Artenvielfalt Weissensee

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    24-Mar-2016
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Die Artenvielfalt der Pflanzen am Weissensee

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  • Die Artenvielfalt der

    Pflanzen am Weissenseevon Detlev Wiesner

  • Vorwort

    Die vorliegende Broschre ber die vielfltigen, seltenen Pflanzen am Weissensee soll bei unseren Gsten das Interesse an diesem Biotopwecken und zu seinem Schutz und Erhalt beitragen. -

    Bedanken mchte ich mich bei Detlev Wiesner fr seine professionelleDarstellung der Flora am Weissensee, bei Bernhard Fischer fr diedetailgenauen Pflanzenfotos, bei Thomas Frey fr die grafische Gestaltung und bei Ursula Hussler-Kraus fr die redaktionelle Gesamt-konzeption.

    Wilhelm Hussler

  • Der Weissensee ein seltenes Naturparadies

    Das Appartementhotel Seespitzliegt direkt am Westufer desmalerischen Weissensees beiFssen im Allgu. Die Aussicht ber den klarenSee auf die imposante Bergketteist einzigartig.

    Auf 850 m Meereshhe gelegenund eingebettet in Wiesen, Hgelund Berge gehrt der Weissen-see zu den saubersten Seen inDeutschland. Der weitgehendunberhrte Uferbereich ist eineursprngliche Naturlandschaft.

    Eine Besonderheit am Weissen-see ist die Artenvielfalt derPflanzen, die in den Biotopenrund um den See und an denBerghngen am sdlichen Uferzu finden sind.

    Der Apotheker Detlev Wiesnerund der Informatiker BernhardFischer, ebenfalls begeisterterHobby-Botaniker und Fotograf,haben sich intensiv mit derFlora rund um den Weissenseebefasst.

    Die gefundenen Pflanzen wurdenfachmnnisch bestimmt, nachZusammengehrigkeit geordnetund in der vorliegenden Broschremit groem Sachverstand dar-gestellt.Die Vielzahl der seltenen, teil-weise streng geschtzten Pflan-zen, die hier in den verschie-denen Lebensrumen wachsen,ist eine botanische Besonderheit.

    Wandern auch Sie um denWeissensee, entdecken Sie dieseltenen Pflanzen, farbenprch-tigen Blumen und genieen Sieein auergewhnliches Natur-paradies.

  • Lechsees kann augenscheinlich der Forggensee erinnern, der jaseit 1954 aufgestaut ist.

    Die Vielfalt der Landschaft, derWechsel von Flusstlern, Schotter-ebenen, Mooren, Seen und Mor-nenhgeln steht fr den Reiz desAlpenvorlandes und ist im Fsse-ner Raum fr den Naturliebhaberin reichem Mae zu genieen.

    Der traumhafte Blick von der Terrasse des Appartement HotelsSeespitz, oberhalb des Westufersdes Weissensees, im Ortsteil Ober-kirch, verstrkt die Neugier, dieVielfalt an Natureindrcken rundum den See zu erkunden.

    Whrend der Uferbereich linksunterhalb des Hotels frei zugng-lich ist und als Badeplatz undSpiel- und Liegewiese genutztwird, erstreckt sich nach rechts,neben einem Ufer-Weidengebsch,ein nicht sehr breiter Verlandungs-bereich, der das Schilf- Rhrichtbildet und vom Schilf (Phragmitesaustralis) beherrscht wird.

    Pflanzen am Weissensee

    Im 1985 erschienenen Du-MontKunst-Reisefhrer Das Allguvon Lydia L. Dewiel wird der Weis-sensee als ein melancholischdaliegender See beschrieben. Under soll mit seinem Blick auf denherrlichen Suling zu den schn-sten des Allgus gehren.

    So ist das gesamte Pfrontener undFssener Vorland eine ungemeinreizvolle, sich nach Norden hinffnende Landschaft, von Seen wiedem Hopfensee, dem Bannwaldsee,dem Schwansee und dem Weissen-see geprgt. Diese Seen sind alsReliktseen des ehemaligen Lech-sees anzusehen, entstanden, nach-dem whrend der Eiszeit dieseRegion unter einem riesigen Eis-meer begraben war.

    Von diesem alten Lechsee sind alsUmrandungen die Flyschhnge (sodas Senkele) geblieben, aber auchFeuchtgebiete, Moore und Wiesen,die nun die Landschaft berausabwechslungsreich prgen. An die Gre des ursprnglichen

    Weissensee Teichsimse

  • Dieser Schilfgrtel, der sich auchber weite Bereiche des Ost- undNordufers erstreckt, ist ein bedeu-tender Brut- und Rckzugsbereichder zahlreichen Wasservgel amSee.

    Im meistens ruhigen Wasser desWeissensees steht noch weiter imSee, vor dem Schilfgrtel, die eben-falls sehr hoch werdende Teich-simse (Schoenoplectus lacustris),die schon durch ihre dunkel gras-grnen hohen Stngel auffllt, diebis 3m hoch werden knnen. Dieses lockere Rhricht der Teich-simse steht im sandig- kiesigen,kalkhaltigen Grund in Wassertiefenvon 0,5-1m. Die laubblattlosenStngel der Teichsimse sind wenigbruchfest und kommen nur inruhigem Wasser vor. Bemerkens-wert ist zudem, dass an dieserTeichsimse eine Mikroorganismen-flora siedelt, die schwer abbaubareSubstanzen wie Phenole aus demWasser aufnehmen und zu leichterzersetzlichen Abbaustoffen verar-beiten kann und somit einen hohenStellenwert hinsichtlich der Sauber-keit des Seewassers besitzt.

    Das gesamte Sdufer des Weissen-sees wird von einem bis zu 1.150mhohen Hang-Bergwald umschlossen,gebildet von den Nordhngen des Weissenseebergs und des Burgen-bichlbergs. Diese mitunter auchsteil ansteigenden Hnge sind teil-

    weise sehr stark von Quell- undHangdruckwasser durchsetzt undsorgen so fr eine erstaunlich groe Artenvielfalt an Pflanzen,sowohl in der Baum- aber auch inder Strauch- und Kruterschicht. In diesem montanen Bergwald sindFichten und Rotbuchen vorherr-schend, daneben kommen in derBaumschicht Kiefern, Lrchen,Eschen, Bergahorn, Erlen vor, nebenleider nur wenigen Weitannen.

    Teilweise wird der Bergwald durcheine ppige Strauchschicht auchsehr dicht, so sind hier Vogelbeere,Heckenkirschenarten, Pfaffenht-chen, Alpenheckenrose, Schneeball,Holunder, Felsenbirne, und da esein Nordhang ist, auch BehaarteAlpenrose zu nennen. Darberhinaus ist durch die gute Durch-feuchtung bedingt, auch eine ber-aus artenreiche Krautschicht vor-handen, vom zarten Blau der Wald-Veilchen im Frhjahr, zum sehrzahlreich vorkommenden Trken-bund und Eisenhut im Sommer biszum tiefblau blhenden stattlichenSchwalbenwurz- Enzian im frhenHerbst.

  • Am Sdufer wird der Bergwald anmehreren Stellen von steil zum Seehin abfallenden Felswnden unter-brochen und mitten im Fels findensich, trotz der wenigen Feinerde,wunderschn blhende Pflanzen,wie die Alpen- Aurikel (Primulaauricula) oder das wei blhendeStngel- Fingerkraut (Potentillacaulescens), aber auch kleine Farnewie der Ruprechtsfarn (Gymnocar-pium robertianum) oder der Braun-stielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes), alle sind sog. Chasmophyten oder Felsspalten-bewohner.

    Die Wurzeln dieser Pflanzen knnenselbst in feinste Risse dieser Kalk-felsen einwachsen und sind dannnoch mit der ausreichenden Feuch-tigkeit versorgt, obwohl der Wurzel-raum und der Wasservorrat biswei-len uerst gering sind, zumal diePflanzen ja an freien und somitdem Licht und der Sonne ausge-setzten Stellen blhen.

    Im zeitigen Frhjahr strahlt in die-sen Felsen das krftige Gelb derAurikel, die zustzlich Feuchtigkeitin ihren fleischigen Blttern spei-chern kann. In diesen Felsbereichenentlang des schmalen Steges lassensich auch den ganzen Sommer langeine Vielzahl von Felsspaltenpflan-zen entdecken, so das ebenfallsgelb blhende Niedrige Habichts-kraut (Hieracium humilis), das weiblhende Kugelschtchen (Kernerasaxatilis), ferner die zierlicheZwerg- Glockenblume (Campanulacochlearifolia), alles Charakter-pflanzen dieser Felsspaltenregion.

    Das hier blhende NiedrigeHabichtskraut findet man sehr seltenim Allgu, wobei es hier in einergroen Population zu bewundernist. Zudem sind in diesem sonni-geren und lichteren Bereich desfelsigen Bergwaldes an Strucherndie wei blhende Felsenbirne(Amelanchier ovalis) und die gelbblhende Kronwicke (Coronillaemerus) zu bewundern, letztere ist in dieser Region sehr selten,gleichsam ein Gru der Sdalpen.

    Im Verlandungsbereich desschmalen Ostufers in RichtungFssen sehen wir einen breitenSchilfgrtel. Vor allem aber wirdder Blick auf den imposanten Suling im Sdosten gelenkt undnatrlich auf Schloss Neuschwan-stein, den Anziehungspunkt derGegend schlechthin.

    Aurikel, Primula auricula

  • Weitere beraus artenreiche, aberauch sehr unterschiedliche Pflanzen-gesellschaften sind am Norduferdes Weissensees im Verlandungs-bereich zu unterscheiden. Unter-halb der Pfarrkirche St. Walburgaim Ortsteil Weissensee sind nachbeiden Seiten hin weite Flchendurch das Mehlprimel- Kopfbinsen-moor (Primulo- Schoenetum ferru-genii) geprgt. Dies ist eine imAlpenvorland weit verbreitete Kalk-flachmoor- Gesellschaft und hufigin der Verlandungszone kalkoligo-tropher Seen lokalisiert.

    Vom zeitigen Frhjahr an ist diesesNieder- oder Flachmoor ungemeinfarbenprchtig, auffallend das tiefeBlau des Frhlings- Enzians (Gen-tiana verna) und des grer blhen-den kurzstieligen Kalk- Glocken-enzians (Gentiana clusii). Sehr hufig ist hier die rosafarbenblhende Mehlprimel (Primula farinosa) zu sehen, die als Charak-terpflanze diesem Niedermoortypden Namen gibt. Auch sind die sattgelb blhende Trollblume (Trolliuseuropaeus) und die NiedrigeSchwarzwurzel (Scorzonera humilis)leuchtend gelbe Farbtupfer in denbunten, feuchten Frhlingswiesen.Im Sptsommer findet sich dannsowohl der dunkelblaue Schwalben-wurz- Enzian (Gentiana asclepia-dea) und ebenso zahlreich deransonsten nicht so hufige Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)in diesen weiten beeindruckendenNiedermoorwiesen.

    Trollblumen, Trollius europaeus

    Schneidbinsen, Cladietum marisci

    Eine Seltenheit am Nordufer ist dasSchneidbinsen- Ried (Cladietummarisci), eine Verlandungsgesell-schaft kalkhaltiger Gewsser, gernelokalisiert an quelligen Stellen mitsauerstoffhaltigem Wasser. DiesesSchneidried (Cladium mariscus),

  • das in diesem ufernahen Abschnittvorherrschend wchst, vertrgtkeine oder nur geringe Wasser-stands- Schwankungen und reagiertwesentlich empfindlicher als Schilfauf Umwelteinflsse. Es kann ca.2m hoch werden und der NameSchneidried deutet an, dass dieBltter am Rand und am Rcken-stiel schneidend scharf (Vorsicht!)sind. Beim genauen Betrachtenwird man sehen, dass sie deutlichsgefrmig sind. Im Umfeld fallenaber auch bunt blhende Pflanzenauf, so die Sumpf- Platterbse(Lathyrus palustris), der GemeineBeinwell (Symphytum officinale)und das Gemeine Helmkraut (Scu-tellaria galericulata).

    In der nacheiszeitlichen Wrmezeitwar diese Schneidr