031206 Chronik HfD

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Initiative "Hilfe fr Dresden - Brger helfen Brgern" / ABM Spendenagentur 13. August 2002 20. Juli 2003

Ein Arbeitsbericht

Dresden, im Juli 2003

Initiative "Hilfe fr Dresden - Brger helfen Brgern" - ein erfolgreich und professionell arbeitendes Hilfe - ManagementVorbemerkungenGegrndet wurde die Initiative Hilfe fr Dresden - Brger helfen Brgern im August 2002 zum Zweck der direkten Vermittlung bzw. Koordinierung und Beschaffung von dringend bentigen Hilfeleistungen whrend der unmittelbaren Flutkatastrophe. Im Verlauf der folgenden Monate entwickelte sie sich immer strker zu einem kompetenten Ansprechpartner fr Rat- und Hilfesuchende und nicht nur fr die vom Hochwasser direkt betroffenen Brgerinnen und Brger der Landeshauptstadt Dresden. Initiiert und getragen wurde und wird sie vom Kulturbro Dresden und der Initiative fr Dresden e.V.. In der Verwaltung der Landeshauptstadt Dresden, dem Arbeitsamt Dresden sowie der Qualifizierungs- und Arbeitsfrderungsgesellschaft Dresden mbH fand sie weitere engagierte Partner. Ihre Leistungsfhigkeit schpfte sie in den Augusttagen aus dem Brgerengagement hunderter freiwilliger Helfer. Zum Beispiel Sabine Apelt (Studentin), die gerade an ihrer Diplomarbeit in Psychologie schrieb und Torsten Drnbach (Angestellter), welcher bis zum Umfallen an der Sandsackfront kmpfte. Aber auch Schler, Arbeitslose und Ruhestndler, wie Frau Karin Brner mit ihren 67 Jahren, oder Tierarzt Dr. Ingo Pfeil (Selbstndiger), der Rume und Telefonanlage bereitstellte - um nur einige zu nennen - waren von Anbeginn dabei und sind zum Teil bis heute selbstlos gegen die Flut und ihre Folgen im Einsatz.

1. Die Grndung und das Wirken der Initiative "Hilfe fr Dresden - Brger helfen Brgern" in der Phase der unmittelbaren Flutkatastrophe (14.08.02 15.09.02) Die AusgangslageAm 13. August, nach einem mehrtgigen Dauerregen war nicht nur der Elbpegel gestiegen, sondern auch viele der sonst so friedlichen Bche traten ber die Ufer und verwsteten ganze Stadtgebiete der Landeshauptstadt Dresden. Die Weieritz berschwemmte den Dresdner Hauptbahnhof, das Krankenhaus Dresden Friedrichstadt musste evakuiert werden und die Kommunikation des Rathauses der Landeshauptstadt wurde teilweise lahmgelegt. Informationen zur Lage waren nur unvollstndig vorhanden. Die Lage spitzte sich stndlich zu. Am 14. August 2002 stand der Pegel der Elbe bei 6,97 Meter. Vor diesem Hintergrund setzten sich Christoph Anders, Geschftsfhrer des Kulturbros Dresden, und Dr. Dietrich Herrmann, Sprecher der Initiative fr Dresden e. V., zusammen, spielten absehbare Katastrophenszenarien durch und berieten ber entsprechende Hilfsmglichkeiten. Die Initiatoren erkannten schnell, dass in der Katastrophensituation die neuen Medien Internet und E - Mail ein groes Potenzial fr die schnelle und przise Verbreitung von Informationen und fr die Vermittlung von Helfern und Material besitzen, gerade auch angesichts des berlasteten und teilweise gestrten Telefonnetzes der Stadtverwaltung Dresden. Durch Vermittlung zwischen dem Bro des Oberbrgermeisters / Katastrophenstabes und der Firma Sandstein wurde der Internet-Notauftritt der Stadt Dresden einge-

Erste Absprachen werden getroffen. Auf dem Foto von links Dr. Dietrich Herrmann, Andreas Querfurth, Christoph Anders, Achim Wesjohann, Anja Stephan und Jan Zimmermann

richtet. In den folgenden Wochen stellte die Initiative Hilfe fr Dresden Brger helfen Brgern fr den Notauftritt von DRESDEN.DE Informationen fr Helfer und das Verhalten in der Notsituation zusammen. Die bei DRESDEN.DE eingehenden Mails wurden an die Initiative weitergeleitet und bearbeitet. Bis Ende August 2002 wurde der Notauftritt (sowie die gespiegelten Seiten bei DDkom und der Energieversorgung Halle) 3,2 Millionen mal angeklickt und erhielt den Sonderpreis des European E-City Awards. Im Ergebnis des Gesprchs wurde neben der Einrichtung der Kommunikationszentrale in den Rumen des Kulturbros auf der Bautzner Strae 41 HH mit der sofortigen Mobilisierung von freiwilligen Helfern begonnen. Bis 22:00 Uhr wurde ein kleines Bro mit zwei PC, zwei Telefonen und Internetanschluss eingerichtet sowie ein riesiger Stadtplan an die Wand gepinnt und ein Spendenkonto benannt. Eine Datenbank zur Erfassung der zahlreich zu erwartenden Hilfsangebote und Hilfegesuche wurde eigenstndig programmiert und online gestellt. Auf diese Datenbank war der Zugriff von jedem PC mit Internetanschluss mglich. Damit wurde (in Hinblick auf eventuelle lokale Stromausflle) eine ortsunabhngige Mglichkeit des Zugriffes auf die Daten geschaffen. Mitglieder der Initiative fr Dresden, Mitarbeiter des Kulturbros und weitere Freiwillige hatten sich noch am spten Abend eingefunden und standen fr unterschiedlichste Aufgaben wie Telefon- oder Kurierdienste etc. bereit. Am 15. August 2002 begannen dann diese Krfte nach Absprache mit dem Krisenstab der Landeshauptstadt Dresden, Hilfegesuche und Hilfsangebote aus Dresden, dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland entgegenzunehmen, zu koordinieren bzw. weiterzuleiten. So wurden notwendige Hilfeleistungen oder dringend bentigte Materialien, wie Sandscke, Transportmittel, Mineralwasser, Lebensmittel oder Werkzeuge, vermittelt bzw. beschafft und weitergeleitet. Helfer wurden an Brennpunkte gesandt, notwendige Informationen eingeholt und weitergegeben. Die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen, kommunalen Einrichtungen und unterschiedlichsten Helfergruppierungen wurde gesucht bzw. intensiviert. Spter entwickelte sich aus dem Vermittlungsbro mit Untersttzung der Telekom ein Logistikzentrum, in welchem die Mitglieder der Initiative die unterschiedlichsten Angebote zu komplexen Hilfspaketen schnren konnten. In den ersten Wochen wurde rund um die Uhr gearbeitet. Obwohl die Arbeitsbedingungen fr die Freiwilligen keinesfalls optimal waren, wurden doch an manchen Tagen mehr als 1400 Anrufe entgegengenommen und abgearbeitet.

Einige Streiflichter aus diesen TagenVon Beginn an sammelten die Mitglieder der Initiative Angebote fr private Notquartiere. So standen beim Scheitelpunkt der Flut mehrere hundert Quartiere bereit, um tausende Betroffene aufnehmen zu knnen. Fr die Bedrfnisse von lteren und behinderten Menschen hat die Initiative die Bevlkerung mit Erfolg zu spezifischen Hilfsangeboten aufgerufen. In Kooperation mit dem Jugendhilfe - Trger Outlaw initiierte die Initiative Hilfe fr Dresden Brger helfen Brgern in diesem Zusammenhang ein Projekt Altenpatenschaften, um mit freiwilligen qualifizierten Helfern insbesondere von der Flut betroffene ltere Mitbrger bei der Bewltigung der Ausnahmesituation zu untersttzen. Am 15. August wurden Helfer, Sandscke und Transportmittel an bedrohte Objekte vermittelt und teilweise auch die Versorgung der Krfte koordiniert.

Die Kommunikationszentrale der Initiative Hilfe fr Dresden Brger helfen Brgern in den Rumen des Kulturbros Dresden nimmt die Arbeit auf.

Pinnwand, Telefon und Computer gleichberechtigte Arbeitsmittel in diesen Tagen

Am 16. August wurde, die Stromversorgung in einigen Stadtgebieten war bereits zusammengebrochen, im Bro auf der Bautzner Strae 41 HH ein Notstromaggregat aufgebaut und ein Notstromkreis verlegt. Es wurden erfolgreich Kontakte mit den meist selbstndig arbeitenden Sandsackfllpltzen hergestellt. Ziel war es, mit den Freiwilligen vor Ort einen Kommunikationsstrang aufzubauen. Einerseits, um die Helfer auf den jeweiligen Pltzen mit Lebensmitteln und Getrnken zu versorgen (die meisten der Helfer waren ununterbrochen im Einsatz) und andererseits, um die gefllten Scke zielgenau an die aktuellen Brennpunkte schicken zu knnen und bentigte Helfer an diese Pltze zu vermitteln. In diesem Zusammenhang sei ein privater Spediteur aus Leipzig genannt, welcher sich bei uns meldete und seine Untersttzung anbot. Mit seinem 40 - Tonner wurde er in die Transportlogistik integriert und verteilte drei Tage lang Sand an die Fllpltze. Am 18. August, der Pegel stand noch bei 8,90 m und das Grundwasser stieg stndig weiter, drohte im St.- Benno Gymnasium die Grundplatte zu brechen. Die Mitarbeiter der Initiative beschafften Sandscke zur Belastung des Fundamentes, schickten Helfer vor Ort und organisierten ber die Dresdner Tafel e.V. die Versorgung der Helfer mit den notwendigen Lebensmitteln. Zu diesem Zeitpunkt waren Sandscke in Dresden schon nicht mehr sofort ausreichend verfgbar, da die Reserven bereits nach Sachsen - Anhalt abtransportiert wurden. Checklisten fr die Inbetriebnahme von Strom, Gas, Fernwrme und Wasser sowie Flugbltter mit den wichtigsten Notrufnummern und hygienischen Hinweisen wurden erarbeitet und vervielfltigt. Hunderte Gymnasiasten (z. T. aus Radeberg) waren im Dresdner Stadtgebiet unterwegs und haben diese Informationen verteilt. Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie dazugehrige Gertschaften wurden von Fachmrkten nach Hilfsanfragen und Vermittlung von Mitarbeitern der Initiative den von der Flut betroffenen Brgern bzw. Helfern kostenfrei zur Verfgung gestellt. Bekleidung, Unterknfte, Trinkwasser, medizinische und psychologische Betreuung wurden nachgefragt und in Kooperation mit anderen Hilfskrften bereitgestellt bzw. vermittelt. Bundesweite Angebote von freiwilligen Helfern wurden entgegengenommen und deren Einsatz koordiniert, Betreuung eingeschlossen. So konnten durch die Vermittlung der Initiative Hilfe fr Dresden - Brger helfen Brgern u. a. einhundertundfnfzig Berliner Schler in Meien eingesetzt werden und mithelfen, die Innenstadt vom Schlamm zu berumen. Am 20. August wurde in den Kellerrumen der Tierarztpraxis von Dr. Pfeil auf der Fischhausstrasse 5 ein zweites Call - Center der Initiative eingerichtet. Hier wurden ausschlielich Hilfsanfragen angenommen, um die chronisch berlasteten Telefonanschlsse auf der Bautzner Strae 41 HH zu entlasten. Eine Psychologiestudentin, Mitglied der Initiative, baute eine Psychologenhotline auf. Mit Hilfe vieler freiwilliger Psychologen und Psychotherapeuten wurde eine 2