Therme Vals Peter Zumthor, 1996 Katharina Baumann ... Vals Peter Zumthor, 1996 Katharina Baumann,...

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Transcript of Therme Vals Peter Zumthor, 1996 Katharina Baumann ... Vals Peter Zumthor, 1996 Katharina Baumann,...

  • Therme ValsPeter Zumthor, 1996Katharina Baumann, Barbara Bleser

    Der Ort Vals im Schweizer Kanton Graubnden liegt in den Zentralalpen ca. 1.200 m ber dem Meeresspiegel. Hier entspringt das mineralreiche Valser Thermalwasser. Es ist eisenhaltig und rtlich, etwa 30 C hei und wird bereits seit dem 19. Jahrhundert zu Heilzwecken verwendet. 1986 wurde dem Architekten Peter Zumthor der Auftrag erteilt, das bestehende Bad durch eine neue Therme zu ersetzen. Bereits zwei Jahre nach der Fertigstellung wurde das Gebude unter Denkmalschutz gestellt.

    Ort/ LageIn den 1960er Jahren entstand an der Stelle eines Kurhauses aus dem spten 19.Jh ein Thermalbad in einem greren Hotelkomplex. Nach dem Bankrott der Hotel- und Appartmentanlage ersetzte der Bau von Peter Zumthor 1996 die veraltete und zudem zu kleine Badeanlage. Sie wurde in die Sdwestecke des bestehenden Hotelareals als eigenstndiges Gebude tief in den Hang gebaut. Das Hotel, bestehend aus vier Husern, und verfgt ber 140 Zimmer. Das Haupthaus ist ber einen unterirdischen Gang mit der Therme

    verbunden. Sie ist nur ber den Eingang des Hotels erreichbar, man betritt das Gebude durch den Berg. Die Architektur des Bades unterscheidet sich von den traditionellen Holzbauten der Region, fgt sich aber durch Materialitt und Verzahnung mit dem Berg in die Landschaft.

    Baukrper/ KonzeptDas Gebude folgt dem Entwurfsbild des Aushhlens. Das rumliche Konzept der Therme beruht auf einem innen ausgehhlten, massiven Steinblock, der sich ber zwei Geschosse im Innen- und Auenraum erstreckt. Somit entsteht ein rechteckiger Solitrbau aus 15 steinernen Quadern unterschiedlicher Gre. ber enge und dunkle Gnge im Inneren des Berges entwickelt sich das Raumgefge zum Licht hin mit grer werdenden ffnungen. Diese Struktur bildet gleichzeitig die Fassade und schafft gezielt Ausblicke in die Umgebung.

    Innenraum / Organisation Der Innenraum der Therme hnelt einem geometrischen Hhlensystem, das durch die

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    Steinstruktur des Bades verluft. Von engen Gngen an der Hangseite entwickelt es sich zu greren Dimensionen an der Talseite mit groen ffnungen. Im Erdgeschoss befinden sich die technischen Installationen sowie die medizinischen Behandlungsrume fr Heilbder, Fango, Gymnastik und Unterwassermassage. Im Hauptgeschoss befinden sich, umgeben von fnf Meter hohen Wnden, die Becken des Thermalbades.Durch einen langen unterirdischen Gang vom Hotel aus erreicht man den eigentlichen Eingang der Felsentherme. Hier wird zum ersten Mal das Thermalwasser sichtbar gemacht, es fliet durch Messingrohre scheinbar direkt aus dem Berg ber die Wand und hinterlsst dort rote Eisenablagerungen. An die Garderoben und Nassrume schliet eine lange Treppe nach unten an, die auf das Niveau der Badelandschaft fhrt. Das Zentrum der Therme bildet ein Innenbecken mit 32C warmem Wasser, das sich zwischen vier Blcken ausdehnt, und von mehreren Seiten zugnglich ist. Im Auenraum befindet sich ein greres Becken mit 36C. In jedem der 15 Blcke, aus denen das Gebude

    besteht, verbirgt sich ein Hohlraum mit einer weiteren Anwendung des Thermalwassers. Hier werden intime Orte geschaffen, die unterschiedliche Begegnungen mit dem Wasser ermglichen. Material und Farbe in den Innenrumen korrespondieren mit dem Konzept des jeweiligen Steins.Es gibt ein 42 C heies sogenanntes Feuerbad mit roten Terrakotta-Wnden, ein Tauchbad mit 14C in khlem Blau, auerdem ein Bltenbad, einen Klangstein, einen beleuchteten Trinkstein, Duschen und Massagerume. Nach Sden ausgerichtet befinden sich zudem noch Ruherume.Innen- und Auenraum flieen ineinander, das Raumgefge wird als eins wahrgenommen. Durch die groen ffnungen Richtung Tal verknpft sich der Auenraum mit dem Hhlensystem im Inneren. Dieser Eindruck wird auch durch das Spiel mit Licht und Schatten untersttzt. Whrend es in den Rumen der Hangseite eher dunkel bleibt und knstliche Beleuchtung eingesetzt wird, entwickelt sich die Badelandschaft offen dem Tageslicht entgegen.

  • Therme ValsPeter Zumthor, 1996Katharina Baumann, Barbara Bleser

    Material / Konstruktion Die Therme Vals besteht aus Schichten von Gneisplatten, die ebenfalls im Valser Tal abgebaut werden. Die scheinbar willkrlich geschichteten unterschiedlich starken Steine folgen einem przisen Mauerwerksma mit 31, 47 und 63 mm Hhe. Gestapelt ergeben die Platten ein Element von 150 mm Hhe. Dieses System wird inzwischen Valser- Verbundmauerwerk genannt. Jede Schicht verluft durchgngig im ganzen Gebude. Insgesamt besteht das Mauerwerk aus 60.000 Platten, die auf die Lnge eines Meters geschnitten sind. Fr das gesamte Bauwerk handelt es sich also um 60 Kilometer Stein. Fr die Auenhaut des Gebudes wurde der Stein gesgt und hat somit eine sehr glatte, samtartig wirkende Oberflche.Der Wandaufbau setzt sich mehrschalig aus dem Verbundmauerwerk der Steinplatten, Wrmedmmung und bewehrtem schwarzen Beton zusammen. Somit knnen technische Leitungen untergebracht werden. Dies nennt man auch mittragendes Mischmauerwerk.Die Betonschicht ist nicht sichtbar, Innen-, wie auch Auenwnde bestehen aus demselben

    Stein und verdeutlichen das Gesamtkonzept des Blocks, der aus dem Berg ausgehhlt wurde.Die Details sind alle innerhalb des Schichtensystems entwickelt. Dies betrifft Gehflchen, Decken, Treppen, Steinbnke, Trffnungen, Wasserrinnen, Dehnungsfugen und auch die Gebudetechnik also Wasserabdichtung der Becken und Bden, Beckenberlufe, Reinigungsablufe sowie Heizung, Luftaufbereitung und Wrmedmmung. Die bergnge gehen entweder im horizontalen Muster auf oder wurden in der Verbundkonstruktion gelst.Einzig die metallenen Armaturen und Wasserrohre durchstoen das Mauerwerk.Die Decke des Gebudes besteht aus einzelnen Betonplatten, die auf den 15 Steinblcken aufgelagert sind. Zwischen den Platten ist jeweils eine Fuge von 8 cm, die Lichtschlitze freilsst. Diese Fugen sind behutsam gesetzt und geben ein geometrisches Bild aus Licht im Innenraum. Hier wird bewusst der Raum und seine Materialitt inszeniert. Da die Platten sich nicht berhren, mssen an jedem Block Auskragungen abgetragen werden. Dies wird

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    durch berspannte berstnde gelst, die wiederum mit einer Betonplatte abgedeckt sind. In der massiv und simpel wirkenden Decke steckt also ein przise geplantes statisches System. Die einzige Stelle an der eine Platte direkt durchstoen ist, ist ber dem Innenbecken. Die quadratischen Oberlichter markieren den Mittelpunkt des Bades.

    EindrckeDie Therme von Peter Zumthor will an eine alte, archaische Badekultur anknpfen und ein Gegenmodell zum Eventtourismus darstellen. Dies gelingt vor allem durch Materialitt und gezielte Blickbeziehungen in die Landschaft. Das Gebude wirkt lter als die Nachbarbebauung aus den 60er Jahren obwohl es erst 10 Jahre alt ist. Es scheint eine enge Verknpfung mit der Natur und den geologischen Gegebenheiten der Bergwelt zu haben ohne naturhnliche Formen aufzunehmen.Inzwischen befindet sich auch das Hotel der Therme im Wandel. Neben Neuerffnungen von gastronomischen Einrichtungen und Gstezimmern wurden hier Innenrume von

    Peter Zumthor gestaltet. Auf diese Weise soll das Hotel Schritt fr Schritt an die Therme herangefhrt werden.

    Berg, Stein, Wasser - Bauen im Stein, Bauen mit Stein, in den Berg hineinbauen, aus dem Berg herausbauen, im Berg drinnen sein -, wie lassen sich die Bedeutungen und die Sinnlichkeit, die in der Verbindung dieser Wrter steckt, architektonisch interpretieren, in Architektur umsetzen? Entlang diesen Fragestellungen haben wir das Bauwerk entworfen, hat es Schritt fr Schritt Gestalt angenommen. Peter Zumthor

    Literatur- Peter Zumthor, Drei Konzepte, Basel 1997- Katja Marek, Nationale Identitt und Schweizer Heimeligkeit dmade by Peter Zumthor, Saarbrcken 2007- Peter Zumthor, Peter Zumthor Huser: 1979-1997, Basel, Boston, Berlin 1999- Peter Zumthor, Nobuyuki Yoshida (Hrsg.), Peter Zumthor, Tokyo 1998- Peter Zumthor, Architectural Association (Hrsg.), Thermal bath at Vals, London 1996

    Internet http://www.therme-vals.ch/hotel/index.html, 24.10.09