China in Afrika - .Wege nach Afrika China hat sein Engagement in Afrika in den letzten Jahren massiv

download China in Afrika - .Wege nach Afrika China hat sein Engagement in Afrika in den letzten Jahren massiv

of 32

  • date post

    12-Aug-2019
  • Category

    Documents

  • view

    212
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of China in Afrika - .Wege nach Afrika China hat sein Engagement in Afrika in den letzten Jahren massiv

  • STUDIE

    China in Afrika Perspektiven, Strategien und Kooperationspotenziale für deutsche Unternehmen

    AUSGABE 2018

  • Wege nach Afrika China hat sein Engagement in Afrika in den letzten Jahren massiv ausgeweitet. Investitionen in die Infrastruktur bestimmen das Bild. Der Zugang zu Rohstoffen spielt eine wichtige Rolle, aber auch die wachsenden Konsumgütermärkte des Kontinents. Darüber hinaus bieten sich einige Länder zunehmend als Produktions- standorte für die Industrie an.

    Wie geht Deutschland mit der neuen Dynamik um? Versteht es China als Konkurrenten, als Wegbereiter oder sogar als Kooperationspartner? Welche Strategien lenken das chinesische, welche das deutsche Vorgehen auf dem afrika- nischen Kontinent? Die Ergebnisse der Studie zeigen: Eine große Zahl der be- fragten deutschen Unternehmen spricht sich für trilaterale Kooperation aus. Die be fragten chinesischen und afrikanischen Unternehmen begrüßen mehr Kontakte zu deutschen Unternehmen und einen engeren Austausch.

    Neben ganz konkreten Herausforderungen bei der erfolgreichen Umsetzung ent- sprechender Kooperationsformate spielt für die deutschen Unternehmen die spezifische Flankierung und Begleitung durch die deutsche Politik eine wichtige Rolle. Chinas Engagement verbindet strategisch angelegte wirtschaftliche wie po- litische Interessen mit einem hohen Maß an Flankierung und großzügiger Finan- zierung. Entwicklungsaspekte, Umweltstandards sowie soziale und wettbewerbs- rechtliche Fragen bleiben häufig außen vor. Hier sind verstärkte Bemühungen internationaler Wirtschaftsdiplomatie notwendig, um gemeinsame Normen der Zusammenarbeit bis hin zu gleichen Wettbewerbs bedingungen zu erreichen.

  • 3

    Inhalt

    ZUSAMMENFASSUNG

    4 Afrika ist Wachstumsregion

    ANALYSE

    6 China gewinnt rasch Marktanteile

    AFRIKASTRATEGIE CHINAS UND DEUTSCHLANDS

    10 Kontrastprogramm

    UMFRAGE UND INTERVIEWS

    14 Erfahrungen überwiegend positiv

    REGIONALE ANALYSEN

    20 China überall präsent

    31 IMPRESSUM

  • 4 STUDIE 2018 | gtai.de

    KAPITELÜBERSCHRIFT

    China spielt in Afrika mittlerweile eine heraus ragende Rolle. Denn die Chinesen haben erkannt, dass das Bevölkerungswachstum, der Rohstoffreichtum und der niedrige Entwicklungsstand des afrikanischen Kontinents ein enormes Potenzial als Produktions- standort und Absatzmarkt darstellt. Auch Deutsch- land will seine auf den südlichen Nachbarkontinent gerichteten Aktivitäten ausbauen. Durch eine ver- stärkte Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern könnten deutsche Unter nehmen profitieren.

    Infrastruktur, Bildung, Arbeitsplätze: Es gibt viel zu tun – und das in praktisch allen Ländern Afrikas. Die Versorgung mit Strom und Wasser, funktionie- rende Telekommunikation sowie eine leistungs- fähige Verkehrsinfrastruktur sind Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder einerseits und den grenzüberschreitenden Austausch von Waren und Dienstleistungen ande- rerseits. Die deutsche Wirtschaft hat in allen diesen Bereichen viel zu bieten, sie ist in vielen afrika- nischen Staaten bisher aber noch zurückhaltend.

    Präsenz zählt Während chinesische Unternehmen vorpreschen und auch einige andere Länder in Afrika recht sichtbar auftreten, scheuen deutsche Firmen häufig die zum Teil hohen Risiken, die mit einem Engagement auf dem Kontinent verbunden sind. Sie sehen die loka- len Märkte – wenn überhaupt - als Absatzgebiete

    und investieren bislang selten vor Ort. China hin- gegen ist mittlerweile einer der größten Investoren in vielen afrikanischen Ländern. Aber China handelt nicht uneigennützig. Neue Infrastruktur wie Eisen- bahnlinien ins Hinterland erschließen nicht nur inte- ressante Rohstoffquellen, sondern auch wachsende Märkte für Konsum- und Investitionsgüter. Chinesi- sche Unternehmen agieren schnell und risikofreudig, oft mit staatlicher Finanzierung im Hintergrund. Nicht immer sind die afrikanischen Geschäftspartner mit deren Leistung zufrieden. Viele würden einen leichteren Zugang zu deutscher Qualität vorziehen.

    China prescht vor Kooperation ermöglicht die Kombination von bei- dem. Deutsche Unternehmen sehen noch umfang- reiche Geschäftschancen, wie die Umfrage für diese Studie zeigt. Die bisherigen Erfahrungen mit einer solchen trilateralen Zusammenarbeit sind überwie- gend positiv. Natürlich gibt es viele Besonderheiten zu beachten und Fallstricke zu vermeiden, wie einzelne Beispiele zeigen. Immerhin müssen mit afrikanischen, chinesischen und deutschen Unter- nehmen bei einem gemeinsamen Projekt drei oft unterschiedliche Kulturen und Geschäftspraktiken unter einen Hut gebracht werden.

    Afrika hat Potenzial, ist aber für die deutsche Wirt- schaft bisher quantitativ kein wichtiger Markt. Im Jahr 2017 gingen nur etwa 2 Prozent der deutschen

    Infrastruktur erschließt Märkte

    ZUSAMMENFASSUNG

    Afrika ist Wachstumsregion Gebraucht wird (fast) alles

  • 5

    Exporte in die 54 afrikanischen Staaten – rund 29 Milliarden US-Dollar (US$). Die Gesamteinfuhren des Kontinents (406 Milliarden US$) erreichen gerade mal den Wert Südkoreas.

    Was brauchen deutsche Unternehmen? Ein zentraler Wunsch der befragten Unternehmen, insbesondere solcher ohne bisherige Kooperations- erfahrung, sind mehr Informationen zu trilateralen Kooperationsmöglichkeiten in afrikanischen Märk- ten und konkreten Ausschreibungen. Hier ist neben der Politik auch die Wirtschaft gefragt. Einerseits sollten Verbände und Institutionen der deutschen Außenwirtschaftsförderung, wie der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft und die Auslandshan- delskammern (AHK) gemeinsam mit Germany Trade & Invest (GTAI) das Informationsangebot noch spezifischer ausgestalten. Anderseits sollten geeignete Plattformen geschaffen werden, die in einem ersten Schritt deutsche Akteure mit Inter- esse an und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern vernetzen und so die Voraussetzung schaffen, voneinander zu lernen. Erste Ansätze gibt es hier mit den Round-Table- Formaten des Afrika-Vereins und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). In einem zweiten Schritt könnten interessierten Unternehmen konkrete Ausschreibungsmodali- täten vermittelt und Plattformen zu Netzwerken chinesischer sowie afrikanischer Partner aufgebaut werden. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen. Diese reichen von unterschiedlichen Vorstellungen bei der Vertrags-

    gestaltung über die Nichteinhaltung von Standards auf chinesischer Seite bis hin zu Problemen bei der Vertragsdurchsetzung und dem nicht beabsichtig- ten Know-how-Transfer zum chinesischen Partner.

    Ebenso forderten die Unternehmen mehr politische Präsenz der Bundesregierung auf dem afrikanischen Kontinent sowie eine konkrete Flankierung ent- sprechender Projekte insbesondere gegenüber afri- kanischen Partnern auf höchster Ebene. Die Stärken der deutschen Wirtschaft sollten besser herausge- stellt werden. Afrikanischen Partnern kommt nicht nur der größere Transfer von Know-how und die Unterstützung bei der beruflichen Bildung zugute, sie profitieren langfristig auch von der stärkeren Beachtung nachhaltiger Lösungen und der höheren Lebensdauer deutscher Qualitätsprodukte. Die Ein- bindung deutscher Unternehmen sichert demnach triple-win-Situationen der beteiligten Parteien und entspricht insbesondere den Bedürfnissen der afrikanischen Seite. Die Einbindung der lokalen Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen ist hierbei von herausragender Bedeutung. Vielen afrikanischen Partnern sind die Vorteile deutscher Unternehmen durchaus bewusst. Um sie zu nutzen, bräuchte es weitere Verbesserungen der Finanzie- rungsinstrumente und der Risikoabsicherung. Text: Vera Philipps, Andreas Wenzel, Katharina Wittke (DIHK, Berlin), Peggy Schulz (Afrika-Verein), Martin Kalhöfer, Marcus Knupp (GTAI)

    → Weitere Informationen zu den Chancen und Herausforderungen in Afrika: www.gtai.de/afrika www.afrikaverein.de/de/home/

    Engere Abstimmung der Institutionen

    China ist mit Abstand wichtigstes Lieferland Afrikanische Einfuhren nach wichtigen Ländern, Wert in Mrd. US$

    Land 2000 2010 2016 Anteil 2016 in % Veränderung Anteil 2016/2000 in Prozentpunkten

    EU 59,0 163,2 154,4 38,4 -17,5

    China 4,8 57,4 90,9 22,6 18,0

    Frankreich 17,0 34,7 27,9 6,9 -8,9

    Deutschland 9,5 26,1 26,6 6,6 -2,4

    Indien 2,1 17,4 22,3 5,6 3,6

    USA 10,9 28,1 21,7 5,4 -4,9

    Italien 8,2 23,1 19,1 4,7 -3,1

    Korea 3,2 15,4 13,1 3,2 0,2

    Russland 1,1 4,7 11,4 2,8 1,8

    Japan 4,9 11,9 7,6 1,9 -2,7

    Quelle: Comtrade

  • 6 STUDIE 2018 | gtai.de

    Die Wettbewerbssituation für Lieferungen nach Afrika hat sich in den letzten Jahren grund legend verändert. Spielte China bis zur Jahrtausend- wende nahezu keine Rolle, so dominiert das Land zwischen zeitlich als Exporteur von Gütern nahezu alle Regionen, Länder und Branchen. Knapp ein Viertel der Gesamteinfuhren Afrikas entfallen mittlerweile auf das Reich der Mitte. Auch Chinas Bedeutung als Investor in Afrika nahm in den letzten Jahren weiter zu.

    Afrika gehört bezogen auf die Zuwachsraten bei den Einfuhren zu den dynamischen Regionen der Welt. Während der Weltimport von 2010 bis 2016 laut der Welthandelsorganisation (WTO) nur um 5 Prozent auf 16,3 Billionen US-Dollar (US$) zu legen konnte, steigerten sich die Auslands- bezüge der 54 afrikanischen Staaten im gleichen