Uraufführung 1 BENJAMIN Musiktheater in sieben Stationen ...· Walter Benjamin erwarb das Bild...

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Urauffhrung 1 BENJAMIN Musiktheater in sieben Stationen von Peter RuzickaUrauffhrung 2 Frankenstein auf Kampnagel. Inszenierung von Philipp StlzlBallett John Neumeiers Ballett Die Kameliendame kehrt ins Repertoire zurckUrauffhrung 3 Das Flo Abschlussproduktion der Akademie Musiktheater heute

Da s M ag a z i n D e r H a M b u r g i s c H e n s ta at s o p e r

5 2017 | 18 April, Mai, Juni

Unser Titel: In den Werkstttender Staatsoper wird das Bh-nenbild fr die Produktion BENJAMIN gebaut. Auf dem Foto Detail einer zerstrten Fassade.

BALLETT

14 Repertoire: Nach erfolgreichen Tourneevorstellungen in Tokiokehrt John Neumeiers Ballett Die Kameliendame anlsslichihres 40-jhrigen Jubilums auf die Bhne der Hamburgi-schen Staatsoper zurck. Die Produktion ist international extrem beliebt: In der kommenden Saison gehrt Die Kame-liendame unter anderem zum Repertoire des Balletts der Pari-ser Oper, des Kniglich Dnischen Balletts, des BayerischenStaatsballetts sowie des Stuttgarter Balletts.

18 Repertoire:Mit Beginn des Frhlings erhht das HamburgBallett die Schlagzahl seiner Auffhrungen: Bis Mitte Juni istdas Ensemble in drei weiteren Balletten von John Neumeier zuerleben: Die Mwe nach Anton Tschechow, John NeumeiersSignaturstck Nijinsky sowie Das Lied von der Erdemit demgleichnamigen Orchesterwerk von Gustav Mahler.

RUBRIKEN

25 opera stabile: OpernForum, Oper und Film, AfterShow

30 jung: Rckblick auf die Jungen Choreografen

31 Rtsel

36 Spielplan

39 Leute: Premiere Messa da Requiem

40 Finale Impressum

OPER

04 Urauffhrung 1: BENJAMIN. Der Komponist und ehemaligeIntendant der Staatsoper Peter Ruzicka hat ein Werk ber denKulturphilosophen Walter Benjamin komponiert.

10 Urauffhrung 2: Frankenstein. Ein Klassiker der Literatur undFilmgeschichte wird auf Kampnagel neu erzhlt von Film-und Theaterregisseur Philipp Stlzl und dem KomponistenJan Dvorak.

20 Repertoire: Die Neuproduktionen Otello und Fidelio gehenmit prominenten Gaststars in die zweite Auffhrungsserie.Auf dem Weg zum Ring kehrt Das Rheingold an die Staatsoperzurck. Doris Soffel wird die Erda singen.

26 Urauffhrung 3: Das Flo, die Abschlussproduktion der Aka-demie Musiktheater heute, fragt nach dem Phnomen derAngst als Ausgangspunkt von Utopie und Untergang.

28 Ensemble: Der junge Dirigent Volker Krafft ist seit sechs Jahren Solo-Repetitor an der Staatsoper. Ein Portrt von Marcus Stbler.

PHILHARMONISCHES STAATSORCHESTER

32 Philharmonische Konzerte: Mit einem Schumann-Programmim 9. Philharmonischen Konzert und mit Beethovens Neunterbeim 10. Philharmonischen Konzert neigt sich die Saison demEnde zu.

April, Mai, Juni 2018Inhalt

t i t e l b i l d : b e r n d U h l i g

5 . 2 0 1 7/ 1 8 | J o u r n a l 1

Oper Momentaufnahme

2 J o u r n a l | 5 . 2 0 1 7/ 1 8

Messa da Requiemvon Giuseppe Verdi

5 . 2 0 1 7/ 1 8 | J o u r n a l 3

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4 J o u r n a l | 5 . 2 0 1 7/ 1 8

Oper Urauffhrung

Vergangenheit, die unsere Gegenwart istZur Urauffhrung von Peter ruzickas oper BENJAMIN in der regie von Yona kim

alter Bendix Schoenflies Benjamin, geboren am 15.Juli 1892 in Berlin, gestorben am 26. September1940 in Portbou, gehrt zu den bekanntesten Per-snlichkeiten der Geistesgeschichte des 20. Jahr-

hunderts. Kaum jemand, der nicht etwas von ihm wei, kaum je-mand, dem nicht bei Nennung dieses Namens eines seiner Portrtsvor Augen steht: Brillenglser, die wie kleine Scheinwerfer Lichterwerfen, dichtes, dunkles Haar, schmale Nase, so Asja Lacis, dazu dercharakteristische Bart, der ernste Blick und irgendwie, wenn auchnicht auf den Bildern zu sehen, eine abgewetzte Aktentasche vollerHand- und Schreibmaschinenschrift bedeckten Papiers. Er war einIntellektueller, ein Kulturphilosoph von groer Eigenstndigkeit undTiefe, der uns das ikonische Bild vom rckwrtsgewandten Engelder Geschichte hinterlassen hat, ein Kritiker und Literat, wie ersich selbst nannte, ein Schriftsteller voller Poesie und bisweilen hin-tersinnigem Witz, Kind des Berliner Grobrgertums des ausgehen-den 19. Jahrhunderts, jdischer Herkunft, ein Flaneur der Grostadt,fasziniert von der Idee des dialektischen Materialismus, ein Reisen-der, dann ein Getriebener quer durch Europa, dessen Flucht in Port-bou, an der spanischen Grenze mit seinem Selbstmord im Angesichtder Verfolgung durch die Nationalsozialisten ihr Ende fand. Ein Sam-melnder, ein Beobachtender, einer, der ber den Haschisch nichtschrieb, ohne mit ihm zu experimentieren. Ein Liebender, einFreund, der, so Gershom Scholem, eine chinesische Hflichkeit imUmgang mit Menschen hatte.

Vielfltig, nicht in eins fasslich erscheint Walter Benjamins Lebenund Wirken. Das spiegelt auch die wechselvolle, lebendige Ge-

schichte seiner Rezeption. Also doch der Zauberer, als den Adornoseine Erscheinung beschreibt? Wenn ich das uere wiedergebensoll, so msste ich sagen, dass Benjamin etwas von einem Zaubererhatte, aber in einem sehr unmetaphorischen, sehr wrtlichen Sinn.Man htte ihn sich gut mit einem sehr hohen Hut und mit einer Artvon magischem Stab vorstellen knnen. Auch von der Aura des Au-ergewhnlichen spricht Adorno, wenn er sich an seine ersten Be-gegnungen mit dem damals gut dreiigjhrigen Benjamin erinnert.Wenn er lachte, ging eine ganze Welt auf (Olga Parem) oder: Ergluckste vor Lachen, und seine Augen, hinter Brillenglsern versteckt,glitzerten vor Vergngen (Charlotte Wolff) heit es auch in seinemFreundeskreis.

Und ber diesen Walter Benjamin eine Oper?

... ein labyrinthisches Spiel des Erinnerns und Vergegenwrtigens ...Ein Leben teilt sich nur gegenwrtig, nur direkt mit, und der Rest

sind Mutmaungen und Konstruktionen, entstanden aus unsererGier nach Geschichten, so die Librettistin und Regisseurin YonaKim zu ihren berlegungen, die am Anfang des Librettos zu dieserOper standen. Denn, Yona Kim weiter, es geht keineswegs darum,die Biografie von Walter Benjamin nachzuerzhlen, es ist vielmehrder Versuch eines Musiktheaters, das in seiner Dramaturgie die ma-gische Gangart seines radikal grenzgngerischen Denkens aufneh-men will, das kein abgeschlossenes Denkgebude, kein Zuhausesucht, sondern das rastlose Reisen selbst ist.

Whrend die innere Struktur dieses Opernlibrettos in den Bewe-

Musikalische Leitungpeter ruzickaInszenierung Yona KimBhnenbildHeike scheeleKostme Falk bauerLichtreinhard traub Dramaturgieangela beuerleChoreberhard FriedrichSub-Dirigentseitano ishikawa

Einfhrungsmatineemit Mitwirkenden der Produktion Moderation: angela beuerle

27. Mai 2018um 11.00 uhr probebhne 1

Walter B.Dietrich HenschelAsja L.lini gongHannah A.Dorottya lngDora K.Marta widerskaGershom S.tigran MartirossianBertolt B.andreas conradDarstellergnter schaupp

BENJAMINMusiktheater in sieben stationen

Premiere A3. Juni, 18.00 uhr

Premiere B

6. Juni,

19.30 uhr

Auffhrungen

10., 13., 16. Juni,

19.30 uhr

untersttzt durch die stiftung zur Frderung der Hamburgischen staatsoper

W

5 . 2 0 1 7/ 1 8 | J o u r n a l 5

benJAMin

Angelus Novus (lat.: Neuer Engel). Paul Klee, 1920. lpause und Aquarell auf Papier und Karton, 318 x 242mm.

Walter Benjamin erwarb das Bild 1921. Es hing in seiner Wohnung und wurde ihm, als er Berlin 1933 verlassen musste, 1935 nach Paris ins Exil

gebracht. Dort hatte er es bei sich bis zu seiner Flucht Richtung Spanien. George Bataille versteckte das Bild zusammen mit Schriften Benjamins

in der Pariser Bibliothque nationale. Nach Ende des II. Weltkriegs gingen diese geretteten Besitztmer Benjamins zunchst zu Theodor W.

Adorno nach New York, der das Bild des Angelus Novus dann Gershom Scholem bergab, wie Benjamin es in seinem Testament verfgt hatte.

Seit 1989 hngt es im Israel Museum in Jerusalem.

Seit 1921 hat sich Benjamin immer wieder in unterschiedlichen Schriften mit dem Angelus Novus beschftigt, bis er ihn in der IX. These ber

den Begriff der Geschichte kurz vor seinem Tod letztmalig in den Blick nimmt. Dieser IX. These vorangestellt ist der Ausschnitt des Gedichts Gru

vom Angelus, das Gershom Scholem 1921 fr Benjamin schrieb. Die Hervorhebung stammt von Walter Benjamin: Mein Flgel ist zum Schwung

bereit / ich kehrte gern zurck / denn blieb ich auch lebendige Zeit / ich htte wenig Glck.

6 J o u r n a l | 5 . 2 0 1 7/ 1 8

Oper Urauffhrung

gungen des Benjaminschen Denkens verankert ist, bekommt es sei-nen ueren Rahmen durch den Bezug auf konkrete Personen undEreignisse, die fr Benjamins Leben entscheidend waren. NebenWalter Benjamin hier Walter B. treten Dora K. (Kellner), Gers-hom S. (Sholem), Bertolt B. (Brecht), Asja L. (Lacis) und Hannah A.(Arendt). Wie die Titelfigur selbst oszillieren sie zwischen der Erin-nerung an ihr reales Vorbild und ihrer Realitt als Opernfigur mitbestimmten Funktionen und Zuschreibungen in Bezug auf dieHandlung. Eine deutlich umrissene Erzhlsituation das Ende vonBenjamins Leben bildet den Kern der Oper: Der Ausgangspunktfr das Libretto, berichtet Yona Kim, war ein szenischer Gedanke,der gleich eine szenische Fragestellung war: Was geht in Walter Ben-jamin vor, wenn er auf der Flucht vor den Nationalsozialisten aufeiner Lichtung in den Pyrenen jene Septembernacht allein ver-bringt? In sieben Szenen, hier Stationen genannt, und vier Zwi-schenspielen entfaltet sich daraus ein Erzhlen, das episodisch denFokus auf einzelne groe oder kleine, alltgliche oder welthistorischbedeutsame Bruchstcke dieses auergewhnlichen und zugleichparadigmatischen Lebens eines deutsch-jdischen Intellektuellen inder e