Programm-Magazin Bruckner 4

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    07-Apr-2016
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  • Programm-Magazin Nr. 6 Saison 14/15

    Bruckner 4Mittwoch, 4. Mrz 2015

  • Meret Oppenheim-Strasse 62, 4053 Basel, Telefon 061 366 55 55 www.residenz-suedpark.ch

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  • 1W ann ist Musik romantisch? Wenn sie unsere Gefhle berhrt? Wenn sie uns als Sprache des Herzens in eine Welt des Geheimnisvollen, Unbegreiflichen und Unwirk-lichen entfhrt? Sptestens seit Brechts Aufforde-rung Glotzt nicht so romantisch! hat der Begriff Romantik aber auch den Beigeschmack von Senti-mentalitt und bertriebenem Pathos. Die histori-sche Auffhrungspraxis hat mit ihren frischen und transparenten Interpretationen inzwischen auch die Musik der Romantiker erfasst. Statt geballter Klang-masse entdeckt sie Klarheit, Schrfe und sprechende Gestik. Ist also alles eine Frage des Blickwinkels? Der Dichter E.T.A. Hoffmann zhlte schon die Sinfonien von Haydn und Mozart zur romantischen Musik. ber Mozarts letzte Sinfonien schrieb er: Die Nacht der Geisterwelt geht auf in hellem Purpurschimmer und entdeckte in ihnen eine unaussprechliche Sehnsucht. Anton Bruckner hat die Einzelstze sei-ner vierten Sinfonie illustrativ erlutert: Er versah sie mit Titeln wie Ritter, Gebet, Jagd, Volks-fest und bezeichnete die Sinfonie selbst als Ro-mantische. Letzteres hat immer wieder Anlass zu Diskussionen gegeben. Der ber neunzigjhrige Di-rigent Stanisaw Skrowaczewski ist berhmt fr sei-ne ganz eigene Interpretation der Sinfonien Bruck-ners. Er wird erstmals unser Orchester dirigieren. Nheres darber und vieles mehr erfahren Sie in dieser Ausgabe.

    Ich wnsche Ihnen bei der Lektre viel Vergn-gen und freue mich auf Ihren Besuch.

    Dr. Hans-Georg HofmannKnstlerische Planung, Dramaturgie und Vermittlung

    Sinfoniekonzert Bruckner 4

    3 Programm

    4 Stanisaw

    Skrowaczewski

    6 Anton Bruckner:

    Sinfonie Nr. 4, Romantische

    10 Widersprche im Brucknerbild

    12 Wolfgang Amad Mozart:

    Sinfonie Nr. 34

    Intermezzo

    14 Vorlaut Eine Serie

    von Alain Claude Sulzer

    16 Casino-Geschichte(n),

    Teil 6

    19 Domenico Melchiorre und Marc Lachat im Gesprch

    Vorschau

    23 Cocktailkonzert Salon de Cuivres

    23 Echos

    des Jazz Age

    24 Agenda

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  • 3Sinfoniekonzert SOBBruckner 4

    Mittwoch, 4. Mrz 2015

    19.30 Uhr, Musiksaal des Stadtcasinos Basel18.45 Uhr: Einfhrung durch Dr. Hans-Georg Hofmann

    Wolfgang Amad Mozart (17561791)Sinfonie Nr. 34 C-Dur, KV 338 (1780)

    1. Allegro vivace2. Andante di molto pi tosto allegretto

    3. Allegro vivace

    Pause

    Anton Bruckner (18241896)Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, Romantische, WAB 104 (18781880)

    1. Bewegt, nicht zu schnell2. Andante quasi Allegretto

    3. Scherzo: bewegt Trio: nicht zu schnell4. Finale: bewegt, doch nicht zu schnell

    Konzertende ca. 21.45 Uhr

    Sinfonieorchester BaselStanisaw Skrowaczewski, Leitung

  • 4Skrowaczewski ldt Bruckners Musik nicht mit Pathos, Pomp oder Mystizismus auf, er lsst die Spi-ritualitt Bruckners aus der Musik selber sprechen. Er modelliert sie, arbeitet Themen und Gegenthe-men klar heraus, durchdringt die Partitur, deckt auf, was sie unter ihrer Oberflche erzhlt. Und er entfal-tet die grosse Dramatik in den Sinfonien so verliert beispielsweise das Adagio der Neunten in keinem Moment an Spannung.

    Skrowaczewski ist im besten Sinne ein Altmeis-ter, der sich ganz in den Dienst der Musik stellt. Einer auch, der mit dem Blick der Sptromantik an die Klassik wie an die Romantik herangeht. Er zeigt hier zwar die gleiche gestalterische Genauigkeit aber sein Zugriff bleibt postromantisch.

    Der Dirigent, der fr seine Bruckner-Gesamtauf-nahme 2002 mit dem Cannes Classic Award ausge-zeichnet wurde und fr seine grossen Verdienste um die Sptromantik und vor allem um die osteuropi-sche Musik des 20. Jahrhunderts die Goldmedaille der Bruckner-Mahler-Gesellschaft und in Polen den Orden vom Weissen Adler erhalten hat, ist auch Komponist. Fr seine Passacaglia Immaginaria von 1995 wurde er zwei Jahre spter fr den Pulitzerpreis nominiert. Die Komposition ist dicht und packend

    Die Spiritualitt Bruckners ist in mir, er sei vllig erfllt von dessen Musik, sagt der polni-sche Altmeister Stanisaw Skrowaczewski in einem Interview mit dem Fernsehsender Arte und erzhlt dazu eine wunderbare Geschichte: Im Alter von sechs Jahren habe er erstmals Musik von Anton Bruckner gehrt. Er sei von dieser Musik so getroffen gewesen, dass er fiebrig, krank geworden sei. Es war das Adagio der siebten Sinfonie. So verstehe man, dass Bruckners Musik fr ihn zu einer Notwendig-keit des Lebens geworden sei.

    Nicht nur ist Bruckner fr Skrowaczewski bis heute ins hohe Alter einer der grssten Komponis-ten, der Dirigent ist ebenso einer der bedeutendsten Bruckner-Interpreten der Gegenwart. Auch in Basel wird man den bald 92-Jhrigen mit Bruckner hren, mit dessen Vierter, der Romantischen. Der Dirigent strahlt grosse Gestaltungskraft aus, lebt in der Musik ob er nun Bruckner, Schostakowitsch, Bartk oder die Werke anderer Komponisten dirigiert. Am Ende von Bruckners Neunter, die er vor Kurzem mit dem hr-Sinfonieorchester auffhrte, zeigte der alte Weise im ersten Moment natrliche Erschpfung, dann aber sprach Glck aus seinem Gesicht, das fr sich so viel erzhlt.

    Der Dirigent und Komponist Stanisaw Skrowaczewski

    Der Altmeister und der Bruckner-Kosmos

    von Christian Fluri

  • 5verletzung im Krieg setzte der begonnenen Karriere ein abruptes Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg stu-dierte er zuerst in Krakau und setzte seine Komposi-tionsstudien bei Nadia Boulanger in Paris fort. Nach-dem er 1956 den Santa Cecilia Wettbewerb fr Dirigieren gewonnen hatte, lud ihn der Meister Geor-ge Szell nach Cleveland ein. Er dirigierte in den USA und auch in Europa viele der grossen berhmten Or-chester. Sein Schwerpunkt lag schon immer in der Zeitspanne von Bruckner und Mahler bis zu Schosta-kowitsch und Prokofjew. Schostakowitsch kannte er persnlich, und er beschrieb in einem Interview auch, wie der alte Mann das stalinistische Regime und des-sen Kritik frchtete : Der Tod Stalins war fr uns alle eine grosse Befreiung.

    gebaut, sie steht in der Tradition der Sptromantik, geht aber in ihren Dissonanzen und in den Grenz-berschreitungen hin zu einer freieren Tonalitt weit darber hinaus. Wir finden Anklnge an Alban Berg ebenso wie an Bla Bartk, um nur zwei Ein-flussbereiche zu nennen. Skrowaczewski findet da-bei sehr wohl zu einer eigenstndigen musikalischen Sprache. Er freut sich in einem Interview darber, wie er es sich leisten konnte, hier ganz wild zu sein und die Form der Passacaglia aufzubrechen und durcheinanderzuwirbeln.

    Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war der 1923 ge-borene Skrowaczewski, der Klavier und Violine stu-dierte und frh schon zu dirigieren begann, auf dem Weg, ein grosser Pianist zu werden. Doch eine Hand-

  • 6In dieser Version hat sich die Romantische im Kon-zertsaal etabliert (nur gelegentlich hrt man die 1975 verffentlichte Urfassung des Werks).

    Der Beiname Romantische hat hufig zu Irritatio-nen gefhrt. Man glaubte, Bruckner habe damit den programmmusikalischen Charakter des Werks zum Ausdruck bringen wollen. Doch welches Programm liegt der Sinfonie zugrunde? Mittelalterliche Stadt Morgendmmerung vor den Stadttrmen ert-nen Weckrufe die Tore ffnen sich auf stolzen Rossen sprengen die Ritter hinaus ins Freie Wal-desrauschen, so hat Bruckner selbst das Werk sei-nem ersten Biografen August Gllerich gegenber erlutert. Allerdings , allzu wrtlich sollte man diese Ausfhrungen nicht nehmen. Zu wenig findet man die Beschreibung in der Partitur verankert. Es scheint vielmehr, als ob Bruckner nach den Misserfolgen der frheren Sinfonien hiermit lediglich versuchte, einen anderen Zugang zu seiner missverstandenen

    E in unwirkliches Raunen der Streicher, dar-ber der zarte Einsatz eines Solo-Horns, ein Quintsprung abwrts, dann wieder auf-wrts Zum Inbegriff der Romantik wurde dieser Beginn, die Anfangstakte aus Anton Bruckners Vier-ter, der er selber den Beinamen Romantische gab. Ein idyllischer Anfang und doch ist das Werk zu einer Zeit entstanden, als Bruckner beruflich und finan-ziell mehrere Rckschlge hinnehmen musste : Die Urfassung der Sinfonie von 1874 fllt in eine Zeit, als er seine Klavierlehrerstelle an der Wiener Lehrerbil-dungsanstalt verlor und als seine Bewerbung um eine Stelle an der Wiener Universitt (nicht zuletzt durch die Intervention Eduard Hanslicks) abgelehnt wurde. Auch fand sich kein Orchester, das seine so-eben abgeschlossene dritte Sinfonie auffhren woll-te. Mit der Komposition der Vierten trat Bruckner die Flucht nach vorne an : Weil die gegenwrtige Weltlage geistig gesehen Schwche ist, flchte ich zur Strke und schreibe kraftvolle Musik.

    So kraftvoll die Sinfonie auch klingen mag : Bruckner tat sich mit der Komposition usserst schwer. Die im November 1874 abgeschlossene Ur-fassung nahm er sich vier Jahre spter wieder vor und arbeitete sie noch einmal grundlegend um. Die Eckstze bekamen eine neue Gestalt, das Scherzo wurde eliminiert und durch ein vllig neues ersetzt! Auch nach der Urauffhrung 1881 in Wien arbeitete Bruckner noch einiges um. Dass dann 1889 eine Fas-sung in Druck ging, die neben autorisierten Retu-schen seines Schlers Ferdinand Lwe auch Eingrif-fe von fremder Hand aufwies, hat die Situation nicht vereinfacht. Erst in den 1930er-Jahren wurde Bruck-ners berarbeitete Fassung von 1880 im Rahmen der kritischen Gesamtausgabe seiner Werke durch Ro-bert Haas von fremden Zustzen weitgehend befreit.

    Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4, RomantischeRomantisches Halali

    in zyklischer Vollendungvon Tobias Niederschlag

    SINfoNIe Nr. 4 eS-Dur, roMaNtISche Besetzung: 2 Flten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hrner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauken, Streicher

    Entstehung: 1874 (Urfassung) bzw. 18781880 (zweite Fassung) in Wien

    Urauffhrung: 20. Februar 1881, Wien (Wiener Philharmoniker, Dirigent: Hans Richter)

    Widmung: Constantin Prinz zu Hohenlohe- Schillingsfrst

    Dauer: ca. 65 Minuten

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    Anton Bruckner (Fotografie von Ludwig Grillich, nach 1890)

  • 8nem Satz, der die Jagd vorstellt, whrend das Trio eine Tanzweise bildet, welche den Jgern whrend der Mahlzeit aufgespielt wird

    Schwer tat sich Bruckner mit dem Finale, gleich zwei Mal hat er diesen Satz berarbeitet. Dabei ver-folgte er die Absicht, dem ganzen Werk eine zyk-lische Abrundung zu geben. Der Satz beginnt mit einer geheimnisvollen Einleitung, die pochenden Bassrepetitionen verheissen nichts Gutes. In die per-manente Steigerung blitzen noch einmal die Halali-Rufe aus dem Scherzo auf, bis auf dem Hhepunkt das neue Hauptthema einsetzt : ein mchtiger Oktav-sprung abwrts, fortgefhrt durch Bruckner-artige Zweier- und Dreierbildungen. Doch auch damit scheint das Ziel nicht erreicht. Erst in der triumpha-len Wiederkehr des Hornmotivs aus dem ersten Satz kann sich die Spannung entladen. Das Seitenthema in Streichern und Holzblsern bringt die ntige Be-ruhigung, die Schlussgruppe fhrt schliesslich mit Blserentladungen dazwischen. In der Durchfh-rung erscheinen die Themen in ihrer Umkehrung, das Seitenmotiv steigert sich zwischen Blech und Streichern zum grandiosen Choral. Der dramatisch gesteigerte Oktavsprung leitet in die Reprise ber und prgt auch die sptere Coda, auf deren Hhe-punkt noch einmal das romantische Hauptthema des Kopfsatzes zitiert wird : Zyklische Erfllung und Schlussapotheose gehen hier Hand in Hand.

    Ein starkes, kraftvolles Ende, dessen formale Idee Bruckner (nach Anstzen in der Dritten) in seiner siebten und achten Sinfonie wieder aufgreifen sollte. Schliesslich hatte sich die Konzeption bewhrt : Die Urauffhrung der Vierten am 20. Februar 1881 mit den Wiener Philharmonikern unter Hans Richter bescher-te dem Komponisten seinen ersten grossen Erfolg als Sinfoniker. Bruckner ist der Schubert unserer Zeit, hiess es danach in einer viel zitierten Kritik aus dem Vaterland. Es ist ein solcher Strom von Empfindun-gen in seinem Werke, und eine Idee drngt so die an-dere, dass man den Reichtum seines Geistes wahrhaft bewundern muss, keineswegs aber sich verwundern sollte, dass er fr eine solche Masse der kstlichen Edelsteine noch immer nicht die adquate Fassung zu finden weiss. Der Erfolg blieb dem Werk treu : Bis heute ist die Romantische neben der Siebten Bruckners populrste Sinfonie geblieben.

    Musik zu ermglichen. Als er einmal nach dem pro-grammatischen Hintergrund des Finalsatzes gefragt wurde, antwortete er schlicht : Ja, da woass i selber nimmer, was i mir dabei denkt hab.

    Auch ohne Programm ist diese Musik ungeheuer faszinierend. Der Kopfsatz hebt mit dem beschriebe-nen Hornmotiv an, das der Sinfonie quasi als Motto vorangestellt ist. Aus dieser Keimzelle des Satzes ent-wickelt sich schon bald ein weiteres Motiv, das im strahlenden Tutti auf- und absteigt. Auffallend ist hier der Rhythmus von zwei Vierteln und einer Vier-teltriole, der sogenannte Bruckner-Rhythmus. Als Gegenthema stimmen die Bratschen eine lyrische Melodie an, die von hpfenden Vogelimitationen der Streicher begleitet wird. Eine kurze Fanfare der Blechblser fhrt die Exposition auf einen letzten Hhepunkt, bevor sich in zarten Pianissimo-Passa-gen die Durchfhrung ankndigt. Hier stehen vor allem Hornruf und Bruckner-Rhythmus im Vorder-grund; auf dem Hhepunkt erstrahlt ein feierlicher Blechblserchoral. In der Reprise wird das Horn-motiv von einer Flte umrankt, die Coda schliesslich steigert es ins Monumentale.

    An zweiter Stelle steht ein Trauermarsch, der mglicherweise Rckschlsse auf die schwierigen Entstehungsumstnde zulsst. Zwei verschiedene Themen liegen diesem Andante quasi Allegretto zu-grunde : Zu Beginn stimmen die Celli ber einer pul-sierenden Begleitung das Trauermarschthema an, das mit seiner fallenden und wieder steigenden Quinte vom Hornmotiv des Kopfsatzes abgeleitet ist; ein cho-ralartiger Streichergesang leitet zum zweiten Gedan-ken ber, einer im Sinne Wagners unendlichen Melodie, die von Pizzicati der brigen Streicher ge-sttzt wird. Im weiteren Verlauf des Satzes sind die Themen einer stndigen Metamorphose unterwor-fen; das Trauermarschthema klingt gegen Ende, nach Dur gewandelt, im rauschhaften Orchestertutti auf.

    Die deutlichsten Assoziationen lsst das nach-komponierte Jagdscherzo zu : wieder ein Tremolo der Streicher, darber allmhlich nher rckendes Hrnergeschmetter, ein dahinbrausendes Halali, dem man sich nicht entziehen kann! Zwischen den energischen Hauptteilen bildet das folkloristische Trio, mit seinen Leierkasten-Anklngen, einen idyl-lischen Ruhepunkt. Bruckner selber sprach von ei-

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    Monate blieb Bruckner dort und wurde auch danach von Rckfllen nicht verschont. Er litt an Verfol-gungswahn, schrieb von Feinden, die ihm das Le-ben schwer machen und Erfolg verunmglichen wrden. Zu diesen neurotischen Strungen gesellte sich ein Zhlzwang und eine (erfolglos) auf sehr jun-ge Frauen gerichtete Libido. berstrahlt wurden die-se psychischen Aufflligkeiten indes von einer us-serst gewissenhaft praktizierten Religiositt, was allerdings fr einen im tiefkatholischen Milieu des Stifts St. Florian in Linz Grossgewordenen nicht wei-ter verwunderlich ist. Aussergewhnlich dagegen mag Bruckners Faszination fr den Tod wirken. Dass Bruckner von Kind an mit dem Tod konfrontiert war, ist fr seine Zeit zwar nichts Besonderes. Sein Inter-esse an Leichenzgen, Exhumierungen und Toten-schdeln indes schon. Setzt man neben diese Eigen-heiten Bruckners Erfolge als Komponist und Musiker, ergibt sich ein doch eher disparates Bild.

    Welchen Einfluss Bruckners Persnlichkeit und Leben auf sein Komponieren hatten, darber streiten sich Wissenschaft und Hrer. Erstaunlich dabei ist zumindest sein ungeheurer knstlerischer Output, in welchem Zusammenhang mit Bruckners besonderer Biographie dieser auch steht. Bruckner, ein ungewollt Unangepasster? Ein krisengeschtteltes Leben wie dasjenige Bruckners ist, so die Meinung des Schrei-benden, sehr wohl mit seiner Musik verflochten. Ei-ner Musik, die aus dem unauflslich Disparaten in dieser Welt, wie es fr uns alle mehr oder weniger manifest ist, einen Ausweg zu weisen versucht.

    D er Dirigent Hans von Blow war es, der die Worte prgte, Anton Bruckner sei Halb-genie und Halbtrottel. Sie bringen auf den Punkt, was sich zu Bruckners Lebzeiten als unverein-bar erwies und es bis heute ist: Bruckners rtselhafte Erscheinung, ein Outsider wrden wir sagen, und sein Anspruch als Komponist auf grsste ffentlich-keit. Ein Anspruch, den Bruckner mit seiner Konzen-tration auf die Sinfonie als ffentlichste Gattung des brgerlichen Musiklebens zementierte.

    Genial und gutmtig, mit diesen Worten erin-nert sich der Schriftsteller Arthur Schnitzler an eine Begegnung mit Bruckner. Spter sah er im Konzert, wie sich Bruckner in einem sackartigen Anzug, in seiner unbeholfenen, rhrenden Weise vor dem be-lustigten [...] Publikum verbeugte. Der Komponist der vierten Sinfonie als Clown? Die Musik spricht vom Gegenteil. Deckungsgleichheit von Leben und Werk gibt es bei Bruckner nicht. Der tppisch wir-kende Landbursche Bruckner, der sich nie in die Welt des brgerlichen Wien einfinden konnte, schrieb mit seinen Sinfonien Musik fr ebendiese Welt.

    Verstrend musste wirken, dass Bruckner nicht nur den Eindruck eines obersterreichischen Bauern machte, sondern in nicht wenigen Lebensbereichen tatschlich ein Sonderling war. So steigerte sich, noch bevor er nach Wien kam, eine latente psychi-sche Anspannung von depressiven Verstimmungen und Einsamkeitsgefhlen zu einem Nervenzusam-menbruch im Mai 1867, den Bruckner in der Kaltwas-serheilanstalt Bad Kreuzen behandeln liess. Drei

    Widersprche im BrucknerbildDer Sonderling im Musikverein

    von Benjamin Herzog

  • Schattenbild von Otto Bhler: Bruckner bekommt von Richard Wagner Schnupftabak angeboten

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    Der Charakter der Tonart C-Dur war aber auch unab-hngig von der Besetzung fest in der Vorstellung der Hrer verankert: Schon 1614 schrieb Abraham Bar-tolus in seiner Musica Mathematica, dass gethn, welche aus C gehen, einen geschwind auffahrenden freudigen und kriegerischen muth im menschen er-wecken.

    Im ersten Satz seiner Sinfonie nutzt Mozart das Potenzial von Tonart und Besetzung durch entspre-chend majesttische Motive etwa fanfarenartig aufsteigende Dreiklnge. Allerdings stellen Dur-Moll-Wechsel und Modulationen die vorherrschende Stimmung immer wieder infrage. Formal ist der Er-ffnungssatz ungewhnlich angelegt: Die Exposition (Vorstellung der Themen) wird nicht wiederholt, und die folgende Durchfhrung greift auch nicht auf ihre Themen zurck. Ein wesentlich sanfterer Aus-druck prgt den Mittelsatz in F-Dur. Nicht nur Trom-peten und Pauken pausieren hier, sondern die Blser insgesamt nur die Fagotte liess Mozart mglicher-weise die Bassstimme mitspielen. Dafr sind jedoch die Bratschen in zwei Gruppen geteilt, was dem Streichersatz mehr Flle verleiht. Ursprnglich gab Mozart dem Satz nur die Bezeichnung Andante di mol-to. Um einer allzu langsamen Ausfhrung vorzubeu-gen, fgte er spter noch den Zusatz pi tosto allegret-to (eher etwas lebhaft) an. Im Finale spielen die Blser wieder mit. Allerdings wird dieses mitreissende Stck, das die gleiche Bezeichnung (Allegro vivace) wie der Kopfsatz trgt, fast ganz von der wirbelnden 6/8-Bewegung der Streicher und den in Terzen oder Sexten gefhrten Oboenmelodien bestimmt. Trom-peten und Pauken setzen lediglich Akzente und schlagen erst am Ende mit Fanfarenmotiven den Bo-gen zurck zum ersten Satz.

    M it Mozarts Sinfonie KV 338 verbinden sich einige Rtsel. So weiss man zum Beispiel nicht, wann und wo sie zuerst aufgefhrt wurde. Mglicherweise geschah das noch in Salzburg, wo Mozart das Werk am 29. August 1780 vollendet hatte. Vielleicht aber auch in Mnchen dort bereitete er im Winter 1780/81 die Produktion seiner Oper Idomeneo vor. Oder erst in Wien Mozart nahm hier im Frhjahr 1781 auf Anweisung seines Dienstherrn, des Salzburger Erzbischofs, an ver-schiedenen Akademien teil, und nachdem er im Juni den Dienst quittiert hatte, konzertierte er auf eigene Rechnung. Unklar ist auch, warum Mozart nur drei Stze in die Sinfonie aufnahm. Ursprnglich sollte sie die blichen vier Stze haben: 14 Takte eines Me-nuetts finden sich im Autograph, durchgestrichen, auf der Rckseite des ersten Satzes.

    Obwohl Flten und Klarinetten fehlen, ist die Sinfonie prachtvoll besetzt: Neben den Streichern treten Oboen auf, recht prominent vor allem im Fi-nale, dazu Fagotte, die allerdings wohl erst 1782 hin-zugefgt wurden. Vor allem jedoch bestimmen Trompeten und Pauken den festlich-martialischen Charakter der Sinfonie. Zwischen Besetzung, Tonart und Ausdruck besteht brigens eine Wechselbezie-hung: Trompeten waren seit jeher mit herrschaft-lichen Feiern und dem Militr assoziiert. Als Natur-ton-Instrumente liessen sie sich fast ausschliesslich in ihrer Grundtonart wirkungsvoll einsetzen. Und da sie nur in wenigen Stimmungen gebaut wurden, gab es in der Sinfonik bestimmte Trompeten-Ton-arten. Mozart setzte Trompeten fast nur in C-Dur- und D-Dur-Sinfonien ein, und umgekehrt verlangte er in nahezu allen Sinfonien dieser Tonarten zwei Trompeten und die mit ihnen gekoppelten Pauken.

    Wolfgang Amad Mozart: Sinfonie Nr. 34

    Freudiger und kriegerischer Mutvon Jrgen Ostmann

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    Wolfgang Amad Mozart (Kupferstich nach einem lbild von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1777/78)

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    erfllen hatte. Dass es ausgerechnet Bruckners Mu-sik war, die sie mit Mitteln auszhlte, die wenig mit dem handgreiflichen Fortschrittsglauben seines Pu-blikums zu tun hatte, gehrt zur Ironie einer nie bis in alle Einzelheiten erklrbaren Geschichte.

    Was Bruckner sich unter einer Sinfonie vorstellte, war von romantischer, also zgerlicher Machart. Sie hatte trotz nicht zu berhrender grosser Auf-schwnge wenig mit dem zu tun, was man sich un-ter einer entschlossen mnnlichen Handlungsweise vorstellte. Bei Bruckner war das Weltbild im Gegen-satz zur Wiener Klassik kaum noch geregelt. Zwar waren auch seine Sinfonien vierstzig, doch liessen sich stark kontrastierende Tempi zwischen den ein-zelnen Teilen kaum noch ausmachen. Ein Einzelner geht und nicht zu schnell durch alle Stze.

    So ist die Beschleunigung stets ebenso prsent wie die Entschleunigung. Steigerung und Verminde-rung halten sich die Waage; nur nicht zu hoch hinaus, Hochmut kommt vor dem Fall! Kleinste Schritte lei-ten federnd zum Abheben ber, um sich in fast reg-losem Innehalten auszudehnen. Nach beinahe kata-tonischer Erstarrung holt die Musik kurz vor dem vlligen Stillstand von Neuem Atem, um nach weite-ren kleinen Schritten zum nchsten Aufschwung auszuholen. Aber so richtig wird der Berg nicht er-klommen.

    Ein durchaus unkonventionelles Verfahren, das Bruckners Zeitgenossen dank ihres nicht ganz zu unterdrckenden Bedrfnisses nach anachronisti-scher Selbstversenkung zumindest teilweise in ih-ren Bann schlug. Im Konzert liess man sich vom Knstler in schnen Momenten noch etwas sagen, was man auf der Strasse, im Kontor und in der Fabrik als gefhrlichen Realittsverlust von sich gewiesen htte. Was Heinrich Hoffmanns Hans Guck-in-die- Luft zum Verhngnis wurde, fing hier die Musik auf.

    D reimal nicht zu schnell. Wre es nach ihm und nicht doch auch ein bisschen nach dem Geschmack der Zeit gegangen, htte Anton Bruckner vermutlich nur langsame Stze ge-schrieben, zumal sich auch seine Scherzi und Alleg-retti nicht gerade durch hfischen Leichtsinn aus-zeichnen. Dreimal nicht zu schnell gespielt, wnschte sich Bruckner drei von vier Stze seiner Romantischen. Dreimal nicht zu schnell ist alles in al-lem ziemlich langsam, und so dauert eine Auffh-rung von Bruckners vierter Sinfonie mindestens eine Stunde. In einer Stunde kann viel werden, und Werden war einer der Programmpunkte der Ro-mantik; insofern hat die Sinfonie den Titel, den Bruckner ihr selbst gab, verdient. Das Werden, so schrieb Friedrich Schlegel, sei das eigentliche Wesen der romantischen Dichtung; dass sie ewig nur wer-den, nie vollendet sein kann. Unentwegtes Werden und zielloses Suchen diese organisch miteinander verknpften Charakteristika waren typisch fr Bruckners Werke.

    Nicht zu wissen, ja gar nicht wissen zu wollen, wohin der Weg fhrt, selbst wenn man ihn geht; ihn zu vergessen, wenn man ihn geht, wie Heraklit es forderte, war gewiss nicht die Idealvorstellung eines brgerlichen Lebens, das dem Konzertpublikum des 19. Jahrhunderts vorschwebte. Dessen Ideale waren eher Zielstrebigkeit und Akkumulation, Gewinn und Ertrag, Fortschritt und Folgerichtigkeit, Form und Systematik, Buchhaltung, Kapital, Zins und Investi-tion. Whrend die allzeit rauchenden Schlote neuar-tiger Fabrikanlagen die letzten berreste dessen hinwegpusteten, was vom ancien rgime noch brig blieb, waren die Tage jener sinfonischen Musik ge-zhlt, die Anfang und Ende und zwingend vier Stze hatte und die jedenfalls bis zu Beethovens neunter Sinfonie gewisse Erwartungen zu wecken und zu

    Vorlaut Eine SerieIm Entschleunigungsgang

    von Alain Claude Sulzer

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    Die Berggnger (Gemlde von Stephan Jon Tramr, l auf Baumwolle, 155x130cm, 2011)

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    Casino-Geschichte(n), Teil 6Nchtern und festlich der Neubau

    von Sigfried Schibli

    Das Stadtcasino um 1941

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    W ir halten es fr ein Zeichen des verdich-teten Bauens in unserer Gegenwart, dass mehr und mehr Huser in die Hhe schiessen. Doch schon vor achtzig Jahren erwogen die Eigentmer des Basler Stadtcasinos, an der Stelle des alten Berri-Baus ein Hochhaus zu errichten. Es htte zweifellos das Bild der Innenstadt entschei-dend verndert. Dazu ist es bekanntlich nicht ge-kommen. Anstelle des Stadtcasinos von Melchior Berri von 1826 wurde 1938/39 fr zwei Millionen

    Franken und mithilfe des Arbeitsrappens ein Neu-bau eines Architektenteams um Willi Kehlstadt er-stellt. Dieses hatte die Jury eines Architekturwettbe-werbs unter neunzehn Teilnehmern am meisten berzeugt.

    Es war nicht allein die Liebe zum Neuen Bauen, die den Ausschlag dafr gab, dass die Casino-Gesell-schaft 1938 einen Neubau als Ersatz fr den klassizis-tischen Berri-Bau ins Auge fasste. Die dringend er-forderlichen Renovationen htten Kosten von ber

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    sogar ein Gedicht bei, in dem es heisst: Trotz der Zeiten dsterm Laufe, / Wo des Schicksals Schwere drckt, / werd in deinen frohen Rumen / manch ein Kummer berbrckt.

    Entgegen der Darstellung in den offiziellen Schriften zum Basler Stadtcasino muss man festhal-ten, dass der Neubau von 1939 sthetisch nie unum-stritten war. Schon anlsslich der Erffnung wurden kritische Stimmen laut, denen der Berichterstatter der Basler Nachrichten entgegenhielt: Das Casino ist kein charakterloses Kongressgebude geworden; auch der Neubau hat die besondere baslerische Note gepflegter Kultur, die dem klassizistischen Berri-Haus so wertvoll anhaftete, im Sinn und Geist unserer Zeit bewahrt und auch im Innern zu erfreulicher Gel-tung gebracht. Auch die National-Zeitung lobte die schlichten Formen, zurckhaltenden Farben und die Feinheit der Proportionen.

    Doch Albert Baur seines Zeichens Obmann des Basler Heimatschutzes mischte im Basler Stadtbuch von 1939 deutliche Kritik in seine Beschreibung des Neubaus. Dieser habe zwar dem Strassenverkehr mehr Platz eingerumt und fr grssere Rume als bisher gesorgt. Doch das Ganze, spottete Baur, erin-nere an eine nicht sehr berlegte Schreinerarbeit, in Stein ausgefhrt, ohne die Kraft und Wrde des Steins. Der Architekturfhrer von Dorothee Huber (1993) spricht von biederer Grsse. Als man 2006 in Basel abermals ber einen Neubau diskutierte, gab es vielerlei Einwnde gegen den Entwurf von Zaha Hadid. Aber kaum jemand hielt das Stadtcasino von 1939 fr schtzenswert.

    einer halben Million Franken verursacht, was man fr unverantwortlich hielt. Kaum hatte man mit den Bauarbeiten begonnen, brach der Zweite Weltkrieg aus. Da rund hundert Bauarbeiter in den Militr-dienst eingezogen wurden, mssen die Arbeiten ei-nem Wettlauf gegen die Zeit geglichen haben. Trotz dieser erschwerenden Umstnde konnte eine Woche vor Weihnachten 1939 die Erffnung gefeiert werden. Das Gemlde Apoll und die Musen, das Alfred Heinrich Pellegrini im Auftrag der Casino-Gesellschaft schuf und das bis heute die Fassade in Richtung Barfsser-platz ziert, folgte 1941.

    Die Architektursprache dieses Neubaus lsst sich in der Formulierung zusammenfassen: aussen sach-lich, innen festlich. Schnrkellos und kantig mit ei-nem berkragenden Dach gibt sich die Aussenhaut dieses Gebudes, whrend im Inneren ltere, prunk-vollere stilistische Elemente ins Auge fallen, wie Mes-singleuchter, geschmiedete Gitter, Eichenparkett und Marmorbden. Im Neubau befinden sich der Restaurantteil im Erdgeschoss und im Obergeschoss der Festsaal mit gut 700 Pltzen. Dazwischen war whrend Jahrzehnten eine private Schule unterge-bracht. Heute befinden sich dort neben dem Restau-rant Papa Joes Dienstrume und Bros.

    Sowohl die Basler Nachrichten als auch die Natio-nal-Zeitung wrdigten den Neubau mit grossen Bei-trgen, fr welche auch Fotos eingesetzt wurden damals ein seltener Luxus. Lokaldichter Fridolin verabschiedete unter dem Titel Casinostrum das hei-melige alte Casino und begrsste mit warmen Wor-ten das neue; der Architekt W. Brodtbeck steuerte

    Impressum

    Sinfonieorchester Basel, Steinenberg 14, 4051 Basel, +41 ( 0 )61 205 00 95, [email protected], www.facebook.com/sinfonieorchesterbasel, twitter.com/symphonybasel

    Geschftsleitung: Franziskus Theurillat Knstlerische Planung, Dramaturgie und Vermittlung: Dr. Hans-Georg Hofmann Konzeption und Redaktion Programm-Magazin: Simon Niederhauser, Simone Staehelin Korrektorat: Ulrich Hechtfischer Gestaltung: Neeser & Mller, Basel Druck: Schwabe AG, Basel/Muttenz Auflage: 5500 Exemplare

  • Jazzfestival B a s e l 1 6 A p r i l 1 0 M a iTILL BRNNER

    April

    16 E.S.T.-SYMPHONY PLAYS THE MUSIC OF ESBJRN SVENSSON

    IN KOOPERATION MIT DEM SINFONIEORCHESTER BASEL

    17 THE ART OF DUO GIANMARIA TESTA / YARON HERMAN

    19 TANGO NUEVO DINO SALUZZI QUINTET

    20 FUNKY-GROOVY STANLEY CLARKE BAND UP

    21 THE MOVIE ALBUM TILL BRNNER

    22 ORIENTAL NIGHT ANOUAR BRAHEM

    23 PIANO-SPECIAL MARC PERRENOUD & JOACHIM KHN

    24 SCANDINAVIAN NIGHT JAN LUNDGREN & LARS DANIELSSON

    25 OLOID GREGOR HILBE / CHRISTIAN ZEHNDER TRIO

    26 THE DRUMMERS NIGHT PETE YORK & DANIEL HUMAIR

    27 VOCAL JAZZ JANE MONHEIT

    29 YOUNG & HIP HILDEGARD LERNT FLIEGEN

    30 RISING STARS RITA MARCOTULLI; AMBROSE AKINMUSIRE

    VVK STARTICKET.CH (0900 325 325, CHF 1.19/Min.) OFFBEAT-CONCERT.CH

    Mai

    1 AFRICA! BASSEKOU KOUYAT & NGONI BA

    2 FLAMENCO! CARMEN CORTS & GERARDO NEZ

    MEDITERRANEO LAS MIGAS STRING QUARTET

    3 ORIENTAL TAKSIM TRIO; RABIH ABOU-KHALIL

    4 AFRO JAZZ JOE LOVANO & VILLAGE RHYTHM BAND

    6 JAZZ IN CHURCH TUCK & PATTI

    7 TIGRAN HAMASYAN & ARMENIAN CHOIR

    8 VINO E JAZZ JACKY TERRASSON DUO

    9 VINO E JAZZ VICTORIA TOLSTOY & JAKOB KARLZON

    10 FIRST LADY IN JAZZ DIANNE REEVES

    JUBILUM 25 JAHRE

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    rmli 2015

    Kooperation

    Jazzcampus

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    nie im Voraus, ob die Stcke gut sind, die man spielt. Aber um das herauszufinden, ist es wichtig, dass man sie ber-haupt spielt.

    Ich finde die Frage auch gar nicht so wesentlich, ob ein gespieltes Werk nun gute oder weniger gute Mu-sik ist. Eine solche Einschtzung hat sehr viel mit Geschmack und Wahrnehmung zu tun. Wenn ein Werk seit dreihundert Jahren gespielt wird, wirkt es ganz anders, als wenn man es neu entdeckt. Was gut ist, wird sich mit der Zeit herauskristallisieren. Neue Musik zu spielen, ist wichtig, weil wir sonst an unse-rem eigenen Stuhlbein sgen. Ohne die Auseinan-dersetzung mit dem Jetzt wird Musik zu einem Mu-seumsstck, das in immer weitere Ferne rckt und an Bedeutung verliert. Abgesehen davon ist es auch einfach spannend, neues zu entdecken und auszu-probieren. Deshalb bin ich auch so glcklich, dass wir hier eine so intelligente Programmierung haben. Oder wie hast du das in den zwei Jahren, seit du hier bist, erlebt?

    Das sehe ich auch so. Und ich denke, dass vor allem auch das Publikum hier in Basel sehr interessiert ist. Es hat wirklich das Bedrfnis zuzuhren. Es schtzt es, wenn ne-ben dem bekannten und traditionellen Repertoire immer auch neuere Werke gespielt werden. Es lsst sich darauf ein.

    Domenico Melchiorre: Meine Orchesterlaufbahn hat im Sinfonieorchester Basel angefangen. Nach dem Studium war ich mit einem Zeitvertrag ange-stellt. Nach vier Jahren wurde ich zum Probespiel eingeladen und erhielt danach einen unbefristeten Vertrag. Bei dir war das anders, du hast vorher schon in einem anderen Orchester gespielt, oder?

    Marc Lachat: Ja. Ich spielte zuvor vier Jahre in Monaco, im Orchestre Philharmonique de Monte Carlo. Ich habe dann vor zweieinhalb Jahren die Ausschreibung fr das Probespiel in Basel gesehen und mich beworben. Nach ei-nem Jahr musste ich mich entscheiden, ob ich knftig in Monaco oder in Basel spielen mchte. Und wie du siehst, habe ich mich fr Basel entschieden.

    Aus welchen Grnden? War es wegen der Grsse des Orchesters?

    Das Orchester in Monaco ist ungefhr gleich gross wie das Sinfonieorchester Basel, es besteht aus rund 100 Musikerin-nen und Musikern. Es waren musikalische Grnde, wes-halb ich mich fr Basel entschieden habe. Das Programm in Monaco war sehr traditionell. Wir spielten zwar wie hier in Basel im Konzert und in der Oper, aber nach Strawinsky gab es nichts mehr. Ich finde es sehr wichtig, dass in einem Orchester auch Neue Musik gespielt wird. Man weiss zwar

    Domenico Melchiorre und Marc Lachat im Gesprch

    Wir haben ein sehr treues Publikum

    Der Solo-Oboist Marc Lachat und der Solo-Paukist Domenico Melchiorre unterhalten sich ber risikofreudiges Publikum,

    die Wichtigkeit der Neuen Musik und die Kunst, in einem Orchester zu fhren.

    aufgezeichnet von Simon Niederhauser

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    Werkauswahl eingehen. Er weiss, dass das Publikum die Mglichkeit in Kauf nimmt, dass es vielleicht enttuscht wird. Was aber nicht dazu fhrt, dass man dann nicht mehr ins Konzert geht. Im Gegen-teil: Man weiss um das Risiko, und geht genau des-halb immer wieder hin. Man will berrascht werden.

    Stichwort Risiko : Wir haben beide im Orchester relativ ex-ponierte Positionen. Wie gehst du damit um?

    Was ja nicht selbstverstndlich ist. Bei Stcken, die neu sind, muss das Publikum aktiv einen Beitrag leisten. Wenn es am Ende einer Darbietung applau-diert, applaudiert es sich auch selber, denn es hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Auffhrung ein Erfolg wurde. Bei gewissen Werken wird das Publi-kum mehr gefordert als bei andern. Deshalb ist eine gute Programmierung so wichtig. Man kann ein Pu-blikum nicht zwingen, zwei Stunden hchstkonzen-triert zuzuhren. Es ist daher wichtig, dass es auch wieder Momente der Entspannung gibt. Solche Mo-mente sind dann auch wie eine Art Belohnung. Ich finde ebenfalls, dass wir hier in Basel ein interessier-tes und sehr treues Publikum haben. Es gibt ein rela-tiv grosses Stammpublikum, das immer wieder in die Konzerte kommt. Unser Chefdirigent sprt diese Treue und kann deshalb auch gewisse Risiken bei der

    Domenico Melchiorre und Marc Lachat

    Bild : Jean-Fran

    ois Tailla

    rd

    Domenico Melchiorre wurde 1982 in Basel geboren und hat in Freiburg im Breisgau studiert. Seit der Spielzeit 2007/08 ist er Solo-Paukist beim Sinfonie-orchester Basel.

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    ohne sie zu zwingen. Wenn ich die Aufmerksamkeit der Kollegen brauche, versuche ich, sie durch die Art der Ton-gebung zu erlangen.

    Ich sehe manchmal, dass ihr die Pause einer Probe nutzt, um bestimmte Passagen zu besprechen. Das ist nur mglich, wenn man sich gut versteht.

    Das ist etwas, das ich hier in Basel so schtze. Man sprt, dass das Orchester einen guten Zusammenhalt hat. Man beobachtet oft bei anderen Orchestern, dass darin zwar sehr gute Musiker sitzen, dass es aber keinen Zusammen-halt gibt. Entsprechend unbefriedigend ist dann auch das Resultat. Unser Orchester spielt sehr gut zusammen, es ist daher auch einfach, richtig zu spielen. Es ist normal, dass es in einem Orchester Unterschiede gibt. Entscheidend ist, dass man sich findet und sich bemht, gemeinsam an et-was zu arbeiten.

    Paukist in einem Orchester zu sein, ist fr mich im-mer noch der schnste Beruf, den ich mir denken kann. Ich geniesse es sehr, dass ich bei gewissen mu-sikalischen Fragen mitentscheiden kann. Aber wo die Sonne scheint, gibt es natrlich auch Schatten. Es gibt Tage, an denen es nicht so einfach ist. Spannend finde ich, wie bedingungslos unser Job ist. Egal, wie es einem geht, man muss einfach die Leistung ablie-fern. Das fhrt dazu, dass man sich sehr gut kennen-lernt.

    Es geht mir auch so: Mehr Erfahrung heisst nicht automa-tisch weniger Stress, aber man hat bei Schwierigkeiten mehr Lsungsmglichkeiten parat. Ich finde es wunderbar, ein Teil eines grossen Ganzen zu sein. Aber es ist auch stres-siger, als allein zu spielen. Man hat eine gewisse Verant-wortung. Ein einzelnes Solo kann manchmal darber ent-scheiden, ob die Auffhrung einer Sinfonie gelingt oder nicht. Aber dafr haben wir oft diese unglaubliche Mg-lichkeit, uns selber auszudrcken im Rahmen dessen, was die Musik erlaubt. Es gibt Abende, an denen ich dieselbe Funktion habe wie die anderen, an manchen Abenden aber habe ich wirklich die Wahl, individuelle musikalische Ent-scheidungen zu treffen so wie du ja auch. Oft bist es ja du, der rhythmisch auf die anderen Einfluss nimmt.

    Wie macht ihr das eigentlich bei den Holzblsern? Bei uns Schlagzeugern ist es einfach: Wenn ich spie-le, schauen sie einfach auf mich. Aber wie macht ihr das? Wie wisst ihr, an wem sich die Intonation aus-richten muss und mit wem ihr atmen msst? Wie fhrst du die Gruppe an?

    Ich versuche immer die bersicht zu haben, mit wem ich in diesem oder jenem Moment spiele und versuche dann so zu spielen, dass die anderen Lust haben, mit mir mitzu-ziehen. Es geht darum, die Leute zusammenzubringen,

    Marc Lachat ist 1987 im Elsass geboren. Er hat am Conservatoire de Paris Oboe studiert und ist nach Stationen beim Orchestre de Tours und Orchestre de Monte Carlo 2013 nach Basel gekommen.

  • T I C K E TS w w w . s t a r t i c k e t . c h ( C H F 2 0 . / 1 5 . f o r s t u d e n t s ) w w w . c u b e s e s s i o n s . c h , w w w . f a c e b o o k . c o m / c u b e s e s s i o n s

    # 1 1 F i n d i n g F l o rence 23 . Ap r i l 20 1 5 2 1 U h r Kuppe l B a se l NUMMER DAT UM Z E I T O R T C u b e S e s s i o n s p r e s e n t c l a s s i c a l m u s i c i n a n e w e n v i r o n m e n t : T s c h a i k o w s k i & B a r t k r e m i x e d a n d c o m b i n e d w i t h e l e c t r o .

    P j o t r I l j i t s c h T s c h a i k o w s k i : S t r e i c h s e x t e t t S o u v e n i r d e F l o r e n c e B l a B a r t k : R u m n i s c h e V o l k s t n z e M e m b e r s o f S i n f o n i e o r c h e s t e r B a s e l f e a t . A m p e d & W i r e d

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    Cocktailkonzert Salon de Cuivres

    Echos des Jazz Age

    Der quirlige Robert Emery ist noch in bester Erinne-rung als Chef der legendren SOB-Lovebugs-Fusion von 2011 und als Dirigent und Pianist der Rhapsody in Brass im darauffolgenden Jahr. He is back in Basel! Gemeinsam mit den Blechblsern des Sinfonie-orchesters Basel wird er den Festsaal mit exquisiten Arrangements von Ohrwrmern aus Klassik, Pop und Swing zum Glhen bringen.

    Donnerstag, 12. Februar 201518.15 Uhr, Stadtcasino, Grosser Festsaal

    Angetrieben von stndig neuen Errungenschaften taumelt in den USA eine ganze Generation im Dauer-delirium dem grossen Brsencrash von 1929 entge-gen. Kinotempel und Musical-Theater bieten Unter-haltung fr die Massen, der wilde Charleston gilt als unsittlich und erobert wohl genau deswegen die Tanzlokale im Sturm. F. Scott Fitzgeralds Werk Tender is the Night ist die Chronik einer ganzen Epoche und ein berhrendes Echo des Jazz Age.

    saMstag, 14. Mrz 2015 ( in englischer Sprache )sonntag, 15. Mrz 2015 ( in deutscher Sprache ) 17.00 Uhr, Basler Papiermhle

    Cocktails und Musik im Grossen Festsaal Christian Sutter liest aus Tender is the Night

    Vorschau

    Bild : B

    enno

    Hun

    ziker

    Bild : B

    enno

    Hun

    ziker

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    Stadtcasino, Grosser Festsaal

    Stadtcasino, Grosser Festsaal

    Stadtcasino, Musiksaal

    Palais de la Musique et des Congrs Strassburg VV: strasbourg- events.com

    Stadtcasino, Musiksaal

    Basler Papiermhle

    Basler Papiermhle

    Stadtcasino

    Stadtcasino, Musiksaal

    sa 07.02.16.00

    Do 12.02.18.15

    Mi 04.03.19.30

    Do 05.03.

    Mi 11.03.Do 12.03.19.30

    sa 14.03.17.00

    so 15.03.17.00

    Do 19.03.ab 16.00

    Do 19.03.19.30

    mini.musik: beim FrsterMitglieder des SOB

    cocktailkonzert: salon de cuivresBlechblser des SOB / Robert Emery

    sinfoniekonzert sob: bruckner 4Wolfgang Amad Mozart: Sinfonie Nr. 34 C-DurAnton Bruckner: Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, RomantischeSOB / Stanisaw Skrowaczewski

    zu gast in strassburgWerke von Wolfgang Amad Mozart und Anton BrucknerSOB / Stanisaw Skrowaczewski

    Viertes coop-/VolkssinfoniekonzertWerke von Wolfgang Amad Mozart, Gioacchino Rossini und Ludwig van BeethovenSOB / Amira Elmadfa / Pietari Inkinen

    schwarz auf weiss: echoes of the Jazz ageMusik von George Gershwin, Cole Porter und Erik Satie, Aus-schnitte aus Tender is the night (englisch) von F. Scott FitzgeraldMitglieder des SOB / Christian Sutter / Marissa Blair

    schwarz auf weiss: echos des Jazz ageMusik von George Gershwin, Cole Porter und Erik Satie, Aus-schnitte aus Zrtlich ist die Nacht (deutsch) von F. Scott FitzgeraldMitglieder des SOB / Christian Sutter

    entdeckerkonzert: neue horizonteMitglieder des SOB / Fazil Say / Dennis Russell Davies

    sinfoniekonzert sob: horizontePaul Hindemith: Sinfonische MetamorphosenIsang Yun: Violinkonzert Nr. 3Leonard Bernstein: Sinfonie Nr. 2, The Age of AnxietySOB / Yumi Hwang-Williams / Fazil Say / Dennis Russell Davies

    Agenda

    Vorverkauf ( falls nicht anders angegeben ) : Bider & Tanner, Ihr Kulturhaus mit Musik Wyler, Aeschenvorstadt 2, 4010 Basel, 061 206 99 96 Detaillierte Informationen und Online-Verkauf : www.sinfonieorchesterbasel.ch

  • Disney

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    Es geht um Verlsslichkeit.