Raffinerien G old ist Schweigen - danielbuetler.ch · niert so: 12,5-Kilogramm-Barren aus Londoner...

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TEXT: DANIEL BüTLER D ie Geheimhaltung beginnt schon auf der Strasse: Erst der dritte Passant weiss, wo sich der Sitz von Argor-Heraeus befindet. Und das im Tessiner Dorf Mendrisio, keine fünf Gehminuten entfernt von einer der wichtigsten Goldraffinerien der Welt. Das Areal ist von hohen Mauern und Stacheldraht umzäunt. Drinnen muss der Besucher als Erstes mit seiner Unterschrift bestätigen, nichts von dem weiterzugeben, was er hier sieht. «Der Zugang ins Allerheiligste ist nur wenigen gestattet», sagt Co-Geschäfts- führer Wilfried Hörner. Er wird beim Rundgang von zwei Medienverantwort- lichen flankiert. Es scheint eine Ehre zu sein, das Innerste von Argor-Heraeus be- treten zu dürfen. Dorthin gelangt man durch eine Sicherheitsschleuse. In den Heiligtümern selbst wird man beinahe geblendet vom Glanz des Goldes. Im Gang stehen palettenweise Goldbarren. Es ist wie in einem Dagobert-Duck-Traum. Gearbeitet wird hier viel von Hand: Die Raffinerie erinnert eher an eine Werkstatt als an einen Hightechbetrieb. Es lohne sich nicht, die Produktion zu automatisie- ren, sagt Hörner, man stelle jeweils kleine Serien von 500 bis 1000 Barren her. Doch auch Kleinvieh macht Mist: Die sechs Schweizer Goldraffinerien expor- tierten im Rekordjahr 2013 Edelmetall im Wert von 120 Milliarden Franken – so viel wie die Exporte der Pharma-, Uhren- und Maschinenindustrie zusammen (siehe Grafik, nächste Doppelseite). Die Zahlen waren jahrzehntelang geheim Welche gewaltigen Mengen Gold in der Schweiz umgesetzt werden, war der Öf- fentlichkeit bis vor kurzem nicht bewusst. Mehr als 30 Jahre lang wurden die ent- sprechenden Zahlen geheim gehalten – auch, um die Branche zu schützen. Nie- mand sollte erfahren, wie viel Gold aus dem Apartheidsland Südafrika oder der totalitären Sowjetunion eingeführt wur- de. Die Raffinerien arbeiteten im Verbor- genen, wie die Schweizer Grossbanken – ihre Besitzer. Argor-Heraeus etwa war von 1973 bis 1999 mehrheitlich im Besitz der Schweizerischen Bankgesellschaft, die Teil der jetzigen UBS ist. Heute gehört sie der deutschen Heraeus-Gruppe, der Commerzbank, der Münze Österreich und dem Management. Seit 2014 ist die Aussenhandelsstatistik für Gold öffentlich. Doch die Branche übt sich weiterhin in Diskretion. Auf den Websites der privat gehaltenen Goldraffi- FOTO: KARL MATHIS/KEYSTONE Raffinerien Gold ist Schweigen Nirgendwo wird so viel reines Gold produziert wie in der Schweiz. Fragen zur Herkunft beantwortet man aber ungern. 28

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Transcript of Raffinerien G old ist Schweigen - danielbuetler.ch · niert so: 12,5-Kilogramm-Barren aus Londoner...

TexT: Daniel BTler

D ie Geheimhaltung beginnt schon auf der Strasse: Erst der dritte Passant weiss, wo sich der Sitz von Argor-Heraeus befindet. Und das im Tessiner Dorf Mendrisio, keine fnf Gehminuten entfernt von einer der wichtigsten Goldraffinerien der Welt.

Das Areal ist von hohen Mauern und Stacheldraht umzunt. Drinnen muss der Besucher als Erstes mit seiner Unterschrift besttigen, nichts von dem weiterzugeben, was er hier sieht.

Der Zugang ins Allerheiligste ist nur wenigen gestattet, sagt Co-Geschfts-fhrer Wilfried Hrner. Er wird beim Rundgang von zwei Medienverantwort-lichen flankiert. Es scheint eine Ehre zu sein, das Innerste von Argor-Heraeus be-treten zu drfen. Dorthin gelangt man durch eine Sicherheitsschleuse. In den Heiligtmern selbst wird man beinahe geblendet vom Glanz des Goldes. Im Gang stehen palettenweise Goldbarren. Es ist wie in einem Dagobert-Duck-Traum.

Gearbeitet wird hier viel von Hand: Die Raffinerie erinnert eher an eine Werkstatt als an einen Hightechbetrieb. Es lohne sich nicht, die Produktion zu automatisie-ren, sagt Hrner, man stelle jeweils kleine Serien von 500 bis 1000 Barren her.

Doch auch Kleinvieh macht Mist: Die sechs Schweizer Goldraffinerien expor-tierten im Rekordjahr 2013 Edelmetall im Wert von 120 Milliarden Franken so viel wie die Exporte der Pharma-, Uhren- und Maschinenindustrie zusammen (siehe Grafik, nchste Doppelseite).

Die Zahlen waren jahrzehntelang geheimWelche gewaltigen Mengen Gold in der Schweiz umgesetzt werden, war der f-fentlichkeit bis vor kurzem nicht bewusst. Mehr als 30 Jahre lang wurden die ent-sprechenden Zahlen geheim gehalten auch, um die Branche zu schtzen. Nie-mand sollte erfahren, wie viel Gold aus dem Apartheidsland Sdafrika oder der totalitren Sowjetunion eingefhrt wur-de. Die Raffinerien arbeiteten im Verbor-genen, wie die Schweizer Grossbanken ihre Besitzer. Argor-Heraeus etwa war von 1973 bis 1999 mehrheitlich im Besitz der Schweizerischen Bankgesellschaft, die Teil der jetzigen UBS ist. Heute gehrt sie der deutschen Heraeus-Gruppe, der Commerzbank, der Mnze sterreich und dem Management.

Seit 2014 ist die Aussenhandelsstatistik fr Gold ffentlich. Doch die Branche bt sich weiterhin in Diskretion. Auf den Websites der privat gehaltenen Goldraffi- fo

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Gold ist SchweigenNirgendwo wird so viel reines Gold produziert wie in der Schweiz. Fragen zur Herkunft beantwortet man aber ungern.

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Glnzender Geschftsgang: in Sachen Gold (hier in der raffinerie argor-Heraeus in

Mendrisio) ist die Schweiz eine Weltmacht.

57,9Grossbritannien

3,4Russland

4,34,2Frankreich

2,83,2Deutsch-land

2,0Kanada

11,3USA

3,1Peru

39,6Hongkong

10,7China

22,0Indien

7,6Singapur

6,4Thailand

5,32,4VereinigteArabischeEmirate

2,7Saudi-Arabien

6,3Trkei

4,3Italien

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119,8Goldexport

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Chinas Lust auf GoldDie Schweiz besetzt die Schnittstelle

zwischen West und Ost. Das Gold wird in der Schweiz verarbeitet und

vor allem nach Asien exportiert. Importe Schweiz Exporte Schweiz

Die Zahlen (2013) beziehen sich auf Gold, Silber und Mnzen, wobei Gold mehr als 95 Prozent

ausmacht. Angaben in Milliarden Franken

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Schweizer Goldschmelzen sind topDie helvetischen Raffinerien profitierten von der Stellung

des Finanzplatzes, der Nichteinhaltung internationaler Embargos sowie der Nhe zur norditalienischen Schmuckindustrie und zur Uhrenindustrie.

Zahlen: Verarbeitungskapazitt in Tonnen Feingold

Die Schweiz dominiert den Weltmarkt4400 Tonnen Feingold wurden 2013 hergestellt. Davon geschtzte 3000 Tonnen in der Schweiz.

Wert des in der Schweiz im Jahr 2013

gehandelten Goldes (in Milliarden Franken)

Gold: Die Schweiz ist Nr. 1Gut zwei Drittel des Feingoldes weltweit werden in der Schweiz produziert. Das macht das Edelmetall zum wichtigsten Exportprodukt unseres Landes.

TexT: Daniel BTler; infoGrafik: anne SeeGer

57,9Grossbritannien

3,4Russland

4,34,2Frankreich

2,83,2Deutsch-land

2,0Kanada

11,3USA

3,1Peru

39,6Hongkong

10,7China

22,0Indien

7,6Singapur

6,4Thailand

5,32,4VereinigteArabischeEmirate

2,7Saudi-Arabien

6,3Trkei

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1,5Ghana

570 Mio.Kse

22 Mrd.Uhren

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Elektronik

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Die Goldimporte mehr als verdoppeltSeit 2005 verzeichnet die Schweiz wesentlich hhere Importe als Exporte. Es bleibt also Jahr fr Jahr mehr Gold in der Schweiz. Angaben in Tonnen

Importe Schweiz Exporte Schweiz

In der Schweiz liegt deutlich mehr Gold als bei der US-Notenbank

In den letzten Jahrzehnten wurde deutlich mehr Gold in die Schweiz ein- als ausgefhrt. Das Edelmetall drfte in Form von Barren in Schliessfchern und

Zollfreilagern ruhen. Genau weiss das niemand.

12 000 Tonnenprivate Goldreserven im Wert von rund

425MilliardenFranken drften sich in den letzten 50Jahren angehuft haben.

8130Tonnen Gold lagert

die US-Notenbank als Reserven.

1040Tonnen Gold hortet die Schweizerische Nationalbank.

Zehn Lnder frdern zwei Drittel des GoldesAbbau in Minen nach Lndern, Angaben in Prozent der weltweiten Frderung (2011)

Ein Milliarden-ExportschlagerGold war im Jahr 2013 das mit Abstand wichtigste Exportprodukt der Schweiz. Angaben in Franken

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nerien erfhrt man nichts ber Ge-schftszahlen, Kunden oder Produk-tionsmengen. Auf entsprechende Medienanfragen wird nur knapp ein-gegangen.

Doch die Zeit der totalen Diskre-tion ist zu Ende. 2012 machte die Men-schenrechtsorganisation Gesellschaft fr bedrohte Vlker publik, mehrere Schweizer Raffinerien, darunter Ar-gor-Heraeus, seien in Geschfte mit schmutzigem Gold aus Sdamerika verwickelt. Seither erscheinen regel-mssig hnliche Berichte die von den Raffinerien jeweils dementiert wer-den. Doch sie sehen sich zusehends einem Rechtfertigungsdruck ausge-setzt. Menschenrechtsorganisationen und linke Politiker fordern eine stren-gere Regulierung der Branche und mehr Transparenz. Die Herkunft des Goldes soll offengelegt werden.

Vom Surebad zum SchmelzofenBei Argor-Heraeus wird neben Primr-gold aus der Mine auch Recyclinggold Barren oder Schmuck verarbeitet. Das Minengold wird in Form von Dor-Barren mit einem Goldanteil zwischen 1 und 90 Prozent geliefert. Diese werden in Salpetersure ein-gelegt, damit sich unedle Metalle wie Kupfer oder Zink abtrennen. Wissen Sie, was das ist?, fragt Wilfried Hrner und zeigt auf einen Plastikbehlter voll mit einem schlammartigen Mate-rial. Auf die Vermutung, das sei Abfall aus dem Surebad, meint er bedeu-tungsschwer: Das ist Gold.

Der Goldschlamm wird in klei-nen fen geschmolzen und zu Platten geformt. Noch ist das Gold aber nicht rein. Die Feinverarbeitung findet mit-tels Elektrolyse statt. 24 Stunden lang werden die Platten in eine Flssigkeit eingelegt, dabei wird elektrischer Strom zugefhrt. So trennen sich die restlichen Anteile unedler Metalle vom Gold. Nun hat dieses einen Rein-heitsgrad von bis zu 99,99 Prozent.

Zuletzt wird das Gold erneut ge-schmolzen und in Form gegossen: Fer-tig ist der Ein-Kilo-Barren. Wir sind am Ende des Rundgangs. Doch vor dem Verlassen des Produktionsgebu-des steht eine Kontrolle an. Vertraut wird hier niemandem. Das bedeutet Schuhe ausziehen und Hose ffnen. Mit einem Metalldetektor untersucht ein Sicherheitsmitarbeiter, ob man ir-

qUELLEN: EIDGENSSISCHE ZoLLVERwALTUNG, GoLDBARSwoRLDwIDE.CoM, woRLD GoLD CoUNCIL, U.S.GEoLoGICAL SURVEy, NZZ

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175 000 Tonnen Gold

wurden in der Geschichte der Menschheit gefrdert,

wird geschtzt. Das ergibt einen Wrfel von 21x21x21 Metern. fo

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gendwo Gold versteckt. Dieser Proze-dur mssen sich die 184 Produktions-angestellten tglich unterziehen.

Im Gesprch betont Christoph Wild, der andere Co-Chef, Vertrauen, Transparenz und Nachhaltigkeit sei-en zentrale Werte der Firma. Doch vie-les gibt Wild nicht preis auch nicht, aus welchen Lndern oder sogar Mi-nen das hier verarbeitete Gold stammt.

Schmelzer geben keine namen preisArgor-Heraeus drfe die Auftraggeber nicht nennen, denn das Gold gehre gar nicht ihnen, sagt Wild. Wenn etwa eine Mine Gold liefere, bleibe dieses in ihrem Besitz. Argor fhre als Dienstleister die Raffination im Auf-trag aus: Kundennamen zu nennen wre dasselbe, wie wenn Ihre Bank preisgeben wrde, dass Sie bei ihr ein Konto haben.

Immerhin verrt Wild, wer die grssten Abnehmer des raffinierten Goldes sind: Banken, Edelmetallhnd-ler, die Uhren- und Schmuckindustrie. Doch auch diese Firmen haben ein Recht darauf, dass ihre Namen nicht genannt werden.

So viel Diskretion macht neugierig. Auf die wiederholte Frage nach der Herkunft des Goldes reagiert der Mediensprecher ungehalten. Co-CEO Wild sagt: Stellen Sie diese Frage unseren Auftraggebern. Solange diese uns nicht vom Geschftsgeheimnis entbinden, drfen wir keine Namen preisgeben, nicht zuletzt aus Daten-schutzgrnden. Argor-Heraeus selbst wre bereit, bei der Schaffung von Transparenz mitzuarbeiten, sagt Wild.

Zu den Auftraggebern der Schwei-zer Schmelzer gehrt Swatch, der welt-grsste Uhrenhersteller. Laut Swatch mssen sich die Lieferanten ver-pflichten, Gold aus ein-wandfreien Quellen zu verwenden. Auf weitere Fragen des Beobachters zum Thema Gold re-agiert Swatch zuge-knpft. Dann will die Uhrenindustrie also tat-schlich die Herkunft des Goldes nicht offen-legen lassen? In dieser Frage spielt Swatch den Ball den Raffinerien re-tour. Immerhin ist aus

der Aussenhandelsstatistik ersichtlich, mit welchen Lndern die Schweiz Gold handelt. Grsster Lieferant ist Grossbritannien. Mit Abstand wich-tigster Abnehmer ist China, oft via Hongkong.

Der Haupthandelsstrom funktio-niert so: 12,5-Kilogramm-Barren aus Londoner Depots werden in der Schweiz zu Ein-Kilogramm-Barren umgeschmolzen und nach China ver-

kauft. Gold wird aber auch aus Lndern mit problematischen politi-schen Strukturen impor-tiert, darunter Burkina Faso, Kolumbien und Kasachstan. Oder aus Kriegsgebieten: Die Genfer Menschenrechts-organisation Track Im-punity Always (Trial) hatte Argor-Heraeus 2013 wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen und wegen Geldwscherei angezeigt. Argor hatte im Jahr 2005 drei Ton-

nen Gold aus der Demokratischen Re-publik Kongo verarbeitet, just zu jener Zeit, als dort ein extrem brutaler Krieg herrschte.

Auch wenn das Metall via Uganda und London ins Tessin gekommen war, htte Argor wissen mssen, dass es sich um Gold aus einem Brgerkriegs-land handelte, findet Trial.

Die Untersuchung wurde eingestelltDie Bundesanwaltschaft stellte die Untersuchung diesen Mrz ein, sie fand keine strafbare Handlung. Sie schreibt, die Tessiner Firma htte zwar nicht zwingend wissen mssen, aber doch wissen knnen, dass sie Raub-gold annahm: Argor unterliess Ab-klrungen zur Herkunft des Goldes, obwohl das hausinterne Reglement dies bei Zweifeln zur Herkunft von Schmelzgut [] forderte.

Argor-Chef Christoph Wild wider-spricht: Hausinterne Regeln seien nicht verletzt worden, da man zu der fraglichen Zeit erst dabei gewesen sei, ein entsprechendes Reglement zu er-stellen und mit den Aufsichtsbehrden

Bereit zur Weiterverarbeitung: Barren von 12,5 kilogramm Gewicht bei argor-Heraeus

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abzustimmen. Wir hatten noch kein mit der heutigen Situation vergleichbares Kontrollsystem, doch seither haben wir die Kontrolle der Lieferkette verbessert.

ber die Einstellung der Strafunter-suchung zeigte sich Trial enttuscht: Die Justiz gebe Firmen freie Hand, gegenber dem kriminellen Ursprung von Rohstoffen gleichgltig zu sein. Wild betont, Argor-Heraeus prfe die Geschftspartner sorg-fltig. Alle in ein Geschft involvierten Personen, bei Bedarf auch die Kunden ihrer Kunden, wrden identifiziert. Man arbeite nach dem Grundsatz: Wenn et-was nicht klar ist, Finger weg.

Gold aus problematischen QuellenMinen etwa mssten strenge hausinterne Standards und die Regeln der Branchen-organisation World Gold Council erfllen. Dazu gehrt, dass sie Arbeitsrecht, Sicher-heits- und Umweltstandards einhalten, keine Kinder beschftigen und nicht in Kriege involviert sind. Doch wie wird das berprft? Laut Wild gibt es Audits durch externe Prfer. Wenn ein Hersteller ei-nen Audit verweigert, wird er zwangslu-fig vom Markt bestraft. Argor berprfe zudem die Minen direkt vor Ort. Falls die Mine unsere Anforderungen nicht erfllt, arbeiten wir nicht mit ihr zusammen.

Angesichts von so viel Sorgfalt wun-dert man sich, weshalb Argor-Heraeus trotzdem immer wieder beschuldigt wird. Laut der Zrcher Sonntags-Zeitung bezog die Firma zum Beispiel 2010 Gold im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar vom kolumbianischen Anbieter Escobar. Dieser sei der Geldwscherei ver-dchtigt und deshalb liquidiert worden.

Gemss der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien soll Argor von weiteren kolum-bianischen Firmen Gold zweifelhafter Herkunft angenommen haben. Argor- Heraeus weist smtliche Anschuldigun-gen zurck. Auf Diskussionen zum Thema mag sich Wild nicht einlassen. Nach Jahr-zehnten glnzender Geschfte im Halb-dunkel hat das Argor-Management Mhe, mit Kritik umzugehen. Draussen fhrt ein gepanzerter Lieferwagen vor. Sicherheits-firmen bringen und holen das Gold, das in der Regel via Flughafen Zrich transpor-tiert wird.

Im April wurden aus der Schweiz ber 600 Tonnen Gold ausgefhrt. Der Wert: rund sechs Milliarden Franken. Das Ge-schft floriert weiterhin. Und das soll nach dem Willen der diskreten Schweizer Schmelzer so bleiben.

FokUS 33Beobachter 13/2015

Volg. Im Dorf daheim. In Ettiswil zuhause.

Einkaufen im Dorf - gehrt zum guten Ton.

Tief aus dem Bauch kommt der Ton. Feins fr den Bauch gibts im Volg.Ueli Birrer, Kunde im Volg Ettiswil (LU)

Wenn Ueli Birrer im Volg Ettiswil einkauft, kann er sein rund 3,40 Meter langes Alphorn problemlos in den Laden mitnehmen. Es lsst sich einfach auseinander nehmen und handlich in eine Tasche packen. Das war nicht immer so. Wollte er als jun-ger Mann auf dem Schweizer Traditionsinstru-ment spielen, musste er es auf dem elterlichen Hof noch durchs Fenster hinaus befrdern, um es im Auto verstauen zu knnen, wo es den Koffer-raum weit berragte. So unkompliziert wie Ein-kaufen im Dor aden ist das Spielen des Alphorns nicht. Den richtigen Ton erzeugt man aus dem Bauch heraus. Klingt einfach? Es gab schon manchen, der dachte, das sei leichter, erinnert sich Ueli Birrer schmunzelnd. Doch dauert es rund zwei Jahre, bis man richtig auf dem Schweizer Instrument spielen kann.

Einen echten Lozrner Weihnachtsbaum gibt es bei den Christbaumzchtern Helga und Guido Wicki aus Rmerswil (LU).

Das mittelalterliche Wasser-schloss Wyher liegt ausserhalb von Ettiswil.

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