Hector Berlioz Symphonie fantastique - Dirigentenforum · Hector Berlioz Symphonie fantastique op....

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3. Deutscher Chordirigentenpreis SEITEN 4 BIS 11 Das Kritische Orchester® SEITEN 23 BIS 25 12 neue Dirigentinnen und Dirigenten aufgenommen SEITE 29 45 ZEITSCHRIFT DES DIRIGENTENFORUMS JULI 2018
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    19-Oct-2020
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  • 3. DeutscherChordirigentenpreis

    SEITEN 4 BIS 11

    Das Kritische Orchester®

    SEITEN 23 BIS 25

    12 neue Dirigentinnen und Dirigenten aufgenommen

    SEITE 2945

    ZEITSCHRIFT DES DIRIGENTENFORUMSJULI 2018

  • Hector BerliozSymphonie fantastique op. 14

    „Die Geschichte meiner Liebe … meiner Qualen, meiner schmerzlichen Träume“

    Die Symphonie fantastique verhalf Berlioz zum Durchbruch und ist bis heute ungebrochen populär.

    Bis zur endgültigen Fassung nahm er über mehrere Jahre Revisionen vor. In die autographe Partitur, die auch bei

    Au ührungen benutzt wurde, fügte er viele dieser Änderungen dadurch ein, dass er die jeweiligen Takte

    oder Stimmen mit Papierstreifen überklebte.

    Dieses Faksimile im hochwertigen Vierfarbdruck gibt die Handschrift so wieder, wie sie heute vorliegt:

    mit den Papierstreifen, die sich au lappen lassen, sodass beide Versionen sichtbar sind.

    Faksimile der autographen Partitur in der Bibliothèque nationale de France

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    Mit einem Kommentar von Hugh Macdonald

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    292 Seiten Faksimile und 12 Seiten Kommentar (englisch/deutsch/französisch); Halbleder, gebundenISBN 978-3-7618-1601-1 · € 720,–

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    Editorial InhaltDeutscher Chordirigentenpreis .......... 4

    Operettenworkshop Leipzig ............... 12

    Dirigierkurs Dortmund ........................18

    Werkstatt John Carewe ......................19

    Dirigierkurs Nürnberg undWerkstatt Paul Mägi............................. 21

    Meldungen ............................................. 22

    Das Kritische Orchester .......................23

    Meldungen .............................................26

    Veranstaltungen ....................................27

    Stipendiaten .......................................... 28

    Personen .................................................30

    Maestros von Morgen ..........................32

    Kurz notiert .............................................33

    Impressum ............................................. 34

    Liebe Leserin, lieber Leser,

    in der ersten Jahreshälfte ist im Dirigentenforum traditionell einiges los: Sowohl im Orchester- als auch im Chorbereich werden neue Stipendia ten aufgenommen, während diejenigen, die das Ende der zweijährigen 1. Förder-stufe erreicht haben, ihr Können und ihre Entwicklung noch einmal unter Beweis stellen müssen, um in die 2. Förderstufe zu gelangen. Im März haben wir in Nürnberg acht neue Orchester-Dirigenten aufgenommen, in Detmold vier neue Chor-Dirigenten. Die neuen Stipendiaten stellen wir Ihnen auf der Seite 29 vor. Darüber hinaus freuen wir uns über die Aufnahme von Gábor Hontvári, Clemens Mohr und Yura Yang in die 2. Förderstufe (Orches ter).

    Alternierend mit dem Deutschen Dirigentenpreis in Köln fi ndet in den geraden Jahren der Deutsche Chordi-rigentenpreis in Berlin statt, in diesem Jahr zum dritten Mal in bewährter Kooperation mit dem renommierten RIAS Kammerchor. Der Wettbewerb bildet Höhepunkt und Abschluss der Förderung durch das Dirigentenforum. Jury, Chor und Publikum waren sich einig und kürten unsere Absolventin Hsin-Chien Fröhlich zur Gewinnerin des Wettbewerbs und des erstmals vergebenen Publikumspreises. Ausführliche Berichte zum Wett-

    bewerb und zum Finalkonzert in der Berliner Philharmonie lesen Sie auf den Seiten 4 bis 11.

    Darüber hinaus veranstaltete das Diri-gentenforum in den vergangenen sechs Monaten Kurse in Leipzig, Dortmund, Halle, Nürnberg und Tartu – Berichte und fotografi sche Eindrücke fi nden sich auf den Seiten 12 bis 22. Einen Kurs der besonderen Art stellt das „Kritische Orchester®“ dar, seit drei Jahren ein Kooperationsprojekt zwischen dem Dirigentenforum und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. In drei Wertungsrunden erhalten die Teil-nehmer direktes und wertvolles Feed-back von den Musikern eines eigens zusammengestellten Profi -Projektor-chesters. EIn Interview mit Orchester-mitgliedern der diesjährigen Werkstatt ist auf den Seiten 23 bis 25 zu lesen, ein ausführlicher Bericht folgt in der Dezember-Ausgabe dieser Zeitschrift.

    Das Team des Dirigentenforums wünscht Ihnen spannende Lektüre sowie eine schöne und erholsame Sommerzeit!

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    Hector BerliozSymphonie fantastique op. 14

    „Die Geschichte meiner Liebe … meiner Qualen, meiner schmerzlichen Träume“

    Die Symphonie fantastique verhalf Berlioz zum Durchbruch und ist bis heute ungebrochen populär.

    Bis zur endgültigen Fassung nahm er über mehrere Jahre Revisionen vor. In die autographe Partitur, die auch bei

    Au ührungen benutzt wurde, fügte er viele dieser Änderungen dadurch ein, dass er die jeweiligen Takte

    oder Stimmen mit Papierstreifen überklebte.

    Dieses Faksimile im hochwertigen Vierfarbdruck gibt die Handschrift so wieder, wie sie heute vorliegt:

    mit den Papierstreifen, die sich au lappen lassen, sodass beide Versionen sichtbar sind.

    Faksimile der autographen Partitur in der Bibliothèque nationale de France

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  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    DER TAGESSPI EGEL, 23. APRI L 2018

    3. Deutscher Chordirigentenpreis in BerlinSeit drei Jahren gibt es den deutschen Chordirigentenpreis zur Förderung junger Talente. Diesmal geht er anChordirektorin Hsin-Chien Fröhlich vom Theater Hof. VON SYBI LL MAH LKE

    Das Theater Hof kann sich freuen, weil es eine ungewöhnlich talentierte Chordirektorin und Kapellmeisterin hat, die den nun zum dritten Mal verge-benen Deutschen Chordirigentenpreis gewinnen konnte. Sie heißt Hsin-Chien Fröhlich, stammt aus Taiwan, hat Chordirigieren in Weimar an der Hoch-schule „Franz Liszt“ gelernt und weist im Kammermusiksaal ein ingeniöses Verständnis für die Musik verschiedener Epochen auf. Drei Finalisten haben es in das Konzert im Berliner Kammer-musiksaal geschafft, das den Zuhörern ein abendfüllendes Bad im Wohlklang des RIAS Kammerchors beschert: Ines Kaun, seit dieser Spielzeit Chordirek-torin am Theater Heidelberg, der schon mehrfach ausgezeichnete Israeli Yuval Weinberg, der bei Jörg-Peter Weigle an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ studierte, und eben Hsin-Chien Fröhlich. Sie erhält sowohl den Preis des sachkundigen Publikums als auch den einer Fachjury, bestehend aus anderen Dirigenten und „FAZ“-Kritiker Jan Brachmann. Ein Kandidat und zwei Kandidatinnen haben also gewonnen, die in ihrer Karriere schon auf gutem Wege sind.

    Der Preis bildet den Höhepunkt und Abschluss der Förderung junger, in Deutschland wohnhafter Chor-dirigenten – im Rahmen des vom Deutschen Musikrat ausgerichteten Dirigentenforums. Die Betreuung der Stipendiatinnen und Stipendiaten umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahren, Meisterkurse und Prüfungen. Neben dem Preisgeld von 5.000 Euro werden Kontakte ermöglicht, Projekte mit Partnerchören, zu denen in Berlin der Rundfunkchor und der RIAS Kammerchor gehören. An vieles ist gedacht: So verschenkt der Verlag Bären-reiter Noten-gutscheine an alle drei Kandidaten. Das Final-

    konzert bereitet reine Freude, weil der RIAS Kammerchor seine A-cappella-Kultur in einer sorgfältig überlegten Programmfolge verströmt. Interpre-tiert werden jeweils Stücke aus dem „Berliner Chorbuch“ des Niederländers Rob Zuidam, geistliche Gesänge von Max Reger, französische Chansons von Paul Hindemith, Madrigale von Carlo Gesualdo. Für Heinrich Schütz und seine Geistliche Chormusik rückt eine kleine Generalbassgruppe ein. Das Juwel daraus darf Hsin-Chien Fröhlich dirigieren, die Motette „Also hat Gott die Welt geliebt“. Nach der Bekanntgabe der doppelten Preisträgerin durch den Management-Direktor des RIAS Kammerchors Bern-hard Heß und den Juryvorsitzenden Justin Doyle nimmt Fröhlich noch mit der Zugabe für sich ein, der Bach-Motette „Komm, Jesu, komm“. Was das Dirigentenforum des Deutschen Musikrats, dessen Präsident Martin Maria Krüger die Bedeutung der Chöre in Konzert und Oper hervorhebt, mit dieser Förderung leistet, will Weichen-stellung für die Zukunft der Musik sein.

    Hsin-Chien Fröhlich leitet den RIAS Kammerchor

    Yuval Weinberg und der RIAS Kammerchor

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    FRAN KEN POST, 24. APRI L 2018

    Beim Abschlusskonzert in der Berliner Philharmonie konnte Hsin-Chien Fröhlich sowohl das Publikum als auch die Fachjury überzeugen und sich gegen ihre beiden Mitfinalisten klar durchsetzen. Sie wies „ein ingeniöses Verständnis für die Musik verschie-dener Epochen auf“, würdigt der „Tagesspiegel“ ihr Talent. Neben dem Preisgeld von 5.000 Euro, gestiftet von der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) und der Vereinigung deut-scher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO), erwarten die Gewinnerin in der kommenden Konzertsaison Dirigate beim RIAS Kammerchor, dem Rundfunk-chor Berlin und beim WDR Rundfunk-chor. Hsin-Chien Fröhlich ist seit der Spielzeit 2015/16 Chordirektorin am Theater Hof und befindet sich momentan in Eltern-zeit. Intendant Reinhardt Friese enga-gierte die Absolventin der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar direkt im Anschluss an ihr Chordirigenten-studium. Das Theater Hof erweist sich mit dem Sieg der 30-Jährigen einmal mehr als „Talentschmiede“. Bereits ihr

    Vorgänger, Cornelius Volke, nahm 2014 als Finalist am Deutschen Chordirigen-tenpreis teil und wechselte 2015 an die Semperoper Dresden.Mit dem Deutschen Chordirigenten-preis wird für drei Finalisten die mehrjährige Förderung durch den Deutschen Musikrat beendet. Die

    Kandidaten qualifizieren sich durch ihre erfolgrei che Teilnahme am Dirigenten-forum für das Finalkonzert. Das Dirigentenforum ist das Förder-programm des Deutschen Musikrates für den dirigentischen Spitzennach-wuchs in Deutschland.

    Chordirigentin wird PreisträgerinHsin-Chien Fröhlich, Chordirektorin am Theater Hof, wurde mit dem Deutschen Chordirigentenpreis ausge-zeichnet, der am Samstag zum dritten Mal vom Deutschen Musikrat vergeben wurde. QU ELLE: FRAN KEN POST, HOF

    Hsin-Chien Fröhlich, Yuval Weinberg und Ines Kaun (im Vordergrund v.l.n.r.)

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    Der Deutsche Chordirigentenpreis 2018 wurde gefördert von:

    Medienpartner:

  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    NMZ 5/2018

    Das Dirigentenforum des Deutschen Musikrats fördert in der Sparte Chor-dirigieren junge talentierte Chorleiter. Beim 3. Deutschen Chordirigentenpreis präsentierten sich am 21. April die drei Finalisten des Dirigentenforums. Wie steht es um den dirigentischen Nachwuchs für Profichöre? Schaut man sich zum Beispiel nur die Rund-funkchöre an, so gibt es hierzulande offenbar nur wenige Spitzendiri-genten, die für die Zusammenarbeit mit solchen Profiensembles in Frage kommen. Und diese relativ wenigen Maestros geben sich bei den Ensem-bles als Gast- oder Chefdirigenten sozusagen gegenseitig die Klinke in die Hand. Tatsache ist auch, dass hierfür zurzeit vor allem Dirigenten in Frage kommen, die ihre Ausbildung in anderen Ländern genossen haben, wie etwa den Niederlanden, Großbri-tannien oder den Baltenrepubliken. Es mangelt also an geeigneten Spitzen-kräften, die hierzulande ausgebildet worden sind. Dieses Manko zu beheben, gehört zu den Zielen des Dirigenten-forums des Deutschen Musikrats. Daher wurde das bereits lange beste-hende Dirigentenforum im Jahr 2008 um die Sparte Chordirigieren erweitert. Was, so die Erkenntnis, jungen Chordiri-

    genten vor allem fehlt, ist die Erfahrung mit professionellen Ensembles, die kein Absolvent einer deutschen Musikhoch-schule vorweisen kann.Dreizehn Stipendiaten für Chordiri-gieren haben durch das Dirigenten-forum derzeit die Möglichkeit mit angesehenen Ensembles, darunter die Rundfunkchöre des NDR, WDR und MDR, der RIAS Kammerchor sowie einigen Opernchören, zu arbeiten. Angeleitet werden sie dabei von namhaften Chordirigenten wie Michael Gläser, Howard Arman, Simon Halsey, Stefan Parkman oder Jörg-Peter Weigle. „Das ist natürlich eine einzigartige Chance“, betont die Finalistin Ines Kaun, „denn wenn man die nicht hat, kann man die Arbeit mit Profiensem-bles auch nicht erlernen. Aber hier gibt es die Möglichkeit, im Rahmen von Meister-kursen jeweils eine Woche mit den Ensembles zu arbeiten und sich dadurch weiter zu entwickeln.“ Auch ihre Karriere sieht Kaun im Zusam-menhang mit den Chancen, die ihr das Dirigen-tenforum bietet. Kaun ist seit 2016/17 Chordi-rektorin am Theater Heidelberg. Die Erfahrung, dank des Dirigentenforums

    mit professionellen Opernchören in renommierten Häusern wie Frankfurt oder Stuttgart gearbeitet zu haben, war dabei mit Sicherheit hilfreich.Neben Kaun gehörten Hsin-Chien Fröh-lich und Yuval Weinberg zu den Fina-listen des 3. Deutschen Chordirigenten-preises, der zugleich Höhepunkt und Abschluss der Förderung beim Dirigen-tenforum darstellt. Zusammen mit dem RIAS Kammerchor erarbeiteten die drei Nachwuchsdirigenten ein Programm, das bewusst auf viele musikalische Stil-richtungen setzte. Von der Renaissance bis in die Moderne mussten Chorwerke von Heinrich Schütz, Carlo Gesualdo, Max Reger, Paul Hindemith und Rob Zuidam einstudiert werden. Um ein möglichst vollständiges Urteil abgeben zu können, bewertete die Jury auch die Probenarbeit der Finalisten und schließ-

    lich floss auch das Votum des Chores in die Juryentscheidung mit ein. All dies

    Eindrücke vom Finalistenkonzert des Deutschen Chordirigentenpreises VON ARN E SON NTAG

    Der lange Weg zur Spitze

    Das Publikum gibt sein Votum im Pausenfoyer ab

    Ines Kaun

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    NMZ 5/2018

    war ausgesprochen aufschlussreich.Zunächst konnte man in den Proben beobachten, dass alle Kandidaten sehr souverän mit einem Profiensemble arbeiten. Hier zeigt sich, dass die Stipendiaten im Rahmen der vielen absolvierten Meisterkurse in dieses Metier wunderbar hineingewachsen sind. Sie wissen, wie man eine Probe gut aufbaut, sich klar ausdrückt und können ihre musikalischen Vorstel-lungen gut vermitteln. Jede Inter-pretation hat schöne und originelle Momente. Doch wer überzeugt am meisten? Hier ließen sich dann doch

    einige Unterschiede ausmachen. So konnte man in den Proben beobachten, dass manches relativ ausführlich erläutert wurde, was die Dirigenten genauso gut hätten zeigen können, ein Ritardando etwa braucht nicht erklärt werden. Auch passierte es, dass sich Dirigenten zu sehr auf Details konzent-rierten und dabei das Gesamtbild eines Stückes verloren. Und schließlich stellt sich die Frage, inwiefern eine Interpre-tation zugleich der Stilistik des Stückes gerecht wird. So sollte eine Motette

    von Schütz mit einer entsprechenden Leichtigkeit daherkommen, die ausgewählten Madrigale von Gesu-aldo setzen sich wiederum aus einer Fülle von musikalischen Minidramen zusammen, die viel Raum für Gestal-tung und Phrasierung bieten. Hinde-miths „Six Chansons“ sind musikalische Kabinettsstückchen mit vielen dyna-mischen Wechseln, in denen zugleich die französische Sprache mit parlie-rendem Duktus zum Ausdruck kommen sollte. Bei Regers geistlichen Gesängen ist ein romantischer Pathos mit viel Klangfülle gefragt, doch darf dies auch

    nicht zu massiv geraten. So verlangte jedes Stück eigene Klangfarben und chorische Ausdrucksqualitäten.Im Finalkonzert schließlich konnte Hsin-Chien Fröhlich Jury wie Publikum am meisten überzeugen, denn sie ging mit der musikalischen Stilvielfalt am besten um. In der Generalprobe verlor sie sich, anders als ihre Mitbewerber, überhaupt nicht mehr in irgendwel-chen Details, sondern versuchte sich ganz auf die unterschiedliche Wirkung der Musik einzulassen. „Stimmung

    macht die Musik“, sagt Fröhlich, „wenn man diesen Moment nicht hat, dann ist es durchgesungen, aber wenn man die Stimmung findet, dann ist es berüh-rend und das möchte ich erreichen.“ Und noch etwas war entscheidend: Ihr gelang es am besten, die Sängerinnen und Sänger des RIAS Kammerchor mitzunehmen. Hier zeigt sich, dass für ein Profiensemble die Persönlichkeit des Dirigenten neben allem anderen ein ausschlaggebender Faktor ist.Freuen darf man sich übrigens auch darüber, dass die angestammte Männerdomäne des Dirigierens nun

    hoffentlich mehr und mehr von Frauen erobert wird. In der kommenden Konzertsaison wird Fröhlich Dirigate beim RIAS Kammerchor, dem Rundfunk-chor Berlin sowie dem WDR Rundfunk-chor übernehmen.

    Jury, Vertreter der fördernden Institutionen und die drei Finalisten bei der Siegerehrung: Prof. Michael Alber (Jury), Tobias Könemann (VdO), Johannes D. Schendel (Jury), Justin Doyle (Jury), Dr. Jan Brachmann (Jury), Yuval Weinberg (Finalist), Hsin-Chien Fröhlich (Preisträgerin), Ines Kaun (Finalistin), Prof. Martin Maria Krüger (Deutscher Musikrat), Bernhard Heß (Jury), Prof. Anne Kohler (Jury), Gerald Mertens (DOV), Ruth Jarre (Jury), Prof. Fredrik Malmberg (Jury) und Hannah Grieger (Bärenreiter-Verlag)

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    zuerst erschienen in:neue musikzeitung 5/2018, www.nmz.deMit freundlicher Genehmigung der ConBrio Verlagsgesellschaft mbH

  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    WDR 3, TONART, 23. APRI L 2018

    Von Schütz und Reger über Hindemith bis zum Berliner Liederbuch von Rob Zuidam spannt sich das Repertoire, das die zwei Kandi-datinnen und der Kandidat um den Deutschen Chordirigenten-preis vorbe-reiten. Zuidams Liedersammlung hat der RIAS Kammerchor vor knapp vier Jahren erst uraufgeführt. Der Israeli Yuval Weinberg hat sich ein holländisches Lied daraus ausge-sucht. [...] Fünf Tage Zeit hatten die jungen Teilnehmer, um sich auf das Wettbewerbskonzert mit dem RIAS Kammerchor in der Berliner Phil-harmonie vorzubereiten oder auch mehrere Jahre lang mit Praktika und Hospitanzen bei Profichören, die die Förderung des Deutschen Musikrats ihnen ermöglicht hat. Vielleicht sogar noch länger, überlegt Yuval Weinberg, der in Chören singt, seit er sieben Jahre alt war und schon als Teenager wusste, dass Chordirigent sein Traumberuf ist. „Ich finde es megaspannend, von Null anzufangen. In Israel habe ich das oft mit jungen Leuten gemacht, die von überall kommen und keinen musikalischen Hintergrund haben. Jetzt arbeite ich in Oslo mit dem internatio-nalen Jugendchor und da studieren alle Gesang oder Chorleitung, in dem Sinne sind sie eigentlich fast wie Profis, nur dass es natürlich auch Grenzen gibt, weil nicht alle fertige Sänger sind. Aber mein Ideal von der Musik, egal, welches Stück, ist so, wie es ist und egal, wie der Chor ist, versuche ich die Musik, die mir

    im Kopf schwebt, nach Außen sozu-sagen aus dem Chor heraus zu fördern“, meint Yuval Weinberg. Natürlich ist es mit einem Spitzenensemble eine besondere Freude, einen Gestaltungsgedanken sofort umgesetzt zu hören. Ines Kaun, die seit Herbst 2016 Chordi-rektorin am Theater Heidel-berg ist, wünscht sich für ihre Interpretation von Hindemiths Musik eine Aussprachennu-ance und bekommt sie prompt. [...] Anders als Yuval Weinberg und Ines Kaun hat Hsin-Chien Fröhlich europäische Chor-kultur während ihrer Kindheit in Taiwan nicht kennengelernt. Erst während ihres Kirchen-musikstudiums in Halle. [...] In der Jury sitzen Chorprofessoren und Musikjournalisten, auch ein Sänger des RIAS Kammerchores. Sie bewerten die Dirigiertechnik, achten aber auch auf Probeneffizienz und den Kontakt zwischen den Dirigenten und den Sängern, denn das ist das A und O eines inspirierenden Chorleiters. Interpreta-tion spiele für die Jury eine untergeord-nete Rolle, sagt der Juryvorsitzende und

    Chefdirigent des RIAS Kammerchores Justin Doyle: „Es gibt nie recht und schlecht, es gibt kein Perfekt. Wir haben alle unterschiedliche Meinungen, es ist nur wichtig, dass alles, was wir machen, gut vorbereitet ist und dass jeder Kandidat, jeder Dirigent vorher ganz feste Ideen hat, aber auch die Möglich-keit wahrnimmt, mit dem Chor zu wachsen. Wir müssen irgendwie immer diese Chemie finden. Man kann Ideen haben, die sind immer ganz unter-schiedlich zwischen den Kandidaten, aber sie müssen irgendwie überzeu-gend sein [...].“ Hsin-Chien Fröhlich überzeugt schließlich die Zuschauer des Wettbewerbs, die zum ersten Mal einen Publikumspreis vergeben dürfen und auch die Fachjury. Sie erhält den mit fünftausend Euro dotierten Chordiri-gentenpreis 2018.

    Alle drei Kandidaten hätten sich in der vorherigen Woche stark entwickelt, so die Jury. Hsin-Chien Fröhlich aber hat die Verbindung zum Chor am besten gefunden.

    Die richtige Chemie finden Hsin-Chien Fröhlich überzeugte auf ganzer Linie. VON J U LIA KAISER

    Der Beitrag wurde am 23. April 2018 in der Sendung „Tonart“ auf WDR 3 gesendet.

    Yuval Weinberg

    Hsin-Chien Fröhlich erhält den Publikumspreis überreicht von Prof. Martin Maria Krüger (Präsident des Deutschen Musikrats)

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    Deutscher Chordirigentenpreis beim RIAS Kammerchor Beruf des Chordirigenten im Fokus VON KLAUS GEH RKE

    Ruhig und konzentriert geht die junge Dirigentin Hsin-Chien Fröhlich mit den Sängerinnen und Sängern des RIAS Kammerchores ein letztes Mal ihr Programm für das Abschlusskonzert beim Chordirigentenpreis im Kammer-musiksaal der Berliner Philharmonie durch. Alles soll in wenigen Stunden beim Finale sitzen – und das gilt auch für die Zugabe, die der Gewinner oder die Gewinnerin des Preises abschlie-ßend mit dem Chor aufführt: Johann Sebastian Bachs Motette „Komm, Jesu komm“.Hsin-Chien Fröhlich gehörte zusammen mit Ines Kaun und Yuval Weinberg zu den diesjährigen Wettbewerbskandi-daten des Chordirigentenpreises, der 2018 zum dritten Mal vergeben wurde. Dieser deutschlandweit einzigartige Wettbewerb unterscheidet sich deut-lich von den meisten anderen in der Republik: Denn hier geht es nicht nur darum, aus einer Anzahl von Teilneh-merinnen und Teilnehmern die besten drei zu küren. Der Chordirigentenpreis,

    der zusammen von RIAS Kammerchor, Deutschem Musikrat und dessen Dirigentenforum veranstaltet wird, setzt auf eine nachhaltige Förderung des Nachwuchses in diesem wichtigen Bereich und bewertet insbesondere die Entwicklung der Kandidaten. Zum diesjährigen Jurorenteam gehört der Chordirektor des RIAS Kammerchores, Bernhard Heß. Von ihm ging übrigens die Initiative zu diesem Preis aus:Berhard Heß: 2007 haben wir das erste Mal zusammengesessen mit Hans-Christoph Rademann und Jörg-Peter Weigle von der Hanns-Eisler-Musik-hochschule und haben uns die Frage gestellt, warum sind eigentlich die meisten Chefdirigenten der deutschen Profichöre entweder nicht in Deutsch-land ausgebildet oder aber keine deut-schen Dirigenten. Und um da vielleicht auch ein bisschen die Frage zu stellen, ist die Ausbildung an den deutschen Hochschulen möglicherweise nicht gut genug, sind wir dann zum Deutschen Musikrat gegangen und haben gesagt,

    das erfolgreich laufende Programm des Dirigentenforums auf das Chordiri-gieren ausweiten, und dann hat es ein bisschen gebraucht, aber letztlich hat sich der Musikrat dann darauf einge-stellt und hat dann eben diese Erwei-terung vorgenommen und insofern ist der RIAS Kammerchor Mitinitiator dieser ganzen Geschichte gewesen.

    Obwohl es in Deutschland genauso viele renommierte Chöre gibt wie Orchester, werden die Klangkörper in der Regel stärker wahrgenommen als die Vokalensemble. Dazu tragen in erster Linie auch die Dirigenten bei, die, mal mehr oder weniger, immer noch den Ruf eines Taktstockmagiers inne-haben. Verglichen damit stehen ihre Kollegen mit vokalem Schwerpunkt zu Unrecht im Schatten:Heß: Der Chordirigent hat speziell in Deutschland einen ganz anderen Stel-lenwert als der Orchesterdirigent, Sie sehen das an ganz banalen Geschichten wie zum Beispiel an Konzertrezen-sionen, wo über den Chor, über die Werke geschrieben wird, es aber bisweilen vorkommt, dass der Dirigent mit keinem einzigen Wort erwähnt wird, und das ist einfach ein Zustand, den ich ein bisschen problematisch finde und das ist auch sozusagen die zweite Motivation gewesen, hier einen Chordirigentenpreis bzw. ein Chordiri-gentenforum ins Leben zu rufen, weil es uns einfach darum geht, das Image des Chordirigenten anzuheben, der immer eher verächtlich als Chorleiter bezeichnet wird; wir benutzen diesen Begriff nicht mehr.

    Auch die drei Kandidaten beim Wett-bewerb sind alles andere als „nur“ Chorleiter: Ines Kaun arbeitet als Chor-direktorin beim Theater Heidelberg; in gleicher Funktion ist Hsin-Chien Fröhlich am Stadttheater in Hof tätig.

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    Hsin-Chien Fröhlich und der RIAS Kammerchor

    DEUTSCH LAN DFU N K, H EIMSPI EL, 16. MAI 2018

  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    Yuval Weinberg ist künstlerischer Leiter zweier Chöre in Norwegen und hat unter anderem mit dem Nederlands Kamerkoor oder dem Chor des Baye-rischen Rundfunks gearbeitet. Alle drei werden vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates gefördert, und der Chordirigentenpreis hat darin für sie eine zentrale Bedeutung, sagt Yuval Weinberg:Yuval Weinberg: Das Besondere ist, dass dieser Wettbewerb ein Finale von vier oder fünf Jahren ist, und es ist nicht nur ein Projekt von einer Woche, sondern man hat, kann man sagen, fast vier Jahre gearbeitet, um das erreichen zu können.

    Der Höhepunkt des Chordirigenten-preises, und da sind sich alle drei Kandi-daten einig, ist nicht nur das finale Konzert, sondern die Probenwoche mit dem RIAS Kammerchor. Und der, meint Ines Kaun, hat schon eine besondere Klasse: Ines Kaun: Ja definitiv, es ist wirklich einer der weltbesten Chöre, die es gibt, der weltbesten Profichöre, und von daher ist es natürlich eine Herausfor-derung.

    Die betrifft nicht nur die musikalische Seite. Alle drei kennen sich im Umgang mit guten Chören aus. Doch vor einem solch renommierten Ensemble wie dem RIAS Kammerchor zu stehen, ist

    schon eine ziemlich aufregende Ange-legenheit. Und eine gewisse Portion Nervosität musste auch Hsin-Chien Fröhlich verarbeiten. Dabei hatte sie die Sängerinnen und Sänger schon vorher einmal kennen gelernt:Hsin-Chien Fröhlich: Ich war nämlich vor drei Jahren schon mal hier beim Kurs von Herrn Gläser, da durfte ich als Studentin schon mit dem RIAS Kammerchor arbeiten und ich habe eigentlich diesmal gedacht, vielleicht bin ich weniger aufgeregt, aber das wurde nicht weniger, weil was heißt aufgeregt, man weiß, jetzt habe ich einen sehr guten Chor, was man viel-leicht nur jetzt noch einmal im Leben hat, da möchte man wirklich vieles erreichen oder vieles ausprobieren oder überhaupt nicht nur wegen dem Preis, sondern was man sonst mit anderen Chören vielleicht nicht erreichen kann, dass man das einmal erreichen kann.

    Zwar dürften die Sängerinnen und Sänger des RIAS Kammerchores angesichts ihrer Routine mit unter-schiedlichen Dirigenten der Wettbe-werbswoche deutlich gelassener entge-gengesehen haben; dennoch war man durchaus neugierig auf die Führungs-qualitäten der jungen Kandidaten, sagte Johannes Schendel, Mitglied des Chores und der Jury:Johannes Schendel: Es ist schon wichtig, dass vor uns eine Persönlichkeit steht,

    wir sind immerhin 35 gestandene Sänger, die alle auch ihre eigene Persön-lichkeit haben, und es braucht schon jemanden vorne, der fähig ist, das alles in einen Klang zu bringen, in eine Form zu passen, und da irgendwie zu weich zu sein ist nicht immer von Vorteil, man muss flexibel sein gegenüber den Sängern, aber man muss schon sehr genau wissen, was man will, inhaltlich, musikalisch, auch technisch von den Sängern fordern kann und will, und je gestandener die Persönlichkeit ist, die uns begegnet, eigentlich desto leichter ist für uns der Job.

    Allerdings muss auch der Chor eine große Flexibilität zeigen und sich schnell auf die verschiedenen Charak-tere, Temperamente und vor allem musikalischen Interpretationen der einzelnen Kandidaten einstellen. Und das verlangt auch von den Profisän-gerinnen und Sängern ein hohes Maß an Konzentration. Mit den diesjäh-rigen Wettbewerbsteilnehmern seien alle sehr zufrieden, meint Johannes Schendel:Schendel: Die drei Kandidaten sind tatsächlich sehr unterschiedlich, aber sie schaffen es schon in sehr kurzer Zeit, ihren eigenen Stil in die Probenarbeit zu bringen und die Ergebnisse, die sie suchen, jeweils zu fordern, also von daher ist es schon gut machbar, sich darauf einzustellen.

    Die große Offenheit und Kooperations-bereitschaft des Vokalensembles sorgt wiederum bei den Teilnehmern des Chordirigentenpreises für ein ange-nehmes Gefühl des Verständnisses und des Ernstgenommenwerdens:Fröhlich: Die Chorsänger sind sehr offen, sie lassen uns ganz viel auspro-bieren, sie sind nicht ungeduldig oder denken, wir sind jetzt der RIAS Kammer-chor, sondern die machen wirklich viel für uns und das finde ich wirklich toll.

    Seit seiner ersten Vergabe im Jahr 2014 hat der Chordirigentenpreis, der einzige dieser Art in Deutschland, unter jungen Dirigentinnen und Dirigenten dazu Mitglieder des RIAS Kammerchores

    DEUTSCH LAN DFU N K, H EIMSPI EL, 16. MAI 2018

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    beigetragen, ihr Augenmerk verstärkt auch auf diese durchaus bedeutende Gattung zu richten. Und dass der RIAS Kammerchor dabei mit von der Partie ist, sagt Johannes Schendel, sei nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch in gewisser Weise eigen-nützig:Schendel: Also gerade im Hinblick dessen, dass wir ja mitverantwortlich sind für das Ganze, ist das natürlich schon auch für uns als Chor, nicht nur als Organisation, sondern auch für die Sänger, eine Veranstaltung, die wir mittragen, die uns auch am Herzen liegt, denn im Idealfall ist das die Zukunft unserer Dirigenten, mit denen wir in den folgenden Jahren zusam-menarbeiten können.

    In diesem Zusammenhang hat für Chordirektor Bernhard Heß noch ein weiterer Aspekt eine große Bedeutung:Heß: Ich glaube auch, dass es für uns wichtig ist, jungen Dirigenten eine Plattform zu geben, jungen Dirigenten zu signalisieren, was erwartet sie eigentlich, wenn sie in den Profibereich gehen wollen, und ich sehe es auch ein Stück weit als gesellschaftliche Verantwortung, wir sind ja nun ein hoch subventioniertes Ensemble und ich denke, da haben wir auch Verant-

    wortung, etwas zurückzugeben.Darüber hinaus, so Heß, könnten die guten Beziehungen des Berliner Kammerchores zu befreundeten Vokal-ensembles im Ausland dazu beitragen, den bisher nationalen Wettbewerb zukünftig auf eine neue Ebene zu heben:Heß: Der RIAS Kammerchor ist ja auch Mitbegründer eines europäischen Netzwerkes von professionellen Kammerchören, dem so genannten Tenso-Netzwerk, und wir haben schon auch mit dem Musikrat und den Verantwortlichen des Netzwerkes diskutiert, ob man nicht den Deutschen Chordirigentenpreis internationalisiert, denn auch das Tenso-Netzwerk bietet Dirigenten-Workshops an und derglei-chen mehr, und das ist im Moment noch im Gespräch und noch nichts entschieden, aber zumindest ist ein Stein angestoßen, darüber nachzu-denken.

    Der Chordirigentenpreis des Deut-schen Musikrates ist deutschlandweit einzigartig und er lenkt den Blick auf eine hierzulande eher noch im Schatten großer Pultstars stehende Interpreten-gruppe: die Chordirigenten. Der Preis wurde am 21. April 2018 im Kammer-musiksaal der Berliner Philharmonie

    zum dritten Mal vergeben. Maßgeblich beteiligt an dem Preis ist der RIAS Kammerchor; das Wettbewerbspro-gramm, das jeder der drei Teilnehmer am 21. April vor Jury und Publikum präsentierte, war breit gefächert und beinhaltete sowohl Werke des Barock als auch der späten Romantik sowie der frühen und zeitgenössischen Moderne.

    Preisträgerin 2018 ist Hsin-Chien Fröh-lich. An der mit 5.000 Euro dotierten Auszeichnung sind auch die Deut-sche Orchestervereinigung und die Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer beteiligt. Auch der erstmals vergebene Publikumspreis ging an die junge Dirigentin. Darüber hinaus wird sie in der kommenden Konzertsaison Projekte und Einstudie-rungen bei Partnerchören des Dirigen-tenforums übernehmen, zu denen neben dem RIAS Kammerchor auch der Berliner Rundfunkchor oder der WDR Rundfunkchor gehören. Zusätzlich erhalten alle drei Finalisten Notengut-scheine des Bärenreiter-Verlages.

    In der Deutschlandfunk-Sendung HEIMSPIEL vom 16. Mai 2018 folgten nun Ausschnitte aus dem Finalkonzert am 21. April 2018 im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Zu Beginn erklang „Sehnsucht nach Berlin“ aus dem „Berliner Chorbuch“ des nieder-ländischen Komponisten Rob Zuidam. Das 2014 vom RIAS Kammerchor uraufgeführte Werk entstand übrigens in dessen Auftrag. Danach folgten aus Max Regers geistlichen Gesängen op. 138 der „Morgengesang“ und „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz, SWV 380. Der RIAS Kammerchor wurde zunächst geleitet von Ines Kaun, dann von Yuval Weinberg und zuletzt von Hsin-Chien Fröhlich.

    Der Beitrag wurde am 16. Mai 2018 in der Sendung „HEIMSPIEL“ im Deutschlandfunk gesendet.

    DEUTSCH LAN DFU N K, H EIMSPI EL, 16. MAI 2018

    Bernhard Heß moderiert die Preisvergabe

  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    LEI PZIGER VOLKSZEITU NG (LVZ), 8. JAN UAR 2018

    „Ich wollte“, steht MuKo-Chefdirigent Stefan Klingele Moderatorin Bettina Volksdorf am Samstagabend bereit-willig Rede und Antwort, „mal etwas Anderes versuchen“. Nicht, um sich bewusst abzusetzen von Roland Seiffarth und seiner Art, den jährlichen Operetten-Workshop des Dirigenten-forums beim Deutschen Musikrat zu leiten, sondern weil er seine neue Idee für gut halte. Und, ja: Sie ist es. Erstmals also gibt es beim Abschluss-konzert kein Nummernprogramm, bei dem jeder Teilnehmer seinen Konzertwalzer, seine Polka, seine Arie, sein Ensemble dirigiert, sondern ein ganzes Werk: Erich Wolfgang Korngolds „Das Lied der Liebe“ – 1931 im Berliner Metropol-Theater uraufgeführt und nach der Erstproduktion in die Mühlen der Geschichte geraten: Korngold floh vor den Nazis nach Amerika, wurde in Hollywood zum Soundtrack-Star – aber der größte Teil seines großartigen Schaffens versank im Vergessen. „Das Lied der Liebe“ ist also die dritte Ausgrabung im Haus Dreilinden inner-halb eines Jahres. Und das Stück ist so charmant, so unverhohlen auf Wirkung zielend, so rauschend und so virtuos, dass sich die MuKo an eine szenische

    Produktion wagen sollte. Abgesehen davon ist eine solche unbekannte Schöne die perfekte Geliebte für den dirigierenden Nachwuchs. Denn die Genre-Juwelen der Vorjahre spielt das MuKo-Orchester im Zwei-felsfalle auch ohne Frackträger am Pult. Hier aber ging es darum, mit dem Orchester innerhalb einer Woche ein dem Orchester völlig unbekanntes Werk einzustudieren. Was so auch wieder nicht stimmt. Denn „Das Lied der Liebe“ ist ein dreiaktiges Potpourri aus Material der Walzerfamilie Strauß. Und so ist eben doch so ziemlich jede Melodie bekannt, die da in rund anderthalb Nettostunden gespielt und gesungen wird. Aber anders: anders instrumentiert, anders harmonisiert, anders oder gar nicht textiert, anders dramatisiert. Das macht es den drei jungen Dirigenten, die vom Deutschen Musikrat in den Ring geschickt wurden, nicht einfacher – die Sache aber span-nend und ergiebig.Es ist erstaunlich, wie deutlich in dieser Workshop-Woche sich drei sehr unter-schiedliche künstlerische Handschriften entfalten konnten: Valentin Egel, Jahrgang 1994 und noch Student an der Weimarer Musikhochschule, macht als

    Jüngster im Bunde mit dem größten Teil des ersten Aktes den Anfang. Er nahm sich offenkundig zu Herzen, was Klingele ihm vermittelt habe: „Es geht nicht darum – was steht da jetzt genau!“, das Bauchgefühl sei wichtiger. Da zuckt man erst einmal zusammen. Denn auch im heiteren Fach sollte doch der Notentext die Hauptrolle spielen, obschon er in Ermangelung einer Partitur aus dem Klavierauszug zu lernen und leiten ist.Egel jedenfalls tritt forsch bis ungestüm an die Sache heran. Was durchaus Reiz entwickelt. Schön fließen seine Tempi, flexibel reagiert er auf die Sänger und hält metrisch doch die Zügel in der Hand. Das viele Lametta, der Flitter, die Girlanden aber, die Korngold zwischen die Strauß-Schichten blies, streute, band und wob, sie gehen ihm allzu oft durch die Lappen. So lässt sich allenfalls ahnen, welche Herrlichkeiten da im Gebläse funkeln könnten, wie Korngold Mittelstimmen ziselierte und betörende Instrumentations-Effekte einband. Und doch: Man sieht Egel gern zu, und dem eigenen Bauchgefühl vertrauend, ist auch das Ergebnis so, dass Korngolds Kunst ihr Ziel erreicht.Das Bessere indes ist auch in der Musik des Guten Feind. Und so überzeugt Alexander Sinan Binder, geboren 1990 und als Student in Düsseldorf bereits Assistent und Korrepetitor an der Deutschen Oper am Rhein, mit seiner sinnlichen Sorgfalt doch mehr. Tief leuchtet er in den Satz hinein, lässt Samt und Seide schimmern, Korngolds Fantasie flirren – und gestaltet doch, das hat er von Klingeles Ausführungen mitgenommen, „die Musik aus der Dramaturgie heraus. Denn Operette ist nie nur Konzert.“ Recht hat er – und formt seinen Korngold weicher, wärmer, erotischer und reifer.Der Schluss liegt in den Händen Clemens Mohrs. Der 1989 geborene

    Korngolds perfekte GeliebteNeues Konzept für den bewährten Operettenworkshop VON PETER KORFMACH ER

    Valentin Egel, Stefan Klingele, Clemens Mohr und Alexander Sinan Binder

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    LEI PZIGER VOLKSZEITU NG (LVZ), 8. JAN UAR 2018 | NMZ ON LI N E, 8. JAN UAR 2018

    Operettenworkshop mit Korngold: „Das Lied der Liebe“ frei nach Johann StraußEine Probenwoche auf Expertenniveau VON ROLAN D H. DI PPEL

    Diesmal ist es sogar für Entrüstungs-strategen eine politisch korrekte Entdeckung, auch wenn das Buffo-paar bei Korngold schon 1931 im harten Marschschritt dem erotischen Vollschuss entgegenvibriert. Erich Wolfgang Korngold, der während des Nationalsozialismus von Wien in die Vereinigten Staaten emigrierte, brachte 1931 am Berliner Metropoltheater seine Operette „Das Lied der Liebe“ heraus, eine sentimentale Erneuerung frei bis ganz frei nach Johann Strauß Sohn. Erstmals gab es beim Abschlusskon-zert des Operettenworkshops in der Musikalischen Komödie Leipzig die

    konzertante Aufführung eines ganzen Werks anstelle eines Konzerts mit Wett-bewerbscharakter. Drei hochbegabte Anfänger erhielten durch das Dirigen-tenforum des Deutschen Musikrats davor die Gelegenheit zu einer Proben-woche auf Expertenniveau.Alle Zeichen stehen auf Harmonie. Moderatorin Bettina Volksdorf entlockt den drei Teilnehmern und Chefdirigent Stefan Klingele, der vom im Publikum lauschenden Roland Seiffarth die Leitung des Operettenworkshops 2015 übernommen hatte, erfahrungsgereifte Aphorismen. Etwa den, dass maso-chistisch selbstkritische Dirigenten

    den Vorsatz zur Zufriedenheit vor Vorstellungsbeginn fassen können oder dass im Ernstfall des Liveauftritts die Emotion immer die Schlagtechnik überwältigt. Das Ensemble mit Lilli Wünscher (Diva fast wie „Arabella“), Adam Sanchez (lyrischer Jux-Tenor), Mirjam Neururer („eine vom Theater“), Andreas Rainer (Tenor von Adel) und Anna Evans (erotische Knallsoubrette), dazu der für Christian Geltingers Zwischentexte die richtige Ironie-Würzmischung findende Hans Georg Pachmann und das auf Samt einge-stellte Orchester der Musikalischen Komödie bereiten den drei Dirigier-

    Hamburger studierte ebenfalls in Weimar und ist seit Beginn der Spielzeit Studienleiter in Hof. Der Linksstäbler erweist sich als der Zuchtmeister unter den Dreien und nimmt mit strengem Blick die Extreme in den Blick. Ohne dabei das Detail aus den Augen zu verlieren, klingt sein Korngold-Strauß verbindlicher, auch etwas spitzer als der Binders. Ein sehr gekonntes, aber auch etwas routiniertes Dirigat. Mohr lernte nach eigenem Bekunden vor allem dies: „Man kann sich vorher vornehmen zufrieden zu sein.“Innerhalb eines (unbekannten) Werkes und innerhalb einer Woche diese Handschriften so deutlich hörbar zu machen, gelingt dem MuKo-Orchester wie selbstverständlich. Damit beweist es zweierlei: In diesem Genre spielt den Leipzigern kaum ein Klangkörper etwas vor, und für diesen Workshop sind sie auch mit der neuen Konstruk-tion allererste Wahl. Überdies haben die Teilnehmer am Haus Dreilinden die Möglichkeit, mit Sängern zu arbeiten, auf die sie im Verlauf ihrer Karrieren sonst lange warten müssen.Das gilt vor allem für den tenoralen

    Neuzugang Adam Sanchez, der in der gewaltigen Partie des Grafen Richard auf den Spuren des großen kleinen Richard Tauber die Sterne vom Himmel singt. Um den Schmelz,

    die Klangschönheit, die Höhe, die Kultiviertheit, den Charme, den Bronzestrahl dieses phänomenalen Sängers dürfte manches große Haus die MuKo beneiden. Die Leipziger sollten ihn in Watte packen oder, wenn das nicht hilft, am nächsten Heizkörper anbinden. Sonst ist er bald wieder weg.

    Lilli Wünscher färbt ihren Sopran, wie sie ihn nun einmal färbt – Geschmacks-sache. Aber wie sie sich als Baronin Paulette von den jungen Dirigenten begleiten lässt, wie sie mal führt und mal reagiert, wie sie sich einbringt und einbindet in ein großes Ganzes, das macht auch sie zur Idealbesetzung in einem solchen Abschlusskonzert. Glei-ches gilt für den fabelhaften Andreas Rainer und die wunderbare Mirjam Neururer als komisches Paar sowie für Hinrich Horn und Anna Evans in den kleinen Partien.Als Erzähler versucht Hans Georg Pasch-mann mit sachter Ironie und mäßigem Erfolg die wirr bis irr kolportierte Hand-lung plausibel zu machen. Aber das Entscheidende klärt ohnehin Korngold mit den Melodien der Sträuße: Am Schluss finden selbstredend Richard und Paulette zueinander und das Publikum zu einer neuen Operette. Wäre die MuKo etwas offensiver mit dem Umstand umgegangen, dass „Das Lied der Liebe“ ein prallvolles Füllhorn unsterblicher Strauß-Melodien entleert, es wäre gewiss voller geworden im vor Begeisterung vibrierenden Parkett.

    Clemens Mohr am Pult der MuKo

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    kandidaten einen wohlig temperierten Empfang. Der warme Applaus macht große Lücken in den Hörerreihen mehr als wett.Stefan Klingele würdigt Korngolds Operette, die alles andere als die auf dem Titel der Schott-Ausgabe vermerkte Bearbeitung von Strauß‘ „Das Spitzentuch der Königin“ ist, als ideales Material für dirigierende Operettennovizen. Hier lernen sie neben dem genreüblichen Schmiss die andere wichtige Kompetenz des Metiers: Nämlich die, den Orchestermu-sikern genauso wichtige Weichheit zu entlocken.Dazu gibt es im „Lied der Liebe“ überreichlich Gelegenheit: Das frühere Wunderkind legte über die Richtung gute alte Habsburger Monarchie blin-zelnde Geschichte verdichtende Rhyth-musstrukturen und eine aufweichende, dichte Instrumentation: Adeliger Filou mit Spielschulden findet nach irritie-renden Komplikationen große Liebe, die allerdings erst ihr Verlöbnis mit einem adeligen Herrn lösen muss.Dieses Opus mit Liedern für den legendären Richard Tauber hilft einem die zwei Jahre später uraufgeführte „Arabella“ von Richard Strauss besser zu verstehen und ist eine abendfül-lende Variationen-Reihe von „Morgen-blätter“ und „Geschichten aus dem Wienerwald“. Harfe, Schlagwerk und Orchesterklavier setzen aparte Effekte. Lehárismen wie der Seitenblick zu Rossillons „kleinem Pavillon“ und das für Korngold typische erotisierende

    Streicherfluidum entkräften die eindeu-tige Genre-Definition. Dieses feine Salonsilber, in das Korngold vorsätzlich Patina hineinkomponierte, will nicht ohne den elitären Hauch modischer Modernismen auskommen. Spätestens beim Melodram der Diva kurz vor der Lösung des Konflikts wird klar, wie schwer diese delikate Edelschmonzette ist. Ein Hybrid-Werk, dessen praktische Bewältigung neben Operette auch für Richard Strauss und alle Formen von Szenenmusiken eine harte, gute Schule ist.In etwa drei gleichgroße Dirigierpor-tionen wurde das Filetstück aus dem Berliner Metropoltheater zerlegt und tatsächlich ist in diesen zwei Stunden eine spieltechnische wie interpretie-rende Diversifizierung durch die drei jungen Dirigenten merkbar.Valentin Engel, der an der Hochschule für Musik Weimar im Sommer 2017 die Produktion von Puccinis „Gianni Schicchi“ leitete, hatte es zu Beginn am schwersten, den so schwierigen, auch für das Orchester der Musikalischen Komödie eher ungewohnten Gout herzustellen. Er holt die Nebenstimmen in der kurzen Ouvertüre aus dem akustischen Schatten und entgeht dadurch der hier weniger angemessenen Rhythmi-sierung. Weil die Solisten

    so sicher sind, kann er sich ganz auf das Orchester konzentrieren, instrumen-tale Farbwerte wechseln und mischen. Dadurch gelingt ihm ein fast kammer-musikalisches und doch angemessen kompaktes Klanggespinst, das feine Zäsuren ins halbszenische Geschehen bringt.Alexander Sinan Binder, derzeit als Pianist an nordwestdeutschen Thea-tern gut unterwegs, unterstützt den salonartigen Fluss mit runden kleinen Bewegungen. Stilistisch vielleicht das schwerste an diesem Abend: Das große Walzer-Potpourri ist am wenigsten Korngold, am meisten „echter“ Strauß, bricht deshalb aus den harmonischen Reizwirkungen des „Lieds der Liebe“ heraus. Solisten und Orchester wirken unter Alexander Sinan Binder stärker miteinander verblendet als bei Valentin Egel.Clemens Mohr, Studienleiter am

    Abschlussapplaus für alle Beteiligten in der Musikalischen Komödie Leipzig

    Valentin Egel

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    Theater Hof, übernimmt dort am 13. Januar in Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ sein erstes Nachdirigat. Bei ihm merkt man am meisten einen praktikabel agierenden Zugriff und steuernde Verve. Und er lässt, sofern das nicht durch die vorgegebenen dramatischen Situationen täuscht, die Solisten handfester agieren. Bei ihm wirken alle Beteiligten mit weniger Vorsicht, wie auf vertrautem Terrain.Ein Gewinn ist der Abend für Akteure und Hörer. Hier haben es die Eleven mit Experten einer souveränen Operetten-diktion und musikalischen Könnern des Metiers zu tun. Die Bühnenrealität mit Dialogschwierigkeiten internationaler Ensembles und ein im Bühnenalltag oft verwässernder Operettenzugriff schauen vielerorts anders aus. Auf alle Fälle ist ein komplettes, wenn auch spezielles Werk wie „Das Lied der Liebe“ für das Projekt der weitaus bessere Tummelplatz als die überbekannten Gewerbestandards mit Wunschkonzert.Clemens Mohr, geboren 1989. Diri-gierstudium in Frankfurt (Main) und bei Prof. Wojciech Rajski und an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar bei Prof. Gunter Kahlert, Prof. Nicolás Pasquet und Prof. Ekhart Wycik. Seit 2016 gefördert durch das Dirigen-tenforum des Deutschen Musikrates. Meisterkurse u.a. bei Bernard Haitink, Peter Eötvös, Jorma Panula. Assistenzen bei der Jungen Oper Schloss Weikers-heim, der Sommer Oper Bamberg und den Bamberger Symphonikern. Zusam-

    menarbeit mit der Jungen Oper Rhein-Main und der Kammeroper Frankfurt. Seit der Spielzeit 2017/18 Studienleiter am Theater Hof.Alexander Sinan Binder, geboren 1990. Seit 2010 Dirigierstu-dium bei Prof. Rüdiger Bohn an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Seit 2016 gefördert durch das Diri-gentenforum des Deutschen Musi-krates. 2017 Auslandssemester an der Zürcher Hochschule der Künste bei Prof. Johannes Schlaefli. Meisterkurse bei Prof. Colin Metters, Prof. Peter Gülke und Prof. Johannes Schlaefli. Engagements als musikalischer Assi-stent, Korrepetitor und Pianist an der Deutschen Oper am Rhein, am Theater Osnabrück sowie am Staatstheater Mainz.Valentin Egel, geboren 1994. Seit 2014 Dirigierstudium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar bei Prof. Nicolás Pasquet, Prof. Ekhart Wycik und Prof. Gunter Kahlert. Seit 2017 gefördert durch das Dirigentenforum des Deut-schen Musikrates. Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Akademischen Orchesters Ilmenau und der Jungen Symphoniker Südbaden. Künstlerischer

    Leiter bei der studentischen Opernpro-duktion von Puccinis „Gianni Schicchi“ im Jahr 2017. Auszeichnung durch die Neue Liszt Stiftung Weimar mit dem Charlotte-Krupp-Stipendium. Seit dem Wintersemester 2017/18 Dirigent des Studenten-Sinfonieorchesters der katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Freiburg. Erster Preisträger des 8. Dirigierwettbewerbs der Mitteldeut-schen Musikhochschulen des MDR Sinfonieorchesters.

    Valentin Egel, Alexander Sinan Binder, Clemens Mohr und Lilli Wünscher

    Alexander Sinan BinderFO

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    zuerst erschienen in:nmz online, 8. Januar 2018, www.nmz.deMit freundlicher Genehmigung der ConBrio Verlagsgesellschaft mbH

    Beim Label rondeau ist die Veröffent-lichung von „Das Lied der Liebe“ nach Aufnahmesitzungen Ende Juni 2018 unter der musikalischen Leitung von Stefan Klingele in Vorbereitung. Anders als in der konzertanten Aufführung des Operettenworkshops 2018 werden die Musiknummern durch Teile der origi-nalen, von den Solisten gesprochenen Dialoge und Zwischentexte von Cusch Jung verbunden. Beim Operettenwork-shop 2019 gibt es am 12. und 13. Januar mit „Rosen aus Florida“ eine Operette von Leo Fall, die auf Bitte von dessen Witwe durch Erich Wolfgang Korngold vollendet wurde. Damit setzt die Mu-sikalische Komödie Leipzig auch in der Ausbildung die Entdeckung vergessener und vernachlässigter Operetten fort.

  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

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    Valentin Egel steht vor dem Or chester der Musikalischen Komödie, die Arme weit ausgebreitet, dirigiert er mit klaren und zackigen Schlägen. Seit 2014 studiert er an der Hochschule für Musik „Franz Liszt" in Weimar und sammelt in dieser Woche im Rahmen dieses Workshops erste Erfahrungen mit der Operette. Hin und wieder tritt der Workshopleiter und Chefdirigent des Orchesters der Musikalischen Komödie Stefan Klingele hinzu und gibt kurze Hinweise. Manchmal geht es um rein musikalische Fragen wie die richtige Phrasierung, doch noch öfter geht es darum, wie der Dirigentenstab zu führen ist, wie deutlich der Auftakt gezeigt werden muss.„Sie müssen hier ganz am Anfang direkt ins Tempo gehen und nicht zu lange den Walzer vorbereiten, weil sonst das Orchester sucht und nicht weiß, wo es die nächste Walzer-Eins spielen soll“, meint Stefan Klingele. Auch für den Workshopleiter ist es eine Premiere. Die Jahre zuvor hat Ehrendirigent

    Roland Seiffarth die jungen Dirigenten in Leipzig unterwiesen. Nun hat der amtierende Chefdirigent auch hier das Zepter in die Hand genommen und gleich einige Neuerungen eingeführt.

    Statt eines Konzertes mit verschie-denen Nummern gibt es jetzt eine ganze Operette, aber nicht irgendeine. „Das Lied der Liebe“ basiert auf einer Operette von Johann Strauß. Der damals junge Erich Wolfgang Korngold hat die Musik neu eingerichtet. Doch seit 1932 wurde dieses Werk nicht mehr zu Gehör gebracht. Die jungen Dirigenten müssen sich also nicht mit eingefahrenen Traditionen auseinan-dersetzen, sondern können mit einem offenen Orchester arbeiten.Inzwischen ist der nächste Teilnehmer ans Pult getreten. Die Bewegungen von Alexander Sinan Binder sind viel kleiner als bei seinem Vorgänger. Seine Arme bewegen sich fließender, vielleicht auch etwas routinierter. Neben seinem Studium an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf hat er bereits bei vielen Assistenzen Erfahrungen sammeln können. Auch er merkt, wie offen das Orchester der musikalischen Komödie ist.„Was mir besonders auffällt, ist, dass dieses Orchester auch Lust auf die

    Lust an „kleinen Schweinereien“

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    Tenor Adam Sanchez übernahm die Partie des Grafen Richard Auerspach

    Moderatorin Bettina Volksdorf im Gespräch mit Chefdirigent Stefan Klingele

    Von den Eigenheiten des Operetten-Repertoires VON TH I LO KÖRTI NG

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    ganzen „kleinen Schweinereien“ - würde ich fast sagen - hat, die den Reiz dieser Musik ausmachen und auch das stellt sich eben sofort mit ein“, äußert sich Alexander Sinan Binder. Mit den „kleinen Schweinerein“ meint der junge Dirigent die kleinen Tempo-verzögerungen, das Hinauszögern, bevor der Walzer einsetzt. Hin und wieder holpert es da etwas, wenn die Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester nicht ganz glückt. Doch mit Hinweisen von Stefan Klingele und den Orchestermusikern lassen sich auch die Störungen beseitigen. Clemens Mohr ist der dritte Teilnehmer des Workshops. Er hat ebenfalls in Weimar studiert, arbeitet aber inzwi-schen am Theater Hof. Sein Schlag wirkt viel verspielter, mehr noch als den Takt der Musik scheint er der Stimmung vorzufühlen. Für ihn ist die Operette eine große Lehrprobe. Er sagt dazu: „Das Tolle an Operette ist, dass man da so unglaublich viel dran lernen kann,

    als junger Dirigent, weil ganz viele der großen alten Dirigenten gesagt haben Operette sei eigentlich das aller-schwierigste überhaupt, weil es alles so unglaublich frei ist irgendwie, das rubato einfach aus der Seele kommt, und es muss so leicht und so natürlich klingen. Das ist das Schwerste, wenn man das kann und das gut führen kann, dann hat man eine sehr gute Grund-lage für später für alles, was danach so kommt.“ Doch einen großen Namen machen sich nur wenige Dirigenten mit der Operette. Vielleicht wird dem Nach-wuchs deswegen zu Anfang immer erst einmal eine Operettenproduktion über-lassen, obwohl dieses Genre besondere Schwierigkeiten besitzt, meint Stefan Klingele: „Operette muss immer lustig sein, man muss ein gutes Timing haben, dass man die gefühlvollen Momente auch erwischt, also dort Zeit gibt und dann auch den Punkt des Wiederanzie-hens trifft, damit es nicht langweilig wird. Das ist eigentlich die Hauptgefahr,

    dass man irgendwo stockt und dass es total langweilig wird.“Deswegen reicht es nicht aus, einfach nur das Tempo anzuzeigen und mit Gesten die Lautstärke zu regeln. Die Dirigenten müssen sich vollkommen auf das Orchester einlassen. „In diesem Fall bei uns mit unserem Orchester sollen die Dirigenten vor allem lernen, diesen Operettenklang auszulösen oder ihn genießend dann in den Schlag aufzunehmen, das ist, glaube ich, das Hauptziel diese Kurses, dass die am Ende auf der Bühne stehen und sich wohl fühlen und dass das Orchester mit ihnen gemeinsam atmet, eine Herausforderung, die vor allem bei der Operette wichtig ist, aber auch bei anderen Projekten hilfreich sein wird“, gibt Stefan Klingele allen mit auf den Weg.

    Der Beitrag wurde am 6. Januar 2018 in der Sendung „MDR Kultur“ im MDR gesendet.

    Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 tritt Alexander Sinan Binder am Luzerner Theater die Stelle des Kapellmeisters und Solorepetitors an. Für den aus München stammenden jungen Diri-genten, der im Juni sein Masterstudium Dirigieren bei Prof. Rüdiger Bohn an der Robert Schumann Hochschule Düssel-dorf abschloss, ist es die erste feste Anstellung.Binder ist seit 2016 Stipendiat im Diri-gentenforum und besuchte im Rahmen der Förderung Kurse bei Andreas Schüller (Staatsoperette Dresden), Oliver Weder (Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt), Stefan Klingele

    (Orchester und Solisten der Musika-lischen Komödie Leipzig), John Carewe (Staatskapelle Halle) und Gabriel Feltz (Belgrade Philharmonic Orchestra). Darüber hinaus absolvierte er Meister-kurse bei u.a. Colin Metters, Peter Gülke, Peter Eötvös, David Zinman, Yuri Simonov, Bernard Haitink und Johannes Schlaefli.Im Juli 2018 ist er als Stipendiat zu Gast beim renommierten Tanglewood Music Festival in den USA und wird dort u.a. an einem Meisterkurs mit Stefan Asbury teilnehmen sowie bei Herbert Blomstedt und Andris Nelsons hospi-tieren.

    Alexander Sinan Binder wird Kapellmeister und Solorepetitor am Luzerner Theater

    Alexander Sinan Binder

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    Es sollte mehr als nur der Abschluss eines Workshops sein, der das Publikum am Mittwoch im Orchesterzentrum erwartete. Drei Nachwuchsdirigenten durften die mit hohen Standards und Professionalität vertrauten Philhar-moniker mit Generalmusikdirektor Gabriel Feltz mehrere Tage dirigieren. Zum Ende wurde Poesie neben geniale orchestrale Musik gestellt. Die besten Schüler stellten ihre Slam-Texte aus dem Workshop „Kreatives Schreiben – Asyla“ vor. „Asyla“ op. 17 von Thomas Adès ist vom Namen her ein hoch aktuelles Werk. Doch Adès erstellt hier keine Programmmusik, sondern spielt mit dem Wortsinn: „Asyla“ bedeutet ebenso „Zuflucht“ wie „Chaos“. Niklas Benjamin Hoffmann, der als Assistent bei Sir Simon Rattle im London Symphony Orchestra diri-gieren darf, startet mit dem ersten Satz der Symphonie, und schon wird deutlich, was die Zuschauer erwartet: neuartige Perkussionsinstrumente, die wie chinesische Gongs und japa-nisches No-Theater oder wie Industrial

    Music klingen, abseits vom Takt der Symphoniker; entstehendes Chaos und Harmonie dicht nebeneinander. Hoffmann meistert diesen und den nächs ten Satz, mit sich ändernden Taktarten im dirigierenden Part, mit

    Bravour, dirigiert ausschweifend, wie sein Nachfolger Gabór Hontvári, Preis-träger wichtiger Wettbewerbe. Der 3. Satz ist der Höhepunkt des Werks. Pauken und Blechtrommeln tosen, während Hontvári sich um die Symphoniker kümmert. Der vierte Satz ist wie eine Reprise. Der Eindruck der Dortmunder Schüler, die den Wettbewerb um die besten poetischen Texte zum Werk gewonnen hatten, bezieht sich nicht auf Politik, mehr auf Chaos und Ordnung, auf Gut und Böse: „Das Monster winkt mir zu und lächelt“, dichtet ein Schüler rappend. Yura Yang, die mit dem WDR Funkhaus-orchester arbeiten durfte, dirigierte zum Abschluss „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss. Das spätro-mantische Werk stellt chaotische, schmerzvolle Zustände neben ruhige, harmonische. Der Kampf um das Lichte, Klare wird in dem Werk hart ausge-fochten, dramatische schnelle Passagen strömen durch sanfte Harmonien.

    Musik und Poesie beschäftigt sich mit „Asyla“Drei Nachwuchsdirigenten treten im Orchesterzentrum NRW auf. VON MARTI N SPEER

    RU H R NACH RICHTEN DORTMU N D, 9. FEBRUAR 2018

    Niklas Benjamin Hoffmann am Pult der Dortmunder Philharmoniker, an seiner Seite GMD Gabriel Feltz

    Gábor Hontvári, Gabriel Feltz, Niklas Benjamin Hoffmann und Yura Yang

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    Zum Kern der Sache vordringenBeim Dirigentenforum in Halle probten vier Stipendiaten mit der Staatskapelle Halle unter der Kursleitung von John Carewe. VON AN DRÉ SITTN ER

    Ein bisschen wacklig wirkt Strawinsky noch, obwohl Felix Milden ber ger am Pult doch recht souverän aussieht. Aber der junge Mann weiß, was er will, und so glättet sich alles schnell. „Wir lernen ganz konkret musikalisch an den Werken, an manchen Stellen: das machen wir so, das machen wir so, das ist einfacher so. Wir lernen technische Sachen, wie wir das am besten zeigen und umsetzen können. Wir lernen eben Probenmethodik, wie gestalte ich eine Probe, damit es am Ende möglichst schnell zum Ergebnis kommt“, meint Felix Mildenberger, der einer von vier Stipendiaten der sogenannten Dirigierwerkstatt in Halle unter der Leitung von Altmeister John Carewe ist. Dieses vom Deutschen Musikrat ausgerichtete Forum, so dessen Vertreterin Esther Klose, soll den jungen Dirigenten die Möglichkeit geben mit einem großen Orchester zu arbeiten. Solche Gelegenheiten sind gerade am Anfang der Laufbahn eher selten, meint sie: „Das ist eigentlich immer eine Trockenübung, was die Dirigenten lernen. Sie spielen sich selbst am Klavier die Partituren vor. Manche üben vorm Spiegel. Das Ganze funk-tioniert erst mal nur mit der Ausein-andersetzung mit der Partitur; was fehlt, ist der Gegenpart, das Orchester. Diese Praxiserfahrung versuchen wir zu

    ermöglichen, indem wir mit Partneror-chestern zusammenarbeiten, wie hier jetzt mit der Staatskapelle Halle.“ „Der erste Kontakt mit einem neuen Orchester ist immer der spannendste Moment, weil man sich gegenseitig kennenlernt, es geht genau um diesen Moment des Gebens und Nehmens, und sich gegenseitig auch abzutasten, wie funktioniert das hier, auch das gehört eben zu diesem Werkstattcharakter dazu, das zu lernen, damit umzugehen“, sagte Alexander Sinan Binder, der auch zu den Stipendiaten gehört, ebenso wie der aus dem Iran stammende Hossein Pishkar und Yu Sugimoto aus Japan. „Man kann manche technischen Sachen, wenn man die Instrumente gut kennt, wenn man genug Erfahrung hat, die Probleme schon am Tisch erkennen und dann sozusagen vermuten, wie man es technisch lösen kann. Aber das ist letzten Endes höchstens zwanzig Prozent, denn es ist zwanzig Prozent agieren. Nach dem ersten Auftakt, ab diesem Moment reagieren Sie nur, weil Sie nie wissen, was kommt und das kann man nicht am Tisch lernen, dafür brauchen wir diese Erfahrung“, äußerte sich Hossein Pishkar und schaut auf Carewe. Der erfahrene Grandseigneur hat bis hierhin die Augen geschlossen gehabt, nun ist er aber hellwach bei der Frage, was er denn nun eigentlich die

    jungen Leute lehrt: „Das ist die schwie-rigste Frage, die mir je gestellt wurde. Was versuche ich ihnen beizubringen? Ich versuche sie zu lehren, so schnell wie möglich zum Kern der Sache vorzu-stoßen und so wenig Zeit wie möglich mit Unwichtigem zu verschwenden. Nur meiner Erfahrung nach wissen die meisten nicht, was unwichtig und was wichtig ist.“ Sehr selten nur unterbricht Carewe seine Stipendiaten und gibt nur kleine Hinweise, beobachtet lieber. Dass Felix Mildenberger vor allem mit der Taktstockhand dirigiert, gefällt ihm. „Ich lehre sie, dass der Taktstock gar nicht so wichtig ist. Aber dass man vor allem mit einer Hand dirigiert. Jeder, der mit beiden Händen herumwedelt, schafft meistens Verwirrung. Man kann die andere Hand mitnehmen, aber diskret und nur zu besonderem Zeck, schwer zu lernen. Jeder schlägt dann doch erstmal mit beiden Händen aus Sicherheits-gründen.“ Wenn alles gut geht, sagt John Carewe, dann kommen seine Schüler zu einer Situation, in der sie eins werden mit dem Orchester - wie, ist eigentlich egal; das wäre doch ein tolles Ergebnis des Dirigentenforums.

    Der Beitrag wurde am 3. März 2018 in der Sendung „MDR Kultur“ im MDR gesendet.

    Hossein Pishkar Yu SugimotoAlexander Sinan Binder

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  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    HALLESPEKTRUM .DE, 6. MÄRZ 2018

    Chance für Dirigentennachwuchs Staatskapelle Halle begegnete vier Nachwuchstalenten. VON PROF. DR . HANS-JÖRG FERENZ

    Im Rahmen des Meisterkurses Diri-gieren, der in Zusammenarbeit mit dem Dirigentenforum des Deutschen Musi-krates mit der Staatskapelle Halle statt-fand, stellten junge Talente ihre Diri-gierkunst anhand von vier tänzerischen und farbenfrohen Meisterwerken beim 5. Sinfoniekonzert unter Beweis: Enric Palomars Ballett-Suite „Negro Goya“, Igor Strawinskys Ballett „Pétrouchka“,

    Claude Debussys „Prélude“ sowie Bela Bartóks Musik für Saiteninstrumente und Schlagzeug. Eine Woche lang hatten die Nach-wuchsdirigenten zusammen mit den Orchestermusikern das Konzert erarbeitet und sammelten dabei wertvolle berufsprak-tische Erfahrung. Unter der künstle-rischen Gesamtlei-tung von John Carewe dirigierten die Stipen-diaten Alexander Sinan Binder (Robert Schumann Hochschule Düsseldorf), Felix Mildenberger (Chef assistant, Orchestre National de France), Hossein Pishkar (Student, Robert Schumann Hochschule Düsseldorf) und Yu Sugi-moto (Student, Hochschule für Musik und Theater Hamburg). Weiblicher Dirigentennachwuchs ist offenbar

    eine Rarität. Schnell war die anfäng-liche Nervosität überwunden. Mit unterschiedlichem Temperament, aber souverän steuerten die jungen Männer nacheinander das große Orchester. Hier und da hätte mehr Leichtigkeit den Meisterwerken gutgetan. Aber insge-samt klappte die Zusammenarbeit sehr gut. Am Ende dankten die jungen Diri-genten überschwenglich dem Or chester und ihrem Mentor John Carewe für das in sie gesetzte Vertrauen. Auch das Konzertpublikum, zunächst wohl skep-tisch, war angetan von dem Können der Nachwuchsdirigenten. Eine erläuternde Moderation hätte dem ungewöhn-lichen Konzertereignis gut getan. Für die Meisterschüler war die äußerst konstruktive und lobenswerte Zusam-menarbeit mit dem Profi-Or chester eine wichtige Erfahrung. Exzellente Dirigenten fallen ja nicht vom Himmel, sondern werden durch langjährige Erfahrung und Herausforderungen geformt. Respekt der Staatskapelle, die diese Zusammenarbeit ermöglicht und getragen hat. Ihr hat diese Zusammen-arbeit offensichtlich auch viel Freude gemacht.

    Felix Mildenberger

    Alexander Sinan Binder, Yu Sugimoto, Hossein Pishkar, John Carewe und Felix Mildenberger

    Intensive Fachgespräche: John Carewe im Austausch mit Hossein Pishkar

    FOTOS: PEDRO MALI NOWSKI

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    Dirigierkurs NürnbergKünstlerische Leitung: Prof. Lutz Köhler Nürnberger Symphoniker | 18. bis 22. März 2018

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    Reto Schärli dirigiert die Nürnberger Symphoniker

    Yura Yang, Prof. Lutz Köhler, Gábor Hontvári, Reto Schärli und Felix Mildenberger (v.o.n.u, v.l.n.r.)

    Yura Yang im Gespräch mit Prof. Lutz Köhler

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    Werkstatt Paul MägiKünstlerische Leitung: Prof. Paul Mägi Theater Vanemuine Tartu | 1. bis 4. Mai 2018

    Clemens Mohr

    Clemens Mohr, Davide Perniceni, Eva Pegel, Erasmus-Studentin aus Leipzig, Reto Schärli (v.l.n.r.)

    Davide Perniceni

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  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    Hermes Helfricht geht ans Theater Bonn

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    Hermes Helfricht wurde ab der Spielzeit 2018/19 als 1. Kapellmeister am Theater Bonn engagiert und wechselt somit von der gleichen Position am Theater St. Gallen nach Bonn. An dem Schweizer Theater dirigierte er neben zahlreichen Konzertprogrammen „Le nozze di Figaro“, „Tosca“ und „Nabucco“. In Bonn folgt er auf Stephan Zilias, der an die Deutsche Oper Berlin wechselt. Mit dem Beethoven Orche-ster Bonn war Helfricht bereits am 28. Juni 2018 in der Konzertreihe „Vor Ort“

    mit Werken von Janáč ek, Mozart, Haydn und Warlock zu erleben. Am Theater Bonn stellt er sich in der Premiere von Viktor Ullmanns „Der Kaiser

    von Atlantis“ erstmals vor. Weitere Premieren werden im Januar 2019 „La Gioconda“ von Amilcare Ponchielli und im April 2019 „Die Sache Makropulos“ von Leoš Janáč ek sein. Darüber hinaus wird er im Oktober 2018 die Wiederauf-nahme von Mozarts „Zauberflöte“ über-nehmen sowie einige Vorstellungen von Wagners „Lohengrin“. 2013 wurde Hermes Helfricht Stipen-diat im Dirigentenforum und gehört zur Künstlerliste der „Maestros von Morgen“. Während seiner Förderung nahm er an Kursen bei John Carewe, Czeslaw Grabowski, Gunter Kahlert, Paul Mägi, Stefan Malzew, Colin Metters, Roland Seiffarth, Johannes Schlaefli, Lutz de Veer u.a. teil.

    Chin-Chao Lin wird ab der Saison 2018/19 Generalmusikdirektor am Theater in Regensburg. Der ehemalige Stipendiat des Dirigentenforums folgt in dieser Position auf Tetsuro Ban und wird seine Amtszeit in einem Sinfo-niekonzert mit Werken von Gioachino Rossini, Nino Rota und Ludwig van Beethoven sowie der Wiederaufnahme von „Don Giovanni“ eröffnen. Als Stipendiat im Förderzweig Orchesterdi-rigieren wurde er 2013 aufgenommen und besuchte im Rahmen seiner Förderung Meisterkurse bei Markus Poschner, Kristjan Järvi, Johannes Kalitzke, Roland Seiffarth und Mark Stringer. Seit der Spielzeit 2016/17 war Lin am Meinin ger Staatstheater als 1. Kapellmeister und Stellvertreter des GMD tätig. Hier brachte er u.a. Mozarts „Zauberflöte“, Verdis „La Traviata“ und

    Puccinis „Tosca“ zur Aufführung. Er arbeitete darüber hinaus bereits mit zahl-reichen aner-kannten Orches-tern, darunter das Niedersächsische Staatsorche-ster Hannover, hr-Sinfonieor-chester, National Taiwan Symphony Orchestra, Bremer Philharmoniker, Janáč ek Philhar-monic Orchestra, Musikkollegium Winterthur, Het Gelders Orkest u.a.

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    Chin-Chao Lin (Mitte) bei der Dirigierwerkstatt mit Kristjan Järvi (links) und dem MDR Sinfonieorchester im Dezember 2013. Am Klavier: Wayne Marshall, heute Chefdirigent des WDR Funkhausor-chesters.

    Ehemaliger wird GMD in Regensburg

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    Erfahrene Stimmen aus dem OrchesterJunge Dirigentinnen/en lernen beim Kritischen Orchester® von erfahrenen Orchestermusikerinnen/en. Ein Interview mit drei Musikern des Orchesters. VON LISA VALDIVIA

    Vom 14. bis zum 17. Juni 2018 arbei-teten beim XVI. Kritischen Orchester® zehn international ausgewählte Dirigentinnen/en mit Mitgliedern renommierter Orchester, die ihr Dirigat kritisch hinterfragten. In diesem Jahr formierten Mitglieder und Ehema-lige der Staatskapellen Berlin und Dresden, der Orchester der Deutschen und der Komischen Oper, des Konzert-hausorchesters Berlin, des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin, des NDR Elbphilharmonie Orchesters, des Gewandhausorchesters Leipzig, des Niedersächsischen Staatsopernor-chesters, des Beethoven Orchesters Bonn, des WDR Sinfonieorchesters u.a. das Kritische Orchester. Die jährliche Werkstatt, 2002 ins Leben gerufen von Klaus Harnisch, wird seit drei Jahren als Kooperation zwischen dem Dirigenten-forum des Deutschen Musikrats und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin veranstaltet. Zum ersten Mal wirkte die international renommierte Dirigentin und Professorin Simone Young als Mentorin für die Teilnehmer/innen mit. Die Werkstatt fand wieder in drei Runden statt, wobei eine Jury aus dem Orchester entschied, welche/r Teil-nehmer/in die nächste Runde erreichte. Hana Liskova (Stellvertretende Solo-hornistin beim Niedersächsischen Staatsorchester Hannover, ab 2018/19 1. Solo-Hornistin beim Staatsorchester Kassel), Emmanuel Klos (Solofagottist beim Beethoven Orchester Bonn) und Werner Zeibig (ehem. Solobassist der Staatskapelle Dresden, Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden) erzählten von ihren Erfahrungen im Kritischen Orchester:

    Wie lange sind Sie schon beim Kritischen Orchester dabei und wie kam es dazu?Hana Liskova: Ich bin schon seit sechs/sieben Jahren dabei. Zu Anfang noch als

    Studentin, weil es damals an der Besetzung gefehlt hat. Ich fand aber die Idee sofort einfach groß-artig. Und auch selbst für mich als Studentin war es toll mitzumachen, für das Lernen der Stücke. Deswegen bin ich am Anfang dabei geblieben, aber es wurde dann bei mir richtig zu einer Herzensangelegenheit. Ich finde, das Projekt hat großes Potential und sehr großen Sinn. Deswegen versuche ich es jedes Mal möglich zu machen, dass ich kommen kann. Und ich werde es auch weiter versuchen, weil ich glaube, dass es eine gute Sache ist. Werner Zeibig: Seit 12 Jahren spiele ich mit, also seit der Berentung jedes Jahr. Es ist ein Glück, dass ich hier spielen darf, weil man als Musiker keinen Beruf hat, sondern eine Leidenschaft. Und deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich mich hier als Musiker wieder ausleben darf.Emmanuel Klos: Ich bin zum dritten Mal dabei. Seit dem ersten Mal habe ich weiter mitgemacht, weil das eine so tolle Angelegenheit ist. Wenn mal irgendwas nicht klappt im normalen Orchester wird sehr schnell „herum-gemotzt“, und da finde ich es hier sehr schön, dass man auch selbst mal hilfreich einspringen und sagen kann „Jetzt probieren Sie doch mal dies oder jenes aus…“. Und wenn sich das dann verbessert, wenn es ankommt und auch angenommen wird, ist es so eine Freude!

    Sie wirken alle ehrenamtlich beim Kritischen Orchester mit. Was macht das Projekt für Sie so interessant?Klos: Die meisten jungen Dirigen-tinnen/en haben ja überhaupt keine Chance mit Orchestern zu arbeiten. Und was ich auch eine sehr nette Idee finde, ist, dass Leute im Beruf, Studenten und verrentete Kollegen miteinander spielen, denn das gibt einen schönen Austausch. Wie geht der mit diesem/r jungen Dirigenten/in um? Wie kann man da helfen? Und ich bin ja erst seit drei Jahren dabei. Da tastet man sich so ein bisschen heran, was kann man sagen, und ehe ich mich da laut zu Wort melde, denke ich für mich: „Denk lieber nochmal nach…“. Also es ist nicht immer einfach die richtigen Worte zu finden.Zeibig: Das ist eine gesunde Mischung von Musikern, die hier herkommen. Oft sind es Leute, die in der Praxis waren und noch gerne musizieren. Den großen Vorteil haben die jungen Leute, die Diri-genten werden wollen, mit erfahrenen Musikern zu arbeiten und von Spit-zenkräften wie Prof. Schwab oder Prof. Schunk Tipps zu bekommen. Die jungen Dirigenten/innen wiederum zeigen sich sehr offen und bereitwillig, denn sie

    Hana Liskova bei der Probe des Kritischen Orchesters

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  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    wissen, dass sie mit Leuten zusammen arbeiten, die nicht ganz unbedarft sind. Das ist also eine wunderbare Einrich-tung.

    Frau Liskova, was ist für Sie die Moti-vation inzwischen, wo Sie ja nun keine Studentin mehr, sondern eine gestan-dene Orchestermusikerin sind und die Erfahrung für sich selbst nicht mehr unbedingt brauchen?Liskova: Jetzt bin ich ja schon fünf Jahre im Beruf, im Orchester. Im Alltag kommt dann sehr oft der Spruch „Das ist der Dirigent schuld“. Und hier sehe ich einfach die Möglichkeit, wenn man mit dem Dirigenten den Austausch und wie hier den Dialog hat, daran mitzuwirken, dass vielleicht langfris tig die Atmosphäre besser wird. Zum einen für den Dirigenten, aber auch im Orches ter, so dass nicht immer gleich kommt „Der ist sowieso schuld“, sondern dass man gemeinsam nach einer Lösung schaut. Und deswegen finde ich das so wichtig.

    Was wollen Sie den Dirigenten mitgeben? Was soll sich langfristig verändern?Klos: Ich finde, die Kommunikation mit den Dirigenten ist heute schon viel einfacher als noch vor ein paar Jahren, weil es nicht mehr so sehr nach dem Motto geht „hier ist oben und da unten“, sondern man verständigt sich heute ein bisschen besser. Es gibt schon heute Dirigenten, wenn man denen

    sagt, da brauche ich einen besseren Auftakt, damit wir besser zusammen sind, dann machen sie das auch meistens, und es gibt nur noch ganz wenige, die so wie früher sehr auto-ritär unterwegs sind. Und das finde ich eigentlich gut, aber im Umkehrschluss heißt das, die Orchester sind auch gefragt, sich an dem Dialog zu betei-ligen, um Verbesserungen zu erreichen.Zeibig: Es gibt zwischen den Dirigenten einfach Unterschiede. Das haben wir ja alle empfunden. Aber die Kritikpunkte – und wir dürfen im Kritischen Orchester ja nun kritisieren – werden von diesen Leuten sehr ernst genommen. Mir hat mal einer gesagt, dass sie das erst

    aufarbeiten können, wenn sie zu Hause sind. Diese Möglichkeit, dieses erfah-rene Orchester zu dirigieren, ist für sie psychologisch etwas sehr wertvolles, so dass sie manchmal unter Verspan-nungen leiden, und das löst sich erst, wenn sie zu Hause sind und das nochmal Revue passieren lassen. Die Weiterentwicklung des Einzelnen setzt sich also auch später noch fort.

    Glauben Sie, dass diese konstruk-tive Zusammenarbeit, so wie sie hier stattfindet, und diese sehr kritische, aber wohlwollende Atmosphäre auch zustande käme mit einem bestehenden Orchester?Klos: Wenn man es bei einem beste-henden Orchester macht, funktioniert es wohl nur mit einem gestandenen Mentor wie hier mit Simone Young.Liskova: Ich hätte da meine Bedenken. In der Form, wie es hier stattfindet, ist es wirklich einzigartig mit diesem Dialog zwischen den Musikern und den Dirigenten/innen, und dabei ist der große Unterschied, dass wir alle hier sind, weil wir es wollen. Wir sind alle mit Herz und Seele dabei; wir wollen das unterstützen, wir wollen helfen und die Dirigenten/innen wollen etwas lernen – also alle wollen. Ich glaube, deswegen funktioniert es so

    Prof. Martin Spangenberg (Klarinette) gibt Ratschläge, daneben Emmanuel Klos (Fagott)

    Martijn Dendievel, Finalist des Kritischen Orchesters 2018

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    gut. Ich kann mir vorstellen, dass bei bestehenden Orchestern an einem festen Haus die Atmosphäre längst nicht so wohlwollend und offen wäre, wenn die Musiker gesagt bekommen: „Da ist Dienst und da kommt jetzt ein Dirigenten-Workshop.“Zeibig: Das ist sehr richtig, was die Kollegin sagt. Wir stehen nicht unter Vertrag, das ist ein großer Vorzug, weil dann die Leute mit guten Absichten und weitgehend mit bester Qualität hier herkommen. Es ist wichtig, dass wir nicht kommen müssen, sondern dass wir kommen dürfen.

    Frau Liskova, Sie sind auch Jury-Mitglied. Werden Sie sich als Musiker untereinander schnell einig oder gibt es oft Diskussionsbedarf?Liskova: Es ist meistens relativ klar. Man muss natürlich immer wieder vom Niveau her schauen, aber meistens gibt es dann recht schnell eine gemeinsame Meinung. Es ist also nicht so, dass wir in der Jury gegeneinander antreten.

    Gab es für Sie eine zündende oder besondere Begegnung beim Kritischen Orchester, die Sie so nicht vergessen werden?Klos: Was unheimlich toll ist, wenn man mal mit den Dirigenten/innen

    alleine spricht. Ich möchte nicht immer so mit Publikum reden, weil ich immer denke, in so enger Zeit sagt man vielleicht nicht immer das Optimale. Aber dann überlege ich mir, was ich denen noch sagen könnte, und rede mit denen auch in der Pause ein bisschen. Und wenn ich sehe, dass sie davon etwas haben, ist das auch sehr schön. Zum Beispiel gab es da mal einen Dirigenten, der immer die schnellen Sätze gemacht und die langsamen nur weggewischt hat. Und da habe ich ihn gefragt: „Warum machst du das? Überleg doch mal, was dir nicht gefällt und sag es einfach.“ Er war einfach sehr jung und wenn da so ältere Herrschaften sitzen, wollen sie oft nicht unhöflich sein. Aber ich habe ihn ermutigt, dass er ruhig etwas sagen soll, und nachdem wir gesprochen hatten und er auch Gespräche mit weiteren Kollegen geführt hatte, hat er ganz toll einen langsamen Satz bearbeitet. Letztlich kam er sogar in die letzte Runde.

    Zeibig: Für mich ist es eine ganz wunderbare Beobachtung, dass eigent-lich alle, die hier als junge Dirigenten herkommen, sehr gut vorbereitet sind.

    Die sind mit dem ganzen Werk total vertraut. Das ist sehr auffällig.Liskova: Für mich ist jede Begegnung mit jedem der Kandidaten auf irgend-eine Weise interessant. Und es kommt immer mal wieder vor, dass man denkt: „Ah! Ja, warum nicht? Das hat er so gezeigt – stimmt eigentlich…“ Es ist irgendwie immer wieder interessant und besonders auf unterschiedliche Art und Weise.

    Chanmin Chung, Finalist des Kritischen Orchesters 2018

    Simone Young, Dirigentische Mentorin des Kritischen Orchesters:

    „Das wich-tigste ist die hohe Kompe-tenz am „eigenen Instru-ment“, dem Klangkörper „Orchester“, in all seinen vielschich-tigen

    Facetten – angefangen bei der Parti-turkenntnis über die Schlagtechnik, die

    Instrumentenkunde im weitesten Sinn und die Atmung bis hin zur Kommu-nikation durch Körpersprache – doch allem voran steht die musikalische Vision eines Werkes. Musikalische Neugier, Fleiß, gute Ohren, Humor, Sprachen – all diese Komponenten sind und waren immer notwendig für den Beruf. […] Die Zeit der Autokraten am Pult ist inzwischen vorbei. Gegenseitiger Respekt und klare Kommunikation wird heute zu Recht eingefordert. Und dennoch muss der dirigentische Kopf ein klares Bild haben, wie er ein Werk

    gestalten will. Der direkte Kontakt mit hervorragenden Musikerinnen und Musikern ist etwas, wovon die meisten jungen DirigentInnen nur träumen können. Es ist ein Privileg und eine große Chance, bei diesem Projekt in wenigen Tagen sehr weit in der eigenen Entwicklung vorankommen zu können. Und genau das zeichnet die Werk-statt des „Kritischen Orchesters“ aus. Ich freue mich sehr, diesen Ansatz zu unterstützen und damit jungen Leuten Erfahrungsspielraum für einen langen und mitunter mühsamen Weg zu ermöglichen.“

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  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    Chorakademie des WDR Rundfunkchores

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    Mit der Frage „Wo liegen die stimm-lichen Grenzen bei der Umsetzung neuer Musik?“ beschäftigte sich das Symposium „Stimme und Neue Musik“ der Chorakademie des WDR Rund-funkchores im Januar dieses Jahres in der Hochschule für Musik in Mainz. Die Thematik wurde nicht nur in einer Gesprächsrunde diskutiert, der Salome Kammer, Stimmakrobatin, Schau-spielerin und Sängerin aus München, Nicolaus A. Huber, Komponist aus Essen, Prof. Dr. Wolfram Seidner, Phoniater aus Berlin und Robert Blank, Chorleiter des WDR Rundfunkchores, angehörten, sondern auch von zwei Konzertstücken, gesungen von Mitgliedern der Chor-akademie des WDR Rundfunkchores, Studierenden der Hochschule für

    Musik Mainz und Mitglie-dern des WDR-Rund-funkchores umrahmt. Judith Mohr war zu diesem Symposium eingeladen worden, um Arne Gieshoffs „Mirliton“ und „Enigma“ von Beat Furrer zu dirigieren, da es zur Zielsetzung der Chorakademie des WDR Rundfunkchores u.a. gehört, sich für die

    Förderung des dirigentischen Nach-wuchses einzusetzen.

    Judith Mohr beim 1. Chorsymposium des WDR Rundfunkchores

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    Manuel Pujol, der Gewinner des 1. Deut-schen Chordirigenten-preises, wechselt zur Spielzeit 2018/19 vom Theater Dortmund an die Staatsoper Stuttgart. Das in der Kritikerumfrage der „Opernwelt“ bereits mehrfach zum „Opern-haus des Jahres“ gekürte Haus ernannte ihn zum neuen Chordirektor. In Dortmund war er auf der gleichen Position seit 2015 tätig und „formte in der kurzen Zeit seines Wirkens an der Oper Dortmund den Chor zu einem über-regional anerkannten Klangkörper.

    Die Berufung Pujols an die Staatsoper Stuttgart bestätigt die hohe Qualität

    seiner Arbeit in Dortmund“, heißt es in der Pressemitteilung des Theaters. Neben den Choreinstudierungen übernahm Manuel Pujol die Musika-lische Leitung in den Produktionen „Die Zauberflöte“, „Nabucco“,„Die Schnee-königin“ und „Sunset Boulevard“. 2010 wurde Manuel Pujol Stipendiat des Dirigentenforums im Förderzweig Chor und besuchte in diesem Rahmen Kurse bei Jörg-Peter Weigle, Michael Alber, Ekkehard Klemm, Georg Grün, Stefan Parkman und Peter Dijkstra. Zudem konzertierte er mit den Rundfunk-chören des NDR und des MDR Leipzig. Weitere Engagements führten ihn zur Erzgebirgischen Philharmonie, der Elbland Philharmonie Sachsen sowie der Nordböhmischen Philharmonie Teplice.

    Manuel Pujol wird Operndirektor in Stuttgart

    Manuel Pujol dirigiert beim 1. Deutschen Chordirigentenpreis im Jahr 2014 den RIAS Kammerchor

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    VERANSTALTU NGEN

    9. - 14.7.2018 H EI DELBERG DI RIGI ERKU RS H EI DELBERGER SCH LOSSFESTSPI ELE Künstl. Leitung: Marc Piollet Philharmonisches Orchester Heidelberg

    19. - 22.9.2018 DETMOLDDI RIGI ERKU RS DETMOLDKünstl. Leitung: Lutz Rademacher Orchester des Landestheaters Detmold

    24. - 26.9.2018 N EUWI EDAKADEMI EIn Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikwettbewerb und den Förderpro-jekten Zeitgenössische Musik

    11 . - 16.11 .2018 HOFWERKSTATT N ICOLÁS PASQU ETKünstl. Leitung: Prof. Nicolás Pasquet Hofer Symphoniker

    8. - 13 .1 .2019 LEI PZIGOPERETTENWORKSHOPKünstl. Leitung: Stefan Klingele Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig

    18. - 21 .2 .2019 NÜ RN BERGABSCH LUSSKONZERT DI RIGENTEN FORUMNürnberger Symphoniker

    25. - 29.3.2019 KÖLNDI RIGI ERKU RS „ZEITGENÖSSISCH E MUSI K“Künstl. Leitung: Prof. Rüdiger Bohn Ensemble Musikfabrik

    1 . - 4 . 4.2019 H I LCH EN BACH AUSWAH LDI RIGI ERENPhilharmonie Südwestfalen

    24. - 28. 4.2019 BADEN-BADEN DI RIGI ERKU RS BADEN-BADENKünstl. Leitung: Pavel Baleff Philharmonie Baden-Baden

    13. - 19.5.2019 REUTLI NGEN DI RIGI ERKU RS REUTLI NGENKünstl. Leitung: NN Württembergische Philharmonie Reutlingen

    3. - 6.6.2019 NÜ RN BERG DI RIGI ERKU RS NÜ RN BERG Künstl. Leitung: Roger Epple Nürnberger Symphoniker

    7. - 8.6.2019 REUTLI NGEN ABSCH LUSSDI RIGI EREN 1 . FÖRDERSTU FE ORCH ESTERDI RIGENTENWürttembergische Philharmonie Reutlingen

    13 . - 16.6.2019 BERLI NDAS KRITISCH E ORCH ESTER®Künstl. Leitung: Prof. Lothar Strauß Dirigentische Mentorin: Simone Young Das Kritische Orchester

    18. - 21 .6.2019 BRAN DEN BU RGWERKSTATT PETER GÜ LKEKünstl. Leitung: Prof. Dr. Peter Gülke Brandenburger Symphoniker

    2. - 5.7.2019 BREMENDI RIGI ERKU RS BREMENKünstl. Leitung: Marko Letonja Bremer Philharmoniker

    11 . - 18.10.2019 KÖLN DEUTSCH ER DI RIGENTEN PREISIn Zusammenarbeit mit Kölner Philharmonie, Oper Köln, Gürzenich-Orchester Köln, WDR Sinfonieorchester

    7. - 8.9.2018 BERLI NAU FTAKT BERLI N Künstl. Leitung: Prof. Jörg-Peter Weigle Philharmonischer Chor Berlin

    24. - 26.9.2018 N EUWI EDAKADEMI EIn Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikwettbewerb und den Förderpro-jekten Zeitgenössische Musik

    26. - 28.10.2018 SA ARBRÜCKEN DI RIGI ERKU RS SA ARBRÜCKEN Künstl. Leitung: Prof. Georg Grün KammerChor Saarbrücken

    4. - 10.3.2019 FRAN KFU RT / ODER DI RIGI ERKU RS CHORSI N FON I K Künstl. Leitung: Jörg-Peter Weigle Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt Philharmonischer Chor Berlin

    10. - 13 .3 .2019 LEI PZIGWERKSTATT THOMAS EITLER-DE LI NT Künstl. Leitung: Thomas Eitler-de Lint Chor der Oper Leipzig

    30. - 31 .3 .2019 DETMOLDAUSWAH LDI RIGI ERENKammerchor der Hochschule für Musik Detmold

    13. - 16.5.2019 KÖLNWERKSTATT STEFAN PARKMAN Künstl. Leitung: Prof. Stefan Parkman WDR Rundfunkchor

    15.6.2019 BERLI NABSCH LUSSDI RIGI EREN DER 1 . FÖRDERSTU FEPhilharmonischer Chor Berlin

    VERANSTALTU NGEN ORCH ESTERDI RIGENTEN

    VERANSTALTU NGEN CHORDI RIGENTEN

  • DI RIGENTEN FORUM 45 | J U LI 2018

    STI PEN DIATEN DES FÖRDERPROGRAMMS

    BAEK, SEU NG HYU N Jg. 1990, Student Musikhochschule Nürnberg

    CHOE, HOLLY HYU N Jg. 1991, Studentin Zürcher Hochschule der Künste

    CH U NG, CHANMI N Jg. 1991, Student HfM „Franz Liszt“ Weimar

    DEN DI EVEL, MARTIJ N Jg. 1995, Stud