WEKA WM-Sonderheft 2010

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EMOTIONEN & ERFOLGE DIE BEWEGENDSTEN FUSSBALL-MOMENTE, TRÄNEN DER FREUDE UND BITTERE PILLEN 80 JAHRE WM ALLE DATEN UND GEHEIMNISSE RUND UM DAS GRÖSSTE FUSSBALLEREIGNIS DER WELT SPECIAL: SÜDAFRIKA SPIELPLÄNE, ALLES ÜBER LAND UND LEUTE + WICHTIGE INFOS 1930 URUGUAY 1934 ITALIEN 1938 FRANKREICH 1950 BRASILIEN 1954 SCHWEIZ 1958 SCHWEDEN 1962 CHILE 1966 ENGLAND 1970 MEXIKO 1974 DEUTSCHLAND 1978 ARGENTINIEN 1982 SPANIEN 1986 MEXIKO 1990 ITALIEN 1994 USA 1998 FRANKREICH 2002 SÜDKOREA 2006 DEUTSCHLAND 7,99

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austermedia® realisiert das Textmaterial für das Sonderheft - WM-Stories 1930 - 2010 Emotionen und Erfolge aus 80 Jahren WM-Geschichte - für den WEKA Verlag.

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  • EmotionEn & ErfolgE DiE bEwEgEnDstEn fussball-momEntE, trnEn DEr frEuDE unD bittErE PillEn

    80 JahrE wm allE DatEn unD gEhEimnissE runD um Das grsstE fussballErEignis DEr wElt

    Special: Sdafrika sPiElPlnE, allEs bEr lanD unD lEutE + wichtigE infos

    1930 UrUgUay 1934 ItalIen 1938 FrankreIch 1950 BrasIlIen 1954 schweIz 1958 schweden 1962 chIle 1966 england 1970 MexIko 1974 deUtschland 1978 argentInIen 1982 spanIen 1986 MexIko 1990 ItalIen 1994 Usa 1998 FrankreIch 2002 sdkorea 2006 deUtschland

    7,99

  • ANZEIGE

  • Grusswort

    michael rummenigge

    GruwortLiebe Leserinnen und Leser,

    vier Jahre lang mussten wir seit dem atemberaubenden sommermrchen im eigenen Land warten. Nun ist es endlich so weit! Am 11. Juni rollt bei der wM in sdafrika wieder der Ball. und erneut werden wir erleben, was Fuball so faszinierend macht, was ihn weltweit zu einem einzigartigen Phnomen werden lsst. Glck und Niedergeschla-genheit, Hoffen und Bangen, Jubel und trauer: Das alles kann Fuball auslsen. Favoritenstrze, siege der sogenannten kleinen Mannschaften, tore in letzter Minute, taktik und spielfreude Fuball ist ein spiel, das Emo ti onen schrt. und das umso mehr, weil die weltweit besten Mann-schaften gegeneinander antreten, um den weltmeister zu kren. und wenn alles gut geht, dann knnen Jogi Lw und seine Mannschaft den wM-Pokal zum vierten Mal gewinnen.

    In den letzten 80 Jahren der internationalen Fuballgeschichte ist viel geschehen. unvergessliche Momente, herausragende Aktionen der grten spieler aller Zeiten, triumphe und Niederlagen schreiben die Geschichte der Fuball-weltmeisterschaften. Jede wM hat ihre eige-nen Anekdoten und Highlights. und bei jeder wM gab es Dinge, an die man sich gern noch einmal erinnert und Fakten, die man schon wieder vergessen hat.

    Lassen sie sich auf den Fuballsommer 2010 einstimmen und tauchen sie ein in 80 Jahre wM-Geschichte. Erleben sie die magischen Momente der letzten acht Jahrzehnte.

    Einen unvergesslichen Fuballsommer wnscht Ihnen

    Ihr Michael rummenigge

  • 86 StatiStiken & Fakten

    50impreSSum

    3 GruSSwort

    GruSSwort

    60 newS & produkt-hiGhliGhtS48Spielplan 2010

    66WM-quiz

    80 Jahre WM-geSchichte

    52die WM in Sdafrika1930 UrUgUay 8

    1934 ItalIen 10

    1938 FrankreIch 12

    1950 BrasIlIen 14

    1954 schweIz 16

    1958 schweden 18

    1962 chIle 20

    1966 england 22

    1970 MexIko 24

    1974 deUtschland 26

    1978 argentInIen 28

    1982 spanIen 30

    1986 MexIko 32

    1990 ItalIen 34

    1994 Usa 38

    1998 FrankreIch 40

    2002 sdkorea & Japan 42

    2006 deUtschland 44

    inhaltsverzeichnis

    80 jahre wm-GeSchichte

    inhalt

    45

    hinweis zu den auenspiegelstlper im Bundle: auenspiegelstlper sind in Deutschland nicht fr die verwendung/den einsatz im ffentlichen straenverkehr zugelassen. Der einsatz der auenspiegelstlper darf nur im ruhendem verkehr erfolgen. Die Montage der auenspiegelstlper und deren verwendung geschieht auf eigenes risiko. Der hersteller/verkufer bernimmt keine verantwortung fr den einsatz der auenspiegelstlper und lehnt jegliche haftung fr sach- und Personenschden ab.

  • Daten & Fakten

    StatiStiken, Zahlen, WiSSenSWerteS

    Jahr Gastgeber Weltmeister Vizeweltmeister

    1930 Uruguay Uruguay argentinien

    1934 italien Italien tschechoslowakei

    1938 Frankreich Italien Ungarn

    1950 Brasilien Uruguay Brasilien

    1954 Schweiz Deutschland Ungarn

    1958 Schweden Brasilien Schweden

    1962 Chile Brasilien tschechoslowakei

    1966 england england Deutschland

    1970 Mexiko Brasilien Italien

    1974 Deutschland Deutschland niederlande

    1978 argentinien argentinien niederlande

    1982 Spanien Italien Deutschland

    1986 Mexiko argentinien Deutschland

    1990 italien Deutschland argentinien

    1994 USa Brasilien Italien

    1998 Frankreich Frankreich Brasilien

    2002 Sdkorea & Japan Brasilien Deutschland

    2006 Deutschland Italien Frankreich

    80 Jahre WM im berblick Seit 1930 ist viel passiert bei den WMs. Wer wurde wann Weltmeister? Welecher Spieler ist der beste

    torschtze aller Zeiten? Wer war der jngste Spieler, der mit seinem team Weltmeister wurde? Zum

    auftakt stellen wir ihnen hier wissenswerte Fakten aus acht Jahrzehnten WM vor.

    67

  • Weltmeisterschaften mit sich Wiederholenden Konstellationen

    in einem Wm-finale

    Deutschland gegen argentinien 1986 in Mexiko und 1990 in Italien

    Brasilien gegen Italien 1970 in Mexiko und 1994 in USA.

    KuriosesDeutschland hat im WM-Finale 2002 zum

    bisher ersten und einzigen Mal bei einer WM gegen Brasilien gespielt.

    Deutschland und Brasilien standen als einzige Nationen jeweils dreimal in Folge in einem

    WM-Finale. Brasilien erreichte das Finale 1994, 1998 sowie 2002 und gewann zweimal

    (1994 und 2002). Deutschland zog jeweils 1982, 1986 und 1990 ins Endspiel ein und

    wurde 1990 Weltmeister.

    endspieleBereits siebenmal stand eine deutsche Natio-

    nalmannschaft im Endspiel einer Fuball-Welt-meisterschaft. Dreimal (1954, 1974 und 1990) konnte sie den Titel gewinnen. Viermal (1966,

    1982, 1986, 2002) ging sie als Vize-Weltmeister vom Platz. Hinzu kommen drei dritte Pltze bei den WM-Endrunden 1934, 1970 und 2006. Sie ist damit nach Brasilien (fnf Titel) und Italien

    (vier WM-Titel) die erfolgreichste Fuballnational-mannschaft der Welt.

    Bester spieler adidas Goldener Ball seit 1982

    1982 Paolo Rossi (Italien) 1986 Diego Maradona (Argentinien) 1990 Salvatore Schillaci (Italien) 1994 Romrio (Brasilien) 1998 Ronaldo (Brasilien) 2002 Oliver kahn (Deutschland) 2006 Zindine Zidane (Frankreich)

    reKordspielerDer deutsche Nationalspieler Lothar Matthus ist aktuell der Spieler mit den meisten WM-Spielen (25). Matthus nahm von 1982 bis 1998 an fnf WM-Endrunden teil. Nur sechs weitere Spieler erreichten bisher 20 oder mehr gespielte Spiele

    bei Fuball-Weltmeisterschaften.

    25 Lothar Matthus (Deutschland) 1982 199823 Paolo Maldini (Italien) 1990 200221 Diego Maradona (argentinien) 1982 1994 Uwe Seeler (Deutschland) 1958 1970 Wadysaw Zmuda (Polen) 1974 198620 Cafu (Brasilien) 1994 2006 Grzegorz Lato (Polen) 1974 1982

    die hchsten Wm-sieGe

    Ungarn - Sdkorea 9:0 (1954)Jugoslawien - Zaire 9:0 (1974)Ungarn - El Salvador 10:1 (1982)Deutschland - Saudi-Arabien 8:0 (2002)

    Weltmeistertitel5x Brasilien 1958, 1962, 1970, 1994, 20024x Italien 1934, 1938, 1982, 2006 3x Deutschland 1954, 1974, 19902x argentinien 1978, 1986 2x Uruguay 1930, 1950 1x england 1966 1x Frankreich 1998

    insgesamt sechsmal wurde bisher der Wm-Gastgeber

    am ende Weltmeister.

    Beste Wm-torschtzen aller zeiten

    1958 Just Fontaine (Frankreich) 13 1954 Sndor kocsis (Ungarn) 11 1970 Gerd Mller (Deutschland) 10 1966 eusbio (Portugal) 9 1950 ademir (Brasilien) 9 2002 Ronaldo (Brasilien) 8 1930 Guillermo Stbile (Argentinien) 8

    Wm-torschtzenKniGe 1930 Guillermo Stbile (Argentinien) 8 1934 Oldrich nejedl (Tschechoslowakei) 5 1938 Lenidas (Brasilien) 7 1950 ademir (Brasilien) 9 1954 Sndor kocsis (Ungarn) 11 1958 Just Fontaine (Frankreich) 13 1962 Garrincha (Brasilien)

    Vav (Brasilien) Leonel Snchez (Chile) Draan Jerkovic (Jugoslawien) Walentin Iwanow (Sowjetunion) Flrin albert (Ungarn) jeweils 4 1966 eusbio (Portugal) 9 1970 Gerd Mller (Deutschland) 10 1974 Grzegorz Lato (Polen) 7 1978 Mario kempes (Argentinien) 6 1982 Paolo Rossi (Italien) 6 1986 Gary Lineker (England) 6 1990 Salvatore toto Schillaci (Italien) 6 1994 Christo Stoitschkow (Bulgarien) Oleg Salenko (Russland) jeweils 6 1998 Davor uker (Kroatien) 6 2002 Ronaldo (Brasilien) 8 2006 Miroslav klose (Deutschland) 5

    tore Das erste Weltmeisterschaftstor erzielte lucien laurent aus Frankreich. Nach 19 Minuten traf er

    gegen Mexiko bei der WM 1930.

    2002 erzielte der Trke hakan Skr nach 11 Sekunden im Spiel gegen Sdkorea das

    schnellste WM-Tor.

    Die meisten Tore in einem Spiel: Russlands Oleg Salenko erzielte 1994 beim 6:1 seiner

    Mannschaft gegen Kamerun fnf Tore.

    Der Deutsche edmund Conen erzielte als erster Spieler den ersten lupenreinen Hattrick

    bei einer WM. Am 27. Mai 1934 beim 5:2-Sieg gegen Belgien.

    Der Ex-Schalker ebbe Sand (Dnemark) erzielte nach nur 16 Sekunden gegen Nigeria bei der WM 1998 das schnellste Tor nach einer Einwechslung.

    Bei der WM 1974 verwandelte Johann neeskens

    den schnellsten in einem WM-Spiel gegebe-nen Elfmeter. Im Finale Deutschland gegen die

    Niederlande gingen die Niederlnder bereits in der ersten Minute in Fhrung, ohne dass die deutsche Mannschaft ein einziges Mal am Ball war. Es war zudem der erste Elfmeter, der je in einem WM-

    Finale verwandelt wurde.

    norman Whiteside aus Nordirland war mit 17 Jahren der jngste Teilnehmer bei

    einer WM. (1982)

    Der jngste Spieler, der je Weltmeister

    wurde war Pel. Im Alter von 17 Jahren

    holte er mit Brasilien den Titel bei der WM

    1958.

    Kameruns roger Milla war im Alter von 42 Jahren der lteste Spieler, der je ein Tor bei einer

    WM erzielte. (1994)

    Italiens Torwartlegende Dino Zoff war mit 40 Jahren der lteste Spieler, der je

    Weltmeister wurde. (1982)

    die meisten Wm-spieleBrasilien und Deutschland (je 92)

    italien 10x (anzahl der meisten spiele mit VerlnGerunG)

  • Uruguay 30DIE ERSTE FUSSBALL-WM Mit 18:1 Treffern in vier Spielen holte sich

    Uruguay bei den Olympischen Sommerspie-

    len von 1924 die Goldme daille. 1928 gewann

    die sdamerikanische Mannschaft ebenfalls

    souvern Gold und war damit Doppelolym-

    piasieger. Als dann die Entscheidung fiel,

    dass die erste Fuball-Weltmeisterschaft

    1930 in Uruguay stattfinden wrde, war der

    Jubel gro.

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Frankreich Jugoslawien Rumnien

    Sdamerika Argentinien Brasilien Bolivien Chile Paraguay Peru Uruguay

    Nord- und Mittelamerika Mexiko USA

    FINALE Uruguay 4:2 Argentinien

    SPIEL UM PLATZ 3 USA vs Jugoslawien1

    1 1930 wurde der dritte Platz nicht ausgespielt.

    89

  • 1930

    Auerdem feierte Uruguay in diesem Jahr auch 100 Jahre Unabhngigkeit von Argen-tinien und Brasilien, sodass eine Meisterschaft im eigenen Land bestens passte. Der Titel sollte her.

    Der franzsische Sportmzen und FIFA-Prsident Jules Rimet war der Strippenzieher hinter dem Ganzen. Nach dem Erfolg von 1924 hatte er mit dem wohlhabenden Rinderzchter Enrique Buero aus dem urugua-yischen Montevideo Plne fr ein Fuball-Weltturnier geschmiedet. Diese wurden 1928 vom Fuball-Weltverband akzeptiert. Die Bri-ten schmollten ob der Auswahl Uruguays, mit der Begrndung, dass England als Mutterland des modernen Fuballs Gastgeber-land sein sollte.

    Nachdem die erste Euphorie bei den europischen Nationen abgeflacht war, und die Rea-litt wieder einsetzte, kamen Bedenken: Wirtschaftskrise, die lange und teure Schiffsreise nach Sdamerika sowie ein wochen-langer Ausfall in den heimischen Mannschaften waren letztlich die Grnde, warum die meisten Teams der ersten Fuball-WM fernblieben. Letztlich berzeug-te FIFA-Prsident Rimet dann zumindest die Nationalmann-schaften aus Frankreich, Belgien, Rumnien und Jugoslawien, an der ersten WM teilzunehmen. Die Dampfschiffe "Conte Verde" (mit den Mannschaften von Belgien, Frankreich und Rumnien an Bord) sowie die "MS Florida" (mit der jugoslawischen Nationalelf) erreichten nach einer dreiw-chigen Schiffsreise am 29. Juni 1930 den Hafen von Rio de Janei-ro. Dort machte man sich mit der brasilianischen Mannschaft auf in Richtung Montevideo.

    Qualifikationsrunden standen nicht auf dem Programm. Als man im Gastgeberland die gerin-ge Anzahl Teilnehmer aus Europa erkannte, entschieden sich die Veranstalter fr eine Mischung

    aus Gruppen- und Ausschei-dungsspielen. Der Hauptgrund lag darin, dass man vermeiden wollte, dass die europischen Mannschaften im schlimmsten Fall nach nur einem Spiel sofort wieder die Heimreise antreten mussten.

    Am 13. Juli 1930 trafen als erstes Frankreich und Mexiko aufei-nander. Lediglich 500 Zuschauer trotzten dem Schneegestber, um bei dem 4:1 Sieg von Frank-reich mit dabei zu sein.

    Die US-amerikanische Mann-schaft spielte berraschend stark und besiegte sowohl Paraguay als auch Belgien jeweils mit 3:0 und wurde Gruppensieger. Damit landeten die USA zusammen mit Argentinien, Jugoslawien und Uruguay im Halbfinale. Frs Finale reichte es dann aber nicht. Dort standen sich die beiden Spitzenteams aus Uruguay und Argentinien gegenber, die ihre Halbfinalpartien jeweils glatt mit 6:1 gewinnen konnten. Ein Spiel der beiden Halbfinalverlierer USA und Jugoslawien um den dritten Platz fand damals nicht statt.Argentinien profitierte whrend des gesamten Turniers von den Fehlleistungen der Schiedsrichter: So fhrten sie in ihrem Gruppen-spiel mit 1:0 gegen Frankreich. Doch als der Franzose Langiller alleine auf das argentinische Tor zulief, pfiff der brasilianische Schiedsrichter Rego das Spiel einfach ab vier Minuten zu frh! Die restlichen Minuten wurden dann anschlieend zwar nachge-spielt, aber eine hnliche Chance ergab sich fr die Franzosen nicht mehr, und die Argentinier gewan-nen dieses Spiel.

    Im Endspiel konnten sich die Kontrahenten zunchst nicht darauf einigen, mit wessen Ball dieses ausgetragen werden sollte. Man entschied sich dann dafr, die erste Hlfte mit dem Ball der Argentinier und die zweite Hlfte mit dem Ball der Gastgeber zu bestreiten.

    Zur Halbzeit im "Estadio Cente-nario" in der Hauptstadt Mon-tevideo lag Uruguay noch mit 1:2 im Rckstand. In der zweiten Hlfte des Spiels wendete sich aber das Blatt, und die Gastge-ber erzielten drei weitere Tore gegen die verblfften Argentinier. Am 30. Juli 1930 ging die erste Fuball-Weltmeisterschaft zu Ende, und Uruguay triumphierte verdient mit 4:2 und sicherte sich den ersten WM-Titel.

    Anekdoten Beim Spiel Argentinien gegen Chile kam es bereits zu unsch-nen Szenen. Chilenische Fans hatten sich zu Tausenden hinter dem Gegner aus Argentinien postiert. Nach einem Foul re-vanchierte sich Chiles Torres mit einem Schlag auf die Nase seines Gegenspielers. Es entwickelte sich daraus eine handfeste Schl-gerei zwischen den beiden Mann-schaften. Dies nahmen einige der Fans zum Anlass, ihrerseits eine Prgelei untereinander anzuzet-teln. Polizeikrfte konnten die

    Kontrahenten trennen, und das Spiel konnte nach minutenlanger Unterbrechung am Ende ord-nungsgem fortgesetzt werden. Beim Spiel Uruguay gegen Peru kam es zu hnlichen Zustnden im mit 100.000 Zuschauern vllig berfllten Centenario-Stadion. Beim Finale wurden Tausende angereiste argentini-sche Fans vom Zoll in Uruguay nach Revolvern durchsucht und das Militr war rund um das Stadion postiert. Zudem stand die Mannschaft Argentiniens Tag und Nacht unter Polizeischutz. Der Schiedsrichter Jan Langenus aus Belgien forderte, dass seine eigene und die Sicherheit seiner Linienrichter garantiert werden msse. Die Zuschauer beim WM-Finale drften im Stadion keine Revolver tragen, und man kam seinem Wunsch nach.

    1 9 3 0 U R U g U A y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    torschtzenknig: guillermo stbile (argentinien) 8 tore

    an der ersten weltmeister-schaft nahmen insgesamt nur 13 lnder teil

  • Italia 34IM SchATTEn DER DIkTATUR Die Weltmeisterschaft 1934 wurde in

    Italien ausgetragen zum ersten Mal auf

    europischem Boden. Der italienische

    Diktator Mussolini war ein Fuballfan

    und scheute sich nicht davor, die im eige-

    nen Land stattfindende Meisterschaft fr

    seine Propagandazwecke zu nutzen.

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Deutschland Frankreich Italien Niederlande sterreich Rumnien

    Schweden Schweiz Spanien Tschechoslowakei Ungarn Sdamerika Argentinien Brasilien

    Nord- und Mittelamerika USA Asien gypten

    FINALE Italien 2:1 n.V. Tschechoslowakei

    SPIEL UM PLATZ 3 Deutschland 3:2 sterreich

    1011

  • 1934 1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e i c h 1 9 5 0 B r a s i l i e n

    1 9 5 4 s c h w e i z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h i l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x i k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t i n i e n 1 9 8 2 s p a n i e n 1 9 8 6 M e x i k o 1 9 9 0 i t a l i e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e i c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    Die Qualifikationsspiele be-stritten insgesamt 32 Natio-nen. Als Trotzreaktion auf die magere europische Beteili-gung an der ersten Weltmeis-terschaft von 1930 in ihrem Land nahm Uruguay nicht teil. Die Englnder kamen auch nicht zur zweiten WM, da sie beleidigt waren, dass die Welt-meisterschaft nicht in England ausgetragen wurde.

    Gespielt wurde in acht Stadien, von denen vier extra fr die Welt-meisterschaft erbaut wurden. Die anderen Stadien wurden fr die WM umgebaut oder auf Vorder-mann gebracht. Das Fassungs-vermgen der jeweiligen Stadien reichte von 25.000 bis 55.000 Zuschauer.Der Modus der Meisterschaft war einfach: Der Sieger kam weiter, der Verlierer schied aus. Den Teams wurde eine gegnerische Mannschaft zugelost, und in den folgenden Runden spielten die jeweiligen Sieger gegeneinander.Gastgeber Italien hatte sich in der Qualifikation gegen Griechen-land durchgesetzt und fegte im Achtelfinale die USA mit einem 7:1 vom Spielfeld. Weiter ins Viertelfinale kamen neben Italien auch Deutschland, die Schweiz, sterreich, die Tschechoslowakei, Spanien, Schweden und Ungarn.Im Viertelfinale gingen die ster-reicher und Ungarn nicht gerade zimperlich miteinander um. Der ungarische Fuballer Markos erhielt den einzigen Platzverweis der gesamten WM. sterreich ging mit einem knappen 2:1 aus der Partie hervor.

    Das Viertelrunden-Spiel Italien gegen Spanien endete unent-schieden nach einer zweimal 15-mintigen Verlngerung. Zur Entscheidung musste am nchs-ten Tag ein Wiederholungsspiel durchgefhrt werden.Wegen der Strapazen aus dem Spiel tags zuvor setzten die Trainer beider Mannschaften neue Spieler ein bei den Italie-nern waren es vier und bei den Spaniern sogar sieben Neue auf dem Rasen. Das Spiel war aber skandals: Beim entscheiden-den 1:0 fr Italien behinderten mehrere italienische Spieler den Ersatztorhter, whrend der Tor-schtze Meazza sich gar bei ihm aufsttzte, um einen Kopfball zu platzieren. Alle Proteste der Spanier ntzten nichts, das Tor wurde vom Schiedsrichter gegeben. Die italienische Nationalelf setzte ihre teils unfaire Spielweise fort, welche vom Schiedsrichter nur selten geahndet wurde und zwei regulre Tore der Spanier wurden verweigert! Zum Schluss spielten die Spanier mit drei verletzten Spielern, da Auswechs-lungen nicht gestattet waren. Die Italiener hatten mit einem 1:0 den Einzug ins Halbfinale "geschafft". Es gab Gerchte, dass einige Schiedsrichter von Diktator Mus-solini bestochen worden seien.Im Halbfinale setzte sich Italien gegen sterreich mit 1:0 und die Tschechoslowakei mit 3:1 gegen Deutschland durch.

    Deutschland landete dann mit einem 3:2 gegen sterreich auf dem dritten Platz.

    Es wurde ausgelost, wer das Trikot wechseln musste, und die sterreicher spielten dann in den kurzerhand aufgetriebenen roten Trikots des neapolitanischen Lokalvereins weiter.Auch whrend des Finalspiels der Italiener gegen die Tschechoslo-wakei wurde jegliches Fehlverhal-ten der Gastgeber ignoriert. Flli-ge Feldverweise fr Italien gab es von dem schwedischen Schieds-richter Ivan Eklind, der auch die fragwrdige Halbfinalpartie Italien-sterreich gepfiffen hatte, wieder nicht. Italien wurde somit mit einem 2:1 nach Verlngerung Fuball-Weltmeister 1934.

    anekdote Die Weltmeisterschaft 1934 in Italien war neben den parteiischen Schiedsrichtern die Meisterschaft der nicht geahndeten Regelver-ste. Mehrere Mannschaften unter ihnen auch Gastgeber Italien htten verwarnt werden mssen. Gleich vier (noch) nicht spielberechtigte Spieler aus Sdamerika standen nmlich fr Italien auf dem Rasen.Den Teams aus Argentinien und Brasilien war es nicht gestattet, Profispieler einzusetzen, da beide Lnder 1934 nur durch ihre Ama-teurverbnde in der FIFA vertreten waren. Hintergrund war, dass es in den sdamerikanischen Lndern massive Probleme bei der Ein-fhrung des Profifuballs gab. In den meisten Lndern gab es einen Profiverband und einen Amateur-verband. Letzterer wurde jedoch von der FIFA 1934 als offizieller Nationalverband anerkannt. Die Brasilianer tricksten die FIFA aus, indem sie Profispieler kurzer-hand in die Amateurliga aufnah-men und diese in Italien antreten lieen. Im Achtelfinalspiel gegen Spanien hatten sie acht Profifu-baller auf dem Rasen. Gentzt hat es den Brasilianern nichts, Spanien gewann mit 3:1.

    torschtzenknig: oldrich nejedl (tschechoslovakei) 5 tore

    Beide Mannschaften waren in schwarz-weien trikots angetreten, weshalb der schiedsrichter nach dem 1:0 fr deutschland das spiel unterbrach.

  • 1938 1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n

    1 9 3 8 F R A n k R E I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    1213

  • Die besten Spieler aus sterreich wurden mit den Top spielern Deutschlands zur "Mannschaft des Deutschen Reichs" zusammengewrfelt. Diese Mannschaft ging als ei-ner der Favoriten ins Rennen.

    Da die Spieler beider Lnder aber kaum einen gemeinsamen Nen-ner finden konnten, scheiterten sie bereits in der Qualifikation gegen die Schweiz. Deutschland hatte an der ersten Weltmeis-terschaft 1930 in Uruguay gar nicht teilgenommen und an der zweiten WM 1934 in Italien die sterreicher beim Kampf um den dritten Platz ausgestochen. Bundestrainer Sepp Herberger protestierte bereits vor Beginn der WM beim "Fachamt fr Fuball" gegen die Zusammenle-gung der beiden Mannschaften. Die lapidare Antwort war: "Seppl, leben Sie denn auf dem Mond? Wissen Sie nicht, was vor sich gegangen ist? Der Reichsfhrer wnscht ein 6:5 oder 5:6! Die Ge-schichte erwartet das von uns!" Knftig sollte die Nationalelf also mit sechs Deutschen und fnf sterreichern oder umgekehrt spielen.

    1936 hatte die FIFA Frankreich fr die Ausrichtung der WM 1938 ausgewhlt der Mitbewerber

    Argentinien ging leer aus. Eigent-lich war ein Wechsel zwischen Europa und Lateinamerika als Gastgeber kommuniziert worden. Dass nach der Weltmeisterschaft von 1934 in Italien wieder ein europisches Land bevorzugt wurde, hatte zur Folge, dass Argentinien und Uruguay sich beleidigt zurckzogen.

    Die WM in Frankreich sollte in elf verschiedenen Stdten stattfin-den. Nachdem sterreich jedoch nicht als eigenstndiges Land antreten durfte, fiel Lyon als Aus-tragungsort fr die Begegnung zwischen sterreich und Schwe-den aus. Alle anderen Spiele fanden planmig in den Stdten Antibes, Bordeaux, Colombes bei Paris, Le Havre, Lille, Marseille, Paris, Reims, Straburg und Toulouse statt.

    Gastgeber Frankreich schied aber bereits im Viertelfinale gegen Italien mit 1:3 aus obwohl die franzsische Nationalmannschaft im Vorfeld als einer der Favoriten gehandelt worden war. Zur Halb-zeit stand es 1:1 unentschieden, dann kamen die Italiener besser ins Spiel und erzielten zwei weitere Tore.

    Kuba traf im Viertelfinale auf eine sehr starke schwedische Mann-schaft und musste nach einem grandiosen 8:0 Sieg der Schwe-

    France 38IM ZEIchEn DES kRIEgES Der Zweite Weltkrieg in Europa war zwar

    noch nicht ausgebrochen, aber doch schon

    sprbar. Deutsche Soldaten marschierten

    in sterreich ein, und der sterreichischen

    Mannschaft wurde es nicht gestattet, als

    eigenstndiges Land an der Weltmeisterschaft

    teilzunehmen.

    den die Heimreise antreten. Im Halbfinale standen sich am 16. Juni 1938 dann Italien und Brasi-lien sowie Ungarn und Schweden gegenber. Die Brasilianer waren ein starker Gegner fr Italien. Die "Squadra Azzura" behielt aber die Oberhand und gewann mit 2:1. Die Mannschaft aus Ungarn besiegte die schwedische Natio-nalelf deutlich mit 5:1.

    Finale! Die Italiener traten gegen die Ungarn an. In der sechsten Spielminute ging die italieni-sche Mannschaft mit 1:0 durch Colaussi in Fhrung, gefolgt von einem Ausgleichstreffer des Ungarn Titkos nur zwei Minuten spter.

    Den Italienern Piola und wieder Colaussi gelangen zwei wei-tere Tore whrend der ersten Halbzeit. Die Ungarn verkrzten in der zweiten Spielhlfte den Vorsprung der Italiener zum 3:2, doch Piola gelang kurz vor Spiel-ende der finale Treffer zum 4:2. Damit stand Italien als Weltmeis-ter fest und hatte seinen Titel erfolgreich verteidigt.

    Anekdoten Die Nationalelf Italiens stand unter groem Druck, denn Diktator Mussolini telegrafierte nach Frankreich und erklrte in gebieterischem Ton: "Siegen oder sterben!" Der ungarische Torwart Szab kommentierte nach dem Endspiel: "Ich war noch nie so stolz wie jetzt. Wir haben elf Menschen das Leben gerettet!" England als "Mutterland des Fuballs" nahm an den ersten drei Weltmeisterschaften von 1930, 1934 und 1938 nicht teil. Die Briten waren brskiert, dass sie bisher als Gastge-berland nicht bercksichtigt worden waren. Offiziell lie man verlauten: "Der Monat Mai ist allein der Erholung der wertvollen Ligaspieler vorbehalten" und "Sie sind im Juni wie alle, die sich am Fuballsport interessieren fuballmde." Die nchste WM fand dann erst nach Kriegsende 1950 in Brasilien statt. England nahm zwar teil, schied aber bereits frhzeitig aus.

    torschtzenknig: lenidas (Brasilien) 7 tore

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Deutsches Reich Frankreich Italien Niederlande Norwegen sterreich + Polen

    Rumnien Schweden Schweiz Tschechoslowakei Ungarn Sdamerika Brasilien Nord- und Mittelamerika Kuba

    Asien Niederlndisch-Indien

    FINALE Italien 4:2 Ungarn

    SPIEL UM PLATZ 3 Brasilien 4:2 Schweden

  • Brasil 50kRIEgSnAchWEhEn Brasilien die Weltmeisterschaft 1950

    mit Kriegsnachwehen: Der Zweite Welt-

    krieg war zu Ende und in Europa erholte

    man sich langsam von den Schreckens-

    jahren. 34 Mannschaften hatten sich fr

    die WM 1950 in Brasilien angemeldet,

    letztlich nahmen aber an der Endrunde

    nur 13 Mannschaften teil.

    WM TEILNEHMER Europa England Italien Jugoslawien Schweden

    Schweiz Spanien Schottland* Trkei* Sdamerika Bolivien Brasilien Chile Paraguay Uruguay

    Nord- und Mittelamerika Mexiko USA Asien Indien*

    *auf Start verzichtet

    FINALE Uruguay 2:1 Brasilien2

    SPIEL UM PLATZ 3 Schweden 3:1 Spanien2

    2 Die WM 1950 wurde in einer Endrunde ausgespielt. Am dritten Spieltag trafen die beiden noch unbesiegten Mannschaften sowie die beiden

    sieglosen Teams aufeinander, somit hatten diese Gruppenspiele de facto den Charakter eines Endspieles bzw. Spieles um Platz 3.

    1415

  • 1950

    Die kontinentalen Turniere zur Qualifikation waren oft eine reine Farce, da nationa-le Verbnde ihr Startrecht nicht wahrnahmen. Damit qualifizierte sich zum Beispiel Indien fr die Endrunde, ohne berhaupt ein einziges Spiel absolviert zu haben. Die Inder sagten dann ihre Teilnahme ab weil sie nicht barfu spielen durften.

    Da Brasilien kaum von den Kriegswirren betroffen war, hatten sie einige gut trainierte Fuballer in den eigenen Reihen aufgebaut. Sie waren guter Dinge, dass sie als Ausrichter der WM den Pokal auch gleich im eigenen Land behalten knnen. Als weiterer Favorit wurden die Englnder gehandelt, da diese auch nach dem Krieg immer noch als starke Fuballnation galten.Der deutsche Fuball-Bund war noch nicht wieder in die FIFA

    aufgenommen worden, weshalb die Deutschen nicht mit von der Partie waren. sterreich zog vor Beginn der Qualifikation seine Bewerbung zurck, und die Schweizer scheiterten in der Vorausscheidung. Die Franzosen wurden erst nachtrglich einge-laden, nachdem andere Verbnde abgesagt hatten und verzichte-ten deshalb auf eine Teilnahme.Die brasilianische Mannschaft spielte mit einer Ausnahme immer im riesigen, extra fr die WM erbauten Maracan-Stadion in Rio de Janeiro. Offiziell fand das Finale am 16. Juli 1950 vor 174.000 Zuschauern statt. Verlssliche Quellen halten die tatschliche Zuschauerzahl fr wesentlich hher. Joo Havelange, Prsident der FIFA von 1974-1998 erinnert sich: "An diesem Tag waren etwa 220.000 Menschen im Stadion." Also etwa 10% der damaligen Bevlkerung Rio de Janeiros. Ende 2006 wurde die Kapazitt auf 96.000 Sitzpltze reduziert. Weitere Spielorte waren Belo Horizonte, Porto Alegre, Curitiba, Recife und So Paulo.

    Brasilien als Gastgeber und Itali-en als Titelverteidiger waren fr diese WM direkt qualifiziert, alle anderen Endrundenpltze wurden durch Ausscheidungsspiele ent-schieden. Die favorisierten Briten behaupteten von sich selbst, die einzig wahre Fuballnation zu sein und traten mit einem groen Staraufgebot an. Als sie in der Vorrunde mit 0:1 gegen die Amateurmannschaft der USA verloren, mussten sie kleinlaut die Heimreise antreten.

    In den vier Vorrundengruppen traten Brasilien, Spanien, Schwe-den und Uruguay jeweils als Sieger ihrer Gruppe hervor. Das Motto der Endrunde lautete dann "jeder gegen jeden"!Brasilien gewann die ersten bei-den Spiele gegen Schweden und Spanien und galt als haushoher Favorit fr den Weltmeistertitel. Schweden landete auf Platz drei, die Spanier auf dem vierten Rang. Dem WM-Titel fr die Brasilianer stand nur noch ein Unentschieden gegen das bis da-hin nicht berzeugende Uruguay im Weg. Nachdem sie gegen Uru-guay mit 1:0 in Fhrung gingen, lieen die Brasilianer scheinbar gedanklich schon die Korken knallen und wurden nachlssig.In der zweiten Hlfte des Spiels glich die Nationalelf aus Uruguay vor den 200.000 tobenden Fans im Maracan-Stadion aus. Und so sehr sich die brasilianische Mannschaft auch bemhte, ein zweiter Treffer wollte ihr nicht gelingen. Schlimmer noch, zehn Minuten vor Abpfiff mussten sie

    ein weiteres Gegentor einstecken.Kurz darauf war klar: Der neue Weltmeister heit Uruguay! Die Pokalbergabe fand aus Sicher-heitsgrnden in den Katakomben des Stadions statt, denn FIFA Prsident Rimet befrchtete Ausschreitungen der enttusch-ten brasilianischen Fans.

    Anekdote Der brasilianische Fuballverband war so geschockt von der Nie-derlage, dass er die bis dahin von den Spielern getragenen weien Trikots als "schlechtes Omen" ansah und sofort verbannte. Als einen der Hauptschuldigen fr die Schmach prangerte man Torhter Moacir Barbosa an. Als dieser 43 Jahre spter dem Training der brasilianischen Nationalmannschaft beiwohnen wollte, verweigerte man ihm mit der Begrndung "er knne Pech bringen" den Zutritt.

    Mit ausnahme von rio de Janeiro und so paulo boten die anderen stadien lediglich platz fr 20.000 bis 30.000 zuschauer.

    torschtzenknig: ademir (Brasilien) 9 tore

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B R A S I L I E n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

  • schweiz 54DAS WUnDER VOn BERn

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Deutschland England Frankreich

    Italien Jugoslawien sterreich Schottland Schweiz Tschechoslowakei Trkei Ungarn

    Sdamerika Brasilien Uruguay Nord- und Mittelamerika Mexiko Asien Sdkorea

    FINALE Deutschland 3:2 Ungarn

    SPIEL UM PLATZ 3 sterreich 3:1 Uruguay

    Im Sommer 1946 hatte sich die Schweiz als Aus-

    richter fr die Weltmeisterschaft von 1950 beworben,

    was bei der Organisation des Weltfuballs FIFA groe

    Skepsis hervorrief. Die Schweiz und seine Stadien

    seien zu klein, hie es. Die Eidgenossen konterten mit

    ihren Verdiensten als kriegsneutrales Land sowie der

    wichtigen Rolle in der Organisation des Weltfuballs.

    Es ging hoch her und nach einigen Verhandlungen

    erhielt die Schweiz schlussendlich den Zuschlag fr

    die WM von 1954.

    1617

  • 1954

    Die sechs Stadien waren in der ganzen Schweiz verteilt, von den deutschsprachigen Orten Bern, Basel und Zrich ber das franzsischsprachige Genf und Lausanne bis ins italienischsprachige Lugano. Die Fuball-Weltmeisterschaft von 1954 hatte die bisher hchste Bewerberquote.

    Neben Titelverteidiger und Gastgeber wollten 43 Lnder darunter alle groen Fuballnati-onen auer Argentinien in der Schweiz mit von der Partie sein. Aber elf Anmeldungen trudelten zu spt ein, sodass diese Lnder nicht mehr zugelassen wurden. Die frheren WM-Teilnehmer Niederlande, Bolivien und Peru blieben somit auen vor. Mit den 34 verbleibenden Nationalmann-schaften gab es dennoch einen neuen Teilnehmerrekord fr die WM-Qualifikationsspiele.Erstmalig wurden die WM-Spiele nicht nur ber das Radio, sondern

    sogar live im TV bertragen. Eine direkte elektronische Aufzeich-nung von Fernsehsendungen war 1954 jedoch technisch noch nicht machbar. Es gibt somit weder Archivaufnahmen der damaligen Live-Fernsehbilder noch Tonmitt-schnitte der Fernsehkommentare. Der Radiokommentar von Herbert Zimmermann dient deshalb meist als Tonspur fr die existierenden Filmaufnahmen.Es war die fnfte Weltmeis-terschaft berhaupt, und die Deutschen waren zum ersten Mal in einem Endspiel mit von der Partie. Der Triumph stand aber auch als Symbol fr den Aufschwung in Deutschland und schien das ganze Land aus der Depression der Nachkriegszeit zu reien. Den stolzen WM-Helden wurde anschlieend in der Heimat ein phnomenaler Empfang bereitet und das ganze Land war im Fuballrausch.

    "TOOOOOOR! TOOOOOOR! TOOOOOOR! TOOOOOOR! " Am 4. Juli 1954 lie sich der Kommentator Herbert Zimmer-mann whrend des WM-Final-spiels in seiner Sprecherkabine zu diesem Gefhlsausbruch hinreien. Der deutsche National-spieler Helmut Rahn hatte gerade den Auenseiter Deutschland in der 84. Minute mit 3:2 in Fh-rung gegen den Favoriten Ungarn geschossen und Deutschland gewann das Spiel und den Welt-meistertitel.

    Dabei sah es an diesem Regentag in der schweizerischen Hauptstadt Bern zunchst gar nicht danach aus, als knnte die deutsche Mannschaft dem ungarischen Kontrahenten den Pokal streitig machen. Bereits nach acht Minu-ten Spielzeit lag die ungarische Mannschaft mit 2:0 in Fhrung. Die Deutschen mussten jedoch nicht lange bangen, denn nur zwei Minuten spter erzielte Max Morlock den Anschlusstreffer und kurz darauf schaffte Helmut Rahn den Ausgleich. Der weitere Spiel-verlauf verlief ohne Treffer, bis Rahn in der 84. Minute mit dem linken Fu das Tor seines Lebens schoss und Deutschland damit den Weltmeistertitel sicherte.

    Doch kurz vor Spielende kam es zu einer weiteren Zitterpartie: Der ungarischen Mannschaft gelang nach dem Tor von Rahn nmlich noch einmal ein Treffer. Dieser wurde aber vom Schiedsrichter wegen Abseits nicht anerkannt. Die vorliegenden Bilder knnen die Schlussszene nicht voll-stndig aufklren, doch hatte Kommentator Zimmermann bereits vor dem Treffer auf die Abseitsstellung hingewiesen.

    Dieses Finalspiel der deutschen Mannschaft gegen den hausho-hen Titelfavoriten Ungarn um Ferenc Puskas gehrt zu den Hhepunkten der Fuballge-schichte und der Regisseur Snke Wortmann verfilmte das Spekta-kel unter dem Titel "Das Wunder von Bern" 2003. Einige Szenen des Endspiels wurden im Berner Wankdorfstadion originalgetreu nachgestellt.

    rckblickend wirkt dieser Moment fast wie die eigentliche geburtsstunde der Bundesrepublik deutschland.

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 S c h W E I Z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    torschtzenknig: sndor kocsis (Ungarn) 11 tore

  • sverige 58VERSchWRUngSThEORIEn Verschwrungstheorie und Randale in

    Deutschland die Fuball-Weltmeister-

    schaft 1958: Nach dem Ende des Zweiten

    Weltkriegs war das whrend des Krieges

    neutrale Schweden einziger Bewerber fr

    die sechste Fuball-Weltmeisterschaft

    von 1958. So fiel der FIFA die Entschei-

    dung ber den Austragungsort nicht

    schwer.

    WM TEILNEHMER Europa Bundesrepublik Deutschland England Frankreich

    Jugoslawien Nordirland sterreich Schottland Schweden Sowjetunion Tschechos lowakei Ungarn Wales

    Sdamerika Brasilien Argentinien Paraguay Nord- und Mittelamerika Mexiko

    FINALE Brasilien 5:2 Schweden

    SPIEL UM PLATZ 3 Frankreich 6:3 Deutschland

    1819

  • 1958

    In Deutschland wurde das Spektakel auf allen Kan-len mitverfolgt. Die WM in Schweden war zwar die erste, die auf alle Kontinente im Fernsehen bertragen wurde, aber die FIFA traf die Auswahl der gesendeten Spiele. Es wurden daher nicht alle WM-Spiele mit deutscher Beteili-gung im Fernsehen gezeigt. So kam es, dass die deutschen Fuballfans in der Heimat einerseits das Halbfinalspiel Frankreich Brasilien am Bildschirm sahen, whrend sie gleichzeitig am Radio die Partie Deutschland gegen Schweden verfolgten.

    Generalkonsul Hans Schubert und die Universum Film AG (UFA) produzierten in Windeseile einen Film mit dem Material aus Schweden und brachten zur Freu-de der Fans wenige Tage nach der WM den Streifen "Hinein!" in die deutschen Kinos. Dort konnte man dann auch die alemanni-schen Kicker im Halbfinale gegen Schweden in Aktion sehen.

    In Schweden gab es insgesamt zwlf Austragungsorte, wobei das Rsunda in Stockholm und das Ullevi-Stadion in Gteborg mit ihren jeweils nahezu 50.000 Pltzen die grten waren. In der WM-Qualifikation verlor der bis dahin zweifache Weltmeis-ter Italien berraschend gegen Nordirland. Auch Uruguay ein weiterer zweifacher Weltmeister musste in der Sdamerika-Gruppenausscheidung Paraguay den Vortritt lassen.

    Afrika und Asien teilten sich wei-terhin einen einzigen Platz in der Qualifikationsrunde. Da sich alle islamischen Lnder weigerten, gegen Israel zu spielen, ber-nahm kurzerhand die Mannschaft aus Wales den Platz als Vertre-ter Asiens und Afrikas. Damit nahmen zum ersten und einzigen Mal die vier Fuballverbnde aus England, Schottland, Wales und Nordirland an einer WM-Endrunde teil. Nordirland, Wales und die Sow-jetunion hatten im Viertelfinale kaum eine Chance, weiter ins Halbfinale aufzurcken. Nachdem die drei Mannschaften Entschei-dungsspiele austragen mussten, um berhaupt ins Viertelfinale zu gelangen, hatten sie weniger als 48 Stunden Zeit, den nchsten Spielort zu erreichen. Brasili-en, Frankreich und Schweden profitierten davon und hatten ein leichtes Spiel. Die Partie Deutsch-land Jugoslawien war dagegen deutlich anstrengender. Die Deut-schen konnten aber einen frhen Fhrungstreffer durch Rahn ber die Zeit hinweg retten und zogen damit ins Halbfinale ein.

    In Gteborg erwartete die deut-sche Mannschaft ein aufgeheiz-tes Publikum. In der Partie gegen Schweden brllten Einpeitscher auf den Rngen ihr berhmtes "Heja, heja" in ihre Megafone. Bis zur Halbzeit herrschte Gleich-stand. In der zweiten Hlfte fiel Kapitn Fritz Walter verletzt aus, und der Deutsche Juskowiak lie sich vom Schweden Kurt Hamrin zu einem Revanchefoul hinreien, das einen Platzverweis zur Folge hatte. Die Schweden nutzten die berzahl und gewannen mit 3:1 gegen den amtierenden Welt-meister im eigenen Land. Doch diese Begegnung blieb nicht folgenlos und trbte fast zwei Jahrzehnte lang die sportliche Beziehung zwischen den beiden Lndern. In der zweiten Halbfinalpartie spielten die Franzosen gegen Brasilien lange Zeit ausgeglichen, bis Frankreichs Kapitn Robert

    Jonquet sich das Bein brach und nach geltenden FIFA-Regularien nicht ersetzt werden durfte. Die Sdamerikaner gewannen die Oberhand, siegten deutlich mit 5:2 und zogen damit gegen Gastgeber Schweden ins Finale ein. Der franzsische Spieler Just Fontaine wurde mit seinen bis heute nicht mehr erreichten 13 Toren bester Torschtze der WM.

    Im Endspiel zwischen Brasili-en und Schweden gingen die Schweden mit 1:0 in Fhrung. Doch dieser Rckstand stachelte die Brasilianer erst richtig an. Der damals erst 17-jhrige brasilia-nische Kicker Edson Arantes do Nascimento machte die Welt bei dieser WM auf sein Knnen aufmerksam. Spter kannte man den "Fuballer des Jahrhunderts" nur unter dem Namen Pel. Brasilien gewann das Finale mit 5:2 gegen den Gastgeber Schwe-den und wurde zum ersten Mal Fuball-Weltmeister.

    Anekdoten Die "Schlacht von Gteborg" wirkte sich bis nach Deutschland aus. Aus Sicht der Deutschen war das Halbfinalspiel in einer feindlichen Atmosphre gefhrt worden. Als Racheakt kam es in Deutschland zu Ausschreitungen gegen schwedische Touristen. In Hamburg wurden Reifen an schwedischen Autos zerstochen und die "Schwedenplatte" eine Art kalt/warmes Buffet ver-schwand von den deutschen Speisekarten.

    2002 thematisierte der schwe-dische Regisseur Johan Lfstedt die WM in seinem fiktiven Dokumen tarfilm "Konspiration 58". Darin wird behauptet, dass die Fuball-Weltmeisterschaft 1958 gar nicht stattgefunden habe und nur als TV-Ereignis in-szeniert wurde. Eigentlich war der Film dazu gedacht, die Zuschauer zu einer kritischeren Haltung ge-genber den Medien zu bewegen doch die Idee verbreitete sich am Ende als Verschwrungs-theorie weiter.

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 S c h W E D E n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    torschtzenknig:Just Fontaine (Frankreich) 13 tore

  • 1962 1 9 3 0 U r U g U a y

    1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I L E 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    2021

  • Viele der Erstrundenbegeg-nungen wie etwa UdSSR gegen Jugoslawien, Chile gegen Italien oder Deutsch-land gegen die Schweiz waren von berhartem Spiel und sogar Prgeleien auf dem Rasen gekennzeichnet. Die Schiedsrichter gingen dabei mit offensichtlichen Regelver-sten lasch um und agierten zum Teil parteiisch.

    Aufgrund des technischen Fortschritts war die WM in Chile bereits ein Weltmedienereignis. Die ARD transportierte eigens eine Radiostation nach Chile, um die Spiele live im Radio bertragen zu knnen. Da es weder Live- noch zeitversetzte bertragungen im Fernsehen gab, mussten die deutschen Fuballfans nachts vor den Radiogerten ausharren und konnten erst einige Tage spter Filmberichte zu den Spielen sehen.

    Die Spiele fanden in den Stdten Arica, Rancagua, Via del Mar und Santiago de Chile statt. Mit 56 Teams fr die Qualifikation wurde ein neuer Rekord aufgestellt. berraschend schieden dabei Vizeweltmeister Schweden und der WM-Dritte Frankreich aus. Kolumbien und Bulgarien hinge-gen qualifizierten sich erstmals fr eine Fuball-Weltmeisterschaft. Gastgeber Chile und Weltmeis-ter Brasilien waren automatisch teilnahmeberechtigt.

    Spanien wurde bei den da-rauffolgenden Gruppenspielen Letzter und schied aus, obwohl sie eingebrgerte Weltstars wie Puskas oder di Stefano in ihren Reihen hatten. Der damals noch junge brasilianische Fuballstar Pel zog sich im zweiten Gruppen-spiel gegen die Sowjetunion einen Muskelfaserriss zu und konnte fr das Turnier nicht mehr eingesetzt werden. Doch die Brasilianer ge-wannen das Spiel und schlussend-lich den WM-Titel auch ohne Pel.

    Im Viertelfinale konnte sich Chile mit einem Sieg gegen die Sowjet-union durchsetzen. Deutschland traf nach 1954 und 1958 zum dritten Mal in Folge auf Jugosla-wien. Lange blieb die Begegnung torlos, doch in der 86. Spielmi-nute gelang den Jugoslawen das entscheidende Tor zum 1:0. Die Brasilianer schlugen die englische Mannschaft, sodass die Briten zusammen mit Deutschland, Ungarn und der Sowjetunion die Heimreise antreten mussten.Brasilien und Chile spielten in ihrer Halbfinalbegegnung mit unge-ahnter Hrte. Garrincha, brasili-anischer Topspieler, wurde in der 83. Spielminute wegen Ttlichkeit vom Platz verwiesen. Trotz-dem gelang den Brasilianern im erstmals ausverkauften Stadion in Santiago de Chile der 4:2-Sieg gegen den Gastgeber.

    Nur knapp 6.000 Zuschauer verfolgten die zweite Halbfinalbe-gegnung zwischen Jugoslawien und der Tschechoslowakei. Jugo-slawien hatte ber weite Strecken zwar die strkere Mannschaft,

    chile 62DAS gROSSE nAchBEBEn Die siebte Fuball-Weltmeisterschaft fand

    1962 in Chile statt, das zwei Jahre zuvor

    von einem der schwersten Erdbeben des

    20. Jahrhunderts heimgesucht worden war.

    Sie ging als die unfairste Weltmeisterschaft

    in die Geschichte ein.

    doch letztendlich konnten die Tschechoslowaken zum zweiten Mal nach 1934 ins WM-Endspiel einziehen.

    Im Finale standen sich Brasilen und die Tschechoslowakei im "Estadio Nacional de Chile" in Santiago gegenber. Auch der brasilianische Kicker Garrincha durfte nach einer Begnadigung wieder mitspielen. Zunchst berzeugten die Tschecho-slowaken durch ihre offensive Spielweise, konnten diese aber nicht lange aufrechterhalten. Durch zwei Fehler des tschecho-slowakischen Torwarts Schrojf gewannen die Brasilianer mit 3:1. Damit hatte die brasilianische Nationalelf ihren ersten WM-Titel von 1958 am Fu der Anden erfolgreich verteidigt.

    Anekdoten Fr den deutschen Bundestrainer Sepp Herberger war die WM in Chile die letzte, in der er die Na-tionalmannschaft betreute. Der Klner Hans Schfer war Kapitn der deutschen Elf und auch der letzte Spieler aus der Mannschaft von 1954, die in Bern den Welt-meistertitel gewonnen hatte.Der italienische Fuball sorgte fr eine taktische Revolution. Ihr Trainer Helenio Herrera fhrte den "Catenaccio" ein. Erfunden hat den destruktiven Defensiv-riegel Mitte der Fnfzigerjahre der Italiener Nereo Rocco. Zentrales Element: schnell ein Tor erzielen und dann hinten alles dicht ma-chen. Der Libero wird hinter der Abwehr postiert und die gegneri-schen Strmer in Manndeckung genommen. Beim "Catenaccio" handelte es sich um reine Er-gebnisorientierung. Schnspie-lerei war verpnt. Das war nicht immer schn anzusehen, lieferte Italien aber ber einige Jahre sehr gute Ergebnisse.

    torschtzenknige: garrincha (Brasilien)Vav (Brasilien)leonel snchez (chile)draan Jerkovic (Jugoslawien)walentin Iwanov (sowjetunion)Flrin albert (Ungarn)alle 4 tore

    WM TEILNEHMER Europa Bulgarien Bundesrepublik Deutschland

    England Italien Jugoslawien Schweiz Sowjetunion Spanien Tschechoslowakei Ungarn

    Sdamerika Argentinien Brasilien Chile Kolumbien Uruguay Nord- und Mittelamerika Mexiko

    FINALE Brasilien 3:1 Tschechoslowakei

    SPIEL UM PLATZ 3 Chile 1:0 Jugoslawien

  • england 66MUTTERLAnD DES FUSSBALLS England das "Mutterland des Fuballs"

    wird 1966 Weltmeister.

    Lange haben die Briten darauf gewartet, dass

    die Weltmeisterschaft in England ausgetragen

    wird. Seit der ersten WM 1930 gab es immer

    wieder Emprungsbekundungen von der In-

    sel, wann denn das "Mutterland des Fuballs"

    zum Zuge komme. 1966 wurden die Rufe

    erhrt, England durfte Gastgeberland sein.

    WM TEILNEHMER Europa Bulgarien Bundesrepublik Deutschland

    England Frankreich Italien Portugal Schweiz Sowjetunion Spanien Ungarn Sdamerika Argentinien

    Brasilien Chile Uruguay Nord- und Mittelamerika Mexiko Asien Nordkorea

    FINALE England 4:2 Deutschland

    SPIEL UM PLATZ 3 Portugal 2:1 Sowjetunion

    2223

  • 1966

    Mit 71 Anmeldungen zur Teil-nahme an dieser WM gab es einen neuen Rekord. England und Titelverteidiger Brasilien waren automatisch fr die Endrunde qualifiziert, die verbleibenden Mannschaften mussten in der Vorrunde um die 14 freien Pltze kmpfen.

    Fr Europa standen dabei neun Qualifikationspltze zur Ver-fgung, Sdamerika erhielt deren drei. Den nord- und mittelamerikanischen Lndern wurde ein Platz zugestanden, den asiatischen und afrikanischen Lndern ebenfalls gemeinsam nur ein Platz. Die afrikanischen Mannschaften zogen deshalb ihre Bewerbung zurck.Die Endrunde wurde dann in acht Stadien in England ausgetragen, die bedeutendsten Spiele fanden im Wembley Stadion in London statt. Bei dieser WM fand zum ersten Mal ein offizielles Auftakt-spiel mit den Gastgebern statt. Dieses Aufeinandertreffen vom 11. Juli 1966 in London zwischen den Briten und Uruguay verlief aber fr beide Mannschaften torlos.In der deutschen Mannschaft glnzte in den Vorrundenspielen der damals erst zwanzigjhrige Franz Beckenbauer. Er war im defensiven Mittelfeld positioniert,

    spielte aber sehr offensiv und bezwang den schweizerischen Torhter im ersten Spiel gleich zweimal. Bei dieser WM erzielte Beckenbauer vier Tore, was ihn zusammen mit drei anderen Spielern auf den dritten Platz in der Torschtzenliste brachte. Da-fr wurde er in Deutschland zum "Fuballer des Jahres" gewhlt, was sich dann 1968, 1974 und 1976 wiederholte. Auch die Sowjetunion legte in der Vorrunde eine solide Leistung an den Tag und kassierte in den drei Spielen lediglich ein Gegentor. Die berraschung kam aber von den Nordkoreanern, die ins Vier-telfinale einzogen! Die Fachwelt hatte eigentlich dem italienischen Team einen Spaziergang ins Finale prophezeit Doch mit 1:0 schickte die nordkoreanische Mannschaft die "Azurblauen" frhzeitig nach Hause, wo Italiens Kicker zur Begrung mit faulem Obst und Tomaten empfangen wurden.Die aufsehenerregendste Be-gegnung im Viertelfinale fand zwischen Portugal und Nordkorea statt. Die Mannschaft aus dem fernen Asien fhrte bereits in der 25. Spielminute mit 3:0, doch ihr Siegeszug wurde jh gebremst: Der portugiesische Kicker Eusbio erzielte vier Treffer und bereitete einen fnften vor. Die Portugiesen entschieden das Spiel mit 5:3 fr sich und zogen bei ihrer ersten WM-Teilnahme gleich ins Halbfinale ein. Mit neun Toren wurde Eusbio dann auch

    der erfolgreichste Torschtze dieser WM.Die ebenfalls stark aufgestellte Sowjetunion besiegte Ungarn und zog ins Halbfinale ein. Dort trafen sie auf Deutschland. Haller und Beckenbauer brachten die DFB-Elf mit 2:0 in Fhrung. Der Anschlusstreffer der Russen in der 88. Minute kam zu spt und konnte den Sieg der Deutschen nicht mehr verhindern. Die Portugiesen konnten im Halbfinalspiel gegen England erst in der 82. Minute durch einen Elfmeter ihr erstes Tor schieen. Zu spt, da die Briten davor be-reits mit zwei Treffern ein Polster aufgebaut hatten. Nun standen die Finalisten fest: Gastgeber England traf auf Deutschland. Die Portugiesen bezwangen dann die Russen im Spiel um den dritten Platz. Das Finale begann furios und bereits nach 20 Minuten stand es 1:1, durch Tore von Haller fr die Deutschen und Hurst fr die Briten. Kurz vor Ende der regulren Spielzeit erzielte der Brite Peters ein Tor, was in der dramatischen Nachspielzeit vom deutschen Verteidiger Weber zum 2:2 ausgeglichen wurde.In der 98. Spielminute entschied dann das legendre "Wembley Tor" die Partie. Wieder war der Englnder Hurst am Ball und nahm das deutsche Tor ins Visier.

    Er schoss an die Unterkante der Latte, woraufhin der Ball senk-recht nach unten prallte. Der Kl-ner Weber brachte den Ball dann zwar auf sicheres Terrain, doch der schweizerische Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied nach Rcksprache mit dem Linienrich-ter auf Tor.Dieses wohl berhmteste Tor der WM-Geschichte ist gleichzeitig auch das umstrittenste. Bei der deutschen Elf war danach die Luft raus und Hurst konnte fr die Briten in den Schlussminuten des Spiels noch den letzten Tref-fer dieser Weltmeisterschaft zum 4:2 erzielen. Dieser htte eigent-lich nicht mehr gewertet werden drfen, da sich bereits Zuschauer auf dem Spielfeld befanden.Gastgeber England jubelte und es war das erste und bisher einzige Mal, dass die Briten Fuball-Weltmeister wurden.

    Anekdote An dieser Weltmeisterschaft wurden vor dem Anpfiff keine Nationalhymnen gespielt. Eng-land hatte keine diplomatischen Beziehungen zum Teilnehmer-land Nordkorea und verweigerte das Spielen der nordkoreani-schen Hymne. Die FIFA be-schloss deshalb, auf smtliche Nationalhymnen whrend der Austragungen zu verzichten auer beim Finale.

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 E n g L A n D 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    torschtzenknig 9 tore

  • Mxico 70gASTFREUnDSchAFT pUR Gastfreundschaft und sengende Hitze

    die WM 1970 in Mexiko: Vom 31. Mai bis

    zum 21. Juni 1970 wurde die neunte Fuball-

    Weltmeisterschaft in Mexiko ausgetragen.

    Die Spielstrke der Gastgeber lie zwar zu

    wnschen brig, doch die WM in Mexiko ging

    als bis dato gastfreundlichste berhaupt in

    die Geschichte ein. Es gab auch einige Neue-

    rungen und nderungen. So hatten etwa die

    roten und gelben Karten Premiere.

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Bulgarien Bundesrepublik Deutschland

    England Italien Rumnien Schweden Sowjetunion Tschechoslowakei Sdamerika Brasilien Peru Uruguay

    Nord- und Mittelamerika El Salvador Mexiko Afrika Marokko Asien Israel

    FINALE Brasilien 4:1 Italien

    SPIEL UM PLATZ 3 Deutschland 1:0 Uruguay

    2425

  • 1970

    Die europischen Fuballfans freuten sich, dass die Spiele erstmalig in Farbe und live im Fernsehen bertragen wur-den. Das hatte zur Folge, dass aufgrund der Zeitverschie-bung insgesamt zwlf Spiele in der grten Mittagshitze um 12 Uhr stattfanden so konnte Europa am Feier-abend dem Geschehen vor der Flimmerkiste beiwohnen. Zu den bertragenen Spielen gehrten zum Beispiel das Viertelfinalspiel Deutschland gegen England und das Finale zwischen Brasilien und Italien.

    Die FIFA erlaubte den Mann-schaften auch, whrend den Begegnungen ihre Spieler aus-zutauschen, da man befrchtete, dass die sengende Hitze und die Hhe die Spieler zu sehr belaste. Ausgetragen wurden die WM-Spiele in Guadalajara, Len, Puebla, Toluca und natrlich im legendren Aztekenstadion von Mexiko City.

    Zum ersten Mal bei einer WM be-kamen Afrika und Asien einen ei-genen Platz, und so konnten sich Marokko und Israel auch gleich in der Qualifikation durchsetzen. berraschend landete Portugal als WM-Dritter von 1966 auf dem letzten Platz in seiner europ-ischen Gruppe. Auch Spanien und Jugoslawien kamen nicht weiter und mussten Belgien den Vortritt lassen.

    Deutschland sorgte bei die-ser WM in seinen Partien fr Gesprchsstoff liefernde Spiele. Jahrzehnte spter noch. Gegen England, den Weltmeister von 1966, bestritt das DFB-Team im Viertelfinale eines der span-nendsten Spiele der WM in Mexi-ko. Bis zur 67. Minute fhrten die Briten 2:0. Doch die Deutschen holten auf und schafften durch Beckenbauer und Seeler den Ausgleich. In der Verlngerung schickte Torjger Gerd Mller

    die Briten mit dem dritten Tor fr Deutschland wieder heim auf die Insel. Die Revanche fr die Finalniederlage von 1966 war geglckt.

    Uruguay, Brasilien, Italien und Deutschland hieen die Halbfina-listen. Seit Bestehen der Fuball-Weltmeisterschaft standen sich erstmals nur Ex-Weltmeister gegenber. Alle Augen lagen auf der deutschen Mannschaft, da sie als einziger Halbfinalist bisher erst einmal den WM-Pokal nach Hause geholt hatte.

    Im legendren Halbfinale ging Italien bereits in der 7. Spielmi-nute in Fhrung und schaffte es dank ihres schier unberwind-baren Catenaccios lange Zeit, ihr Tor zu schtzen. Der blaue Verteidigungsriegel hielt wie eine Betonwand den Angriffs-bemhungen der deutschen Elf stand. In der Nachspielzeit jedoch gelang dem in Italien spielenden deutschen Verteidiger Karl-Heinz Schnellinger in letzter Sekun-de der nicht mehr fr mglich gehaltene Ausgleichstreffer. In der Verlngerung gaben beide Mannschaften dann noch mal alles. Die legendren 30 Minuten von Mexiko City begannen. Gerd Mller brachte die Deutschen in Fhrung. Keines der beiden Teams steckte zurck. Italien mobilisierte noch mal alle Krfte in der sengenden Hitze von Mexiko City. Franz Beckenbauer spielte aufgrund einer schmerz-haften Schlsselbeinverletzung streckenweise mit festgebun-denem Oberarm. Das ebenfalls krftezehrende Spiel im Viertelfi-nale zuvor gegen England machte sich bei den Deutschen langsam bemerkbar. Konzentrationsfehler schlichen sich ein. Nach einem Fehler von Siggi Held glichen die Italiener aus und gingen sogar noch in der ersten Halbzeit der Verlngerung mit einem weiteren Tor durch Riva mit 3:2 in Fhrung. Gerd Mller erzielte in seiner unnachahmlichen Art ein weiteres Tor zum 3:3 Ausgleich. Aber nur eine Minute spter besiegelte Rivera den Finaleinzug und erzielte das 4:3 fr Italien. Noch heute erzhlen die Men-schen in den Straen Mailands, Turins, Roms oder Neapels von diesem Spiel und feiern den Sieg ihrer Mannschaft, aber auch das Spiel insgesamt gilt als eine der Sternstunden des Weltfuballs.

    Anekdoten Erstmals standen sich bei einer WM im Finale zwei Mann-schaften gegenber, die schon zweimal Weltmeister gewesen waren. Zu Beginn der Fuball-Weltmeisterschaft 1930 war bekannt gegeben worden, dass der Fuballverband mit drei Weltmeistertiteln den "Coupe Jules Rimet" behalten drfe in diesem Fall Brasilien.Brasiliens Fuball-Legende Mario Zagalo wurde mit dem Triumph 1970 zum ersten Fuballer, der sowohl als Spieler, wie auch als Trainer den WM-Titel erringen konnte. Zudem konnte sein spie-lerisch sthetisches und offensi-ves Team mit 19 selbst erzielten Treffern als bis dahin torhung-rigstes Team aller Zeiten in einer WM-Endrunde aufwarten.

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M E x I k O 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    Auch wenn es die deutsche Nationalmannschaft nicht bis ins Finale geschafft hatte, das Spiel ging als "Jahrhundertspiel" in die Geschichte ein. Eine Erinne-rungstafel am Aztekenstadion in Mexiko City erinnert sogar noch heute an diese Begegnung.

    Die andere Halbfinalpartie zwischen Uruguay und Brasilien war weit weniger spektakulr. Bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit lag die Mannschaft aus Uruguay mit 1:0 in Fhrung, als Brasilien in der 44. Minute den Aus-gleichstreffer landete. Die zweite Halbzeit gehrte dann ganz den Brasilianern. Pel & Co. besiegten Uruguay mit 3:1 und zogen ins Finale ein.

    Beim Finale im Aztekenstadion in Mexiko City standen sich also am 21. Juni 1970 zwei ausgespro-chene Fuball-Nationen vor ber 100.000 Zuschauern gegenber. Beide hatten bereits zweimal den WM-Titel errungen. Der Gewinner dieses Spiels wrde die damalige WM-Trophe den legendren Jules-Rimet-Cup auf ewig behalten drfen. Nach der ersten Halbzeit stand es 1:1 durch Tore von Brasiliens Pel und Italiens Boninsegna. Den Italienern merkte man die Anstrengungen der Halbfinal-Schlacht gegen die deutsche Mannschaft deutlich an. In der zweiten Halbzeit gelang den Italienern kein weiteres Tor und sie vermochten es auch nicht, das eigene Tor mit ihrem Abwehrbollwerk zu schtzen. So gewannen die Brasilianer verdient mit 4:1 und brachten den WM-Titel mit Pokal nach Hause. Das Finale 1970 war zudem das letzte Spiel von Pel im Trikot der "Seleo".

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  • deutschland 74DER FELDZUg DES kAISERS Deutschland hatte die Ehre, Gastgeber

    fr die zehnte Fuballweltmeisterschaft

    vom 13. Juni bis zum 7. Juli 1974 zu sein.

    Nachdem zwei Jahre zuvor die Sommer-

    olympiade in Deutschland stattgefunden

    hatte, war man fr die Fuball-WM gut

    vorbereitet.

    WM TEILNEHMER Europa Bulgarien Bundesrepublik Deutschland

    Deutsche Demokratische Republik Italien Jugoslawien Niederlande Polen Schottland Schweden Sdamerika Argentinien Brasilien Chile Uruguay Nord- und Mittelamerika Haiti

    Afrika Zaire Ozeanien Australien

    FINALE Deutschland 2:1 Niederlande

    SPIEL UM PLATZ 3 Polen 1:0 Brasilien

    2627

  • 1974

    Insgesamt 16 Nationalmann-schaften spielten in den neun Stadien in Berlin, Dortmund, Dsseldorf, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Han-nover, Hamburg, Mnchen und Stuttgart um den Titel. Anforderung an alle Stadien war, mindestens 60.000 Zu-schauer zu fassen. Das West-falenstadion in Dortmund unterschritt dies mit 53.000 Pltzen zwar, hatte aber 90% der Zuschauerpltze ber-dacht und kam trotzdem mit vier Spielen zum Zug.

    Es hatten sich 99 Mannschaften angemeldet, von denen schluss-endlich 90 die Qualifikation bestritten. Gastgeber Deutsch-land und Titelverteidiger Brasilien waren automatisch qualifiziert, sieben Mannschaften zogen ihre Bewerbung zurck. England schied berraschenderweise gegen Polen in der Qualifikation aus. Erstmals schafften es Aus-tralien, die DDR, Haiti sowie Zaire in die Endrunde.

    Fr die Endrunde kam auch ein neues Spielsystem zur Anwen-dung. Wie gehabt bildeten die 16 Endrunden-Teilnehmer vier Gruppen mit je vier Mannschaf-ten, die gegeneinander spielten. Das Turnier wurde aber nicht im K.-o.-System fortgesetzt, bei dem die Verlierer ausscheiden. Stattdessen kamen die jeweils ersten beiden in die nchste Runde weiter. Das Turnier wurde damit ber zwei Zwischenrun-den mit je vier Mannschaften gespielt. Die Sieger der zweiten Finalrunde bestritten dann das Finale um die Weltmeisterschaft, die Zweitplatzierten das Spiel um Platz drei.

    In der ersten Finalrunde gewann die DDR mit 2:0 gegen Australien und schaffte ein 1:1 Unentschie-den gegen Chile. Daraufhin fand das einzige jemals ausgetragene A-Lnderspiel zwischen der BRD und der DDR statt. Die Auswahl der DDR gewann berraschend durch ein Tor von Jrgen Spar-wasser mit 1:0 und wurde damit Gruppensieger. Fr die BRD war es das einzige Spiel, das sie whrend dieser WM verlor. Im Anschluss an diese Partie sorgte Kapitn Franz Beckenbauer fr neuen Geist in der Mannschaft. Er fand klare Worte, kritisierte, taktierte und motivierte seine Mitspieler. Bundestrainer Helmut Schn sprach von diesem Zeit-punkt an alle Manahmen mit dem "Kaiser" ab.

    Der Titelverteidiger Brasilien ent-tuschte in der ersten Finalrunde mit zwei 0:0 gegen Jugoslawien und Schottland, rettete sich aber mit einem 3:0 Sieg ber Zaire in die zweite Finalrunde. Dort ge-wannen sie zwar gegen die DDR und Argentinien, wurden aber von den Niederlndern besiegt. Diese hatten damit den Einzug ins Finale geschafft. Die BRD und Polen hatten sich in der zweiten Gruppe bereits gegen Jugoslawien und Schwe-den durchgesetzt und trafen im Frankfurter Waldstadion aufei-nander, um den Kampf um den Einzug ins Finale zu bestreiten. Die Begegnung ging als "Was-serschlacht von Frankfurt" in die Fuballgeschichte ein. Nach einem heftigen Wolken-bruch vor Spielbeginn versuchte

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 D E U T S c h L A n D 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    torschtzenknig: grzegorz lato (polen) 7 tore

    die Feuerwehr, das Wasser mit Walzen vom Spielfeld zu verdrngen. Ganz gelang es ihnen nicht, und so mussten sich beide Mannschaften mit den widrigen Spielverhltnissen arrangieren. Die Partie endete zugunsten der Deutschen nach einem Tor von Gerd Mller mit 1:0, womit die BRD ins Finale gegen die Nieder-lande einzog. Brasilien gewann im Spiel um den dritten Platz gegen die polnische Mannschaft mit 1:0.Im Finalspiel im Mnchner Olym-piastadium gingen die favori-sierten Niederlande nach einem Elfmeter bereits in der zweiten Spielminute mit 1:0 in Fhrung. In der 25. Spielminute kam dann der Deutsche Paul Breitner zum Elfmeterpunkt und erzielte den Ausgleich. Noch heute sind die Niederlnder berzeugt, dass es sich bei der Attacke auf Benrd Hlzenbein im Strafraum nicht um ein Foul handelte. Danach ging es mit der Spielleistung der deutschen Nationalelf auf-wrts. Noch whrend der ersten Halbzeit legte Bonhof vor und Mller schoss das zweite Tor fr Deutschland. Die Niederlnder mussten die berhmte Pool-Affre verkraften. Eine deutsche Boulevardzeitung berichtete ber angebliche Pool-Partys mit nackten Mdchen im Quartier der Niederlnder. Das hatte Johann Cruyffs Ehefrau Danny dazu gebracht, ihren Mann anzurufen. Fast die ganze Nacht vor dem WM-Finale soll Cruyff mit seiner aufgebrachten Frau telefoniert haben. Fr seine Leistung tags darauf war das berhmteste Telefonat der Fuballgeschichte sicherlich nicht frderlich. Cruyff konnte das Spiel seiner Mann-schaft nicht wie gewohnt lenken und blieb weit unter seinen Mglichkeiten.Das Finale endete mit dem 2:1 Sieg fr Deutschland, und zum zweiten Mal seit Bestehen der Fuballweltmeisterschaft hielten

    die Deutschen den Siegerpokal in den Hnden. Der bis dahin vergebene "Coupe Jules Rimet" wurde bei dieser WM vom neuen FIFA-Weltmeisterschaftspokal abgelst, da er nach drei ge-wonnenen Weltmeisterschaften 1970 in den Besitz der Brasilianer bergegangen war. Der neue FIFA-Pokal, mehr als sechs Kilo-gramm schwer und aus massi-vem 18 Karat Gold, wird von nun an bei jeder WM an das nchste Siegerteam weitergereicht. Jeder Titelgewinner erhlt eine vergol-dete Nachbildung.

    Anekdote Beim Festbankett nach dem Sieg waren zwar die Frauen der Funkti-onre mit dabei, die Partnerinnen der Spieler hatten jedoch keinen Zutritt. Darber emprt traten einige Nationalkicker aus der Elf zurck, darunter auch Gerd Ml-ler und Wolfgang Overath. Jeder Spieler der deutschen Elf erhielt nach dem Weltmeistertitelgewinn 60.000 DM und einen VW-Kfer. Ursprnglich hatten die Spieler 100.000 DM verlangt, nachdem sie erfahren hatten, dass Italien seinen Kickern bei einem WM-Erfolg umgerechnet 120.000 DM zahlen wrde. Die deutsche Nationalelf wurde in Deutschland auch zur Mannschaft des Jahres gewhlt, Franz Beckenbauer erhielt den Titel "Fuballer des Jahres".

  • 1978 1 9 3 0 U r U g U a y

    1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 A R g E n T I n I E n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a & J a p a n 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    2829

  • Das sdamerikanische Land galt im Vorfeld der WM nicht gerade als Vorzeigekandi-dat. Im Mrz 1976 hatte das Militr unter Jorge Rafael Videla die Macht bernom-men und sorgte fr Terror und Schrecken im Land. Die Deutschen hatten im Vorfeld der Weltmeisterschaft sogar einen Boykott diskutiert, fuh-ren dann aber trotzdem nach Sdamerika.

    Gespielt wurde die WM 1978 in sechs Stadien und fnf Stdten. Die Hauptstadt Buenos Aires war mit zwei Arenen vertreten und war Austragungsort des Endspiels. Insgesamt nahmen 16 Lnder teil, die zunchst in vier Vorrundengruppen um die acht Finalrundenpltze kmpften.

    Die deutsche Mannschaft reiste als Titelverteidiger nach Sdamerika und trat letztmals unter dem Bundestrainer Helmut Schn bei einem groen Turnier

    auf. Das Team startete mit einem 0:0 gegen Polen in die WM. Es folgte ein 6:0 gegen Mexiko und ein weiteres torloses Remis gegen die Tunesier. Damit war der amtierende Weltmeister in der Finalrunde. Einem 0:0 gegen Italien folgte ein 2:2 gegen die Niederlande und dann kam das Spiel, ber das noch heute jeder Fuballfan etwas zu erzhlen hat. Am 21. Juni 1978 traf Deutsch-land auf sterreich und das Spiel ging als "Wunder von Cordoba" oder "Schmach von Cordoba" in die Geschichtsbcher der beiden Fuball-Nationen ein je nachdem auf welcher Seite der Grenze man nun gerade wohnte. 2:3 unterlagen die Deutschen, die damit ihre Koffer packen muss-ten und den Heimweg antraten brigens genauso wie die sterreicher, die in der Vorrunde noch Schweden und Spanien besiegt hatten.

    Auch wenn den sterreichischen Kickern der Einzug ins Finale oder zumindest ins Spiel um den dritten Platz (das Brasilien 2:1 gegen Italien gewann) versagt blieb, waren sie irgendwie den-noch im Endspiel vertreten. Der sterreicher Ernst Happel war Trainer der niederlndischen Nati-onalmannschaft und fhrte das Team zum zweiten Mal in Folge in ein WM-Endspiel. 1974 war die Mannschaft im Finale um Johan

    argentina 78DER 'gRAnTLER' IM FInALE 1966 entschied die FIFA in London ber die

    Vergabe der nchsten drei Weltmeisterschaften.

    Neben Deutschland 1974 und Spanien 1982 wurde

    Argentinien als Gastgeber 1978 fr die 11. Auflage

    der Fuball-Weltmeisterschaft von der FIFA

    festgelegt.

    Cruyff und unter Trainer Rinus Michels noch Deutschland unter-legen und vier Jahre spter setzte Oranje auf einen sterreicher. Im Finale trafen die Gastgeber in ihren traditionell himmelblau-weien Trikots auf die "Oranjes" aus den Niederlanden, den Vize-weltmeister von 1974. "Grantler" Happel war vom niederlndischen Verband nur fr das Turnier in Argentinien verpflichtet worden und traf im Endspiel auf einen weiteren groen Coach seiner Zeit: Cesar Luis Menotti.

    genannt el Flaco (der dnne)

    Natrlich spielten die Niederlnder in der Abwehr traditionell mit ihrer Raumdeckung. Happel setzte wie bei Ajax Amsterdam zudem auf einen Drei-Mann-Sturm und vor allem auf das Pressing seiner vorgezogenen Abwehrkette. Dieses System berzeugte nicht nur whrend der Vor- und der Finalrunde, sondern auch whrend der regulren Spielzeit im End-

    spiel. Die Argentinier fhrten zwar seit der 38. Minute mit 1:0 durch Mario Kempes, doch Nanninga glich neun Minuten vor Schluss aus. Die Zuschauer im Stadion von Buenos Aires peitschten ihre Mannschaft lautstark nach vorne. Die Argentinier waren beflgelt von den Emotionen auf den Rngen. Zwar hatten die Niederlnder keinen Johan Cruyff mehr in ihren Reihen, doch Happel holte aus der Mann-schaft das Optimum heraus. In der Verlngerung machten die Gastgeber dann alles klar und lieen den Niederlndern keine Chance. Noch einmal Mario Kem-pes und Bertoni zum 3:1 setzten den vielumjubelten Schlusspunkt unter eine Weltmeisterschaft, bei der nicht nur der Fuball im Mit-telpunkt stand. Felix Magath, der spter unter Happel beim Ham-burger SV spielte, sagte einmal: "Happel wre in jedem anderen Land Weltmeister geworden, scheiterte aber am Heimvorteil des Gegners." Dank Ernst Happel haben die sterreicher die WM in Argentinien gleich in doppelt guter Erinnerung.

    torschtzenknig 6 tore

    WM TEILNEHMER Europa Bundesrepublik Deutschland Frankreich

    Italien Niederlande sterreich Polen Schottland Schweden Spanien Ungarn Sdamerika Argentinien

    Brasilien Peru Nord- und Mittelamerika Mexiko Afrika Tunesien Asien Iran

    FINALE Argentinien 3:1 n.V. Niederlande

    SPIEL UM PLATZ 3 Brasilien 2:1 Italien

  • espaa 82DEUTSch-ITALIEnISchES FInALE Die WM in Spanien brachte eine Neu-

    erung, denn zum ersten Mal nahmen

    24 Mannschaften an einem Turnier teil.

    Auch die Vergabe der Titelkmpfe sorgte

    fr einen Rekord. Schon 1966 stellte die

    FIFA Spanien als Gastgeberland fr die

    Weltmeisterschaft 1982 vor.

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Bundesrepublik Deutschland England

    Frankreich Italien Jugoslawien Nordirland sterreich Polen Schottland Sowjetunion Spanien Tschechoslowakei Ungarn

    Sdamerika Argentinien Brasilien Chile Peru Nord- und Mittelamerika El Salvador Honduras Afrika Algerien

    Kamerun Asien Kuwait Ozeanien Neuseeland

    FINALE Italien 3:1 Deutschland

    SPIEL UM PLATZ 3 Polen 3:2 Frankreich

    3031

  • 1982

    Whrend die blichen Favo-riten ihr WM-Ticket locker lsten, fanden die Spiele in 14 Stdten mit insgesamt 17 Sta-dien ohne den Vizeweltmeis-ter von 1974 und 1978 statt. Die Niederlande scheiterten berraschend in der Qualifika-tion als Gruppenvierter hinter Belgien, Frankreich und Irland.

    Obwohl die Favoriten auf den Titel allesamt den Sprung in die Final-runde schafften, sorgten einige berraschungen fr ein Aufhor-chen. Belgien machte dabei den Anfang, als die Mannschaft um Trainer Guy Thys im Erffnungs-spiel den amtierenden Weltmeis-ter Argentinien mit 1:0 besiegte. Auch die Nordiren legten sich mchtig ins Zeug und wurden vor Spanien und Jugoslawien Erster der Vorrundengruppe. Die Ungarn machten auf sich aufmerksam, indem sie in ihrem Vorrundenspiel El Salvador mit 10:1 schlugen und damit fr eines der torreichsten WM-Spiele verantwortlich waren. Doch es gab auch nachdenkliche Momente bei der WM und die deutsche Nationalmannschaft war mittendrin. Im abschlieenden Vorrundenspiel gegen sterreich reichte beiden Teams ein knapper deutscher Sieg, damit Algeri-en ausschied. Strmer Horst Hrubesch traf frh zum 1:0 und die Kontrahenten stellten von nun an jegliche ernsthafte Angriffs-bemhungen ein. Der "Nichtan-griffspakt von Gijn" fhrte dann schnell zu einer Regelnderung. Ab der WM 1986 wurden die jeweils letzten Gruppenspiele nur noch zeitgleich angepfiffen.

    Nach den Vorrundenspielen ging es in vier Dreiergruppen weiter. Deutschland traf dabei auf Spani-en und England und setzte sich als Gruppensieger durch. Ein 2:1 ge-gen die Gastgeber hatte gereicht und das 0:0 gegen England war

    bedeutungslos. Neben Deutsch-land, dem amtierenden Europa-meister, schafften auch Polen, Italien und Frankreich den Sprung ins Halbfinale. Somit war Europa in der Vorschlussrunde unter sich. Die starken Italiener setzten sich dann im ersten Halbfinale gegen die Polen durch.

    In einem legendren Halbfinale wurde der zweite Endspielteil-nehmer zwischen Deutschland und Frankreich ermittelt. Nach aufregenden 90 Minuten stand es 1:1. Doch Fuball schien zur Nebensache zu werden. Stattdes-sen tat die DFB-Elf alles, das Bild vom "hsslichen Deutschen", den "Bsewichten der Weltgeschich-te", aufrechtzuerhalten. Ausl-ser war neben den bisher eher schwachen Leistungen im Turnier mit dem Skandalspiel gegen sterreich vor allem die Reaktion von Torwart Toni Schumacher nach seinem brutalen Foul an Battiston. Der Franzose strmte einem Ball hinterher, whrend der deutsche Keeper ihm entgegenlief, sich im Sprung seitlich wegdrehte und Battiston mit voller Wucht ansprang. Schumachers Hfte traf gegen den Kopf des Fran-zosen, der mit Wirbelbruch und einigen ausgeschlagenen Zhnen am Boden liegen blieb. Whrend der Behandlung des Franzosen machte Schumacher provokante Aufwrmbungen und lie sich hinterher zu dem Kommentar hinreien: "Unter Profis gibt es kein Mitgefhl. Sagt ihm, ich zahle ihm die Jacketkronen." Das Spiel ging im Anschluss in die Verlngerung. Dort fhrte Frank-reich bereits mit 3:1, ehe sich die deutsche Mannschaft mit einem Kraftakt und einem Fallrckzieher von Klaus Fischer zum 3:3 ins Elfmeterschieen rettete. Alain Giresse, Manfred Kaltz, Manuel Amoros, Paul Breitner und Do-minique Rocheteau verwandelten ihre Strafste. Dem Deutschen Uli Stielike versagten die Nerven und er verschoss. "Am liebsten wre ich gestorben", sagte der Libero der deutschen Auswahl spter ber die Situation. Er lag zusammengekauert am Boden, doch schon der nchste Elfmeter sorgte wieder fr Erleichterung. Der Franzose Didier Six verschoss ebenfalls. Und als dann noch Maxime Bossis seinen Versuch nicht an Toni Schumacher vorbei ins Tor brachte, stand Deutsch-land im Endspiel gegen Italien.

    Rechtzeitig zur WM 1982 war er wieder spielberechtigt und wurde trotz des Skandals in den italienischen Kader berufen. In den ersten Spielen traf er nicht, doch dann explodierte Paolo Rossi frmlich. Beim 3:2-Erfolg der Italiener gegen den Favoriten aus Brasilien machte Rossi drei Tore und im Halbfinale besiegte er die Polen beim 2:0 mit seinen beiden Treffern quasi im Alleingang.

    Im Endspiel gegen die Deutschen traf er erneut zum 1:0 und wurde damit Weltmeister und Torscht-zenknig. Zudem whlte man den Italiener 1982 zu "Europas Fuballer des Jahres". Vier Jahre spter in Mexiko war bei Rossi der Torinstinkt dann nicht mehr vorhanden. Er wurde von Trainer Enzo Beazot nicht eingesetzt und beendete ein Jahr spter seine Fuballerkarriere. Und doch kann sich seine Bilanz sehen lassen: In 48 Lnderspielen erzielte er 20 Tore.

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 S p A n I E n 1 9 8 6 M e x I k o 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    torschtzenknig 6 tore

    "Ein herrliches Endspiel" sah die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport und auch die Kronen-zeitung aus sterreich urteilte hnlich: "Italiens klarer Sieg war mehr als verdient!" Im ersten Abschnitt hatten die Deutschen noch mitgehalten, die Italiener spielten verhalten und ideenlos. Doch dann startete die italienische Elf zu einem Rundumschlag und lag zehn Minuten vor dem Abpfiff mit 3:0 in Fhrung. Paul Breitner sorgte mit seinem Treffer fr nicht mehr als eine Ergebniskorrektur.

    So gratulierte DFB-Bundestrainer Jupp Derwall fair dem Sieger: "Ich gratuliere den Italienern, sie haben verdient gewonnen!" Die deutsche Mannschaft hat aus dem Turnier das Optimale herausgeholt, am Ende reichten die Krfte dann jedoch nicht mehr. Fr Derwall war es das letzte Turnier, der Nach-folger von Helmut Schn wurde nach der schwachen Europameis-terschaft 1984 abgelst von Franz Beckenbauer.

    Zur Mannschaft des neuen Welt-meisters gehrte auch ein Spieler, der fr viel Gesprchsstoff ge-sorgt hatte vor und whrend des Turniers: Paolo Rossi. Die Karriere des bei der WM 25-jhrigen Rossi schien aller-dings beendet zu sein. Zwar war er bei der WM 1978 schon dabei und erzielte gegen Frankreich auch einen Treffer, doch 1979 war er in einen Skandal verwickelt gewesen. Beim 2:2 seines Vereins Perugia erzielte er zwei Tore, die Partie soll jedoch verschoben worden sein. Rossi selbst beteuerte stets seine Unschuld und wurde doch fr drei, spter fr zwei Jahre gesperrt.

    WMSTORIES 24 I 25

  • Mxico 86'pIBE DE ORO' Eigentlich sollte die 13. Fuball-

    Weltmeisterschaft gar nicht in Mexiko

    stattfinden. Erst 1983 entschied sich

    die FIFA fr Mexiko und damit gegen

    Kolumbien. Die Kolumbianer hatten

    eigentlich 1974 den Zuschlag bekommen,

    die Rckgabe der Titelkmpfe ist noch

    heute undurchsichtig.

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Bulgarien Dnemark Bundesrepublik Deutschland

    England Frankreich Italien Nordirland Polen Portugal Sowjetunion Spanien Schottland Ungarn Sdamerika Argentinien Brasilien

    Paraguay Uruguay Nord- und Mittelamerika Kanada Mexiko Afrika Algerien Marokko Asien Irak Sdkorea

    FINALE Argentinien 3:2 Deutschland

    SPIEL UM PLATZ 3 Frankreich 4:2 n.V. Belgien

    3233

  • 1986

    Erdbeben, berschwemmungs-katastrophe und Rezession sind die einen Argumente, die Aufstockung der Teilnehmer-zahl auf 24 und die Nichter-fllung der FIFA-Auflagen die anderen. Trotz eines schweren Erdbebens im September 1985 lud Mexiko die Vlker der Fuballwelt zur WM.

    Entgegen der bisherigen Titel-kmpfe wurde die WM 1986 in sogenannten K.-o.-Spielen aus-getragen. Nach einer Vorrunde mit sechs Vierergruppen ging es ins Achtelfinale und so weiter. In dieser Vorrunde gab es kaum berraschungen, vielleicht auch deshalb, weil von den 24 Mann-schaften 16 die nchste Runde erreichten. Doch dann kam das erste Favoritensterben. Der amtierende Weltmeister Italien unterlag Frankreich und durfte damit genauso abreisen wie die Sowjetunion um ihren Star Igor Belanov. Die Sowjets unterlagen den Belgiern nach Verlngerung.

    Whrend die Argentinier viel Mhe mit Uruguay hatten, setzte sich England klar mit 3:0 gegen Paraguay durch. Auch die Deut-schen standen im Viertelfinale. Ein sptes Freistotor von Lothar Matthus sorgte fr die Entschei-dung gegen Marokko in einem glanzlosen Spiel.

    Dramatik pur boten dann die vier Viertelfinalpartien, von denen drei erst nach einem Elfmeterschieen einen Sieger hervorbrachten. Doch auch die vierte Begegnung sorgte fr viel Gesprchsstoff dank eines nur 165 Zentimeter groen Diego Armando Maradona. Die Argen-tinier setzten sich gegen England mit 2:1 durch beide Treffer machte Maradona, einmal mit der Hand und kurz danach nach einem genialen Alleingang ber das halbe Spielfeld. Einziger Trost: Der Englnder Gary Lineker konnte sich die Krone der Strmer aufsetzen.

    In einem ganz besonderen Spiel setzten sich die Franzosen gegen Brasilien durch. Es war ein Hin und Her mit zwei Mittelfeldrei-hen, die ihresgleichen suchten. Die Equipe Tricolore gewann letztlich glcklich im Elfmeter-schieen und stand damit wie schon vier Jahre zuvor wieder im Halbfinale.

    Gegner der Franzosen waren dort erneut die Deutschen, die sich in ihrem Viertelfinale gegen Mexiko durchsetzten. Viele Fouls und zwei Platzverweise prgten die Partie, in der die Deutschen in der Verlngerung den lngeren Atem hatten doch das Tor trafen auch sie nicht. Erst im Elfmeterschie-en setzten sich die Kicker des DFB dann souvern mit 4:1 durch, und Toni Schumacher hielt zwei Strafste der Mexikaner. Fr die Sensation des Viertelfinales sorg-ten aber die Belgier, die gegen Spanien lange fhrten und kurz vor Schluss noch den Ausgleich kassierten. Ein verschossener Elfmeter der Spanier (Jean-Marie Pfaff hielt gegen Eloy) gab dann den Ausschlag fr die Belgier.

    Die Deutschen lebten im Halbfinale gegen Frankreich von ihrem Teamgeist und zeigten das beste Spiel des Turniers. Kaum jemand hatte mit einer derart starken Leistung gerechnet, ein

    Anekdote Den Hhepunkt erreichte Mara-dona beim Viertelfinalspiel gegen England. In der 51. Minute er-schien die "Hand Gottes" auf dem Rasen des Azteken-Stadions von Mexiko-City. Maradona springt hoch, es sieht aus, als wolle er zum Kopfball ansetzen. Alle bis auf den tunesischen Schieds-richter Ali Bennaceur hatten es gesehen mit dem Kopf hat Maradona den Ball nicht gespielt es war seine linke Hand.Direkt im Anschluss machte Maradona dann das zweite Tor des Tages. Und was fr eins. Er umdribbelte die halbe englische Mannschaft ber eine Distanz von 60 Metern.

    Allein dieses Spiel mit seinen bei-den unglaublichen Toren zeigt den Spieler und Menschen Maradona fast immer zwischen Genie und Wahnsinn.

    1 9 3 0 U r U g U a y 1 9 3 4 I t a l I e n 1 9 3 8 F r a n k r e I c h 1 9 5 0 B r a s I l I e n 1 9 5 4 s c h w e I z 1 9 5 8 s c h w e d e n 1 9 6 2 c h I l e 1 9 6 6 e n g l a n d 1 9 7 0 M e x I k o 1 9 7 4 d e U t s c h l a n d 1 9 7 8 a r g e n t I n I e n 1 9 8 2 s p a n I e n 1 9 8 6 M E x I k O 1 9 9 0 I t a l I e n 1 9 9 4 U s a 1 9 9 8 F r a n k r e I c h 2 0 0 2 s d k o r e a 2 0 0 6 d e U t s c h l a n d

    frhes Tor von Andreas Brehme tat ein Weiteres. Die Franzosen waren verunsichert und kamen nicht mehr zurck ins Spiel. Kurz vor Schluss erzielte Rudi Vller das 2:0 und besiegelte den Finaleinzug der DFB-Auswahl. Das zweite Halbfinale entschied wieder Maradona, dessen Dop-pelpack gegen Belgien den Weg ins Endspiel ebnete.

    Dort gab die deutsche Mann-schaft wieder alles. Am Ende war es die mangelnde Defensivarbeit, die den Ausschlag zugunsten der Argentinier gab. "Nach dem Ausgleich haben wir zu eupho-risch gespielt", meinte Karl-Heinz Rummenigge, "das war die Ursache fr die Niederlage." Jos Brown (23.) und Jorge Valdano (56.) hatten den Weltmeister von 1978 in Fhrung geschos-sen, doch die DFB-Auswahl gab nicht auf und kam durch Treffer von Karl-Heinz Rummenigge (74.) und Rudi Vller (82.) zum verdienten Ausgleich. Statt nun die Zeit bis zur Verlngerung mit einem konsequenten Abwehrrie-gel zu berstehen, strmten die Deutschen weiter und kassierten fnf Minuten vor dem Abpfiff durch Jorge Burruchaga das 2:3. Franz Beckenbauer sah es gelassen und gratulierte den Argentiniern. Sie htten verdient das Endspiel gewonnen, so der "Kaiser" im Anschluss, "doch wir sind auch ein verdienter Vize-Weltmeister."

    Im Finale blieb Diego Armando Maradona verglichen mit seinen vorherigen Auftritten eher blass, doch der Weltmeisterschaft 1986 hat er ganz klar seinen Stempel aufgedrckt. Maradona war der Superstar und trieb die Argenti-nier ins Finale. Dort angekommen bernahmen andere, aber Mara-dona war fr alle "Pibe de Oro", der Goldjunge.

    torschtzenknig 6tore

    "wM-tor des Jahrhunderts" (FIFa Internet abstimmung 2002)

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  • Italia 90DIE ZEIT DER hELDEn Die WM in Italien stand ganz im Zeichen der

    deutschen Nationalmannschaft. Die Elf von

    Teamchef Franz Beckenbauer holte sich nach

    1954 und 1974 den dritten Weltmeistertitel.

    Und mit dem "Kaiser" stellte die DFB-Auswahl

    den zweiten Spieler nach dem Brasilianer Mario

    Zagallo, der sowohl als Spieler als auch als

    Trainer den WM-Titel holte.

    WM TEILNEHMER Europa Belgien Deutschland England Irland Italien

    Jugoslawien Niederlande sterreich Rumnien Schottland Schweden Sowjetunion Spanien Tschechoslowakei

    Sdamerika Argentinien Brasilien Kolumbien Uruguay Nord- und Mittelamerika Costa Rica USA Afrika gypten

    Kamerun Asien Sdkorea V.A. Emirate

    FINALE Deutschland 1:0 Argentinien

    SPIEL UM PLATZ 3 Italien 2:1 England

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  • 1990

    Italien setzte sich gegen die Sowjetunion als Ausrich-ter durch und war damit nach 1934 zum zweiten Mal Gastgeber einer Fuball-WM. Insgesamt qualifizierten sich 24 Mannschaften, nachdem zur Qualifikation 112 National-mannschaften angetreten wa-ren. Drei Mannschaften waren zum ersten Mal dabei: Costa Rica, Irland und die Vereinig-ten Arabischen Emirate. Ins-gesamt waren die Titelkmpfe eher wenig spektakulr, boten aber einige Rekorde. So fielen noch nie weniger Tore pro Begegnung, und die Schieds-richter zeigten insgesamt 16 rote Karten. Rekord.

    Schon in der Vorrunde gab es einige berraschungen. Whrend sich die Italiener ohne Probleme durchsetzten, musste die hoch eingeschtzte Sowjetuni