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I .P.

kslaktuellMai 2010Der Vorsitzenden das Wort Elternwnsche versus LehrerbedrfnisseBei der Tagung des Landesbeirates der Eltern im April stellten sich Elternkandidaten fr den Landesschulrat mit folgenden Argumenten vor: Sie wollten sich einsetzen fr einheitliche Unterrichtszeitmodelle. Es ginge so nicht mehr weiter, wenn von den drei Kindern in der Familie eines am Samstag Schule hat, das andere noch unterrichtsfrei nach der Osterferienwoche und das dritte Kind eine freie Brcke zwischen den Feiertagen. Familie liee sich nicht mehr leicht organisieren, deshalb ist Einheitlichkeit wieder gefragt. Sie wollten sich auch stark machen fr die Verkrzung der Sommerferien, denn es werde zunehmend schwieriger, die Kinderbetreuung fr die zu langen Sommerferien zu organisieren. Keine Sommerbeschftigung hat die Qualitt der Schule, meinte die Elternkandidatin und deshalb sollte die Schule im Herbst frher beginnen. Ein Kompliment fr die Schule? Sicher, aber Schule funktioniert halt eben auch deshalb so gut, weil im September von Lehrerinnen und Lehrern ein gutes Schuljahr geplant wird und weil diese sich in den Sommermonaten so fleiig fortbilden und auf die Schule vorbereiten. Das meinen wir vom KSL. Wir Lehrerinnen und Lehrer wollen das neue Schuljahr mit einem voll gepackten Rucksack beginnen. Nach einer verdienten Erholungspause packen wir in den Rucksack viele neue Ideen und Vorhaben, welche wir in zahlreichen Kursen und Seminaren gesammelt haben. Dann packen wir noch einen effizienten, gut durchdachten und fertig konstruierten Stundenplan, sodass der Unterricht ab dem ersten Schultag schon gut funktioniert. Auerdem kommt in den Rucksack noch die Planung der Projekte, der Wahlfcher und des Wahlpflichtbereichs. Ganz schn voll der Rucksack, und wenn dann noch eine gute Portion Elan und Lust auf das neue Schuljahr mit eingepackt werden, dann sind die Rucksackinhalte eine Gewhr fr ein gutes Ma an Schulqualitt. Deshalb brauchen wir die Ferien. Werden diese gekrzt, dann fehlt das eine oder andere im Rucksack. Auch die Schlerinnen und Schler brauchen Erholung und den ntigen Abstand von der Schule. Nur wenn sie ausreichend Distanz zur Schule erleben, knnen sie sich wieder auf die Schule freuen. Nichts nhrt die Motivation zum Lernen mehr als wieder gewonnene Lust auf Schule, bei Kindern und Lehrern. Verstndlich, dass Eltern aus Arbeitsgrnden oft Schwierigkeiten haben, den Alltag ihrer Kinder mit Beschftigung abzudecken. Schule ist aber mehr als eine Kinderbewahranstalt mit Beschftigungstherapie. Und Kinder haben ein Recht auf sorgsamen Umgang mit ihrer Zeit des Wachsens und Entfaltens. Bald geht es ab in hoffentlich erholsame Ferien und in eine Zeit des Auftankens und Kraft-

Ausgabe

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Versand Postabonnement Art. 2, Komma 20/c, Gesetz 662/96, Bozen erscheint zweimonatlich

Die Bundesleitung informiertINHALT Pdagogische Grotagung KSL-Jahresversammlung 2010 Unterricht aktuell Sportunterricht in der Grundschule Oberstufenreform Lehrer/innen-Berufsbild Nationaler Schulrat CL-Delegiertentagung Termine zum Vormerken RckblickeBischofsmesse in Tscherms

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Pdagogische Grotagung 2010 des KSL und ASM Donnerstag, 2. September 2010

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Bozen, 9.30 Uhr im Neuen Stadttheater Brixen, 15.30 Uhr im Forum Thema:

Was gilt heute? Gedanken ber eine Welt der WerteReferent: Peter FreyEr ist seit dem 1. April 2010 Chefredakteur des ZDF.

Neues Stadttheater, Bozen

Aufgrund der zahlreichen Teilnahme an den vergangenen Grotagungen wird die Veranstaltung heuer an zwei Standorten angeboten, in Bozen fr die westliche Landeshlfte (vormittags) und in Brixen fr die stliche Landeshlfte (nachmittags).

Die Geschftsstelle des KSL hat folgende ffnungszeiten: Montag bis Freitag immer vormittags von 8.30 bis 12.00 Uhr Dienstag & Donnerstag

Forum - Saal Prishna, Brixen Durch die Zweiteilung der Veranstaltung ist es mglich die Veranstaltungsorte mit ffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

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Die Bundesleitung informiert KSL Jahresversammlung 2010Einen symboltrchtigen Tag hatte sich der KSL fr seine Jahresversammlung 2010 ausgewhlt, nmlich den 19. Mrz, an dem immerhin der heilige Josef im Kalender steht. Ob es nun der Landespatron war, der diesmal ausnahmsweise viele Vertretungen aus allen Bezirken des Landes nach Bozen lockte oder vielleicht doch Dizesanbischof Karl Golser als Stargast dieser Jahresversammlung, sei dahingestellt, jedenfalls hatte sich der groe Saal im Bozner Kolpinghaus nahezu bis auf den letzten Platz gefllt, als die Versammlung erffnet wurde.

An deren Beginn stand auch diesmal ein kurzer besinnlicher Einstieg, den die geistliche Begleiterin des KSL, Sonja Reinstadler Rossi, nicht nur besinnlich, sondern auch sinnvoll zu gestalten wusste. In einer gleichnishaften Geschichte wurde verdeutlicht, dass es im Leben beides gibt: Steine und Diamanten, dass sich aber oftmals nicht nur ausschlielich die Diamanten als wertvoll erweisen, sondern auch die einfachen Steine, die ihren Wert nicht durch oberflchliches Glitzern und Strahlen, sondern vielmehr in weniger aufflligen Qualitten, wie etwa in ihrer Bestndigkeit offenbaren. Als Erinnerung durfte sich jede/r ein Sckchen mit ihren/seinen persnlichen Edel-Steinen mitnehmen. Moderator Luis Mahlknecht begrte daraufhin neben den zahlreich erschienenen KSL-Mitgliedern auch eine ganze Reihe von Ehrengsten, darunter den bereits erwhnten Bischof Karl Golser, die Schullandesrtin Sabina Kasslatter Mur, Schulamtsleiter Peter Hllrigl sowie die fr das Schulwesen zustndige Bozner Stadtrtin Gretl Rottensteiner. Bezirksobfrau Dagmar Holaus war in Vertretung des Katholischen Tiroler Lehrervereins KTLV eigens aus Osttirol angereist, whrend Christoph Buratti und Hans Clementi den ASM vertraten. Der Landessekretr der Schulgewerkschaft SGB-CISL, Hubert Kainz, zeigte ebenfalls mit seiner Anwesenheit seine Verbundenheit mit dem KSL. Gleich nach der offiziellen Begrung kam es bereits zum ersten Hhepunkt dieser Jahresversammlung, nmlich zum Referat von Bischof Karl Golser, das er unter das Thema Bildung und christliche Ethik gestellt hatte. Die anwesenden Schulleute waren sich wohl mit Moderator Luis Mahlknecht darin einig, dass es einem Lehrerverband, der das K im Namen fhrt, ein Anliegen ist, wenn der hchste kirchliche Reprsentant unseres Landes seine Meinung aus christlicher Sicht zum Thema Bildung kundtut. Der Bischof lie sich auch nicht lange bitten und stellte gleich zu Beginn seiner Ausfhrungen klar, dass er den Sinn und die Hauptaufgabe von Bildung nicht in der alleinigen Wissensvermittlung sieht, sondern vor allem darin, dass den Menschen Antworten auf drngende Fragen gegeben werden. Bischof Golser skizzierte im weiteren Verlauf seiner Rede ein sehr aussagekrftiges Bild unserer Gesellschaft, die hauptschlich auf Fortschritt und Individualismus ausgerichtet zu sein scheint. Aber, so der Bischof, Fortschritt kann nur Fortschritt sein, wenn er dem Menschen dient. Alle technischen Fortschritte und das ausgeklgeltste technische Know-how knnen letztendlich die grundlegenden Sinnfragen zum Leben, zum Leid, zum Tod nicht ausblenden. Bischof Karl meinte dazu, dass neben dem Know-how die Bildung des Herzens, wie er es

nannte, nicht vernachlssigt werden drfe. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage nach der Moral nicht ausgespart, und der Bischof, der bekanntlich ein anerkannter Moraltheologe ist, betonte nicht nur die Daseinsberechtigung von Moral als Grundlage sittlichen Handelns, sondern er unterstrich auch deren fundamentale Wichtigkeit im Leben der Menschen. Allerdings rumte er gleichzeitig ein, dass Moral und (religise) Werte sozusagen kein kirchliches Monopol mehr darstellen, mehr noch, dass Religion und Kirche progressiv an Bedeutung verlieren, nicht zuletzt auch deshalb, weil eine Vielzahl von Alternativen zur Verfgung stehen. Daraus ergibt sich wiederum die starke Bedeutung von Bildung, um sich in der Artenvielfalt der Werte zurechtfinden zu knnen, aber auch um dem grassierenden Individualismus, dem damit verbundenen Verlust von Identitt sowie der Vereinsamung und Sprachlosigkeit trotz der Kommunikationsmglichkeiten mit der ganzen Welt entgegen zu wirken. Freiheit und Brderlichkeit, diese berhmten Schlagworte aus der Zeit der franzsischen Revolution stellte Bischof Karl Golser in einen neuen Zusammenhang, und zwar vor den Hintergrund einer christlich geprgten Ethik, die nicht nur die Welt als Schpfung, sondern auch den Menschen als Geschpf Gottes achtet und respektiert. Gleichzeitig mahnte er aber auch Glaube, Liebe, Hoffnung als Motivation fr pdagogisches Handeln an und er forderte eine Globalisierung der Solidaritt ein. Der Weg geht ber das Vorbild meinte der Bischof und er nannte Mutter Teresa, die vor 100 Jahren geboren wurde, als nachahmenswertes Beispiel konkret gelebter Solidaritt. Bischof Golser schloss seine Ausfhrungen mit einer Geschichte, in der ein weiser Rabbiner seine Schler fragt Wann weicht die Nacht dem Tag? und gleich selbst die Antwort gibt, die sinngem so lautet: Nicht in der Pracht eines Sonnenaufgangs, sondern wenn du in die Augen deines Nchsten sehen kannst. Nach dem ebenso spannenden wie tiefgrndigen Referat von Bischof Karl Golser, der brigens das erste Mal offiziell vor den Lehrern gesprochen hat, war es fr die Schullandesrtin Sabina Kasslatter Mur kein leichtes Unterfangen, in die Niederungen der lokalen Bildungspolitik zurckzukehren. Geschickt nahm sie jedoch den Ball auf und nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, ihrerseits einige berlegungen zum Thema Bildung anzustellen. Ihrer Meinung nach zielt Bildung hauptschlich darauf ab, ein reflektiertes Verhltnis zu sich, zu anderen und zur Welt zu haben. Dabei sei es wichtig, gleichermaen Wissen, Kompetenzen und Werte zu vermitteln. Ausgehend vom allgemeinen Anliegen, Individuen zu frdern und zu Gemeinwesen zu

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