Mongolisches Reich

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war der Hauptsiedlungsraum der Mongolen und der größte zusammenhängende Herrschaftsbereich der Weltgeschichte. Der Begriff „Mongolen“ bezeichnet die ursprünglichen Völker der Mongolei, einem Land nördlich der heutigen Volksrepublik China auf der Hochebene. Trotz ihrer geringen Zahl (um 1200 ca. 200.000) spielten die Mongolen eine herausragende Rolle in der Weltgeschichte.

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  • Mongolisches Reich

    Die Mongolen-Reiche unter Dschingis Khan (ab 1206 bis 1227)und seinen Erben:Mongolisches ReichAb 1260:Gebiet der Goldenen Horde (Sd-Russland)Tschagatai-Khanat (Zentralasien)Bereich der Ilchane (Persien)Reich der Yuan-Dynastie (China)

    Das Mongolische Reich war der Hauptsiedlungsraumder Mongolen und der grte zusammenhngende Herr-schaftsbereich der Weltgeschichte. Der Begri Mongo-lenbezeichnet die ursprnglichen Vlker der Mongolei,einem Land nrdlich der heutigen Volksrepublik Chinaauf der Hochebene. Trotz ihrer geringen Zahl (um 1200ca. 200.000) spielten die Mongolen eine herausragendeRolle in der Weltgeschichte.

    1 Charakter des ReichesUnter dem Begri Mongolisches Reich wird sowohl dasvon Dschingis Khan begrndete und von seinen Nach-fahren gedei Khan, Gyk Khan und Mngke Khanregierte Reich (1190 bis 1260) verstanden wie auchdie Gemeinschaft von vier Nachfolgereichen: Tschagatai-Khanat (bis 1565), Ilchanat (bis 1507), Goldene Hor-de (bis 1502) und Yuan-Dynastie (bis 1387, in Chinaaber nur bis 1368). Das Mongolische Reich kannte auchnach 1260 noch die Institution des Grokhans, allerdingswurde der jeweilige Grokhan nach Mngke Khan nichtmehr von allen mongolischen Khanaten vollstndig an-erkannt, sondern sie agierten teilweise wie selbstndigeReiche.

    Ein Statthalter (darughachi) der Goldenen Horde im 13. Jahr-hundert in einer russischen Stadt. Historisierende Darstellung von1902.

    Der letzte Grokhan, der alle mongolischen Teilreichebeherrschte, war Timur Khan (bis 1307).*[1] Danachkam es zwar wiederholt zu Tributzahlungen der ande-ren Khane an den jeweiligen Grokhan, insbesondere anToqa Timur (bis 1332)*[2], der whrend seiner Regent-schaft nachweislich 14 Mal solche Tributzahlungen deranderen Teilreiche erhielt*[3], darunter zB. auch russi-sche Sklaven*[4]. In einem Bericht an Papst JohannesXXII. wird sogar von jhrlichen Tributzahlungen an To-qa Timur berichtet*[5]. hnliche Gesten der Unterwer-fung und Verbundenheit waren zB. Vermhlungen zwi-schen Prinzen der Yuan-Dynastie einerseits und solchender Goldenen Horde beziehungsweise des Ilkhanates an-dererseits.*[6] Allerdings wurden die politischen Geschi-cke des Mongolischen Reiches nach Timur Khan weit-gehend dezentralisiert gelenkt. Insbesondere untersttz-ten sich die Khane gegenseitig beziehungsweise ihrenGrokhan nur mehr bedingt bei militrischen Aktio-nen; oft wurden nur symbolisch Soldaten entsandt. Inso-fern war das Mongolische Reich ab 1307 die meiste Zeitber eher ein dem Heiligen Rmischen Reich hnlicherStaatenbund unter mehr formeller denn tatschlicher Lei-tung durch den Grokhan als ein einheitlicher Staat immodernen Sinn.Trotz mangelhafter politischer Einheit war der Zusam-menhalt innerhalb des Mongolischen Reiches auch nach1307 noch deutlich erkennbar. Er manifestierte sich un-ter anderem in dem in der Jassa kodizierten Recht, demPost- und Kommunikationssystem (rt und Paza),und dem gemeinsamen Kunst- und Kulturgut wie ins-besondere Schrift und Sprache. Damit ist die Einheitdes Mongolischen Reiches durchaus mit jener anderergroen Reiche des Sptmittelalters und der frhen Neu-

    1

  • 2 2 GESCHICHTE

    zeit vergleichbar.*[7]*[8]Die Herrschaft ber die insbesondere in der Peripheriezahlreichen Vasallenstaaten des Mongolischen Reicheswurde oft durch ein System von Tributzahlungen, Geiselnund Strafexpeditionen ausgebt. So wurden etwa nachder Eroberung oft die wehrfhigen Mnner in das mongo-lische Heer eingegliedert. Native Herrscher wurden be-lassen oder neu eingesetzt, ausgewhlte Familienangeh-rige jedoch als Geiseln genommen. Zustzlich wurde inder Regel ein Statthalter eingesetzt (darughachi auf Rus-sisch, darougheh auf Persisch*[9], basqaq auf Tr-kisch), der entweder vor Ort verblieb oder jhrlich wie-derkehrte. Er stellte die Ablieferung des Tributs an denjeweiligen Khan sicher und gewhrleistete, dass der Va-sallenstaat keine Politik verfolgte, die jener des Mon-golischen Reiches entgegenstand.*[10] Stie dem Statt-halter etwas zu oder berichtete er dem Khan von Un-gehorsam, wurden die zuvor genommenen Geiseln um-gebracht und Strafexpeditionen gegen den Vasallenstaatunternommen. Danach wurde der Vorgang meist wieder-holt.

    2 Geschichte

    2.1 Ursprnge

    Eurasien vor Beginn der mongolischen Eroberungen, c. 1200.

    Die riesigen Steppengebiete der Mongolei sowie die an-grenzenden Gebiete Nordchinas, Sdrusslands und Ost-kasachstans wurden im Mittelalter von nomadischenGruppen beherrscht, welche sich aufgrund einer Lebens-weise in Clans nicht immer leicht klassizieren und von-einander unterscheiden lassen; linguistisch lassen sichdiese Gruppen in drei Kategorien teilen: jene, die eineTurksprache, mongolisch oder eine tungusische Sprachesprechen.Zu einem groen Teil auf den unterschiedlichen Spra-chen aufbauend werden fr die Jahrzehnte vor DschingisKhan fnf Ethnien als die mongolischen Steppenge-biete dominierend identiziert: Naimanen, Keraiten,Merkiten, Tataren und Mongolen, wobei die Merkitenund Mongolen mongolisch sprachen und die Naimanenund Keraiten von manchen als Turkvlker qualiziert

    werden. Diese fnf Gruppen waren miteinander aberauch untereinander oft in Konikte verwickelt.*[11] Um1123 wurden die Gruppen der mongolischen Steppenge-biete von Kabul Khan geeint, doch ging dieses Reich be-reits 1160/61 wieder unter.

    2.2 Reichsgrndung

    Hauptartikel: Dschingis KhanDie Mongolen stiegen erst unter der Fhrung Dschingis

    Das mongolische Reich beim Tode Dschingis Khans (1227)

    Das mongolische Reich beim Tode Mngke Khans (1259).

    Weltreich der Mongolen

  • 2.4 Mongolische Eroberung im Nahen und Mittleren Osten 3

    Khans (1155/11621227) dauerhaft auf, dem 1190 wie-der eine Vereinigung gelang und der bis 1204 auch die an-deren Steppenvlker unterwarf. Anders als Kabul Khanvor ihm gab er dem geeinten Reitervolk aber diesmaleinen Staatsaufbau: In seinem Heer wurde unabhn-gig von Sippen und Clans jeder Krieger einem T-men (Zehntausendschaft) zugeordnet; diese Politik wur-de mit den spter in das mongolische Heer eingeglie-derten Soldaten fortgesetzt, was wesentlich zur Schlag-kraft und der Skalierbarkeit beitrug. Er gab seinem Reichauch eine einheitliche Schrift und ein einheitliches Gesetz(Jassa). Zur Etablierung einer Zentralgewalt grndete erdie neue Hauptstadt Karakorum.*[12] Seine Nachfolgerfgten insbesondere noch ein Post- und Kommunikati-onssystem (rt und Paza) hinzu.Unter ihm und seinen Nachfolgern konnten die Mongo-len so das grte Landreich der Geschichte in Grevon 26.000.000 km errichten, in dem 100 MillionenMenschen lebten. Auf dem Hhepunkt ihrer Macht be-herrschten sie das Kaiserreich China, Korea, Khorassan(heute zu Afghanistan und Iran gehrend), Persien,Georgien, Armenien, Bulgarien, Ungarn, Russland, sowiedie dazwischen liegenden Lnder.

    2.3 Mongolische Eroberung in Europa

    Hauptartikel: Goldene Horde

    In den 1220er Jahren kehrten zwei mongolische Gene-rle von Dschingis Khan, Jebe und Subutai, von einemFeldzug gegen den Naimanenprinz Ktschlg, Herrscherdessen, was vom Reich der Kara-Kitai brig war, berdas Territorium der heutigen Ukraine in die Mongolei zu-rck. Die Russen entsandten ein Heer gegen die Mongo-len, das in der Schlacht an der Kalka vernichtend geschla-gen wurde. Weiters kam es zu Plnderungen russischerStdte. Diese mongolisch-russischen Konikte waren dererste direkte Kontakt zwischen Mongolen und Europ-ern.*[13] Fr die Russen war dieser Zusammensto eintraumatisches Erlebnis, sodass in der Nestorchronik frdas Jahr 1224 beispielsweise festgehalten ist: [] we-gen unserer Snden brachen in jenem Jahr unbekannteVlker ber uns herein, von denen keiner wusste wer siewaren, woher sie kamen, von wem sie abstammen oderwelchen Glauben sie haben.Weniger als zwei Jahrzehnte spter, Dschingis Khan warinzwischen gestorben und sein Sohn gedei Khan warGrokhan der Mongolen, kam es zum Mongolensturmber Europa. Ein anderer Sohn Dschingis Khans,Dschtschi, sowie dessen Sohn Batu Khan fhrten einmongolisches Heer an, das, zuerst im Jahr 1237, kleine-re Reiche auf dem Gebiet des heutigen Russland, zwi-schen Kasachstan und der Ukraine, eroberte. Bis 1240wurden die russischen Frstentmer mit Ausnahme vonNowgorod erobert, was den Mongolen vermutlich deswe-gen so rasch und scheinbar mhelos gelang, weil die rus-

    sischen Frstentmer ihre Krfte nur bedingt bndeltenoder aufgrund der Wucht des mongolischen Angris bn-deln konnten.*[14] Trkische Vlker auf dem Gebiet derheutigen Ukraine, insbesondere die Kiptschak, unterwar-fen sich teilweise und schlossen sich wie schon anderetrkische Stmme vor ihnen dem mongolischen Heeran, teilweise ohen sie nach Ungarn und dienten dem un-garischen Knig als Sldner.Im Jahr 1241 drangen die mongolischen Reiterscharenbis ins heutige Deutschland, Tschechien und sterreichvor.*[15] Die Ritterheere der europischen Staaten hattenden Mongolen nichts entgegenzusetzen. Die beiden gr-ten Schlachten, die (erste) Schlacht bei Liegnitz (Polen)am 9. April 1241 und die Schlacht bei Muhi (Ungarn),nur wenige Tage nach jener bei Liegnitz, endeten jeweilsmit vernichtenden Niederlagen des deutsch/polnischenbzw. ungarischen Heeres. Zugute kam den Mongolen dieDisziplin und Ausdauer ihrer Kavallerie, und die berra-genden logistischen Leistungen, siehe Mongolische Krieg-fhrung. Ein Abbruch des Europafeldzuges erfolgte auf-grund des Todes gedei Khans, da sich Dschtschi undBatu Khan an der Wahl des neuen Grokhans beteiligenwollten.Die mongolischen Eroberungen in Europa wurden zumStaat der Goldenen Horde, der noch bis 1502 und so-mit mehr als ein Vierteljahrtausend lang eines der grtenReiche Europas war: Es umfasste bis zu einem Drittel desgeographischen Europa und bis zu 10 % der europischenBevlkerung und bte insbesondere die Oberherrschaftber Russland aus.*[16]*[17] Die Mongolen berelennoch zumindest bis ins spte 13. Jahrhundert immer wie-der die Ungarn und Polen, gingen spter aber Bndnissemit mitteleuropischen Mchten ein