Musikgeschichte: vom Mittelalter bis zur Moderne ... Cornelia T¶dt Musikgeschichte: vom...

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  • Cornelia Tdt

    Musikgeschichte:vom Mittelalter bis

    zur Moderne Ergnzungsmaterial

    Differenzierungsmaterial fr den Einsatz in leistungsheterogenen Lerngruppen

  • 2Cornelia Tdt: Musikgeschichte: vom Mittelalter bis zur Moderne Persen Verlag

    MittelalterSachtext mit Hervorhebungen

    MittelalterWir schreiben das Jahr 500 nach Christus. Hier beginnt unsere Zeit-reise durch die europische Musikgeschichte. Mittelalterliche Musik ist gar nicht so angestaubt, wie ihr vielleicht glaubt. In der heutigen populren Musik taucht sie wieder auf. Bands wie Subway to Sally, In Extremo oder Schandmaul bedienen sich altertmlicher Instrumente oder mittelalterlicher Texte, wobei sich inzwischen der Mittelalter-Rock als eine Stilrichtung der Rockmusik fest etabliert hat.

    Das Mittelalter wer denkt da nicht zuerst an Burgen, Klster, Raubritter, Kreuzzge, die verheerenden Folgen der Pestepidemie und den Beginn der Inquisition? Eine Gewalt-ige Zeit, doch auf die Musik der Zeit trifft dies nicht zu.

    Musik wurde im Mittelalter besonders in Kirchen und Klstern gepflegt. Die meditativ-religise Vortragsweise des gesungenen Gebets in lateinischer Sprache wird als gregorianischer Choral bezeichnet. Dieser Gesang ist einstimmig, von einer einfachen Melodik und ohne Be-gleitung. Die Sammlung von Kirchengesngen geht auf Papst Gregor I. (um 540604) zu-rck. Auch auerhalb der Kirchenmauern traf man auf musikalische Darbietungen. Die Musi-ker jener Zeit waren die Spielleute, die Minnesnger und spter die Meistersinger.

    Spielleute waren die mittelalterlichen Volksmusiker. Sie zogen umher, sangen, fhrten Kunst- und Theaterstcke auf und berbrachten zudem oft singend Botschaften und Nachrichten. Minnesnger traf man vor allem auf den Bur-gen an. Diese Musiker gehrten schon zur gehobenen Ge-sellschaftsschicht. Sie dichteten und komponierten ihre Lieder selbst. Der bekannteste unter ihnen war Walther von der Vogelweide (um 11701230). Mit dem Unter-gang des Rittertums und der Entstehung des Brgertums organisierten sich Snger nun in Znften und es entstanden die soge-nannten Singeschulen. Die Liedermacher wurden nun Meistersinger genannt, wenn ihnen eine Kommission gestandener Meistersinger die-sen Titel zuerkannte. Einer von ihnen war Hans Sachs (14941576).

    Schon im Mittelalter verfgte man ber ein abwechslungsreiches In-strumentarium. Die bekanntesten Instrumente waren die Flte, die Fidel, die Schalmei und die Sackpfeife (Dudelsack). Daneben erfreu-te sich die Harfe groer Beliebtheit. Sie hatte zunchst ganze 25 Saiten. Heute besitzt eine ausgewachsene Harfe brigens 47 Saiten. Nach-dem das Verbot des Spielens von Instrumenten in der Kirche aufgeho-ben worden war, wurde etwa im 9. Jahrhundert die Orgel eingefhrt.

    Statue von Guido von Arezzo in Florenz

    Burg Burghausen(vor 1025 entstanden)

    Harfe

  • 3Cornelia Tdt: Musikgeschichte: vom Mittelalter bis zur Moderne Persen Verlag

    Etwa zur selben Zeit entwickelte sich auch die Mehrstimmigkeit, was als eine der wichtigsten musikalischen Entwicklungen des Mittelalters anzusehen ist ebenso wie die Entstehung der Notenschrift. Die Statue oben zeigt brigens Guido von Arezzo. Er lebte von 992 bis 1050 und war Benediktinermnch, Musiktheoretiker und Lehrer. Er verbesserte die bis dahin gngige Notation, indem er ein erweitertes Liniensystem mit vier Notenlinien einfhrte. Die heutige Notenschrift geht auf diese Entwicklung zurck.

    Unsere Zeitreise durch die Musikgeschichte endet vorerst im Jahre 1500 mit der nun ausklin-genden Epoche des Mittelalters. In der Geschichte wird durch die Erfindung der Buchdru-ckerkunst (Druck der Gutenberg-Bibel ca.1454) und durch die Entdeckung Amerikas (1492) der Wechsel zur Epoche der Renaissance eingelutet. Macht euch also auf den Weg und wendet euch einem anderen spannenden Zeitalter zu!

  • 4Cornelia Tdt: Musikgeschichte: vom Mittelalter bis zur Moderne Persen Verlag

    RenaissanceSachtext mit Hervorhebungen

    1 Vgl. Dlmen, Richard van: Kultur und Alltag in der Frhen Neuzeit. Religion, Magie, Aufklrung. Mnchen 2005, S. 64.

    Renaissance

    Die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes.1 Dieses Zitat stammt von Martin Luther, einem fortschrittlichen und mutigen Augustinermnch, der 1517 seine bedeutenden 95 Thesen an die Tr der Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll. Die Zeit der Reformation begann, und so vernderten sich die bis dahin geltenden Grundstze der kirchlichen Ordnung.

    Das 15. und 16. Jahrhundert brachten aber noch andere ent-schlossene und tapfere Mnner hervor. Nachdem Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckt hatte, umsegelte Fernando Magellan von 1519 bis 1522 zum ersten Mal die Welt. Nikolaus Kopernikus (14731543) rttelte an den Grundideen ber die Erschaffung der Welt, indem er zu der Erkenntnis gelang-te, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt.

    In der Kunst bezeichnen wir die Zeit von 15001600 als die Epo-che der Renaissance. Der Begriff kommt aus dem Franzsischen und bedeutet Wiedergeburt. Gemeint ist das Comeback der Ideale und des Menschenbildes der Antike. Nun knnte man an-nehmen, dass sich in dieser Epoche nichts weiter tat. So ist es aber nicht. Manchmal muss man eben zu seinen Wurzeln zurck-kehren, um sich weiterzuentwickeln. Betrachtet einmal das welt-berhmte Gemlde der Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Kunstfreunde aus aller Welt interpretieren dieses Gesicht als In-begriff von Schnheit, Klarheit und Sinnlichkeit. Sowohl in der bil-denden Kunst als auch in der Musik der Renaissancezeit finden wir diese Ideale wieder. Knstler suchen nach Harmonie, Schlichtheit und Verstndlichkeit.

    In der Musik spiegelte sich die Suche nach Klarheit und Einfach-heit in der Schaffung einer Ordnung im Tonsystem. Dieses System besitzt bis heute Gltig-keit. Die Dur- und Molltonarten, die Funktion des Dreiklanges sowie der Akkorde all dies wurde damals eingefhrt.

    Nach der Erfindung des Buchdrucks konnten bald Noten gedruckt werden. Das war auch bit-ter ntig, wenn man vierstimmige Musikstcke in groer Auflage fr die Nachwelt erhalten wollte. Die Mehrstimmigkeit mit den vier Stimmen Sopran, Alt, Tenor und Bass wurde zur gn-gigen Form der Vokal- und Instrumentalmusik. Typische Musikformen der Renaissance sind die Messe, die Motette und das Madrigal. Die Messe ist die musikalische Untermalung der

    Die Mona Lisa im Pariser Louvre

  • 5Cornelia Tdt: Musikgeschichte: vom Mittelalter bis zur Moderne Persen Verlag

    einzelnen Abschnitte des katholischen Gottesdienstes. Motette und Madrigal sind mehrstim-mige Chorlieder. Whrend eine Motette ein durchkomponierter geistlicher Text ist, liegt dem Madrigal ein weltlicher Text zugrunde.

    Die bekanntesten Komponisten der Renaissance lebten oder wirkten in Italien: Giovanni Pa-lestrina (15151594), Orlando di Lasso (15321594) und Claudio Monteverdi (15671643) schufen zahlreiche Messen, Motetten und Madrigale. Die Oper als musikalische Form tritt erst in der Epoche des Barocks in Erscheinung. Die erste Oper der Musikgeschichte schrieb je-doch Monteverdi. Sie heit LOrfeo, entstand 1607, und handelt von der tragischen Liebe Orfeos zu Euridice, die durch einen Schlangenbiss zu Tode kommt. Er folgt ihr in das Toten-reich und singt dort so schn, dass die Gtter ihm das Mdchen wieder mitgeben, aber nur unter der Bedingung, dass er sich nicht nach ihr umblickt. Inhaltlich ist diese Oper ein Beispiel fr das Interesse der Knstler an der antiken Sagenwelt.

    Zu den typischen Musikinstrumenten, die in der Epoche der Renaissance ihre Bltezeit erlebten, gehrten die Gambe, die Laute, der Zink, die Rebec und das Krummhorn. Aus ihnen entwickelten sich einige der heute modernen Standard instrumente. Aufbau und Spielweise sind also schon seit Jahrhunderten bekannt. Ein besonderer Hingu-cker sind Gamben. Ihre Wirbelksten wurden durch Schnit-zereien kunstvoll verschnert. Unter den geschnitzten Ver-zierungen findet man Tier-, Menschen- und auch hufig En-gelskpfe.

    Die Zeitreise in die Epoche der Renaissance endet, wie sie begonnen hat mit einem Zitat von Luther: Musika ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmtiger, sittsamer und vernnftiger macht. 2

    RenaissanceSachtext mit Hervorhebungen

    Der verzierte Wirbelkasten einer Gambe

    2 Vgl. Zacharias, Horst: Geschichte der Musik. Die Geschichte der deutschen Romantik. Mannheim 2005, S. 39.

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    BarockZunchst die gute Nachricht fr alle, die es mit der Grammatik nicht so genau nehmen. Es heit der oder das Barock! Jetzt die weniger gute Nachricht: Barock hat nichts mit Rock zu tun, obwohl viele der Komponisten jener Zeit wirklich angesagt waren und bis heute noch sind. Der Begriff Barock geht zurck auf das portugiesische Wort barocco, einer Bezeich-nung fr ungleichmig geformte Edelsteine und Perlen.

    Der musikalische Barock wird auch als das Generalbasszeitalter bezeichnet. Unter Ge-neralbass verstehen wir eine verkrzte Notenschrift zur Begleitung, wie sie in jener Zeit ge-braucht wurde. hnlich der heute verwendeten Akkordbezeichnungen (z. B. fr die Gitarren-begleitung) wurden damals Ziffern an die Noten im Bassschlssel geschrieben. Dieser bezif-ferte Bass stand fr geeignete Akkorde zur Melodiebegleitung, die somit dem Musiker einen gewissen Spielraum zur Improvisation boten.

    Die Epoche des Barocks umfasst die Zeit zwischen 1600 und 1750, dem Todesjahr von Jo-hann Sebastian Bach (16851750). Seine bekanntesten musikalischen Zeitgenossen waren Georg Friedrich Hndel (16851759), Georg Philipp Telemann (16811767) und Antonio Vivaldi (16781741).

    Wie ihr aus dem Geschichtsunterricht wisst, tobte in Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts der 30-jhrige Krieg. In Mit-teleuropa wurde nach dem Krieg der Absolutismus die gel-tende Herrschaftsform. Die politischen und gese