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Heiko Schrader: Sozialer Wandel, Modernisierung und

Transformation

Als Sozialer Wandel (auch: Gesellschaftlicher Wandel) werden die

Vernderungen bezeichnet, die innerhalb einer Gesellschaft ber einen

lngeren Zeitraum vor sich gehen. Er bezieht sich auf die Vernderungen

der Sozialstruktur, der Bevlkerungsstruktur, des Zusammenlebens

(Familienstruktur), der Normen und Werte, der Kommunikationsformen,

Rollen, Denkweisen, Institutionen und Organisationen, der Technologien,

etc.

Abb.: Betrachtungsfeld der Soziologie

Gleichgewicht Struktur Differenzierg.

Soziologie Akteur Modernisierg.

Krise Prozess Soz. Wand.

Heiko Schrader: Geschichte der Soziologie gesellschaftlicher Entwicklung

2

Abb.: Sozialer Wandel

Soz. Wandel=Prozessanalyse

Makrosoziologie Mikrosoziologie

Vernd. d. Sozialstruktur Differenzierung Vernd. von Institutionen, Milieus

Ungleichheit Ungleichartigkeit

(national/international) (national/international)

Modernisierung bezeichnet ein sozialwissenschaftliches Theorem, das den

sozialen Wandel charakterisiert. Es dient zur Interpretation und Erklrung

fundamentaler gesellschaftlicher Transformationen insbesondere in Europa

und Nordamerika, aber als Folge internationaler Politik (Kolonialismus,

Welthandel) und des Kulturaustausches (ber Diffusion, Migration usw.)

auch in nichtwestlichen Gesellschaften. Inhaltlich bezieht sich dieses

Theorem auf die Beschreibung und Analyse von globalen

gesellschaftlichen Strukturvernderungen, die mit der Beschleunigung des

Wandels einer eigenen Logik der Modernisierung folgen. Hierbei entstehen

Mglichkeiten zur (personalen, sozialen, kulturellen und

politisch-konomischen) Integration und neue Potentiale fr weitere

Transformationen, sowie neue Probleme und Krisenhorizonte

gesellschaftlicher Entwicklung (vgl. Goetze 1997).

Abb.: Projektionen von Entwicklung

Vergangenheit Gegenwart Zukunft ?

x

Erfahrung, Reflexion Projektion

Heiko Schrader: Geschichte der Soziologie gesellschaftlicher Entwicklung

3

Differenzierung bezieht sich auf einen Prozess, in dem soziale Aktivitten,

die vormals von einer sozialen Institution verrichtet wurden, nun

verschiedenen Institutionen zugeteilt werden. Differenzierung reprsentiert

eine zunehmende Spezialisierung der Teile der Gesellschaft, die zu

grerer Heterogenitt und Interdependenz der Teile fhrt.

Karl Marx: Der Materialismus ist eine philosophische Richtung, die auf

menschliche Probleme schaut, indem sie die realen Bedingungen der

menschlichen Existenz, insbesondere solche der Bedrfnisbefriedigung,

analysiert. Die Grundannahme ist, dass als erstes die Menschen ihre

materiellen Bedrfnisse nach Nahrung, Kleidung und Unterkunft

befriedigen mssen. Er geht weiter davon aus, dass Gesellschaft und

Geschichte aus der Sequenz produktiver Handlungen entstehen, die darauf

ausgerichtet sind, diese Bedrfnisse zu befriedigen. Der Materialismus

kann deshalb als theoretische Perspektive definiert werden, die als ihren

Ausgangspunkt die Perspektive einnimmt, dass Menschen zuallererst ihre

konomischen Grundbedrfnisse ber Arbeitseinsatz und produktive

Ttigkeit befriedigen mssen (Morrison 1995: 32)

Der Positivismus kann als wissenschaftliche Perspektive bezeichnet

werden, die alle spekulativen Geisteswissenschaften auf dieselbe Ebene

wie die Naturwissenschaften stellen will. Er ging von drei Prmissen aus:

(1) Er forderte, die Suche nach der ultimativen Wahrheit aufzugeben und

stattdessen nach Gesetzmigkeiten zu suchen; (2) die wissenschaftlichen

Aussagen sollten auf Beobachtungen beruhen, die die Basis fr die

Entwicklung einer Wissenstheorie stellen sollten; und (3) er betonte, dass

die Beziehungen zwischen Fakten zur Entdeckung genereller Gesetze

fhren wrden (Morrison: 122)

Heiko Schrader: Geschichte der Soziologie gesellschaftlicher Entwicklung

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Stufenlehre des Historischen Materialismus

Der historische Materialismus unterscheidet verschiedene Stufen der

gesellschaftlichen Entwicklung, die er anhand der Produktionsverhltnisse

voneinander unterscheidet. Zu diesen Entwicklungsstufen zhlen (Folie):

Stammes- bzw. Urgesellschaft

Sklavenhaltergesellschaft

Feudale Gesellschaft

Kapitalistische Gesellschaft

Wird der Kapitalismus berwunden, folgen:

Sozialismus / Diktatur des Proletariats als bergangsphase

Kommunismus

Neoevolutionistische Theorie nach Harrison White (Folie)

uerer kult. Druck Gesellschaft Innerer kult. Druck

kologischer Druck

Heiko Schrader: Geschichte der Soziologie gesellschaftlicher Entwicklung

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Emile Durkheim

Solidaritt, mechanische (oder askriptive): Zusammengehrigkeitsgefhl

aufgrund vorgegebener gemeinsamer Merkmale (Name, Alter, Geschlecht,

Tradition), denen die Gruppe eine bindende Bedeutung zuschreibt. Nach

Durkheim: das Kollektivbewusstsein, das sich in einfachen, segmentr

differenzierten Sozialgebilden durch eine Gleichheit der Beziehungen der

als homogen angesehenen Teile in einem sozialen Ganzen zur Umwelt

ergibt.

Solidaritt, organische (Solidaritt durch Differenzierung): nach

Durkheim die Kohsion der Teile in einem fderativ-funktional

differenzierten sozialen Ganzen, die aus der Verschiedenheit und

wechselseitigen Angewiesenheit der Teile erwchst. Dies motiviert die

Akteure, ein gewisses Ma an gesamtgesellschaftlichem Wohlergehen

anzustreben und sich selbst entsprechende Rcksichten aufzuerlegen.

Organische Solidaritt erfolgt ber Mitgliedschaften.

Arbeitsteilung nach Durkheim:

Im allgemeinen kann man Arbeitsteilung als einen Prozess bezeichnen, der

Arbeit zwischen Menschen aufteilt, so dass Menschen verschiedene

Aufgaben bernehmen. Im konomischen Sinne bezieht sich Arbeitsteilung

auf einen Prozess, Arbeit in getrennte und spezialisierte Einheiten zu

zerlegen, um die Produktivitt zu erhhen. Im Durkheimschen

soziologischen Sinne bezieht sich Arbeitsteilung auf einen Prozess sozialer

Kohsion, die sich in Gesellschaften ergibt, deren soziale Beziehungen

daraus resultieren, dass Individuen mit ihren unterschiedlichen,

spezialisierten Funktionen voneinander anhngen (Morrison 1995: 144).

Heiko Schrader: Geschichte der Soziologie gesellschaftlicher Entwicklung

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Tabelle: Gegenberstellung segmentrer und fortgeschrittener

Gesellschaften nach Durkheim

Segmentre Gesellschaften Fortgeschrittene Gesellschaften

Geringe Bevlk.dichte/ ~Verstdterg.

Viele hnliche Segmente mit geringem

Bezug

Geringe Differenzierung

Gleichartigkeit der Segmente

Einheitliches Kollektivbewusstsein

Klarer Unterschied zw. normal und

abnorm

Fortbestand durch Konformitt

Regulation ber Strafen

Statusgesellschaft (Hierarchie Status,

Alter, Geschlecht

Mensch fhlt sich als Teil der

Gemeinschaft

Mechanische Solidaritt

Hohe Bevlkerungsdichte/ ~Verstdterung

Hohes Ausma soz. Arbeitsteilung

Hohe Differenzierung/Spezialisierung

Ungleichartigkeit, Anhngigkeit

Weniger einheitl. Kollektivbewusstsein

Unklare Unterschied zw. normal und

abnorm

Fortbestand durch Differenz

Regulation ber ges. Zusammenleben

(Leistungsgesellschaft)

Mensch fhlt sich als Individuum

Organische Solidaritt

Heiko Schrader: Geschichte der Soziologie gesellschaftlicher Entwicklung

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Max Weber

Rationalisierung und Rationalitt

Rationalisierung bezieht sich auf den allumfassenden historischen Prozess,

ber den der Alltag zunehmend durch Kalkulation, wissenschaftliches

Wissen und rationales Handeln bestimmt wird. Rationalitt bezieht sich bei

Weber dagegen insbesondere auf die Reflexion ber die Beziehung von

Mitteln und Zielen vor der Ausfhrung einer Handlung. Weber

unterscheidet verschiedene Dimensionen rationalen Handelns:

Handeln kann zuerst einmal auf der unmittelbaren Handlungsebene

analysiert werden. Hier gibt es die Form des zweckrationalen Handelns:

die Abwgung zwischen Mitteln und Zielen. Diesem Typ idealtypischer

Handlung stehen vor allem affektuales, traditionales und

routinefrmiges Handeln gegenber.

Rationalitt des Handelns kann aber auch in einer theoretischen

Rationalitt begrndet sein. Hierbei geht es um die Reflexion ber die

Handlungswirkungen und verallgemeinerbare Kausalzusammenhnge,

losgelst von unmittelbarer Handlungsnotwendigkeiten. Dieser Typ von

Rationalitt ist insbesondere Kennzeichen der Wissenschaft, und er ist

Kennzeichnen der Reflexiven Moderne, in die wir laut Beck, Giddens

und Lash (Beck, et al. 1996) eingetreten sind.

Handlungsrationalitt kann auch eine formale Rationalitt sein, die auf

allgemein anzuwendende Regeln ausgerichtet ist. Eine solche Regel ist

zum Beispiel die formelle Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz,

deren Folge aber nicht die materielle Gleichhei