Selbsthilfe 02 2015

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    Verband Angehriger und Freunde psychisch Kranker

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    Empowerment

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    Liebe Leserinnen und Leser!

    Impressum

    Dritteljhrliche Informationsschrift des Verbandes Angehriger und Freunde psychisch KrankerEintragung beim Tribunal Bozen: Nr. 17/95 R. St. vom 3.7.1995

    Herausgeber: Verband Angehriger und Freunde psychisch Kranker, G.-Galilei-Str. 4/a - 39100 Bozen, Tel. 0471 260 303 - Fax 0471 408 687, info@selbsthilfe.it - www.selbsthilfe.it

    Verantwortlich fr den Inhalt: Prof. Carla Leverato

    redaktion: Martin Achmller, Margot Gojer, Lorena Gavillucci, Laura Kob, Carla Leverato, Carmen Premstaller

    bersetzung: Martin Achmller, Lorena Gavillucci, Margot Gojer, Carla Leverato, Carmen Premstaller, Paola Zimmermann

    Layout: Carmen Premstaller

    Druck: Karo Druck, Frangart

    Bilder: Archiv, Martin Achmller, Margot Gojer, Carmen Premstaller, pixelio.de

    gefrdert von der

    Nachdruck und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit Einwilligung des Herausgebers. Namentlich ge-kennzeichnete Beitrge geben die Meinung des Autors wieder.

    Die Redaktion dankt allen, die durch verschiedene Beitrge zur Verffent-lichung dieser Ausgabe beigetragen haben. Sie behlt sich das Recht vor, Krzungen an den Texten vorzuneh-men.

    Editorial

    Empowerment frdern - Beispiel Psychiatrie

    Empowerment kritisch betrachtet

    Gedicht: In der Psychiatrie

    Aller Anfang ist schwer...

    Was mich meine Tochter lehrte...

    Mein Empowermentprozess

    Im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen habe ich gelernt...

    Empowerment - eine BegriffsannherungEin spannender Trialog zum Thema

    Einladung zum Workshop: Wie Experten aus Erfahrung die Psychiatrie verndern knnen

    Trialogische Treffen - erstmals auch in Sdtirol/Meran

    Wir setzen uns ein! Fr uns und fr euch alle!

    8. Internationale Psychiatrietagung: Psychiatrie der Zukunft

    Der Bus ist organisiert: Auf nach Lienz zum Selbsthilfetag

    3. Deutsch-italienische Psychiatrietage: Alterspsychiatrie - die groe Herausforderung der Zukunft

    Welttag der psychischen Gesundheit: Filmabend

    Carla Leverato

    gefrdert von der

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    Inhalt

    eMPOWerMeNT

    akTueLLes aus DeM VerBaND

    Die verschiedenen Beitrge in dieser ausgabe zum Thema empowerment sind wirklich sehr interessant. sie regen mich zum Nachdenken an und ich nehme an, auch euch.

    Ich musste vor allem an die Fort-schritte in der Psychiatrie, in der Behandlung der psychischen erkran-kung unter Beachtung der erkrank-ten und ihrer Leiden denken. Dazu reicht es schon aufzuzeigen, mit welchen Begriffen die Betrof-fenen im Laufe der Zeit bezeichnet worden sind: verrckt, geisteskrank, psychisch krank, Menschen, die an psychischer erkrankung leiden, Patient/innen und schlussendlich klient/innen.

    Die letztere Bezeichnung fand ich insofern trstend wenn ich daran denke, dass Menschen mit einem psychischen Leiden einst nur als ver-rckt galten. sie galten als unverant-

    wortlich, gefhrlich und unfhig, ein selbststndiges Leben zu fhren. Man hielt sie versteckt, weil man sich ihrer schmte.

    Beim empowerment geht es um Wr-de, um die Fhigkeit, die eigenen res-sourcen und das eigene Potential zu nutzen und um das recht auf selbst-bestimmung. allerdings fordern eini-ge Beitrge, dass dieser ansatz nicht nur Theorie bleiben darf.

    Man darf aber auch nicht glauben, dass der Weg einfach ist. ein weiterer artikel verweist zu recht auch auf die nicht zu unterschtzenden risiken, die es dabei zu beachten gilt.

    es ist nicht so einfach wie es scheinen mag, klient/innen wie angehrige und Profis von der suche nach Wohl-befinden zu berzeugen und sie alle einzubeziehen, obwohl es zur Verbes-serung der Lebensbedingungen aller fhren wrde.

    Weitere Themen, die es verdienen er-whnt zu werden und die die grund-lage fr diesen Weg bilden, sind der Trialog, der eine Begegnung von kli-ent/innen, angehrigen und Profis auf augenhhe ermglicht und die selbsthilfe, deren Wirksamkeit seit Langem bekannt ist. selbsthilfe nicht ausschlielich auf gruppen bezogen, sondern als kultur und als Lebensstil gedacht.

    Ich hoffe, dass diese ausgabe euch allen einen einblick gibt, welche Fort-schritte jede/r machen kann um die eigene Lebenssituation aber auch die der angehrigen zu verbessern.

    Ich wnsche eine gute Lektre und gutes Nachdenken!

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    seLBsTHILFe

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    Alle Fachleute schmcken sich heute gerne mit dem Begriff Empowerment auch in der Psychiatrie. Doch wie weit ist das damit verbundene Konzept in der psychiatrischen Arbeit realisiert? Und: Was knnen professionell Ttige berhaupt dazu beitragen?

    D er Begriff empowerment ist heute in aller Munde. Derzeit gibt es in der sozialpsychiatrischen und gemeindepsychologischen kon-zeptdebatte kaum ein hufiger ver-wendetes schlagwort. Dabei ist das damit verbundene konzept in der psychiatrischen arbeit noch kaum

    realisiert. em-powerment ist nur

    ein modisches Fortschrittsetikett, das auf die Verpackungen altvertrauter und schon angestaubter Handlungs- konzepte und Praxisrezepturen auf-geklebt wird. Die Worte sind wieder einmal schneller gewesen als ihre umsetzung. Welcher professionell Ttige wrde denn schon nicht von sich behaupten, lngst selbsthilfe- und ressourcenorientiert zu arbeiten, partnerschaftlich zu behandeln? Doch ist das bereits empowerment? Was heit berhaupt empowerment?

    BegriffsDefinition

    Historisch entstammt der Begriff empowerment der amerikanischen emanzipationsbewegung der Frauen und der Befreiungsbewegung der schwarzamerikaner. In beiden Fllen ging es um eine auflehnung gegen unterdrckung und Machtlosigkeit. Dazu war es erforderlich, strke und kraft zurckzugewinnen, um sich fr die eigenen rechte einzusetzen und sich nicht lnger unterlegen zu fh-len. Im Psychiatriebereich heit em-powerment, dass die Betroffenen Mglichkeiten der einflussnahme auf ihr eigenes Leben zurckgewinnen indem sie die psychische erkrankung bewltigen, vermehrt bei der Behand-lung und den Behandlungsstrukturen mitbestimmen oder auf politischer ebene einfluss nehmen.

    seLBsthiLfe maChts mgLiCh

    empowerment ist also ein akt der selbsthilfe. (Nebenbei bemerkt: Ich persnlich finde den Begriff empo-werment schrecklich, vor allem weil sich viele Betroffene nicht spontan

    damit identifizieren knnen. und auch die deutschen bersetzungen selbstbefhigung oder selbstbe-mchtigung sind nicht viel besser.) seit etwa zehn Jahren gibt es eine selbsthilfebewegung im Psychiatrie- bereich. Diese wchst stetig und be-steht inzwischen aus Hunderten von selbsthilfegruppen und verschie-denen greren selbsthilfeorgani-sationen. selbsthilfe macht mglich, was im klinischen selbstsicherheits-training oder in der einzeltherapie oftmals nicht gelingen will: Betrof-fene gewinnen ein neues selbstbe-wusstsein, werden aktiv, entwickeln kampfgeist und Durchsetzungskraft. und das alles ohne professionelle untersttzung. Ja, die abwesenheit von Fachpersonen scheint das aufblhen der selbsthilfebewegung gerade zu ermglichen. Psychiat-risch Ttige sollten sich daher nur mit uerster Vorsicht an diese empowerment-Bewegung der Betrof-fenen annhern.

    roLLe Der faChLeute

    Fachleute missverstehen empo-werment oft als professionelles Handlungskonzept und Metho-denreservoir. Dabei ist empower-ment ursprnglich kein konzept professioneller arbeit. empowerment heit selbstbefhigung und ist damit zunchst sache des Betroffenen. Wie kann es einem psychiatrieerfahrenen Menschen gelingen, sein selbstbe-wusstsein zu strken, seine eigenen selbsthilfemglichkeiten und sein recht auf selbstbestimmung zu nut-zen? Man knnte auch sagen: es geht darum, stolz, Wrde und Mut zu-

    rckzugewinnen. Professionell Ttige knnen empowerment untersttzen, begleiten, frdern, aber sie knnen es nicht bewirken. Wem es als Be-troffenem gelingt, seine selbsthilfe-fhigkeiten zu entdecken, der kann verdammt stolz auf sich selber sein. Das hat er erreicht, niemand anders.

    Das ist dann nicht das ergebnis einer guten Therapie, sondern jenes einer mutigen auseinandersetzung des Be-troffenen mit sich selber und mit sei-ner erkrankung.Ich habe es mir deshalb angewhnt, klar zwischen dem empowerment Betroffener und der empowerment-untersttzung (als einer aufgabe pro-fessionell Ttiger) zu unterscheiden.

    aufgabe professioneller arbeit ist es, Bedingungen bereitzustellen, die es den betroffenen Menschen ermg-lichen, sich ihrer ungenutzten, viel-leicht auch verschtteten ressourcen und kompetenzen (wieder) bewusst zu werden, sie zu erhalten, zu kon-trollieren und zu erweitern, um ihr Leben selbst zu bestimmen und ohne expertendefinierte Vorgaben eigene Lsungen fr Probleme zu finden.

    empowerment untersttzen

    empowerment-untersttzung, wie ich sie hier beschreibe, ist eher eine Haltung als eine Methode, eher eine atmosphre als eine Ttigkeit. Da-her beschrnkt sie sich nicht auf den kontakt zwischen Fachpersonen und klient/innen. eine auf die Frderung von selbstbefhigung ausgerichte-te atmosphre zeigt sich ebenso im kontakt der Mitarbeitenden unter-einander und im umgang zwischen Leitungsebene und Mitarbeitenden.empowerment