Thesen Zur Vertreibung Der Deutschen

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    Thesen zur Vertreibung

    der Deutschen

    von Alfred de Zayas

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    Herausgeber:

    Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.Bismarckstr. 90, 40210 Dsseldorf, Tel. 0211/35 03 61, Fax 36 96 76,

    [email protected], http://www.bdv-nrw.deVerfasser: Prof. Dr. Dr. Alfred M. de Zayas

    Redaktion: Markus PatzkeHerstellung: Kafaii Kopie GmbH Digitales Print Studio

    ISBN 3-00-016129-6

    August 2006

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    Inhaltverzeichnis

    Thesen zur Vertreibung ...................................................................................5

    Historische Thesen.......................................................................................5

    Vlkerrechtliche Thesen...............................................................................9

    Schlufolgerungen .....................................................................................12

    Rede von Dr. Jose Ayala Lasso, UN-Hochkommissar fr

    Menschenrechte a. D. am 6. August 2005 in Berlin ...................................15

    Auswahlbibliographie zum Thema.................................................................22

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    Thesen zur Vertreibung

    Die demographische Katastrophe der Vertreibung der Deutschen und ihrelangfristigen Konsequenzen sind bisher weder in Deutschland noch in Ameri-

    ka ausreichend diskutiert und verstanden worden. Um sie besser anpackenzu knnen, wurden diese historischen und vlkerrechtlichen Thesen verfat,die in einer frheren Auflage (verffentlicht in den "Anmerkungen zur Vertrei-bung" Kohlhammer, Stuttgart) in der "Historischen Zeitschrift" und Geschich-te in Wissenschaft und Unterricht" lobend erwhnt wurden.Nach den ethnischen Suberungen im ehemaligen Jugoslawien und im Hin-blick auf die Kriegsverbrecherprozesse in Den Haag, ist eine aktualisierteFassung der Thesen notwendig geworden, um das Geschehen 1944/1950 indie Geschichte der Kriegsverbrechen und des Vlkermordes besser einord-nen zu knnen. Die aktualisierten Thesen sind im Januar 2006 als Anla-ge zum Buch "Die deutschen Vertriebenen. Keine Tter sondern Opfer" Leo-pold Stocker Verlag (Ares) in Graz erschienen.

    Historische Thesen

    1. Der Begriff Vertreibung als terminus technicus beinhaltet nicht nur diegewaltsamen Vertreibungen vom Sommer und Herbst 1945, sondernauch die Evakuierung der deutschen Bevlkerung seitens der deutschenBehrden ab dem Herbst 1944, die allgemeine Flucht im Frhjahr 1945

    sowie die organisierten Zwangsumsiedlungen ab 1946. Der Begriff Ver-treibung mu so verstanden werden, weil sowohl die Evakuierten alsauch die Geflchteten beabsichtigten, nach Beendigung der Kampfhand-lungen in ihre Wohngebiete zurckzukehren. Sie wurden jedoch von densowjetischen und polnischen Behrden daran gehindert und eben des-halb zu Vertriebenen gemacht.

    2. Nach der Niederwerfung Polens im September 1939 wandten Hitler undStalin hnliche Methoden zur dauerhaften Beherrschung ihres jeweiligenBeuteanteils an. Hitler lie etwa 650.000 Polen aus Gebieten Westpolens,

    die in das Reich eingegliedert werden sollten, deportieren, wobei im An-schlu daran dort verschiedene deutsche Volksgruppen nach ihrer Rck-fhrung aus der sowjetischen Einflusphre (Heim ins Reich) angesie-delt wurden. Whrenddessen trachtete Stalin mittels Deportationen anti-sowjetisch eingestellter Polen und durch die Ermordung der polnischenmilitrischen Elite (Katyn, 1940) die Macht ber das Gebiet stlich derRibbentrop-Molotow-Linie zu festigen. Im Ostfeldzug ab 1941 plante Hit-ler, im europischen Teil der Sowjetunion groe deutsche Siedlungskom-plexe durch Vertreibung der einheimischen Bevlkerung zu schaffen.

    3. Das, Prinzip der Zwangsumsiedlung wurde auf westlicher Seite zunchstvon dem tschechischen Exil-Politiker Eduard Benesch nach dem Mn-chener Abkommen, noch vor Kriegsausbruch, befrwortet und im Laufe

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    des Krieges in seinen Gesprchen mit Stalin, Churchill und Roosevelt zuseinem wesentlichen Kriegsziel aufgebaut. Zunchst waren davon nur ei-nige Hunderttausende Sudetendeutsche betroffen, die sich gegenberdem tschechischen Staat illoyal verhalten und wie Benesch behauptete

    als Hitlers Fnfte Kolonne bettigt htten. Allmhlich erfate BeneschsAusweisungsforderung immer mehr Deutsche unter Auerachtlassung jeglichen Schuldprinzips, einfach um den tschechoslowakischen Staatknftig nicht mehr mit einer nennenswerten deutschen nationalen Minder-heit zu belasten.

    4. Nachdem das Prinzip der Zwangsumsiedlung Volksdeutscher (illoyaleMinderheiten) von den Alliierten akzeptiert worden war, wurde es im Zu-sammenhang mit der geplanten Westexpansion des polnischen Staatesauch auf Reichsdeutsche (keine Minderheiten) in den stlichen Provinzen

    Deutschlands angewandt. An der Konferenz von Teheran (28. November 01. Dezember 1943) fhrte Stalins Forderung, Polen stlich der Curzon-Linie zu annektieren, zur Entscheidung, Polen im Westen auf KostenDeutschlands zu entschdigen. Mit der territorialen Entschdigung warauch der Plan zur Aussiedlung der einheimischen deutschen Bevlkerungverbunden, ohne da sich direkte Bezge zu den nationalsozialistischenVertreibungspraktiken im Osten feststellen lieen.

    5. Die einschlgigen Akten im Public Record Office in London und in den Na-tional Archives in Washington zeigen, da die Experten im Foreign Office

    und im State Department bis zu den Konferenzen von Jalta und Potsdamdafr eintraten, die territorialen Entschdigungen an Polen (zunchst nurOstpreuen, dann maximal bis zur Oder) und die damit verbundenen Um-siedlungen der Deutschen zu beschrnken (zwischen zweieinhalb undsieben Millionen). Sie sollten durch eine sog. Population Transfers Com-mission beaufsichtigt werden, um einen stufenweise geordneten Ablaufund eine Entschdigung fr zurckgelassenes Eigentum zu gewhrlei-sten. Dabei sttzten sich die Diplomaten auf den Przedenzfall des Be-vlkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Trkei 1923 bis

    1926, der unter Aufsicht des Vlkerbundes und auf der Basis des Lau-sanner Abkommens durchgefhrt worden war.

    6. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 wurde zwar der bekannte Arti-kel XIII ber den Transfer der Deutschen angenommen, jedoch ist er hu-fig falsch ausgelegt worden, wenn behauptet wird, da die Anglo-Amerikaner den Umfang der Umsiedlung befrwortet htten. Im Gegen-teil: Artikel XIII stellt eine Notmanahme dar, die in hchster Eile verfatund angenommen werden mute, weil die nicht genehmigten, wilden Ver-treibungen aus der Tschechoslowakei, aus Polen und aus den deutschen

    Ostgebieten eine vllig chaotische Situation in der amerikanischen undder britischen Besatzungszone verursacht hatten, nicht zuletzt auch inBerlin, wie in unzhligen amerikanischen und britischen Berichten aus

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    dieser Zeit belegt ist. Somit war Artikel XIII kein Blankoscheck fr die Ver-treiberstaaten. Vielmehr bezweckte er zunchst ein Vertreibungsmoratori-um und die bertragung der Zustndigkeit fr Umfang und Zeitpunkt desTransfers an den Alliierten Kontrollrat in Berlin.

    7. Die amerikanische und die britische Regierung protestierten in Warschauund Prag wiederholt wegen der inhumanen Behandlung der deutschenBevlkerung und der Nichteinhaltung der Richtlinien des Artikels XIII.

    8. Die Umsiedlungen, die nach der Aufstellung eines Aufnahmeplans des Alli-ierten Kontrollrates im November 1945 erfolgten, verliefen weniger ver-lustreich. Jedoch urteilte 1950 die Walter-Kommission des amerikani-schen Reprsentantenhauses in einem ausfhrlichen Bericht ber dieVertreibung der Deutschen, da keine Phase der Vertreibung als humanbezeichnet werden knne.

    9. Ein noch schwereres Schicksal traf mehr als anderthalb Millionen Ver-schleppter. Nur 55 Prozent berlebten. Hier ist die anglo-amerikanischeMitverantwortung gut belegbar, denn Churchill und Roosevelt akzeptiertenam 11. Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta das Prinzip, wonachdeutsche Zwangsarbeit als Kriegsentschdigung zugelassen wurde.Durch diesen gemeinsamen Beschlu, der ebenfalls von Stalin unter-zeichnet wurde, wurden Volksdeutsche aus Rumnien, Jugoslawien undUngarn und Reichsdeutsche aus Ostpreuen, Pommern und Schlesien Mnner wie Frauen zur Sklavenarbeit in die Sowjetunion verschleppt,gewissermaen als lebende Reparationen.

    10. Flucht, Vertreibung und Verschleppung haben ber zwei Millionen un-schuldige Opfer das Leben gekostet und dies zum Teil quasi als Frie-densmanahmen bzw. nach der deutschen Kapitulation. Ein solches Er-eignis mu von der Welt zur Kenntnis genommen werden ohne Polemikund ohne Vorwurf der Aufrechnung eben als historisches Faktum. Indiesem Zusammenhang mu auch der Verzicht auf Gewalt und Vergel-tung in der Charta der Heimatvertriebenen vom August 1950 besonders

    gewrdigt werden.

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    Alfred M. de ZayasDie deutschen Vertriebenen - Keine Tter, sondern OpferHintergrnde, Tatsachen, Folgen232 Seiten, zahlreiche S/W-Abbildungen, 15 x 23 cm, ISBN 3-902475-15-3

    Wer aus den Fehlern der Vergangenheit nicht lernen will, istverdammt, sie zu wiederholen. Bosnien, Ruanda und Dafurbelegen diese alte Weisheit. Der Aut