Stadtanalyse Erlach · PDF fileEigenständigkeit was Schulen, Einkauf und Kultur angeht....

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Transcript of Stadtanalyse Erlach · PDF fileEigenständigkeit was Schulen, Einkauf und Kultur angeht....

  • Stadtanalyse ErlachFebruar 2016

    netzwerk

    altstadt

    rseauvieilleville

  • Erstellt im Auftrag von:

    Gemeinde ErlachKontakt: Gemeindertin Nadja GnthrGemeindeverwaltung ErlachAmthausgasse 103235 Erlachnadja.guenthoer@bluewin.ch

    Netzwerk AltstadtSchweizerische Vereinigung fr Landesplanung VLP-ASPANSulgenrain 20 CH-3007 Bernwww.netzwerk-altstadt.ch034 423 43 20

    Autoren:Paul Dominik HaslerMartin BeutlerBern, Februar 2016

    netzwerk

    altstadt

    rseauvieilleville

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    Stadtanalyse

    Die Stadtanalyse soll als Beurteilungsbasis fr die weitere Ent-wicklung von Erlach dienen. Sie beleuchtet die Situation, die sich aus den unterschiedlichen Nutzungsansprchen ergibt und gibt Hinweise auf mgliche Handlungsfelder.Die Stadtanalyse ist ein pragmatisches Werkzeug und erfordert je nach Themenfeld weitere Beurteilungsschritte. Sie kann durch ihren Blick von aussen ein gutes erstes Bild fr die Situation des Ortskernes bieten.

    Die Stadtanalyse bietet folgende Betrachtungswinkel: Gemeinde & Region Ortskern und Siedlungskontext Wohnnutzung Ladennutzung / Tourismus /Gastronomie Nutzung des ffentlichen Raumes & Verkehr

    Strukturwandel

    Mitverursacher der Fragestellung zum Entwicklungspotenzial der Innenstadt ist der Strukturwandel. Unter Strukturwandel verstehen wir die Nutzungsnderung durch vernderte Ein-kaufsgewohnheiten, mehr Mobilitt und andere Lebensweisen. Folge ist ein zunehmender Auszug des Detailhandels, leerste-hende Flchen und zum Teil negative Folgen durch Nachnut-zungen oder Wertzerfall der Liegenschaften.

    Der Strukturwandel trifft zuerst die kleinen Stdte, spter die mittleren. Der Strukturwandel kann kaum aufgehalten werden (wenn auch grundstzliche Instrumente in der Raumplanung dazu vorhanden wren), was eine Beschftigung mit den Fol-gen ntig macht. Zentrale Strategien sind das Aufwerten der Wohnnutzung durch Massnahmen im Innen- und Aussenbe-reich und wo mglich das Stabilisieren und Konzentrieren der Geschftsnutzung.

    Der Struktur-

    wandel ist

    auch in Erlach

    schon lange

    am Laufen. Der

    klassische De-

    tailhandel ist auf

    dem Rckzug.

    Heute muss man

    froh sein, eine

    Grundversor-

    gung halten zu

    knnen.

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    Trends

    Um verstehen zu knnen, welche Dynamik auf eine Stadt und das Verhalten ihrer Bewohner und Nutzer einwirkt, mssen die Trends beim Wohnen und Einkaufen beachtet werden. Dazu eine Auswahl mit Fokus auf den Strukturwandel: Einkaufen ist out, Shopping ist in: Das Einkaufen zur Be-

    drfnisbefriedigung ist zwar nach wie vor eine alltgliche Notwendigkeit, doch ist es nicht mehr prgend fr die Ent-wicklung der Einkaufsnutzung. Treibend sind die Trends hin zu Erlebnis- und Verweilstrukturen, wo das Einkau-fen integriert wird. Einkaufen muss mehr und mehr ein Genuss element aufweisen, um Kunden anzulocken.

    Einkaufen geht in Richtung grsserer Flchen: Auch wenn der urbane Mensch den Spezialittenladen wieder ent-deckt, geht der Trend hin zum Gesamtanbieter und zum Fachmarkt.

    Die Mobilitt nimmt weiter zu: Mit der Zunahme der Wohnbevlkerung und der Siedlungsflchen wird auch der Verkehr zunehmen, allem voran der Individualverkehr. Kombiniert mit einem Auszug des Detailhandels aus den Zentrumslagen gelangt die Schweiz mehr und mehr zu einer Autokultur. Dies trifft auf lndliche oder stadtnahe Strukturen deutlicher zu als auf stdtische.

    Mit der Zunahme an Wohlstand sind wir heikler gewor-den. Entsprechend reagieren wir auf Strungen und Ver-kehrslrm. Ortskerne mit ihrer dichten Baustruktur bieten naturgemss mehr Reibungsflchen, was zu einer zuneh-menden Herausforderung wird.

    Das Unikat zhlt: In Zeiten der Massenproduktion erhlt das Unikat einen besonderen Stellenwert. Dies spricht fr die Altstadt oder den Ortskern als Einkaufs-, Verweil- und Wohnstandort. Historisch intakte Umfelder sind attrak-tiv, vor allem fr Menschen, die kurze Wege suchen oder nicht automobil sein wollen.

    Sihl-City Z-

    rich, Westside

    Bern und an-

    dere Einkaufs-

    landschaften

    weisen den

    Weg. Der Ein-

    kauf geht mehr

    und mehr in

    Richtung Erleb-

    nis, Verweilen

    und Happening.

    Das klassische

    Stadtzentrum

    wird imitiert.

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    Spannungsfeld Ortskern

    Der Ortskern als Mittelpunkt des Siedlungsgebietes sieht sich wesentlich strkeren Interessenkonflikten ausgesetzt als die brigen Quartiere. Grundstzlich treffen vier Interessenlagen aufeinander: Ladennutzung (inkl. Gastro-, Bro- und Gewerbenutzung) Wohnnutzung Nutzung des ffentlichen Raumes VerkehrBeim ffentlichen Raum sind Nutzungen des Zentrums als Ort fr Freizeit, Kultur oder Feste zu verstehen. Hierunter fallen auch Aussennutzungen von Restaurants und Bars. Dienstlei-stungen und Bros sind willkommene Mieter aber nicht pr-gend im Spannungsfeld Altstadt.

    Das Spannungsfeld Ortskern lsst sich wie folgt charakterisie-ren:

    Trend Effekt Credo Mgliche Strategie

    Konflikte

    Laden-nutzung

    Rckzug in Raten aus der Altstadt

    Versucht verlorene Zentralitt durch Zu-gnglichkeit und Insze-nierung zu sttzen

    Ortskern = stimmungs-volles Shop-pingcenter

    Verdichtung und Synergie mit Erlebnis-nutzungen

    Zufahrt und Parkpltze

    Wohn-nutzung

    Sucht zen-trale Rand-lagen mit Nischencha-rakter (Ne-bengasse)

    Wohnnut-zung ber-nimmt den Ortskern von den Rndern her.

    Ortskern = Rduit

    Aussen-rume entwickeln, Wohnstadt zelebrieren

    Moderne Wohnan-sprche in alten Bau-strukturen

    Nutzung des ffentlichen Raumes

    Sucht ein-zigartige Umfelder

    Ortskern wird zur Bhne

    Ortskern = Kulisse

    Einbindung der Akteure in nachhal-tige Gesamt-konzepte

    Lrm-emissionen

    Verkehr Erwartet Zufahrt und Parkpltze

    Ortskern wird zur Ver-kehrsflche

    Ortskern = Verkehrs-flche

    Anbieten von inte-grierten Mobilitts-konzepten

    Reduktion der Aufent-haltsqualitt

    Die Arbeit am Strukturwandel ist letztlich eine Arbeit am Gleich-gewicht dieses Spannungsfeldes. Es gilt, ber Dialogprozesse die gegenseitigen Haltungen und Bilder auszutauschen und zu einem Konsens, oder noch besser, einer Vision zu bringen. Da-bei ist das Infragestellen bestehender Bilder wichtig. Man hat oft klare Vorstellungen, was in eine Altstadt gehrt und was nicht. Der heute stattfindende Strukturwandel wird hufig als Niedergang der Altstadt wahrgenommen. Dabei wird ausser acht gelassen, dass der Detailhandel nicht immer Bestandteil der Altstadt war, sondern bis vor 150 Jahren Stlle und Werksttten die Erdgeschossflchen dominierten. Auch das Altstadt-Wohnen war nicht immer hoch angesehen. Schlechte hygienische Zu-stnde und enge Raumverhltnisse waren charakteristisch fr Altstadtgebiete. Wir mssen aufpassen, unsere Altstdte nicht zu romantisieren und zu musealisieren. Der Wandel ist auch heute, in Zeiten der Denkmalpflege und des Schutzes ein Element, mit dem wir aktiv umgehen mssen.

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    Erlach und RegionErlach ist eine Kleinststadt am Sdwestufer des Bielersees. Sie liegt an der Sprach- und Kantonsgrenze und ist keiner Grossre-gion zuzurechnen. Neuenburg liegt topografisch, Bern emotio-nal und Biel dem Namen nach am nchsten. Unweit von Erlach finden sich mit Le Landeron (NE) und La Neuveville (BE) zwei weitere historische Stdtchen mit gros-sem Reiz. Auch das ehemalige Kloster St.Johannsen (Gemeinde Gals) ist ein wichtiger Punkt in direkter Nhe. Die hohe Dich-te an stdtischen oder klerikalen Anlagen ist aussergewhnlich und hat mit der frheren Lage am Dreilndereck (Bern - Neu-enburg - Bistum Basel) sowie mit der Verkehrslage an den Seen und der Zihl zu tun. Erlach liegt nicht ganz am See. Auch vor der Seeabsenkung 1870 war die Stadt keine Hafenstadt sondern bot lediglich

    eine Lndte sowie einzelne Barkenbuchten. Heute ist der See deutlich von der Stadt weggerckt. Die Lage ist daher nicht gleich anziehend wie in Murten oder Zug. Zwischen Stedtli und See ist eine diffuse Gewerbe- und Campingzone entstan-den. Mit der St.Petersinsel besitzt Erlach den Zugang zu einem landschaftlichen Kleinod, das im Sommer sehr gut frequentiert wird. Dazu kommen Angebote im Wassersport und zwei grosse Campingpltze. Der Tourismus ist daher fr Vieles, was in Erlach entstanden ist, prgend. Er teilt die Stadt stimmungsmssig in einen Sommer- und Winterbetrieb und gibt dem Ort zwei un-terschiedliche Gesichter.Mit ca. 1400 Einwohnern liegt Erlach an der unteren Grenze der Eigenstndigkeit was Schulen, Einkauf und Kultur angeht. Da aber das Stdtchen historisch bedeutend und bis in die 1990er Jahre Bezirkshauptort war, ist die gefhlte und effektive Zentra-litt erstaunlich gut. Der Neubauboom im Gemeindegebiet hat eine moderne aber wenig stedtli-orientierte Bewohnerschaft gebracht. Viele Zuz-ger stammen aus dem Raum Neuenburg, sind also franzsisch-sprachig und kulturell wenig auf Erlach ausgerichtet. Sie suchen weniger die urbane Umgebung, sondern sind mehr lndlich geprgt. Dem gegenber gibt es eine starke Identifikation von

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    Eingesessenen mit "ihrem" Erlach. Damit kommt ein wichtiges Erkennungsmerkmal des Ortes zutage: Man ist eine Stadt, klein, aber eigenstndig und einem Willen zu Identitt und Kultur. Zusammen mit der Nhe zur Romandie ergibt sich eine reizvolle Mischung aus Stadt-Land, Deutsch-Welsch, bernisch-neuen-burgisch sowie produktiv-knstlerisch. Diese Facetten und Wi-dersprche machen den Reiz des Ortes aus.

    Empfehlungen Erlach/Region Es wird nicht gelingen, die strukturellen Probleme der

    Kleinststadt mit einem weiteren Bevlkerungswachstum zu lsen. Dazu msste der Ort auf ca. die doppelte Grs-se anwachsen, was wenig realistisch und wohl auch nicht gewnscht ist. Man muss sich also mit dem bescheidenen Niveau vieler Funktionen abfinden und versuchen, ihre Qualitt zu