Die Täufer in der Eifel

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    28-Nov-2014
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    Spiritual

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Geschichte der Täufer in der Eifel. Der Glaube und die Verfolgung von freikirchlichen Christen zur Zeit der Reformation.

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  • 1. GuteBot[aft.$om Geschichte der Baptisten Die Tufer in der Eifel Ingo Breuer Rursee, Eifel: In dieser abgelegenen Talgegend fanden die Tufer Ruhe vor ihren Verfolgern Das Eifeler Land ist bis heute eine berwiegend katholische Gegend, auch wenn es nur noch wenige fromme Katholiken gibt, die in der Lehre ihrer Kirche leben. Es existieren viele religise Bruche und Traditionen, deren tiefere geistliche Bedeutung oft nicht mehr erkannt wird. Dieses von Tradition und Brauchtum formalisierte Christentum ist leider oft zu einem bibellosen Christentum mutiert, in dem das Wort Gottes keine Rolle mehr spielt, ob wohl es doch ntzlich zur Belehrung, berfhrung, Zurechtweisung und Erziehung in der Gerechtigkeit ist. 2. Tim. 3:16. Seit der Rckkehr der rulanddeutschen Mennoniten nach Ende des Kalten Krieges gibt es wieder einen strkeren Einflu tuferischer, bibeltreuer Christen. Die scheinbare katholische Dominanz in dieser Gegend tuscht aber. Es gibt Anzeichen, da lngst vor der Reformation bibeltreue Christen in dieser Gegend lebten. Bei der Spurensuche kommt uns der Propst Everwin von Steinfeld zur Hilfe, denn er schreibt ber die sog. Waldenser. Everwin verurteilt sie als Ketzer, da sie weder den Papst, noch die katholischen Bruche und Sakramente anerkannten und scharf gegen die Ausschweifungen und Mibruche der rmischen Kirche predigten. Die Waldenser sind die Vorfahren der heutigen Baptisten. Der Begriff Waldenser stammt von Vaudois, "Talbewohner"; denn sie lebten lange in den Tlern von Piedmont, den Bergen Sdfrankreichs und den Pyrenen, wo sie auch Unterschlupf vor ihren Verfolgern fanden. Die Waldenser wurden auch Albigenser, Katharer oder Arme von Lyon genannt. Es handelt sich aber um taufgesinnte Christen, ber die folgendes dokumentiert ist: 1
  • 2. GuteBot[aft.$om Wenn der Eifer jener Armen aus Lyon sie nicht im eigenen Vaterland bleiben lie, so folgten sie dadurch dem Befehl Christi, hinzugehen in alle Welt, um das Evangelium aller Kreatur zu predigen. Dazu trieben die Verfolgungen sie gerade in solche Gegenden, wo man ihnen weniger nachsprte. Wenn die einen sich in die Gebirgszge der Westalpen flchteten, so pilgerten andre nach Norden, nach Lothringen und Metz. Von da aus sind sie nach Trier und Kln gekommen. Auch hier gewann ihr frommer Wandel und ihre schlichte Bibelauslegung ihnen viele Freunde. Der Propst Everwin von Steinfeld schreibt um 1140 an den Abt Bernhard von Clairvaux: In neuerer Zeit haben sich bei uns in der Nhe von Kln gewisse Ketzer gezeigt, von denen einige gern in die Kirche zurckgekehrt sind. Einer aber, der ein Bischof unter ihnen war, widersprach in einer Versammlung, in welcher der Erzbischof samt vielen Adeligen zugegen war, ganz offen und verteidigte seine Ketzerei mit den Worten Christi und Seiner Apostel. Wie sie allein stehen mit ihrer Verachtung aller weltlichen Gre, ebenso streben sie danach, in der Nachfolge Christi und Seiner Apostel allein dazustehen und also die einzige wahre Kirche Christi auf Erden zu sein. Indem sie sich eines fleckenlosen Wandels befleiigen, sich auf ihren Flei, ihre Migkeit, auf die Einfachheit ihrer Gottesdienste berufen, vergleichen sie ihren Zustand mit dem der alten Mrtyrer, welche von einer Stadt zur andern flohen, als Lmmer unter den Wlfen. - Sie tadeln die Geistlichen als solche, die der Welt anhngen, als falsche Apostel, die das Wort Gottes verderben und der Heiligkeit ihres Berufs vllig entfremdet sind. - Das Fegfeuer betrachten sie als eine Fabel, die Anbetung der Heiligen verwerfen sie als Gotteslsterung und verweigern dem Papst den Gehorsam. Mit einem Wort, alles, was in der Kirche beobachtet wird, ohne von Christus selber oder Seinen Aposteln eingerichtet zu sein, bezeichnen sie als Aberglauben. Man mu sich wahrlich wundern, da ein aufrichtig frommer Mann, wie Everwin es gewesen zu sein scheint, solche Leute als Ketzer bezeichnet. Weniger darf es uns wundernehmen, da es den Priestern gelang, in Kln, dem deutschen Rom, solchen Ha des Pbels gegen diese Ketzer zu entflammen, da er sie ergriff und mit Wutgeschrei in die Flammen warf. Heinrich Fliedner, Ein Mrtyrervolk ohne Gleichen. Somit ist also dokumentiert, da schon im 12. Jahrhundert eine Prsenz baptistischer Christen in der Eifelgegend bis nach Kln vorhanden war. Im Kloster Steinfeld wurde ber die Verbrennung dieser Christen als "Ketzer" Buch gefhrt, und der Kreuzzugsprediger Bernhard, der u. a. auch in der Eifel Klster grndete, wurde ber die Bewegungen dieser Christen informiert. Sie muten noch viel leiden duch die Kreuzzge und die Inquisitionen, die sich zu jener Zeit gerade am Anfang befanden. Die Verfolger dieser Baptisten haben unbewut fr uns deren Geschichte aufgezeichnet. Auch der englische Baptist G. H. Orchard dokumentiert genau diese Begebenheit in seinem 1855 erschienenen Buch "A Concise History of Baptists". Everwin beschreibt gegenber Bernhard von Clairvaux, da diese Christen ihre Verbrennung mit erstaunlicher Geduld und sogar Freude hingenommen haben. Bernhard war sehr darber verrgert, da diese Christen die katholische Kirche verhhnten, weil sie Suglinge tauft, fr Tote betet und das Fegefeuer lehrt. ber die Waldenser sagt Everwin folgendes: "Sie sagen, die Kirche ist unter ihnen, denn nur sie folgen den Fustapfen Christi und leben in der Nachahmung des wahren apostolischen Lebens, indem sie nicht die Dinge dieser Welt suchen, wobei sie weder Huser, Lnder oder sonstiges Eigentum besitzen, noch hat Christus seinen Jnger Erlaubnis gegeben, etwas zu besitzen ... Wir, die Armen Christi, haben keine sichere Bleibe, wir fliehen von einer Stadt zur anderen; wie Schafe unter Wlfen 2
  • 3. GuteBot[aft.$om ertragen wir Verfolgung mit den Aposteln und Mrtyrern. Sie reden viel von der Taufe mit dem Heiligen Geist, die sie in der Schrift begrndet sehen. Sie nennen sich selbst Auserwhlte und sagen, da jeder Auserwhlte Vollmacht hat, andere zu taufen, die sie fr wrdig halten, aber sie verachten unsere Taufe ... und erteilen ihre Ordnung nur solchen, die mndig geworden sind, da sie nicht an die Suglingstaufe glauben. Ich mu dich auch darber informieren, da diejenigen von ihnen, die zu unserer Kirche zurckgekehrt sind, uns sagen, da groe Zahlen von Menschen mit ihren berzeugungen berall verbreitet sind; und was diejenigen betrifft, die verbrannt wurden, sie behaupten in ihrer Rechtfertigung, da diese Irrlehre seit der Zeit der Mrtyrer verborgen war, und da sie in Griechenland (unter der Pauliziern) und in anderen Lndern existiert hat." Wir haben somit schon vor der Reformation Hinweise auf die Existenz von bibeltreuen, taufgesinnten Christen in der Eifel. Auf der Suche nach den frhesten Spuren der Reformation im Schleidener Raum stoen wir schon 1535 auf die Tufer oder, in der Sprache ihrer Gegner, die Anabaptisten oder Wiedertufer. Genannt wurden sie so, weil sie die schriftgeme Glaubenstaufe praktizierten und neue, als Kind bereits getaufte Glubige ein zweites Mal tauften. Da eine radikale Abspaltung der Tufer die Gesellschaft extrem umzugestalten trachtete, wie das Schreckensregiment der Tufer 1535 in Mnster, war das Tufertum schon auf dem Reichstag in Speyer mit der Todesstrafe bedroht worden. Der berwiegende Teil der Tufer waren indessen sehr friedliche kleine Leute, die ein schlichtes Urchristentum praktizierten und bereit waren, dafr ihr Leben hinzugeben. Der katholische Geistliche Heinrich Bla hat in mehreren Aufstzen das Schicksal der Tufer im Eifeler Raum mit groem Respekt fr ihren Opfermut und ihre Glaubenstreue dargestellt. Das lteste erhaltene Tuferdokument aus der Gegend ist der Erla des Herzogs von Jlich gegen die "schreckliche verdampte sect" vom 20. Juli 1535. Ihre heimlichen Zusammenknfte waren schwer zu unterbinden. Im Jahre 1547 missionierte ein Thnis von Hastenrath die Eifeler Gegend, wobei er in Einruhr und Wollseiffen (im zu Schleiden gehrigen Land berruhr) 11 Neubekehrte taufte. 1548 kam es zu einem Vertrag zwischen dem Freiherrn von Eltz-Pyrmont (dem damaligen Herrn von Dreiborn, der die Hretiker besonders eifrig unterdrckte), dem Grafen Dietrich von Schleiden und dem Grafen zu Salm, Herrn von Reifferscheid. In diesem Vertrag wurde ein gemeinsames Vorgehen gegen die Tufer vereinbart. Der Schleidener Graf behandelte die Durchfhrung dieses Vertrages wohl etwas lssig, wenn er auch die Tufer in einem Schreiben als"unrath" bezeichnete. Jedenfalls beschwerte sich der Dreiborner 1548 ber den Schleidener grflichen Rentmeister, weil dieser "die Tufer passieren, hausen und herbergen lasse." Doch erlaubte Dietrich IV. 1550 dem Dreiborner Baron, einen auf Schleidener Gebiet geflchteten Tufer festnehmen zu lassen. Damals sind viele Tufe, die den Glauben nicht widerruft haben, ihrer Habe beraubt worden und aus ih