Broschüre Gartenpfad

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Der sesshafte Mensch pflegt seit Urzeiten Gartenanlagen, nicht bloss der Ernährung wegen, sondern auch, weil Gärten alle seine Sinne anregen. Sie sind sinnvoll! Beat Samuel Fey Impressum: Herausgeber: Natur- und Heimatschutz- kommission Lenzburg Gestaltung/Satz: Kneuss Print AG,Lenzburg Fotos: Beat Samuel Fey,Lenzburg Druck: Kromer Print AG,Lenzburg Papier: 100% Altpapier,weiss,matt, alterungsbeständig, ohne optische Aufheller 1.Auflage 3000 © NHK, August 2001 GARTENPFAD Stadt und Schloss Lenzburg

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Broschüre Gartenpfad

Transcript of Broschüre Gartenpfad

  • Der sesshafte Mensch pflegt seit Urzeiten

    Gartenanlagen, nicht bloss der Ernhrung

    wegen, sondern auch,weil Grten alle seine

    Sinne anregen. Sie sind sinnvoll!

    Beat Samuel Fey

    Impressum:

    Herausgeber: Natur- und Heimatschutz-kommission Lenzburg

    Gestaltung/Satz: Kneuss Print AG,LenzburgFotos: Beat Samuel Fey,LenzburgDruck: Kromer Print AG,LenzburgPapier: 100% Altpapier,weiss,matt,

    alterungsbestndig,ohne optische Aufheller

    1.Auflage 3000 NHK, August 2001

    GARTENPFADStadt und Schloss

    Lenzburg

  • Informationstafeln:KronenplatzSchloss

    Stationen:1 Burghalde2 Grabenweg3 Friedhof4 Schwimmbad5 Mllerhaus.Das Kultur-Gut6 Stadtkirche7 Schtzenmattstrasse8 Schloss West9 Schloss Ost

    10 Haus Sonnenberg

    Anhang:LiteraturInformationenDankbersichtskarteImpressum

    Der Gartenpfad Stadt und Schloss Lenzburg kann als Rund-weg begangen werden. Ausgangspunkt ist den Besucherinnenund Besuchern berlassen. Die vorliegende Broschre be-schreibt die einzelnen Stationen, beginnend bei der Burghalde.Eine farbig gestaltete bersichtskarte ermglicht aber auch, sichber geschichtlich und kologisch interessante Anlagen ausser-halb des bezeichneten Pfades zu informieren. Die Broschreldt dazu ein, bisher Unbekanntes zu entdecken und neueIdeen im eigenen Garten zu verwirklichen.

    1 Burghalde2 Grabenweg3 Friedhof4 Schwimmbad5 Mllerhaus.Das Kultur-Gut6 Stadtkirche7 Schtzenmattstrasse8 Schloss West9 Schloss Ost

    10 Haus Sonnenberg

    DIE STATIONEN

    Legende

    1 Bauerngrten

    2 Barocke Elemente

    3 Landschaftsgrten sowie Anstze dazu

    4 Naturgrten und hnliche Landschaftselemente

    5 Bume, Strucher, Hecken

    6 Wiesen, Weiden, cker

    7 Naturnahe Elemente wie Hecken, Bume, Strucher, Stauden, Wiesenstcke oder Pionier-vegetation an Schienen und Strassen

    8 Baumgrten

    9 Rosengrten

    10 Weingrten

    11 Schrebergrten

    12 Besondere Pausenplatzelemente

    13 Parkanlagen

    BERSICHTSKARTE

    GARTENPFADStadt und Schloss

    Lenzburg

    4

    5

    3

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  • 1VORWORT

    Grten waren stets eng mit Kultur und Geschichte eines Landes verbun-den. So kannten schon die alten gypter und Babylonier spezielle Anlagen.Aber auch auf unserem Kontinent entwickelte sich eine dynamische Garten-kultur.

    Aus Klostergrten, die zunchst auf Kchen- und Heilkruter spezialisiertwaren, entstanden spter prunkvolle Renaissance- und Barockgrten mit oftseltenen Pflanzen.

    Barockgarten im Schloss Lenzburg

    Die mittelalterlichen Burg- und Schlossgrten, oft ausserhalb der Wehr-anlagen angelegt, glichen bisweilen einfachen Bauerngrten. Erst als die Bur-gen ihre Aufgabe als Festung verloren, bildeten ihre Grten einen reprsen-tablen Rahmen, sei es als Barock- oder als Rosengarten.

    Zu einem Bauernhof gehrte seit jeher ein Garten. Seine teilweise strengeEinteilung und die Einfassung der Beete mit niedrigen Buchshecken wiesenauf den Einfluss der Klostergrten hin.

  • VORWORT

    Alte Stadt- und Herrschaftsgrten befanden sich aus Platzgrnden aus-serhalb der Mauern, welche bis Ende des 18. Jahrhunderts auch die AargauerStdte umschlossen. Als dann die Stadtgrben aufgefllt wurden, entstandRaum fr neue Gartenanlagen. Rund um die Stdte entwickelten sich ver-mehrt Herrschaftshuser mit anspruchsvollen Barockgrten. Ein Grund-buchplan aus dem Jahre 1881 zeigt Grundrisse solcher Anlagen im GebietBurghalde Grabenweg:

    Im 20. Jahrhundert entstanden daraus in der Regel eindrckliche Land-schaftsgrten.

    Heutige Privatgrten wie auch ffentliche Parkanlagen sind meist so an-gelegt, dass sie mit modernen Hilfsmitteln leicht unterhalten werden knnen.Neben zahlreichen Ziergrten finden sich ab und zu auch Naturgrten. DieAnlagen beweisen insgesamt, dass die Liebe zum Garten gegenwrtig nichtgeringer ist als frher.

    Natur- und Heimatschutzkommission Lenzburg

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  • 3Bauerngrten

    In unserem Land pflegte man immer wieder typische Bauerngrten, welcheoft durch Wegkreuz, Buchseinfassung der Beete und Einfriedung des gesamtenGartens mittels Palisadenzaun gekennzeichnet waren. Neben der Nutz- warauch die Zierfunktion von grosser Bedeutung.

    Seit dem 14. Jahrhundert gehrte ausserdem zu vielen buerlichen Betrie-ben ein Baumgarten, in dem Obst gewonnen und damals bisweilen auchGericht gehalten wurde. Aus Grnden der optimalen Nutzung des Gelndesstanden die hochstmmigen Obstbume meist in Reih und Glied. In derbersichtskarte sind Bauerngrten blau, Baumgrten gelb dargestellt.

    Bauerngarten an der Neumattstrasse in Lenzburg

    ALLGEMEINES

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  • Franzsische Grten

    Ende des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts war die Bltezeit der Franzsi-schen oder Barocken Grten. Sie lagen meist in der Ebene oder an flachenHngen und drckten durch ihre kunstvolle Gestaltung Reichtum und Macht aus.

    Die Menschen erfreuten sich zum einen so am Diesseits, dass ein inten-sives Lebensgefhl mit seiner Sinnenfreudigkeit entstand. So versuchten sie,die Schnheit der Welt in die Anlagen einzubringen. Zum anderen besannensie sich aber auch auf das Jenseits und damit auf eher nchterne Werte, waseine Spannung zwischen Weltlust und Weltflucht bewirkte. Gegenstze inner-halb wie auch zwischen den Gartenanlagen wurden sichtbar.

    Garten und Herrschaftshaus bildeten jeweils eine Einheit. So verlief in derRegel die Hauptachse des Gartens von seinem Eingang hin zur Mitte des Ge-budes. Im Zentrum des Gartens fanden sich oft Wasserspiele wie beispiels-weise ein Springbrunnen. Symmetrien waren von grosser Bedeutung. Die Beetewaren somit streng ausgerichtet und in klaren Linien mit Buchs begrenzt.

    Gewrz-, Heil-, Nutz- oderZierpflanzen sowie knstle-risch zugeschnittene Buchs-strucher in festgelegter An-ordnung kamen hufig vor.Meist schloss eine Mauer dieAnlage nach aussen ab. In derbersichtskarte sind barockeElemente blau dargestellt.

    Barockgarten im Schloss Lenzburg

    ALLGEMEINES

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  • 5Englische Grten

    Im 18. und 19. Jahrhundert suchte der Mensch in der Gartenkunst die mg-lichst freie Entfaltung. Er besann sich zurck auf die ursprngliche Natur.Architektonische berlegungen traten in den Hintergrund. So entwickeltesich der Englische Garten, welcher als Bestandteil seiner natrlichen Umge-bung, als Landschaftsgarten, verstanden wurde. Seine Abgrenzung bildetenoft nur ein Graben oder ein Bachlauf.

    Die Spannung der Gegenstze war von grosser Bedeutung: Hgel undTler, Wiesen und Wlder, Wege und ungezhmte Natur, Erde und Wasser,Licht- und Schattenwirkungen oder bauliche und natrliche Elemente ergabeneine eindrckliche Vielfalt. Hufig wechselnde Szenen waren also wichtig,beispielsweise eine Abfolge von Rasen, knstlichen Baumreihen, Einzelbu-men, Baumgruppen, eingefhrten Zierpflanzen und Naturhecken aus heimi-schen Struchern. An Gehlzen kamen hufig Nadelbume, Birken, Eichen,Linden, Espen, Ahorne, Buchen oder Rosskastanien vor.

    Zustzlich konnte das Gelnde durchsetzt sein von baulichen Einheiten wiehistorischen Trmen, Brcken, schlichten Husern oder Sitzgelegenheiten.

    Bisweilen wurden auch Tierewie Hirsche, Schafe oder En-ten gehalten.

    Geometrisch geformteGar-tenanteile waren seltener an-zutreffen, konnten jedoch alsabgeschlossene barocke Ein-heit, als Bauerngarten mitKchenkrutern und Zier-pflanzen oder als Rosengar-ten meist in der Nhe des

    Herrschaftsgebudes vorhanden sein. In der bersichtskarte sind Land-schaftsgrten rot dargestellt.

    Landschaftsgrten an der Gartenstrasse (oben)und an der Schtzenmatt-strasse (unten) in Lenzburg

  • Moderne Grten

    Seit dem 19. Jahrhundert erfolgte eine stete Rationalisierung der Garten-pflege. Die historischen Grten wurden seltener. Bauerngrten unterschiedensich oft nicht mehr von Grten der Stdter.

    Fnf verschiedene Gartentypen, welche wegen der zunehmenden Be-siedlung der Landschaft teilweise aber eng begrenzt sind, seien hier kurzvorgestellt.

    Ziergrten (in der bersichtskarte grau):

    Sie bilden heute die grosse Mehrzahl der Gartenanlagen in unserem Land.Anstelle von alten Gewrz-, Heil-, Nutz- oder Zierpflanzen sind Modepflanzenwie Strucher aus fernen Landen, gezchtete Kruter oder sterile Rasen-flchen von Bedeutung. Der gepflegte, farbenfrohe Garten ist durchaus schnanzusehen, besitzt aber wenig kologischen Wert. In unserem Stadtgebiet

    finden sich zahl-lose Ziergrten instarker Vielfalt von relativ einfachstrukturierten bishin zu usserstkreativ gestaltetenAnlagen.

    Ziergrten am Barbarossaweg

    und an der Schloss-gasse in Lenzburg

    ALLGEMEINES

    6

  • 7Nutzgrten (in der bersichtskarte grau):

    Auf kleiner Flche mssen mglichst lange im Jahresablauf Gemse oderFrchte geerntet werden knnen. Zahlreiche Hinweise fr gute Ertrge fehlennicht. Die Anlagen sind einfach und regelmssig aufgebaut. Meist weisen sieeine Hauptachse mit einigen Seitenwegen auf, was schlichte Beete ergibt.

    Schrebergrten (in der bersichtskarte gelb):

    Dieser Name geht auf den Leipziger Arzt Daniel Gottlieb Moritz Schreber(1808-1861) zurck. Man versteht darunter grundstzlich kleine, grtnerischgenutzte Grundstcke am Stadtrand, welche meist gepachtet sind und dieVersorgung mit pflanzlichen Produkten bezwecken.

    Schrebergrten mit Nutzfunktionin der Schtzenmatte von Lenzburg

  • ALLGEMEINES

    Parkanlagen (in der bersichtskarte gelb):

    Im Siedlungsgebiet dienen sie vor allem der Erholung der Menschen. Zierele-mente, zum Beispiel Rasen, Blumenrabatten oder kunstvolle Sitzgelegenhei-ten, aber auch naturnahe Bereiche wie Hecken, Findlinge oder Teiche drckendie Spannung der Gegenstze aus.

    Ziegelacker in Lenzburg

    8

  • 9Naturgrten (in der bersichtskarte grn):

    Dank der Rckbesinnung auf kologische Grundstze entstehen vermehrtauch Anlagen mit Hecken heimischer Gehlze, Naturwiesen oder Feuchtbio-topen. Bereichert werden sie durch Einzelexemplare wie auch Dreiergrup-pen von Bumen. Speziell erwhnenswert sind Begrnungen von Mauern undWnden, was nicht nur sthetisch, sondern auch biologisch wertvoll ist. Sol-che Elemente knnen ausserdem als Schutz und Isolation der Bauten die-nen. Zudem befinden sich an zahlreichen Stellen neben Schienen, Strassenund Wegen im Siedlungsgebiet Hecken, Bume, Strucher, Stauden, Kruter,Magerwiesen, Weiden oder Pioniervegetation, was durchaus der Idee vonNaturgrten entspricht.

    Naturgrten an der Neumattstrasse

    und am Wiligraben in Lenzburg

  • 10

    1DIE STATIONEN

    Burghalde

    Die Burghaldenhuser, im 17. Jahrhundert errichtet, stellen die kulturellwohl wertvollste Baugruppe der Stadt Lenzburg dar. Kernstck ist die AlteBurghalde, ein sptgotisches Wohnhaus mit einem charakteristischen Trep-penturm und einem stlich anschliessenden konomiegebude, in dem sichneben Scheune und Stllen auch eine Trotte befand. Im rckwrtigen Teil desWohnhauses wurde zwischen 1702 und 1718 ein eindrcklicher Barocksaaleingebaut. Winkelfrmig an den Altbau schliesst die 1793/94 auf einer knst-lichen Steinterrasse erbaute Neue Burghalde an. Der heutige Weiher bildetedamals den Kutschenwendeplatz.

    Es ist selbstverstndlich, dassum solch bedeutsame Bauten herumdie entsprechende Gartenkulturnicht fehlen durfte. So finden sichheute noch barocke Gartenelementewie die vom schmiedeisernen Toraus gesehenen Symmetrien bezg-lich Wasserspielen, aber auch Trep-pen und gepflsterte Wege mit pas-sender formen- und farbenfroherBepflanzung.

    Mehrheitlich kann die vorliegen-de Anlage jedoch in Anlehnung andie Entwicklung der Gartenkultur inEngland im 18. und 19. Jahrhundertals Landschaftsgarten verstanden

  • 111

    werden. Wiesen, Bume, Strucher, Wege,Zierpflanzen, vielseitige Gelndestruktu-

    ren oder Licht- und Schattenwirkungenergeben symbolisch das im Leben so

    eindrckliche Abbild der Spannungder Gegenstze.

    An dieser Stelle ist speziellauf die relativ grossen, heute vor-handenen Weinberge Lenzburgsan Schloss- und Goffersberg hin-zuweisen. Die alten Weingrtenvon Lenzburg bis ins 16. Jahrhun-dert hinein befanden sich an derBurghalde und am Schlossberg.Spter wurden von der Stadt amBlli, an der Sandrisi in RichtungHendschiken sowie am Sdhanddes Goffersberges Reben ange-

    baut. Am Schlossbergpflanzten die Ortsbrger1950 einen neuen Reb-berg an. In der ber-sichtskarte sind Wein-grten gelb dargestellt.

  • 12

    2DIE STATIONEN

    Grabenweg

    Im Jahre 1306 erhielt Lenzburg von Herzog Friedrich I. von sterreichdas Stadtrecht. Im 17. Jahrhundert begann eine rege Bauttigkeit: Rathaus,Stadtkirche und -tore entstanden. Nach 1744 fiel das Bauverbot ausserhalbder Stadtmauern. Der Stadtgraben wurde aufgefllt, was neue Gartenanlagenermglichte. Allmhlich entwickelten sich ein Kranz grosser Brgerhuserum die Altstadt, beispielsweise an der Schtzenmattstrasse, und die kleinenVorstdte an Ein- und Ausfallstrassen wie die Aavorstadt.

  • 213

    Die in unserem Lande seit Jahrhunderten vorkommenden typischenBauerngrten mit ihrer Nutz-, aber auch Zierfunktion sind heute leider seltengeworden. Ein relativ gut erhaltenes Beispiel liegt vor uns zu Fssen eineskleinen Stckes der alten Stadtmauer. Typisch sind die Buchsbegrenzungender Beete sowie der Abschluss mittels Palisadenzaun.

    Davor liegt ein kleiner Rosengarten. Auch solche Anlagen sind nicht mehrhufig anzutreffen. Sie sind in der bersichtskarte gelb dargestellt.

    Hinter uns befinden sich die Parkanlage Ziegelacker, ursprnglich einFriedhof, welche heute eine wichtige Naherholungsfunktion wahrnimmt, undein Kindergarten-Pausenplatz, der in seiner Vielfalt den Geist anregen undaktive Bewegung frdern soll. In der bersichtskarte sind besondere Pausen-platzelemente gelb dargestellt.

  • 14

    3DIE STATIONEN

    Friedhof

    Der kleine, im Jahre 1306 zur Stadt erhobene Marktflecken Lenzburgbesass ursprnglich keinen eigenen Kirchhof, sondern bestattete seine Ver-storbenen zusammen mit den umliegenden Drfern um das Kirchlein derUrpfarrei Staufberg. Der Friedhof, auch Gottesacker oder Lenzburger Rosen-garten genannt, befand sich erst ab 1514 bei der Stadtkirche, ab 1668 dannbeim Ziegelacker ausserhalb der Stadtmauer. Dieser wandelte sich allmh-lich zu einem Park, ab 1896 diente er als Turnplatz, dann als Spiel- undTummelplatz der Jugend, schliesslich wieder als Parkanlage.

  • 315

    Im Jahre 1865 begann die Planung des neuen Friedhofs hier an der Wyl-gasse, 1867 wurde dieser mit einer Abdankungshalle erffnet. Sein barockerAufbau sowie gesetzliche Verordnungen ermglichten ein wrdiges Gesamt-bild. 1896 fand eine erste Erweiterung in stlicher, 1908 eine zweite in nrd-licher Richtung statt. 1975 wurde die ausgediente Abdankungshalle abgebro-chen.

    Auch heute noch knnen in Anlehnung an barocke Anlagen verschiedeneentsprechende Merkmale festgestellt werden: Symmetrien in der Gesamtge-staltung, Hauptachse mit Wasserspiel in der Mitte, Abgrenzung teilweise mit-tels Mauer, Tore, Reichtum an Rosen und anderen Zierpflanzen oder hoheBume und als Gegensatz dazu kunstvoll geschnittene Strucher.

  • 16

    4DIE STATIONEN

    Schwimmbad

    Eine sehr schne Kombination von Natur und Kultur zeigt sich im vor unsliegenden Gebiet.

    Das der Einwohnergemeinde Lenzburg gehrende Schwimmbad, erbautin den Jahren 1948 und 1949, erweitert um 1965, renoviert und modernisiert um1991, stellt eine vielseitige Parkanlage mit verschieden geformten Wasser-becken, ausgedehnten Rasenflchen, gut integrierten Spielanlagen sowie Bumenund Struchern dar. Als naturnahe Abgrenzung dienen Hauptlauf und Kanal desAabaches, was insgesamt eine spannungsgeladene, stimmige Einheit ergibt.

    Der nebenan abgedruckte Plan aus dem Jahre 1919 zeigt die frhere Situa-tion auf: Mnner- und Frauenbad befanden sich direkt am Aabach, stlich vonder damaligen Teigwarenfabrik Bertschinger, dem heutigen Tommasinihaus.

    Im Rahmen desHochwasserschutzes derStadt Lenzburg wurdeum 1998 stlich und sd-lich des Schwimmbadesdurch die Schaffung einerberschwemmungszoneund eines Auengebietsentlang des Aabacheseine grossartige Natur-

  • 417

    landschaft mglich. Sie stellt im eigentlichen Sinne eine Naturgartenanlagein grosser Dimension dar. Ziel der Renaturierung war die Schaffung vonStrukturen, die frher an unverbauten Bchen hufig vorkamen. Periodischberflutete Flchen, Seitenbche oder besonnte Gerllhalden bietenLebensrume fr viele, auch seltene Tier- und Pflanzenarten. Halten wir hieran einem ruhigen Ort inne, knnen wir Vielfalt und Schnheit der Natur mitallen Sinnen erleben.

    MnnerbadFrauenbad(Bassin)

  • 18

    5DIE STATIONEN

    Mllerhaus. Das Kultur-Gut

    Im Stile des BernerFrhklassizismus wurdedas Mllerhaus im Jahre1785 erbaut. Es galt in derFolge als Lenzburgs herr-schaftlichstes Brgerhausund als eines der schns-ten des ganzen KantonsAargau. Zur ursprngli-chen Anlage gehrtenauch die sdlich angren-zende Liegenschaft sowiedie ehemalige Scheune(heutiges Kino) und wei-tere Gebude nrdlichdes Bleicherains.

    Mit dem Bau diesesBrgerhauses wurde eingrosszgiger, symmetri-scher Barockgarten, dasgeneigte Gelnde ausnt-zend, auf drei Ebenen(Terrassen) erstellt. Die sich an der Handelsstrasse Zrich Bern befin-dende Anlage reichte ursprnglich vom Weg am Aabach bis zur westlichenMauer, welche die oberste Gartenterrasse (oberer Garten) gegenberdem Nachbargelnde (Bleichematten) abgrenzte. Die Anlage basierte aufeiner von Osten nach Westen verlaufenden Hauptachse.

    Durch den hufigen Besitzerwechsel um 1850 bis 1900, das zeitweiseBewohnen des Hauses durch mehrerer Familien, die unterschiedlichstengewerblichen Nutzungen und die Aufteilung der Gesamtanlage bei Verkufenwurde der Garten immer wieder verndert. Die wesentlichsten Vernderun-gen sind jedoch auf den Ausbau der Verkehrswege (Seonerstrasse, Seetal-bahn) zurckzufhren.

    Verloren ging auf der untersten Ebene ein ursprnglicher Barockgartenmit Springbrunnen. Der damals mit Quellwasser vermutlich aus dem GebietWssermatten gespiesene, monolithische Brunnen westlich des Gebudesdiente auch als Durchlaufbecken fr den Springbrunnen im unteren Garten.

  • 519

    Prgende, barocke Elemente stellen auch heute noch die Gelndeabstt-zungen (Mauern), die quer zur Hauptachse verlaufenden oberen und unterenErschliessungswege, die mit Kapitellen verzierten Portalpfosten, das Hof-halbrund mit der Brunnenanlage, die Terrasse mit doppellufigem Treppen-aufgang und Kopfsteinpflsterung sowie der architektonisch angeordneteBaumbestand dar. Die zahlreich vorkommenden, grossen Muschelkalkstein-quader stammen grsstenteils aus alten rmischen Ruinen.

    Wie so manche Anlage im Stadtgebiet entwickelte sich dieser barockeHerrschaftsgarten mehrheitlich zu einem lauschigen Landschaftsgarten.

    Dank grosszgigem Entgegenkommen der letzten Besitzer Dr. Hans undGertrud Mller gelangte das Gebude mit seiner Umgebung 1987 durch dieGrndung einer Stiftung in den Besitz der ffentlichkeit. Um kulturelleAnliegen optimal frdern zu knnen, erfolgten seit 1994 etappenweise Sanie-rungen des Gebudes.

    Der Bau der Kernumfahrung mit der Vergrsserung des Knotens Bleicheverursacht erneut eine Verformung der untersten Gartenterrasse. Trotzdemsollte es aber mglich sein, wieder einen Barockgarten zu gestalten.

  • 20

    6DIE STATIONEN

    Stadtkirche

    Die nach dem Stadtbrand von1491 erneuerte Kapelle wurde1514 durch den Bischof vonKonstanz zur Pfarrkirche er-hoben. Eine ihrer Aufgabenbestand in Verwaltung undUnterhalt des Kirchhofs.Nach der Reformation um1529 nderte sich darannichts Wesentliches. Baldwurden Gotteshaus undKirchhof erweitert. ImJahre 1565 erlangte mandie Abtrennung von derMutterkirche Staufberg.

    Obwohl heute wenig Um-gelnde vorhanden ist, zeigtsich dieses doch in recht typi-schem Stil eines Landschaftsgar-tens. Grosse, ehrwrdige Bume undzahlreiche Strucher, aber auch Rasenund Steinplatten sollen auf die Vielfalt derSchpfung hinweisen.

    Das 1995 erstmals errichtete Laby-rinth symbolisiert den Weg zur Mitteund wieder hinaus. Es stellt keinen Irr-garten, sondern ein Sinnbild fr einenspirituellen Lebensweg dar, denn Laby-rinthe gehren zu den ltesten Lebens-symbolen der Menschheit. Allen Laby-rinth-Typen ist gemeinsam, dass sie aufder Kreuzform basieren.

    Die Anlage mchte insgesamt zurinneren, persnlichen Einkehr einladen.

  • 621

  • 22

    7DIE STATIONEN

    Schtzenmattstrasse

    Die zahlreichen Herrschaftshuseran dieser Strasse gehen auf das

    19. Jahrhundert zurck. Siesind von typischen Land-

    schaftsgrten umgeben.Die Spannung der

    Gegenstze ist dabeivon grosser Bedeu-tung. Hufig wech-selnde Szenen wer-den ermglicht durchverschiedenartigeGelndestrukturen,Rasen und Bume,Wege und Strucher,Zier- und Wildpflan-zen, Beete und Was-

    serspiele, Licht- und

    Schatten-wirkungen oderbauliche und natrliche Elemente.Insgesamt ergibt sich eine ein-drckliche Mannigfaltigkeit, welchedennoch als eine Einheit wirkt.

  • 723

    Barock gestaltete Elemente sind seltener anzutreffen, zeigen sich jedochteilweise in der Gestaltung der Zugangswege, in geometrisch geformtenZierpflanzen- und Rosenbeeten, in Wasserspielen oder in Pflsterungen. Diezahlreichen Palisadenzune erinnern an Einfriedungen von herrschaftlichenBauerngrten.

    Das Betreten der Anlagen ist nur auf Anfrage mglich.

  • 24

    8DIE STATIONEN

    Schloss West

    Einen guten berblick ber die gesamte Anlage erhlt man im Schloss-hof. Das markanteste Gebude stellt dabei das Ritterhaus dar. Es wurde um1340 errichtet und beherbergt zwei Sle. Eine um 1900 rekonstruierte Wehr-mauer verbindet das Ritterhaus mit dem Bergfried, dem Sdturm. Anschlies-send folgt der Palas. Er wurde bereits um 1100 von den Grafen von Lenzburgals bewehrter Wohntrakt mit Zinnenabschluss erbaut. Die beiden Ausbuch-tungen zwischen Palas und Landvogtei sind Teile der Ostbastion. In einigenGebudeteilen sind heute das Historische Museum des Kantons Aargausowie das Stapferhaus untergebracht.

    Die frheste Erwhnung eines Schlossgartens geht auf das Jahr 1560zurck. Seit 1982 bestehen folgende Anlagen:

    Der Stapferhausgarten, stlich begrenzt durch ein schnes Gittertor mit Rosenranken, enthlt eine barocke Vierfeldergliederung mit Lngs- undQuerachse. Im Zentrum befindet sich ein rundes Wasserbecken mit einer

    kleinen Fontne. Die vierRasenelemente sind mitBlumenbeeten umgeben,wobei diese wiederummittels Buchs begrenztsind. Die Bepflanzung derBlumenbeete wechseltzweimal jhrlich, wobeiversucht wird, auch be-liebte Zierpflanzen des18. Jahrhunderts einzu-bringen. stlich und west-lich dieses Gartenteilsliegen grssere Rasenst-cke mit Buchskugeln anihren Ecken. An der Peri-pherie des Gartens zeigensich durch Buchs einge-fasste Rabatten mit Dauer-bepflanzung. Die Wegebesitzen als Belag feinenRundkies.

  • 825

    Der Schlosshof ent-hlt ebenfalls einen Kies-belag. Entlang der Fassa-den ist eine unterschied-lich breite Pflsterungvorgelagert. Neben gros-sen Bumen und einemSpringbrunnen schm-cken in der warmen Jah-reszeit Kbelpflanzen sd-lndischer Herkunft denSchlosshof.

    Die Sdbastion istschlicht gestaltet. Sie wirdgeprgt durch eine wohlim 18. Jahrhundert ent-standene, eindrcklicheLindenallee. Dieser Be-reich weist ElementeEnglischer Landschafts-grten auf.

  • 26

    9DIE STATIONEN

    Schloss Ost

    Auf der Ostbastion befindet sich ein Rosengarten, angelehnt an dieSituation um die Jahrhundertwende, als er entstand. Er enthlt neben Rosenzwei grosse Gartenvasen, ein Schmuckbeet sowie an den Fassaden ein Rand-beet mit Stauden, Gehlzen und Schlingrosen.

    Die Abhnge des Schlossberges zeichnen sich neben dem Weingartenaus durch Wiesen, Weiden, Hecken, Bume, Waldstcke, Wege und Treppen,was der Idee eines grossen Englischen Landschaftsgartens durchaus nahekommt.

  • 927

    Hinzuweisen ist an dieser Stelleauf den Natur- und Kultur-pfad, der an Schloss- undGoffersberg im Jahre1997 errichtet wurde. Eine entsprechendeBroschre fhrt Be-sucherinnen undBesucher in zahl-reiche wissens-werte Gegeben-heiten unsererRegion ein.

  • 28

    10DIE STATIONEN

    Haus Sonnenberg

    Das Haus Sonnenberg, die ehemalige Landweibelei, wurde um 1770erbaut. Es ist ein Berner Landhaus mit Stichbogenfenstern und Walmdach.Die Terrassenanbauten stammen aus dem 19. und dem Anfang des 20. Jahr-hunderts. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand im rechten Winkel zumWohnhaus eine grosse Scheune, von der heute nur noch die Unterkellerungmit der Jahrzahl 1797 erhalten ist. Darber befindet sich eine kiesbedeckteTerrassenanlage mit einer Balustrade aus Sandstein und einer Treppe zumtiefer gelegenen Teil des Gartens. Die Liegenschaft wurde frher auch frlandwirtschaftliche Zwecke gebraucht und besass eine Schankerlaubnis.

    Von 1939 bis zu seinem Tod im Jahre 1990 bewohnte der bekannte Kom-ponist, Maler und Publizist Dr. Peter Mieg die Liegenschaft. Sie ist heute Sitzder Peter Mieg Stiftung.

    Der Garten ist in drei Bereiche gegliedert. Auf der Westseite beim Ein-gang befindet sich ein Kiesplatz mit einem von Frschen bewohnten Spring-brunnen. Der wichtigste Teil ist die mittlere Ebene der terrassierten Anlage.Eine grosszgige Kiesflche trennt den leicht abfallenden Staudengarten mitSommerflor und Rosenbeeten vom Gebude. Mittelpunkt ist ein Brunnen,der symmetrisch von zwei Treppen eingefasst wird. ber diese Treppengelangt man auf schwungvoll angelegten Kieswegen zum hlzernen Eckpavil-lon. Die Intimitt dieses Teils ist bestimmt durch seine Lage und durch dieSttzmauer, welche den dritten und obersten Teil des Gartens, einen einfa-chen Kiesplatz mit schner Aussicht auf die Altstadt von Lenzburg, abtrennt.

  • 10

    29

    Der Garten Sonnenberg ist, so wenig ber seine Geschichte auchbekannt ist, in seiner historischen Substanz erhalten. Die verschiedenen,durch geschicktes Ausntzen der Topografie entstandenen Gartenteilebesitzen ihren eigenen Charme, bestimmt durch eine gelungene Kombina-tion franzsischer und englischer Gartenkunst.

    Das Betreten des Gartens ist auf Anfrage mglich: www. petermieg.ch

  • 30

    Grundstzliches zur Gartenkultur zeigt die Publikation Untersuchungenber Bau und Geschichte der Gartenanlagen in Lenzburg von Beat SamuelFey in den Lenzburger Neujahrsblttern 1998 auf, aus welcher die hier vorlie-gende bersichtskarte stammt. Ziele dieser Verffentlichung sind:

    Erhaltung historisch bedeutsamer Gartenanlagen

    Planung einer vielseitigen Gelndegestaltung in den Quartieren

    Entwicklung ganzheitlicher Pausenpltze

    Frderung von Naturgrten

    Entstehung von vernetzten Grnkorridoren im Siedlungsgebiet

    Zustzliche Informationen zur Gartenkultur finden sich in folgendenWerken:

    Enge, Torsten Olaf, et al.: Gartenkunst in Europa 1450-1800. Kln: Taschen. 1990.

    Fey, Beat Samuel: Zeichen europischer Gartenkultur im Seetal. In: Heimatkunde aus dem Seetal. 1995: 4-29.

    Hauser, Albert: Bauerngrten der Schweiz. Zrich: Ex Libris. 1978.

    Leutert, Fredy, et al.: Naturnahe Gestaltung im Siedlungsraum. Bern: BUWAL. 1995.

    Stckli, Peter Paul: Die Freirume von Schloss Lenzburg. In: Lenzburger Neujahrsbltter. 1987: 12-27.

    Thacker, Christopher: Die Geschichte der Grten. Zrich: Orell Fssli. 1979.

    Wengel, Tassilo: Gartenkunst im Spiegel der Zeit. Innsbruck: Pinguin. 1985.

    LITERATUR UND INFORMATIONEN

  • Die vorliegende Broschre und weitere Hinweise zum Gartenpfadsind an folgenden Orten erhltlich:

    Bahnhof SBB: Tel. 062 891 72 73

    Museum Burghalde: Tel. 062 891 66 70

    Rathaus: Tel. 062 886 44 44

    Schloss Lenzburg: Tel. 062 888 48 80

    Stadtbauamt: Tel. 062 886 45 45

    Schlosshof auf der Lenzburg

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  • DANK

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    Die Realisation des Gartenpfades Stadt und Schloss Lenzburg wre ohneden Einsatz der Stadt Lenzburg und die namhafte Untersttzung privaterGnner, Firmen und Institutionen, denen wir herzlich danken, nicht mglichgewesen:

    Aargauische Kantonalbank, LenzburgAtelier fr Gartenplanung, Beat Samuel Fey, LenzburgBaumann & Waser AG, Architekten, LenzburgBurger+Stocker, Forstingenieure ETH, LenzburgElvia Versicherungen + Leben, LenzburgHfeli AG, Transporte, LenzburgHotel Krone, LenzburgKneuss Print AG, LenzburgKromer Print AG, LenzburgMarti Partner Architekten und Planer AG, LenzburgMoor AG, Strassen- und Tiefbauunternehmung, HunzenschwilOrtsbrgergemeinde Lenzburg, Kieswerk und ForstbetriebSchmocker, Gartenbau Naturgrten Baumpflege, LenzburgSchoop + Co AG, Gartenbau und unterhalt, LenzburgSchwarz Stahl AG, LenzburgSpatteneder kologie, StaffelbachStadt LenzburgStdtische Werke LenzburgUnion Bank of Switzerland AG, Lenzburg

    Ausserdem sei folgenden Personen fr fachspezifische Hinweiseunser Dank ausgesprochen:

    Dr. Beat Hanselmann, ZrichAlfred Huber, LenzburgThomas Schpbach, LenzburgKurt Wernli, Lenzburg

    Ausfhrung:Stadtbauamt Lenzburg

    Projektentwicklung und -begleitung:Dr. Beat Samuel Fey, Biologe, Lenzburg

    Natur- und Heimatschutzkommission Lenzburg