Mit Bildern lügen

download Mit Bildern lügen

of 25

  • date post

    14-Feb-2017
  • Category

    Documents

  • view

    216
  • download

    1

Embed Size (px)

Transcript of Mit Bildern lügen

  • Mit Bildern lgen

    Wolf-Andreas Liebert / Thomas Metten (Hrsg.)

    Herbert von Halem Verlag

  • Bibliografische Information Der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie; detailliertebibliografische Daten sind im Internet berhttp://dnb.ddb.de abrufbar.

    Wolf-Andreas Liebert / Thomas Metten (Hrsg.): Mit Bildern lgenKln: Halem, 2007

    Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfltigung und Verbreitung sowie der bersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme (inkl. Online-Netzwerken) gespeichert, verarbeitet, vervielfltigt oder verbreitet werden.

    http://www.halem-verlag.de

    Copyright Herbert von Halem Verlag 2007isbn 978-3-938258-26-2

    umschlaggestaltung: Claudia Ott, Dsseldorfsatz: Herbert von Halem Verlagdruck: Druckhaus Kthen, KthenCopyright Lexicon 1992 by The Ensched Font Foundery.Lexicon is a Registered Trademark of The Ensched Font Foundery.

  • Inhalt

    wolf-andreas liebert / thomas metten 7Bild, Handlung und Kultur.Kulturwissenschaftliche berlegungenzum Handeln mit Bildern

    Te i l I : B i ld und Lge

    clemens albrecht 29Wrter lgen manchmal, Bilder immer.Wissenschaft nach der Wende zum Bild

    rudolf lthe 50Die Wirklichkeiten der Bilder.Philosophische berlegungen zur Wahrheit bildlicher Darstellungen

    Te i l I I : I l l us ion und Tuschung

    dietrich grnewald 65Das sthetische Spiel mit der Tuschung.Optische Tuschungen und unmgliche Bilder

    michael meyer 89Wirklichkeitstreue als Konstrukt:Illusion und Illusionsdurchbrechung beim Rundpanorama und Leporello des spten 18. und frhen 19. Jahrhunderts

  • Te i l I I I : Medienere ign isse

    markus lohoff 105Krieg im Wohnzimmer.Fernsehzuschauer im Kreuzfeuer von Propaganda und Wahrheitsfindung

    heinrich assel 122Das Leiden des Papstes betrachten.Globale Eucharistie und Leiden Johannes Paul ii.

    Te i l IV: Media l i t t und Per fo rmanz

    kristin westphal 141Tuschend echt Reflexionen ber neue Hr- und Bildrume

    thomas metten 156Masken, Gesten und der gebildete Krper.Diskurse der Bilder in den Medien

    Te i l V: Techn ische B i lder

    wolf-andreas liebert 175Mit Bildern Wissenschaft vermitteln.Zum Handlungscharaktervisueller Texte

    dietrich paulus 192Krankheitsbilder.Der erweiterte Blick des Arztes

    Autorinnen und Autoren 217

  • wolf-andreas liebert/thomas metten

    Bild, Handlung und Kultur.Kulturwissenschaftlicheberlegungen zum Handelnmit Bildern

    Bilder zhlen, sie sind keine bloen Spielmarken [...] sie

    zhlen, weil sie ermglichen, sich zu einem anderen Bild

    zu bewegen, das ebenso zerbrechlich und bescheiden wie

    das erste, doch von diesem verschieden ist.

    (latour 2002: 62).

    Der vorliegende Sammelband bezieht sich auf eine Vortragsreihe, die im Sommer 2005 unter dem Titel Bilder, die lgen in Koblenz statt-fand. Die Reihe entstand an der Universitt in Koblenz in Zusammen-arbeit mit der Landeszentrale fr politische Bildung Rheinland-Pfalz. Zur Zeit der Vortragsreihe gastierte die vom Haus der Geschichte in Bonn entworfene, gleichnamige Ausstellung beim zdf in Mainz. Fr die Universitt selbst ergab sich dadurch die Mglichkeit einen inter-disziplinren Diskurs zu Fragen des Bildes anzustoen und somit fachbergreifend ein gemeinsames Forschungsinteresse zu entwi-

  • wolf-andreas liebert/thomas metten

    ckeln. Die beteiligten Disziplinen Anglistik, Computervisualistik, Kunstwissenschaft, Pdagogik, Philosophie, Soziologie, Sprachwis-senschaft und Theologie beleuchten daher in ihren Beitrgen verschie-dene Facetten des hier fokussierten Themenfeldes.

    Fragen und Probleme des Umgangs mit Bildern zu bearbeiten lag nicht nur aufgrund der zeitgleich prsentierten Ausstellung nahe. Dem Bild kommt in den vergangenen 10 Jahren eine verstrkte Auf-merksamkeit zu, die in Fachpublikationen und Feuilletons unter Bezeichnungen wie iconic turn, pictorial turn oder visual turn kursiert. Die Mnchner Vortragsreihe Iconic Turn widmet sich bereits seit mehreren Jahren diesen Fragen. Herbert Burda forder-te in diesem Kontext explizit den interdisziplinren Dialog. Bilder sind, so Burda, mittlerweile auch ber die Kunstgeschichte hinaus in einem umfassenderen Sinn Gegenstand der Geistes- und Naturwissen-schaften geworden (burda 2004: 9). Das Verstndnis des iconic turn unterscheidet sich darin von seinem Ursprung, jenem Beitrag, in dem Gottfried Boehm 1994 den Begriff verwandte. Boehm in seinem einlei-tenden Beitrag wrtlich: Ausgeschieden bleibt [...] das Bild als eine kulturelle Figuration [...] (boehm 1994: 12). Willibald Sauerlnder hat darauf hingewiesen, dass Boehm von einem introvertierten Verstnd-nis des Begriffes ausging, hingegen diejenigen, welche heute von der Wende zum Bild sprechen, zumeist einen extrovertierten Begriff ver-wenden, dem gem es um die Untersuchung des Bildes in den Mas-senmedien, der ffentlichkeit und in alltglichen Gebrauchskontex-ten geht (sauerlnder 2004: 408).

    Die bei Boehm angeleitete Fragestellung ist an der ontologischen Dimension des Bildes orientiert. Sauerlnder hingegen bezieht sich gerade auf die kulturelle Gebundenheit der Bilder, aus der heraus eine neue kulturwissenschaftliche Bildaufmerksamkeit entstanden ist (vgl. bachmann-medick 2006: 329). Er bezeichnet in seinem Beitrag abschlieend die massenhafte Zirkulation der Bilder in der Medien-gesellschaft als ein ffentliches Problem. Wir lassen uns als Brger keine falschen Argumente gefallen, wir drfen uns aber auch nicht

  • bild, handlung und Kultur.

    Kulturwissenschaftliche berlegungen zum handeln mit bildern

    durch trgerische Bilder tuschen lassen (sauerlnder 2004: 425). Er fordert daher ber eine distanzierte Beschreibungskultur der Bilder hinaus einen die Wende zum Bild begleitenden, ethischen und zivilen Diskurs einen Diskurs, der sich zugleich in der wissenschaftlichen Formulierung einer kologie der Bilder kristallisieren knnte.

    Inzwischen liegt unter dem Titel Iconic Worlds. Neue Bilderwelten und Wissensrume der zweite Band der Mnchner Vortragsreihe vor. Dort angedeutete Perspektiven auf Bilder als Formen der Wissensvermitt-lung, berlegungen zur Bildkompetenz und zur Integration bild-wissenschaftlicher Forschung in die universitre Lehre sind bereits Bestandteil dieses Bandes (vgl. maar 2006: 11). Die Betrachtung der Bilder hinsichtlich ihrer medialen und kulturellen Zusammenhnge drckt das Grundverstndnis der Vortragsreihe Bilder, die lgen aus. An der Schnittstelle von Universitt und politischer Bildung entstand ein Gesprch ber die Verwendung und den Gebrauch von Bildern in unterschiedlichen Kontexten. Der extrovertierte Begriff des Iconic Turn lag insofern ebenso der Vortragsreihe zugrunde. Die Begren-zung des Themas auf die Frage nach den Mglichkeiten der Lge mittels Bildern setzte zudem einen klaren Akzent, der zugleich eines der Grundthemen bildwissenschaftlichen Nachdenkens berhrt: die Frage nach der Wirklichkeit oder nach der Wahrheit der Bilder. Die Perspektivierung der Beitrge auf das Thema der Lge erffnet zwei grundstzliche Weisen der Betrachtung. Zum einen die von Boehm prferierte ontologische Betrachtungsweise, in deren Hin-sicht das Bild grundstzlich auf die Mglichkeiten der Wahrheit oder Wirklichkeit, auf seine darstellerischen Mglichkeiten befragt wird. Inwiefern sind somit Bilder grundstzlich mit Aspekten der Simu-lation, Illusion oder Tuschung verbunden? Andererseits lsst sich die leitende Frage ebenso mit Blick auf die Verwendung von Bildern stellen. Peter Weibel, Leiter des Zentrums fr Kunst und Medien-technologie (zkm) in Karlsruhe, hat in diesem Sinne seine Einlei-tung anlsslich des Symposiums Das Bild in der Gesellschaft im Janu-ar 2006 verfasst. Weibel (2006) in seinem Beitrag: Die Wirkungen

  • wolf-andreas liebert/thomas metten

    10

    dieses Wandels der Funktionen des Bildes in der Gesellschaft und des Gebrauchs des Bildes in der Gesellschaft erfahren wir tglich und wir sind ihnen tglich ausgesetzt. Aber diese Wirkungen sind kaum wissenschaftlich erforscht, weder quantitativ noch qualitativ, weder kulturphilosophisch noch sozialtheoretisch.

    Weibel sieht vor allem das technische Bild in einer neuen Funkti-on: Statt Aufgaben der Reprsentation haben die technischen Bilder einen Zweck, statt dem Status der Autonomie haben die technischen Bilder den Status von Dienstleistungen. Sieht man einmal von der Einschrnkung auf technische Bilder ab, so wird deutlich, dass das Bild auch als Gebrauchsform, eingebunden in vielfltige Handlungs-zusammenhnge zum Forschungsgegenstand wird. Weibel spricht in diesem Zusammenhang von einer neuen Bildwissenschaft. Im Sinne einer solchen neuen oder zweiten Bildwissenschaft, die gleich-falls eine kulturwissenschaftliche Perspektive erffnet, ist der vor-liegende Band verfasst. Auch Doris Bachmann-Medick (2006: 330) verweist auf ein solches erweitertes Verstndnis: Damit wird der Boden bereitet fr einen umfassenden visual turn, der sich auf visu-elle Praktiken und Medien der Wahrnehmung wie Aufmerksamkeit, Erinnerung, Sehen, Beobachtung ebenso ausdehnt wie auf Kulturen des Blicks.

    Gut zehn Jahre nach dem verstrkten Aufkommen der bildwissen-schaftlichen Forschung hat sich deren Erkenntnisinteresse auf ein neues Feld bewegt. Dieser Band untersucht daher das Bild auch in sei-ner Verwendung. Im Kontext einer solchen Bildpragmatik wird deut-lich, dass Bilder auf ihre Vorgeschichte (Subgeschichte), auf ihre Relation zum Abgebildeten, auf ihren Sinn und ihre Eigensinnigkeit sowie auf ihre Medialitt, aber auch auf ihre vielschichtige Wahrneh-mung und Rezeption hin zu befragen [sind]. (Bachmann-