegensatz zum Gleichnis wo

das Typische und Regelhafte zur Sprache kommt einen praumlgnanten Einzelfall bzw bdquoein

Ereignis einmaliger besonderer nicht-alltaumlglicher Artldquo40 wie es in Mt 221-14 klassisch

vorliegt Naumlher kann 221-14 in die eschatologischen Gleichnisse bzw

Himmelreichparabeln eingeordnet werden41 Stilgemaumlszlig ist der Bezug zur Sachhaumllfte durch

eingefuumlgte Allegorien klar sichtbar gemacht wobei in 11-13 die Bildhaumllfte absurd wird und

nur noch als allegorische Verschluumlsselung einer Sachhaumllfte verstaumlndlich ist Daher ist in

dieser Episode folgende Tendenz festzustellen Weg von der Parabel hin zum allegorischen

Text42

23 Paralleltexte Quellen und Herkunft

Der synoptische Vergleich zeigt dass in Lk 1416-24 ein Paralleltext ndash eingebettet in eines

der typisch lk Gastmaumlhler (Lk 141ff) ndash mit aumlhnlichem Handlungsgeruumlst vorliegt der sich

jedoch in zahlreichen Details unterscheidet Jeweils ein Gastgeber gibt ein Festmahl und

laumldt dazu ein (Lk 1416 und Mt 222f) es ist bereitet (Lk 1417 und Mt 224) Gemeinsam

ist beiden Gleichnissen auch dass die geladenen Gaumlste die Einladung ablehnen (Lk 1418-

20 und Mt 223-6) der Gastgeber zornig wird (Lk 1421 und Mt 227) und andere

stattdessen gerufen werden (Lk 1421 und Mt 229)43 Es laumlsst sich feststellen dass in der

ersten Haumllfte Uumlbereinstimmungen und im zweiten Teil eher die Differenzen uumlberwiegen44

doch insgesamt sind die Abweichungen erheblich Lk bietet eine kuumlrzere und einfachere

Form45 Aus dem vornehmen Gastgeber wird bei Mt ein Koumlnig Bei Lk wird zunaumlchst ein

39 Vgl auch Soumlding Festmahl 64 Fuumlr ihn passt daher der Anfang in 2 und der vorlaumlufige Schluss in 10 gut zusammen Ein Koumlnig machte ein Festmahl und lud viele ein und schlieszliglich fuumlllte sich der Saal Zudem eroumlrtert verschiedene dramaturgische Effekte (zB regel de tri oder eine szenische Zweiheit

40 Vgl Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 67 Vgl auch Kaumlhler Gleichnisse Jesu 117 Er urteilt aufgrund Tempora und Einmaligkeit des Geschehens aumlhnlich Vgl Luz Mt 232

41 Vgl aumlhnlich 1324 1823 und 251 Vgl Schnackenburg Mt 20942 Vgl Luz Mt 23243 Vgl Wiefel Mt 37544 Vgl Sand Mt 436 und Luz Mt 232f Aufgrund der groszligen Unterschiede wurde in der Kirchengeschichte

von den meisten Auslegern von zwei verschiedenen Gleichnissen ausgegangen Dies wird heute kaum noch vertreten Luz nennt nur Plummer und Zahn

45 Vgl Wiefel Mt 375

- 7 -

Knecht einmal bei Mt mehrere Knechte zweimal ausgesandt Die Entschuldigungen

differieren in Inhalt und Ausfuumlhrlichkeit ndash Lk Ackerkauf Kauf von fuumlnf Gespannen

Ochsen und Hochzeit bzw Ehe bei Mt Kein Kauf sondern Gang zum eigenen Acker bzw

zum Geschaumlft Die Knechte werden bei Mt zudem nicht nur abgewiesen sondern auch

misshandelt und getoumltet Die Stadtzerstoumlrung und die Schlussszene (Mt 2211-13) fehlt bei

Lk46 Dafuumlr kommt es bei ihm am Ende zu einer zweifachen Einladung von Ersatzgaumlsten

bdquodamit mein Haus voll werdeldquo47

Auch die Schlussfolgerungen am Ende differieren Die Schluss-Sentenz des Lk bekraumlftigt

den Ausschluss der Erstgeladenen bdquoKeiner von denen die eingeladen waren wird an

meinem Mahl teilnehmenldquo48 Es faumlllt dabei auf dass bei Mt eine definitive Behauptung wie

Lk 1424 fehlt49 Ein wesentlicher Unterschied ist schlieszliglich noch dass alle Elemente des

Koumlnigs- Hochzeits- und Gerichtsmotivs bei Lk entfallen50

Trotz aller Differenzen handelt es sich aber doch um dasselbe Gleichnis51 bzw

traditionsgeschichtlich um denselben Stoff52 Eine Rekonstruktion der gemeinsamen

Urform aus den Paralleluumlberlieferungen der Synoptiker ist aber houmlchst unsicher schwierig

und umstritten53 Auszligerdem ob es eine gemeinsame literarische Vorlage ndash evt in der

Spruchquelle Q ndash gab54 Eine andere Moumlglichkeit ist es verschiedene Rezensionen von Q

46 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Es sind bdquogrelle Zuumlgeldquo die Mt uumlber Lk hinaus hat Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 27 Er meint dass Lk gegen anhebende Verbuumlrgerlichung seiner Christenheit kaumlmpfte Von einer missionarischen Betonung ndash wie bei Lk ndash sei bei Mt nichts zu sehen Zudem breche Mt die Erzaumlhlung nicht ab wie Lk sondern laumlsst den Hochzeitssaal gefuumlllt werden und fuumlgt eine spezielle Fortsetzung an

47 Lk 1423 bei Mt 2210 fuumlllte sich die Hochzeitsfeier mit Gaumlsten Bei Lk werden diese Zweitgeladenen konkret zuerst als Arme Verkruumlppelte Blinde und Lahme beschrieben dann auch von den Landstraszligen und Zaumlunen geholt in der mt Fassung ist nicht sozialer Status sondern geografische Herkunft entscheidend ἐπὶ τὰς διεξόδους τῶν ὁδῶν (Mt 229) bzw εἰς τὰς ὁδοὺς (Mt 2210)

48 Lk 1424 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 Wie dieses Schlusswort wird va die doppelte Einholung Lk 1421-23 als sekundaumlr betrachtet Zum mt Schlusslogion 2214 su 35

49 Vgl Fiedler Mt 33350 Vgl Diszlige Mt 3f51 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 247 Sie praumlzisiert

dass es sich dabei um Varianten desselben Gleichnisses handelt52 Vgl Schnackenburg Mt 208 bdquoEine literarische Beziehung zwischen Lk und Mt muumlszligte auf einer

gemeinsamen Grundlage in der Spruchquelle beruhen die dann jeder Evangelist in seiner Weise ausgeschoumlpft haumltteldquo Vgl auch Harnisch Gleichniserzaumlhlungen 230 Er rechnet bdquomit einem gemeinsamen Wurzelboden der Stuumlckeldquo

53 Vgl zB Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 oder Diszlige Mt 4 Vgl auch Sand Mt 436 Er resuumlmiert Das Rekonstruieren einer Urfassung bleibt bdquoletztlich ein hypothetisches Unterfangenldquo Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 145 Auch fuumlr ihn ist eine Urform des Gleichnisses nur schwer zu rekonstruieren ein Subtraktionsverfahren zB dh alle Sonderzuumlge von Lk und Mt werden abgezogen und der verbleibende Rest ist das Urspruumlngliche ndash stellt keine angemessene Methode dar

54 Vgl Diszlige Mt 4 Diese haumltte ndash gemaumlszlig der Zweiquellentheorie ndash fuumlr Mt und Lk in der Logienquelle gestanden was vor allem von den Forschern postuliert wird die Q-Rekonstruktionen vorgelegt haben (zB Polag Schenk Internationales Q-Projekt) Vgl Jones Mt 401 bdquohellip may will be best explained by the Q hypothesis although opinion is divided on this pointldquo Vgl Soumlding Festmahl 61 Er resuumlmiert zB trotz der erheblichen Abweichungen dass story plot und patterns eng beieinander sind so dass er voneiner gemeinsamen Vorlage in der Redenquelle ausgeht Vgl Wiefel Mt 375 Er meint dass die meisten Interpreten von einer gemeinsame Vorlage ausgehen (dagegen Voumlgtle) Vgl auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 25 Er nimmt eine je verschieden bearbeitete Vorlage aus der Redequelle an

- 8 -

anzunehmen dh QLk fuumlr das lk Gastmahl und QMt fuumlr das mt Hochzeitsmahl Weiterhin

wird eine mutmaszligliche Herkunft aus der jeweiligen mt bzw lk Sondergutuumlberlieferung

vermutet55 Aufgrund kaum gemeinsamen Wortlautes und geringer woumlrtlicher

Uumlbereinstimmungen ist eine Zugehoumlrigkeit zur Redequelle nicht so sicher bzw zumindest

unsicher56 Daher meint Luz bdquoEs ist deshalb wohl richtiger Lk 1416-24 als literarisch

unabhaumlngige Variante unseres Textes anzusehenldquo57

Durch sprachliche und intensive Bearbeitung erweist es sich zudem als schwierig die mt

Redaktion von einer theoretisch angenommenen vormt Textfassung abzuheben58 Sehr

wahrscheinlich redaktionell bearbeitet ist 221 da ndash wie oben festgestellt ndash der Kontext

vorausgesetzt ist und an vorangehendes Gleichnis anklingende Formulierungen

aufgenommen werden59 Oft wird auch 6f als sekundaumlr eingestuft da sich 8 problemlos an 5

anschlieszligt Es ist unwahrscheinlich dass die Ersatzgaumlste erst nach Vollendung der

Strafaktion zum bereits vorher bereiten Mahl eingeladen werden60 Sekundaumlr aber auch

weil sich eine sprachliche Sperrigkeit61 im Anschluss an 5 ergibt Nach ὃς μὲν ndash ὃς δὲ ergibt

οἱ δὲ λοιποὶ wenig Sinn πονηρούς τε καὶ ἀγαθούς wird zumeist als Vorbereitung fuumlr 11-13

und daher als sekundaumlr gesehen62 was aber nicht sehr zwingend ist

Sprachlich weitgehend mt ist 11-14 wobei fuumlr 11-13 va zwei Fragen diskutiert werden

Zum einen ob dieser Teil schon vormt mit dem Text 2-10 verbunden war ndash so zB Trilling

oder Dillon ndash oder ob erst Mt diese Verknuumlpfung hergestellt hat63 Zum anderen ob Mt auf

ein ausgefuumlhrtes Gleichnis vom Gast ohne Hochzeitsgewand zuruumlckgreifen konnte Es wird

55 Vgl Diszlige Mt 4 Die gemeinsame Basis waumlre dann in der vorliterarischen Uumlberlieferung von Jesusworten zu verorten

56 Vgl Kaumlhler Jesu Gleichnisse 117 Er nennt Lk ndash aufgrund der relativ geringen Uumlbereinstimmung in Vokabeln ndash eine entfernte Parallele Vgl auch Luz Mt 233 bdquoAusfuumlhrliche Parabeln gibt es sonst in Q keine mehrldquo

57 Luz Mt 233 Dem ist sicherlich zuzustimmen Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 128 Er bezeichnet Lk und Mt als bdquoliterarisch voneinander unabhaumlngige Erzaumlhlungsvariantenldquo Vgl auch Reiser Gerichtspredigt 227 Er haumllt aus eben genannten Gruumlnden eine Verortung in Q fuumlr bdquoeher unwahrscheinlichldquo aber das bdquoGrundgeruumlstldquo sei dasselbe Vgl Albright Mt 270 Die lk Parallele ist fuumlr ihn bdquonot a true parallel hellip both the language and the details are quite differentldquo Vgl auch Allen Mt 235 bdquoThe two Evangelists clearly are not borrowing from the same written sourceldquo

58 Vgl Luz Mt 233 Vgl dagegen Hasler Koumlnigliche Hochzeit 29 Er nimmt eine konkrete dreifache redaktionelle Schichtung ndash die eschatologische die ekklesiologische und die polemische Schicht ndash an Vgl Linnemann Gleichnisse Jesu 169 Sie wendet sich gegen diese Schichtung von Hasler va gegen die polemische

59 Vgl Luz Mt 233 und Sand Mt 43760 Vgl zB Wiefel Mt 375 Limbeck Mt 246 oder Sand Mt 436 bdquoDer Aufbau bei Mt macht einen

uneinheitlichen Eindruckldquo Dabei meint er in 3b46f11-14 sekundaumlre Zuumlge zu erkennen bdquoDennoch hat Mt die Parabel seiner Gemeinde als eine Einheit vorgelegt so daszlig letztlich die synchrone Auslegung den ersten Platz einnehmen muszligldquo

61 Vgl Luz Mt 234 Er nennt das Zornigwerden des Koumlnigs (7aa) als nicht sekundaumlr die Ausnahme in 6f62 Vgl Sand Mt 43863 Luz Mt 234 Diese Variante wird aus inhaltlichen Gruumlnden meist bevorzugt da das Nebeneinander von

heilsgeschichtlicher und paraumlnetischer Sinndimension fuumlr mt Gleichnisse typisch ist Vgl zB Gnilka Mt 236

- 9 -

dafuumlr der Wechsel der koumlniglichen Gehilfen angefuumlhrt von δοῦλοι (2ff) zu διακόνοις (13)64

Meistens aber wird heute nur auf traditionelle Motive (zB 251-13 Offb 197-9 und zT

2Kor 112) verwiesen die Mt aufgenommen hat65

Ein den synoptischen Uumlberlieferungen aumlhnliches Gleichnis liegt im Logion 64 des

Thomasevangeliums vor66 Es weist viele Beruumlhrungen va mit der lk Fassung auf Dabei

sind die Entschuldigungen noch breiter ausgefuumlhrt und verlagern sich inhaltlich auf den

weltlichen bzw oumlkonomischen Bereich (Geldforderungen an Kaufleute Hauskauf Mahl

fuumlr einen Freund Pachtzins fuumlr ein Gut) Nachdem die Einladung der Ersatzgaumlste in Befehl

und Ausfuumlhrung sehr kurz ausgefallen ist muumlndet die Erzaumlhlung in die Pointe dass Kaumlufer

und Kaufleute nicht in die Orte des Vaters eingehen werden67 Zu bewerten ist diese

Fassung als klassisch bdquognostische Rezeption der Gastmahlsparabelldquo68 Dabei wird die

gnostische Kritik an den Weltmenschen die den Ruf zur Gnosis nicht houmlren deutlich

Auch aus der rabbinischen Tradition werden von vielen Exegeten einige motivaumlhnliche

Passagen aus Midrasch und Talmud herangezogen69 va fuumlr die Interpretation von 11-1370

Weiterhin ist festzuhalten an dieser Stelle dass herkunftsmaumlszligig eine Parabel Jesu zu

Grunde liegt71 Sie passt zu den uumlberlieferten eigenen Mahlzeiten Jesu und zur ihm

bekannten Vorstellung einer Mahlzeit im Gottesreich (811f Mk 1425)72 Diese seine

urspruumlngliche Erzaumlhlung duumlrfte polemisch gegen fuumlhrende Kreise des religioumlsen Judentums

gerichtet gewesen sein73 Das heute nicht mehr rekonstruierbare bdquoErzaumlhlgeruumlstldquo74 dieser von

Mt und Lk uumlberlieferten Parabel koumlnnte nach Einschaumltzung einiger Exegeten in etwa so

gelautet haben Ein Mann veranstaltet ein Gastmahl und schickt seinen Knecht aus um die

64 Vgl Jeremias Gleichnisse 62168 Sand 439 und Bindemann Mahl 21 Dagegen Luz Mt 234 Er erachtet diese Unterscheidung auf der Bildebene fuumlr sinnvoll und differenziert mit Hinweis auf 132730 (Knechte und Schnitter) auf der Sachebene zwischen Missionaren und Gerichtsengeln

65 Luz Mt 235 So optieren mit Trilling heute die meisten Exegeten Nach Luz gebe es keine zwingenden Gruumlnde fuumlr ein selbststaumlndiges Gleichnis aber es sei kaum entscheidbar Dass die Episode 11-13 sekundaumlr ist wird meist vertreten Vgl zB Wiefel Mt 376 Limbeck Mt 247 Schnackenburg Mt 208 Eichholz Gleichnisse der Evangelien 144 oder Fiedler Mt 333 Vgl dagegen Jones Mt 407-409 Er zeigt ausfuumlhrlich auf dass es durchaus sinnvoll sein kann von einer notwendigen Zusammengehoumlrigkeit von 2-10 und 11-13auszugehen

66 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139 Schnackenburg Mt 208 Fiedler Mt 333 oder Luz Mt 232

67 Vgl Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235 Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Er stellt heraus dass die Entschuldigungen hier als Verstrickung in die Welt erweitert und betont wurden

68 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Er stellt deutlich fest dass dieser Text gnostisch zu interpretieren ist Vgl auch Soumlding Festmahl 59 Er meint dass Thomas von den Synoptikern abhaumlngig ist Vgl dagegen Luz Mt 235 Er kann kaum synoptischen Einfluss erkennen und dieser Version durchaus die Beinhaltung alter Zuumlge zugestehen kann Vgl Jones Mt 241 bdquoThomas hellip is probably independent of both Matthew and Lukeldquo

69 Vgl va Billerbeck I 878-88370 Aus diesem Grund erfolgt eine ausfuumlhrlichere Behandlung in 3471 Vgl Reiser Gerichtspredigt 227 und Gnilka Mt 24472 Vgl Luz Mt 23673 Vgl Schnackenburg Mt 208 und Jeremias Gleichnisse 61 Jesus wendet sich an seine Kritiker und

Gegner ndash PharisaumlerHohenpriester ndash die als Auszligenstehende nicht verstehen bzw falsche Konsequenzen ziehen So vertieft sich die Feindschaft und die Gemeinde lernt die Wahrheit uumlber diese und sich selbst

74 Reiser Gerichtspredigt 227

- 10 -

schon Geladenen herbeizurufen Diese wollen ndash trotz des Hinweises es sei bereit ndash nicht

kommen und gehen fort Darauf erzuumlrnt der Gastgeber und laumlsst uumlberraschend seinen

Knecht andere Gaumlste von den Straszligen einladen und herbeiholen dass das Haus voll wird75

3 Eroumlrternde Entfaltung bzw Auslegung zu Mt 222-14

31 Das Bild vom Hochzeitsmahl ndash Mt 222

Von der Bildebene ausgehend soll eine Aussage uumlber die βασιλεία τῶν οὐρανῶν dh die

himmlische Groumlszlige Reich Gottes getroffen werden Dafuumlr wird in 222 der βασιλεὺς

als konstitutiv Handelnder bzw als der bdquoAngelpunkt der Parabel in dem Bild- und

Sachhaumllfte verbunden sindldquo76 eingefuumlhrt dem das himmlische Koumlnigreich ndash verbunden mit

dem typischen ωμοιώθη77 ndash gleicht bzw verglichen werden soll Dieser Koumlnig wird vom

judenchristlichen Leser des Mt aufgrund juumldischen Hintergrundes und aufgrund zB von

1823 sofort auf Gott bezogen78 Naumlher charakterisiert wird dieser Hauptakteur der

Erzaumlhlung als der der seinem Sohn die Hochzeit bzw die Hochzeitsfeier bereitet

γάμος welches in 222ff acht Mal gehaumluft auftritt79 hat im Plural eine gleiche bzw aumlhnliche

Bedeutung wie im Singular80 Unter den Hochzeitsfeierlichkeiten sind nach

altjuumldischer Sitte mehrere Tage bzw ein mehrtaumlgiges Fest zu verstehen81 Es wird dabei ein

Motiv der Mahlfeier als Bild des Himmelreiches82 bzw der messianischen Freudenzeit83

aufgegriffen Die juumldisch-eschatologische Erwartung weiszlig um eine kommende Mahlzeit im 75 Vgl zB Diszlige Mt 4 und Luz Mt 235f76 Linnemann Uumlberlegungen 254 Zitiert auch bei Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch die formale

Parallele Mt 1823-34 va 32f Vgl auch Linnemann Uumlberlegungen 246 Sie stellt fest dass sich sonst Bild- und Sachhaumllfte kaum entsprechen

77 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Gnilka Mt 237 und Jones Mt 402 Er stellt fest dass ωμοιώθη bdquoappears as first word in 1324 1823 and 222ldquo

78 Vgl Luz Mt 239 und Muumlnch Gleichnisse 199 Er stellt den βασιλεὺς als in einer Tradition atl Gottesmetapher stehend ndash Jes 65 Ps 247-9 Ps 299f Ps 93 und Ps 96-99 ndash dar welcher dabei als gegenwaumlrtig (Ps 93) zukuumlnftig (Jes 243 und 3317-22) oder ewig herrschend (Ps 14513) gedacht werden kann bdquoAm deutlichsten begegnet der Titel [im NT] bei Matthaumlus hellip in 22271113 ist sicher der himmlische Vater gemeintldquo An dieser Stelle sei auf die auszligergewoumlhnliche Position Schottroffs hingewiesen Vgl Schottroff Politik 565867 und Schottroff Verheiszligung 482-485 Fuumlr sie handelt der Koumlnig nicht so wie Gott ndash bdquonicht per analogiam sondern e contrarioldquo (Politik 67) ndash vielmehr soll der Koumlnig als Negativfolie mit Gott verglichen werden Diese Differenz folgert sie aus eigenem Gleichnisverstaumlndnis sowie der Wendung ἀνθρώπῳ βασιλεῖ in 222 Daraus ergibt sich ihre sozialkritische Interpretation in der sie die imperiale Gastmahlpolitik und den Antijudaismus kritisiert 2214 versteht sie demnach als Verheiszligung Jesu angesichts der als aussichtslos erfahrenen Gewalt wobei das kleine Israel die Wenigen und die groszligen Voumllker die Vielen sind bdquoGott ruft alle Voumllker aber das schwaumlchste liebt Gott besondersldquo (Politik 67) Zusammenfassend liegt fuumlr sie in 221-14 keine Kette allegorischer Elemente vor sondern bdquoeine fiktive Skizze imperialer Strukturen die mit Gottes Koumlnigsein und seinen Rufen verglichen werden sollldquo (Verheiszligung 484) Vgl die ausfuumlhrliche und berechtigte Kritik Voumlgtle Seine Gaumlste 68-71

79 Vgl Muumlnch Gleichnisse 19680 Vgl Sand Mt 43781 Vgl Wiefel Mt 377 und Staufer Art γάμος 646 Er merkt an dass der Begriff nur drei Mal in der LXX

vorkommt Gen 2922 Est 218 und 92282 Vgl Fiedler Mt 33383 Vgl Eichholz Gleichnisse der Evangelien 137 Vgl auch ausfuumlhrlich Staufer Art γάμος 651ff Er stellt

dar dass dieses Motiv der Vereinigung bzw engen Verbundenheit von Gott und Mensch schon im alten Orient gelaumlufig ist

- 11 -

neuen Aumlon auch von der atl Vorstellung liegt diese metaphorische Bedeutung der

eschatologischen Vollendung der Gottesherrschaft im Bild eines Festmahles nahe84

Zum Vergleich heranzuziehen sind auch andere Gleichnisse die eine Szenerie eines

festlichen Mahles als Symbol des vollendeten Gottesreiches verwenden Lk 1522 Mt 251-

13 und einzelne Logien Mk 218f parr Mt 811f par 1328f Lk 621 par Jesus hat

Gastmaumlhler va in offenkundig kerygmatischer Absicht gefeiert als profetische

Zeichenhandlung85 Als Braumlutigam dieses Hochzeitsmahles wird der Koumlnigssohn in 222

genannt welcher als der Gottessohn Jesus gedeutet wurde bzw zu deuten ist Die Leser des

Mt kennen Jesus als Braumlutigam aus 915 auch als kommenden aus 251-13 2Kor 112 und

Offb 196-986 Interessanterweise spielt der Sohn im weiteren Erzaumlhlverlauf keine aktive

Rolle mehr87

Bereits diese Uumlberschrift bzw Gleichnisformel88 des Himmelreichgleichnisses in 222 ist

durchtraumlnkt von juumldischer und christlicher Tradition Die Deutung der Parabel als Reich-

Gottes-Gleichnis ist also richtig da sie sich aus dem Bildfeld des Festmahles ergibt

welches bdquoein sprechendes Symbol fuumlr das Reich Gottesldquo89 ist Zudem ist schon hier die

starke allegorische Tendenz der mt Parabel zu erkennen Die Hochzeitsfeier als

eschatologische Vollendung der Koumlnig als Gott und der Sohn als Jesus selbst

32 Die Knechte und die Strafexpedition ndash Mt 223-7

Die Geladenen werden zur Hochzeitsfeier gerufen doch sie wollen nicht (223) Hier

koumlnnte schon der Schluss der Erzaumlhlung sein aber der Koumlnig bleibt geduldig und laumlsst

erneut die Gaumlste dringlich rufen indem er ihnen das Mahl durch seine Knechte

84 Vgl Schnackenburg Mt 209 Er stellt deutlich heraus dass diese Mahlvollendung bzw das Freudenmahl auch sonst ein Bild fuumlr das erwartete Endheil bzw das kuumlnftige Gottesreich darstellt Und fuumlhrt dazu 811 251113 und 2629 an Vgl Wiefel Mt 377 Er nennt in diesem Zusammenhang auch Offb 199 und verweist auf die rabbinische Uumlberlieferung Vgl Billerbeck I 517f Vgl auch Voumlgtle Einladung 175 Luz Mt 239 und Soumlding Festmahl 66 Er erwaumlhnt Jes 2566f und aumlth Hen 6213 im Kontext dieser bildhaft dargestellten zukuumlnftigen Vollendung der Herrschaft Gottes und betont dabei die Festlichkeit bzw die Freude und den kommunialen Charakter des Festmahles Vgl auch Muumlnch Gleichnisse 195f und Schnackenburg Mt 208 Er sieht dabei auch die atl Symbolik von Gottes Ehe mit Israel in Hos 218 31 Jes 545-8 624f und Ez 167f angesprochen Vgl Reiser Gerichtspredigt 228 Er sieht das Motiv vom eschatologischen Festmahl angeregt durch Jes 6513 und Ps 235 Vgl auch Staufer Art γάμος 651f Deutlich wird bei ihm dass dieses Motiv im AT keine sinnlich fuumlhlbare Vereinigung sondern als den Bund darstellt

85 Vgl dazu Soumlding Festmahl 67f Es seien genannt Mk 215ff parr Lk 736-50 152 191-10 oder Mt 1119 par Lk 734 Das Letzte Abendmahl setzt dabei den betonten Schlusspunkt dieser Zeichenhandlungen

86 Vgl Staufer Art γάμος 652-654 und Muumlnch Gleichnisse 195f Im AT wird noch nicht Christus sondern va Gott selbst als Braumlutigam gesehen (Jes 625) Vgl auch ntl Eph 522 Vgl Luz Mt 239 und Schnackenburg Mt 209 Er meint dass die Houmlrer sich nicht mit der Braut identifizieren sondern mit den Gaumlsten (Vgl 915) Uumlber die Braut ist hier tatsaumlchlich nichts explizit ausgesagt sonst oft die Gemeinde

87 Vgl Schnackenburg Mt 209 und Luz Mt 250 Er sieht eher ndash im Gegensatz zu 2514-30 ndash ein christologisches Defizit Vgl dagegen Gnilka Mt 237 Er haumllt richtigerweise dagegen dass Jesus der zu Feiernde ist und damit bdquosogar das magnetische Zentrum des Handlungsablaufsldquo ausmacht

88 Vgl Muumlnch Gleichnisse 82 Er argumentiert Mt verwende diese als Mittel bdquoum die Notwendigkeit und Besonderheit des Deutungsaktes aufzuzeigenldquo

89 Dieses Zitat von Hahn findet sich bei Soumlding Festmahl 66

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schmackhaft macht und vor Augen fuumlhrt (224)90 Doch sie kuumlmmern sich nicht darum

gehen auf ihren Acker bzw ins Geschaumlft ndash andere misshandeln und toumlten die koumlniglichen

Gesandten (226) was den Zorn des Koumlnigs die Aussendung seiner Truppen die

Vernichtung der Moumlrder und die Verbrennung der Stadt zur Folge hat (227)

Der in der Antike uumlblichen muumlndlichen Voreinladung der vom Koumlnig ausgesandten Knechte

bzw Sklaven folgt eine zweite nochmalige und entscheidende Einladung der Gaumlste zur

Stunde des Mahles bzw des Essensbeginns91 In dieser ist die Aussage der Eindringlichkeit

Ermunterung und draumlngende Zeit enthalten92 um dadurch die bereits Eingeladenen zum

Kommen aufzufordern Der Kontrast zwischen Rang des koumlniglichem Gastgebers bzw der

Groumlszlige des Festes und seiner untertaumlnigen Gaumlste welche vorher nur nicht wollten und jetzt

gesteigert sich nicht darum kuumlmmern und ohne Entschuldigungen einfach weggehen laumlsst

diese Absagen und das Nichtkommen unverschaumlmt unverstaumlndlich herausfordernd und

wahnwitzig erscheinen93

Nun sollen die Knechte bzw Sklaven in den Blick genommen werden ndash die Gaumlste erst in

33 ndash indem auch die hinter der Bildebene gelegene Sachebene eroumlrtert wird Immer wieder

wurden Knechte ausgeschickt um Einladungen auszusprechen ohne erwartete Resonanz zu

finden genannt sei hier va die zweimalige Sendung der Knechte in der Winzerparabel

(213436)94 Der chronologische Ablauf wird dort bis zur Ermordung Jesu geschildert so

dass die Leser jetzt eine Fortsetzung erwarten95 Bei den Knechten ist dabei anscheinend

90 Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 55 Er sieht dahinter die Absicht bdquodie Intensitaumlt des an Israel ergangenen Heilsangebotes hervorzuhebenldquo Vgl Luz Mt 240 Er betont hier die entspannte und geduldige Reaktion des Koumlnigs der seine Sklaven erneut ausschickt und dadurch seinen Gaumlsten die Genuumlsse des bevorstehenden Mahles vor Augen stellt Das ἄριστόν meint das Mittagessen Zu dieser Zeitangabe passten auch besser die Absagen in 225 Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 26 Er zeigt zwei rabbinische Beispiele auf in denen das ἄριστόν fuumlr das Festessen im Himmelreich verwendet wird Zusaumltzlich meint er dass die Ochsen und das Mastvieh gut zum messianischen Sieges- und Freudenmahl passen Vgl auch Wiefel Mt 377 Er stellt in Zusammenhang mit Spr 92 dar dass die Mastkaumllber (Vgl Lk 1523) die Groumlszlige des Festmahls anzeigen

91 Vgl Billerbeck I 880f Diese Brauch ist im Midr Klgl 42 fuumlr Jerusalem belegt Vgl auch Gnilka Mt 237f Wiefel Mt 377 Luz Mt 235240 und Schnackenburg Mt 209 Vgl auch Est 58 614

92 Vgl Sand Mt 437 Das imperativische Adverb δεῦτε als Ermunterungsartikel steht hier absolut93 Vgl Diszlige Mt 3 Fuumlr ihn laumlsst sich dies nicht bdquoaus der immanenten Erzaumlhllogik des Textesldquo plausibel

machen Er zitiert Juumllicher bdquoDas geschilderte Verhalten von Geladenen ist bodenlos unwahrscheinlich entweder ist der Koumlnig wahnwitzig der so gesinnte Unterthanen erst einlaumldt oder die Buumlrger jener Stadt sind es die den Koumlnig so schnoumlde provozierenldquo Vgl Juumllicher Gleichnisreden 422 Vgl auch Luz Mt 240 und Wiefel Mt 377 Er ergaumlnzt dass der knappe Bericht uumlber die Absagen oft als zusammenfassender Bericht der ausfuumlhrliche Ausreden bei Lk gesehen wird Vgl auch Schnackenburg Mt 209 Statt des dritten lk Beispiels der Eheschlieszligung bringt Mt ndash wieder in Anschluss an das Winzergleichnis ndash die Misshandlung und Toumltung der Knechte Vgl Sand Mt 438 Er erkennt dass das Verbum des Partizips ἀμελήσαντες ndash auch bdquovernachlaumlssigenldquo oder bdquonicht beachtenldquo ndash nur hier in der synoptischen Tradition begegnet Er zitiert weiterhin Voumlgtle bdquoDie dringlich wiederholte Bitte ignorierend gehen die einen zur Tagesordnung ihrer Arbeitsinteressen uumlber und die andern miszlighandeln und toumlten sogar gaumlnzlich unmotiviert und unbegreiflich die Knechte des Koumlnigs die ihnen dessen erneute Einladung uumlberbringenldquo (Vgl Voumlgtle Einladung 178)

94 Vgl Fiedler Mt 333 und Schnackenburg Mt 20995 Vgl Luz Mt 240-242 Er meint dass zB die Leerstelle aus 2141 ndash der Weingaumlrtner wird den Boumlsen ein

boumlses Ende bereiten und seinen Weinberg anderen Weinpaumlchtern verpachten ndash in 221-14 und va dann in 227 ndash im Vernichten der Moumlrder und Verbrennen der Stadt ndash seine Erfuumlllung findet

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zunaumlchst an die atl Profeten gedacht aber dann auch an Boten des Messias Jesus bzw

christliche Glaubensboten96 eine praumlzise Zuordnung ist aber nicht moumlglich und auch besser

zu unterlassen97 Dass an Profeten ndash im Allgemeinen ndash gedacht ist kann mit Sicherheit

angenommen werden Doch es bleibt nicht nur bei den Absagen (225) sondern es folgt in

226 abrupt die oft als unlogisch angesehene Erwaumlhnung der λοιποὶ welche in einer

dreigliedrigen steigernden Folge die Knechte ergreifen misshandeln und toumlten98 Im

Hintergrund steht dabei eindeutig der verdichtete Topos in der deuteronomistischen

Tradition vom gewaltsamen Profetengeschick Diese Misshandlungen und Toumltungen sind

dem Leser also durchaus aus biblisch-juumldischer Uumlberlieferung ndash 2Sam 104f 2Chr

30110f Jdt 111f ndash bekannt aber auch von den eigenen in Israel verfolgten Missionaren

(1016-23) und biblischen Profeten vor ihnen (512 2135)99

Aus dem nachvollziehbaren aber doch herausfordernd harten Zorn des Koumlnigs heraus wird

in 227 eine Strafexpedition gegen die Moumlrder ndash mit der Einaumlscherung der Stadt ndash angesetzt

welchen den dramatischen Houmlhepunkt100 der Parabel darstellt und zugleich den Verlauf der

Erzaumlhlung voumlllig durchbricht Auffaumlllig ist dabei dass der Gedanke an das Mahl zunaumlchst

scheinbar verschwindet obwohl doch alles schon bereitet ist und dass der Uumlbergang zu

228 sich als recht sperrig erweist ndash Wo soll denn nun die Hochzeitsfeier stattfinden Ist das

Mahl immer noch bereit101 Das Verbrennen der ganzen Stadt wirkt uumlberzogen und

merkwuumlrdig va auch aufgrund der Generalisierung und der kollektiven Schuldzuweisung

Die ganze Stadt verbrennt so dass uneingeschraumlnkt alle Bewohner derselben betroffen

sind102 Dabei ist es ein vertrautes atl Bild103 Rengstorf hat dieses Motiv des erzuumlrnten

Herrschers der daraufhin eine militaumlrische Strafexpedition veranlasst als uralt

96 Am Haumlufigsten wird dabei die erste Aussendung (223) den atl Profeten und die zweite (224-6) den ntl dh den Apostel zugeschrieben Vgl zB Wiefel Mt 375 Jeremias Gleichnisse 66 Hasler Koumlnigliche Hochzeit 31 oder Schnackenburg Mt 209 Im Gegensatz zum Winzergleichnis (2137) wird hier aber nicht eigens der Sohn genannt was in der Identifizierung Jesu mit dem Koumlnigssohn begruumlndet zu sein scheint Vgl auch 2023 2329-34 Vgl aber dagegen Luz Mt 240 Ihm es wahrscheinlicher dass die Knechte jeweils zu Jesus Christus rufende Apostel bzw Missionare in Israel waren da es ja schlieszliglich um das Hochzeitsmahl Christi geht Eine Trennung in voroumlsterliche Sendung der Juumlnger und nachoumlsterliche Mission ndash so Hahn ndash erscheint Luz nicht noumltig Vgl aumlhnlich Voumlgtle Einladung 204-207 Eine Aufloumlsung der beiden Deutungen der Knechte erscheint schwierig Vgl Sand Mt 439 Muumlnch Gleichnisse 202f und Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132 Er behauptet dass die zeitlichen Grenzen zwischen Passion bzw Ostern der Zerstoumlrung Jerusalem und der darauf folgenden Heidenmission nicht chronologisch zu verstehen ist was auch eine eindeutige Zuweisung der Knechte verhindert

97 Vgl Gnilka Mt 23898 Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 241 Dieses kriminelle Handeln ist nicht zu erwarten gewesen und

koumlnnte vielleicht mit allegorischen Pointierungen zusammenhaumlngen99 Vgl Fiedler Mt 333 Luz Mt 241 und Wiefel Mt 377100Vgl Hasler Koumlnigliche Hochzeit 28 Vgl auch Diszlige Mt 3 Er haumllt diese koumlnigliche Reaktion fuumlr einen

weiteren bdquoFremdkoumlrperldquo des Gleichnisses Der Kriegszug gegen die bdquoStadt der Moumlrderldquo (Rengstorf) wuumlrde den situativen Rahmen der missgluumlckten Einladung zum Hochzeitsmahl sprengen

101Vgl Luz Mt 241f Vgl auch Sand Mt 438Das raumlchende Verhalten des Koumlnigs passt fuumlr ihn nicht in die Logik der Bildebene Die Intention sei evt gewesen einen radikalen Gegensatz zwischen dem geduldig werbenden Koumlnig und dem ablehnend feindlichen Verhalten der Geladenen darzustellen

102Vgl auch aumlhnlich 2334-36 (Generation) und 2337-39 (Jerusalem fuumlr ganz Israel) 103Vgl Gnilka Mt 239

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eingeschaumltzt104 Es ist ein altorientalischer Topos der auch im AT zu finden ist ndash Ri 18

2Sam 1226-30 1Makk 528 und Jes 524ff ndash und kein Ausdruck raumlchender Vergeltung

sondern von einer koumlniglichen Souveranitaumlt die den Mord an den eigenen Boten nicht

einfach hinnimmt105 Daraus folgert Rengstorf nun dass es sich in 227 nicht um die

Zerstoumlrung Jerusalems handelt wovon jedoch die Mehrheit der Exegeten ausgeht106 bdquoAls

traditionellen Topos allein kann man ihn [den Vers 227 mit der Stadtverbrennung] nicht

erklaumlrenldquo107 Die Stadtzerstoumlrung bezieht sich dann fraglos auf die Zerstoumlrung

Jerusalemsldquo108 welche innerhalb dieser Ereignisfolge sodann einen Strafgerichtscharakter

hat109 Die Zerstoumlrung Jerusalems als Strafe fuumlr die Misshandlung und Toumltung der Profeten

entspricht dem Denkmodell der deuteronomistischen Profetenmordtradition und zeigt bdquoDie

Geschichte von Gottes Zuwendung zu Israel scheint zu ihrem Ende gekommen zu seinldquo110

bdquoDie roumlmischen Legionen die gegen Jerusalem marschierten sind in Gottes Auftrag

marschiertldquo111 Im Kontext des Mt ist dazu insgesamt auch 2337f112 und 241f113 ndash innerhalb

104Vgl zB Jones Mt 403 bdquoA literary topos identified by Rengstorfldquo105Vgl Wiefel Mt 378106Dabei wird die Argumentation von Rengstorf oft angefuumlhrt und eben so oft und im allgemeinen Konsens

widersprochen Vgl nur Sand Mt 438 Er ist fast der Einzige der ihm folgt So ist seiner Meinung nach das Verbrennen der Stadt nicht auf die Zerstoumlrung Jerusalems bezogen sondern Uumlbernahme atl Gerichtssprache wofuumlr folgende Verweisstellen anbietet Lev 2631 Jos 651620 2Kg 2327 und Jes 179 Vgl dagegen als Beispiel der mehrheitlichen Meinung Eichholz Gleichnisse der Evangelien 138 Er gesteht die Aufnahme traditioneller Topoi durchaus zu sieht aber darin keine hinreichende Begruumlndung warum damit der Bezug auf die Zerstoumlrung Jerusalems wegfallen wuumlrde Vgl so auch Hasler Koumlnigliche Hochzeit 34 Es ist fuumlr ihn nicht einsichtig warum der literarische Topos nicht auch zur Mitteilung eines historischen Ereignisses verwendet werden soll Vgl Voumlgtle Seine Gaumlste 54 und Schnackenburg Mt 210 Fuumlr ihn denkt Mt unverkennbar an Jerusalem und seine Zerstoumlrung Das Kriegsbild nimmt typische Zuumlge auf aber doch ist es hier auf einen bestimmten Fall angewendet

107Luz Mt 242 Fuumlr ihn ist 227 nur verstehbar wenn die Zerstoumlrung Jerusalems im Jahre 70 dafuumlr den Anstoss gegeben hat Er kritisiert auch dass es noch nicht einmal ein traditioneller Topos sondern einzelne Belege sind Diese entstammen der Profetenmordtradition

108Wiefel Mt 376 Vgl auch Jeremias Gleichnisse 66 Kaumlhler Jesu Gleichnisse 132f oder Schottroff Verheiszligung 484 Die Frage ob eine geschichtliche Erinnerung bzw historisierende oder profetische Deutung der Zerstoumlrung Jerusalems oder eine tatsaumlchliche profetische Vorankuumlndigung derselben vorliegt ist entscheidend fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit Vgl Wiefel Mt 377 und Schlatter Mt 636 Er verneint dass aus 227 ein Datum fuumlr die Niederschrift des Evangeliums abzuleiten ist Aber sehr klar ist der Bezug an die konkrete geschichtliche Zerstoumlrung der Stadt im Jahre 70 n Chr durch die Roumlmer im Juumldischen Krieg festzustellen Vgl auch Gnilka Mt 239 bdquoEs ist die Frage ob V 7 nur einen Gerichtstopos bietet oder ob sich hier bereits die Erfahrung der Zerstoumlrung Jerusalems im Jahr 70 durch Titus ausspricht Die Beantwortung bietet auch eine Stuumltze fuumlr die Bestimmung der Abfassungszeit des Evangeliumsldquo

109Vgl Wiefel Mt 377 und Luz Mt 243 Er sieht dieses definitive Verwerfungsgericht nicht als vorweggenommenes Juumlngstes Gericht sondern innergeschichtlich

110Luz Mt 242111Eichholz Gleichnisse der Evangelien 139f Diese profetische Deutung der Geschichte nennt er kuumlhn aber

doch plausibel ndash nichts geschieht in der Geschichte ohne Gottes Willen Dabei verweist er als Bsp auf den Koumlnig von Assyrien als Gottes Werkzeug (Jes 10)

112bdquoJerusalem Jerusalem die du toumltest die Propheten und steinigst die zu dir gesandt sind Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Kuumlken versammelt unter ihre Fluumlgel und ihr habt nicht gewollt Siehe euer Haus soll euch wuumlst gelassen werden (Jer 225 Ps 6926) Denn ich sage euch Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen bis ihr sprecht Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrnldquo

113bdquoUnd Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Juumlnger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebaumlude des Tempels Er aber sprach zu ihnen Seht ihr nicht das alles Wahrlich ich sage euch Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben der nicht zerbrochen werdeldquo

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der Endzeitrede 24f ndash zu bedenken114

33 Die Gaumlste und heilsgeschichtliche Deutung ndash Mt 228-10

In 228 beginnt ein neuer Abschnitt mit der nun dritten Einladung zur Hochzeitsfeier nun

aber ergeht diese an andere neue Gaumlste Verstaumlrkt wird dieser Neuansatz mit τότε sowie dem

imperfektischen ἦσαν in 228 und οὖν in 229 Der urspruumlngliche Erzaumlhlfaden wird wieder

aufgenommen115 Der Koumlnig gibt seinen Knechten116 in 8b das antithetische Zwischenfazit

dass das Hochzeitsmahl zwar bereit ist aber die bisher Geladenen nicht wuumlrdig waren

Entscheidend ist dass die Hochzeit nicht abgesagt wird und dass sie zu feiern gilt117 Da die

Zuerstgeladenen die Einladungen nicht angenommen sondern die koumlniglichen Boten

misshandelt und getoumltet haben werden sie von der eschatologischen Hochzeitsfeier

ausgeschlossen Diese werden nun hier als nicht wuumlrdig (228 ἄξιοι) befunden118 So wird

daraus resultierend ein neues Motiv eingefuumlhrt Der Koumlnig befiehlt

jetzt ndash nicht mehr aus Zorn (227)119 ndash seinen Sklaven bisher Ungerufene zur

Hochzeitsfeier zu rufen120 Diese Anweisung wird ndash anders als bisher ndash auch in seiner

Ausfuumlhrung (2210a) beschrieben um dann schlieszliglich auf dessen Erfolg hinzuweisen Die

Hochzeitsfeier fuumlllt sich mit zu Tische liegenden Gaumlsten und kann nun beginnen121 Damit

wird eine Conclusio zum einleitenden Vers 222 geschlossen in dem dies angekuuml