Uncel Oskar¼Bersetzung Radomsko Endversion

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  • 1. 1 Teil I: Aufnahme eines Gesprchs mit Onkel Oskar:1Oskar: Ich stamme aus Radomsk [poln. Radomsko] eigentlich nicht aus Ra- domsk selbst, sondern aus Jaschin [poln. Jasie], bei Radomsk, so ein Ziwschenfrage: Ein kleines Schtetl? Oskar: Nein, ein Dorf. Zwischeneinwurf: Ein Dorf. In dem Dorf gab es eine Glasfabrik, die von dem Grafen, dem polnischen Grafen Hodliczki [?] gegrndet wurde. Er hatte die Glashtte [Glasfabrik], in der 400 Arbeiter gearbeitet haben, auerdem hatte er noch ein Gut neben Jaschin, es hie in Rendzin [Rdzin?] Frage: Das ist im Jahr 18? Oskar: Nein, wenn ich davon spreche, handelt es sich so um [das Jahr] 1823. Und das zweite Gut hatte nichts mit der Glasabrik zu tun, es war bekannt fr die schnsten Obstplantagen und so weiter, wohin Menschen zu gehen pflegten, um Frchte [Obst] zu kaufen. Es war eine sehr schne Natur. Frage: In Jaschin? Oskar: Nein, in Rendzin. Zwischeneinwurf: Rendzin. Oskar: Ja, in Jaschin war die Natur auch sehr schn, vielleicht noch schner, aber Obst und solche Dinge gab es nicht, es gab etwas ganz anderer Art. Die Glasfabrikman wei ja, dass Glas aus Sand gemacht wird. Und dort gab es einen so seltenen Sand, er war so eine Sorte feinsten Sandes, den man sehr Zwischeneinwurf: Leicht. Oskar: Leicht schmelzen konnte. Und das alles hat der Graf fr die Glasfabrik gefrdert. Wie er das tat usw. Ich wei es nicht gebohrt haben die Polen, die wollten polnischen Sand, die Polen waren Patrioten Man machte Glas. Und der Prozess des Glasmachens war nicht einfach Man machte also dort in Jaschin die Glasfabrik [sie wurde 1918 liquidiert, aber in Jasie existiert bis heute eine Glashtte, unter dem Namen HSG Rozalia, E.G.]. In der Fabrik gab es zwei Sorten Glas1 Bemerkungen der bers. sind in eckigen Klammern und in kleinerer Schrift. Da Onkel Oskar offenbar ein schon betagter Mann ist, spricht er nicht immer sehr deutlich und klar er nuschelt vor sich hin, stottert, spricht stark dialektal (Dialekt von Russisch Polen), manchmal mit englischen oder polnischen (auch nicht immer korrekten) Einsprengseln, verschluckt Wrter, erzhlt eher elliptisch und assoziativ, redundant, mit vielen und-Stzen und nicht stringent, bringt oft Personen und Orte durcheinander, korrigiert sich gelegentlich, so dass man seinen Geschichten nicht immer ganz folgen kann und auf Vermutungen aus dem Kontext heraus angewiesen ist. Hinzu kommt, dass der Neffe den Onkel Oscar gelegentlich unterbricht und sie dann gleichzeitig sprechen, was ebenfalls der Verstndlichkeit abtrglich ist. Daher wird stellenweise frei und dem Sinn gem bersetzt, denn nicht immer ist eine wrtliche bersetzung mglich. Meistens folge ich aber seiner Diktion es ist keine literarisch anspruchsvolle bersetzung. Sie ist auch leider noch wegen der schlechten Aufnahmequalitt immer noch teilweise fragmentarisch geblieben. Die Punkte bedeuten v. a. Denkpausen, oder mit Fragezeichen versehen, Unklarheiten. E. Grzinger.

2. 2 [Oskar erzhlt, wie:] aus dem Sand, der mit Wasser gewaschen wurde. Der leichte, dnne [Quarz-] Sand wurde heraussiebt, vom groben getrennt und zusammen ge- schaufelt in so einer Kiste, man goss die ganze Zeit Wasser darauf, und der dn- nere, leichtere Sand blieb oben, der dickere, schwerere unten. Mit einer Walze und Schaufeln bearbeitete man den dnnen Sand, und weggeschaufelt den groben Sand. Der feinere Sand war fr Tischglas bestimmt, Glser etwa, die bessere Qualitt, der andere Zwischeneinwurf: bessere Qualitt Oskar: Ja, bessere Qualitt, der grbere dafr fr billigere, wie etwa Flaschen und hnliches. Es heit, dass die Gegend von Jaschin samt dem dortigen Sand, sich gut fr die Glasindustrie eignete und darauf spezialisiert war. Auerdem brauchte man viel Kohle, um Glas zu schmelzen, welches mittels Gas geschmolzen wurde. Das Gas kam aus dem Teil [des Gerts] heraus, mit dem man das Glas schmolz. Dafr brauchte man sehr viel Kohle. Die Kohle wurde nach Jaschin von Radomsk transportiert, welches zehn Werst entfernt war. Es gab dort keine Chaussee [Landstrae], es waren die polnischen, schrecklich matschi- gen Wege [Polnisch, nicht ganz korrekt: polska droga straszne zaboto.] schwierig waren, und es war schwer, darauf zu fahren. Also war man gezwun- gen, Kohle mit Torf zu vermischen, Torf hinzuzufgen. Torf, denn dort gab es solche Wiesen, auf denen wuchs[Oskar verbessert sich:] wo man Torf gestochen hatte, welches man der Kohle beigeschttet hat und man heizte damit. Zwischenfrage: Damit es billiger wird, ja?... Oskar: Um Kohle zu sparen, weil es nicht leicht war, sie zu bekommen, und die Qualitt davon war schn [gut]. So hatte der Graf [Poln.: Hrabia] sein Ziel erreicht. Es gab 400 Arbeiter in Jaschin, aber die ganze Produktion, neunzig Prozent davon, gingen nach Russland. Polen hat damals zu Russland gehrt [In Wahrheit gehrte nur eines der drei Teile Polens gehrte seit den polnischen Teilungen im 18. Jahrhundert zu Ruland, die anderen beiden Teile gehrten je bis 1918 zu Preuen und zu sterreich]. Russland war sehr gross und nahm alles. Es gab dort zwei Sorten Glas, gepresste Glser, welche nach dem Muster, das man gemacht hatte, gepresst wurden [Der Neffe fragt zwischendurch und Oskar zeigt ihm einige Zeit lang, welches Glas geblasen und welches gepresst war, und erklrt das mit dem Muster es raschelt im Hintergrund]. Zwischenbemerkung: Eine billige Geschichte. Oskar: Ja, das gepresste war billiger. Es wurde so aufgeblasen. In der Schleiferei wurde es zugeschnitten und geschnitzt [geschliffen]. Das billigere Glas platzte auch leichter und wurde dann in die Fabrik zurckgeschickt. Man hatte es nochmals gebrannt, geschmolzen. Zum Beispiel platzt das billigere platzt so weg [Es folgt eine Aufnahmepause von c. 8:00-8:34]. Und oft es wurde in spezielle Kis- ten gesteckt, in denen es solche Lcher gab Sie wurde extra angefertigt Man hat auerdem Glser mit verschiedenen Mustern gemacht, ausgeschliffen. Es war nicht so wie bei Kristallen, die wurden aus Blei gemacht. Der Neffe: Ja, ich wei. 3. 3 Ja, sie wurden ausgeschliffen mit Mustern. Die Glasmuster waren unterschied- liche Sorten, z. B. wurden so mattierte Streifen darauf gemacht. In der Fabrik gab es die Schleiferei und die Malabteilung. Man machte z. B. Blumenvasen und bemalte sie auf unterschiedliche Weise, mit Gold usw. Mein Vater konnte das, Glas bemalen. Es stand dort eine solche Maschine, die man Zwischeneinwurf: drehte Oskar: drehte, und mit der man z. B. die Goldrnder aufmalte. Der eine Arbeiter hat das Ornament gemacht, der andere ein anderes etwa zwei Bltter, etc., verschiedene Leute haben am Flieband das Glas [er verwendet hier ein poln. Wort: tamowe, was aber nicht die vollstndige Bedeutung des Wortes wiedergibt] bearbeitet und Muster darauf gemalt. Mein Vater war ein Fachmann auf diesem Gebiet und musste spter andere Leute darin anleiten, wie diese Ornamente auf das Glas eingeschmolzen werden, usw. Er hat dort schwer gearbeitet. Aber er war ein Fachmann. Es waren Juden, Polen und Tschechen, die dort gearbeitet haben. Die Glasmacher waren angelernte Leute aus dem Dorf. Und fr den Glassud brauchte man auch Pottasche, welches aus dem Ausland eingefhrt und eingearbeitet wurde, weil es dort vor Ort nicht gab Nein, nicht aus dem Ausland, aber woanders her hat mans gebracht. Dann hat man die Pottasche zerkleinert, es waren ja verschiedene Stcke, hrtere, grere und kleinere. Sie wurden gemischt, in eine Wanne hineingetan, zusammen mit dem Sud und es hat eine Zeitlang gedauert, bis die Glasmasse. fertig war. Der Grossvater hat das gemacht, die Pottasche zerkleinert, der Urgrossvater. Zwischeneinwurf: Er hat zerstoen Ja, die Pottasche zerstoen, und die Shne. Frage: Wann war das? Das war in lteren Zeiten, so um 1923, vor 1923 [hier fragt der Neffe nach und Onkel Oskar korrigiert sich:] natrlich 1823, einige Jahre lang ging das so. Ich kannte ihn nicht. Zwischenfrage: wie hie er? Onkel Oskar: Hrabia Hodliczki [eine polnische Grafenfamilie dieses Namens habe ich nicht gefunden, daher msste der Name anders lauten] Einwand des Neffe: Nein, der Grossvater. Oskar: Der [Ur]Grossvater hie Dov Leib, Dov Leib Fischmann [poln. Schreib- weise Fiszman]. Auf Polnisch nannte man ihn Lebek [poln. Entsprechung der Ver- kleinerungsform Leibl], von Leib, Potaschnik. Zwischenbemerkung: Weil er Pottasche zerkleinerte? Oskar: Ja. Lebek war ein jdischer Arbeiter, der Pottasche zerstie, die Shne haben mitgearbeitet. Man zerkleinerte die Pottasche neben dem Hof, wo der Graf wohnte und wo sich sein groes Bro [office] befand. Zwischenfrage: Hrabia Hodliczki hie er? Oskar: Beim Hrabia Hodliczki gab es ein groes Bro. Man hatte Ware dorthin gebracht und gewogen, in diesem Bro, z. B. etwa zweihundertsechzig Pfund Pottasche. Man hat es dort gehalten, zweihundertsechzig Pfund! Das war eine heilige Ware [d. h. sehr wertvoll]. Andere Menschen haben dort andere Artikel 4. 4 und Waren gehabt, die man brauchte, es war dort ja auch die Tischlerei oder Schlosserei, und man brauchte Ngel usw. Es war dort stndig viel los aber es ist bei ihm nie was passiert es waren vielleicht zweihundertsechzig und danach [hat es sich herausgestellt, dass es vielleicht] auch zweihundertsechzig und halb [Pfund der wertvollen Pottasche]. Keiner hatte es ntig, irgendetwas weg zu nehmen [stehlen?], zudem hat der Urgrossvater immer aufgepasst [?]. Er [der Urgrossvater] war ein sehr groer, ehrlicher Mann, er hat ausgesehen ein bisschen wie ein, er war ein bisschen ein Soloveytshik [? eine kleine Nachtigall, im bertragenen Sinne gemeint seine kleine, zarte Statur oder im Sinne von leichtsinnig?], war [aber] stets in Ordnung [korrekt?] gewesen. Und die Kinder auch, aber nicht alle Kinder da gab es mal dies und das. Der lteste hie Duvid [David], das war ein Ingenieur von groem Verstand, und der zweite hie Uscher [Ascher], der war mein Grossvater. Ich wurde nach ihm benannt, weil er nicht mehr lebte. Die nachfolgenden waren Schloyme [Salomon] und Avrum [Abraham] und Herschel. Das war die Dynastie. Die Schwester [?] hie Horka [?], ich