Reichtum war noch nie so nutzlos

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Folie 1

Reichtum warnoch nieso nutzlosTITEL KOMMT AUTOMATISCH

Was hat man heute noch von Reichtum? Darum gehts mir: Ich mchte mit Ihnen darber sprechen, dass alle Reichtmer an Geld Ihnen heute weniger bringen als jemals zuvor in der Geschichte.1.

Erkennen Sie diesen Herrn hier? Das ist Julius Csar. Sie wissen, dass er ermordet worden ist und wir wissen auch alle, dass er Gallien erobert hat, zumindest fast alles davon. Aber was Sie vielleicht noch nicht wissen: Er war auch der reichste Mann der Welt. Er hatte ein Vermgen von umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro (ein Zwanzigstel des jhrlichen Welteinkommens). Damit war man damals schon der reichste Mann der Welt.Zu seiner Zeit hatten die meisten Menschen nicht mal flieend Wasser zu Hause. Aber Julius Csar leistete sich eine Privatarmee, die ihm zur Alleinherrschaft im Rmischen Reich verhalf. Und wenn er das Volk unterhalten wollte 2

dann hob er auf dem Marsfeld einen See aus und veranstaltete mal eben so eine Seeschlacht mit mehreren Hundert Teilnehmern, wie der rmische Geschichtsschreiber Sueton berichtet.So war das ein paar Jahre vor Christus.3

Diesen Herrn hier, der gleich nass ist, den erkennen Sie auf jeden Fall.

Bill Gates ist heute der reichste Mann der Welt, mit einem Vermgen von mehr als 80 Milliarden Dollar. Eine Privatarmee hat er trotzdem nicht. Was macht er zur Unterhaltung? Er berschttet sich mit Eiswasser. Das knnen wir auch.

Sie erkennen links hinten sein Haus. Das ist gro. Er hat einen Pool und eine Bibliothek mit rund 200 Quadratmetern. Und ein hauseigenes Kino. Wenn /er/ Unterhaltung will, dann kann er im hauseigenen Kino einen Film angucken, allein mit seiner Familie oder mit Freunden aber er guckt doch die gleichen Filme, die fr den Rest der Welt produziert sind.4

Warum bringt Geldweniger Nutzen?Wie reagierendie Menschen darauf?Was bedeutet dasfr uns?5Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Drei Fragen haben wir: 5

Patrick BernauFrankfurter Allgemeine Zeitung, Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen Onlinevorher fnf Jahre SonntagszeitungThemen: Wirtschaftsforschung, ITDiplom-Volkswirt6Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 20146

7Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Heute muss man nach handfesten Vorteilen von Reichtum suchen.

Stefan Hradil, Soziologe, MilieuforscherWas kann man sich von seinem Geld kaufen? Klar. Ein leichteres, angenehmeres Leben. Man kann mit der Privatyacht bers Mittelmeer schippern, wenn die Mittelschicht AIDA nehmen muss. Man hat weniger Sorgen aber hat man oft schon in der Mittelschicht.Der Kern ist: Reiche bekommen Annehmlichkeiten, die sich die Mittelschicht (noch) nicht leisten kann. Das wird immer weniger. Stefan Hradil, bekannter Soziologe und Ungleichheitsforscher.

Dann suchen wir mal. 78Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014

mehr als1000 JahreHier fehlt Fensterglas. Zieht. Friert. Seit wann gibts Fensterglas? WAS DENKEN SIE?

Gabs ab 100 v.Chr., krzlich in Trier, dort hatten die Kaiserthermen Glas. Aber: im 12. Jh. nach Chr. konnten sich viele Burgherren noch kein Fensterglas leisten 1200 Jahre spter. (Dauerte bis zum 16. Jahrhundert.)8

9Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Das ist heute. Hier sehen wir einen ein relativ neuen Trend: Eine Frau smst mit ihrem Handy.Es geht um Kommunikation.Und wie funktioniert die Kommunikation bei den Reichen und Mchtigen? Genauso.

910Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" 2014Das ist natrlich nicht ganz gleichmig alles, was die Leute unterhlt, geht schnell.

Aber gucken wir mal nach Amerika, da gibt es gute Zahlen fr die Kommunikationstechnik allein 1011Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Warum ist das so haben Sie Ideen?Ich habe: Wir haben das Maschinisieren und Prozesssteuerung besser gelernt Es gibt immer mehr Vor-Innovationen, die man kombinieren kann. Herzschlag-Simulator fr Babys im Brutkasten, der den individuellen Herzschlag der Mutter simuliert 150.000 Dollar Entwicklungskosten.

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12Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Und dann hilft die Kommunikationstechnik. Mit besserer Kommunikationstechnik erfahren Produzenten schneller von neuen Techniken und vor allem die Konsumenten Das Internet macht sowieso vieles kostenlos.

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13Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Im Internet ist sogar manches von vornherein kostenlos, wofr man frher viel Geld ausgeben musste. Denken Sie mal dran, wie viel Geld man frher verdient haben musste, bis man sich eine komplette Enzyklopdie leistete. Heute haben wir Wikipedia. Fr jeden.Denken Sie mal an die Sekretrinnen. Wir haben heute viel weniger in der Redaktion als vor 30 Jahren, schlicht weil man vieles dieser Arbeit heute mit Technik macht und kein Personal mehr dafr braucht.Vor zwei Wochen habe ich mit Googles Chefkonom Hal Varian gesprochen, der will demnchst die letzten klassischen Sekretariatsarbeiten in eine App packen.1314Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014

Gesundheit? Gucken wir auf neueste Entwicklungen. Schtzen Sie mal. Was kostet eine DNA-Analyse, die mir sagt, welche Krankheitsrisiken ich habe?

Die kostet 99 Dollar. Demokratisiert. 23andMe, ging zu weit, weil das jeder konnte, Krankheitsanalyse wurde verboten

(Wo das nicht hilft, helfen Krankenversicherungen.)

LETZTES LUXUSGUT: Weltraumflug14

15Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Dann gucken wir mal, was passiert. Und wir stellen fest: Die Menschen bemerken das schon, zumindest unwillkrlich, und reagieren darauf.Wir kennen das von der Generation Y. Junge Leute wollen weniger Arbeitszeit, sie wollen Familie und Beruf vereinbaren. Aber Gucken Sie mal hier:Das sind die Gehaltserwartungen junger Leute, abgefragt von Ernst & Young.15

16Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Quelle: EY. Mal ganz offen: Was erwarten Sie vom ffentlichen Dienst?

Staatsdienst und sie verzichten dabei ganz bewusst auf Geld.. Wrden sie nicht tun, wenn ihnen das Geld furchtbar wichtig wre.

Damit tun sie unwillkrlich das richtige. Und damit kommen wir zur Frage: Was bedeutet das fr uns?

(Frage war: Welche Branchen sind fr Ihre beruflichen Plne besonders attraktiv?)16

17Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014hedonische TretmhleSie kennen vielleicht den Satz, dass Geld irgendwann nicht mehr glcklicher macht. Wahr ist: Es macht keine gute Laune mehr. Gehaltserhhungen machen nur kurz glcklich, dann gewhnt man sich wieder dran. hedonische Tretmhle (Philip Brickman / Donald Campbell). Frhlich wird man anders.17

18Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014FreundeFamilieSportAber: Davon kriegt man nie genug. (Bruce Headey / Ruud Muffels / Gert Wagner) Meine Frau sagt immer: Du musst die Familie zuerst nennen. Aber stimmt leider nicht.

Sind traditionelle Werte dann vollkommen wertlos? Nein. Denn es geht im guten Leben nicht nur um die gute Laune.

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19Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Sondern auch um Zufriedenheit.

Und jetzt kommen wir dazu, warum die Familie nicht immer gute Laune macht. Denken Sie mal an junge Eltern, nachts um drei, mit ihrem schreienden Baby. Haben die gute Laune? Ich bin in diesem Alter, ich habe gute Freunde in dieser Situation gesehen, ich sage Ihnen: Ich htte mich nicht mal getraut, das zu fragen.

Aber: Keiner wrde auf seine Kinder verzichten wollen. Wenn man einen Schritt zurcktritt und sein Leben betrachtet, dann ist man doch mit seinem Leben sehr viel zufriedener, wenn man Kinder hat.So ist es auch mit dem Geld. Deshalb: Bitte glauben Sie nicht, dass Geld jetzt ganz unwichtig wird. (Immer noch schn, wenn man auf der Privatyacht durchs Mittelmehr fhrt statt auf der AIDA.) Aber: Das wesentliche Schicht-Unterscheidungsmerkmal, das knnte sich ndern.19

Es kommt heutenicht mehr so sehr darauf an,ob man den Zugangzum Internet hat,sondern was man damit macht.

Stefan Hradil20Patrick Bernau - "Reichtum war noch nie so nutzlos" - 2014Haben Sie schon mal was von bildungsfernen Schichten gehrt? Das gibt es als neues Wort, und das ist kein Zufall.

Hradil: Es kommt heute nicht mehr so sehr darauf an, ob man den Zugang zum Internet hat, sondern was man damit macht.Wenn jeder alle Mglichkeiten hat, dann muss man die richtigen nutzen. Sie knnen Wikipedia durchforsten, Harvard-Vorlesungen anhren, sich Opern herunterladen oder Katzenbilder angucken. Es kommt auf die richtige Mischung an.20

Lassen Sie uns reden!Patrick Bernau bern@patrick-bernau.de@PatrickBernauLizenzenFolie 1: Piloty, Die Ermordung Csars, Public DomainFolie 2: Checa Ulpiano: La Naumaquia, Public DomainFolie 3: Bill GatesFolie 4-7, 23: Stefan Bohrer, CC BY-NC 2.0Folie 8: Monica Arellano-Ongpin, CC BY 2.0Folie 9: Shinichi Higashi, CC BY-NC-ND 2.0Folie 12: David Ramos, CC BY-NC-ND 2.0Folie 13: Flickr, BostonTx, CC BY-NC 2.0Folie 14: Umberto Salvagnin, CC BY 2.0Folien 15,16: Tulane University, CC BY 2.0Folie 17: Kristina Alexanderson, CC BY-NC-ND 2.0Folie 18: Paul Hocksenar, CC BY-NC-ND 2.0Folie 19: Doug Wheller, CC BY-NC-ND 2.0Folie 20: Dennis Skley, CC BY-ND 2.0Prsentation: CC BY-NC-ND 2.0

Geld und Lebenszufriedenheit